Einzelbild herunterladen

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nr. 263 Drittes Statt

Lugend und Hochschule

Fliegen lernen."

Don Professor Or. E (Sterling, Berlin.

Fliegen lernen? Warum? Und weshalb ge­rade ich? Weil die Fliegerei vielleicht auch dich brauchen kann: vor ollem aber, weil es dir selbst not tut und von Nutzen ist. Vielleicht steckt in dir ein Köhl, dessen Fahigkc t gelingt, was andere vergeblich versuchtem Vielleicht gibst du einen tüchtigen Verkehrs,lieger ab, der alle Proben der harten Schule und scharfen Auslese bestehl, der jedes Wetter zwingt und jede S.recke meistert. Oder du steuerst ein Flugzeug, das Luftbilder aufnimmt, Forsten mit Streugift ent­feucht, werbende Damen an den Himmel schreibt. Auch bist du etwa ein junger Ingenieur, der später Flugzeuge berechnen und entwerfen, bauen und betreiben will: lerne fliegen, damit du weißt, wie es dem zumute ist, der am Steuer deiner neuesten Erzeugnisse sitzen und sie einflfegen muß: damit du ihn verstehst, wenn er dir berichtet, was geändert werden müßte. Bist Lu aber Zurist und willst dich mit Luftrecht oder mit der Ver­waltung eines Luftfahrtbetriebes befassen, so wirst du fliegen lernen wollen, um dereinst dem Gegenstand deines Berufes vertrauter zu sein. Ebenso geht es ja dem Beamten, Kaufmann und Statistiker. Auch wenn du ein slugbegeisterter junger Lehrer bist, wirst du den Wunsch haben, deine Zöglinge auf Grund eigener Erfahrung mit der Luftfahrt belannt zu machen, Wissenschaft-' lich und nach Möglichkeit auch praktisch: so ferne denn fliegen, damit du es erst selbst richtig verstehst.

Wenn du aber keinen solchen Beruf hast, dann treibe di« edle Fliegekunst als Sport, der dich stählt, der deinen Charakter festigt, der dich lebensfroher macht und dich heißt, das Leben bejahen. Bist du gar in der glücklichen Lage, dir ein Keines Sportflugzeug (nicht teurer als ein mittleres Auto) leisten zu können, so hast du nicht nur ein prachtvoll bequemes, unerreicht rasches und genußreiches Deifemittel zwischen den vor­handenen Flughäfen und Landeplätzen, deren Zahl beständig zunimmt, sondern auch ein treffliches Gerät für kurz dauernde, aber weit reichende im wahrsten Sinne des WortesAusflüge" aufs Land.

Acht wahr, da läuft dir das Benzin im Ver­gaser zusammen? Da möchtest du gleich den Führersitz besteigen und zum Alleinflug starten! Aber so einfach ist die Sache nicht. Auch vor dies« Tugend haben die Götter den Schweiß gefetzt.

Zunächst kostet das Fllegenlernen leider eine Wenge Geld, zwischen 900 Mk. für Leichtflug­zeug« und 3500 Mk. für die Gesamtausbildung bis zu 5000 Mi., von denen freilich bei der privaten Deutschen Luftfahrt <I. m. b. H., die Sportflieger ausbildet, wie auch bei der mit Deichsmitfein unterstützten Deutschen Ber­ke h r s f l i e g e r s ch u l e, die bis zu den höchsten Stufen des Berufsfliegertums führt, ein beträcht­licher Teil gestundet werden kann. Dieses Ent­gegenkommen genießt freilich nur ein kleiner Teil der zahlreichen Bewerber, nämlich solche, deren Gesundheitszustand, sportliche und technisch-wissen» fchaftliche Vorbildung, Charaktereigenschaften und Verhallen während der Ausbildung die Gewähr dafür geben, daß der Schüler später ein wirklich tüchtiger, in jeder Lage zuverlässiger Flugzeug­führer wird.

