Einzelbild herunterladen

Aus Oer Pnwmzialhaupisiadr.

Dieben, den 7. Mai 1928.

Hausweihe der Landsmannschaft »Merovingia".

Am SamStagnachmittag beging die hiesige LandsmannschaftM e r o v i n g i a" in einem Festakt die Einweihung ihres durch Umbau neuerstandcnen VerbinDungs- hauseS in der Wolsftraße/Ecke Kaiserallee.

Aach dem feierlichen Einzug der Akttvitas wurde im großen Saale im Erdgeschoß vor einer stattlichen Versammlung geladener Gäste und in Anwesenheit zahlreicher Alter Herrennd Ver- tretet befreundeter Korporationen der Festakt durch einen GesangSvortrag und einen Prolog cingeleitet. Hierauf erhob sich A. H. Prof. Dr. Krausmüller zu einer Ansprache, in der er di« Ehrengäste, zuvörderst die Vertreter der Lande-universität und des Herrn Rektors, so- wie der Stadtverwaltung und des Herrn Ober­bürgermeisters, willkommen hieb: hierauf gedachte er in würdiger Form der zahlreichen, im Welt­kriege gefallenen Angehörigen der Korpora­tion und gab anschließend einen Rückblick auf die Entwicklung der studentischen Verhältnisse in Gießen und insbesondere seines Bundes: er schil­derte des ferneren den Ausbau des im Lahre 1921 erworbenen Grundstück-, auf dem nunmehr nach den Plänen von Baurat Schumacher und seiner Mitarbeiter Architekt Schäfer, Baurat Kuhlmann und Dr.-Jng. Ackermann das stattliche neüe Heim fertiggestellt wurde, das der Redner im Ra men der Alten Herren und des Vereins Merotringerhaus mit den besten Wün­schen an die Aktivitas übergab.

Der Cr st chargierte begrüßte sodann die Festversommlung namens b:S aktiven Bundes, stattete den Dank ab an alle Freunde und Helfer am Hausbau und übernahm d.rs neue Heim mit dem Versprechen, es allezeit in Ehren zu halten.

Der Merovingia überbrachten Glückwünsche im Ramen der Landesuniversität und in Vertretung Sr. Magnifizenz des Rektors Geh. Rat Prof. Dr. 3 tot d, der beherzigenswerte, ernste Worte an die Aktiven richtete, im Ranen der Stadt­verwaltung und in Vertretung des Oberbürger­meisters Beigeordneter Dr. Hamm, der in seiner Ansprache auf das Wesen des Korpo- rationSstudrntentums und auf die sinnvolle Auf­gabe des Hausbaues einging.

Mit Glückwünschen und Angebinden waren ferner vertreten je ein Abgesandter der be­freundeten Landsinannscha't n ^Darmstadtia" und Thattia". für die Bereinigung alter Lands- mannschaftcr sprach Stadtbaudirektor Brau­bach, aus der Bürgerschaft Stadtverordneter, Libermeister L ö b e r. In weiteren Ansprachen taurbc der opferwilligen Altherrenschaft und zahlreicher Stiftungen d rch die Damen des Bun­des dankbar gedacht. Auch der leitende Architekt Baurat Schumacher sprach dem feiernden Bunde unter Ueberreichung eines Geschenkes seine Glückwünsche auS. Mit einem weiteren Gesangs­vortrag und ei,rem von QI. S>. Prof Helmke erstatteten Alcbctblid über die Geschichte des Hausbaues sand die Feier ihr Ende.

Ein anschließender Rundgang gab Gelegenheit zu zwangloser Besichtigung des neuen Studenten­hauses und seiner geschmackvoll, bequem und zweckentsprechend eing.richteten Räumlichkeiten.

Am Abend fand eine Festkneipe auf dem Hause statt.

u rache über die neue Stromtarifregelung, in der eine Anzahl Härten für die landwirtschaftlichen und Klein-Abnehmer enthalten seien. Es wurde gewünscht, die Verwaltung möge den landwirt- schaftlichen Qlbnehmern insbesondere bei der Be­rechnung für Kraftstrom entgegenlommen Von der Verwaltung wurde die Berücksichtigung bc- rechtigter Forderungen zugesagt. Die neuen Stromtarife, um die sich die Aussprache drehte, waren trotz Vervielfältigung der Presse nicht zugeaanqen. so daß wir hierüber leider nicht berichten können. Der Voranschlag wurde schließ­lich gegen 13 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten u. a. die Landbundvertreter und der Kommunist.

