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Nr.s58 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 7. Juli (928

Was lehrt uns die amerikanische Wirtschaft?

Keine Bureaukratisierung -er Wirtschaft. - Oie Initiative -er Persönlichkeit. - Amerikanisches un- deutsches Aktienrecht.

Don Dr. Edmund EcknneS.

Der Dersafser, der m dem folgenden Ar- tifd seine Erfahrungen aus langjährigem Studium der amerikanischen Wirtschaft inedergelegt Hut, ist bekanntlich der älteste Sohn des Industriemagnaten Hugo Stin- nes. Er war schon zu Lebzeiten des DaterS m der Berliner Zentral« des Konzerns tätig und wurde nach dessen Tode mit crncr Reihe von der Art nach ganz ver­schiedenen Unternehmungen aus der Erb­schaft abgefunden, die er jedoch in der Deflationskrisis nicht zusommenzuhalten vermochte.

I.

3n den Aachkriegsjahren standen die Ver­einigten Staaten von Äordomerika neben Ruß- land im Mittelpunkt des deutschen Interesses. Einzelne Persönlichkeiten und Stu dien kornrnissio- «nen sind in dos 2anD jenseits des Atlantischen Ozcans gefahren, um die Ursachen des Auf­schwunges der amerikanischen Wirtschaft zu er­gründen. Bücher, angefüllt mit mehr oder minder genauen Beobachtungen des amerikani­schen Lebens, sind erschienen. Scharfe Kritiker des Amerikanismus ebenso wie Derherrlicher der Vereinigten Staaten haben Ihre Stimme erhoben. Besondere Beobachtung, das liegt in der Ratur der Dina«, hat die amerikanische Volks­wirtschaft gesunden, und dann wieder scheint es oftmals, al« ob gerade diesem Thema keine neue Seite abgewonnen werden könnte, die für uns von Bedeutung sei. Daß den, nicht so ist, kann nur durch unbewußt« Einseitigkeit erklärt werden, die den deutschen Beobachter an wesent­lichen Erscheinungen des amerikanischen Wirt- schastsleben vorbeisehen läßt, obwohl gerade deren Beobachtung zu einer kritischen Lieberprüfung des deutschen Zustan - d«S veranlassen sollte. Kaum oder doch nicht genügend brachtet find jene Wege, die die ameri­kanische Industrie beschritten hat, um, trotz weit­gehender Konzernierung, der persönlichen Initiative den notwendigen Spielraum zu geben, der di« Dureaukratisierung der Wirtschaft verhindert. Aehnliche Beweg­gründe, von denen sich die Wirtschafter selbst in diesem Fall leiten lassen, sind auch die Ursache der gesetzlichen Verhinderung von Monopolen. Lind um dieser Gründe willen findet in allen Kreisen der Vereinigten Staaten auch der Staatssoztalismu« entschieden« Ab­lehnung.

Die amerikanischen Konzern« werden nie wie vielfach in Europa halb parlamentarisch durch ein Gremium von gleichgestellten Ressort­leitern geführt. Der allein verantwortliche Generaldirektor Präsident fällt auch die letzt« Entscheidung. Ist bei uns durch den Druck her Verhältnisse ein großes Unternehmen entstanden, Nrrrn bestätigt sich sofort unser Fana­tismus für Lleberorganisativn. Alle glauben, das System des deutschen Beamten­staates schleunigst auch auf die Industrie über­tragen zu müssen. Die Zentrale bestimmt über einen endlosen Instanzenwegplanmäßig" jede Angelegenheit, auch die der kleinsten unterstellten Betriebe, es mag sich nun um Anschaffung von Handtüchern für einen chemischen Konzern han­deln, oder um Kesselreparaturen für ein elek­trisches Unternehmen. So kann es nicht wunder­nehmen, daß sich, mit jeder Ausdehnung und Vertrustung das akttve Leben immer mehr aus den Unternehmungen verflüchttgt und dadurch die Leistung beeinträchttgt wird.

