Einzelbild herunterladen

Montag, 7. Mai 1928

Siegener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 10? Zweites Blatt

provinziattag der Provinz Oberhessen.

* * Gießen. 5. Mai 1928.

Unter der ßeitung feine» Vorsitzenden. Pro- tHn^idli ireftor ® raef. trat bet Provin­zial t a g der Provinz Oberhessen heute im 2Ugierung»gebäufe zu Diehen zu feiner diesjähriaen ordentlichen Tagung zusammen. Don den 35 Mitgliedern de» Prvrinzialparlament» waren 33 anwesend

Provinzialdirektor Graes eröffnete die Sitzung mit einem herzlichen Nachruf für da» ver­storbene ProvinzioltagSmitglied Bürgermeister Böller« Lich dessen Andenken von der Bet- fammlung durch Erheben von den Sih-n geehrt wurde Daraui folgte die Dienfteinweisung und Derpslichtung de» al» Nachfolger von Bürger­meister Böller neu in den Provinziattag einge- tretenen Kaufmann» Heinrich Weidner au» Herchenhain

Der verwallungsberichl de» Drooinziaiausschuile» für 1926 wurde ohne Aussprache genehmigt. Die Rech­nung für 1926 schließt wie folgt ab: Ein­nahmen 1 835 849 22 NN.. Ausgaben 1 628094.47 0m., Rest 207 754.75 Mk »Der Provin- zialausschuß hat im Kalenderjahr 1927 ins­gesamt 24 Sitzungen (gegen 21 im 3afrre 1926) abigebalten; verhandelt wurden 122 (115) Sachen mit kontradiktoriichern Verfahren, 359 (285) Sachen ohne kontradiktorische» Dersahren.

Wahl in den Provinzialausfchuß.

Für den verstorbenen Bürgermeister D ö I ker-Lich wurde Kaufmann Heinr. Weidner- Herchenhain al» Srfatzmitglied für den Provin- zialausschuh gewählt.

Beratung de, Voranschlags für 1928.

Da» Hau» wandte sich nun dem Hauptpunkt bet Tagung^ der Beratung und Defchluhfafsung über den Boranschlag über die Ein­nahmen und Ausgaben der Provinz Oberhessen im Rechnungsjahr 1928 zu. Der Doranschlag schlieht. wie wir in Nummer 94 deS .Vieh. AnA." schon mitteilten, in Ein­nahme und Ausgaoe mit 5 775 024 Ml., gegen 4981 570 NN. im Rechnungsjahr 1927 ab. Da­von entfallen auf den Betrieb 5 567 270 NN., gegen 4 981 570 NN. im Dorjahre, aus das 2er- mogen 207 754 NN., im Dorjahre nichts.

Provinzialdirektor Graes leitete die Be­ratung mit einer allgemeinen Uebersicht ein. in der er u. a. aus die wichtigsten Einzelh.iten des Etat- und deren Summen yinwieZ, über die wir in Nr. 94 des ..Vieh. Anz." ebenfalls schon eingehend berichteten. Der Redner betonte bc- sonder». dah es trotz erheblicher Steigerung der Ausgaben möglich gewesen fei, die bisheri­ge n AuSschlagSsätze bei den Provinzial- Umlagen beizuvohalten. Die Hauptrolle des Dor- amschlags ftetle wieder das Strahenwefen dar. Don den Canbftrajen unserer Provinz seien 475 Kilometer v-Straßen. das fei etwa 1 p des ganzen StvaßennetzeS. Zur Zeit fei keineNlöglichleit vorhanden, alle l>Straßen sofort den modernen Berkehrsans orderungen anzupassen. Ende 1927 waren 76.1 Kilometer der Landstraßen mit Kleinpslaster versehen, davon wurden allein 1927 37.02. 1926 - 10.18 Kilometer hergestellt,

