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Hr.212 droeites Blatt

Giehener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gberhesien) Samrtag, 8. September 1928

Die Lage der Reichsfilianzen.

Don Or. Grtmtr, M. d. K

Tie Loge her Reichsfinairzen ift im gegen- man gen 2ugenb.uk in boppdler Hinsicht auf» ft d c f ft e angespannt unb besorgnis- erregend Einmal sind die Dctfügborcn Geld- mittel stark zusammengetchrumpft. die au» der frühere, Seit bestandenen Ausgabereste in Abc* sondere des Außerordentlichen Etat». sind in grostem Ilmsang aus gezehrt während bit zu chrer Deckung bestimm!.' An'.elhe bis zum Augen­blick nicht untergcbracht werben könnt.- Id bast der Kassendestond zusehends zutammenschmeizen mutzte unb ba» Rc.ch nunmehr genötigt ist. aus bw Ausgabe von Schaywechfcln zurückzuareisen. beren zulässige Höchstsumme beträgt 400 Millio­nen, von denen 250 Millionen bereit* begeben sink) Autzerbem kann bas Reich noch einen Betriebskredit von 100 Millionen bei ber ReichS- bonf m Anspruch nehmen- Damit ober sind bic Möglichkeiten ber Beschatt ang von Kassenmitteln erschöpft E« müssen baher in kurzer Frist ®nt* scheibungen getroffen werben, um Die Reichs- falk ftufsig zu erhallen unb bie pünktliche Er­füllung ber 4krbinblichlerten de» Reichs sicher* zust eklen

Aus ber anderen Helle ist bie Lage bc* Iahreshausboltsbebenklich. Bei einer Reihe wichtiger Steuern ist ber Doranschlag in ben ersten vier Monaten bes Jahves nicht erreicht worben. Io msbesonbere bei ber Vermögen»- unb Erbschaftssteuer. bei ber Umsatzsteuer unb ben KapitalverkehrSsteuern. wäyrenb für andere Einnahmequellen angesichts ber WirtschaftSent- wirLung eine rückläufige Entwicklung in ber nächsten Fell mehr als wahrscheinlich ist. Der günstige Ernte auslall wird gewist bas Ertragnis der 3Mie erheblich beeinflussen, ber eingetretene Konjunkturrückgang sich aus bic Umsatzsteuer, aber auch auf Die Lohnsteuer unb die Einkommen­steuer ungünstig auswirken. so bah es höchst zweifelhaft ist. ob bie Einnahmen in ihrer Ge­samtsten bic Ziffern bes Voranschlags erreichen werden. Demgegenüber bürsten bic Ausgaben ebenfalls un Zusammenhang mit der rückläufigen Konsunkturentwick.ung in den nächsten Monaten über bie HauShattSichäyungen hinausaehen Die Ausdehnung ber Ktisensürsorge hat bereit* un- veranschlagte Erhöhungen im Gesolge, ein stär­keres Anwachsen Der Arbeitslosigkeit läftt bie Möglichkeit gröherer Vorschüsse des Deichs an bie Arbeitslosenversicherung am Horizont er­scheinen Es wirb daher gröhter Vorsicht bet der Abwicklung des lausenden IahreshauShalts bebürfen, um bessen Gleichgewicht nicht zu zer­stören Doch gröbere Sorget freilich muh bie Finanzierung bes Hausha lts für 1 9 2 9 bereiten. In diesem Haushalt werben etwa 300 Millionen Mark Einnahmen fehlen, die das laufende Iabr noch aufwerst, anderersells ober mit Vestimmtheit 300 Millionen Mark Aus­gaben mehr au bewirken sein, um welche bie RepavafionSlast im nächsten Haushaltsjahr noch anwächft Im ganzen ist also für 600 Mil­lionen im Jahre 1 929 eine Deckung noch erst zu suchen