Die amerikanische Wirtschaft Hal es im Gegen­satz zur deutschen viel mehr verstanden, die Er­starrung und den BureautratismuS weitgehend sernzu halten. So gehören um ein Bei- 1^1«! zu geben die einzelnen ZweiggeseU- schaften deS Stahltrusts zu 100 Prozent der Muttergesellschaft. Sie sind jedoch selb stän­dige Lebewesen, die ihre eigenen Belange se^st regeln und über ein eigenes abgegrenztes Absatzgebiet verfügen. Bezeichnend ist es z. B.. daß jede der Tochtergesellschaften von General Motors (Buick. Chevrolet, Cadillac usw.) eine eigene Absatzorganisation ausgebaut hat. Im allgemeinen sirrd in der Zentrale eines amerikanischen Konzerns nur die Finanzen, das internattonale Geschäft und der Erfahrungsaus- tausch zusammengesaßt. Die Zentrale bestimmt auch die Richtlinien der Preis- und Lohnpolitik. Alle Einzelheiten dagegen sind der Inittattve der Direktion der verschiedenen Werke überlassen. Dadurch ist in dec amerikani­schen Wirtschaft die Dureaukratisierung vermieden, während bei uns eine Erstickung großer Betriebe durch die ileberorganifation droht. Besser ist es das lehrt das amerika­nische Beispiel die Selbständigkeit zu erhalten, selbst wenn dadurch die Möglichkeit nicht aus- geschaltet wird, daß Fehler gemacht toerben Selbständigkeit verbunden mit fi­nanziellem Interesse erzieht zur Berantworlungssreudigkeit. Beide erhalten drüben den Unternehmungsgeist, der allein in der Lage ist. den wirtschaft­lichen Forts ch r i t t herbeizuführen.

Diese amerikanische Tendenz. eine persönliche Inittattve nicht auszuschalten, zeigt sich do.t auch im Aktienrecht. Die moderne Wirtjchafts- entwicklung in der ganzen Welt führt zur Bil­dung immer größerer Unternehmungen mit ge­waltigem Kapital, an deren Spitze Direktoren stehen, die das Werk als Beamte ohne in­dividuelles Interesse am Ertrag leiten. Das Aktienkapital dieser Unternehmungen verteilt sich auf einen gleichfalls wachsenden Persvnenkreis.

Die Aktten liegen im Depot der Banken, die sie un allgemeinen verwalten. Da bei uns in Deutschland nun Inhaberaktien die Re- gel sind, können di« Banken die Aktien nach ihrem Interesse vertreten, wenn die Besitzer nicht ausdrücklich üher sie verfügen. So gibt in Europa daS Aktienrecht den Banken eine besondere Machtposition im ganzen Wirtschafts­leben. Di« IL 6.21. kennen nur Hamen«- aktien, die ein persönliches Verhältnis des Aktionärs zu seinem Unternehmen Herstellen und den Bankier ausschalten, wenn er nicht selbst Inhaber ist oder besondere Vollmacht hat. Da in der Wirtschaft wie im Staat aller Fortschritt immer nur den Führern zu verdanken ist. niemals derSociete anonyme, so möchte ich diese Qffticn- hanöhabung als der unseren weit überlegen be­zeichnen.

6inc andere Seite des amerikanischen Aktien- welens muh ebenfalls mit wenigen Worten er­wähnt werden. De facto haben unsere 'Aktien­gesellschaften nur eine Sorte Aktien mit glei­chem Kapitale iarschuß, gleichem Risiko und glei­chem Stimmrecht. Durch die Entwicklung der letzten Jahre sind die Vorzugsaktien weitgehend verschwunden. Das amerikanische Aktienrecht kennt Stamm - und Vorzugsaktien. Durch die letzteren wird das meiste Kapitol aufgebracht. Sie haben ein geringes Stimmrecht, ein begrenz­tes Derlustrisiko unD beschränkte Gewinn« ussich- ten. Die wirklichen Träger eines Unternehmens sind aber die Stammaktien mit geringer Kapitoleinzahlung, großem Risiko. vollem Stimmrecht und großen Gewinnaussichten. Diese Aktienform ermöglicht es in der neuen Welt auch heute noch, daß dos individuelle Unter« nehmerkapital, wenn auch unter ganz befondcrem größt« Geld» und Machtpositionen er­wirbt. So entspricht das amerikanische Aktien- wesen mehr als das unsere einer wahren Demo- kratte. die nicht nurFreie Bahn dem Tuch- ttgen" sagt, sondern auch nach diesem Ausspruch handelt.

Oie Sicherung -es Friedens.

Außenpolitische Ltmschau.

