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Die Oürerfeier.

Zm Reichstag.

Berlin, 6. April. (WT2.) 2m festlich ge­schmückten Plenarsitzungssaal deZ Reichstags fand heute mittag die von der Gesellschaft für Deutsches Schrifttum veranstaltete Dürer- feier anläßlich des 400. Todestages Dürers statt, an der sich etwa 3V Vereinigungen beteiligten. Vach einigen Chorgesängen schilderte Dr. Her­mann Christians das Wirken und Schaffen des Künstlers, der die Stimme der Seele seines Volkes gewesen fei. Darauf hielt Dr. h. c. W i l- helm Schäfer die Festrede, in der er einen Lieberblick über den künstlerischen Werdegang und das Schaffen Dürers gab. Er schloß mit der Mahnung, den großen Meister, den Führer und Träger der deutschen Kunst, nicht nur zu feiern, sondern auch Hüter seines echt deutschen Wesens und seiner Schätze zu sein. Rezitationen von Dr. Gustav Manz und weitere Vorträge des Chores schlossen die Feier.

An Dürers Grab.

Nürnberg, 6. April. (WB.) Albrecht Dürers Grab auf dem alten Johannes-Friedhof war daS Fiel vieler Tausende von Ver­ehrern seiner großen Kunst. Der bis in die späten Abendstunden dauernde Vorbeimarsch der langen Arche Vesucher Schritt für Schritt und in ehrfurchtsvollem Schweigen gab einen außer­ordentlichen Eindruck von der großen Verehrung des Meisters, an dessen mit Lorbeergewinden und Lorbeerkränzen reich geschmückten Ruhe­stätte sich alsbald Dlumenspende über Vlumen- spenüe als Zeichen dankbarer Gesinnung für Freunde und Erhebung durch Dürers Kunst häuften. Seine Vaterstadt hatte auf dem Rat­haus halbmast geflaggt. Nachmittags um 3Llhr fand eint Gedeickfeier am Grabe statt.

Volksbegehren gegen die mecklenburgische Regierung.

Schwerin, 6. April. (Priv.-Tek.) Nach einer amtlichen Mitteilung ist das vom Landbund gegen die mecklenburgische Staatsregierung be­antragte Volksbegehren auf Anklage beim Staats­gerichtshof wegen rechtswidriger Zu­eignung fremder Gelder nach eingehen­der Prüfung zugelassen. Der Landbund be­gründet feine Anklage damit, daß die mecklen­burgische Regierung nicht berechtigt war, die ihr vom Reich überwiesenen Not­standsgelder erst nach drei Monaten auszuzahlen und diese auf noch rückstän­dige Steuern anzurechnen. Die Ein- zeichnungslisten für das Volksbegehren werden am 22. April geschlossen.

Gegen den Anschluß Waldecks an Preußen.

Kassel. 6. April. (Landespressedienst) Der Kampf gegen den soeben beschlossenen An­schluß Waldecks an Preußen treibt sonderbare Blüten. Der Waldecker Wirtschafts - b u n d, der bereits früher dafür etngetreten war, daß der Anschluß nicht an Hessen-Nassau sondern an Westfalen erfolgte, hat beschlossen, beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Deich eine Nichtigkeitsklage gegen die letzten Daldecker Landtagswahlen vom 17. Mai 1925 etn-ureichen, um auf diese Weise gleichzeitig die Nichtigkeit des von dem Landtag be­schlossenen Anschlußvertrages durchzu­setzen. Die Klage stützt sich darauf, daß das l Wahlgesetz die Rechte der Splitterparteien be­schränkt habe. Da die Hinausschiebung des An- ^fchlusses schwere wirtschaftliche Nachteile für , Waldeck mit sich bringen würde, so hat Landes- ' direkwr Dr. Schmieding dem Wirtschaftsbund mitgeteilt, daß man ihn für den Schaden haftbar machen würde, wenn durch seine Schuld das Inkrafttreten des Anschlußvertrages hinausgeschoben würde.

Reinemachefrauen regieren im Reichstag.

