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Kritik der presse.

Berlin, 6. Iuli. (£11.) Das Urteil im Schachth-Prozeß wird in der Berliner Presse sehr start kritisiert. Namentlich die Beweg­gründe, die die Sowjet reaierung zu der Ein­leitung dieses Prozesse- geführt haben, werden mit aller Schärfe herauSgeorbeitet und die st o rte Belastungsprobe, der die deutsch-russischen Beziehungen durch diesen Prozeß ausgesetzt waren, wird immer wieder hervor gehoben. Besonders scharfe Kritik übt derV orwärts" tin dem Prozeß. DaS Blatt seht sich namentlich mit den deutschen Kommunisten auseinander, die zu den 23 Todesanträgen Krylenkos brüllend Beifall geklatscht haben und schreibt: Es ist ein starkes Stück, daß die deutschen Kommunisten auch weit­gehende Milde für unzureichend erllären, die von der deutschen Republik gegenüber Dynamit­anschlägen und Vernichtung von Menschenleben geübt wird, während ihre russischen Vor­bilder bereits auf unzweckmäßige Behandlung von Maschinen die nackte Dodesstrafe sehen."

Das Blatt kommt ;u dem Schluß, daß dos herr­schende System Sündenböcke gebraucht habe, um die Unfähigkeit des bolschewistischen Wirtschafts­systems zu verdecken.

Auch die Kritik derGermania" ist äußerst scharf. Der Schachtyprozeß Hobe die Atmosphäre reinigen und die widerstände gegen das Sowjet­system endgültig niederschlagen sollen. Statt dessen werde er allgemeine Unsicherheit und Spannung und vielleicht eine Kette ähnlicher Prozesse auslosen. Für den eigent­lichen Hauptanklagepunkt, die Mitgliedschaft oder Mitarbeit in einer antibolschewistischen Organi­sation, liege auch nicht der Ansatz eines Be we i ses vor. Offenbar habe bei der Urteils­findung gegen die Deutschen das Außenamt ein 'Hort mitzusprechen gehabt, so daß der Spruch vergleichsweise milde ausgefallen sei. Der Lokal-Anzeiger" kommt zu dem Ergeb­nis, daß alle ihre Arbeit und Freiheit liebenden Europäer in einem Lande, in dem dieser unge­heuerliche Prozeß möglich gewesen fei, fernerhin nichts mehr zu suchen hätten. Man werde fortan wissen, daß das heutige Rußland kein R e ch t S st a a t sei. DieB ö r s e n z e itung" begrüßt mit Genugtuung die Rehabilitierung der am Rußlandgeschaft besonders beteiligten deut­schen Firmen.

Dos sreisprechende Urteil werde jedoch nicht darüber Hinwegtäuschen, daß der Prozeß eine außerordentlich schwere Belastungsprobe für die Beziehungen zwischen Deutschland und Ruß- lond sei.

Das Urteil des Moskauer Gerichts habe er­freulicherweise gezeigt, daß es dem Außenmi­nister Tschitscherin gelungen sei. einen Sieg über die dunklen Kräfte der G. P. 11. und den ein­seitigen Standpunkt der Klassenjustiz davonzu- lragen. DasBerliner Tageblatt" stellt die Frage, wer garantiere, daß im Bedarfsfälle dasselbe Verfahren sich nicht wiederhole. Eine objektive Rechtsfindung sei vor Gericht überhaupt nicht zugelassen worden. Der gute Rame deutscher Staatsangehöriger und deut­scher Firmen scheine zu gut zur Verwendung für die dekorativen Zwecke eines politischen Pro­zesses in Sowjetrußland. DieDeutsche Ta­geszeitung" gibt die Ansicht wieder, daß durch die Anllage nicht die deutschen Angeklagten und die deutsche Industrie getroffen toorben sei, sondern die deutsch-russischen Beziehungen, die durch die Hetze der Moskauer Presse aufs Spiel gesetzt worden seien. Gs gelte jetzt für Deutschland und vor allem für die deutsche Wirtschaft, die Erfahrungen der letzten Zeit aus- zunuhen, um größere Sicherheiten a ls bisher für einen reibungslosen Verlauf des Wirtschaftsverkehrs ztvischen den beiden Ländern erlangen.

Hoffnungen auf Wissel.

