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Nr. 57 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften) Mittwoch, 7. März 1928

Aus der Wett des Films.

Vom sprechenden Film. |

Von Frank Warschauer.

Es ist merkwürdig, wie rasch man sich technischen Dingen gegenüber an gewisse Mängel gewohnt, wenn man sie für-unabänderlich hält, und sic außer­dem regelmäßig in einigermaßen geschickter Weise verdeckt werden. Wer häufig Grammophon hört, wird allmählich die dabei auftretenden Nebenge­räusche überhaupt nicht mehr bemerken, und beim Rundfunk geht es den meisten ebenso. Ebenso kommt es den Kinobesuchern heutzutage gar nicht mehr zum Bewußtsein, daß der Film, das lebende Bild, noch eine verhältnismäßig recht unvollkommene Er­findung ist. Nur, wenn man einen der Versuche ge­sehen hat, Filme in natürlichen Farben herzustel- len, hat man wieder eine Zeit lang ein Gefühl da­für, daß die Schwarzweiß-Reproduktion doch eigent­lich nur einen notdürftigen Ersaß darstellt. Und den zweiten wesentlichen Mangel des Films, seine Stummheit, empfindet man für gewöhnlich auch nicht mehr als störend, so sehr hat man sich an die Begleitung der pantominischen Vorgänge durch mu sikalische Illustration gewöhnt.

Erst wenn man einmal Gelegenheit hat, einen Film im Vorführungsraum lautlos, nur von dem leisen Surren des Dorführungsapparates begleitet, abrollen zu sehen, dann wird man sich wieder dar über klar, daß hier Menschen und Geschehnisse nicht in ihrer vollen Realität wieder gegeben sind, son­dern nur in dem, was an ihnen sichtbar ist. Dann empfängt man von dieser eiligen Lebendigkeit, die­sem Sprechen und Gestikulieren, ohne daß ein Wort herauskommt, dieser ganzen Welt der Klanglosig­keit, den geisterhaften Eindruck, den man sonst schon vergessen hatte.

Warum ist nun der Film eigentlich stumm? An sich ist es ja ebenso gut möglich, Schallvorgänge festzuhalten und zu reproduzieren, wie optische. Man kann einen redenden Menschen photographieren oder filmen und man kann zugleich seine Worte auf Schallplatten fixieren, so daß sie nachher verhält­nismäßig naturgetreu wiederzugeben sind. Man sollte also meinen, daß die Vereinigung dieser beiden Vorgänge verhältnismäßig einfach fei. Dem ist aber nicht so.

Zwei Schwierigkeiten haben bis vor kurzem die Entwicklung des sprechenden Films gehemmt. Die erste liegt in der allmählichen Entwicklung und Ver­wandlung der Aufnahmetechnik dos Schalles be­gründet. So lange ganz besondere Voraussetzungen für Schallplattenaufnahmen gegeben fein mußten, so lange die Darbietungen, die festgehalten werden sollten, unmittelbar vor einem Trichter ftattfinben mußten, war die Bewegungsfreiheit der Künstler derart gehemmt, daß sich hierdurch schon kaum über- windliche Hindernisse ergaben. Erst seitdem es mög­lich ist, jeden beliebigen Schallvorgang, ganz gleich von welcher Stelle er ausgeht, mit Hilfe eines Mi­krophons entweder, wie es im Rundfunk geschieht, auf Entfernungen weiterzugeben, aber aber, wie in der Schallplattentechnik, naturgetreu festzuhalten, finb die praktischen Vorbedingungen geschaffen, welche die Entwicklung des sprechenden Films er­möglichen.

Die zweite Schwierigkeit besteht darin, eine Apparatur zu schaffen, die Schall und Bild gleich­zeitig aufnimmt und sie auch gleichzeitig reprodu­ziert, so daß man wirklich die Illusion hat, als ginge der Schall von dem nunmehr wirklichlebenden" Bild aus. Denkt man etwa an das oben erwähnte Beispiel, so kann man zwar von einer sprechenden Person sowohl eine Filmaufnahme als auch eine Schallplattenaufnahme machen, ja sogar beides zu gleicher Zeit; aber nun wird es sich darum handeln, diese beiden verschiedenen Aufnahmen so haarscharf zur Deckung zu bringen, daß keinerlei zeitliche Diffe-

Der alte Fritz."