ftür das Rechnungsjahr 1928 feien etwa 26 Kilo­meter Kleinpslasterung und 10 Kilometer halb- schwere Ditunenpslasterung vorgesehen. Wenn dieses Dauprogramm durchgesühct sei, würden Ende 1 9 2 8 insgesamt rund 112 Kilo­meter feste Straßendecke vorhanden fein. An Straßen Walzungen feien für 1928 inSgefamt 34 Kilometer vorgesehen, gegen 33,6 Kilometer im Dorjahre. Die Derzins ung und Tilgung der Kapitalfchulden für Kleinpflasterungen criolge aus­schließlich aus Mitteln der Kraftfahrzeug­steuer. Gs fei also falsch, wenn behauptet werde, die nördlichen Krrise der Provinz müßten an/den Kosten für die südlichen Streife mitbe- zcchlen. Aus Real steuern werde nicht c in einziger Pfennig für die Kleinpslasterun- gen verwendet. 3n Anbetracht des starken und ständig zunehmenden Auto-OmnibuSver­

kehr» habe der Provinzialausfchuß mehrfach darüber beraten, ob und inwieweit freiwil­lige WcgeunterhaltungSb ei träge einzuziehen im. Weim man nur I Pf je Tonne rechne, würde das für die Provinz jährlich rund 40 0CC Ml au*mad>m. aber für die einzelnen Derkehr» betrieb. wären da» doch Betrage, die kaum tragbar feien. Daher h.bc der Provinzial- Äuh beschlossen, vorläufig von der ®r-

g einer freiwilligen DvrauS- Icifluna für die Unterhaltung der Straßen abzufehen. Der AutoomniduSverlehr fei aber für die Dauer eine außerordentlich starke Be­lastung fer Provinz. Wenn der P.ovinzialaus- schuß zunächst auch von fer Erhebung vonBei­trägen abgesehen habe, weil kein 3nt?rc'fe baran bestehe, den Verkehr allzu stark zu drosseln, so solle man aber doch in den Anforderungen an die Provinz auch nicht zu weit gehen. Für den Bah bau Dir st ein--HartmannShain habe der Provinzialausschuß 25 003 Mk. als Beteiligung der Provinz Oberhessen am Aktien­kapital vorgesehen. An der Durchführung dieses Dahnbauprvjektcs sei nun. da alle beteiligten Stellen ihre Zuschüsse geleistet haben, nicht mehr zu zweifeln. Für die Beteiligung der Provinz an der Hekoga (Hessische kommunale GaS- Dct'orgung) feien 48 000 Mk. vorgesehen.

Da» Haus trat nunmehr in die Einzel- beratung der verschiedenen Etatkapilel ein. Dabei wurde zunächst ein Antrag des Abg. Schäfer (Komm). Bad-Nauheim, über Ar­beitszeitsragen, 153 020 Mk. Deihilse zum Kleinwohnungsbau aus Mitteln deS Waferwerks 3nheiden, kostenlose elektri­sche ©tromlicferung an durch Unrocttcr geschädigte Kleinbauern. Erwerbslose. Rentner usw. nach kurzer Aussprache mit allen Stimmen gegen die Stimme des Antragstellers dem Prv- vinzialausschuß zur Prüfung überwiesen.

Ein Antrag des Abg. Ottilie (Soz.). Die­ßen, den Austritt der Provinz Ober- Hessen alS Arbeitgeber auS dem Hessen- Nafsauischen W i r t s ch a f t s v e r b a n d und dafür den Beitritt zu dem Rhein- Malnlschen Arbeitgeberverband inS Auge au fassen, wurde auf Wunsch deS An­tragstellers dem Provinzialausschuh einstimmig überwiesen, von dem nun entsprechende Be­schlußfassung erwartet wird.

