Hr. 132 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien)
Donnerstag, 7. Juni 1928
n D.e Der
Außerordentlich reich sind die Hand z eich - nun gen Dürer« vertreten, darunter füni Studien für den Heiler-2lltar. vier für .Da« Rofen- kranzfeft" und drei für .3efu« unter den Schrist- gcleyrten", alles Pmiel Zeichnungen auf blauem Papier mit aufgesetztem Weih. 3n tJedelbcn Technik liegt auch daS überaus feine Selbstbildnis Dürer« (Akt) au« dem Schkoßmuseum Weimar vor.
Die Holzschnitte. Kupferstiche unD Radierungen sind mit Ausnahme der Grünen Passion", die wir als Faksimile un Dürerhaus sehen ßnnen. nahezu vollständig vertreten. Rur wäre der letztgenannten Sammlung wm Ruhen der vielen Besucher eine klare Gliederung durch übersichtliche Plakate zu wünschen.
Um zu zeigen, wie Dürer die Künstler seiner Seit überragt, aus welcher geistigen Umgebung er herausgewachsen ist, und wie er in den uxt* fen seiner Schüler weiterlebt, ist mit der Dürer- ausstellung eine Ausstellung der Rürnberger Malerei seiner Seit (vor allem Altarwerke feine« Lehrmeisters Wichael Wohlgemut, und Werke seiner Schüler mit ein&wogcn. Die Durer-Allste (lang in der jetzigen Form dauert bis Witte 3uni. dann gehen eine Anzahl Werke in ihre jetzige Heimat zurück.
hätte den Franken schon vor Iahr und Tag auf den Kure von 125 festlcgen können, wenn die franzö'ilche Schwerindustric einer solchen Maß- nähme zugestimmt hätte. Allein diese wollte die Konjunktur, die der Scrgatbciterftrcil in Ong- land bot durch das Franken-Dumping btgumu.'.'. erst gründlich auenüren. Poincare selbst aber ga? das Veranlassung, die Wührungsbesestigung als Trumpfkane bei den Reuwahlen auS;u'p»elen. Da« ist wohl lein größter Erfolg. denn Die Wahlen brachten ihm eine Mehrheit, die auch dann nicht aueeinandersallen wird, wenn Poin- carc die Befestigung des Franken durchgcfuhrt hat Dann wird 'ich offenbaren, das, er wirklich kein f inan? politischer Hexenmeister ist. wohl aber ein erfahrener parlamentarischer Taktiker, der eS meisterhaft versteht. Kräfte und Parteien gegeneinander au -ufvielen. Die Ruhanwendung sur Deutschland liegt nahe
wie der Italiener teat «in Stück Mittelalter, ein onenta'.i'chee Bilderbuch in dem sich mit linderha ur Ausdauer blättern läßt
Erstaunlich die Ordnung in hei Gaillr». wo jedes Hous seine Rümmer in unterer und a.a-
'chen Sis'ern trägt, auf Ma olikaplättchm ge- - jlt. verdlüf end die Reinlich.e,t. Sinmal v<t- ‘tilgte ich eine fluchtende Schönheit mit gez.A er Ka era bis in Die inner n Ho q.rnächrr und ' d bei d.eler Gcleg.-nheit. daß da» ange egt -.st wie in Pomveji In den Hauptstra'en. wie der Sugh el Turch. sieht e« aber schon nach Fremdenverkehr aue. der europäische Schund hat seinen Einzug g'halten und viel ach sogar die genaue Pveisvorschrift Ita'ien«. so bist dis köstliche Feilschen, diese Que.le orienia ischer Pri- Iv'ophie. sich immer mehr unter die 'Dnf: flüchtet dir hinter der eta'hr.aucr würdevoll Tradition verteidigen. Sinnbild und Ruhm
Oase. _________
Seher kann Mitarbeiten.