Schluß der Sitzung.

Tee bei einem Junggesellen.

Don Sofie v. Uhde.

Lee bei einem Junggesellen aber nicht bei einem kapitalistischen oder einem Diveur, wo geschulte Diener die Gäste in luxuriöse und stimmungsvolle Räume geleiten, oh neinl Unter Freund Hans muß beides erst werden, und au ersterem schien ihm alle Voraussetzungen, wäh­rend er zu letzterem immerhin einige Anlagen ausweist, die aber noch latent sind. Er ist zu­nächst noch, waS man so einen besseren möblierten Herrn nennt, sehr jung und von Mammon und UmgangSsormcn gleichermaßen unbeschwert.

Mit einer Mark und fünfzig P ennig in der Tasche lädt cr uns drei Damen und zwei Herren unbekümmert in ein kleine-, ein sehr kleines Zimmer eines Hinterhauses von München-Schwa­bing, woselbst er bei einer alten Rotarswitwe sein fröhliches Iunggesellendasein führt.

Er empfängt und m einem schmalen, dunklen Dang, wo es nach Sauerkraut und alten Akten riecht, und wo aus unbekannten Gründen das Licht versagt. Wir taumeln blind gegeneinander, stoßen unS an Schränken und schreien schmerz­haft, was unseren Gastgeber sehr belustigt.

»Ja, das ist eine Saubeleuchtung hier!", be­stätigt er laut unsere heimlichen Gedanken, und hilft un» beim Auskleiden, das heißt, er befördert unsere Mäntel, mit Schwung aus den nächsten Schrank, daß und bei dem Anblick das Herz blutet. Aber ihm scheint es eine willkommene Auswirkung seiner Kraft zu bedeuten, er steht prachtvoll Da und läßt seine MuSkeln spielen - he bopp! und Robby» schwerer Pelzmantel folgt den andern nach, wahrend eine Staub' wölke von dem Schranke auffliegt.

Sr will auch unsere Hüte diesen Weg gehen lassen, aber wir fallen ihm in den Ann. und so stülpt er sie denn mit viel Rachdruck auf eine Reihe von Einmachgläsern, die auf einem Borde stehen, nicht ohne mißbilligend zu bemerken So ein Umstand wegen so ein paar Hütln!"

Und bann schiebt er uns in sein Gemach.

Ra. Gemach ist ein bißchen Üppig ausgedrückt HanS selbst bezeichnet sein Domizil als .Bruch bube' und wählt damit entschieden Den prä­gnanteren Ausdruck als ich. Er Hai zwar seinem altadligen Elternhause einige Gegenstände besten Stil» entführt, aber da cr ein Monstrum ist in

Die Beisetzung Karl Wieners.