Eine längere Aussprache entspann sich über den im Etat vorgesehenen Zuschuß von 30 00 Mark der Provinz an das Gießener Stadttheater. Einige Abgeordnete, und zwar S ch ä s e r (Komm.), Bad-Nauheim, Bür­germeister H i l d n e r (ßoA.), Büdingen, Bürger­meister 3 o st (Landbund). Bermuthshain und Landwirt Karl Schwalb (Landbund), Großen- Duseck, wandten sich energisch gegen diesen Zu­schuß. Abg. H i l d n c r wollte ihn im weiteren Verlaufe der Aussprache dann noch für dieses 3ahr bewilligen. Die Gegner des Zuschusses betonten in ihren Ausführungen, daß die Pro­vinz von dem Gießener Stadttheater nichts habe. Für die Bewilligung deS Zuschusses traten nach­drücklich ein die Abg. Kommerzienrat Langs­dorf (Dem.), Friedberg, Bürgermeister Rech- t h i e n (Soz.), Vilbel, Landgerichtspräsident Neuenhagen (Dt. Dp.), Gießen, Gastwirt und Landtagsabg. Lux (Soz.) Nieder-Florstadt, Pro- vinzialauSschußmitglied Rechtsanwalt Aaron (Soz.), Gießen und Provinzialdirektor Graef. Diese Redner wiesen besonders auf die hohe Kulturmission des Gießener Stadttheaters hin und betonten, daß auch die Provinz die Ver­pflichtung habe, ein solches 3nftltut als einziges in der Provinz zu unterstützen. Werin man dem flachen Lande auf dem Gebiete deS Theaters etwas Wertvolles bieten wolle, so empfehle fich ein Abkommen mit dem Rhein-Mainischen Künstlertheater. Bei der Abstimmung wurde der Zuschuß von 3000 Mark schließlich ?;egcn 12 Stimmen, hauptsächlich der länd- ichen Vertreter, genehmigt. Auch der kom­munistische Abg. Schäfer, der sich erst gegen

Oberhessischer Kunstverein.

Ausstellung Münchener Künstler.

Die gestern in den Räumen des Kunstvereins am Brandplatz neueröffnete Ausstellung wird vorn AuSstellerverband Münchener Künstler bestritten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit guten und instruktiven Sammel- auSsteklungen für Kunst und Künstler fet bayeri- Hauptstadt zu werben und ein möglichst objek­tives Bild der vielfältigen Münchener Kunst­bestrebungen zu vermitteln, was am besten da­durch gewährleistet erscheint, dah der Verband feiner der verschiedenen Gruppen und .Rich­tungen" verschworen ist, sondern, gewissermaßen überparteilich, stets das Gesamtbild im Auge behält, wie denn auch Mitglieder der unterschied­lichsten Kunstkreise, der Luitpoldgruppe. der Se­zession, der .Bayern" unter feinen Mitgliedern zu finden find. So bietet, im ganzen gesehen, die Ausstellung der Münchener den bestimmenden Eindruck einer gemäßigten Malweife ohne Ex­perimente und ohne extreme und radikale Aus­druckstendenzen.

3m einzelnen wären aus dem Rundgang durch die Ausstellung etwa die folgenden Arbeiten besonders hervorzuheben. Gleich am Eingang eine hochformatige, dekorativ und oiel'arbig behan­delte. auf großzügige 3nnenraumtt>irfung be­rechnete .Wandfüllung" von Mühlen, der auch eine merkwürdig zwischen Expresfionismus und Sachlichkeit stehende Figurengruppe .Nach dem Bade" vorführt. Don Frank fei u. a. eine gutgemalte Tegernsee-Landschaft in blau und weih, von Müller-Wifchln die »Tiber- infeT (in stumpfen Farben, ein wenig an Trübner erinnernd) hervorgehoben. Don Schneider- Seenuß gefiel uns das sonnig aufgehe'.lte, lichtdurchbrochene ..Waldinnere', von Wimmer fei eine locker gemalte Land'cha't .Eurasburg" zur Beachtung empfohlen. Plenks ,3efus unb die Samariterin" ist etwa in der Art Steinhaufens gemalt, an den er auch motivisch erinnert; eine farbig kehr seine und kompo ition?ll überzeugend entwickelte Landschaft .Bei Berchtesgaden sieht man von G. 2. Hoffmann.

S a p p e r ist mit einerSüdlichen Küstenland­schaft" in weicher, kreidiger Malerei zu notieren. Ein gutes Stück ist weiterhin der ..Pferdemarkt" von Ehrenberg, impresfiv gesehen, auf- gelockert und licht im Kolorit, ein wenig in Feld­bauers Stil. Schräg bringt ein stimmungs­volles Interieur in Niederländermanier Statt- l e r ein Münchener Städtebild und die färben* frohe"Volksbelustigung". Farbig und kompo­sitionell interessiert der eigentümlich zum Dor­trag gebrachte..Hasen von Brindisi" von 3enny Maron-Roth, die auch mit einem ganz pastös gemalten Blumenstück ausfällt.