Berlin. 7. April. (Eigene Meldung.) Der Reichstag ist soeben auseinandergegangen und allsogleich hat daS große Reinemachen im Wallotbau seinen Anfang genommen. Vom Keller bis zum Dach wird gelehrt, geschrubbt und gefegt, Malerarbeiten werden ausgeführt und wo es notig war, Renovierungen vorgenommen. Die Büsten und Mauergesimse werden vom Staub bcr_ Arbeitsjahre des vergangenen Reichstages gesäubert. Statt des Heeres der Parlamentarier waltet einHeervon Scheuerfrauen, mit Schrubbern und Besen bewaffnet, ihres Amtes, und hantteren in dem Allerheiligsten der Volks­vertreter. daß es nur so eine Art hat. Ganz ausgefegt von Parlamentariern ist freilich der Reichstag doch noch nicht, denn hin und wieder findet noch einmal irgendeine wichtige Bespre­chung in einem der gerade nicht von der Reine- mochewut betroffenen Fraktionszimmer statt. Auch im technischen Betriebe des Reichstages hat die Rationalisierung bedeutende Fortschritte gemacht: während früher die riesigen Teppiche der Wgndelgänge mit der Hand ausge- klopft werden muhten, sind heute mehrere große eingebaute Dacuummaschinen am Werke, die von 18 Wann bedient werden müssen. Wäh­rend die jetzigen Reinigungsarbeiten gewisser­maßen nur als Vorarbeiten angesehen werden, geht die eigentliche Säuberungsaktion aber erst nach Ostern vonstatten

Aus aller Wett.

Folgenschwerer Gasrohrbruch. vier Tote.

3n Aachen platzte in der vergangenen Nacht gegen 4 Llhr. vermutlich durch Erdsenlung, ein großes Gasrohr. Das Gas drang durch den Keller in das Hails Wiesenstrahe 5 ein und versperrte den in den oberen Stockwerken wohnenden Familie den Ausweg. Lieber zwei i mechanische Leitern wurden mehrere Personen ' ins Freie geschafft. Vier Personen haben ' schwere Gasvergiftungen erlitten. Bei der An- i fahrt der Motorspritze brach das Erdreich plötz- > sich zusammen, und das ausströmende , Das entzündete sich. Die Flammen schlu- ' gen bis über den Nlotorkühler hinweg. Den an- gestrengen Bemühungen der Feuerwehrleute ge­lang es im letzten Moment, eine Erplosion zu verhüten. Wie sich erst in den Morgenstunden herausstellte, ist bei dem Gasrohrbruch das GaS auch in ein Haus. daS dem zunächst betroffenen , Hause Wiesenstrahe 5 gegenübcrliegt ein- > gedrungen. Gegen .11 Llhr wurde man auf hie I

Ser Colmarer Auionoinijlenprozeß.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers'.

Berlin. 7. April. 3n diesen Tagen wird endlich der von allen Seiten mit größter Span­nung erwartete Prozeß gegen das elsäs­sische Hochverratskomplott beginnen. Aus allen Teilen der Welt haben sich die Pressevertreter angemeldet. Die französischen Blätter, die darauf Hinweisen, daß der Prozeß gegen die 22Hochverräter" im gleichen Saale verhandell werden solle, in dem vor genau einem Jahre der große Sensattonsprozeß Haegy- S>elfei) stattgefunden hat. betonen schon jetzt, daß c'xrankreich mit diesem Prozeß im Elsaß reine Wirtschaft machen wolle. Für ben Prozeß, der im Colmarer Schwurgericht stattfindet, ist zunächst eine Dauer von 14 Tagen vorgesehen. Aus Amerika sollen die Berichterstatter bereits in der kommenden Woche abreifen, um den Ver­handlungen beizuwohnen. Don den Elsässern, gegen die eine Anklage erhoben wurde, sind am Montag neun Pers onen aus der Haft entlassen worden. Unter ihnen ein Bäcker­meister, der nach den Berichten der französischen Zettungen das Kommißbrot für die auio- nomistische Schutztruppe im Mobilmachungsfall hätte liefern sollen, weiter ein Straßburger Fuhr­unternehmer. der seine Lastautomobile für die autonomistische Propaganda überlassen haben sollte und schließlich ein Schreiber, ein Ofensetzer, ein Bankangestellter usw. 15 Ange­klagte befinden sich in Haft und sieben konnten nicht erfaßt werden, da fie im Auslande weilen. Die Anklage spricht von einem Komplott gegen die innere Sicherheit des Staates.