Diese nüchternen Tatsachen müssen unterstrichen werden, um bie Meinung zu beseitigen, bie noch immer lli manchen Köpfen spult, als ki jetzt ber Augenblick zu Steuersenkungen auf ben ver­schiedensten Gebieten gekommen Es wirb im Gegenteil jetzt vor allem barauf ankvmmen. zu verhindern, dah zur Deckung des vorauszusehen- den Defizits aus bas bequeme Mittel der Ein­führung neuer Steuern zurückgegrisfen wird. Die Steuererfrnder sind eifrig an der Arbeit mit Vorschlägen für Steuern, die angeblich die Wirt­schaft nicht belasten sollen. Jede Steuer be­lastet aber bie Wirtschaft so ober so, und wenn man schon tragfähigere Steuern glaubt empfehlen E" en, so muh man eine Entlastung in ber

s mutmahlichen Ertrag- an anderer Stelle hren Hinsichtlich des mutmahlichen Defizits wftd man mit aller Bestimmtheit an der Forderung fest zuhalten Haden, bah es durch Einsparungen im Haushalt des 'Reichs, der

Klemens Brentano.

3om 150. <s>cburt*fofl am 6. (September.

Don Dr. Hedwig Aischmaan.

Als btc klugen, mütterlich gütigen Augen Der grau Rat Goethe auf dem Knaben Sie­mens Brentano geruht hatten, ba lasen fie. Lebensschicksal kündend, die Worte von feiner Stirn .Dein Reich ist in den Wollen und nicht von dieser Erde, und so oft es fich mit dieser be­rührt, wird es Tränen regnen"

3a, als ein fremder, heimatloser Vast war er über diese Erde geschritten, immer eine hei he. verzehrende Sehnsucht nährend und hätschelnd, viellaicht mehr um ihrer selbst als des ersehnten Traumbildes willen lind wenn Frau Aja ihm einen .gesegneten Regenbogen" gewünscht, so wölbte er fich, wunderfam schillernd aus Ironie und Witz, aus Gertz und Phantasie gewoben, über seinem tränenschweren Dasein, dem er selbst auf ber Höhe des Lebens bie trostlose lieber- schrist: Vergeblich! gegeben hat War es wirk­lich vergeblich gewesen? Als ein sorgloser, an­mutsvoller Verschwender hat er sich selbst, hat er die reichen Gaben, die ihm das Geschick allzu frei­gebig in die Wiege gelegt, verströmt, vergeudet. Ansatz unb Stückwerk blieb, was er gelebt und geschaffen. Aber zwischen dem wilden Geröll unfeit es von -^überglänzendem Gesiei.i. von Mävchengold. von Perlen der Lyrik, eigenem und Dem Dunkel der Vergessenheit cninffenem Volks­gut. von den nur Halo aus dem Stein gemeihelten unb doch so lebendigen Zügen des fahrenden Schülers unb seiner mittelalterlichen Umwelt und von des braven Kasperl und des schönen Anneri hoch auf ragen dem Monument Wahrlich, reiches Gold barg, was wie in tändelndem Spiel von der LebenS täfel dieses Verschwenders fiel.

Drei Rationen hatten an ber Wiege des Kna­ben gestanden, ihn mit überreicher Gabentülle seg­nend unb verfluchend' rtalicnikfcee deutsches und französisches Blut mi'chten und bekämpften sich in feinen Adern, durch keines zügelnden Willens Kraft zur Harmonie gebändigt Durch das alte Kauftnannsgeschlecht der Brentano war er verwurzelt in der Geistes- und fühlsw." Ita­liens. Sei'» Mutter aber war bic schöne Mari- rtfiane Laroche um derer vanllen Augen willen einst der junge Goethe bitterste Qualen

ßäibf und Gern co den -u bereinigen ist. soweit nicht bic eigenen Einnahmequellen der öffent­lichen Betriebe durch Steigerung des Ertrags teilweise bie Deckung ermöglichen

