Ausgabe 
7.11.1928
 
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A-reß-ebatte in England.

Macdonald kritisiert im LlnterhauS die Außenpolitik der konservativen Negierung.

Die pariser presse zur Kabinettskrise.

Paris. 7. Rov. (WTD. Fuarkspruch.) Die gesamte Morgenpresse, mit Ausnahme der links­stehenden Blätter, verurteilt das Vorgehen der Radikalen. DasEcho de Paris" erklärt: Sache des Parlaments, das allein der Dolts- souveränität Ausdruck gibt, ist eS, zu sagen, ob es diesen Gewaltftreich dulden und vor der Diktatur einer Minderheit kapitu­lieren will. Sach« Poincarös ist es, zu zeigen, ob er noch der Staatsmann unb Patriot ist, aus den Franlreich in den schlimmen Stunden seiner (beschichte hat rechnen können." DasO e u v r e" vertritt den Standpunkt, daß in Wirklichkeit die nationale Einigung schon läng st überlebt war, daß aber der Zeitpunkt, sie aufzukündigen, verfrüht gewesen ist. Die Sozialisten seien weniger denn je entschlossen, an einer Re­gierung teilzunehmen, und der letzte mit dem sie Zusammenarbeiten würden, sei jedenfalls C a i l l a u x. infolgedessen rechnet das Blatt mit einem Ministerium der Mittei­parteien, das links, bei den Radikalen eine Stühe finden werde. Für diese Kombination nennt das Blatt PoincarL oder Tardieu.

Das GewerkschaftsblattL e Pe u p le" erklärt: Di? Wahrheit ist, daß die Nationale Einigung un- wiederbringlich zerbrochen war, seit die geplante Z u - l a s s u n g d e r r e l i g i ö s e n O r d e n, die wie ein Peitschenhieb wirkte, die radikalen Massen in Bewe­gung gesetzt hatte. Herriot selbst hat mit der Energie, mit der er die gegen die Gesetzgebung geplante Ver­schwörung ausd"ckte, auf dem Parteitag d i e Sturmglocke geläutet. Poincarö wird ohne Zweifel heute ins Elysee berufen werden. Wenn er, was wahrscheinlich ist, ablehnt, das neue Kabinett zu bilden, wird die Krise nicht so rasch gelöst werden können. Im sozialistischenPopulaire" schreibt LLon Blum: Der Bruch zwischen der Nationalen Einigung und der Radikalen Partei ist vollzogen. Alles, was sich gegenwärtig saaen läßt, ohne Wider- spruch befürchten zu müssen, ist, daß eine radi­kale Regierungskombination, wenn die Krise zu einer solchen führen sollte, der Unter- st ü tz u n g d e r s o z i a l i st i s ch e n St i m m e n bei der Durchführung aller von dem radikalen Partei­programm geforderten Reformen sicher sein kann.

Oer Eindruck in Berlin.

Keine Verzögerung der Neparations- verhandlungcn.

Berlin, 6. Nov. (Privati..formation.) In Ber­liner politischen Kreisen betrachtet man die Situation nach dem Rücktritt des Kabinetts Poincars durchs a u s r u h i g. Man rechnet damit, daß P o i n c a r e auch das neue Kabinett bilden wird und damit auch das Finanz- und auswärtige Ministerium wieder in der bisherigen Form besetzt werden. Die Fortführung der Reparationsverhandlungen würde damit gesichert sein, und es ist auch nicht anzu­nehmen, daß eine wesentliche Verzögerung dieser Verhandlungen durch die französische Regierungskrise eintritt.

Lleberraschung in England.

Kurssturz französischer Werte.

London, 6. Rov. (LU.) Der Sturz deS französischen Kabinetts kam allen politischen Kreisen in.England völlig unerwartet. Die Rachricht vom Rücktritt heS Kabinetts selbst wurde, wie in allen Pariser Berichten hervorge­hoben wird, mehrere Stunden zurückgrhalten. Die Abendblätter enthalten sich vorläufig noch jeden Kommentars und beschränken sich auf eine aus­führliche Berichterstattung über die mit dem Rücktritt zusammenhängenden Vorgänge. An der Börse hatte der Sturz PoincareS bereits eine starke Auswirkung. Alle französi.chen An­leihen und Bonds fielen um mehrere Punkte. Die französischen Werte wurden durchweg be­trächtlich angeboten.