-Unter den 15 Verhafteten befinden sich Dr. 2 i ck l i n, der frühere Präsident des elsaß- lothringischen Landtags, der jetzt die Führung des autvnomistischen elsaß-lothringischen Heimat­bundes inne hat, Prof. R o s f der Führer der Lehrer- und Beamtenschaft, der seinerzeit wegen Unterzeichnung des Heimatbund-Mani­festes seiner Stellung als Mtttelschul-Prvfessor enthoben wurde und seitdem Chefredakieuer des Elsässer Kuriers, des großen Oberelsässischen katholischen Tagblattes ist. Weiter ist der Abbe Fasyauer. Rosses Vorgänger in der Lei­tung des Elsässer Kuriers und einer der geistigen Führer der Heimatbewegung in Haft. Die Namen der übrigen Verhafteten sind Paul Schall, Karl Heil, Rene Hauß, der Sohn des ehe­maligen reichsländischen Staatssekretärs. 2em? Schlegel. Charles Baumann, Joseph Kod­ier, H. R e i s a ch e r, Eugen Würtz, die

Ruhe im Erdgeschoß des Hauses aufmerksam. Man drang ein und fand eine vierköpfige Familie, Vater, Mutter und zwei Töchter im Alter von 18 und 20 Jahren tot auf. Der Vater muß den eindrrngenden Gasgeruch noch toangenommen haben, denn er war in das Schlafzimmer seiner Kinder gegangen, um diese zu retten, und war dort mit einem Mäd­chen auf dem Arm zusammenge­brochen.

Brand im Hasen von Havanna.

Donnerstagnacht um 10 Uhr ist in der Petroleumraffinerie her Standard Oil Company in Regla gegenüber Havanna ein Brand ausgebrochen. Dis jetzt sind 11 bet 102 Rohöltanks der Anlage, die mit einem Auf­wand von 15 Millionen Dollars errichtet wor­den ist, von Feuer zerstört. Es erfolgten mehrere Explosionen. Die Einwohner flüchteten sich an Bord des im Hafen liegenden amerikanischen SchlachtschiffesWyoming" und des kubanischen KriegsschiffesKuba". Da auch der Hafen von dichten Rauchmassen erfüllt war. setzten die Kriegsschiffe ihre Scheinwerfer in Tätigkeit, um den Booten Der Flüchtigen den Weg zu weisem Da weitere Explo­sionen drohten und die flammenden Oelmengen sich auf dem Wasserspiegel des Ha­fens auszubretten begannen, muhten die in der Nähe des Brandplatzes liegenden Schisse ihre Ankerplätze weiter hinaus verlegen. Da im Laufe des Morgens der Wind gedreht hat, hofft man eine Entzündung der übrigen Petroleumstanks, in denen noch etwa drei Millionen Gal­lonen Brenn st offe lagern, verhindern zu können. Es wurden 80 Personen verletzt, darunter elf Matrosen des LinienschiffesWyoming", dessen Mannschaft sich an der Belämpsung des Brandes beteiligt hatte. Der Sachschaden wird bis jetzt auf zwei Millionen Dollar gesetzt.

Empfang deutscher Pädagogen in dec Lolumbia-llniversttök.