Darüber hinaus ober werben biejenigen Par­teien, die wie bic Deutsche Dolkspartei. die an vorderster Stelle steht, bei brr Beratung beS Fmanzausgleichs für 1927 an die Erhöhung der llcberwetfuiigm an bie ßänber bie Bedingung Der fühlbaren Senkung der Real­steuern knüpften, jetzt mit Rachdruck barauf zu bestehen Horden, dast bie bamale geschaffenen Ge<cyesvorfchrtsten unb von brr Regierung ge­gebenen . Zulagen erfüllt werben, unb das vor 5ahr und Tag mit großem Gepränge angekünbigtc Steuervereinpeitlichungsgefey end­lich zur Verwirklichung kommt Der Abstieg ber Konjunktur läßt ohnedies bu Gefahr groß genug erscheinen. dast Länder und Ge­meinden für ihren Finanzbedars bic Real­steuern noch stärker hcrmtz.ehen wenn fie etwa mit Rückgängen ber ilebcrtoetfxmgen au» brr Ein­kommens- unb Umsatzsteuer rechnen müllen Ge­rade im Zeichen des KonjunkturadstiegS unb bes Rückgänge- ber Einkommen sink» bie Real- fteuem auf Vrunbdefttz und Gewerbe noch drückender, als m Zeiten aufit eigen ber Konjunk­tur. Um fernen Preis darf daher daS Streben noch einer Erleichterung der Real­steuerlast durch andere, noch so begreifliche

und grundsätzlich billigenswerte Erleichterungs- Wünsche m den Hintergrund gedrängt werden. Es ergib. sich vielmehr vrm selbst aus der g<- schildenen Lage die Folgerung. dast bic Ter- bcfkerung der Einkommensteuer durch Enttastung ber kleinen und mittleren Einkommen unb Auseinanberziehung des Tarifs so gestaltet fern must dast der G.'fatntertrag nicht beeinträch­tigt wird Das Gleiche gilt für bic gefordert, Veranlagung ber veränderlichen Einkommen nach dreijährigem Durchschnitt und die Erlegung der Besteuerung des Kapitalertrags von der Quelle zum Steuerpflichtigen

Das Jahr 1929 trrrb finanzpolitisch fo auster- ordenti.ch schwierig sein und groste Ankrdciun^cn schon in dem Rahmen der heute geltenden Ge­setze an d e Sleuerpftichtigen stellen, dast es ein verbrecherischer Leichtsinn wäre, vor dieser Sttua- tion bic Augen zu ich!testen unb ben Wählern die Möglichkeit gröberer neuer Belastungen zum Zweck der Erfüllung der vcrlch.ebensten Wünsche und Forderungen vorzugaukZn In'olgcbesicn ist es naturgemäfi auch n cht möglich, jetzt Steigerun­gen der sozialpolitischen Belastung in» Auae zu fassen, sondern alles Streben must vielmehr dahm gehen, durch Vereinfachung der sozial­politischen Organisationen und die straftere Zu- 'ammensallung ihrer Mitte?, diesen die Ver­besserung ihrer 2ctftungen zu ermöglichen

Weltpolitische Verschiebungen.

Außenpolitische Umschau.

23oii Dr. Otto Hoehsch, 0. Prof, der Geschichte an der Uniocrfifdf Äerlin, M. d. "K

Williamstown (Massachusettsl. Ende August 1928. Der außenpolitische Iichall der amerikanischen Zeitungen ist nicht sehr umfangreich. Besonders auch deshalb im Augenblick nicht, well bic Außenpolitik. wie bie sog . Annah.ne-AuS- sprachen" ber betben Kandidaten, Hoovers in Salo Alto (Kalifornien! am 11., und Al Smiths in Albany am 22. zeigten, in dem jetzt lebhaft werdenden Wahlkampf keine g.oste Rolle fpieken wird Ilm so wichtiger ist eS zu sehen, waS an austenpolitischen Dingen die Zei­tungen genauer behandeln KelloggePakt. OTt- asicn, d.ts neuenaval agrccmcnt, d. h die Flotlenverstänbigung zwischen England und Frankreich

Auch hier bn Osten Rorbamcruas ist daS Interesse an der Spannung in Ostasien dtaunlid) grost, und zrigt, wie stark die Vereinigten Staa­ten nach dem fernen Osten, der für sic eigentlich fernster Westen heisten mühte, gravitieren Man billigt allgemein den schnellen Gntschlust, mit dem die amerikanische Regierung den neuen Zoll- vertrag mit China, d h. ber Ranking - Regierung in Peking, am 25. 3ull schloß, einseitig unb ohne Befragung bei älnterzeichner beS Washington-Vertrags von 1922. Es ist im Grunde schon bie Anerkennung beS neuen, un­abhängigen, sich von ben .ungleichen" Verträ­gen befreienben China- unb zwingt natürlich die anderen Mächte, dem nachzuhinken. Man verfolgt mit reservierter Spannung ben zuneh- menben Gegensatz zwischen China und Ja­pan um bie Manbschurci, bie bie neue, chinesische Regierung keineSsall- preiSgeben will. Ist ba» doch heute schon ein Land von 26 Mil­lionen chinesischer Einwohner, denen vielleicht nur 100000 Japaner, noch dazu meist Koreaner, gegenüberstehen! Japan ist in einer Defensive unb isoliert. Chamberlain, so sehr er zö­gert. in der Dertragspolltik die von Amerika gewiesenen neuen Wege einzufchlagen, hat Eng­land m der mandschurischen Frage gegen Japan