Von Or. Otto Hoehsch, o. Prof, der Geschichte an der Universität Serlin, M. d. K

Linser« öffentliche Meinung ist, sei es von der Hitze, sei «s von der Innenpolittt, so abgespannt und müde, dah sie sich überhaupt nicht un die Vorgänge draußen kümmert. Dabei vollziehen sich jetzt sowohl in den Genfer Verhandlungen des Sicherheitskomitees, wie mit dem Kellogg- Vorschlag 23orgängc von großer Tragweitei DaS Sicherbeitskomite« in Genf hat zunächst die von seinem Redaktwnsausschuß ausgearbeite­ten Musterverträge, 2)ertragsmodelle ange­nommen. Es sind drei Modelle für Schieds­gerichtsverträge und drei für Sicherheitsverträge. Das ist das Material, das vom Sicherheits­komitee nun der DöUerbundsversammlung im September vorgelegt wird, gemäß seiner Aufgabe, in diesem Punkte eine Grundlage für die Abrüstungskonferenz zu schassen. Theo­retisch hätten dMnit die Staaten Modelle für alle möglichen Fälle, und sieht man das ganze Material an, so kann wirklich nicht mehr gesagt

werden, daß irgendeine Sicherheit fehle, Die, wie bekannt, von der französischen Seite immer zur Voraussetzung der Llbrüstung gemacht wird. Die Schiedsverträg« sind in der Hauptsache nach dem Vorbild der Locarno-Verträge ge­macht. Di« von der Türkei beantragte Reutrali- tatsklausel, wie st« eine solche in ihren Ver­tagen mit Rußland und Italien hat, ist freilich nicht durchgedrungen.

Diesem Komitee lagen, wie erinnerlich, ferner deutsche Vorschläge vor, die auf Grund der bekannten deutschen Bemerkungen für Die Prager Vorbesprechung ausgearbettei waren und zum Zweck haben, praktische Maßnahmen gegen den Ausbruch eines Konflikts zu erreichen. In den Verhandlungen darüber trat erneut zutage, wie die andere Seite, und zwar nicht nur Frankreich, sondern vor allem namentlich England, ober auch Italien, sich be- mühten, mit allen möglichen Gründen das Be­

mühen Deutschlands zu verschleppen und die sehr positiven deutschen. 'Vorschläge jedes 'Wertes zu berauben. Man kann von unterem Stand­punkte aus mancherlei gegen diese Vorschläge einwenden, die n-.cht ungefährlich und unbedenklich für un- fein können. Aber ohne Zweifel dienen sie in Wahrheit und in .Klarheit der 2Wcr- bund-idee, kriegerische Konflikte praktisch zu ver­hüten und dazu dem VöllerdundSrat größere Machtvollkommenheiten zu verleihen. Wieder hat sich gezeigt, daß die andere Seite solche Bin­dungen nicht will. Denn es liegt auf der Hand, dah. genau toi« Deutschland will, eines das andere nach sich zieht! Diese SchiedSgerichtS- und Prozedur-Erörterungen müssen dann auch Folgerungen militärischer Art in der Richtung auf Die 2lbrüstung nach sich ziehen. D<e deutschen Vorschläge lind nun in einen Vertrag.-Entwurf gebracht, Der angenommen tour De, und im September auch der VöikerbundS- versammlung vorgelegt wird.

Di« Verbindung Der deutschen Arbeit in Genf mit dem K e l l o g g - V v r s ch l a g stellt sich sehr einfach gerade an diesem entscheidenden Punkte her. 'Deutschland hat schon auf die erste ameri­kanische Rote klipp und klar geantwortet, daß es den Vorschlag Rordamerikas begrüßt, daß ec aber einen dauernden Erfolg nur haben könne, wenn er durch «ine wirkliche Abrüft un g weitergeführt werde und seinerseits so auf die Abrüstung wirke. Ebenso logisch ist damit ge­sagt, daß Die anderen, und zwar wiederum so­wohl Frankreich wie England, dem Kelloggschen Vorschlag innerlich ablehnend und zweifelnd gegen­überstehen. Er ist in seiner neuen Fassung am 23.3uni mitgeteilt worden, und zwar nicht nur den Großmächten, mit denen allein Kellogg ur­sprünglich die Sache machen wollte, sondern auch den übrigen Locarnomächten, also Belgien, der Tschechoslowakei, Polen und den großen britischen Selbstverwaltungskolonien. Gegen diese Erwei­terung hat Deutschland an sich nichts, voraus­gesetzt, daß damit nicht in Der Weiterführung der ganzen Angelegenheit diese m französischem Sinne verwässert oder verfälscht wird.