Das internationale Institut für Lehrer höherer Schulen an der Columbia-Universität Neuyork veranstaltete einen Empfang für die auf einer Studienreise begriffenen deutschen Pädagogen. Präsident Butler, der die deutschen Gäste be­grüßte. sprach sich für bessere internationale Zu­sammenarbeit der Pädagogen zur Förderung der Weltkultur aus. Professor D e w e y führte aus, daß die mangelnde Zentralisierung des amerifa- nischen Erziehungswesens den deutschen Pädago- gen das gewünschte Studium der amerikanischen Verhältnisse erschwere. Namens der deutschen Gäste danlte Dr. Franz H i l k e r - Berlin und kündigte die Ueberreichtlng einer Sammlung von 500 Werken über deutsches Erziehungs- Wesen als Gabe der deutschen Verleger an.

Therese Neumann.

Der ,Bayerische Kurier" in München bringt über Konnersreuth folgende Mitteilung. 3n der gegenwärtigen Fastenzeit treten bei Therese Neumann die Freitags-Leiden in höchstem Matze auf. Von Freitag zu Freitag steigerte sich die Blutabfonderung. Auch die Wundmale an Hän­den und Füßen bluten, jetzt im Gegensatz zu früheren Zeiten. Die absolute Nahrungslosigkett hält seit Weihnachten 1926 ununterbrochen an. während die Dlutabsonderung am Freitag sich fast verdoppelte.

Der Bau der Zugspihenbahn.

Das bayerische Handelsministerium hat die Ge­ne h m i g u n 8 Zum Ban und Betrieb der Zugspitz­bahn erteilt. Die Urtternehmecgruppe besteht aus der Allgemeinen Lokalbahn und Kraftwerke A.-G. in Berlin, der Bank elektrischer Werte A. G. in Ber­lin und der Süddeutschen Treuhand A.-G. in Mün­chen. Die Bahn soll als Reibunas-und Zahnradbahn von Garmisch-Partenkirchen auf die Platt und non dort als Standseilbahn elektrisch betrieben werden. Die Fahrgäste werden fonad) o b n e il m ft e t g c n von Garmnch-Parten- hrdxn über eibfee zur Station Platt befördert. -Bon hier aus fuhrt fie eine auf Schienen saufende

Schwägerin des Abbe Fashauer. Frau 'Agnes Fashaue r. Marcrl Stürmet Henri S ol- veen, der Führer der elsaß-lothringischen Künst­lergruppe umd schließlich der Geometer Frie­drich Schweitzer. Die im Abwesenheitsver­fahren engen egten Elsässer find der Landesse­kretär des Heimatbundes Dr. Roos, der evangelische Pfarrer Hirtzel, der ehemalige Postdirektvr Pincl, der wegen Komplotts gegen die Sicherheit des Staates zu 7 Jahren Zucht­haus verurteilte, dann nach 28 Monaten des Landes verwiesene Elsässer Rene Cefar Ley. Dr. Ern st. der Herausgeber der Berliner Alt- Elsaß - Lothringischen Monatsschrift Elfah- Lothringen, der vor kurzem im besetzten Gebiet verhaftete, dann vom Mülhauser Llntersuchungs- richter wieder entlassene Eugen Z a d o ck und der Lehrer Joseph Schmidlin.

Die Verteidigung der Angeklagten haben die vier elsässischen Rechtsanwälte 3 a e g l e, Zilliox, Klein und Peter, ferner der be­kannte Pariser kommunistische Anwall B e rthon und der bretonische Advokat F e i 11 e t, eine führende Persönlichkeit in der Autonomiebewe­gung der Bretagne übernommen. Nach der bis­herigen Art der Llntersuchung steht man mit größtem Mißtrauen den bevorstehenden Ver­handlungen im Elsaß gegenüber. Ob Frankreich auf diese Weise zurecht lommen wird, ist sehr fraglich. Hier handelt es sich um einen Kampf, der vor Gericht nicht erledigt werden kann. Die Zeit wird stärker fern als Gerichts­urteile.

Im Gefängnis von Mülhausen.