*) Dir veröffentlichen mit diesem Artikel den ersten ber Amerika-Berichte unsere» außenpoli­tischen Mttarbeiters. D. Red.

nn Brenta noschen Hause gelitten, und die er Wer­thers Lotte nebst manch anderem Zug der Marc verliehen hat. ri ihr aber, der Tochter von D i e- land» emvfindsamer Freundin Sophie Laroche, war durch den Bund ihrer Eltern deutsche» unb sranzösische» Blut eins geworden. Aber nur eine harmonisch abgeklärte Atmosphäre de» Eltern­hauses. eine klug leitende Hand halten die zahl­losen Kenne und Entwicklungsmöglichkeiten, die in diesen lebensprühenden, geistsunkelndcn Ge­schlecht schlummerten, in der zarten Kiibetkek zur segensreichen Entsallung dringen können. Doch der in feinem Berus ausgehende Vater mag er auch immerhin liebenswerter gewesen lein, als das verzerrte später bereute Bildnis von Sohnes- hanb glaul'cn macht die durch frühe Leeden müb unb schwach gewordene Mutter waren diefer Ausgabe ebensowenig gewachsen wie die liebe- leere. unmütterftche Zucht der Fremde, in bic verpflanzt worden zu fein, der Dichter als da- bitterste Unhell seines Lebens empfunden b.v

Heimatlosigkeit das war das ^krhängai^. bas über dem Dasein d .e es kaum an einem Orte sester verwurzelten Romantikers waltete, dem ftch später, gleich schicksalsschwer der Dovpellluch der Beruss- und Familienlosigkett zugefellle. Unb doch besaß selten e n Tihter ein tieferes Zugehörig­keitsgefühl zu feiner Familie als Brentano Da» ftrabknbc. früh erloschene Augenpaar seiner Mut­ter waren die hellsten nie vergessenen Sterne, die seinem Leben geleuchtet Habei dafür legt sein Roman .G obwi wre die zutiefst geftlhlten rückblickenden Verse des Einleitungsgedichtes zu den .Romanzen vom Rosenkranz Zeug­nis ab. Unb ben gleichen anbetenben Kult über­trug Brentano auf feine Schwestern auf die reiz­volle frühwelkenbe Mädchenblüte Sophie und aus die i£:n im Innersten wesensverwandt? Bet­tina. In jubeln bem Incinandetströmen wuchsen diese beiden Geschwister zusammen. Bettina ban­ken wir da» lebendigste, wenngleich von dem Medium ihrer trauten Phantasie gebrochen wider- gespiegelte Bild deS jungen Brentano in dem .FrühlingSkranz". den sie aus ihrem Bviek- wechfek gewunden. Clemens aber maß an der ver­klärten Gestalt der Mutter, der Schwestern alle Frauen, die in fein Leben traten, wie er letzten Endes fie nur in jedem Weibe 'ucht,. und wenn Brentano, dem Liebessehri süchtigen die Liebe stets nur Leid gebracht hat. so mag v\ 'einer Ab­lehnung alles Andersartigen mii eine Ursache dieses Derhängni'seS liegen.

festgelegt die britische Regteiung betrachtet bic Manbschurci als einen Teil von China

DaS finb große Dinge unb Zusammenhänge unb in ihnen ber Wille bei Kuomingtang-Leute. ein mobemes, einiges, sreies unb unabhängiges China entstehen zu lassen. Es ist ein eigener Einbruch, hier ben energischen unb schlagferti­gen Vertreter bet Ranking-Rcgieruttg in Wa­shington, Dr. W u. ben früheren Außenminister, barüber rebeu zu hören, in glattem Englifch und in modern europäischem Gewand, so wie wir bis­her nur bie Japaner zu sehen gewohnt waren. Aber so Ungeheueres für später in afiebern schlummert, für unsere Sorgen, für bie Sorgen Europas liegt baS boch fehr an ber Peripherie!