W. v. Friedrich zeigt eine im Nebel ver­fließende Herbstlandschaft. Kunz ein allegori- sierendes Figurenstück. De fta ein dekoratives PariSurtell". Mühlen ist nochmals mit einer Landfchaftsstudie ..Das tote Dach im Gebirge" zu erwähnen: schmissig gemalt, in starken trocke­nen Farben, bei abgewogener Raumgliederung. Porträtmotive von Fehr (ein elegantes Darnen- bildnis) und Schultz (ein fräfhger Wädchen- kops) unterbrechen die Landschaftsmalereien von Schräg und B o l g i a n o . die beide sympa­thische Eindrücke hinterlassen. Drei sehr gute, grohangelegte Freilichtstücke von Kaiser findet man an der Rückwand; eine klare, unkomplizierte, technisch sichere Malerei, ein wenig an Haider erinnernd, und stellenweise von ganz eigenartigem koloristischen Reiz. Eine Landschaft von Daher- l e i n schließt sich hier vorteilhaft an. während ein zweites Stück des gleichen Künstlers leider viel zu hoch hängt und gar nicht zur Geltung kommt. Mit hübschen Seestücken find Hayek. Seyler, Brau mann und Schönchen vertreten. Don D o l g i a n o ist noch eine frische, gutbelichtete Hesfenlandschaft zu nennen, während Koeppels ..Herbstwald" durch sein starkes, leuchtkräftiges Kolorit den Beschauer fesselt und das Auge be­sticht. Die ÄoUeltion der Münchener wird durch eine Anzahl graphischer Blätter aus dem Besitz des Kunftoereins ergänzt, die in mehreren Ditrinen zur Besichtigung auSgelegt sind.

Der erste Dvrsihende des Kunstvereins. Land- gerichtsdirekwr Bücking, hieß am gestrigen Sonntagvormittag die zur Eröffnung Erschiene-

den Zuschuß ausgesprochen hatte, stimmte zum Schluß f ü r die Gewährung.

Bei der Beratung des Voranschlags für bas Straßenbau« es en entspann sich eine Sus- sprach, über die Durchführung des Straßen- Erneuerung» Programms Die Sbg Bür­germeister 3 o ft teermutsbain (Lbd ) und Bür lermcifter Dalz - Lauterbach (Soz) traten warm tafür ein, daß auch in den Vogelsbergkrei- en d i e Kleinpflasterung der Landstraßen Mt glichst weitgehend durchgeführt werde. Pronin- zialdirektor Graef betonte, daß der Zustand un­srer Landstraßen der DerwMung außerordentliche Sorae bereite. Nicht der Uebrrgang der Landstraßen auf Die Provinz an sich sondern der Uebergang zu einem Zeitpunkte, wo die Straßen ganz außer­ordentlich stark heninter^ewirischaftet feien und der Autoverkehr sowohl an Zahl wie an Tonnengehalt ganz riesig anwachse, sei ein Unglück Zu beachten sei bei all den vorgebrachlen Wünschen, daß die Straßen in der Detterau infolge ihres leichteren Untergrundes, als bei den Straßen im Vogelsberg, sich schneller abnutzten und natürlich auch mehr lln- tcrhaltuna erforderten. Kleinpflaster könne nur da­hin gelegt werden, wo es unbedingt notwendig sei. Der Kreisdirektor des Kreises Schot- t c n, Geh. Regierungsrat Boeckmann, sprach der Prooinzialverwaltung Dank und Aner­kennung aus für das, was sie bisher schon für die Unterhaltung der Landstraßen im Vogelsberg getan habe, gleichzeitig unterstützte er aber auch den Standpunkt der beidsn Redner, die eine noch här­tere Berücksichtigung der Dogelsbergkreise bei der Kleinpflasterung wünschten.