Ze nach Art und Grad der Ausbildung kann ein Bewerber den Führerschein A für Keiner« Flugzeuge, auch mit Fluggast, aber nicht zum gewerbsmäßigen Fliegen, den Schein B für mitt­lere und C für ganz große Flugzeuge, im allge­meinen für gewerbsmäßigen Luftverkehr, erwer­ben. Dabei werden di« Zulassung für Landflug-

Was verstehen wir unier Arbeitsschute?

Von Or. 3. Wagner?

Der Arbeitsschulgeöanke steht heute in der Aeformpädagogik an e.strr Stelle. Auch in der Verfassung ist er durch die Forderung verankert, daß Arbeitsunterricht Lehrgegenstand in allen Schularten sein soll. Der Begriff hat im Laufe der Zeit eine Wandlung erfahren. Diese Tatsache' und di« weitere, daß der Degrlsf in der Erörte­rung nicht immer die wünschenswerte Schärfe aufwies, sind die Ursachen dafür, daß er vielen Mißverständnissen begegnete. Ursprünglich dachte man an irgendeine Form der Handbetätigung auch für die Knaben, wie man schon länger in den Mädchenklassen den Handfertigkeits­unterricht kannte. Zn dieser Hinsicht sind be­sonders die Bestrebungen zu erwähnen, die von dem Verein für Handfertigkeitsunterricht aus­gingen. Es entstand der Modellierunerricht neben dem Unterricht In den einfachen handwerklichen Techniken wie Pappen, leichte Holz- und Metall­technik. In Anlehnung an die Kur.sterziehungs- bestrebungen um di« Jahrhundertwende kamen weitere Einflüsse von der kunstgewerb­lichen Seite. Endlich hat die Idee in der jüngsten Vergangenheit in der stärkeren Schät­zung der Handarbeit einen Widerhall gefunden. Vom Auslande, von England, den nordischen Staaten und auch von Rußland her wurde der Ärbeitsschulgedanke mit sozialen Organi­sationsfragen verknüpft. Der Gedanke der Produktionsschule, einer Schulform, welche in ihrer Organisation und in ihrem inne­ren Betrieb« die Form der wirtschaftlichen Or­ganisation angenommen hat, wurde von tnanchen in den Vordergrund gerückt.

Di« Produktionsschul« erstrebt eine Schulform, in der die Erziehungsgemeinschaft in Anlehnung an die Organisation des Wirtschaftslebens eine Stätte der Befriedigung der wirtschaftlichen und erzieherischen Bedürfnisse der Schule ist. Die Schüler erzeugen in eigener Wirtschaft Güter, be-

* Diese Klarstellung des Begriffs der Arbeits­schule entnehmen wir dem aufschlußreichen Werk Z. Wagners, Grundlegung der Bildungsarbeit, das als zweiter Band sein Lehrbuch der Er- zfehungswisfenschast zum Abschluß bringt. (Ver­lag von Quelle & Meyer in Leipzig.)

zeuge urd die für Wasserflugzeuge Flugboot oder Schwimmerflugzeuge unterschieden. Wäh­rend der A-Schein tn wenigen Monaten, nötigen­falls auch neben einer Deru'stätigkeit zu erwer­ben ist, erfordert die Ausbildung für den ge­werbsmäßigen Luftverkehr 3 bis 4 Jahre kon­zentriertester Arbeit in einer Fliegerschule. Die Anwärter nüissen als zweite Führer im Plan­verkehr beträchtliche Strecken zurücklegen und durch eine Reihe praktischer wie theoretischer Prüfungen die völlige Beherrschung der Flug­zeuge, zu deren Führung sie zugelassen sein wollen, nachweisen.