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Dies ist nun also, wenn man so will, dve Fortsetzung des vielgliedrigen SchauspielsFri- Dericus Rex", mit dem Czereph seinerzeit einen durchaus begründeten Erfolg hatte. Gerhard Lamprecht inszeniert nun ein Schauspiel Der alte Fritz" und knüpft chronologisch un­gefähr dort an, wo jener aufhörte. Der erste Teil dieses großangelegten Schauspieles, den wir hier sahen, heißtFriede" und klingt damit aus, daß der König sein Testament niederschreibt. Wenn man, hinausgehend, das Ganze noch ein­mal überblickt, wird einem ein wenig bange, was denn der zweite Teil dieses Altersschau­spieles noch werde bringen können, und man muß sogleich leidenschaftslos feststellen: den hin­reißenden Schwung und die große Lime des Friderieus" hat dieser Film vom Alten Fritz ni@r kann das auch nicht haben. Man muh. alles, was Lamprecht und seine Mitarbeiter ge­leistet haben, von den ungeheuren Schwrerrg- f eit en aus beurteilen, die im Stoff begründet liegen. (Richt in den Massen, im Kostüm, im technischen Beiwerk, im Historienstil: berglettecn bewältigt man heute ohne große Mühe.) Aber: für denFriderieus" war eine Fülle von Hand­lungselementen gegeben, Spiel und Widerspiel, erst mit Friedrich Wilhelm, dann mit der großen Koalition auf der Gegenseite. Es war leicht, hieraus ein Film drama, fortlaufende Hand­lung innere Bewegung, äußeres Tempo zu scyaf- fen. 'Das fehlt hier ganz. Man sieht die Gren­zen die Schwierigkeiten, oft sogar die Unmöglich- feit auf der stummen Leinwand, in lebendigen Bildern darzu st eilen, was nach den Jahren der Jugend und des großen Kampfes kommen " Dergleichen kann, wenn überhaupt, bildhaft nur schwach und andeutungsweise erfaßt und vermittelt werden. Um das ganze Ausmaß der künstlerischen Ausgabe zu, begreifen, muß man etwa vergleichen, wie Walter von Mv l o, der Dichter, mit seinen Mitteln sich um das Pro­blem bemüht hat.

Die natürliche Folge für den Film, es entsteht ein Mosaik von kleinen und kleinsten Bllderir, Ausschnitten, Episoden, Anekdoten, in pomnlttstl- scher Manier aneinandergeseht: ost ohne innere Bindung und gelegentlich unter Heranziehung von Elementen, die mit dem Hauptthema nur oberflächlich zusammenhängen. (Hierher gehört

Konturrentin Gloria Swan- Tod. Alnd das kam so: eines lali°

Hollywooder s o n wie den

Ich."

Da platzte was soll ich

Sie? Sie

ner (Prinzessin Amalie) und Dina G ra 11 a . als Wilhelmine Enke. Eine glatte Fehlbesetzung ist Holger-Madsen (Ziethen), der in der Maske unmöglich wirkt. Gut und stimmungs­voll ist die stilsicher zufammengestellte Begleit­musik. r

künstlerisch ein schwieriges Problem barstellt, ersetzt werben. Die Willkür des Kapellmeisters bei der Be­gleitung bes Films wäre ausgeschaltet.

Wenn bann ber Film sprechen, singen, Musik machen kann, wenn er in nicht allzuserner Zeit auch farbig unb plastisch sein wirb erst bann wirb man mit Recht von einemlebenben Bild" sprechen können.

Wohl wahnsinnig geworden?! Ich bin doch Schauspieler und hab vom Schreiben keinen Tau!"

Gar nicht nötig. Ich weiß schon Bescheid."

Ich habe doch keine Einfälle!"

Macht nichts, die hab' ich."

Alnd teer macht denn das Szenarium?"

Ich, natürlich."

Die Handlung?"

Ich."

Das Drehbuch?"

Auch ich."

Die Titel?"

Iannings vor Zorn:Berdammt, denn an diesem Film machen?" zahlen die Eiscreme!"

3m Auto auf der Löivenfilmjagd.