Bon unserer Berliner Redaktion
Die Arbeit eines jeden einzelnen ist vielleicht auf keinem Gebieie wich'iger al« auf d m der Politik. Da« machen sich die Al'erwei i- sten klar Und da« ist betrüb.ich. um so mc'.r, al« draußen noch bei weitem größer- positive Arbeit im Interesse der Dölkerve st ndigung geleistet werden könnte, wenn jeder, der ins Ausland re.st. sich bedenken würde, daß auch er ein wichtiger und wertvoller Vertreter sc,m s Vaterlande« ist Dabei kommt es nicht darauf an. in großen Tönen von sich und seiner Ration zu' sprechen; nein, gerade das wäre völlig verfehlt SS kommt vielmehr darauf an. dast jeder bemüht ist. draußen bei denjenigen Vertretern der fremden Ration, mit denen er zusammen- kommt, sein Vaterland würdig zu vertreten Da« ist die große Aufgabe, mit der ein jeder positive politische Arbeit leisten kann SS ist eine Aufgabe. die zu gleicher Seit eine Staatsbürger- pflicht ist und Di« nur die denkbar beste Lösung
lichen Aderlaß Der Kapitalisten zu erlaufen. Die Sozialisten wollten Vermögenssteuern. Die in Der Wirkung Der Wegnahme des mobilen Kapital» gleichkamen Das war Den übrigen Kartellpar- leien zuviel. Denn Die Masse ihrer Wähler be- fianD und besteht aus bürgerlichen Sparern und Rentnern. Nachdem Da« Kartell vier Minister- Präsidenten und fast ein Dutzend Finanzminiiter verbraucht hatte, konnte Die Rechte Erfolgreich nach Poincare rufen. Sv wurde er Der fR etter De« Franken, nicht weil er über ge- hcimnisvrlle oder doch starke Mittet verfugte, sondern nur. weil es ihm auS Den verfahrenen parlamentari'chen Verhältnissen heraus gelang, eine Mehrheit zu bilDcn. Die nun zu allen Forderungen Poincarö« ja sagte. Die fic vorher selbst einem Oaillau» verweigert hatte
Strci Iahre lang hat Poincare gebraucht, um Die Marneschlacht DeS Franken zu gewinnen, ör
Run bist du auf einmal in der Altstadt, ver- loren in einem Gewirr von Dun Herr Dassen, so schmal, daß die ausgebreiteten Arme beide Mauern berühren, von hintereinander betretten- den grotesken Mauerbogen zusammengehalten. Alle Läden geschlossen, alle Fensterchen verbittert, die Bogen sehen aus wie Die winzigen Brucken über den Lagunen Venedigs. Und alte Häuser gleich hoch, wie Dominosteine, und alle von gleicher Gestatt und doch jede« anDert. Immer laufen dort, wo wir Katzen über Giebel duschen wissen, nur Sterne mit, seltsam starre Sterne, die aber bei jedem Irr gang zu kichern ansangen. SS ist überhaupt nur ein Labyrinth aus niederen Mauern, denkt man. und doch werden die vor Dir herschlürfenden Säcke, die weihen Burnusse. Die Du, stehen bleibend, vorgelasten hast, immer wieder weggeschluckt. Stundenlang kann man herum pütfchen und nach einem Ausgang suchen, ohne zu ahnen, daß man im Kreise treibt.
Dieses typische Viertel soll man in Tripolis nicht übergehen, es gehört dazu wie der Gemüsemarkt. an Dem eS liegt, wo Die Kamele befrachtet und abgeladen werden wie Schiffe. Mit der Sonne erwacht Alttripolis zu einem völlig veränderten Leben. Ietzt merkt man, daß es ein arabisches und ein jüdisches Viertel gibt, ein großes und ein kleines Ghetto, arabische Daraka- ? und jüdische Feze. Händler und Faulenzer Moscheen. Bazare, Bäder, Schulen. Die ersteren ausgenommen, ahnt man nie, was hinter der weihen, gelben, blauen, rosa Wand zu finden sein wird, und so fällt man von einer Ueberraschung in Die anDcrc. Rur Dort, wo nach Urväterfitte das Handwerk offen betrieben wird, ist die Orientierung nach Lärm und Geruch bald gegeben. Die Silberschmiede haben ihre Gasse, die Schneider, die Fezemacher, die Lederarbeiter. die Teppichweber, die donnc allegre, wiesen werden. Demjenigen. Der Dürers Kunst kennt, genügt Dieser Hinweis, um zu wissen, was «n Besuch Rürnbergs zur Jetztzeit bietet Sch.
