Ausgabe 
7.9.1928
 
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Nr. 2U Zwetter Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Freitag, 7. September 1928

Das Handwerk in der Wirtschaft.

Inmitten der wirtschaft»- und sozialpolitischen Debatten der Ietztzeit spielt do» Problem bet deutschen Handwerk» Dieilcufct nicht ganz Vie Folie die ihm zukommt Vas bat seine man* mgfachen Gründe. Zunächst einmal ho. do» enorme Anwachsen der Industr.e da» Handwerk etwas in den Hintergrund gedrängt, und dir mit der Formierung und dem Taylorsystem ver- Oundene Mechar'terung t n Arbeit

wird wahr<cheinlich noch mehr dazu beitragen, die Bedeutung des Handwerks zu verwischen. Trotz- dem dars man sich durch diese äußeren Erschei­nungen n.cht erresühren lassen. Das Hand­werk hat seine Bedeutung auch heut« noch .n einem Umfange, der vielfach nicht ohne

>r< erkannt wird. Aber schon die Tatsache, das, sich die deutsche Wirtschaftspolitik mit der Schaffung nnes Feichskornmiffariat# für Handwerk und Kle.ngewerbe or- gonlfatorifch der Förderung des deutschen Hand­werk» angenommen hat. zeigt, daß man in den ofsizrellen Äeeikn nach wie vor von dem Werte des Handwerks überzeugt ist. Gewiß wird noch mancherlei zu Um sein, um dessen Organisation zu fördern, aber wie bereits die ersten Schritt« dazu dorgetan haben, ist der Weg. den man em» geschlagen hak. der r.chtige gewesen.

An und für sich ist das Handwerk ein Arbeit s- zweig. der in Anbei rach > feiner individuellen Boraussetzungen »w.schen der reinen Industrie­arbeit und der Arbeit der Kun ft steht. Da rau- erklärt sch auch, daß da» Handwerk sich namenl- lch solchen Berui-gruppen widmet, die eine ae- wisfe Fertigkeit der Hand verlangen. Der Väaer, Schneider, Maurer, Schlosser, Schmied. Sattler. Töpfer. Korbmacher. Dachdecker. Schuhmacher. Tapezierer. Buchdrucker. Buchbinder. Ma.er. Bottct)er. alle find Berufe, die auch ein ästheti­sches Empfinden erfordern. Im ganzen genommen weist bas deutsche Handwerk auch heute noch e.ne ganz stattliche Anzahl von Handwerks­betrieben au, Fach der Statistik gab es am k.Ianuar 1027 in den 67 Kommerbezirken de» Handwerks fast 1 400 000 Handwerksbetriebe. Da­bei ist die Berteilung dieser Betriebe auf die einzelnen Länder recht interessant. An der Sp.tze steht natürlich in Anbetracht seiner Gröhe Preu- hen mit fast 800 000 Handwerksbetrieben Dann folgt Bayern mit rund 200 000, Sachsen mit 100 000, Württemberg mit 85 000. Baden mit 57 000, Hessen mit 37 000 und die Hansestädte mit 32 000 Betrieben. Diese 1 400 000 Handwerks­betriebe beschäftigen nach den Erhebungen, die der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag in Hannover angesteilt hat rund ! i\)000 Ge­sellen und 700 000 Lehrlinge. Fach wie vor stellt allo daS Handwerk em nicht zu unter* schätzende» Fekrutierungsgebiet für den Fach- arbeiterbedars der Industrie dar 3a hier liegt fierade seine Bedeutung für die deutsche Wirt- choft begründet. Daneben darf nicht vergeben werden, doh der Handwerker immer nur Qualitätsarbeit liefern muh, d. h. also, eine Arbeit, die immer nach dem individuellen Stück gewertet wird.

Kurzum, in den derzeitigen wirtschaftspoliti­schen Debatten, die in den Kongressen und auch den Enqueten der Fegierung ihren Ausdruck finden, sollten gerade im Interesse der Wirtschaft die Fragen des deutschen Handwerks einer g a n ä besonderen Beachtung unter­zogen werden. Das Handwerk ist heute noch einer der tragenden Pfeiler des deutschen Mittel­standes. der deshalb auch vom sozialen Gesichts­punkt aus beurteilt werden muh. Sein Schuh und seine Förderung, die in dem Artikel 164 der Feichsversassung garantiert worden ist, ist deshalb auch heute noch eine bet wichtigsten Aus­gaben der deutschen Wirtschaftspolitik.

polenskrankes Kind".