Der neue Vertragsentwurf trägt in der Ein­leitung und besondere m der zugleich überreichten Rote den französischen Wünschen Rech­nung. Es wird festgestellt, daß «in Widerspruch mit der Völlerbundssatzung nicht da sei und ebenso nicht mH den Locarno-Verträgen. Wenn ein Staat unter Verletzung der Locarnvverträge zum Kriege schreite, würde damit auch dieser neue vorgeschlagen« Pakt gebrochen sein, außer Kraft gesetzt, und Die anderen 'Parteien hätten das Recht, ihrerseits gemäß Den Verträgen Des Völkerbundes und von Locarno vorzugehen. Hier ist ein« Tür, eine Stell«, dürft) Die Frankreich hofft, feine Gesichtspunkt« doch noch durchsetzen zu können. Hier gilt es, ganz besonders vorttchlig zu fein, Damit enunal nicht Der vorgeschbagene Wortlaut von Dem französischen Sankt ions- kriegsge Danken benutzt wirb unD sodann. Daß sich nicht Doch noch Aenderungen, Ergänzun­gen, Interpretationen im französischen Sinne in Den Entwurf selbst oder in einer besonderen Horm neben ihm einschleichen. Derartige Ab­sichten Frankreichs sind bekannt, und es ist lebhaft am Werk«, ihnen bis zur Unterzeich77ung zum Stege zu verhelfen.

Positiv wieder ergibt sich Deutschlands Linie von selbst. Es bewegt sich sozusagen auf dem­selben Gleis wie Rordamerika. Wir haben keine Dorbehalt« zu machen. Wir stimmen

GrafKerdinand von Zeppelin.

Zu seinem 90. Geburtstag am 8. Juli.

Von Oberstleutnant a. D. Ammon. Nachdruck verboten.

»Dees ischt en Narr en Graf Zep­pelin. Der Mann moint, er kennt durch d'Lust fahre!" (Auskunft eines Lands­mannes von Zeppelin auf Die Frage, wer Der Mann Dort fei.)

3n allernächster Zeit wird das neue Zap­pet in luftschiff. das größte, das bisher gebaut touri>«. seine Fahrten aufnehmen, und viele Deut­sche, die daS Schiff über sich hinwegziehen scchen, werden dankbar seines Erfrirders gedenken, Dcffen Ra men es trägt, des Grafen Zeppelin, Der Sonntag, wenn er rwch unter uns weilte, 90 Sabre alt würde. Seit ferner Geburt am 8. Juli 1838 ist somit eine lange Zeit verflossen, unD fv ist es nicht wunderbar, daß Viele in ihm nur den großen Luftschifferfinder sehen und nicht mehr wissen, daß Graf Zeppelin schon ein be­rühmter Mann war, ehe er im Alter von 54 Jahren anfing, seine Gedanken über Den Bau lenkbarer Luftschiffe zu verwirklichen.

Diese Berühmtheit gründet sich freilich auf eine ganz andere Tat, und auch diese liegt nun­mehr schos 58 Jahre zurück. Die ©rrnnerung daran mag daher wieder einmal aufgefrischt werden, um so mehr, als sie aus derselben Eharaktereigenschaft Zeppelins hervorgegangen ist, die ihn auch als Erfinder allen Widerständen zum Trotz zum Erfolg geführt hat, nämlich auf feinem unbeugsamen M u t und ferner alle Hin­dernisse überwindende Zähigkeit des Willens.

Es war zu Beginn des Krieges 1870, als in Karlsruhe bei Der badischen Division 4 Tage nach Der Kriegserklärung eine Beratung statt­sand: man hätte gerne gewußt, ob sich zwischen Rhein und Vogesen südlich her von Ost nach West verlaufenden pfälzischen Grenze frarrzö- sische Truppen befänden, und in welcher ©tärfc; rnsbesondere auch, ob das im Elsaß stehende Korps Mac Mahoirs schon über Reiterei und Geschütze verfüge. Dieses Interesse war durch­aus begreiflich, Denn leicht konnte aus dieser nur 15 Kilometer entfernten Ecke ein Vorstoß gegen Die badische Hauptstadt erfolgen.