Kurswechsel in der Sozialpolitik

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 7. Juli. Obgleich mit dem neuen Reicbsarbeitsminifter Wissel die Führung der deutschen Sozialpolitik einem Sozialdemokraten übertragen worden ist, scheint die westdeutsche Schwerindustrie gewisse Hoffnungen auf den neuen Monn zu setzen, denn in der letzten Nummer des offiziellen Handelskammerorgans für das rheinisch­westfälische JnknlltriegebietR u h r und Rh ei n", setzen sich diese Kreise recht positiv mit dem zu er­wartenden Kurswechsel unserer Sozialpolitik auseinander. Anscheinend gründen sich diese Hoff­nungen auf der Ansicht, daß Wissel sich grund­sätzlich mehr als sein Vorgänger Brauns, der das Prinzip des st a a t l i ch e n Zwanges und der staatlichen Führung in den Vordergrund stellte, für Selv st Verwaltung und Selb st Ver­antwortung einsetzt. Wörtlich wird gesagt, daß Herrn Wissel ^nichts ferner liegt, als dem Staat bureaukratisch-polizeiftaatliche Aufgaben übertragen zu wollen. Mit aller Entschiedenheit hat er sich im­mer wlvder gegen den Dorwurf zur Wehr gesetzt, er wolle die Wirtschaft in eine staatliche Zwangs­jacke stecken, er wolle die staatlichen Zwongsorga- uisationen der Kriegszeit verewigen und verallge­meinern. Es ist schwer zu beurteilen, inwieweit cs seiner Initiative gelingen wird, die inneren und äußeren Schwierigkeiten zu überwinden, die ihm das seit langeo Jahren eingefahrene System Brauns bereiten wird/ Weiter wird dann betont, daß man gerade von Wissel die Förderung einer einheitlichen deutschen Wirtschafts­politik durch Zusammenarbeit zwischen Wirt­schafte-, Arbeite- und Finanzministerium erwarten könne und daß er der Mann sei, auch feinen Willen und seine Entschlüsse bis an die Grenze des Möglichen durchzusetzen. Es wäre äußerst erfreu­lich, wenn sich diese Zusammenarbeit zwischen In­dustrie und Arbeitsminister, die sich hier anzukün­den scheint, verwirklichen würde.

Oie Besteuerung -er kleinen landwirtschaftlichen Betriebe.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 7. Juli. Schon vor einigen Monaten sind vom Reichsfinanz inisterium Anweifun gen an die Finanzämter herausgegangen, nach denen man auf die besondere wirt s ch a f t l i ch e Lage der Bauern bei der Be­steuerung im größten Maße Rücksicht neh­men soll. Diese Politik, di die Steuerveranlagung und die Steuereinziehung möglichst der Eigenart der landwirtschaftlichen Betriebe anzupassen versucht, wird jetzt mit einem neuen Erlaß be: Reichs finanznünisterv Dr. Hilferding fortgesetzt Mit dieser

Maßnahme wird versucht, für d i e nichtbuch- führenden Landwirte, also vor allem für i.ic Bauern, ein größeres Maß von Gerechtigkeit in der Steuerveranlagung und -erhebung zu sichern. Die nichtbuchsührenden Landwirte sollen künftig nach Durchs" nittssätzen zur Einkommensteuer veranlagt werden, wobei die Finanzämter ange­wiesen werden, je nach Art der Betriebe, d. h. ob Viehzucht oder Körner- und Hockfruchtbau, besondere Sätze aufzustellen, für die aber beispielsweise bei W< tterlchäden wieder Abschläge erfolgen können. Gleichzeitig werden die Präsidenten der Finanzämter angewiesen, laufende Beobachtungen über Ernte­erträge, Preise, Viehseuchen, Wetter'chäden usw. zu sammeln, die dann bei der Ermittlung der Durch­schnittssätze unter Hinzuziehung landwirtschaftlicher Berufvverbände und kleiner landwirtschaftlicher Verlrauensaustchüsse mitzuverwerten sind.

Krankreich und die Räumung.

Pariser Echo der Kanzlcrrcdc.