Eine groß« Trauergcmeinde von Freunden, Kollegen und Kameraden hatte sich am Samstag- nachmillaa in der Kapelle des Reuen Friedhof- versammelr. um dem so plötzlich verschiedenen Landgerichtsdirektor Karl Wiener da» Geleit zur letzten Ruh? zu geben. Unter Zugrundelegung des Psalmwortes »Und ob ich schon wanderte im finstern Tal. rchte ich kein Unglück" sprach Pfarrer AuSfcld von der großen Pflichttreue des Verstorbenen, seiner Liebe zum Beruf, und dem tiefen Gefühl der Barm­herzigkeit. das als Leitstern über seinem Leben stand und ihn trieb, seine Zeit und Kraft neben den schweren Berus Sa usgaben voll und ganz in den Dienst der Äächstenliebc zu stellen. Am offenen Grabe rühmte nach Gebet und Segen des Geistlichen Ministerialrat D o n - S ! f f vom Justizministerium die großen Verdienste. Die sich der Verstorbene um die hessische Justizverwaltung erworben hat. Landgerichtspräsident Reuen- Hagen sprach dem geschätzten Kollegen und lieben Freunde den Dank der Richter und Be­amten des Landgerichts Der Provinz Obcrhessen, der StaatSanwaltschast und Anwaltschaft aus für seine unermüdliche treue Mitarbeit im Dienste des Rechts und für die große Hilfsbereitschaft und wahre Kollegialität. Die ihn über Drei Jahr­zehnte hinaus mit den Beamten des Landgerichts und weiten Kreisen Der Bevölkerung Oberhessens verbunden hat. Warme Worte des DankeS fand Der Vorsitzende des Lanoesvereins Hessen des Roten Kreuzes. Geh. Regierungsrat v. Hahn, für die nie erlahmende Arbeit öcd Verstorbenen im Dienste Der großen gemeinsamen Sache, Wunden au hellen und Schmerzen zu stillen. Für den Zwcigverein Dießen vom Roten Kreuz sprach Professor Dr. Heuser. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Quoten Kreuz, die am Toten­bett ihres verschiedenen Gründers die Ehren­wache übernommen hol und am Grabe die Trauerparade stellte, ließ durch ihren Vor­sitzenden. Oberregierungsrat Dr. Heß, Dem zu früh Entschlafenen Dank sagen für fein auf- opfernDes. selbstloses Wirken in Kriegs- unb Friedenszeiten zum Wohle seiner leidenden Mit­menschen. Innige, von Herzen kommende Worte widmete Kammerdirektor Birnbaum im Ramen Der Alten Herren und der Aktiven des Klosters" dem toten Freunde. Weitere Kränze wurden nieDergelegt von Frau Professor Ära» mer im Ramen des Alice-Frauenvereins, von Landgcrichtsrat Trümpert im Ramen Des Kriegervereins. Dessen 1. VorsitzenDer Der Ver­storbene mehrere Jahre hindurch gewesen war, und von Major a. D. Wolf im Rainen Der OfflzierLvercinigung ehern. Ins -Rgt. 116.

Tagung des D. H. V.

Dieser Tage sand in dem neuen Ortsgruppen­heim Der Ortsgruppe Gießen des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfen- Verbandes eine Witarbeitertagung des Kreises Mittelhessen statt, Die von 12 Ortsgruppen gut beschickt war. Kreisgcschäfts- sührer S ch u l tz - Gießen berichtete über die ge­werkschaftliche Lage und insbesondere über Den acgenwärtigen Stand Der Gehaltstarifverhand­lungen, die nahezu als abgeschlossen gelten kön­nen. Gauvorsteher Auerbach- Frankfurt er­örterte die Frage der jetzt zu schaffenden Ar­beitsämter, die Betriebsratswahlen, Sonntags­ruhe und Ladenschluß. Don den Ortsgruppen-- oerhetem wurde über zahlreiche llebcrtretungen der Sonntagsruhe- und Ladenschlußbestimmun- gen geklagt. Im werteren "Verlauf der Tagung wurden Die Vorbereitungen für Den im Juni in Dresden stattfindenden Derbandstag beschlossen. In den Sommermonaten sollen bezirksweise Wanderversammlungen der Iungkaufleute statt­finden. Die Bildunasveranstaltungen werden der Jahreszeit entsprechend von den Ortsgruppen durchgeführt werden. Der diesjährige Kreis­tag wird am 9. September in Gießen statt- finden. Schließlich wurde noch zu Der bevor­stehenden Reichstagswahl Stellung genommen. Der D. H. D., Der bekanntlich parteipolitisch neu­tral ist und dessen Mitglieder in allen bürger­lichen Parteien vertreten sind, unterstützt dem­zufolge alle Parteien, die die Stärkung und Förderung des deutschen Volkstums zum Ziele haben und die für Die besonderen Belange Der Kaufmannsgehilfen einzutreten gewillt find.

bezug auf Wohnungskultur er hängt ohne Sie­benten einen Spiegll und ein Bild an ein und denselben Haken, so bleiben auch diese Ver­schönerungsversuche wirsungslos. Ueber seinem Bette aber hängt der gestickte Spruch:Trautes Heim, Glück allein!

Hans hat recht ausschweifend gedeckt. Da er zur Zeit mit feiner Wirtin ein wenig verzankt ist, vermutlich wegen rückständiger Mietedie alte Bestie saugt mich aus!" sagt er selbst zu dem Falle so hat sie ihm weder eine Tischdecke noch ein Teefcrvice zur Verfügung gestellt, und er hat alles aus eigenen Mitteln bestritten.