Hm einen Film von dem Alltagsleben der Löwen herzustellen, brach der englische For­schungsreisende Denhs Finch Hatton mit zwei Begleitern von Rairobi aus auf, und es ist ihm geglückt, den König der Tiere mit der Kamera so eingehend und in so intimer Weise zu beob­achten, wie es vorher nie gelungen war. Er be-1 diente sich zu diesem Zwecke des Kraftwagens. Wir wußten aus früheren Erfahrungen," be­richtet er in derTimes",wie unendlich schwer es ist, nahe genug an die Löwen zu Fuß heran­zukommen, und mein Gedanke war, daß Löwen, die vorher niemals ein Auto gesehen hatten, diese seltsame Erscheinung nicht mit dem Men­schen in Zusammenhang bringen und daher ein näheres Herankommen auf diesem Wege ge­statten würden. Wir befestigten also einen Auf­nahmeapparat an den Vordersitz des Wagens, links vom Führer, und hinter den Kameramann setzten wir einen mit einem Gewehr bewaffneten Jäger, der sofort eingreifen sollte, wenn die Sache gefährlich werden könnte." So ausgerüstet, ging nun die Fahrt los. Reben großen Herden von Zebras, Antilopen und anderen Tieren trafen sie- in den vierzehn Tagen ihrer Fahrt auf nicht weniger als 70 Löwen, und zwar in den verschiedensten Gruppen, bald mehrere Familien zusammen, bald nur eine Familie und Einzel­gänger.Die größte Zahl, die wir zusammen sahen," erzählt der Löwensilmjäger,brsiand aus einer Truppe von elf Löwinnen mit einem ein­zigen männlichen Tier unter ihnen. Aber wir konnten nicht nahe genug an sie herankommen. Um so besser glückte uns dies bei zwei Löwen und zwei Löwinnen, die auf einem völlig un­bedeckten großen Ameisenhügel ausruhten. Wir kamen glücklich bis auf 200 Fuß heran und dankten Gott für die heiße Mittagssonne, in der die riesigen Tiere schläfrig hindösten. So konnten wir diese Löwcn vier Stunden lang in den verschiedensten Stellungen aufnehmen, und zwar in Entfernungen von 50 Meter bis zu 70 Fuß. Während dieser Zeit bekamen wir einen Film von einer Löwin, die einen erfolglosen Versuch macht, einige Gazellen anzugreifen, wäh-

Cmil Iannings,

the gennan giant, berdeutsche Riese", wie sie ihn in Amerika nennen, kam nach Hollywood. Gleich am ersten Tag sprach ihn ein etwas ver­kommener Mann an, dessen breite Lavalliere- Krawatte nicht recht nach AI. S. A. paßte. Richtig, ber Mann war deutscher Film-Dichter, vor drei Jahren, ber heillosen Stagnation halber, aus der Friedrichstraße nach Los Angeles emigriert.

Wissen Sie was. Herr Iannings. ich habe einen herrlichen Einfall. Wir gehen in Wilms Konditorei, trinken eine Eiscreme und schreiben gemeinsam ein FilmManuskript!"

z. D. die breit ausgesponnene Eheaffäre des Thronfolgers.) Es ist also zu sagen, daß von einer völligen Gestaltung des großen Motivs keine Rede ist in diesem Film, daß dergleichen mit Mitteln des Films überhaupt nicht oder nur sehr bedingt gestaltet werden kann. Die innere Verbindung der Einzelbilder bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen: auf ihn kommt es an, er muß versuchen, vom äußeren Eindruck ins Innere vorzudringen, die Einzelbilder zum Ge- samtpanorama eines Jahrhunderts, eines Stils, einer geistigen Welt zusammenzuschliehen, die Hintergründe kultureller und politischer Art in das Ganze einzuordnen, aus winzigen Teilchen das überlebensgroße Bild der rätselhaften und bewunderungswürdi'en Konigsgestalt zusammen- zusehen.

Man kann die Schwierigkeiten würdigen und braucht die Alnzulänglichkeiten des Werks nicht zu übersehen, um anzuerkennen, was hier an unbestrittenen und unbestreitbaren Werten ge­leistet wurde. Was aus dem für den Film­regisseur reichlich unergiebigen Thema Friede' an lebendigen Bildelementen herauszuholen war, ist erfaßt und zusammengetragen samt allem Beiwerk, Vorspiel und episodischer Ausschmückung: Friedensschluß. Einzug, Wiedersehen, Ausbau und Wiedergutmachung: die gewaltige Kulturarbeit desinneren Königs in den Friedensjahren bat man auszuschöpsen oder wenigstens anzudeuten versucht. Steuererlaß. Bankgründung, Jndustrie- hilse, Inspektionsreise, diplomatische Schlichtung, Familienregiment. Dazwischen finden sich rem lyrische Bilder, die in ihrer starken Stimmung und Lebensnähe zum Besten zählen, was der Film bietet: Wiedersehen mit Sanssouci, Ab­schied von der Flöte, die Tafelrunde und das Konzert, wofür die berühmten Gemälde Menzels eine sehr glücklich benutzte Vorlage boten.