Hochschulnacknchten.
Dem Dölkerrechtsgelehrten Dr. Hans W e h b e r g in Berlin ist erneut eine Professur für Volker- recht an der kürzlich begründeten Genfer Völker- bunduniversilät (Institut Universitaire de Haute« Etudes Internationales) angeboten worden. Dr. Wehberg Hot die Berufung angenommen und wird seine Lehrtätigkeit in Gens im kommende» Wintersemester beginnen.
Dom (Schlachtfeld des Franken
Die Franzosen sind es selbst. Die den Sturz des Franken als auch Die Verlüde zur Befehl- gung mit Gleichnissen und Wonbildern auSge- stattet haben, die Der mililoristilchen Denkweise entnommen find So gab es eine Marneschlacht d«s Franken, Die Poincare gewonnen Hot So Hat auch TarDieu Dieser Tage in Belsorl Da- von gesprochen. Daß Die währungspolitische Lage Fra il reich« heute jener mllitäriichen Lage gliche, als Die VerdünDeten im Iuli 1918 zum Gegenangriff übergingen. TarDieu ist nicht Finan§- minifter. sondern «Po ine ar«. Aber Da Oer Frankensieger schweigt, muh einet seiner Ge- folgleute teDen. Das hartnäckige Schweigen Poin- car«6 hat neuerDlng« Dazu geführt. Daß an allen Börsen Der französische Papiersranken wieDer in Massen gekauft wird Ob Die Börse hierbei aus Gerüchte bineingcfallen ist. oder ob sie tatsächlich eine gute Witterung hat. daß Der Franken nicht im Verhältnis von 125 Papierfranken für Da« Pfund Sterling befestigt werden, sondern Doh «In günstig ereSVer - hältni« gesucht werden soll. GS wird von 100 Franken gesprochen was den Spekulanten, die Den Papierfranken heute zu 124 kaufen, unter Umständen große Gewinne bringen kann Aber Poincare wäre das Heft verdorben, weshalb auch Die Bank von Frankreich Anweisung erhielt, Devllen zu kaufen, um so das Kursverhältnis von 124 zum Pfund Sterling nicht allzu sehr verändern zu lassen.
Das Schweigen Poincare« erdärt sich nicht nur durch Die Taktik, ist vielmehr ein Ergebnis Der hin- und herschwank en den Kräfte. Die sich teil« für teils gegen Die Befestigung aus- sprechen. Die Industrie hält noch immer Daran fest daß Der heute erreichte Zu st and für'die Wirtschaft. D. h. für die Ausfuhrtnteres- len. am zweckmäßigsten ist. Aber die Rentner- fchicht die für Poincard- Den Wahlfeldzug gewonnen hat. wlll endlich Nar sehen. Das wird unterstützt durch Die sehr nüchterne Erwägung daß die Finanzen Frankreichs au« dem Zustand Der Unsicherheit Der au« müssen, wen Diele Unsicherheit Die Gefahr in sich trägt, daß eine Krise Den Franken trotz aller Dcvisenvorrate Der Bank von Frankreich toleDcr in« ® leiten bringen kann. Daß ohne Die Befestigung Der Währung Der internationale Schul denauS- gleich nicht durchzuführen ist. wird das politische Gewissen Poincare« nicht allzu sehr belasten. Für Poincare ist es wichtiger, daß Der Dawestribut von Deutschland gezahlt werden kann, nicht deshalb, weil Frankreich unmUtelbar daraus angewiesen ist. sondern weil das für die Franzosen als der handgreifliche Beweis gilt wirklich Die Sieger zu sein. Und Dies Gefühl wird wohl auch noch herhalten müssen, wenn Poin- carö den Schleier von seinen Geheimnissen lüftet. Das französische Volk wartet daraus, daß der
große" Lochringer glanzvolle Ueberraschungen bereit hält, obschon mit Sicherheit daraus zu rechnen ist. daß Die Pläne eher eine Enttäuschung auSlösen werDen. Daraus lassen auch die Andeutungen Tardieus schließen, der dem französischen Botte Weihrauch streute, indem er e« an feine heroischen Leistungen während de« Kriege« er-
Tragödie des Herzens.