Zur Frage der L a h n k a n a l i f i e r u n g be­merkte Provinzialdirektor Graef, daß er den be­währten Vorkämpfer auf diesem Gebiete, Direktor B a n s a - Limburg, bitten werde, doch dem neuen hessischen Ministerium einen Vortrag über den gegenwärtigen Stand dieser Angelegenheit au hal­ten. Es gehe nicht an, daß man es etwa bei der Kanalisierung des ersten Abschnitts bewenden lasse. Dringend notwendig sei auch die Kanalisierung des zweiten Lahnabschnitts bis Gießen.

Einstimmige Annahme fand ferner ein Antrag des Abg Ottilie- Gießen (Soz ), durch den der Provinzialausschuh um eine Prüfung der Frage er­sucht wird, ob und in welcher Welse eine Erwei­terung der Provinzialpflegeanftait speziell zum Zwecke der Aufnahme von alten Leu­ten in Einzelzittzmer möglich zu machen ist. Dein Antrag st eller schwebte bei seinem Antrag^ die Errichtung eines Neubaues vor. Aus der Stel­lungnahme des Prooinzialdirektors war die B e . jahung der Bedürfnisfrage zu entnehmen.

Zum Kapitel Finanz- und Steuer­wesen stellten Abg. Fenchel (Landbund)- Oberhörgern u. Gen. einen Antrag, den vor­gesehenen Betrag der Provinzialumlagen in Hohe von 925 000 auf 700 000 Mark herab­zusehen und diese Verringerung um 225 000 Mk. zur Deckung des Bedarfs auS Rückstellungen des Wasserwerks Inheiden, Kürzung an StiftungS- betrögen usw. wieder aufzubringen. Die Ver­treter der Verwaltung, Provinzialdirektor Graef und Provinzialrat Wolf, sowie Dbg. L u x (Soz. l-Nieder»Florstadt und Provinzialausschuß­mitglied Amtsgerichtsdirektor Schm ah l (Dn.)- Gietzen bezeichneten trotz der Begründung durch den Abg. Fenchel den Antrag als undurchführ­bar. Die Ausschlagsätze, uni) das fei doch beach­tenswert, feien trotz der Steigerung der Ausgabe unverändert wie im Vorjahre geblieben. Darauf wurde der Antrag der Verwaltung. Provinzial­umlagen in Hohe von 925 000 Mark nach den vorjährigen Sähen zu erheben, mit 19 Stimmen gegen die Stimmen der Landbundverireler ange­nommen.

Hierauf fand die Schlußabstimmung statt. Der gesamte Voranschlag für 1928 wurde dabei gegen 11 Stimmen geneh­migt. Gegen den Voranschlag stimmten der Landbund und der Kommunist Schäfer.

3m Rahmen des Voranschlags wurden geneh­migt: die beantragten Straßen- und Brückenumbauten; die Materiallieferung

nen willkommen und gab eine kurze Einführung in die künstlerischen Bestrebungen der bayerischen Aussteller. hth.

Das abgefeuerie Auto.

Ein interessantes Gespräch mit dem Erfinder Max V a l i e r berichtet da- neue .Daheim" (Delhagen und Kiasing, Leipzig). Es heißt dort: »Die Welt hat Max Valier lange für einen Phantasten gehalten. Er sah mir vor zwei 3ahren gegenüber und sagte: .3edermann weih, daß der Revolver, das Gewehr, die Kanone beim Feuern einen Rückstoß erfahren. Dun ist aber auch die Rakete, bzw. das Raketenwellraumfchiff. nichts anderes alS eine Kanone, nur daß sie nicht eine einzelne schwere Granate, fonfem in ununter­brochener Folge einen Strom winziger Gas- moleküle aus ihrer Düse hinauSfeuert Und die Berechnung zeigt, dah dies sogar wesentlich gün­stiger ist." Valier wollte also in dem Hinteren Raum seines Raketenschiffs dauernd Explo ionen erzeugen, deren Rückstöße dann das Schiff vor- wärtstreiben. Er war im Glauben an feine Theorien unerschütterlich. .Es wird geben, es muß gehen," sagte er zu mir. .ich werde die Welt von der Richtigkeit meiner Sätze überzeugen. 3ch werde Versuche im fletnen machen, nur muß ich das Geld für diese Versuche haben. 3ch weiß, dah ich dann sehr bald ein Raketenflug­zeug über den Ozean schießen kann eine Stunde wird es von Europa nach Amerika fliegen, oder zwei. 3ch weiß, wie e» starten, ich weih, wie es landen muh 3ch habe auch schon genug Flug- Passagiere für den ersten Schuh, aber das Geld fehlt eben, das leidige Geld für die Versuche." Auch ich war damals ungläubig, trotzdem mir eine innere Stimme sagte: .Es ist etwas Wahres an dieser Sache, an dem Glauben die'es kühnen, (lugen Mannes. Darum auch nicht? Wer dir vor dreihig 3ahren gesagt hätte, dah du dir durch die Lust in feinem Zimmer die Meistersinger- Vorstellung au» fern Opernhause Herbeirusen könntest, den hättest du ebenso ungläubig ange­sehen." Ünb nun hat Dalier die Männer ge­sunden, die seinen Theorien den Weg in die Praxis geebnet haben: Das erste Raketenfahrzeug