Unübertrefflich wird wiederum, wie im £tiuce ricus", die Königsgestalt von Otto Gebühr verkörpert. Er leistet in der Maske, im körper­lichen Almtifi, in Blick, Mienenspiel, Geste unb Gang das Vollkommenste, was man von einer historischen Figur erwarten kann: eine ausge­zeichnete Darstellung: was dagegen vorgebracht wird, kann nur kleinlichster politischer oder per­sönlicher Animosität entspringen.

Alm ihn herum ein Riesenpersonal von großen­teils wenig oder gar nicht bekannten Darstellern. Von ihnen sind etwa zu erwähnen Stern und Reise, die als Keith unb d'Argens seht gute Figur machen; ferner Reissig (Prinz Hein­rich). Klockow (Friedrich Wilhelm), Prasch- Grevenberg (Frau von Camas), Elsa W a g-

ErnstLubitsch

wurde einmal von einem Girlchen um ein Enga­gement angegangen.

Zeigen Sie Ihre Beine!"

Verschämt zog sie den Rock über das linke

Knie. /

Lubitsch laute an seiner Henry Clay:Sehr nett. Das andere Bein, bitte."

Da begann das Girlchen sich zu zieren: «Sieht ebenso aus."

Lubitsch sprang vom Stuhl:Ebenso? Sie sind engagiert. Für meinen nächsten Film ,Das Mädel mit den zwei linken Beinen'!"

Buster Keaton, der Göttliche, fuhr über Weihnachten nach Alabama, in seinen Heimatsstaat. Es er­eignete sich auf dieser Fahrt, daß Buster auf einer Station aus dem Fenster guckte. Ein Mädchen trat auf ihn zu, sah ihm lange in die großen, ach so milden Augen unb fragte endlich:Verzeihen, sind Sie nicht Buster Keaton?"

Bustie, glücklich ob solcher Popularität hat er sich doch niemals träumen lassen, daß man

AchtungAufnahmelos!

Geschichten rund um die Filmstars.

Don Zunny Boy.

renz zwischen ihnen besteht, baß vielmehr, wie ber Techniker sich ausbrückt, eine einwandfreieSyn­chronisierung" besteht.

Der scheinbar einfachste Weg, dies auf mechanische Weise zu erreichen, unb zugleich Schallplatten so ab- laufen zu lassen, baß Uebergänge von einer Platte zur anbern unb bereu Wechsel überhaupt nicht be­merkbar wirb, ist gcrabe in ber letzten Zeit wieder mit Erfolg begangen worben. Die Versuche haben so günstige Resultate gehabt, baß bie praktische Aus­wertung bieser Methoden von verschiedenen Seiten in Angriff genommen ist.

3m allgemeinen ist jedoch die Entwicklung inso­fern andere Wege gegangen, als zur Auszeichnung des Schalles Illcht bie sonst gebräuchlichen Platten verwandt werben, sonbern Filme. Der moberne Techniker ist ja auch insofern ein Zauberkünstler, als er bie verschiebensten Energien ineinanber ver- roanbcln kann. Aus Schall macht er elektrische Vor­gänge (mit Hilfe bes Mikrophons), diese wiederum kann er mit Hilfe ber Apparate, bie auch bei der Bildübertragungstechnik verwandt werden, in wech­selnde Lichtintensität umsetzen. Dies nun geschieht bei den meisten Verfahren des sprechenden Films: ber Schall wird auf Umwegen gleichsam photo­graphiert unb bie entsprechenden Werte auf einem Filmband festgehalten.

In Deutschland sind vor allem zwei Verfahren dieser Art bekannt geworden. Bei dem ber bänischen Ingenieure Petersen unb Poulsen erfolgt die Aufnahme von Schall unb Bilb getrennt auf zwei verschiedenen Filmen, bie auch bann bei ber Re- probuktion getrennt voneinander laufen. Diese An- orbnung hat jedoch außer verschiedenen Vorteilen auch einen bestimmten Nachteil, an dessen Beseiti- gung zur Zeit intensiv gearbeitet wird. Wenn näm sich während der Vorführung, wie es schon mehr­mals geschehen ist, eines ber beiben Filmbänder reißt, bann ist es nicht mehr möglich, bie zeitliche Ucbereinftimmung zwischen ihnen herzustellen. Dann hört man eine Person fingen, wenn sie auf bem Silbe. schon lange den Mund geschlossen hat, es bellen bie Hunbe, bie man gar nicht mehr sieht unb ähnliches.