Di« sorgfältig« Auslese uni) strenge Durchbil­dung des Fliegernachwuchses für Derkehrszwecke mag dem Luftreisenden d e Gewähr ge&en, daß am Doppelsteuer seines Verkehrsflugzeuges mehr­fach gesiebte, oft erprobte Männer sitzen. Sie mag aber auch den warnen, der nicht mit vollem Ernst und ganzem Herzen , un Flugplatz kommt sich lieber nur neben'ie-u lich oder als Herrenflieger im Flugsport zu betätigen. Denn die meisten Menschen eignen sich ja dazu, ein Keines Flug­zeug zu sichren. Uni) wer besonders geschickt in der Luft ist, der kann sich den Kunstflugschein erwerben und den ritterlichen Sport zur höchsten

Vollendung entwickeln auch der Beruf des Flugkünstlers nährt seinen Mann, solang es Menschen gibt, die körperlich-seelisch« Hochleistung achten, die gern zusehen, wenn ihresgleichen die Vögel unter dem Himmel übert.u npft.

Der uralte Menschheitstreu n ist Wahrheit geworden: der Daum ist erobert. Aber ganz beherrschen wir ihn noch nicht. Dazu gehört noch manche Erfahrung, die nu: der Flieger gewinnt: dazu gehören noch viel« Verfuhr, die der Flieger machen muß. Wer möchte da nicht helfen, die Ziele uns näherzubringen: gestern mit Rücken­wind über den Ozean her, heute gegen Sturm und Schnee hrnube^, morgen ein Derkehrsprobe- flug und übermorgen bei jedem Wetter hin und zurück. Gestern ein beschwerliches Fliegen unter der Wolkendecke, heute stolzes Hindurchzirhen, morgen der 'Flug in Dacht und Rebell Gestern in Alpenhöhe, heute über die größten Berge hinweg und morgen hinauf in Höhen, deren dünne Luft märchenhafte Schnelle zur Wahrheit werden läßll

Der Forscher, der Gestalter kann das vorbe­reiten: der Flieger macht es zur Tat. Lerne fliegen I

Deuffches SiildenleMen vor dreihimdertÄhren

Don Professor Or. Kl. Löffler.

Cin sehr anschauliches Bild vom akademischen Leben im 16. Jahrhundert zeichnen uns die Stu- denienkomödien. Sie find Abfeger des belieb­ten biblischen Dramenstofses vom verlorenen Sohne: ein verzärteltes Mutters hnchen verläßt das Elternhaus, verpraßt in liederlicher Gesell­schaft sein Vermögen und fejrt, von Hunger und Reue getrieben, nach Hause zurück.

Albert Wichgrev«, der 1619 als Prediger in Allermöhe bei Hamburg starb, schildert z.B. in feinem zum Iubiläumsjahre 1800 verfaßten Cornelius relegatus, den der Pastor Iohannes Sommer ins Deutsche übersetzte, das Dostocker Studentenleben so g:nau, daß sich aus den Uni3 verfilätsakten fast für jede Szene ein Seitenstück anführen läßt. Der Titel ist dem damaligen UniverfitätZjargon entnommen. Cornelius (mit dem abgefeimten igieiiswort coraelizere, cor- nelifllrcn) l«deutete jede Art physischen und moralischen Katzenjammer, graieS Elend usw.

Der erste Alt versetzt uns in die Heimat des Cornelius. Der 3üng<ing ist der Prügel, die er in der Stadtschule bekommt, müde, und seinen in­ständigen Bitten, eine Universität be uchen zu dürfen, gibt der Vater nach schweren Bedenken endlich nach. Der Sohn vermag seine Freude kaum zu verbergen, weshalb ihm die Eltern ein wohl3 gerüttelt und geschüttelt Maß von guten Lehren, Ermahnungen und Warnungen mit auf den Weg geben. Kaum sind sie fort, so macht Cornelius seiner Freude Luft. Zn seinem Zubel verrät er, daß er keineswe^ der Musterknabe ist, zu dem sich der Vater eien noch selbst gratuliert hat. Schon als Schüler hat er seinem Väter manchen Taler mit falschen Vorspiegelungen abgelockt, statt in der Schule bei seiner Eugenie gesessen-, und nun, als Student, will er seine Wechfel durch­bringen, so lustig er kann, willseine Lands­leute laden zu Gast, Und hauen weidlich auf den Quast. Will saufen, schlemmen, denmen, spieln, Als muß es gehn nach seinem Willp". Er will tausend Lügen dichten, damit sein Vater Geld schickt, und wenn es nicht reicht, wird er Schulden machen.