Unter den Sendungen, die Der Herr Geheime Rat von Goethe am 16.3uni 1825 durch Die Post empfing, befanden sich zwei aus Berlin und Wien, zufällig jede von einem Komhonisten, dessen neuestes, soeben im Druck erschienenes OpuS enthaltend, und wa« das Merkwürdigste war. jedes mit einer Dem Titel eingedruckten Widmung versehen: die eine Senduna war von Felix MendelSsohn-Dartholdy. jenem graziösen Jüngling, der bei seinen wiederholten Besuchen in Weimar Das Herz Des alten Herrn im Sturm erobert hatte und das Hätschelkind der
erfordert , „ . , _
Run ist Der .Eiserne Gustav . Der bärtige Droschkenkutscher vom Wannsee. In Pan« an gekommen unD wie ein Repräsentant der Deut» schen Ration empfangen worDen. Diese Tallache Darf nicht nur al« eine Faschingslaune ausgewertet werDen. Gewiß war e« eine poc tt originelle IDee. Daß sich Der alte Mann feiner- zeit entschloß, mit seiner alten Rieke eine Re. e nach Paris anzutreten. Or wollte noch einmal etwas von Der Welt sehen, und Zhe toiuc Pariserin. Die durch ihren Ritt nach Berlin seine Reise veranlaßte, mag vielleicht Den ©runD dazu gegeben haben. Daß er Pari« gewählt bat. Daraus kommt e« aber bei Der ganzen Angelegenheit gar nicht so sehr an. Diel ^«dNger ck Daß hier ein einfacher und schlichter deutscher Staatsbürger mit sein« originellen Idee B«» anlallung gegeben hat. in Part« empfangen zu toerben. Da« ist an und für sich gar nicht so notwendig, genügt es doch schließlich auch wenn man sich mit einigen wenigen Franzosen in sympathisch« Weise zusammensHen iE Wetm «s hi« Durch Ne ID« des Droschken!uischerS gelungen ist. eine, vielleicht etwas toettriebenc Sensation zu machen, so muß doch sestgeßllten werden, daß Meter alte Droschkenkutscher auch ein Stück Geschichte mit nach Pari« hinüber genommen hat. ein Stück ureigenster b«tt- sch« Geschichte. Da« gar nicht das Schlechteste ist Man soll natürlich von cm« solchen Angelegenheit nicht gleich Auswirkungen In weitestem Sinne erwarten. Da« wäre beim doch zu übertrieben Man soll ab« im Zusammenhang mit Dieter Reise De« Droschkenkutschers erneut Darauf Hinweisen, Daß jeder Deutsche draußen im Rüstend wertvolle Pionierarbeit leisten kann, eine Pionierarbeit, Die ohne Frage Dem ge- fam.cn B«stänMgungSwerk zugute kommen muß. Die Vorurteile, Ne Draußen gegen Ne Deutschen bestehen. unD vor allem auch heute noch bestehen, müssen beteiligt werden. Dazu kann zeDer einzelne mit beitragen. UnD D«te
so wichtig. Daß jeder noch so klein« Fehler Der vielleicht von einzelnen gemacht wirD, manchmal viel schlimm« wirken kann, als eine ungeschickte Diplomatische Initiative.
Der Elsern« Gustav wird manche« In Diesen Tagen «leben müssen. Davon wird et einmal, sches^als das schönste Freiguts meines Lebens preisen.
Mit größter Hochachtung
Ihr ergebenster Diener
Franz Schubert.