Paris. 6. Iuli. (TU.) Die französischen Blät­ter beschäftigen sich am Freitag eingehend mit der Erörterung über die Reichskanzler- re de und den Voraussetzungen für eine vor­zeitige Rheinlandräumung. DerTempS" stellt fest, daß die Sozialdemokraten in der Frage eines Ost-Locarno eine ebenso unnachgie­bige Stellung zeigen wie die bürgerlichen Parteien. Deutschland wolle feine Ostgrenzen nicht durch Gewalt ändern, im übrigen aber s ich die Hände nicht binden und die Zukunft ab­warten. Das ernste Bekenntnis der neuen Re­gierung zur Republii bedeute tatsächlich eine Wendung in der Geschichte Deutschlands, doch bedürfe es ganz anderer Dinge, nm das allgemeine Vertrauen zu Deutschland au festigen und die europäische Staatsordnung end­gültig zu konsolidieren. DasIournal des De» bats" führt zu der Rede Breitscheids aus. Breit­scheid dürfe nicht übersehen, daß die französischen Sozialisten eine sofortige Räumung deS Rhein­landes ohne Gegenleistung forderten Ebenso wie Briand machten sie jedoch die Rheinlandräumung von verschiedenen Bedingungen ab­hängig. Wenn nach dem Ausspruch Breit- scheids Deutschland ein moralisches Recht auf sofortige Räumung habe, so hätten die Fran­zosen rmd Alliierten ein moralisches und durch Gesetze festgesetztes Recht auf diegenaueste Erfüllung aller Klauseln deS Ver­sailler Vertrages. Unter der Heberschrift Regelt zuerst die Schäden", schreibt der ,.In- transigeant", die deutsche Wahl hätte im Reichs­tag eine neue Majorität gebracht. In der Frage der auswärtigen Politik sei aber keine Aen - derung eingetreten. Dveitscheid habe Frank­reich nicht einmal mehr einen Handel vorge­schlagen. sondern nur eine Rechnung prä­sentiert. Die Räumung des Rheinlandes und die Einhaltung des Dawesplanes ge­hörten zusammen.

parlamentarisches System in Amerika und Deutschland.

Ein Vortrag RcinholdS in London

London, 7. Iuli. (Tel.) Im Rahmen der gegenwärtig in London tagenden Konferenz der Demokratie Europas fanb im li­beralen Klub eine Aussprache über den ameri­kanischen und europäischen Parlamentarismus statt. Dabei hielt der ehemalige Reichsfinana" minister Dr. Reinhold eine Rede, in der er u. a. ausführte: Die amerikanische Ver­fassung gebe theoretisch und praktisch dem vom Volke gewählten Präsidenten eine sehr starke Möglichkeit persönlicher Betätigung und sichere ihm die freie Wahl seiner Mit­arbeiter, die unabhängig sind von einem Vertrauens- oder Mißtrauensvotum des Par­laments. Die Verfassung gestatte deshalb dem Präsidenten für seine Wahlzeit seine Gedancen durchzuführen. Die deutsche Verfassung dagegen lege praktisch die ganze Regierungsge­walt in die Hände des Parlaments und des vom Parlament abhängigen Kabinetts. Diese führe notwendigerweise zu häufigem Regierungswechsel und schwäche den Einfluß der Persönlichkeit. Man dürfe nicht vergessen, daß die Verfassungen der demo­kratischen Länder in erster Linie das Ziel hatten, die Freiheit der Böller vor Hebevgriffen der Monarchen und ihren Beauftragten zu sicher.Mir scheint", so erklärte Reinhold,daß heute dieser Gedanke etwas in den Hinter­grund getreten ist. und daß durch die ganze Welt eine Sehnsucht der Völker geht, Macht und dauernden Einfluß der großen Persönlichkeit im politischen Le­ben der Rationen zu steigern. Diese Sehnsucht hat aber in ihrer llebertreibung. wie beim Faschismus, zu einer furchtbaren llnter- drückung der Freiheit geführt. Die Aufgabe von uns allen muß es sein, daß Palladium der Freiheit und der Delbstregierung der Völker auf konstitutioneller Grundlage durch Festigung der Demokratie unantastbar zu machen und die Männer, diedurcheinegesunde Führer­auslese an die Spitze der Ration kommen, in ihrem Wirken zu stärken und ihre Kraft einzuordnen in den Dienst der Freiheit und der Versöhnung der Völker."

Freilassung des Karlsruher Studenten.

Karlsruhe, 6.Juli. (WB.) Der Studierende der Technischen Hochschule Karlsruhe, Ewert, dessen Festnahmedurch. ie französischen Behörden in Lauterburg dieser Tage gemeldet wurde, ist jetzt, wie von zuständiger Stelle aus Berlin mitgetcilt wird, von der französischen Be­hörde freigelassen worden, nachdem fcstgcstellt worden war, daß die Festnahme auf einem I r r t u m über seine Staatsangehörigkeit beruhte.

Aus aller Welt.

Zum Tode Löwenftcintz.