Das ift burchauS anders mit den beiden an­deren Fragen Diese Zeilen werden vor der Unterzeichnung deS Keklogg-Paktes am 27. August geschrieben. Herr Kellogg hat eS eilig, zurückzukehten Sin seltsames Rciseprogramm Pans, bann brei Tage Dublin, unb - bie Ab­sage deS Besuches in London, wo er doch Boi- schäftet war! Dublin, das bedeutet ein Kompli­ment für bie irischen Wähler, bie trotzbem afk für Al Smith stimmen werben. In Lonbon aber toofite er ebensowenig über europäische Fragen reden, wie bi Pari».

Schon mit den Spezialverhandlungen über den Pakt siel ein Schatten out die große Aktion. Roch größer aber ist ganz offenbar das Miß. trauen, ja die Sorge über bie englisch­st a n z ö s i f ch e Zusammenarbeit unb neue Derbinbung, bie jetzt, auch noch in unbestimmten Konturen, immer mehr an bie Oberfläche tritt. Unb auch wir, auch bie beutsche Politik hat allen Anlaß zu gleichem Mißtrauen und gleicher Sorge.

Was ist geschehen? Die Folgen beS Scheiterns der Genfer SeeabtüstungSkonferenz. Sommer 1927. unb bes FiaSkos ebenfalls der Genfer AbrüftungSverhanblungen tm März, stehen vor uns und vor Hotbamertia. Jetzt wiffen wir. weshalb Herr B c 11 h e l o t nach London ging und wie die unabläffigc Arbeit der französischen Diplomatie mit Sm William T h r e l l nun eure schriftliche Abmachung zwischen England und Frankreich zustande brachte Wieweit da» auch

Doch was bie Liebe ihm versagte, ba» schien ihm bie Freunbschast mit doppelten Gaben er­setzen zu wollen Savigny. bie Brüder Grimm, ©örre» und vor allein Achim von Arnim waren ihm treue Weggenossen. ,hn leitend und fördernd, sowei di.tte anlehnungsbebürfttge unb doch im Freunde nur den rezeptiven Gei ährten für seine übetquellenbc Ideenwelt suchende Ratut sich leiten lieh Mtt Arnim verband ihn in den glücklichen Heidelberger Tagen bic gemeinfame Arbeit an ber Vollsliedetsammlung .Des Kna­ben Wunderhor n". jener großen von Goethe mit freudiger Zustimmung begrüßten Tat ber jüngeren Roman til die eine neue Epoche der deutschen Lyrik einleitetc. Und wie Brentano es auch im Leben wundervoll verstand, den Weg zu dem schlichten, einfachen Volle zu finden, während chm nichts verhaßter war als ber selbst­gerechte Philister, wovon feine gkänzenbe Satire .Der Philister vor. in und nach der Geschichte" Äunbr gibt; wie das Wertvollste an k-nem .verwilderten" Roman©oböi" bic an Volks- licbmotir-e antfingenben lyrischen Einlagen sind, die dann in den Liebern der .C h r o n i f a eine» fahrenden Schülers" zu jener süßen Mesodik emporwachken. bie R »ctzschc zum begeisterten Lobprei'cr seiner Musikolftät gemadü. wie er in feiner T -Habe von ber schönen Lore Lay bem Dollsmythos eine von btefem al- eigenes Äcnb anflencmmenc Gestalt geschaffen hat fo erwies er sich bei der Sammlung ber DelkSl eder als ber feiner Empfindenbe. mit ehr- fürcht iger Scheu bem Vollsgui ©e aenü bert ortend inbcficn Arnim, die eigentlich treibenbe Kraft selb st Herr, icher unb gewalttätiger mit bem über­lieferten Ve'rtz schaltete