Bei anberen Verfahren wird bie Schall- unb Bilbaufnahme auf bem gleichen Film kopiert, ber zu biefeni Zweck bei bem Triergonverfahren etwas verbreitert ist, währenb es eine neue Erfindung des bekannten Amerikaners Lee de Fore ft ermög­licht, hierzu Filme von normaler Breite zu be­nutzen. Es wird hierbei das optische Bild etwas verkleinert, fo daß nm Rande ein schmaler Raum für die Klangaufzeichnungen übrig bleibt.

Die Wiedergabe erfolgt bei allen Verfahren durch Lautsprecher, bie unsichtbar, meist neben ber Film- (einemanb, angebracht finb. Es ist klar, daß bie Fortschritte ber Rabiotechnik hier von entscheiben- bem Wert fein müssen.

Was wirb uns bieser sprechenbe Film bringen unb in welcher Weise wirb hier die technische Ent­wicklung in bie ber bisherigen Ausbrucksformen bes Films eingeorbnet werben? Schon erheben sich Stimmen von Künstlern, bie in bieser Erfindung geradezu eine Gefahr für den Film von heute sehen, der sich gerade aus ber Begrenzung seiner Stumm­heit heraus ben eigenen Stil zu schaffen im Begriff sei. Nun, sicherlich werden bie stummen Filme nicht plötzlich durch bie sprechenben ersetzt werben, um so weniger, als ja dadurch ihr vielleicht größter Vor­zug, nämlich bie Verstänblichkeit in allen Säubern behindert märe. Der sprechenbe Film wirb vielmehr zunächst zwei Anwendungsgebiete finben; einmal bas der Wiedergabe interessanter Tagesvorgänge, wie sie zum Beispiel schon jetzt in Amerika erfolgt. So konnte man dort vor einigen Monaten beu Empfang des Ozeanfliegers Lindbergh durch den Präsidenten Eoolidge im Film nicht nur sehen, son­dern auch gleichzeitig hören, was bei dieser Ge­legenheit gesprochen wurde. Ebenso werden Reise-

filme durch bie Aufnahme interessanter Mussten, Tänze usw. belebt werben.

Und zweitens wird es jetzt möglich sein, eine be­gleitende Musik mit bem stummen Film wirklich organisch unb bis ins einzelne präzis zu oerbinben, wenn biese gleichzeitig im Tonfilm erscheint; da burch würde, sicher in vorläufig vereinzelten Fällen bie bisherige Art ber Filmmusik, bie ja überhaupt

Pv 1 a Regri, die eminent rassige Polin, haßt ihre große

Charlie Chaplin

besuchte mit Harold Lloyd ein Kino, in dem gerade ein großes Lustspiel lief, in der Haupt­rolle: Harold Lloyd. Was Wunder, wenn Ha­rold Lloyd nach der Vorstellung außerordent­lich begierig war. Charlies Airteil über den Film zu hören. Aber Chaplin sagte nicht ein einziges Wort.

Doch als die zwei dann an dem Direktor des Kinos vorbeigingen, wandte sich Charlie Chap­lin gegen ihn und fragte ganz laut:Sagen Sie, Herr Direktor, warum spielen Sie eigentlich keine Lustspiele?"

Alnb Harold Lloyd hat ihn nicht verhauen

renb ihre Gefährtinnen jede Bewegung des Wil­des mit großem Interesse beobachten unb von uns nicht die geringste Rotiz nahmen, die wir nur 30 Meter entfernt waren. Als wir einmal zu nahe herankamen, trug ihnen der Wind eine verdächtige Witterung zu: sie richteten sich dro­hend auf unb blickten mit gespannter Aufmerk­samkeit rings herum nach dein feindlichen Men­schen. Dann aber legten sie sich 400 Meter ent­fernt wieder auf einem Ameisenhügel nieder, und nachdem wir ihnen 10 Minuten Ruhe vergönnt hatten, fuhren wir wieder heran und photo­graphierten sie. Es war klar, daß sie in keiner Weise den Kraftwagen mit dem Menschen in Be­ziehung brachten."