Er geht, um sich von seinem Schah zu verab­schieden. Sie rät ihm zu einem bürgerlichen Be­rufe In der Heimat. Aber er will nicht Krämer,

arbeiten Gartenland, treiben handwerkliche Tech­niken und lernen so mit der Gütererzeugung zu­gleich Material, Arbeitsvorgänge, Wirtschafts­und soziale Probleme kennen. 3n der Form der Produktionsschul« sehen ihre Anhänger die voll- entelfte Art der sozialpädagogischen Erziehung. 2n der deutschen Pädagogik hat bekanntlich schon Fichte in seiner Rationalerziehung das Vorbild gegeben. Cs ist verständlich, wenn diese Dichtung auf die Handbetätigung den größten Wert fegt. Abgesehen von einigen Versuchen in der Form der Gartenschule, wie sie an einigen Orten vor­genommen wurden, und in abgeänterten Formen, di« die Handbetätigung in irgendeiner Weise in den Vordergrund rücken, hat die Bewegung keine größere Anhängerschaft gefunden. Gegen die allgemeine Einführung sprechen heute vor allen Dingen wirtschaftliche Unmöglichkeiten. Für Großstädte machen sich wirtschaftlich di« größten Hindernisse geltend. Zn rein ländlichen Kreisen aber sind die meisten Kinder mit dem Wirt- schaftsprozetz der häuslichen Wirtschaft bereits hinreichend verknüpft. Doch haben wir in der Beschäftigung im Schulgarten, im Handfertig- keitsunterricht In den verschiedenen Formen das Gute dieser Anregungen in vielen Schulen über­nommen.

Der Streit um die Arbeitsschulidee hat wäh­rend der letzten Iahrzehnte zu folgenden wesent­lichen Uebereinftimmungen geführt. Man hat die Arbeitsschule in einen Gegensatz zu der über­kommenen Weise des Unterrichts, die man ge­ringschätzig mit dem Ausdruck L « r n s ch u l e abgetan hat, gestellt. Diese ©egenüberffellung > löst das Problem keineswegs. Einmal muß her- vorgehvben werden, daß die Ausdrücke Lern- und Arbeitsschule den Gegensatz nicht erschöpfen, weil in der alten Schule auch gearbeitet und in der neuen doch auch gelernt werden soll. Es fehlt den beiden Begriffen der eindeutige Inhalt, als daß sie zur vollen Charakterisierung der beiden Richtungen brauchbar wären. Der Arbeitsschulunterricht ist in erster Linie ein didak­tisches Problem, als solches also eine Methö­be n f r a g e. Auch di« Methode hat ihre Ge­schichte, auch die Arbeitsschulmethode chre Ent­wicklung seit der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestehens. Das Arbeitsschulproblem ist stetes Problem und muß es bleiben, wenn der Gedanke nicht seinen tieferen Sinn auch für den Lehrer verlieren soll: ständig an der Vervoll­kommnung der Methode zu arbeiten. Auf dem Wege zur Arbeitsschule sind wir in den letzten Zähren ein gut Stück weitergekommen.

sondern Jurist werden. Geschenke und Küsse tau­schend, trennen sie sich endlich. Aber Corne.ius zeigt auch hier, daß er es faustdick hi.ttrr den Ohren hat.Ist das Glück gut, wenn ich komme hin, so kömmt mir ein ander in Sinn', meint er.

linier luter uen, stud.eiunden Landsleuten taucht Cornelius in Rostock auf. Sir schiinpfen, daß ihre Väter, die dummen Greise, ihm kein Grid für fie mitgegeben haben. Aber Cornelius ist ja ein stinkender Dran (Delling, heute Fuchs), der erst durch die Deposillon zum Studenten gemacht werden muß. Einer von dem sauberen Kleeblatt verspricht, durch ein gutes Trinkgeld den Depositor mild« stimmen zu wollen. Corne­lius gibt dafür einen Taler, aber kaum hat er den Rücken gewendet, da wird das Geld unter Hohnlachen verjubelt.