für die Unterhaltung der Provinz- st raßen im Ri. 1929 bereit» im Herbst 1928 au vergeben und die hierzu erforderlichen Mittel vereitzustellen, der Beitritt der Provinz Oberhessen zur H e k o g a. wofür 48 000 Mk. bewilligt wurden die Beteiligung der Provinz an fern Nebenbahnunternehmen Dtr - stein Aartmann»bain mit 25 000 Mk. Kapital; Öle Ablösung der Anleihen der Provinz Oberhessen, deren norluu ige Ge- samfchuld einfchl. Zin en aus 2 853 605.70 Mk. angegeben ist. durch eine Ablösungs­an 1 e i h e (die in 1928 fälligen Beträge machen mindestens 383 967,63 Mk aus) d e Erhebung der vom Provinzialausschuh oorge ebenen Pro - vinzialumlagen und Ausschläge.

Der Rcchenschaskoberichi über bas Wa'lerrorrf Inheiden 1926 wurde glatt genehmigt. Nach diesem Bericht gleichen sich im Rechnungsjahre 1926 die Einnah­men und Ausgaben wie folgt au» Betrieb 856 636,75 Mk.. Vermögen 936 479.08 Mk. 3m Berichtsjahre bezog die Stadt Frankfurt a. M. von dem Wasserwerk 3nheiden 7 438813 Kubikmeter Waller für 836 363.47 Mk. die übri­gen Abnehmer bezogen 161 032 Äublfmcter zu 16 088.71 Mk

Der Voranschlag des Dasierwerks Dnfeiben für Ri 1928 schließt wie solgt ab: Betrieb in Einnahme und Ausgabe mit 835 200 Mk, Vermögen in Einnahme und Ausgabe mit 520 000 Mk Für die Stadt Frankfurt a M. ist eine Wasserlieferung von insgesamt 7 100 000 Kubikmeter zum Preise von 11,25 Pf. je 1 Kubikmeter vorgesehen, so daß sich die Einnahme von Frankfurt aus auf 798 750 Mk. belaufen würde Zur Abgabe an die übrigen Be- Aicljcr sind 350 000 Kubikmeter zu 10 Pf. je rin Kubikmeter = 35 000 Mk vorgesehen. Aus M tt. In des Wasierwerksfonds soll eine Provinzftik - tung in Höhe von 200 000 Mk. errichtet rocricn, für die in diesem Voranschlag die erste Rate mit 50 000 Mk eingesetzt ist: die übrigen Raten mit je 50 000 Mk. sind in 1929, 1930 und 1931 aufzu- bringen. Der Voranschlag wurde gegen 10 Stim­men des Landbundes genehmigt.

Stiftung der Provinz Oberheffen zur Befampfung von volksfeuchen.