Die Fokker-Vertretung auf dem Flugplatz in Le Bourget hat mit einem Flugzeug des Typs, In dem der Bankier Löwenstein verunglückt Ist, den Versuch anstellen lassen, ob sich während der Fahrt d i v Ausgangst ü r öffnen läßt. Zwei Mecha­nikern gelang es nur durch gemeinsame A n ft r e n g u n g e n . während des Laufens der Mo­toren in voller Geschwindigkeit die Tür soweit Zu öffnen, daß ein Mensch hätte hinaussallen können. I Der Fokker Vertreter hat auf Grund dieser Feststel- I hmg erklärt, daß es einem einzelnen Menschen

nahezu unmöglich sei, die Tür eines Flug­zeuges dieses Typs während der Fahrt zu öffnen. Einer der Direktoren der International Hoedings- und Investments Company, der Löwenstein noch vor feinem Fluge gesprochen he"", erklärte, daß Löwen­stein in guter Laune war und erklärte, er hoffe, in einigen Tagen zurück zu sein. Es sei möglich, daß Löwenstein in reiner Zerstreutheit die falsche Tür geöffnet habe und vielleicht dadurch, daß die Maschine in ein Luftloch geriet, hinaus gefatien sei. Ein anderer, Löwenstein nahestehender ^inanzmann erklärte, daß es eine Angewohn­heit Löwensteins gewesen sei, die Eingangstür zu seinem Flugzeug zu öffnen, um, während er sich an Öen Angeln festhielt, aufs Meer h t n a b 3 u sehen. Diele seiner Freunde Hätten ibn bereits auf die Gefahren hingewiesen, zumal sein Flugzeug nicht mit Sicherheitsgeländer an der Eingangstür aus­gerüstet war.Paris mibi" veröffentlicht eine Unterredung mit einer bem Finanzmann nahegestan- benen ungenannten Persönlichkeit. Danach soll Löwenstein Schlafwanbler gewesen sein, unb man könne annehmen, daß er ein Opfer dieser Krank­heit geworden ist. Einen Selbstmord hält die betr. Persönlichkeit für ausgeschlossen. Eher konnte man noch ein Verbrechen annehmen.

Bettung Lundborgs.

Beim schwedischen Kriegsministerium ist eine Mitteilung von Kapitän Ty o tnber g. dem Lei­ter der schwedischen Expedition zur Rettung der Lundbovggruppe eingeaangen. wonach es am Frei­tagmorgen gelungen ist. den schwedischen Flieger Lund borg zu retten, lieber die Rettung Lundbvrgs meldet derBerliner Lokalanzeiger^ aus Birgebah: Die beiden schwedischen Maschrnen 255 und 257 haben am Donnerstag ein kichneS Fliegerstück vollbracht. Trotz deS RebelS sind sie biS zum Lager der Lundbvrggruppe geflogen imb warfen dort Proviant ab. Bei dieser Gelegenheit erblickte der Führer der Ma­schine 22 eine offene Wasserfläche und wagte sofort eine Landung, bei der er auch vom Glück begünstigt wurde. Lundborg wurde an Bord genommen und zur Quest" zurückgebracht. Das Wetter hat sich in­zwischen gebessert und man hofft, noch im Laufe des Freitag die übrigen auf dem Eis Zu­rückgebliebenen in Sicherheit bringen zu können.

Der Sieger im Oorbon-Bcnnef(-Retinen.

Der amerikanische Ballon11. 6. Army" wurde offiziell zum Sieger im Gordon-Bennett- Rennen der Lüfte erklärt. Zweiter im Wett­bewerb ist der deutsche BallonBarmen". Die von dem Ballon11. S. Armv" zurückgelegte Strecke betrug 460,9 Meilen. Die Flugstrecke des Barmen" 459,4 Meilen und die des französischen BallonsBlanchard", der den dritten Platz belegte. 447,9 weilen.

Uebetflieguug des Mont-Blanc.

Dem französischen Flieger Thoret ist e-S ge­lungen, mit zwei Passagieren, die Aiguelle- Berhe, das mer de glacc und dann trotz heftigen Windes den Gipfel des Mont-Blanc in 300 bis 400 Meter Höhe zu überfliegen. Die nach oben führenden Luftströmungen waren so stark, daß der Flieger trotz der Belastung seines Appa­rates in mehr als 5000 Meter Höhe einen Gleit­flug ausführen konnte.

Cine deutsche Forscherin im afrikanischen Busch.