Das übersandte Derk trug die Kummet 19 und enthielt die Vertonung der Goetheschen Gedichte: An Schwager Kronos: An Mignon: Ganymed. Cs kam, wie es oft geschieht, wenn ein Unbekannter, ohne Fürsprache, die man respektieren muß nur getragen oon dem chwachen Selbstbewuhtsein seines Wertes, von einem Herrscher im Reiche des Geistes ein wenig Wohlwollen heischt: Während sich »yelij Mendelssohn.Bartholdy bald eines Dankschreibens ,u erfreuen hatte, warteten Schubert und sein Freundeskreis vergeblich auf eine Antwort aus
Damen geworden war, Die andere von einem gewissen Franz Schubert, für Den. man erinnerte sich dunkel, vor vielen Jahren ein österreichischer Herr von Spaun sich verwendet und in einem langen Bries gebeten hatte, dem Dichter eine Reihe von Kompositionen zueignen zu Dürfen. Aber man war zu beschäftigt gewesen, um Darauf antworten ju können. Das «Dritte Quartett für vianofone, Violine, Bratsche und Diolon- cell", das Felix Mendelssohn-Bartholdy geschickt hatte, war Goethe noch in bester Erinnerung, er hatte es am 20. Mai bei der Durchreise Des jungen Künstlers durch Weimar Vorspielen hören, Der Dichter las Den langen Brief, womit ihm Der Komponist Das Werk nochmals empfahl, er las auch Den anDeren, kürzeren, in Dem wieder, wie vor siebzehn Jahren Heinrich von Kleist, «in Mensch sich vor einem Großen und Mächtigen um ein kleines Zeichen von Huld und Anerkennung auf Di« ,Iknie feines Herzens" warf:
Euer Exzellenz!
Denn es mir gelingen sollte, durch die Widmung dieser Komposttion Ihrer Gedichte meine unbegrenzte Verehrung gegen Euer Exzellenz an den Tag legen zu können und vielleicht einige Beachtung für meine Unbedeutendheit zu aewinnen, so würde ich den günftigen Erfolg dieses Bun-
Dürer-Ausstellung Nürnberg 1928.
Drei Oertlichkeiten Rürnbera« find es in der Hauptsache. Die uns Da« Leben und Schaffen Dürer« nahezubringen verbuchen. Das Germanische Museum. Das Dürer-Haus und die Stadtbibliothek. Die AuSstelluna im Germanischen Museum ist selbstverständlich d« Mittelpunkt sämtlich« Veranstaltungen, denn hier bat Dürer mit seinen Werken selbst das Wort. Wit Diel« Mühe hat Rürnberg aus Anlaß ber 4 0 0. Wiederkehr des Todestages Dürer« v«sucht. die im In- und Ausland D«ftrmtcn Werke privat« und staatlicher Sammlungen zu ein« machtvollen Gesamtschau zu vereinigen. Da allein Spanien sich trotz persönlich Borge tragen« Bitte ablehnend verhalten hat, kann dies« Versuch al» im großen und ganzen gelungen gelten. ...... _ .
Rur eine größere UebersichUichkett wäre der Ausstellung zu wünschen gewesen vor ollen Dingen, daß stilistisch verwandte Werke auch räumlich zusammenkamen. W« jcbod) Die ungeheure Vorarbeit kennt und weiß. Daß hin vor oct Eröffnung Der Ausstellung noch einzelne Werke eintrafen, wird diesen Mangel ohne weiteres entschuldigen.
Von den insgesamt ausgestellten 4 5 Gemälden Dürers sei hi« nur auf Die Hauptwerke aufmerksam gemacht. An inländischen zeigt die Ausstellung Den sog. Dresdener Altar. Den Baum- gärtner Altar. Den Hell« Altar (Mittelstück Kopie nach dem 1729 verbrannten Original), das allbekannte Selbstbildnis mit der Jahreszahl 1500 und die Bildnisse Iakob Muffel und Wichael Wohlgemut, an auSländllchen Dürers Vater (Florenz). DaS Selbstbildnis von 1493 (Paris), ha« .Rosenkranzsest" (aus dem Prag« Stift Strahvw). .IesuS unter den Schriftgelehrten" (Rom), den .heiligen HieronymuS" (Lissabon). Zu Den 45 Gemälden kommen noch eine Reihe sehr wertvoller Kopien. Darunter das Selbstbildnis von 1498 (Paris), .Adam und Eva" (Florenz und Mainz) und .Die vier Apostel" (Rürnb«g).
Tripolis, Iuni 1928.
Tripolis ist nicht, wie man nach seinem Rainen meinen könnte, eine Drei-Stadt, ebenso wie Ra- poli Reapel. längst keine Reu-Stadt mehr ist. Früh« einmal, zu Zeiten der Phönizier, sprach man im Sinne eines Dreigestirn«. der blubcnDcn Emporien Sabrata. Oea und LeptiS. von Sn- politanien. aber diese Küstensiedelungen liegen Hunderte von Kilometern voneinander entfernt. Da«, war wir heute Tripoli« nennen, ist eme Oase, eine Stadtoase oder Oasenstadt am M«r.