Rn Der Beratung nahm ein junger Hauptmann anD Generalftabsoffizier Der Württemberg!scheu Kavalleriebrigade teil, der 1858. also 12 Jahre dvr dem Kriege, Leutnant geworden war und fich schon' im Kriege 1866 durch eine

kühne Tat ausgezeichnet hatte, indem er unter größter Lebeirsgefahr Den an- geschwollenen Main durchschwamm. Dieser Offi­zier erbot sich, in Feindesland hineinzureiten und Die erforderlichen Feststellungen zu machen. Es war der Graf Zeppelin.

Sein Anerbieten wurde angenommen. Ulan gab ihm Den Oberleutnant Freiherrn lon Wechmar und Den Leutnant Freiherrn von Villiez vom badischen ßeibDragonerre» giment sowie Die Leutnants Wiens lo e und Freiherrn von Gayling vom 3. badi­schen Dragonerregiment und fiebert Dragoner mit.

Mit dieser Streife Streife heißt auf deutsch Patrouille Die am 24. Juli morgens. Hagen- bach, 10 Kilometer westlich Karlsrnche jenseits des Rheins in Der Pfalz, nach Süden verlieh, überschritt Zeppelin nach wenigen Minuten die französische Grenze und sprengte über die herun­tergelassene Zugbrücke in das elsähische Städt­chen Lauterburg, während ihr die Mitglieder der Torwache mit offenem Mund« nachsahen und die gerade in die Kirche gehenden ver­blüfften Bewohner ebenso untätig blieben, wie Die Torwächter. Hinter Laut er bürg legte Die Streife nun zunächst zwei Telegraphenstangen um. Damit Die Lauterburger Telegraphenbeamten nach ihrer Erholung von Der kleinen ilcber- raschung keine Rachricht Darüber in Der Richtung nach Frankreich geben konnten. Dann ging es weiter nach Reuweiler, wo kurze Rast gehalten tourDe. Bei dieser Gelegenheit wurden Dort Die Briefkasten geleert und dem gerade auf feinem Gange befindlichen französischen Briefträger seine Briefe und Zeitungen abgenommen. Um 5 Uhr nachmittags gelangte Die Streif« nach Trimbach, wo wiederum Rast gehalten wurde Da dort Tanz ftattfanö, bemächtigte sich jeder der deut­schen Reiter einer elsäßischen Jungfrau und schwenkte sie ein paarmal herum. Dann ging es, wieder zu ernsteren Beschäfttgungen. Als man sich gerade damit befaßte, eine am Spritzen­haus angeschlagene Kundgebung Rapoleons mit­zunehmen, tarnen ein französischer Lancier und ein Landjäger dazu und griffen Den Grafen Zeppelin an. Dem Lancier gelang es. das Pi erd des Grasen Zeppelin Durch einen Stich schwer zu verwunden. Zeppelin vertrieb ihn jedoch durch einen Säbelhieb, während sich Der Landjäger ergab. Da man ihn nicht gut mitnehmen tonnte, gab man ihm Den Laufpaß, nachdem man ihm wichtige Papiere und fein Pferd abgenommen hatte. Dieses Pferch bestieg nun Zeppelin: das des Lanciers nahm einer der Dragoner an Die Hand. Da das Pferd des Landjägers jedoch

nach kurzer Zeit stürzte, setzte sich Zeppelin auf das Pferd des Lancrers. das nicht sehr gut war, jedenfalls schlechter als die Pferde der badischen Dragoner. In Hundsbach wurden dann rwch Telegraphenapparate zerstört, damit keine Rachrichten über Die Streife verbreitet werden konnten.

Da Die Streife bisher außerordentliche Erfolge gebracht und viele wertvolle Rachrichten ge­liefert hatte, beschloß Graf Zeppelin, sie noch weiter auszudehnen. Um aber die bisher ge­wonnenen Rachrichten für alle Fälle und auch möglichst schnell nutzbar zu machen, schickte er den Leutnant Freiherrn von Gayling mit zwei Dragonern zurück: diese Drei Reiter kamen am nächsten Morgen 5 älhr wohlbehalten in Karls­ruhe an.

Der Rest Der Streife drang dann am 25. Juli weiter nach Westen bis nach Riederbronn in Feindesland vor und sand Wörch dasselbe Wörth, nach Dem Die Schlacht am 6. August ihren Ramen hat unbesetzt.