Es ist bic große Tragik in Brentanos Leben daß er wenn ihn nicht wie bei .Des Knaben Wunderhvrn" e;ne» Freunde» Lcitcnbc Hand führte, sich immer wieder mit leidenschaftlichem Eifer reuen Zielen zuwandtc die Plane ms Weiteste unb Tiefste spann, um bann ermattet abzubrechen, ehe der Derdeakt sich vol'enbet hatte. Das war bas Schicksal, dem auch ferne reichste, fetzte kosTnifogi'che und metaphysische Ideen mit der Mettki r.öchtzer Sprachkunst umL» tdendc D.ch- lung .Tic Romanzc i vorn Rosenkranz" ttnr auch die beiden Märchen.zv5len. sowohl tic Rhein­märchen wie bie rach dem 3tal enllchen oear» beiteten Märchen, anhernficl-m bei beiden Mär- chengrupven Rafft der allzu brei' angelegte Rah­men locker um ein Gefüge, das weit Himer dem

Drianb» W.rk ii wiffen wir n>ch Cham­ber Iain. der am 30 Juli bic erste lcr<a:tc* ntflc M iteikimg davor tm Unterhaus machte, ha: *.di Herei z eh.-n :a< cn. so rtc nur noch mehr, ttv*. Chambeilain ernsthafter »neb.ieScnb unb ipcmger weiihlickend i'i Sir Edamrb Grey un bekannten Br^wech'.. mit Cambon im Rv- vemver 1912. D e Pariser Korresponbenten ber Reuyorker Blätter fprech.m darum auch non

Erneuerung der

Entente ztv.schcn England imb Frank­reich

Das sind feine guten und trostreichen Ei- innerungcn für den furo;<u,d>ni Frieden! Wir tef.cn durchaus das unbe da gliche und mißtrauische

und das ö oolidgc veran'.aßrc zur Regelung der Sprache", wie man in der Diplomolie sagt, für Kellogg m Pari» bic. 3rage fehr gründlich mit der amerckanllchen Admiralität zu de- fprechen Er spün ja am stärksten daran bie Rieder läge in Genf hn August 1927. und bic Weit fpürt daran die Eni'remdMig ber deiben angelsächfichen Weltrnächic

Es soll kein Bündnis sein Auch jener Bricf- wechfei war kein» Aber es ist zimächst ein ge­meinsames Flottenabrüstungs- besser Flotten- Richtab rüstungsprogramm. die Ver­ständigung bi der Differenz Berechnung der Rüstungsstärke nach Schilf Stvpen i englischer Standpimkti oder nach der Gefamtlonnagc i fran­zösischer Standpunkt ]. Wie auch da» Kompro- miß lautet, es führt weiter und die beiden europätschen Großmächte zufainmen England gegen 6 e e a b r ü ft u n g. Frankreich g e - gen Landabrüstung Geht da» nicht kehr fest zusammen und weiter zur Verständigung über gemeinsame Aktion im KricgSsalle, über gemein­same Olftion in G.mf und gegm Amerika?

Fehlschlag in Gens für Loolidges Abrüstungs- Politik unb vorsichttg reservierte, s i ch f e lvst isolierende Außenpolitik in bet Füh­rung Kellogg», der jetzt mit seinem Pakt unb der Energ e m China doch nichts mehr aufholen kann die anderen waren eifriger unb nutzten daS aus Wer ein Gefühl für große Welt- politifche Verschiebungen hat. fühlt hier die An'ayc dazu' Die Folgerungen für bic Abrüftungsbcwegung unb alles andere brouxfc'i gir nicht ausgematt zu werden. Wie­der fühlt Ourova. w i e zielbewußt die franzö- fifchc Politti auf deren Aktivkonto wir bielc enalifch-franzöfifche Verständigung schreiben, vor- geyt. Wieder sicht man. wie tvciiig im Ernst von einer englischen aktiven und konstruktiven Fric- denspokitti in Europa zu erwarten unb wie wenig auf sic zu rechnen ist. Unb toieber spürt man. wohin die gewollte amerikanische ..Lelbst- ifvtteruiigspokittk", diese starre, beinahe huste- rllche Sorge vorverwickeln den 'Zlllionzen" schließlich für Europa führt Was kann f ie denn tun gegen ober mit einer Erneuerung betEn­tente cotbiale'?