Man weiß nicht genau, wieviel Einwohner Die Stadt besitzt, wohl aber kennt man Die Zahl der Prominenten Der Oase. 285 000 find e«, 285 000 — Palmen. Die Palmen Aäbkm. nicht Die Menschen Man denke aber auch, so eine Dattelpalme liefert jährlich ihre vierzig bis sechzig Kilo ab unD was wäre Der Srdenwurm ohne Sonne und Datteln? ®et Araber ißt Die Früchte so wie wir sie nicht kennen unD heben: fnfd>. in welchem ZustanDe sie Dürr, hager und hart sind Die süße Klebrigkeit, die Maikasersa.de kriegen sie «st durch« Lagern - eine 3ungcn- schnalzerei für die entarteten Rumi. nichts für die- stolzen Wüstensöhne. Liebrigens essen ic eingeborenen jetzt auch Makkaroni, die Datteln werden zu Alkohol gebrannt Tripolis Will eine moderne Stadt fein.
So liegt sie am Strand, kokett, etwas Rot und Violett auf Die weiße Haut aufgelegt, mit Drolligen giftgrünen Minaretspihen aufgepuht. ©e^r sauber, sehr gepflegt, sehr verwohnt. Sie weiß, daß sie geliebt wird, wie man eben eine Frau liebt, die man erst kürzlich erobert, mit tausend Schmerzen verloren und soeben wieder zuruck- gewonnen hat Rom legt ihr zu Füßen, w aS sie tollt Und si« will viel, sie will mit Tunis und Algi« revalisieren können, obwohl Die doch bald ein Jahrhundert voraus haben. DaS muß bedenken, wer aus Den französischen Kolonien kommt, sonst gibt es eine kleine Enttäuschung. Immerhin findet Der Besuch« im Boudoir Libyens schon heute allen Komfort. Den « mm ein« afrikanischen Riviera verlangen kann.
Da« eben verdient unsere Bewunderung, daß Die Italiener binnen wenigen 3obren aus einem Noch jetzt mit Stacheldraht Durchsetzten und mit Schießscharten umgürteten Richt«, oder fagen wir: einem elenden türkischen Provinznest diese schöne, verkehrsreiche Hauptstadt gemacht haben, die bereits zum zweitenmal eine Mustermesse abhatten kann. Wenn man ins alte Kastell hinaufgeht. die unter spanisch« Herrschaft er- richtete. von Den Malteserrittern befestigte Burg auf römischen Grundmauern. Deren wie Kettenhunde verdummte Kanonen von Den modernen italienischen SchifsSgrichützen mit em Paar Schüssen zum Schweigen gebracht wurden, wenn man von den Zinnen aus über Die lange Rnwrn- mi«Promenade schaut, deren sich Rizza nicht zu schämen brauchte, und den Gouverneur aufsucht. den alten Haudegen De B vn v. einer Der QuaDrumvirn. Die Den saszistischen Marsch au Rom leiteten. Dann sagt « mit berechtigtem Stolz, « wolle gar nicht, daß man Propaganda mache, Reklame schon gar nicht, es genüge vollständig. wenn Der Ioumalist einfach schreibe,
Denselben Leitgedanken wie Die DürerauSstel- lung Des Germanischen Museums zeigt auch Die Ausstellung in Der Stadtbibliothek auf Dem Gebiete der Buchkunst. Ausgewählte Stücke Der RümbCTg« Buchmal«ei unD Schrcibkunst Des 15 Iahrhunderts. Der eingeklebte Holzschnitt als Buchillustration, Der mit den Lettern zugleich ge- Druckte Holzschnitt biS zur vchedelschen Wel.- chronik laus D« Werkstatt Mich. Wohlgemut) zeigen Die Vorgeschichte Der Buchkunst bi8 zu Dürer, auf ihr fußt Der Buchkünstl« Dürer und führt sie in sein« Apokalyp'e. den Passirmen, dem Marienleben und Marimilians Gebetbuch zu einer Höhe, wie lle nie wieder erreicht worden ist. Diese Rebenausstellung ist bis Mitte Septemb« zu sehen.