Fach Fkibungen auS Warschau soll der dritte Bericht des von Amerika eingesetzten F i - nanzkontroller" Devey in Polen sich auch mit der Frage de» Korridor» befassen. Der amerikanische Finanxkommissar, gegen den man sich in Polen zunächst sehr gesträubt hatte, wurde nach Warschau geschickt, als nach end­losen Verhandlungen die polnische An­leihe auf dem amerikanischen Markt endlich

Tibetanische Speisekarte.

Don Dr. Wilhelm Klchner.

Der Süden Tibet» ist im Verhältnis zu den ungeheuren Strecken in den übrigen Gebieten dieses Wunderlandes al» bevölkert anzu- sprechen. Da» gilt besonders von der um Lhassa gelegenen Gegend. Die während des ganzen Iahre» von Pilgern, reisenden Kaufleuten und ihren Karawanen aus allen Gegenden Asien» überschwemmt wird. Die Menschen wohnen in Süd-Tibet in Steinbauten: sie leben hier auch üppiger und behaglicher als die nomadisierenden Bergsöhne im irörblichen Tibet.

Besteht zwar zwischen Ford und Süd in der Wohnungsfrage ein sichtbarer Unterschied. fo ist doch die Ernährung der Tibetaner aller -Semen de» weiten Landes die gleiche. Im be­völkerten. südlichen Tibet, das dem Einfluß Indiens unterliegt, zeigt fich eine Heine Erweite­rung der üblichen Spellekartr -Zucker, Fei», ge­trocknete Früchte, Fülle ufw. schaffen einige Ab­wechslung in dem sonst ziemlich eintönigen Menü. Der Zucker kommt aber nicht etwa nur m Pulver­form in den Handel, sondern in der Hauptsache in feifenfotmig gepreßten flachen Rundstücken von Weister oder dunkelbrauner Farbe, ähnlich wie nnfer Zuckerkand. Diese eigenarngen flachen Mundstücke finden den Weg oft bi» tief nach Innerasien hinein.

nun also das Menü der Tibeter beschaffen, welche Genülle hat es aufzuweisen? Von vorrchcrein fei bemerkt: Der Feinschmecker kommt nicht auf seine Fechnung Auch spielt der soziale Unterschied hinsichtlich des Ellens in Tibet ferne Folie. Für arme und für reiche Leute lautet das Menü tagtäglich. ..Tsarnba und -a*J 1 Lc Cn Tsarnba ist ein Gemisch aus ge­leitetem Gerstenmehl mit Tee, unter Zusatz von Butter, zuweilen auch von etwas Salz. Der Ziegeltee stammt aus China und wird in ge- prehttn Platten nn Ausmaß von 4S zu 30 zu 7 Zentimeter hnrortiott. Im Süden Tibets ver­wenden die 6ingebotenen diesen Ziegeltee jedoch nicht. Sie stellen ihren Tee vielmehr selbst aus

zustande kam. >.n Urteil dieses Mannes, bellen Aufgabe -,n erster Linie die Aullicht über die E nhaltung der Anlechebedingungen ist. und der « ch :n tiefem Zusammenhang mit der Entwick­lung der polnSchen Wirtschaft überhaupt be­fahr, .st natürlich von gröstler Bedeutung. Es m rd behauptet, daß Devey in feinem Bericht erkläre nn Gebier des Deichselkorridor» ^ien d.e wrtfchaftlichen Verhältnisse nicht so g ü n st g und befriedigend, wie in anderen Ge- b.etcn Polen». Devev macht dann konkrete An­gaben. ;n denen er sich mit der schwierigen Lage der Wc.ch'el-Schllfahr: und mit dem mangelnden Ertrag von Industr.e und Landwirtschaft ge­rade in diesem Gebiete beschäftigt. Weiter wird Devey bx Aeuherung zugefchrieben. dah. wirt- 'chaftlich gesehen, der Korridor ..da» kranke Kind Polen»" fei, das nur dann gebettet werden könne, wenn d e Wirtschaft vom Staate gefördert werde. Er spr.cht von einer dringend notwendigen erheblichen Verkleinerung

de» gerade un Korridor sehr übersetzten Be­amtenstabes und erwähnt fre Forderung.