Mehrfachen Anregungen Rechnung tragenb, soll auf Grund eines Provinzialauvschußbeschlujfes rine Stiftung zur Bekämpfung von Volks- f e u ch e n , ganz besonders der Tuberkulose, er­richtet werden. Die Aufnahme von Anleihemitteln für diesen Zweck kommt nicht in Frage, das Ka­pital wird vielmehr dem Dasserwerksfonds, der |eiti)er aus Ueberfdjüffen des fffia lerwcrks aesp-nst worden ist, entnommen. Das St! tungskapital bc^ trägt 200000 Mk., je 50 000 Mk. ollen am 1. Ok­tober 1928 bis 1931 aus dem Was erwerksfonds an die Stiftung abgeführt werden. Diele führt den NamenStiftung der Provinz Oberhcsien zur Be- fampfung von Volksfeuchen-. Die Zinsen des Ka­pitals sollen zur Bekämpfung von Volksseuchen, in erster Linie zur Bekämpfung der Tuberkulose, in Zweiter Linie zur Bekämpfung der Krebskrankheit, verwendet werden. Der ProoinAialtag ftimmte den Vorschlägen des Provinzialausschusfes einstimmig zu. Einige bemerkenswerte Einzelheiten über diese bedeutsame Stiftung werden wir morgen noch bringen.

Meberlanbroerf Oberhessen in Friedberg.

Der Rechnungsabschluß für das Rf. 19 26 wurde ohne Aussprache gutgeheißen. Er schließt ab mit 2 972 835,22 Mk. im Betriebsergeb- nis und mit 10 590 569,03 Mk. im Vermögen. Die Betriebsrechnung vereinnahmte aus dem Strom' verkauf 2 435 982,04 Mk., für den Strombezug hatte sie 855 922,93 Mk. ausgegeben.

Der Voranschlag für daS Rj. 1928 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 3 100 000 Mark ab. Aus dem Stromverkauf werfen ins­gesamt 2 835 000 Mark erwartet, für den Strom­bezug sind 890 000 Mark vorgesehen. Es ent­spann sich bei dieser Beratung eine längere Aus­

ist auf fer Opelrennbahn mit bestem Erfolge gestartet. Der Wagen erreichte nach acht Se­kunden bereits eine Geschwindigkeit von mehr als einhundert Stundenkilometern. Was ist aber der Raketenwagen? Er ist fer erste sichere Schritt zum Raketenflugzeug."

Was einEintänzer^ verdieni.

Der ^Gigolo", der Derusstänzer, fer in Tanz- lokalen die Damen engagiert, ist auch bei an» eine beliebte Erscheinung geworfen. Die Bezahlung erfolgt aber meist durch die Direktion des Lokal», während er in Frankreich darauf angewiesen ist, sich sein Geld bei seinen Kundinnen zu verdienen. 3n den eleganten Dallsälen fer Riviera fordert fer Gigolo eine Dame auf, und wenn fie mit ihm tanzt, so braucht sie zunächst nicht» zu bezahlen, wenn sie aber das zweite Wal seine Aufforderung annimmt, dann ist eS Sitte, dah sie ihm beim Weggehen 100 Frank für seine Dienste gibt Dies geschieht natürlich nicht immer, häufig au» llnfcnntntfl und fo sind die Einkünfte des Ein­tänzers schwankend. 3mmerhin kann es ein De­russtänzer in Monte Carlo auf 1630 Mark die Mache bringen. .ES ist ein gutes Geschäft, aber ein unsicheres", verrät ein solcher Gigolo. .An einem guten Tage gibt man zwei Tanzstunden, die Stunde zu 203 Frank, erhält beim Nachmittags-- tanz je 100 Frank von zwei Damen und vielleicht noch 303 Frank am Abend. Das macht an einem Tage 900 Frank oder 150 Mark. Aber es gibt auch Tage und Abende, an denen man nicht einen Pfennig einnimmt Gin sehr beliebter russischer Tänzer hat in der letzten Saison innerhalb von fünf Monaten 203 COO Frank, allo übet 32 000 Mark verdient Dazu muß man aber schon sehr gut eingeführt sein. Wan bekommt allmählich einen Blick ba*ür, ob eine Dame zahlen wirb oder nicht. Das sieht man schon am Gesicht Aber noch sprechender ist die Art und Weise, wie sie die Aufforderung annimmt, wenn sie mit freudi­gem Lächeln sich zum Tanz erhebt, bann ist alle» richtig und man kann auf eine gute Bezahlung hoffen. Denn sie aber mit gelangweiltem Aus­druck einem folgt, dann weih man schon, daß man seine Zeit umsonst verschwendet.^