Die erste deutsche Afrikaforscherin, und überhaupt die erste Frau, die jemals selbständig zu Forschungs- Zwecken den afrikanischen Dusch betreten hat, Frau Gulla Pfeffer, ist dieser Tage nach mehr­monatiger Abwesenheit nach Berlin zurück- gekehrt. Die junge Forscherin hat sich haupt­sächlich mit der anthropologischen Erforschung der wilden und zum Teil noch menschenfressenden Bergvölker in Kamerun und Nigeria befaßt. Die Forschungsreise hat inr ganzen acht Monate gedauert, und wurde im Auftrage des Berliner Museums für Völkerkunde unternommen. Die von Frau Pfeffer geleitete Expedition bestand aus 18 Gepäckträgern und zwei Boys, mit denen sie sieben Monate unter den Bergstämmen lebte. Die Forscherin hat eine reichhaltige Materialsamm­lung mitgebracht, die dem Museum für Völkerkunde zur Verfügung gestellt werden wird.

Raubmord bei Krummhübel.

Der im Gebirge zur Erholung weilende Ober» Pfarrer Schöne aus Modelsdorf wurde auf dem Wege von der Hampelbaude nach der Kleinen Teich-Baude erschossen aufgefunden. Die Leiche wies zwei Schüsse auf. Wahrscheinlich handelt es sich um Raubmord. Zwei Männer bat- den den lieberfall beobachtet und gesehen, wie der Pfarrer von dem Täter in das Gestrüpp geschleppt wurde. Als sie hin­zukamen. war er bereits tot. Der Verdacht der Täterschaft richtet sich gegen einen vor weni­gen Tagen aus einem tschechoslowakischen Gefäng­nis entlassenen Sträfling. Dem Erschossenen wurde die Brieftasche mit 100 Mark geraubt.

Großer Sektfund im Rhein.

Bei Shrenbrei ist ein fanden Badende im Rhein eine große SRengc Flaschen Sekt, die anscheinend ein Koblenzer Gastwirt, gegen den ein Strafversahren wegen S teuer- hinterziehung eingeleitet werden sollte, in den Rhein versenkt hatte. Die Leute fischten sich die Flaschen aus dem Rhein heraus und tranken sie an Ort unb Stelle aus. Trotz düS Eingreifens dec Polizei gab eS am Abend so viel Betrunkene in Ghrenbreitstein zu sehen, wie seit langem nicht mehr.

(Eine Derkbund Ausstellung In Köln.

Unter der BezeichnungD I e neue Zeit" soll im Jahre 1932 hier eine Werkbund-Ausstellung stattfinden, die die größte werben soll, ble über­haupt in Deutschland gezeigt wurde. Sie soll vor allem dem Zweck bienen, das Bauen in realer unb bildlicher Darstellung, bas Wohnungs­wesen mit allen seinen Erscheinungen, ben Stoff bazu unb seine Verarbeitung, ben Verkehr unb feine Auswirkungen usw. zu zeigen. Die Ausstel- lung ist als Fortsetzung der durch den Krieg unter­brochenen Werkausstellung 1914 gedacht.

Sieben polnische Streckenarbeiter überfahren.

Auf der Eisenbahnftrecke BendzinDom- b r d w a fuhr ein von Dombrowa kommender Güterzug in eine au8 12 Mann be- stehende Arbeiterkvlonne hinein. Sechs Mann wurden aus der Stelle getötet, wäh­rend ein siebenter so schwere Verletzungen da- üontrug, daß er ebenfalls nach wenigen Stunden starb. Die Kolonne hatte sich, um einem von Bendzin kommenden Güterzug auSzuweichen. aus das Rebengleis gestellt, auf dem 'in Metern Augenblick der Degenzug von Dombrowa heran- bravste.

Aus der provinzialhauptstadt.

Gießen, ben 7. Iuli 1928.

Richt zagen!

Dir Jjaben in ben schönen Märztagen frte ersten Frühlingsboten begrüßt und jeden ein­zelnen besonders in bas Herz geschlossen: Schnee­glöckchen und Veilchen. Maiblumen und Tulpen. Sie sind dahin. Dafür blüht und duftet jetzt alles. Richt nur einzelne Blumen sind es. die. an der Hecke oder in den Gärten leuchten, jetzt bietet sich der Blumenschmuck in feiner ganz« Fülle dem Auge. Wenn auch Me Wiesen ihre Blüten verloren haben, so stehen die wogenden Getreidefelder noch aufrecht, der Wald zeigt fein schönstes Grün. Birken, Buchen, Eichen und selbst die Tannen mit ihren frischen Spitzen leuchten im Sonnenglanz. Wohin das Auge schaut: Wun­der an Wunder...