Eisenbahnwesen zu reorganisieren

D.e'e 2lMusterungen des amerckan schen Finanz» komm.'far» für Polen würden, wenn sie zuträfen was b-.s zur Stunde noch nicht nachzuprüsem ist. nur eine in Deutschland auch wohllvkannte 'Tallache feststellen De Forderungen, die der amer-kanr'che Dirtschaftsmann au# feinen Beob­achtungen erhebt, hnb einmal au# feiner amUichen St«.lang .n Polen, und tchlreßlich aber auch da» mit zu erklären, dah für ihn die historische Ent­wicklung. tne zu der grotesken Korridorlöfung geführt hat, nur schwer verständlich sein muh.

tniff« Im Xoirlbot 1 .? untragbar, weil hier ein Gebiet ganz un­organisch aus seinem größeren Zu­sammenhang herausgefchnilten wor­den ist. und daran werden auch wirtschasts- poliü'che oder verwaltungstechnische Maßnahmen Polen» nichts ändern f Dirnen

Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten

Lpayeuplagc in (£hilc.

(1) Valparaiso.

Im Iabre 1916 kam ein italienllcher Kaufmann nach Dakparoifo. um in Chile zwanzig Spatzen- parit^n |U verkaufen. Die Finantdchvrbc l'cr- langte eine fo hohe Verzollung der Vögel, die dort völlig unbetannt waren, daß der Italiener auf da» Geschäft verzichtete. Die Spätzchen wurden also in aller Form von dem Staatekonfisziert". Die Regierung wußte nicht recht, was sie mit den Tieren anfangen sollte und schenkte ihnen die Frei» heil. Das Ergebnis dieser tiersreundlichen Tat war überraschend: die Spatzen vermehrten sich und wur­den im Verlauf eines Jahrzehnts so zahlreich, daß sie im Acunlagua-Tal sowie in den umliegenden Ortschaften bald in großen Scharen auftralen. Die durch eine überaus günstige Temperatur hervor- gerufene unerwünschteUeberproduktion" an «patzen ist nunmehr zu einer regelrechten Land­plage geworden, dielästigen Ausländer" sind nämlich über alle Maßen frech geworden, und rich- tat nennenswerte Schaden an, ja sie gefährden geradezu die Saat von Chile. Die bisherigenRe- aierungsmaßnahmen" gegen btt fruchtbaren (Ein- öringlinge find erfolglos geblieben.

Tic Trillinge von Voom.

(g) Den Haag.

In dem Städtchen Boom (in der Näht von Antwerpen) fand kürzlich eine gewiß nicht alltäg­liche dreifache Hochzeit statt: an ihrem einund- zwanzigsten ©eburtetage heirateten da drei Dril­linge, die Fräulein Iosephine, PHUomine und Marie Boeymans. An der Hochzeit nahm die gc- somte Bevölkerung von Boom teil und streute Sil­bersand vor die Füße der drei Geschwister. Dor dem Rathaus wurden die drei Holden von drei Drillingen begrüßt: Boom scheint eben ein Dorado der Drillinge zu fein! Die Boeymansschen Damen sollen in so ncrHüffcnbcm Maße einander ähneln, daß sie während der Verlobungszeit selbst von ihren drei Auserwählten häufig verwechselt worden sind. In Boom hofft man fetzt stark, daß wenigstens in Zukunft keine Verwechselung mehr ftattfinben wird ...

Tic Störenfriede.

() Prag.

Wanzen sind niedliche Tierchen, und in Ost­europa gibt e» deren so viele, daß man in Buda­pest sogar ein Museum für diese zoologische Merk- Würdigkeit und ihre 127 (?) dort verbreiteten Sorten eingerichtet hat. Für den Fremden soll diese Merk­würdigkeit eine große Anziehungskraft ausüben wenn man sie wohlpräporiett und hinter siche- ren Glaswänden bewundern kann ...