Er hat einen Bademantel über den Tisch ge­breitet und die Qlermcl ums Tischbein gebunden, was recht apart aussieht. Seine Trinkgefähe bieten Abwechselung und jeb?r kann sich seinen eigenen Stil auSsuchen. Da steht eine wundervolle Alt-Rymph.'nburger Tasse, die er aus d^ Samm­lung seines alten Herrn geflaut hat. neben emaillierten Blechhä e i, Alluminiumteimbechern und einem Wasserglas, das vermutlich sein Zahn­putzglas ist, das aber immerhin sauber geputzt erscheint. Aber was die Löffel betrifft, so ist da» eine vollendete Katastrophe: da er nur zwei im Besitze hat, wir aber immerhin unseren Zucker umrühren müssen, so hat cr Gabeln, Ragelf eile unb Federhalter zur Hilfe gezogen und sie auf Papierteller »»erteilt, die wohl ehemals Stehwürstchen mit Senf zum vorü Ergehen den Ausenthalt dienten, nun aber das Teeservice repräsentieren. Für die Kuchen, die wir mit- gebrarf)t Haden hat er seine Waschschüssel zur Verfügung gestellt.

Tiber alles wird wieder autgemacht durch eine zauberhafte Alt-Meißner Teäanne von hoher Schönheit, die allerdings keine Schnauze und keinen Henkel mehr hat und deshalb etwas schwierig in der Bedienung ist. die aber doch immerhin recht nach gutem Hause aussieht

Oh, dieser Hans, er wird doch noch einmal ein Viveur? 6r hat für jede der Damen ein Blumensiräußchen au' den Papierteller gelegt holde, kleine Märzveilchen, ersten Gruß kom­mender blauer Tage Unb daß er sie mit weißen Leinenbändchen aus einer alten ober vielleicht auch noch al hielten Unterhose zu'ammengcdrchr bat. kann man ihn nicht zum Vorwurf machen, denn woher soll etn junger Wann tarte Seiden- bandchen zur Hand haben?

Talca für Dienstag, 8. Mai.

Sonnenaufgang 4 20 Uhr, Sonnenuntergang 19.33 Uhr. Mondausgang 23.33 Uhr, Monduntergang 6.10 Uhr

1429: Einzug der Scanne d'Arc in Orleans; 1668: der französische Dichter 3ten£ Lesage in ear- zeou geboren (gestorben 1747); 1794: der fran­zösische Chemiker Laurent Lavoisier in Paris ge- ftorben (geboren 1743); 1828: der Philantrop ßenri Dunant, Begründer des Roten Kreuzes, in Genf geboren (gestorben 1910); 1922: der Maler und Radierer Otto Ubbelohde in Goßfelden gestorben (geboren 1867).

Bor notizen.

lageskalender für Montag. Deut­scher Bund für christliche evangelische Erziehung in Haus und Schule: 8 Uhr, Familiei^ibend im Lo- honnessaal. Gießener Freiwillige Feuerwehr: 8 Uhr Hauptübung Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Dona Juana",Das weiße Stadion". Astoria- Lichtspiele:Der nächtliche Kämpfer",Äubinfe".

2.11. Von der LandeSuniverfität. Dr. rer. pol. Georg Mayer. Assistent am In­stitut für Wirtlcha tswillenchall. der sich für das Fach der wirtschaftlichen Staatswillen chasten zu habilitieren wüyscht, hält morgen. Dienstag. 8. Mai, 121/* Uhr. in der Kleinen Aula seine Probevorlesung über »Das Problem des Finanz­ausgleichs".

* Der Muttertag in Hessen. Der hessische Minister für Kultus und Bildungswesen erläßt aus Anlaß der Feier des Muttertages im Volksstaat Hellen folgende Bekanntmachung an die unterstellten Behörden und Lehrer: ,2lm 13. Mai wird in Hessen, wie im ganzen Reich, der Muttertag gefeiert. Ich mache Sie daraus aufmerksam und empfehle den Lehrern, Die Sache in geeigneter Weise zu unterstützen und auch die Schuler darauf hinzuweisen."