Köln, 6. April. (TU.) Nach Berichten derÄöln. Bolksztg." haben die von den Franzosen verhafteten Autonomisten eitdlich nach drei Monaten Nähe­res über den Grund ihrer Verhaftung erfahren. Die 50 Seiten umfassende Anklage­schrift wurde ihnen vorgelesen. Hierbei kam es zu einem unliebsamen Zwischenfall, als der ehemalige Landtagspräsident Dr. Ricklin seine Mitgefange­nen, die er noch nie gesehen hatte, in ent­sprechender freundlicher Weise begrüßte. Der Untersuchungsrichter bezeichnete sein Betragen als ungehörig und erteilte ihm eine Rüge. Es soll sich ferner herausgestellt haben, daß die Gefangenen während der ganzen Dauer ihrer Haft keinem Gottesdienst beiwohnen durften, obgleich sie mehrfach darum gebeten hatten und ein Geist­licher sich unter ihnen befindet.

Seilbahn zum Gipfel der Zugspitze. Bei der Sta­tion Platt ist die Errichtung eines Gast­hofes geplant. Mil , den Arbeiten soll noch in diesem Fahre begonnen' werden. Die Bauzeit ist auf etwa drei Fahre geschätzt.

Slrasaussehung für einen zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilten.

Das preußische Justizministerium hat den ehe­maligen Hilfsgendarmen D u j a r d i n. der im Jahre 1919 unter der Anklage der Ermor­dung des Gutsbesitzers 3 a q u e t vor dem 3nsterburger Schwurgericht gestanden hatte, und zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden war, für die Dauer von einem 3ahr aus der Sttafhast beurlaubt, um ihm Gelegenheit zu geben, das Wieder­aufnahmeverfahren frei und ungehindert zu betreiben. Dujardin hat sich während der neun Fahre, die er bis jetzt im Zuchthaus ver­brachte. mit Hilfe seines Verteidigers, des Rechts­anwalts Schönberg-Tilsit, beständig bemüht, ein Wiederaufnahmerverfahren durchzusetz^n. Zwei dahingehende Anträge waren vom Landgericht abgelehnt worden, weil dieses die von der Strafprozehordnung hierzu geforderte ^Bei­bringung neuer Tatsachen" nicht als gegeben ansah. Der Verteidiger wandte sich an das preußische Innenministerium, das die Akten einforderte und sie durch den kriminalistischen Sachbearbeiter des Ministeriums, Regierungs- und Kriminalrat Dr. Kopp, bearbeiten lieh. Dr. Kopp legte in einem Gutachten dar. daß im Ermittlungsverfahren, das ohne Hinzuziehung eines Kriminalbeamten durch das zuständige länd­liche Amtsgericht vorgenommen worden war, grobe Llnterlass ungen und Fehler begangen worden seien, und daß unzweifelhaft ein Fehlurteil vorliege. Auf Grund dieses Gutachtens hat das 3ustizministerium unter erst­maliger Abweichung von der bisherigen Praxis die Strafaussetzung verfugt.

Schwere Folgen jugendlichen Htbermuteß.

3n Friedland iMecklenburg) brach der Maurer Dörnbach, als er aus einer Kammer Baugeräte holen wollte, beim Anlassen des Türdrückers plötzlich tot zusammen. Der Stellmacher Zimmermann und der Statthalter Johanns, die dem Verunglückten zu Hilfe eilen wollten, wurden beim Berühren des Drückers von einem elektrischen Schlag ge­troffen und trugen Verbrennungen an den Händen davon. Die an der Llnfallstelle erschie­nene Gerichtslvmmissum stellte fest, daß von einigen Knaben im Alter von 10 bis 14 Jahren die Lichtleitung mit dem Türdrücker verbunden worden war, nm den Maurer zu erschrecken. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und drei Kinder.

Lin 14jähriges Mädchen von Einbrechern entführt.