Weniger merkwürdig müßen die lieben Ge­schöpfe wohlin Freiheit dressiert" fein. Wenigstens war der Sekretär der Jugendfürsorge tn O. dieser Ansicht. Aus ihn übten diese Gottesgeschöose genau die gegenteilige Wirkung aus, wie die Budapester Museumswanzen auf die fremden Besucher.

Der wackere Mann suhlte sich eines Tages veran­laßt, fein Amt n i e d e r z u l e g e n. Und in der Begründung seines Abschiedsgesuches hieß es: .Ich

halte es für unwürdig, in einer Kanzlei zu arbei­ten, in der ... täglich Wanzen von der Decke auf Tisch und Kleidung tollen."

Da» kann man dem Mann wohl nachfühlen. Böse jungen haben nun aber behauptet, daß der Sekretär weniger aus hygienischen und ästhetischen Gründen das oelb feiner Tätigkeit geräumt habe, sondern weil er die unerwünschten Stuben- genoßen als Störer einer ebenso gesunden wie angenehmen Kanzleibeschäftigung während der man nach einem Sprichwort nicht fünbigt un­angenehm empfunden habe!

EinKünsUerlrio" im Gefängnis.

(i) Sofia.

Da» Slaatsgesängnis von Sofia kann sich rüh­men. ein ..Künstlertrio" erster Güte zu beher­bergen. Allerdings handelt es fich hierbei um keine musikalische Vereinigung, sondern um drei Sträflinge, die wahre Meister der Z ä l l ch e r- tun ft find. DerVorsitzende" der Gesellschaft heißt Christo Arnaudoff Gr ist feines Zeichen» Kunstmater und Graphiker und versieht fich an­geblich wie kein zweiter auf die künstlerisch einwandfreie Herstellung von Geld­scheinen. Briefmarken sowie sonstigen nütz­lichen Dingen. Mitunter, wohnt er in feiner fürstlich eingerichteten Villa, denn wenngleich er einekleine" Freiheitsstrafe von insgesamt zwan­zig Iahren zu verbüßen hat. ge.ingt es ihm mit­tel» frlbstangefertigter Begnadigung»- erlasse immer wieder, die gastfreien Mauern de» staatlichenVogelhauses" zu verlassen. Da­selbst lernte Fmauboff zwei ebenbürtigeGe­nie»" kennen und schätzen. Herr Wassil Fcbelcff ist ein leidenschaftlicher Sammler von alten Flün- zen und dergleichen mehr und machte seinen Famen dadurch bekannt, daß er vor einiger Zeit die gesamte Münzensammlung des bulgari­schen Fationalmuscums enteignete. Der Dritte tm Bunde, Fikola Pezeff, hat ebenfalls für Mün­zen eine Leidenschaft: allerdings nicht für ver­altete, denn er stelltemoderne" Scheine her ...

Die drei Künstler bewohnten nun die Ironie des Schicksals zeitigt mitunter derartigeWitze" dieselbe Zelle, und es versteht sich von selbst, daß sie fich zur gemeinsamenArbeit" entschlossen haben. Fedeff Lernteschneidern" und es gelang ihm mit Hllfe seiner Kollegen, di« biedere Fäh- maschineumzustellen": die Firma fabrizierte Briefmarken en gro». Ein Wächter de» Gefängni'fe» wurdestiller Kompagnon", be­förderte die Erzeugnisse nach der Stabt und in knappen sechs Monaten wurden falscheBries- marfen im Werte von etwa 7 0 000 M k um- gesetzt. Erft nach einer halbjährigen Tätigkeit konnte man der Firma da» Handwerk legen. Fun sind die Künstler zur Fichtstueret ver­dammt: hossentlich werden sie aber, erfinderisch wie sie sind, demnächst wieder eine einttagsreiche Betätigung" ausfindig machen. Genie bleibt eben Genie, und ein Vollblutkünstler läßt sich nicht so leicht hemmen ...

lex quittierte Leichnam.

(s) Warschau.

Vor einem Delikatessengeschäft in Lodz stoppte vor einiger Zeit ein Auto. Der Chauffeur des

einer Mischung von chinesischem und indischem Tee her. Dieser Preß-Tee hat die Form von Ziegelsteinen und ist unter dem FamenLhasta- Tee" bekannt. Er mundet viel besser als der chinesische Plattentee und stellt wie dieser einen gesuchten Handels- und Äaufartild dar. Die Fachsrage ist groß.