* Personalien. Ernannt wurden der Lehrer Heinrich Wedel zu Breungeshain. Kreis Schotten, zum Lehrer an der Volksschule zu Königsstädten. Kreis Groß-Gerau: Der Lehrer Karl Schaaf zu Wingershausen, Kr. Schotten, zum Lehrer an Der Volksschule zu Billertshausen, Kreis Alsfeld. In den Ruhestand versetzt wurden die Handarbeits- und Hauswirtschasts- lehrerin an der Volksschule zu Gießen Regina Grünewald auf ihr Nachsuchen: der Lehrer an der Volksschule zu Schwarz, Kreis Alsfeld. Heinrich Lippert auf fein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit vom 1. Mai 1928; ferner aus Grund des Altersgrenzegesetzes der Direktor des Landwirtfchaftsamtes Lauterbach Adolf Glaser mit Wirkung vom 1. August ab.

g. p. Borstandswahl der Gießener Studentenschaft für das S. S. 192 8. DerVorsta d d.r Gießener Studentenscha t wu de in der Kammrrsitzung vo.n 3. Mai folgende- maßen besetzt: 1. Vorsitze.der stud. theoL Erich Schmidt (Burschenschaft Alemannia), 2. Vor­sitzender stud. mcd. Otto Henningsen (V. D. St.). 1. Schriftführer stud. rer. nat. Rud. Frehmann (Burschensch. Germania), 2. Schrift- ^rer stud. iur. Armin Brehme (Korps Star- fenburgia), 1. Kassenwart stud. phil. Ehristian Kiefer (Turnerjchaft Hasso-Rassovia). als Amtsleiter wurden gewählt: Grenz- und Aus- landsamt stud. rer. nat. Rud. Frehmann (Burschenfch. Germania), Amt für pol. Bildung stud. iur. HanS Jürgen Brun» (Korps Teu­tonia), Presseamt stud. rer. nat. Ha is Heinrich Kümmel (Wingolf), Lesehallenamt und Rach­richtenblatt stud. med. Otto Henningsen (V. D. 6t.), Deraünstigungsamt stud. iur. Armin Drehme (Korps Starkenburgia). Aelteste der Studentenschaft wurden: Assessor Wilh. Wetzel, Offenbach a. M. unb cand. phil. Rgiser.

Aus dem Gießener Standes­amt S r e g i st e r. Es verstarben in der Zeit vom 15. bis 30. April: 16. Katharine Feuster. geb. Heller, Witwe, 58 Jahre, Neuenweg 31, Gertrude Margarete Kompf, Schneiderin, 21 Jahre, Schottstrahe 21; 20. Pauline Scheu, geb. Hümmerich, 68 Jahre, Liebigstraße 82; 22. Iofes Mänges, 2 Monate. Walltorstraße 25; 23. Ka­tharine Hainer, geb. Deiß, Witwe, 72 Jahre. Bahnhofstraße 17, Konrad Henrich, ohne Beruf. 74 Jahre, Steinstratze 42. Margarete Elisabeth Auguste Zcerner, geb. Bat er, Witwe, 70 Jahre. Licher Straße 74; 25. Anna Scharmann, geb.

Weicker. Witwe, 85 Jahre, Sberstraße 7, 27. Christine Wilke, geb. Schreiner. 77 Jahre. Wieseckcr Weg 25. Marie Suter, geb. Hirlco» seid, Witwe. 84 Jahre. Marburger Straße 30, Babette Mösingcr geb. Lehner. Witwe. 81 Jahre, Klinikstraßc 32 E. Gerd Gottlieb Schnei- der. 1 Woche, Liebigstraße 82 : 28. Elisabeth Wenze'. geb. Heß, Witwe. 62 Jahre. Selters- toeg 35; 29. Susanne Ficbig. geb. Nichciol, 65 Aahre. Roonstrahe 10.

Deutschnationale Wählerver- f a m mlung. Am Samstagabend sand im Cafe Leib eine offentlidx Wählcrversammlung Der Deutschnationaten Vollspanei in Gießen statt, in Der der Spitzenkandidat dieser Partei. General von Preulchen. und hieraus LandesgeschäftS- sichrer Dr. B r e h m - Darmstadt in längeren Ausführungen sprachen. Beide Vorträge fanD'i lebhaften Beifall. Sine kurze Aussprache in der ein sozialdemokratischer Redner austrat, folgte Den Vorträgen der Referenten. Wegen Mangel an Raum muhten wir den Bericht über die Ver­sammlung bis morgen zurückftellen.