Graf Zeppelin" wieder im Heimathafen. Dr. Eckener in Berlin geblieben.

Friedrichshafen, 6.Rov. (WTD.) Der Graf Zeppelin" ist um 15.30 Llhr glatt gelandet. 14.30 Uhr kam derGraf Z«ppolin", aus nordöst­licher Richtung kommend, und von einem Doppelt decker begleitet, in Sicht. DaS Schiff gibt bei dem sonnigen Herbstwetter einen prächtigen An­blick. Es steuert direkt auf den Landungsplatz zu, auf dem sich bereits die Haltemannschasten und die zur Absperrung angesorderte Polizei befanden, überflog ihn jedoch zunächst, immer noch begleitet von dem Flugzeug, und wandte sich dann dem See zu. Rach einer längeren Kreuzfahrt über Stadt und De« erschien das Schiff gegen 15.30 älhr wieder über dem Werftgelände. Um 15.23 Uhr fielen die Haltetaue aus dem Bug, und um 15.30 Uhr war das Schiff, von zahlreichen Zu­schauern begrüht, gelandet.

Das Luftschiff wurde von den beiden Führern Lehmann und Flemming nach Friedrichs­hafen zurückgeiührt, während Dr. Eckener in Berlin geblieben ist, um hier noch Ver­handlungen zu führen. Heute vormittag machte Dr. Eckener einen Besuch auf der amerikanischen Botschaft und hat auch dem argentinischen Ge­sandten einen Besuch abaestattet. Dabei handelt es sich aber um reine HoflichkeitS- und Freund­schaftsbezeugungen. Die Rachrichten über alle möglichen Verhandlungen von außergewöhnlicher Bedeutung find falsche Richtig ist. daß Dr. Eckener morgen eine Besprechung im Reichsverkehrsmini- sterium haben wird, die keineswegs den von anderer Seite vermuteten sensationellen Inhalt haben dürfte.

Eine sensationelle Versteigerung.

Bremen, 6. Nov. (WTB.) In Gegenwart aller bremischen Baumwollfirmen und zahlreicher Ver­treter vieler anderer bremischer Wirtschaftskreise fand heute mittag in den festlich hergerichteten, mit den bremischen und den deutschen Flaggen reich ge­schmückten, Proberäumen der Bremer Baumwoll­börse die Versteinerung des mit dem Graf Zeppelin noch Deutschland ge­brachten Rundballens amerikanischer Baumwolle auf amerikanische Art statt deren gesamter Ertrag für die Mannschaft des Graf Zeppelin" bestimmt ist.

Aus dem hessischen Finanzausschuß.

Darmstadt, 6. Rov. (WHP.) Zu Beginn der Sitzung gedachte der Vorsitzende, 2ll»g. W t ö- mann, zunächst des verstorbenen Abgeordneten Kindt, zu dessen Ehren sich di« Mitglieder des

London, 6. Nov. (WTB.) Die Parla ° mentseröffnung durch den König in An­wesenheit der Peers, der Unterhausmitglieder und der fremden Diplomaten bot das gewohnte glän- zende Bild. Die Minister und Parteiführer wurden durch lebhaftes Händeklatschen begrüßt. Zu Beginn der Aussprache im Unterhaus über die Antwort- adrefse auf die Thronrede ergriff Macdonald als Führer der Opposition das Wort, um scharfe Kritik an der Haltung der englischen Regierung auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik zu üben. Durch die Vorbehalte der englischen Re­gierung zum Antikriegspakt, so erklärte er, sei dieser in seinem Kern zerftört worden. Die Regie­rung habe ihr Bestes getan, um den TätigkeUs- bereich des Völkerbundes einzuschränken und der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz alle nur möglichen Hindernisse in den Weg zu legen. Ich kann nicht annehmen, so erklärte Macdonald, daß den Urhebern des englisch-französischen Flotten­abkommens unbekannt gewesen sein sollte, daß jeder der Punkte, in dem wir Frankreich Zugeständ­nisse gemacht haben, bereits von Amerika, Italien oder Deutschland a d g e l e h n t worden ist. Macdo- nald sagte weiter, der Vorhang wehe hoch über dem letzten Akt eines sehr traurigen Dramas, das die konservative Regierung während der letzten vier Jahre gespielt habe. Baldwin habe feine Versprechen gebrochen und goldene Gelegenheiten verpaßt, um den Nationen Europas Sicherheit zu geben, damit sie zu einer gemeinsamen Verein­barung über die Abrüstung gelangen könnten.