3n der Nacht erschienen auf dem Berliner Grundstück Dadstraße 34 etwa 10 vermummte Gestalten und entführten die 14jährige Toch­ter des Portiers Wagner, die seither spurlos verschwunden ist. Die Tochter des Portiers soll schon seit längerer Zeit zu einer Sin- brecherbande enge Beziehungen unterhalten und erst kürzlich bei einem Villeneinbruch a 1S Aufpasserin gedient haben. Das Kind sollte vom Vater am Mittwoch in Fürsorgeerzie­hung gebracht werden und wurde streng bewacht, weil man wußte, daß sie sich mit Fluchtgedanken trua. Als die Männer, bei denen es sich ver­mutlich um die Einbrecherbande handelt, nachts auf bisher noch ungeklärte Weise in das Haus eingedrungen waren, stieg einer von ihnen auf das Dach und half dem Mädchen an einem Sell auf den Hof des Nachbargrund stückes hinabzu- Efetteni. 3nzwifchen war der Vater feiner Tochter nachgeeilt, muhte aber die Verfolgung einstellen, da die Verführer ihn mit Revolvern be­drohten. Die polizeilichen Srmitllungen nadf dem Verbleib des Mädchens find bisher ergeb­nislos oer laufen

Aus der provinzialhoupistadl.

Gießen, den 7. April 1928.

Ostern.

Es war ein Vortrag ungesagt worden über das Thema ,Das Leben nach dem Tode." Ser Redner hxtr als ein ernsthafter Mann bekannt, darum hatten sich diele in dem Versammlungs­räume eingefunden. Feierliches Harmoniumspiel leitete die Veranstaltung ein. der Vorttagende entwickelte in ruhiger Weise feine Gedanken. Er ging von dem Gegensätze zwischen dem Dies­seits und dem Jenseits aus und stellte fest, daß es nach der Ansicht vieler zwischen diesen beiden Welten eine Scheidewand gäbe, die die Menschen gern durchdringen möchten.Es sind viele", so führte er aus.die hierbei zu dem modernen Aberglauben ihre Zuflucht nehmen und durch den Spiritismus oder das sogenannte Hellsehen ihr Ziel zu erreichen suchen Doch, das sind müßige und verwerfliche Spielereien. Die Wahrheit ist, daß es ein 3enseits über­haupt nicht gibt, der Glaube atueirte jenseitige Welt ist ans dem Wunsche des Nkenschen her- vorgegangen, der sich gegen die Vernichtung sträubt und aus feiner Phantasie heraus sich eine zukünftige Welt gestaltet, in der alle Er­denmängel aufgehoben sind. Wit dem Lode -ist alles aus. Für den. der sich zu dieser Erkenntnis vurchgerungen hat. ist die Scheidewand gefallen, ist der Vorhang weggezogen, denn hinter diesem steht einfach das Nichts. Es gibt ein Leben nach dem Tode, aber nur in dem Sinne, daß andere nach unserem Tode leben. Weil das der Fall ist, so muß es Aufgabe der jetzt noch im Son­nenlichte dahinfchrettenden Menschheit fein, alles auf Erden gut und weise einzurichten, die kom­menden schönen Zeiten, gewissermaßen dos gol­dene Zeitalter, von dem dir Griechen geredet haben, vorzubereiten, damit einmal Friede. Liebe. Gerechtigkeit. Vollkommenheit auf der Erde sind und die zukünftigen Geschlechter daS Glück haben, das uns versagt ist." Harmoniumspiel folgte dem Vortrag, die Zuhörer gingen still und. wie es schien, bedrückt aufeinander.