Zugleich ist der Lhassa-Tee überall baß üb­liche Zahlungsmittel. Er ist der Gerichtsbar­keit sogar unentbehrlich: beim m der Straf­rechtspflege wird die Buße für den Delinquenten in Teepla tten ausgedrückt. Dafür ein Bei­spiel aus bet Praxis der Strafrichter: Gin des Totschlags überführter Tibeter hat die Buße in Teeplatten zu leisten. Die Höhe der Buhe wechselt je nach Stand und Fang de» Ermordeten. Sv hat der Mörder eines Cama beispielsweise 250 bis 300 Teeplatten zu zahlen, der eines Tibeters von Stellung und Fang 120 Teeplatten, während der Mord eines Angehörigen de» Mittelstantes schon mit 80 Teevlatten zu sühnen ist, derjenige einer Frau mit 40 Tee platten, eures Bettlers ober Forschung» reisenden nur mit 3 Teeplatten. Also Klassenjustiz!

Doch zurück zu unserer kulinarischen Betrach­tung: Außer Tsarnba enthält die Speisekarte Tibets nur noch Suppe, in feiten en Fällen wohl auch Fleisch. Damit ist das 2Hcnu aber erschöpft Ftcmanb wird behaupten, daß es sehr ab­wechslungsreich fei!

Die nomadisierenden Tibeter bereiten ihr Diner in folgender Form: entweder kochen sie ün Zett ober im Freien ab. In beiden Fällen wirb beim Abkochen im Zett, in der Milte des Zett- bödens ein Herd errichtet, d. h. der Kochtopf wird auf drei Steine gesetzt. An Stelle der Sttnne wird zuweilen auch ein Dreifuß ober ein sogenannter Feiftorb verwendet, der dazu dient, das Feuerungsmaterial. Kuhdünger, Kamel- und Zregenmist, zusammenzuha'.ten. Das Feuer wird mit dem geuerstein und Lumperckchwamm ent­facht unter Zuhilfenahme eines aus Zell her- gestellten Blasebalgs mit eiserner Feuerröhre. Selbst wenn das Brennmatcr.al feucht ist, gelingt es dem Tibeter in kurzer Zeit, sogar im Freien bei größtem Sturm, ein Feuer zu entzünden und

anzusachen. Ist ZLemholz zur Verfügung oder finden sich aus einem verlassenen Lagerplatz Holz­reste ober fortgiworfene Gebrcnxhsgegenstänbe. fo. herrscht all gerne.ne Freude Jedes Holz- stückchen, das nicht augenblicklich benutzt wird, wird sorgsam verwahrt und zur nächsten Lager­stelle mitgeschleppt, da man nicht wissen Kinn, ob dort brennbarer, trockener Vak- oder Kamel, mist zu finden sein wird. Die erste Tätigkeit nach Fuhrn ft bei der in Aussicht genommenen Lager- stelle besteht stets nn eifrigen Sammeln von FZ i ft. Das ist die erste und größte Sorge aller Feilenden, sobald Fast gemacht wird. Sind ti­betische Zette in der Fähe, lo erhallen die Feisenden dort entweder tofecnlo» ober gegen eine geringe Entschädigung das erforderliche Feuerungsmaterial.