Baldwin bemerkte in seiner Erwiderung, der Angriff auf die Handlungsweise der Regierung von feilen der Opposition sei während der letzten Mo­nate so allgemein gewesen, daß es für die Re­gierung unmöglich sei, zu erwidern, bevor sie nicht auch den Standpunkt des Führers der Liberalen Partei, Lloyd Georaes, gehört habe. Im Hause herrschte einige lleberraschung, als zutage trat, daß dies alles war, was der Premierminister zu sagen hatte. Macdonald erhob sich sofort und fragte, ob die Regierung denn gar keine E r - k l ä r u n g über auswärtige Angelegen- betten und über das englisch-französische Abkommen zu machen habe, die ihre Haltung klarstelle, ohne Rücksicht darauf, was Lloyd George oder er selbst zu sagen hätten. Baldwin er­widerte:Wir haben ein Weißbuch veröffentlicht. Wir wissen, daß wir in dieser Frage einen Miß­trauensantrag zu gewärtigen haben. Dies wird die Gelegenheit fein, bei der die Regierung ihren Stand­punkt klarmachen wird."

Ausschusses von ihren Plätzen erheben. Der Ausschuß nahm sodann gegen die Stimmen der Kommunisten den Gesetzentwurf über die Be­steuerung der Gewerbebetriebe im cklmherziehen an, über den wir Im einzelnen noch berichten werden. Mit 6 zu 4 Stimmen genehmigte der Ausschuß «inen Betrag von 40 000 Mk. -ur Ver­besserung der Forst«inrichtungen in den Staats­und Gemeindewaldungen des Dolksstaates. 8200 Mark bewilligte der Ausschuß zum Ausbau der Heilstätte und Rervenklinik bei Gießen. Von der Deichsregierung sind -um Zweck der For­derung von Maßnahmen für die Wertschafsende Arbeitslofenfürsorge (öffentliche Rotstandsarbei­ten) 1 738 800 Mk. für Hessen zur Verfügung gestellt worden unter der Bedingung, daß das Land den gleichen Betrag aufbringt. Einer da­hingehenden Regierungsvorlage wird -ugeftimmt.

Die Nichtigkeitsklage der Arbeitgeber.

Die Gewerkschaften reichen Gegenklage ein.

Duisburg. 7.Rov. (Priv.-Tel.) Die Begrün­dung des Arbeitgeberverbandes ju der beim Ar­beitsgericht in Duisburg eingereichlen Nichtig­keitsklage liegt nunmehr vor. Der Arbeitgeber­verband führt in feiner Klageschrift an, daß die Derbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches kei­nerlei Rechtswirkungen zwischen den Parteien heroorbringe, da der für verbindlich er­klärte Schiedsspruch sowohl gegen zwin­gende Vorschriften des formellen als auch des materiellen Rechts verstoße. Da er vom Vorsitzenden allein gefällt roorben ist, ver­stoße er gegen die Bestimmungen des § 5 der Schlichtungsordnung. Sollten die Bestimmungen jedoch so ausgelegt werden, daß der Vorlihende den Schiedsspruch allein sollen kann, so sei die Aus- sührungsbestimmung zur Schlichtungsver- orbnung ungesetzlich, weiter wird ausgeführt, der verbindlich erklärte Schiedsspruch greife materiell in die Bestimmungen des noch geltenden Rah- mentarifvertages vom 16. Mai 1927 ein. Eine weitere eingehende Begründung behält sich der Arbeitgeberverband vor.

wie dieGermania" von autoritativer Seile aus dem Aktionskomitee der Arbeitgeber erfährt, wer­den sich diese dem Spruche des Arbeits­gerichtes bzw. der höheren Instanz unter­werfen. würde also die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches als rechtmäßig ergan­gen anerkannt, dann würde die Aussperrung auf gehoben, wie das Blatt weiter hört, ist die Arbeitgeberschaft jederzeit zu V e r st S n d i - gungsverhandlungen bereit. Ihr Haupt­streben geht dahin, zu einer langfristigen Sicherung und Fixierung der gesamten 2k- beitsverhältnifse in der Eisenindustrie zu kommen, vor allem also auch der Arbeitszeitverhältnisse.