Ein andermal schossen sie eine Antilope und legten sie als Köder aus, um Löwen anzulocken. Wir fuhren mit dem Wagen unter einen Baum, 40 Meter von dem toten Tier, und machten alles für die Filmaufnahme bereit. Wir hatten noch nicht eine Minute gewartet, als eine Löwin erschien, der in einiger Entfernung drei andere Tiere folgten. Mit einem mächtigen Sprung nahm sie von dem Tier Besitz, die andern kamen langsamer nach, und die Mahlzeit begann. Ab und zu erhob sich ein blutbesudeltes Löwen­gesicht und blickte nach dem Wagen, mit dem wir immer näher herangekommen waren. Aber sie liehen ruhig zu, daß wir auf 70 Fuß die nächste Aufnahme von ihnen machten. Rach etwa einer halben Stunde, schienen sie vorläufig ge­sättigt und sanden augenscheinlich die Sonne für ihre vollen Mägen zu heiß. Rach einander trot­teten zwei Löwinnen und der jüngste Löwe da­von und legten sich unter einen schattigen Busch. Der größte Löwe aber blieb bei der Antilope und nahm den nur zur Hälfte aufgefressenen Körper des großen Tieres ins Maul: bann trug er die schwere Last so leicht, wie wenn es ein Hase wäre, unter den Schatten. Auf diese Weise haben wir einen Löwenfilm von einzigartiger Anschaulichkeit gewonnen. Außerdem konnten wir auch das überaus reiche übrige Tierleben mit der Kamera eingehend studieren." Der Verfasser, der den Kraftwagen als Mittel zu Filmauf­nahmen von Tieren so hoch schätzt, hält aber seine Verwendung bei der richtigen Jagd für eine große Gefahr. Denn auf diese Weise werden furchtbare Blutbäder unter dem Großwild ver­anstaltet, besonders auch unter den Löwen. Er verlangt, daß die Jagd auf Löwen und andere seltene Raubtiere Im Kraftwagen unter strengste Strafe gestellt werde, wenn nicht dieses afri­kanische Tier-Paradies seiner interessantesten Be­wohner beraubt werden sott. fb.

sornisch-schönen Tages wurde Pola Regri von einem amerikanischen Reporter interviewt. Zu­gegeben, ber Reporter mag einiges dazugelogen haben, auf jeden Fall aber scheint es mit den Aussagen Pola Regris einiges auf sich gehabt zu haben. Am nächsten Morgen stand also klipp und klar in dem Blatte des betreffenden Re­porters: Pola Regri fürchtet keine Konkurrentin! Weiter: Wenn es eine einzige Schauspielerin unter diesem Himmel gibt, die vom Film so etwas wie einen Dunst hat, bann heißt sie eben Pola Regri! Alnb: Ihre Konkurrentin sei noch nicht geboren.

Run, Gloria Swanson wurde nach der Lektüre dieses Interviews von einem schrecklichen Wein- krampf befallen, ihr Gatte Henry Coudrai de la Falaise drohte mit einer ganzen Serie von Duellen. Coolidge sollte den Streit ber Königin­nen schlichten, in ben Hollywooder Klubs ging es drunter und drüber, mit einem Worte: fuuuuuuurcfitbarer Skandal in Kalifornien.

Ja, als Pola Regri einmal Fred Riblo, dem Den Hur-Regisseur, gegenüber mit aller Be­stimmtheit behauptete, Gloria Swanson sähe einem Pavian ähnlich, da spitzte sich die Lage dergestalt zu, baß sich die Polin nur noch unter Detektivbewachung auf die Straße wagte.

Was ich aber erzählen wollte: kürzlich drehte man einen historischen Film. Pola Regri spielte gewissermaßen eine zweite Jungfrau von Or­leans, ein Heldenmädchen, das an ber Spitze wild tobender Menschenmassen eine Festung er­stürmen sollte.

Der Regisseur brüllte durchs Megaphon: Schreien Sie, Miß Regri, schreien Sie etwas, um Himmels teilten. Sie müssen die Masse mitrexfien. Schreien Sie!"

Ja. was soll ich denn schreien?"

Egal, was. Rur schreien müssen Sie. Meinet­wegen: Gloria Victoria!"

Da'warf sich die Diva in die Brust:Aus­geschlossen. Dann schon lieber: Pola Victoria!"