Run folgt die drastisch veranschaulichte Depo- sition. Cornelias und sein Schicksalsgenosse Simon erhalten einen Strick um dm Hals, den Geckenhut und das Rarrenlleid. Auf falsche Antworten werden sie mit dem Dul'enpesel geprügelt. Eine scheußliche Medizin soll ihnen d e Verliebtheit aus hem Kopfe ziehen: denn in der Tasche des Cornilius hat sich ein Brief der Eugenie gefun­den. Hierauf wird ihnen der Ele'antenzahn ausge­brochen, sie müssen sich nieterlegen, und Schul­tern, Rücken und Gesäß werden gehobelt. Cor­nelius zahl als Trinkgeld an den Oberpedell eine Lübecker Mark.

Dann muß sich Cornelius vor dem Dekan der phllosophi'chen Fakultät über seine Kenntni,se der Schriftsteller und der Altertümer auswcisen, was ihm ganz gut gelingt, und wird für eine Gebühr von zwei Gulden immatrikuliert.

Bald ist et nun mitten drin im studentischen Saus und Braus. Er bestellt für sich und seine Freunde Grillus und Sorgius ein Mehl: Hwei Kapaunen, zwei Enten, eine Gans, eine tüch­tige Hammelkeule, zwei Karpfen, Krammetsvögel und Wurst. Gegen ein gutes Angeld wird die Wirtin sehr gefügig. Die Tochter Gubentia soll mit der Magd Trullulallula auf hen Markt gehen. Sie muß sich aber erst die Haare ord­nen, und Cornelius benutzt die Gelegenheit, ihr einige Schmeicheleien zu versetzen, ilm sechs 11 br erscheint er wieder mit seinen Genossen.

Inhalt erhält der Begriff, wenn wir uns den Bildungsvorgang im Sinn« der Arbeitsschul­pädagogik vergegenwärtigen. Die alte Schule war in erster Linie auf Uebermittlung von Wissen eingestellt. Es wurden die Stofsmassen an den Schuler herangebracht in der Meinung, der Unterricht hätte sein Ziel am besten erreicht, dec die meisten Stoffe erledigte. Wir bezeichnen diese Bildungsidee als die materiale Bildungs­idee. In der lanbläufigen Auffassung vom Wesen des Gebildeten als demjenigen, der einen mög­lichst weiten Umfang an Bildungsgütern be­herrscht, tritt uns diese Ansicht soziologisch wert- behaftet entgegen.

Mit dieser Auffassung verbindet sich weiter die, als verlaufe der Dlldungsvorgarrg in der Weise, daß die Seele des Schülers dadurch geformt würde, daß von außen der Stoff an ihn herantret«. In dieser Auffassung wird der Schü­ler zu sehr nur als Objekt betrachtet, der den Bildungsgütern Passiv gegenübertritt. Die unter­richtlichen Interessen waren In erster Linie auf den Stoff gerichtet. Zn dieser Theorie der Bil­dung wird ferner der Anteil, den die Umwelt des Kindes an dem geistigen Werden des Kindes hat, zu gering geschaht. Die alte Methode kannte zuerst den Stoff und dahinter stand der Lehrer. Der Schüler kam erst in zweiter Linie.

Im Gegensatz hierzu will die Arbeitsschule den Schüler in den Mittelpunkt stellen. Sie will in ihm Kräfte frei machen und zielt darum nicht so sehr auf die Uebermittlung von Wissen als vielmehr auf die Entwicklung von Fähigkeiten, auf die Bildung von Dispositionen zum freien und selbständigen Erwerb von Kennt­nissen und Fertigkeiten, Das materiale Prinzip ist durch das formale abgelöst, Selbständig­keit und Selbsttätigkeit sind die obersten Ziele, denen der Unterricht zuzustreben hat. Das Kind soll von innen wachsen. Es soll nicht durch einen nur von außen herantretenden Stoff geformt werden. Das fetzt voraus, daß in weit­gehender Weise auf die Eigenarten des Schülers Rücksicht genommen wird, wenn der Schüler selbsttätig mit schaffen soll. Es sollen ihm in erster Linie solche Aufgaben zugernutet werden, die seiner geistigen Entwicklung angepaht sind. Wesentlich ist hierbei, daß die Aufgabe in der Form innerer Anteilnahme an den Schüler her­antritt. So wird der Unterricht zum Erleb­nisunterricht, in dem stark intereffebetonte Inhalte auf den Schüler wirken. Man hat in diesem Zusammenhänge auch von Erlebnisschul« geredet und darunter einen Unterricht verstau-