Am Dienstag haben die Gewerkschaften durch ihre Anwälte die Gegenklage beim Ar- beitsgericht in Essen eingereicht. Die Gewerkschaften sind vorn Arbeitsgericht ausgesordert worden, sich zur Klageschrift der Arbeitgeber zum 10. November zu äußern.

Oie Kosten des Ruhrkampfes.

Essen, 7. Rov. (Priv.-Tel.) 3n einet Ver­sammlung des Deutschen Metall­arbeiterverbandes wurde die Höhr der cklnterstutzungssätze für die Ausgesperrten be- fannfgegeben. Es wurde weiter mitgeteilt, daß der Verband bei diesen Sätzen m der Lage sei, den Kampf unter llmftänben 20 Wochen durchzuhalten. Die cklnterftützung der Aus- gesperrten erfordere wöchentlich fast oine

Liberale Kritik im Oberhaus.

Gegen die konservative Aheinlandpolitik.

Auch im Oberhaus fand eine Debatte über die Thronrede statt. Der Konservative Lord Cro- b o o k, der die Antwortadresse einbrachte, hob hervor, daß die Zukunft des internationalen Frie­dens nur durch beträchtliche Verminderung der Rüstungen der Rationen erzielt werden könne. Die Zukunft des internationalen Friedens könne nicht sehr gefördert werden, fro lange Streit­kräfte auswärtiger Mächte ein Land beseht halten, mit dem sie sich im Frie­den befinden. Der Liberale Lord V e a u - champ fragte, ob sich die Regierung der in Frankreich vertretenen Ansicht anschließe, daß die Reparationsfrage mit der ALu- mungsfrage zusammenhänge. Außer­dem fragte er, ob die Teilnahme eines britischen Kavallerieregimentes an den französischen Manövern auf An­weisung des Foreign Office hin erfolgt sei, oder ob sie nur eine Handlung des Generalkomman­dos darstelle.

Lord Salisbury, der für die Regierung antwortete, wandte sich gegen den Ausdruck -Flottenpakt", da es sich nur um einevor­läufige Vereinbarung" gehandelt habe, di« mit der französischen Regierung erzielt wor­den war und die die britische Regierung sofort jeder anderen Macht mi t g et ei 11 habeunter der ausdrücklichen Bedingung, daß, wenn die anderen Mächten ihr nicht zustimmen, sie sofort fallengelassen wird". Di« Lösung der Abrüstrmgs- frege sei außerordentlich schwierig, aber es müsse bill.gerweise zugegeben werden, daß die Schwie­rigkeit nicht nur in England liege. So sei er § es ragt worden, ob die Reparationen die rheinlandräumung bedingen. Es fei voll- tommen wahr, daß praktisch gesprochen ein ge­wisser Zusammenhang zwischen beiden Fragen bestehe. Aber soweit die britische Re­gierung in Betracht komme, sei sie stets für die Rheinlandräumung gewesen und sei immer be­strebt gewesen, auch die französische Regierung zu dieser Haltung zu beftimmen. Die britische Regierung behalte sich das Recht vor, in der Räumungsfrage unabhängig vom Repara- rationsproblem vorzugehen.

MillionMark. Von der Sozialdemolratischen Partei werde eine cklnterstützungsaktion für das ganze Gebiet emgsleitet.

Rückwirkungen auf Wetzlar und Hannover.