Während der Herrichtung der Feuecstelle holt einer der Feisegenolsen aus errum nahegelegenen Bach Wasler heran Zur Winterszeit wird der Kochtopf mit Eis und Schnee gefüllt, und der TMafebalg wird m emf gfte Bewegung gesetzt. Der sich entwickelnde beißende Fauch erzeugt bdonöere im Zett ein heftige» Tränen der Augen, doch den Tibeter stört das wenig. Sein ganze» Interesse konzentriert sich jetzt auf das Feuer und den Kochtopf. Beiden Dingen gilt die aus­schließliche Aufmerksamkeit der mit untergeschla- genen Beinen um das Feuer versammelten Mit­glieder der Feifegefellschaft. Die Unterhaltung ist lebhaft: jeder freut sich auf die .fürstliche" Mahlzeit die feiner harrt. Die Leute spucken um die Wette, entweder nach rückwärt» auf den Boden, oder aber, was als vornehmer güt auf die Erde in unmittelbarer Fähe der Feuerstelle. Der Speichel wird dann mit dem Finger durch Asche zugedeckt Foch ehe da» Waller kocht, wird ein Brocken Ziegeltee zwischen den Fingern zer­kleinert und in den Topf geworfen. Bald färbt fich das Wasser dunkelbraun: es sieht wie Kaffee au». So genießt der Tibeter den Tee am liebsten. Oe dunkler er ist. um fo kräftiger ist er nach feiner Ansicht. Fun schöpft die Wirtin oder der Wirt mit einan^eifernen Löffel Tee aus dem Eilentovf und läßt ihn wieder iurii<frinnen, läßt den Tee noch einmal aus kochen, und dann tft er trink­fertig. Inzwischen säht drr Htnsh-rt' bi? Auf»

Lastautos wünschte den Inhaber zu sprechen, und legte diesem em Buch vor. ähnlich wie die Liefer­bücher der großen Warenhäuser. .Ich bringe Ihnen eine Leiche." sagte der Wagenleicker ge­mütlich .wollen Sie die Sendung gütigst quit­tieren!" Der ÄciMman» toar be-gor,slicherweise der Ohnmacht nahe > . Shausseur sprach aber gelaßen weiter: .Fielk i veranlagen Sie. daß ci er Ihrer eingestellten hilft, ben Sarg bareinzubrin­gen!" £er K u ..;ann feierte seinen Besucher ent­geistert an. erfüllte jedoch den tonberbaren Wunsch. X# die .Sendung" bereit# nach dem La den innern gebracht wurde, verlangte der Ge­mütsmensch von einem Shausseur abermals he .Quxtiierung" der Leiche Der Äaufmann unter* i da» Lastauto verschwand, gelang e» dem Emp­fänger de» Leichnam», sich fo weit zu sammeln, um die Polizei benachrichtigen zu können. In stellte fich nun heraus, daß nicht etwa ein bummrr Scherz gemacht worden war un Sarge lagen die irbtldx orste eint» der in einem Posener Krankenhaus verstorben war und die KrankenhauSleriung vor seinem Ab- lebcn gebeten hatte, feine L.cche noch Lodz .zu ' de» Onkels vd befördern I

bau# wurde dann auch die letzte Bitte de» Kranken erfüllt, unb der Fahrer hatte aus dem ^Vfichtspuntte bec ordnung liebcnl' vollkommen recht, daß er die Leiche nur gegen Quittung aus händigen wollte ...

Tab vornchmc Krokodil.

(in) Mailand.

Da» Krokodil kann nicht nur furchtbar tref­fen und di« b.'.'anntcn oder vielmehr berüch­tigtenTränen" vergießen, sondern auch --sehr vornehm sein. Iedensall» hat jetzt ein solcher unheimlicher Bewohner tropifärcr Ge- . a Brescia den Beweis hierfür bracht. Aus der dortigen Eisenbahnftatton lief ein Zug ein. in dellen Vieh wag gerie verfrachtet war. Anfang» kümmerten fich Die Passanten recht wenig um die Tierverfemm- hing in den verschlossenen Güterwagen, bi» plötz­lich ein großer Lärm entstand und Entsetzen sich aus den Gesichtern des Pub.ikumS zeigte. Zwi­schen all drn Menschen stolzierte nämlich mit cmemmal ein riesiges, ausgewachsenes Krokodil, da» in aller Seelenruhe auf dem B a h n ft e i g spazieren ging. Panik, Flucht Gedränge. Dequetsch«. Schreie. Ohnmachtsanfällc all die» störte den wilden Genollen der Lotosblumen nicht im geringsten. Vielmehr blieb das Krokodil schließlich vor einem Wagen erster Älalfe stehen, dessen Tür offen stand, betrachtete diese eine Weile und begann dann langsam und ge- mud)iid) in den Wagen zu fr ?orl wurde c» dann am Ende von den Wärtern gefaßt und auf seinen Platz imordinären" Viehwagen zu­rückgebracht. ES hätte Ursache gebäht, nun ein­mal wirkliche und echte Tränen zu weinen.