Die Streife war nun schon so lange unterwegs, daß Mann und Pferd dringend einer Stärkung durch Ruhe und Rahrung bedurften. In einer Ortschaft konnten sie nicht zu bleiben wagen. Zeppelin entschloß sich daher, im Schirlenhof einzukehren. Die Pferde wurden in eine Scheune gestellt. Die Offiziere und Die Dragoner gingen in das Gastzimmer des bescheidenen Gasthofs und sicherten sich durch einen Posten

Inzwischen hatten die Franzosen aber doch Wind von Der Streife bekommen und setzten zwei Schwadronen zu ihrer Aufsuchung und Vernichtung an. Der französische Leutnant Cha­bot erfuhr in der Rähe des Schirlenhofes. daß die deutsche Streife Dort fei, ließ feinen Zug absitzen und ging gegen Den Schirlenhof vor. Beim Versuch, aus der Scheune einen Gegen­stoß zu machen, siel der Leutnant Winslo« als erster der im Kriege 1870/71 gefallenen 1871*) deutschen Offiziere. Der Oberleutnant Freiherr von Wechmar. Der Leutnant von Villiez und die fünf Dragoner wurden gefangen genommen. Dur einer entging Dem Tod oder der Gefangenschaft- Der Graf Zeppelin. Durch Die Hintertür hinausstürzend sah et eine alte Frau, die das Pferd eines französischen Chasseurs hielt. Er nahm der Frau das Pferd weg, schwang sich darauf und erreichte ein Waldstück, in dem

) Dah diese Zahl mit der Jahreszahl über» einstimmt, ist ein merkwürdiger, wenig bekannter Zufall. Wer sie einmal gelesen hat, wird sie nie wieder vergessen.

er das Pferd an einen Baum band. Während die Franzosen den Wald umstellten, hielt er füb auf einem andern Baum verborgen, in steter Besorgnis, das Pferd könne wiehern und ihn dadurch terraten. Aber es wieherte glücklicher­weise nicht. Um 5 Uhr nachmittags ritt er aus Dem Walde heraus, stärkte sich mit Milch, die ihm ein Dauer von einer Kuh seines Gespanns gab. Erst uni 11 Uhr abends ließen feine Der- folger von ihm ab. In einem Bauernhof in vulztal gab ihm die Besihersfrau Unterkunft, da sie ihn seines württembergischcn Käppi- Wegen für einen Franzosen hielt Der später nach Hcmfe kommende Bauer prüfte Pferd und Pferdegeschirr des schlafenden Gastes, stellte es als französisch fest und legte sich beruhigt zur ®raf Zeppelin aber gelangte am na<bften Morgen, am 26. Juli, um 5 Uhr durch die bayerische Vorpostenlinie in Sicherheit ©$on 1863 hatte der Graf Zeppelin am amen- ranischen Bürgerkrieg teilgenommen und war dort auch im Fesselballon aufgestiegen, so daß er Die großen Vorzüge dieses ErkundigungS- nntwis am eigenen Leibe erfahren hatte. Eben- w hatte er durch die beschriebene Streife Die Fahrnisse und Anstrengungen kennengelernt, die man sich durch solche Mittel ersparen kann. Daß aber gewöhnliche Luftballons Da*u nicht genügen, das hat er kohl bei Der B«la - ^rrriS gesehen, wo zwar über ein halbes Hundert Ballone aus Der Stadt brnrauö». aber keiner hineingekommen war. Das alles mag Der Anlaß für ihn gewesen fern, sich nut. Dem Bau eines lenkbaren Luft­schiffs zu bekräftigen. Schon 1873 hatte er einen Entwurf ausgestellt. Wieviel Zeit dann noch brs zum Ausreisen Der Gedanken und bis zum Bau Des ersten Schiffes verging, welche ungeheuren Widerstände gegen borgefafttc Mei­nungen und Geldmangel zu überwinden waren»

schließlich das Unglück von Echterdingen die Erkenntnis in das ganze deutsche Voll trug. Daß nur ein Zufall das Schiff noch sieghafter Fahrt zerstört hatte das alles steht noch rn frischer Erinnerung.

To lebt Denn Der Graf Zeppelin im Denken aller Deutschen als ein tapferer RLmn von vornehmer Gesinnung unD stählernem, unbaxg* anwm aBtnen fort, der trotz dieses harten Wil­lens durch die ungezwungene Art sich zu geben, durch seine Gefälligkeit und sein Wohlwollen auch gegen den einfachsten Arbeiter die Herzen aller gewann, Die ihm ins Auge sehen Durften. Er war ein Mann vom Schlage unD von Den Aus­maßen Hindenburgs.