Berlin, 7. Nov. (Priv.-Tel.) Der Arbeitskampf in der Metallindustrie Nordwest greift jetzt auch in den hannoverschen Bezirk über. Die Lohn­oerhandlungen mit der Ilseder Hütte und dem Peiner Walzwerk sind ergebnislos verlaufen. Das Angebot der Arbeitgeber wurde von den Gewerk­schaften abgelehnt. Die Verhandlungen vor dem Schlichter wurden nicht mehr abgewartet, sondern der Belegschaft beider Werke wurde sofort ge- kündigt. Von der Kündigung werden rund 6000 Arbeiter betroffen. Auch die Eisensteingruben im Kreise Wetzlar, bereit Absatzgebiete im Ruhr­revier liegen, haben unter dem großen Arbeitskampf in der westdeutschen Eisenindustrie zu leiden. In­folge großer Absatzstockungen sahen sich die Gruben- Icitungcn veranlaßt, der gesamten Belegschaft zu kündigen. Von dieser Maßnahme werden etwa 200 Bergleute betroffen.

Bolkspatteiliche MRonssiHlW.

Berlin. 6. Rov. (Privatinformation.) Wie in politischen Kreisen verlautet, war die heu'ig« volksparteilichr Sitzung im Reichstag in erster Linie als eine Aussprache zwischen Reichs-undLandtagsfraktion gedacht, um die politische 2 u faffung in der Partei weit­gehend zu klären. Der Eintritt der Dcu schen Bvlkspartei in die preußisch« Regie­rung ist natürlich auch heut« zur Erörterung gekommen. Daneben galt die Aussprache dem Arbeitskampf im Ruhrgebiet, wobei auch Reichswirtschastsminister Dr. Curtius über die Situation berichtete. Ferner wu.de die Frage des Weiterbaues des Panzer­kreuzers au 3giebig besprochen, außerdem na­turgemäß die aktuellen Fragen der Außen­politik, darunter vor allen Dingen das D e - parationsproblem. Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der über diese Dinge refe­rierte, war wie bereits berichtet bei feinem Erscheinen außerordentlich stürmisch ge­feiert worden, und der Fraktionsvorsihende, Dr. Scholz, gab in herzlichen Worten der Freude Ausdruck, daß Dr. Stresemann nunmehr feine Kräfte wieder den großen Aufgaben widmen könne.

Tschechische Ärinderhettenpolilik.

Der Ausschluß

der Deutschen vom Staatsdienst.

Prag, 6. Rov. (WB.) 3m Senat erklärte der beutsch-christlich-soziale Senator Hilgen- reiner, daß in der Umgebung des Präsidenten der Republik, in der obersten Leitung des Mili­tärs, unter der Beamtenschaft, ja Dienerschaft des Parlaments, unter sämtlichen Präsidenten und Ministerpräsidenten der Allerhöchsten Be- Hörde kein einziger Deutscher zu finden sei. 3n allen Ministerien ist nicht ein deutscher Sektionschef. Unter mehr als 100 shstemisierten Stellen der ersten Besoldungsgruppe ist keine einzige einem Deutschen verliehen worden. Unter den etwa 350 der zweiten Be­soldungsgruppe wird man etwa aus ein Dutzend ft offen, dre deutschen Räte der Ob^rftcn Gerichts­höfe miteingerechnet. Unter etwa 2530 Beam­ten aller Ministerien ist kaum ein Prozent deutscher Beamter zu entdecken. 3n man- chen Ministerien ist überhaupt kein einziger deut­scher Beamter. Auch im Schulministeriam be­findet sich fast fein Deutscher.

Der Senator stellt d.e Frage, ob dre Kammern es selbstverständlich fänden, daß Öxe Deutschen von der Verwaltung beinahe ausgeschlossen

sind. Srnd wir in Indien, daß man uns frem­den Beamten unterstellt! Allein finanziell bedeutet das für die Sudetendeutschen alljähr­lich einen Riesenschaden, wenn diese gleich den anderen Bürgern den: Staate Steuern zah­len, ihre Kmder aber in staatlichen Dien­sten nicht unterbringen können. Die Deutschen bilden 27 v. H. der D.völlerung, zahlen aber ein Drittel der Steuern. Seit dem Vor­jahr ist in der Deamtensrage nichts beffer ge­worden.

Aus aller Wett.

Feuer im Hamburger Krematorium.