Musikalische Begabung und «üchen-Krach.

(f) London.

DK Musik-Sommerschule von Orford hat, wie man hört, die diesjährige Saison nicht geschlollen, ohne eine regelrechte Sensation vom Stapel zu lassen. In einem Bericht über die Pflege des Gehör» heißt e» rrämlich, es genüge keineswegs, die verschiedenen Töne und Tonstufeti auseinan- derhalten zu können. Man muffe vielmehr da» Ohr an viel .Größeres", .Höheres' gewöhnen. Unb hierunter verstehen die braven Sommer­schulmusikanten von Orford nicht» Geringere» als die Unterscheidung der Materiakart beim Zerbrechen des Geschirr» in der Küche. Ia die guten Leute gehen sogar noch weiter und verlangen von einem geschulten Ohr, es möge die Porzellanmarke unterscheiden, wenn e» vernimmt, wie z. D. eine kostbare Dake oder Tasse zu Boden fällt Die Mufikstudentc-n von Orford geben zu. daß eine solche Eigenschaft nur durch jahrelange Hebung erworben werden kann, tragen sich sogar mit dem Gedanken, be­sondere Kurse hierfür einzurichten. Ob tne Stu­dierenden aber die hohen Kosten für da» zum Teil sehr teuere Material werden tragen können, da» ist eine andere Sache, und so wird auch da» Ideal der Orforder Musik-Sommerschule. wenn nicht alle» trügt, an der profanen Geldfrage zu­nichte werden.

forderung ergehen, fich zum Schmause bereit» zuhatten Ieder der Anwesenden, ob Mann oder 5rau. holt nunmehr den kleinen Holznaps aus dem sackartig überhängenden Teil be» um die Hüsten geschnürten ^Pelzmarttel» unb wartet sittsam, bi» die Fei he an ihm ift unb sein Holz- napf gefüllt wird. ES wäre eine unglaubliche Taktlollgkcrt. wenn jemand unaufgefordert seinen Holznapf zeigen ober gar vorzeitig zum Fah- rungSempfang beretthalten würde. Wer kernen Holznapf besitzt, bekommt in Tibet einfach nicht» zu essen! Der Holznaps gekört zmn eisernen Be­stand: ct ist das unentbehrlichste Gebrauchsstück eine» jeden Tibeter», ob Mann, Frau oder Kind. Wollte nun jemanb in Ermangelung eines eigenen den Holznaps eine» anderen benutzen, so würde auch das als Taktlosigkeit empsuTtden.

Sobald die Holznäpse gefüllt sind, beginnt das Diner. Bei vermögenden Leuten wird jedem Gast vom Wirt noch ein Stück Butter dem Tee hitrzu- gefügt Die geschmolzene Butter wird auf der Oberfläche des FapfeS zurückgeblasen, so baß lie darin biS zuletzt zurückb.'eibt. Durch laute» Schlür­fen bezeugt der Tibeter, dah es ihm sehr aut schmeckt. Meist folgt der ersten eine zweite La­dung Tee. die gleichfalls bi» auf ben Butterrest vertilgt wird: mit Hllfe diese» Dutterrcstes wird nunmehr Tsarnba hergestellt.

Inzwischen hat der Wirt einen kleinen Sack herbei geholt, tn dem er seinen Tsamba-Vorrat verwahrt Es ist übrigens auch üblich, dah jeder Tibeter ein kleines Tfarnba-Säckchen. das auf dem Reitpferd verstaut wird, mitführt. In diesem Falle wird dem eigenen Vorrat eine Handvoll entnommen zur Füllung be# Holznapses. Eine zweite Hanbvoll wirb nachgeschüttet, bannt ein spitzer Tfamba-Kegel in bem Fapf aufragt Auch dieser Modus gilt als votmehm. Ietzt wird der Tfamba geknetet, d. h man beginnt mit den Fingern der rechten Hand die Mtschung von Tsarnba, Butter und Tee zu bearbeiten. Am Fände des Holztrapfes wird begonnen, unb man gebraucht schließlich die ganze Hand samt dem Handteller zu dieser Knetarbeit. Das Gemisch wird allmählich Immer kompakter und endlich er. ' ht tiicftrarjbraun gewordener harter Kloß.