** Grubenholzbrand im 03 e t"g tfTT r f 4- to a (b. Am SamStagnachmittag gegen 5 llhr geriet ein großer Stapel Grubenholz auf dem Sernieschm Dcrgwerksge'ände im Berqw:rkSwa d in Brand. Da für ein danebenliegendes Lager­haus große Gefahr bestand, würd' alsbald Die Feuerwache alarmiert. Die ihre Arbeit zunächst Durch Wasferrnangel behindert sah und erst Dann wirksam gegen den Brand vor gehen konnte, als der große Spreng- und HilfSspritzenwagen mit seinem gewaltigen Wasservorrcll an der Brand­stelle eingetroffen war. Immerhin hatte Die Wehr biS gegen 631 Ufrr angestrengt zu tun. ehe sie zur Feuerwache zurückkehren konnte.

** 6 i n ÄellerbranD in Dem Hause Kreuz- Platz 13 wurde gestern nachmittag gegen 6 Uhr von Straßenpassanten bemerkt. Dort stiegen au« dem Keller starke Rauchwolken empor, die Anlaß gaben, die Feuerwache fotort zu alarmieren Da die Türen des Hauses verschlossen waren, größerer Schaden durch Aufbrcchen der Türen aber verhütet werden sollte, Drang die Feuerwehr durch Einschlagen eines Fensters im ersten Stock in das Haus ein und ging von hier aus gegen die Brandstelle im Keller vor. Der Hausbesitzer hatte alte Lumpen und Packmate- rial unmittelbar vor dem Kellerfenster gelagert, so Daß angenommen wird, daß ein van Der Straße her fortgeworfenes brennendes Streichholz, ober eine brennende Zigarette durch das Kellerloch in den ßngerhaufen gefallen war unb Den Brand verur­sacht hatte. Die Gefahr für das Hau» konnte rasch beseit gt werden.

'* Familienabend Der Iugendver - einigungen Der MatthäusgemeinDe. Um die Beziehungen Des Elternhauses und Der Familie zu Den Iugendvereinen immer lebendig aufrecht zu erhalten, veranstaltet seit längerer Zeit die MatthäusjugenD Eltern- und Fami'ien- abendc. Rachdem im April ein stileinheitlich Durchgeführter, von Gedichten, Kurrendeaesängen unD Sprechchören Durch'etzter und von Ansprachen umrahmter Abend insbesondere den Eltern der Reukonfirmierten Aufschluß zu geben versuchte über Den heiligen Ernst und die gewalttge Gröhe solcher Arbeit, die zwar im juaenDgernäßen Stil, aber nur im Geiste Jesu Christi getan werden will, kamen bei Dem jüngsten Fa- rnilienabenD, Der unter Dem Generalnenner ,H e s- s i s ch e Mundarten" stand, Humor und Fröhlichkeit, ohne die eine gesunde Jugend nicht zu leben vermag, zu ihrem Recht. Rach einer einführenden Ansprache Des Leiters, Psarrer f»ertel, wechselten in bunter Folge, unter­rochen Durch Lied und Singsang, Gedichte und Erzählungen in Vogelsberger, CoSdorser. Gieße­ner, Nassauer, Frankfurter, Darmstädter und Pfälzer Mundart ab, Denen ein kleines sächsi'che- Zwiegespräch folgte. Den Höhepunkt brachten einige Szenen aus Der bekannten Darmstädter Lokalposse von Ernst Elias Riebergalt .Datterich" und besonders die Gasthausszene auf dem »Spenglermeister Bimbächrr '. Der Posse auS Dem Gießener Volksleben von Asmus und Krön le in (1845). Die viel Lachen ausköste. Der nächste Elternabend Ende Mai wird einen Lichtbildervortrag über Albrecht Dürer bringen, der ©cmcinöetag am 3. Juni wird die Jugend wieder aus den Brettern sehen, um an ihrem bescheidenen Teil der Gesamtheit zu dienen.

Aber für Sitzgelegenheit hat er schlecht ge­sorgt. Er hat den Teetisch anS Bett geschoben, aus dem ja immerhin einige Platz haben, und Ellinor hat einen etwas marodischen Stuhl er­rungen. Aber damit sind auch alle Möglichkeiten erschöpft, und ich ziehe mich auf das Kissen des Terriers Bob zurück, nehme ihn auf den Schoß und benütze seinen Kops als Stühe für meinen Tcehafen, waS eigentlich ganz bequem ist. Aber der vornehme Robby! Er ift außer sich und ver­sucht Hans mit ernsten Worten klarzu nachen, daß man einer Dame, die man zu Gaste lädt, wahr­haftig nicht das Hundebett als Sltzgclegenhnt anbicten kann. Doch Hans meint frohgemut: .Ach was, die Evasosie sitzt ja doch immer bei den Viechern l" Womit er recht hat und indem er mir kniend wie der Page von Hoch- burgunD, die Waschschüssel mit den Kuchen an- bietet, flüstert er mir vergnügt zu:öei froh, daß Du nicht auf Dem Stuhle fitzt, mit Dem wird die Ellinor bestimmt noch verunglücken!"