Was dieser Redner sagte, ist scheinbar sehr einfach und sonnenklar, gegen seine Ausführungen erheben sich aber sofort die stärksten Einwen­dungen. Gegen den Gedanken an das Nicht- im Jenseits tritt ein sehr bedeutungsvoller Zeuge auf. das ist die Geschichte. Sic bezeugt, daß Völker ohne Ewigkeitshoffnung keineswegs eine zukünftige goldene Zeit herauf führen, sondern daß sie untergeben. Die Römer waren in der Kaiser- zeit ein geistig hochentwickeltes Volk, sie beherrsch­ten den damals bekannten Erdkreis. Alles war bei ihnen auf das Diesseits gegründet, übet den Glauben an das Jenseits lachte man. tn Dom, in Mantua und in Kalabrien. Die Folge war eine grenzenlose moralische Verwilderung. Der Historiker Ludwig Friedländer entwirft von dieser Verderbnis ein erschütterndes Bild. 3n allen italienischen Städten, vorab in Rom. ein Heer ovn Stellensäacrn, Bettlern. Erbschleichern. Astrologen. DaS Volk war nur zufrieden bei schwelgerischen Gostmahlern und bei Zirkus­spielen. wo eine wilde taufendköpfige, essende, trinkende, lachende, rafende Menge zusah, wie unglückliche Kriegsgefangene gegeneinander kämv- fen mußten. Die Sittengeschichte Roms ist ein Kommentar zur Offenbarung Johannis, und zwar zu den Stellen dieses biblischen Buche», die von den sieben Engeln berichten, die tn die Posaune stoßen, woraus Haael, Feuer. Blut und Finsternis auf die Erde fallen und Hunger, Krieg und Pestilenz die Menschheit vernichten. 3n diese Welt trat das Christentum ein als eine alles überwindende, sieghafte Macht. WaS der jungen Bewegung den Sieg gab, sagt Pau­lus, der im 3ahre 61 nach Italien kamHoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, je find wir die elendesten unter allen Menfchc a. Nun aber ist Christus auferstanden von den To­ten. . . . So die Toten nicht auferstehen, lasfet uns essen und trinken,- denn morgen sind wir tot. . . . Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unseren Herrn Iesum Christum."

Nur der Glaube an die Auferstehung Jesu ovn den Toten und die damit zusammenhängende Hoffnung des ewigen Lebens gab dem Christen­tum den gewaltigsten Impuls, den die Weltge­schichte kennt. Dieser Glaube hat die Jünger Jesu, denen seine Auferstehung zuerst ein .Mär­lein" dünkte, allmählich ergriffen. Aus den bib­lischen Berichten geht d utlich hervor, daß sich nach der Kreuzigung auf Golgatha etwas Großes zugetvagen hat. das die Junger gänzlich um- wandelte. eine Llmwandluna, die sie auf die Gewißheit zurückführten, dar ihr Meister nicht ohne den Glauben an eine Fortdauer der Seele im Tode geblieben sei. Ohne diese Gewißheit, nach dem Tode gibt es keinen wahren 'Fort­schritt, gibt es kein selbstloses Streben auf der Welt. Ohne diesen Glauben wären die Menschen die elendesten Geschöpfe unter der Sonne: denn es gibt keinen größeren Schmerz als den um einen geliebten Toten, und kein stärkeres Grauen als das, im Tode wesenlos dahinzufähren. Der Vorhang zwischen Diesseits und Jenseits ist in der Tat weggczogen, aber nur durch Jesus und feine Auferstehung, die die Christen in den Tagen des beginnenden Frühlings, am Oster­feste mit Dank und Freude feiern. H. B.

Internationales Schachturnier in Gießen.

Karfreitag wurde die erste Runde im Meister­turnier zu Gießen gespielt. Sämtliche Partien fanden ihre Erledigung. Dr. Ära em er Der eine Vertreter deS Gießener Schachclubs brachte bereits nach zehn Zügen gegen Dr. Tarta- ko w e r in einer indischen Partie ein völlig Verfalles Figurenopfer, woraus er nach 31 Zü­gen die Waffen strecken mußte. Im Gegensätze hierzu konnte der andere Gießener Vertreter Dr. Bechstedt gegen Frhr. v. Holzhausen im 22. Zuge ein auf mehrere Züge ausgerechnetes glänzendes Figurenopser anbringen; bereits im 28. Zuge gab Herr v. Holzhausen die unhaltbare Position auf.

Der Wie er Krnoch to:.lc gegen Orbach als Weißer die spanische Partte und erhielt einen äußerst starken Angriff; in beiderseitiger größter Zettnot brachte er icdvch ein verfehltes Figuren­opfer. Nach einer lleinen Differenz wegen Zeit­überschreitung einigten sich beide Gegner auf Remis.

Eine äußerst verwickelte Partie war die von S ä m i s ch gegen R i H 3n einer Damen-indischen Partte eroberte Eämisch einen Bauern; im wei­teren Verlauf gewann Ritt die Qualität, konnte jedoch bei der nun einsetzenden umsichtigen Der-