S; c soil die seste Garantie für ben Welt­frieden fein? Sie will gewiß ebensowenig ober noch weniger b rekl ben Krieg, wie ihn Grey unb Cambon bireft wollten. Aber fie tvägt bie Keime dazu in sich, weil fie genau ben entgegenge'ehtxrn Weg en sch lägt, als ber, der zum curev'iischen Frcd.-n fahr. Denn fo kommt man sicher nicht zur Abrüstung und nicht zur friedlichen Revision ber Friedens­verträge. Do soil nut bc Ordnung von 1919 für Europa erneut befestigt werden :m Ginne Frankreich- unb seiner Va­sallen. und England hat b e Hänbe frei, zur Sicherung seines Weltteich- draußen.

Wan begreift, daß ein Schatten auch hier auf die Kellogg-Aktion fällt und bic Erinnerung immer fataler wirkt, daß Kellogg bei bem großen Rai neben Brianb saß. wie Wilson seinerzeit neben Clemeneeau Aber deshalb verliert ber Äelloggpakt nichts von feiner g»hen Bedeu­tung. Denn die Well ist anders 1928. als fie 1919 war! Aber die Dölkerbundskrise kann über derart gen poll fischen Vorgängen wie sic jetzt mit der enalifch-sranzösischen Vcr'tön- digunq deutlich wurden schneller kommen ais die Herren in Genf denken mögen.

ursprünglichen Plan zurückblieb Unb auch da- inS Maßlose au-einanbcrsl e^enbe Drama .Die Gründung Prags" ist nur ein Glied einer nie gestalteten Dramentrilogie aus ber böhmischen Geschichte Ern fieberhaftes Suchen, ein gieriges Trinken an allen Quellen und ern ew'g ver- schmach tendeS Dursten mi» kaum halb gelerfem Reche r!

Dann trat, lange innerlich vorbereitet, bic große Wanblung in Brentaivs Leben Ter strah­lende geist- unb witzfpruhence Romantiker, ber einst mtt ber Gitarre am blauen Band singend, liebend und alle Herzen in Sturm erobernd durch die Lande gezogen war. halte sich zum stillen .Pilger" gewanoelt. der in gläubiger, selbstver­gessener Hingabe fünf Jahre seines Lebens an bem Krankenbett eines leidenden unglücklichen Wesen-, der Dielumflritenen stigmatisierten Rönne Anna Katharina Emmerich saß unb ihre Visionen auszeichnete Im Glauben, im Ausgchen in ber katholischen Kirche in deren Schoß sich ein Schleac! gi Zacharias Werner in roman­tischer Seyn'ucht geflüchtet hatten, fachte Brentano ben Halt de'sen er. ber cwiq Haltlvse. in tiefster Seele bedürftig war. Langsam, nicht zuletzt unter dem Einflu^ f i 'er zur b ttersten Entfagung ver- urteilten i.i "< zu ber frommen Dichterin Luise Hensel, hatte fich seine Fluch' in ben Glauben vollzogen Um di? Glaubwürdigkeit Brentano- in den ^Ru'Zeichnungen der Visionen ist in ben letzten Jahren ein leidenschaftlicher Karnpf ent­brannt. bei der t ie heftigsten Angriffe gegen seine objektive unb lubjefttx- Zuverlässigkeit erhoben worden fir-b Aber er selbst hat ja im Vorwort ouSdruckii ch bete " dah fd.ie Darstellungen .nicht ber. in besten Anspruch auf ben Charcckder histo­rischer Wahrh. v" erheben wollten WaS er er­strebt hatte war nichts, .als sich demütig den unzählig verschiedenen Darstellungen des bitteren Leiden» durch bildende Künstler und fromme Schriftsteller anzuschließen", wie er ben Stab über lein e.geneS Leben»werk brechend schließlich olle Kunst verurteilt Hot, die sich selbst und nicht Gott 'piegeft.

2lls Clemens Brentano, ein müder Erden- fuget SZiähria inS Grab sank, da war der Dich­ter. war ber Romantiker Brentano schon längst gestorben. Einstmals aber war in ihm. reiner aJ» ic in einer an beten Gestalt, bie wundersam lol- fenbe. widetspt-achsvolle Seele der Roman fi/ Mensch geworden