UnD er prophezeit gut. Mitten in einem angeregten Gespräch tut es einen recht bedenk­lichen Krach, der Boden des Stuhles entweicht und die arme Ellinor rutscht durch Die offene Rundung, wo sie in wenig ansprechender Hal­tung stecken bleibt.

Wir taugen alle nicht viel: unser anfänglicher Schrecken löst sich in wilde Freude: nur Hans, drr junge Sportsmann, wird tatkräftig und be­fördert die unselige Ellinor, mit mächtigem An­lauf von unten he hopp! - auS dem klemmenden ©tublc, daß sie wie auS der Pistole geschossen in unsere Arme fliegt.

Wieder ist der vornehme Robby auS Herzens­grund indigniert, unb auch Frau Ellinor schwört, daß sie nie wieder bei einem möblierten Herrn Tcc trinken wolle. Aber HanS meint selig, es sei doch zu nett. Gäste zu haben, wir sollten nur recht oft wiederkommen; während der Terrier Boß und ich, friedlich und unaesährdet auf unserem Kissen sitzen und. den Kuchenbehälter zwischen unS, das Leben genießen.

BiS die sinkende Dämmerung des lauen Früh­lingstages ans Heim gehen mahnt.

Der Abschied wird noch ziemlich turbulent und ereignisreich. Die Mäntel, in die Hans uns stopft, sind grau von Staub, unb mein Hut der auf einem angebrochenen Himbeerglase saß, klebt mir an der 6time fest. Der vornehme

Robby schreit wild nach einer Kleiderbürste und verflucht angesichts seiner zartledernen Hand­schuhe, die cr an etwas vollletten Rahmkäse an­geschmiegt vorfindet, unteren Gastgeber in die tiefste Holle.

Aber schließlich und endlich schlichtet sich Doch alles, unb wir wandern nach toarmen DankeS- toorten durch den sansten Abend helmwärt», während Hans seine Ragelseile, sein <)ahnputz- glas unb seine Waschschüssel wieder ihrer gott­gewollten Bestimmung zuführt.

Hochschulnachnchtrn.

Der durch Die Emeritierung deS Geheimen Äon» siftorialrats Prof. Dr. Reinhold Cccberg in Der theologischen Fakultät der Unloer ität Berlin erledigte Lehrstuhl der systematischen Theoloeie und neutestame.lllichen Wlilen chaft ist d.'m ordent­lichen Professor D. Dr. HanS Emil Weber in Bonn angeboten worden. - Zur Wieder- besetzung des durch die Emeritierung des Geh. Medizinalrats Otto Lubarsch an der Universität Berlin erledigten Lehrftutzls der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie ift ein Ruf an den ordentlichen Professor Dr. Werner Hueck in Leipzig ergangen. Professor Dr. Berthold Klatt in $) am bürg hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Zoologie an Der Universität Halle als Rachfolger des verstorbenen Prof. Valentin Haecker erhallen und angenommen. Das durch den Rücktritt des Prof. Eugen Wolff an der Universität Kiel erledigte Ordinariat der neueren deutschen Sprache und Literatur ist dem a. o. Professor Dr Wolfgang Licpe in Halle a. S. angebotrn.

Der Stadtrat Dr.-Jng. Ludwia Wagner in Nürnberg ist zum ordentlichen Profestor für Bau- tunst an der Technischen Hochschule in D a r m st a d t berufen worden. Es haben Rufe angenommen: der Direktorialassiftent am Römisch Germanischen Zen- tralmuseum in Mainz und Prioatdozent an der Universität Innsbruck Dr. Gero Merhart v Bern egg aus den neuerrichteten Lehrstuhl für Prähistorie in Marburg und Professor Dr. Hel« muth o. ® l a f e n a p p in Berlin auf den Lehr­stuhl der indischen Philologie in Königsberg al» Nachfolger des oerftorbenen Professor» Otto Franke.