Äur$ vor Mitternacht brach im Hinterbau des Hamburger Krematoriums in Ohlsdorf ein Fcmer ans. 3n dem Fahrstuhlschacht der Versenk- bühne hatten Oelrückstände Feuer gefangen wahrscheinlich liegt Selbstentzündung vor und m der Rächt konnte sich in dem verlassenen Gebäude das zunächst langsam schwelende Feuer zu eener hellen Flamme entwickeln. Kurz nach! Mitternacht wurde die Feuerwehr durch An­wohner alarmiert. Sie bekämpfte mit sieben- Rohren den Brand. Es gelang ihr, vier Särge die zur Verbrennung in den nächsten Tagen ein­gestellt waren, unversehrt in Sicherheit zu bringen. Das Feuer tonnte nach einer Stunde gelöscht werden.

Ban einer Seilbahn auf den Dachstein.

Die Generaldirektion der Bayerischen Wasserkraft­werke beabsichtigt, eine Seilbahn auf den Dachstein zu errichten, und zwar über d i e Südwände. Von Schladming im Ennstal soll zunächst eine Auto st raße bis Schönbühen errichtet wer­den, und von dort soll die Seilbahn über den Gletscher zur Dachsteinwand geführt werden, die 2740 Meter hoch liegt. Bis zum Gipfel sollen die letzten 250 Meter einen bequemen Weg er­halten. Gegen diesen Plan hat nach der erwähnten Korrespondenzmeldung der Zweig Austria des Deut­schen und Oestereichischen Alpenoereins energisch P r o t e st erhoben.

Llagr gegenMonte Cervantes".

Der schwere Anfall des Hamburger Touristen- schisfesSRontc Cervantes" auf feiner diesjähri­gen Rordlandreise an der Spitzbergen-Küste wird, nachdem bekanntlich die Seeamtsverhandlung die Schuld den besonders schwierigen Gis- verhältnissen zu geschoben hatte, nun noch die ordentlichen Gerichte beschäftigen. Don einem Passagier ist bei den Hamburger Ge­richten eine Schadenersatzklage gegen die Hamburg-Südamerllm.i.che Dampftchiftahrtsge- sellschaft anhängig gemacht worden. 2/ie Klag« stützt sich vornehmlich darauf, daß infolge des Einfalles das von der Reederei versprochene Reiseprogramm nicht durchgeführt wer­den konnte.

Von der Dreschmaschine zerstückelt.

3n Rassig bet Wertheim a. M. ereignete sich ein entsetzlicher Unglücks fall. Die Frau drs Land­wirts Beck geriet aus bUfcr noch unbekannter cklrsache in die Strohpresse der Dresch­maschine. Der Kops der Unglücklichen wurde vom Rumpfe getrennt. Während es bis zum Mittag gelang den Körper zu bergen, war eS noch nicht möglich den Kopf aus ter Waschin« zu betreten. Die Frau war etwa 2»/s 3ahr« verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

Sie Wetterlage.

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Dienstag, d. 6. NoVtX 1928,7h.aDdS

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Wettcrvo.i Umlage.

Die Atlantikstörung, die sich gestern über das Meer von Biscaya und der Wcstlüste Frankreichs erstreckte, ist bereits südostwärts abgewandert, ihr Kerngebiet lag heute morgen über Südfrankreich und den Pyrenäen. Kontinentale Lustmassen an der Nordscite der Störung überfluten infolgedessen den größten Teil Deutschlands. Sie dürften in un­serem Gebiet zunächst zu trockenem und nach fteUen- roeifen Frühnebelbildungen zu stärker aufheiterndem Wetter führen. Die Temperaturen werden weiter zurückgehen und besonders nachts besteht die Gefahr verbreiteter leichter Fröste, die sich auch über das nördliche Deutschland erstrecken dürsten.

Wettervoraussage für Donners­tag: Stellenweise Frühnebel, tagsüber vielfach aufheiterndes Wetter, leichte Nachtfrostgefahr, trocken.

Witterungsaussichten für Freitag; Zunächst noch wenig Aenderung oer Wetterlage.

ßufitemperaturen am 6. Nover ier: mittags 7,9 Grad Celsius, abends 1,9 Grad Celsius: am 7. Noo.: morgens 0,9 Grad Celsius. Maximum 8 Grad Cel­sius. Minimum 0,7 Grad Celsius. rbtempera» turen in 10 Zentinreler Tiefe am 6. November: abends 7,3 Grad Celsius: am 7. November: morgens 5,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer eine Stunde.