Mittwoch, 7. November (928

und das Mahl beginnt. Rach allen Regeln des Komments kommen sich di« drei Genossen Ganze und Halbe, ohne abzusetzen, in drei Zügen, in di« Welt usw. Als keiner mehr essen kann, müssen Musitanten kommen, und Comelius geht, um die Wirtstochter zu holen. Der Wirt und die beiden andern zechen indes weiter und kom­men sich denlateinischen Humpen" undKurie murle, buff. Cornelius toi d mit einemSchul­zen schopp en" begrüßt, worauf G.ilius Ragel- probe fordert. 'Beim Karte.'.feil verliert Cor­nelius an Gutentia Eugenias Abschied.g.schenke, einen Ring und ein gölten eo Kreuz. Inzwischen sind die Genossen elngeschlafen. Er weckt iie und verlangt, daß sie entwederfrisch aus­saufen oder sich nach Hause packen. Grillus jammert über Kopfweh, Sorgiusgott aus dem Hals. Endlich gelingt es, die Gesellschaft auf die Straße zu schaffen, wo die kühle Rachtluft den Weindunst etwas zerstreut. 3a, man findet, daß der Durst noch nicht ganz gelöscht ist und sucht einen Krämer Asmus auf, ter einen Wein- scharck betreibt. Als er nicht öffnen will, über­schütten ihn die Studenten mit einem Hrgel von Schimpfwörtern und g.hen dazu über, ihm Tür und Fenster einzuschlagen. Da kommt terScher- gant Hansius mit seiner Mannschaft. Die nassen Gäste werde;, überwältigt und Cor­nelius und Grillus in dasFinkenbauer ab- gefüh t, während So gttrs enttomml

Bei den Berh rndlungen vor Reitor und Asses­sor erllären sich die Angeklagten natürlich für ganz unschuldig, ilnb als ter entronnene D itte erwähnt wird, hat der alles allein begangen. Wie er heißt, davon haben ffe feine Ahnung. DerSchergant" ist ein Lügner und Stutenten- seind. Aber die Beweise sind erdrückend, und die llebeltäter werden zu dreißig Gulden Strafe oder acht Tagen schweren Gefä rgnisseö De . ur­teilt Auf die Frage, welche Strafe sie vor­ziehen, anttto-tet Cornelius, daß ihnen beide nicht gefallen, doch entscheiden sie sich schlleßlich für die Geldbuße, die auf ihre Bitten um die Hälfte ermäßigt wird. Auch müssen sie ilrfefjte schwören:

Zch Cornelius und ich Grill Bekenne gern und freiwillig, Daß ich oem Wei schenk fre enllich Die Tür gestürmt, Fenster ze.-schic gen, Ihr gelästert, geteeut zu schlagen, Daß ter Wachtmeister recht getan. Daß er mich gelinget an, -Und daß ter Herr Magnifikus Mir auferlegt ein billig Ge'deuß llnb daß ich's nimmermehr will rächen Solch's tu ich an Eidesstatt versprechen. So wahr mir Gott Helf in sein Reich." Der nächste Akt spielt etwa ein Iahr iDäter, Cornelius verachtet schon das Studium und tollt lieber mit einem alten Kommilitonen, der toeni- S?r mit Duhm und Geld als mit ungarischen äufen aus dem Türkenkriege heimgekehrt . ist, das Leben genießen. Wieder veranstaltet er ein Gelage. Aber jetzt ist das Trinken di« Haupt­sache, und Dom Wein ist man zum Bier herab­gestiegen. Rostocker, Hamburger, 3 erb ft er und Droihan (aus Hannover) werden für die besten Sorten gehalten. Don seinem Famulus und dem 3ungen erfahren wir, toi« Cornelius jetzt fein Geben führt. Wenn er die Rächt durchgezecht hat, schnarcht er bis drei Ahr im Bett, dann bringt er ten Rest tes Tages mit dem Spiel hin. bis es Zeit ist, wieder zur Kneipe zu gehen. Aber während man lustig den Decher schwingt, zieht sich das Unwetter über Cornelius zu­sammen. Es kommt ein Bote aus der Heimat und berichtet, daß die Eltern den Sohn wegen seines Lotterlebens enterbt haben. Der Krämer, bet dem Cornelius hat anfreiten lassen, ist in 33er- zweiflrnrg und trommelt auch die enteren Gläu­biger zusammen. Vereint zieht die Schar der

kwiiimi rawniMunmsmiirriitwMMMMMWi i

den, der die Stoffe in erster Linie nach dev Interessiertheit und dem Verhältnis, das der Schüler auf Grund eigener Erlebnisse zum Stoffe gewinnen kann, auswählt. Das hat dazu ge­führt, die Dildungsgüter zu bevorzugen, welche durch eigene Erlebnisse im kindlichen Gedanken­kreise und seiner Gefühlswelt verankert sind. Wir rtennen da die heimatlichen Stoffe, mit denen das Kind schon vor der Schulzeit in Erlebnis- gemeinschast stand, die es auch außerhalb des Unterrichts umgeben, ihm Probleme stellen und «s zu dauerndem Forschen und damit zum geistigen Wachsen antreiben. So ist auch für die Arbeitsschule das Stoff Prinzip nicht ganz be­langlos, aber aus einem anderen ©tunte als in ter alten Schule. Der Stoff ist vom Kinde aus orientiert. Der Grundsatz der Entwicklungs­treue bestimmt Auswahl und Anordnung der Lehrgüter.

Die Berücksichtigung ter kindlichen Eigenart und die Auswahl der Bildungsgüter sind die wichtigsten Grundlagen für die Arbeits­weise, welch« in ter Arbeitsschule herrschen soll. Der Unterricht muh in freudiges Mittuen der Schüler münden. Die Arbeit soll nicht er­zwungen, sondern freie und interessierte Eigen­tätigkeit sein.

Mit der Freude an der Arbeit wachsen die kindlichen Kräfte. Das Kind kommt nach der Eigengesehlichkeit seines Seelenlebens zu seinem Rechte. Was immer die großen Erzieher erstrebt haben, die Kräfte des Kindes zu entfalten, es von innen wachsen zu lassen, das sind wichtige Grundgedanken der Arbeitsschulpädagogik. So wird dann auch die Schule zu einem Ort der Freude für das Kind, und Freude und Frohsinn steigern die geistigen Kräfte. Mit dieser Ein­stellung ist nicht, wie wohl von mancher Seite befürchtet wird, ein Zurückdrängen der ernsten Arbeit zugunsten des Spiels verbunden. Es läßt sich auf der Grundlage der Arbeitsschulgedanken sehr wohl eine strenge Arbeit von den Kindern neben dem freudigen Schaffen fordern.

Di« erste Stufe tes Anfangsunterrichtes knüpft freilich an ten Spieltrieb tes Kindes, an seine liebgewonnenen Beschäftigungen an, sie malt, klebt, zeichnet, singt, erzählt, schneidet aus, führt Spiele auf, kurz, sie wählt Arbeitsstoffe und Arbeitsweise aus dem kindlichen Lebenskreise. Im weiteren Verlauf treten bann die übrigen Bildungsgüter an den Schüler heran. Die Form der Spielgestaltung wird abgelöst durch die Ar­beitsgestaltung in freier Eigentätigkeit und inter­essierter Schaflensfreute ter Schüler.