Mit diesen wenigen Zellen kann nur anDeutenD auf hie Bedeutung der Dürerausftellung hinge-
wa« « gesehen habe. M ist schade, daß die Zeitung«,palten Da,ur nicht ausreichm.
Denn in Tripoli« kommt man au« De n Schauen unD Knipsen nicht herau« Selbst irn Faulenz« auf Der Terrasse De« Giand Hotel« fuhtt man sich immer auf Der Iagd nach Motiven und dann sind sie plötzlich so schnell Da und io hWU verschwunden, daß Die Kamera Da« Rachsehen hat. Orient unD OkziDent platzen hier auSein- anDcr wie Die unversehens auf Den - ag herem- brechcnDe Rächt. Der Tag ist empfinDlich kürz« al« im QlorDen, Heller und laut«, die Rächt von ein« unheimlich weichen, aus reizen Den. snmlichen Schwüle die Europa unwiderstchlich in Die Arme Fatmes zieht. Heber Die Dachten alsen hinweg, an« unbekannten Winkeln und Gassen heraus, über kalkweiße Etüybogen hinüber gluckern unD flackern seltsame Töne unD Melodien, wie Lockrufe aus dem Walde. Man läßt feinen Espresso stehen. Die ungelesene Zeitung liegen unD fangt an zu schlcnDem. zu bummeln, zu laufen... ins ilnbeftimmtc. ins Abenteuer, in Den Orient hinein. Keine Furcht kann aufkommen, auf Schritt unD Tritt hat man tagsüber Militär gesehen, SvlDaten aller Wafsengattungcm. Eingeborene. Italiener. SchwarzhrmDen. sogar Verkehrspolizisten. Die an einte nen Straßenlreuzungen sehnsüchtig nach irgenDeinem Vehikel AuSschau hielten.
Oie Oase am Meer
Don unserem römischen S-Zrorrespondenten.
(tmerte. . • „ , ,
Poincar« zeichnet sich von allen französischen Staatsmännern d« Gegenwart dadurch auS daß er weiß, wa« er will. Er hat sich sehr oft in den Mitteln vergriffen, er hat aber doch immer wieder seinen Willen Durchgesetzt. DerRuhrkrieg war eine Ried«lage. die das französische Volk in der Entwertung De« Franken zu spuren bekommen hat. Die Maiwahlen von 1924 zertrümmerten den Rationalen Block, sie waren auch die Quittung der Franzsen für Den Verfall des Franken. Rach menschlichem Ermessen war d»e politische Rolle PoincarüS eigentlich auSaespiett, Denn auch der Ruhm. Franlreich in den Krieg geführt zu haben. Den Dann Die angelsächsischen Waffen und Finanzen zugunsten Frankreichs entschieden reichte nicht au«, um Den srankensturz nur als unvermeiDliche Schlappe empfrnDen zu Ia-SHe französischen Sozia 1 isten haben Da« Verdienst. Daß PoincarS .zurück gerufen wurde. Das Kartell war unfähig, die Finanzen Frankreich« zu ordnen, well die Soziattsten, darauf bestanden, diese Ordnung durch einen gründ-
Erst im Jahre 1830 wurde dem Komponisten eine oeripätete Rehabilitation zuteil, als Wilhelmine Schröder-Deorient vor dem Dichter den „Erlkönig" sang. „Obgleich Goethe", so lesen mir in dem Tagebuch des Schauspielers Eduard Genast, „kein Freund von durchkornponierten Strophen- liebem war, so ergriff ihn der hochdramatische Dor- trag der unvergleichlichen Wilhelmine so gewaltig, daß er ihr Haupt in beide Hände nahm und sie mit den Worten: .5)aben Sie tausend Dank für diese großartige künstlerische Leistung!' auf die Stirn küßte, bann fuhr er fort: .Ich habe diese Kompo- fition früher einmal gehört, wo sie mir gar nicht zusagen wollte, aber io oorgetragen, gestaltet sich das Ganze zu einem sichtbaren Bild'.- Für Schubert kam diese Anerkennung zu spät: er war am 9. November 1828,31 Jahre all, gestorben. F. A. H.