Die Obstbäume lassen die ersten Früchte schauen, und im Garten blüht die Königin bev Blumen, die Rose.

Wir stehen auf der Höhe des Iahres. Hoffnung schwellt das Herz des - L«rdwirts, Freud? zieht ein in jedes empfängliche Gemüt. Ieht hinaus in die weite Welt! Schon werden die Wiesen leer, bald färben fick die Halme gelb. Dann geht eS abwärts.

Ist eS im menschlichen Leben nicht auch so? Rach angefangenem schwerem Werke, nach den ersten kleinen Erfolgen sieht man, wie es lang­sam wächst und vorangeht. Auf der Höhe deS Lebens überschaut der Mensch sein Werk. Im Vollgefühl seiner Krast hält er llmfthau. und stolz erhebt er sein Haupt. Roch ist er gesund und stark. Die Kinder blühen heran. Gesichert glaubt er sein Werk, gesirrt die Zukunft her Familie.

Aber können nicht draußen in Feld und Wald Hochwasser. Hagelschlag unb andere Raturg»- - walten alles zerstören? Kann nicht audb bem Menschen Krankheit und Unglück alles vernichten?

3a, solche schweren Fragen umflattern unser Denken, können uns ernst stimmen Aber sind es nicht Gedanken deS Herbstes. Gedanken für die Zeit, in der alles zur Ruhe geht? Eben, auf der Höhe des Iahres. soll des Menschen Herz froh aufschauen und sich freuen und daS genießen. waS uns die Ratur in ihrer Fülle schenkt. Alles andere müssen wir dem Schicksal überlasten. Leicht und frei sei unser Sinn, froh und dankbar unser Glaube in diesen Tagen, von denen der Dichter sagt:

WaS zagst du. Herz, in solchen Tagen, wo selbst die Domen Rosen tragen?

(llhlond.)

Daten für Sonntag, 8. Juli.

Sonnenaufgang 3.53 Uhr, Sonnenuntergang 20.16 Uhr. Monbaufgang 23.18 Uhr, Monbunterqang 9.33 Uhr.

1621: ber Fabeldichter Scan be Lafontaine in Chateau-Thierry geboren; 1709: »sieg Peters bes Großen über Karl XII. von Schweben bei Poltawa; 1803: der Dichter Julius Mosen in Marteney geboren; 1826: der Muslkgelehrtc Friedrich Chrysander in Lübtheen geboren; 1836: der Staatsmann Jos. Chamberlain in Camberwell geboren; 1839: Ferdinand Gras von Zeppelin in Konstanz geboren; 1855: ber Polarforscher Sir William Edward Parry in Ems gestorben: 1858: die Schriftstellerin Louise Westkirch in Amsterdam geboren.

Daten für Montag, 9 Juli.

Sonnenaufgang 3.53 Uhr, Sonnenuntergang 20.1b Uhr. Mondaufgang 23.35 Uhr, Monbuntergang 10.53 Uhr.

1386: Sieg ber Schweizer über Herzog Leopold von Oesterreich bei Sempach; 1440: der Hol-

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Bei der Ostwörtsweiterbewcgung des nördlichen Tiefdruckgebietes nach Schweben unb Finnland führten die in ihrer Begleitung folgenden kühleren maritimen Luftmassen In unserem Gebiete zu einem Temperaturnickgang von etwa 3 bis 5 Grab. Da an ber Rückseite bes abziehenden Tiefs polare Luft- massen weiter südwärts Vorbringen, fo bleibt es zunächst kühl und die Temperaturen werden noch etwas weiter zurückgehen. Gleichzeitig tritt vorerst noch wechselnde Bewölkung auf, jedoch dürfte es in unserem Gebiete nicht zu Niederschlägen kom­men. Mit dem Vorstoß der Kaltluftmassen ist gleichzeitig kräftiger Luftbruckanstieg verbunden, ber im Verlaufe des morgigen Tages zu ruhiger unb aufbeitember Wetterlage führen wird.

Wettervoraussage für Sonntag: Teils wolkig, teils aufhriternd. kühl, trocken, nordwestliche Winde.

Wittern ngSaussichtcn für Mon­tag: Wollig, wärmer, zunächst noch meist trodten.