Ur. 262 Erstes Blatt
178. Jahrgang
Dienstag, 6. November 1928
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MtzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Chefredakteur
Dr Friede. Wilh Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Gange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den An« zeigenteil Kurl hillmann. fämilich in Sieben
poimare und die Linke.
Der radikal-soziale Parteitag.
Paris, 5. Rov. (Eigene Drahtmeldung des ®. QL) Ais Auftakt zu dem Zusammentritt des französischen Parlamentes hat in Angers der Parteitag der radikal-sozialenPar- tei getagt, die bei der augenblicklichen Parteikonstellation der sranzösischen Kammer das Zünglein anderWaage zwis Hen r.cht s u:ib links bildet. Sie ist an sich die stärkste franzö-- sische Partei, aber die Parteien in Frankreich sind anders als bei uns, sie haben keine so feste Disziplin. Aur so ist es möglich, daß ein Teil dieser Partei mit D e r r i o t im Kabinett vertreten ist, lvährend die andere Hälfte, deren geistiger Kopf E a i l l e a u x ist, mit allen Mitteln das Kabinett Poincare bekämpft und zu stürzen sucht. Für einen Auaenblick hat es auch so ausgesehen, als wenn der Parteitag von Angers die Kriegserklärung der Radikal-So- E'en an Poincare bedeuten würde. Das hat not noch in zwölfter Stunde abgedreht. Cail- ix selbst ist dabei nicht in die Erscheinung getreten, er ist klug genug, im Hintergründe zu bleiben: aber er ist doch der Drahtzieher, der einen Vorstoß gegen die Regierung an dem Streit um die Zulassung der Missionsorden aufhängen zu können glaubte, um den kriegerischen Ge.st, der unter Combes die Trennung zwischen Kirche und Staat auf Kosten der Krrche herbeiführte, wieder aufleben zu lassen.
Poincar^, der weiß, daß Caillaux sein gefährlichster Gegner ist. bat diesem Stoß auszuweichen
Die Reparationskonferenz.
Wer wird Sachverständiger?
Berlin, 6. Roo. Die internationale Debatte über die demnächstige neue Reparationskonferenz hat sich nunmehr dahin kondensiert, daß über die Frage: Sachverständige undnichtRegte- rungsbeamte eine ziemliche Klarheit herrscht. Der ursprüngliche französische Widerstand gegen diese These, die sich gerade aus dem ersten Erfolg der Daweskonferenz und den eklatanten Mißerfolgen der oorangegangenen Reparationskonferenzen von London bis Spaa ergab, ist nach den jüngsten Aeußerungen der französischen Presse dadurch beseitigt worden, daß man von deutscher Seite die übrigens selbstverständliche Auffassung zu erkennen gab, wonach auch die verlangten „unabhängigen Sachverständigen" nicht etwa ohne Einvernehmen mitihren Regierungen unb auf eigene Faust über die künftige Gesamtregelung entscheiden sollten. Aber es ist ja klar, daß ein ernannter Regierungsbeamter, der nach bestimmten Befehlen seiner Vorgesetzten zu handeln hätte, nicht die nötige Objektivität mitbringen würde, um an der Ausarbeitung eines Vorschlages mitzuarbeiten, der sich auf die Durchführbarkeit und die Leistungsfähigkeit Deutschlands, nicht aber auf die möglichst weitgespannten Wünsche seiner Auftraggeber zu stützen hätte.
Dies vorausgelchickt, kann man heute ungefähr übersehe,!, auswelchenMännern sich die Konferenz zusammensetzen wird, die über das Schicksal des europäischen Wirtschaftsfriedens — denn um nicht mehr und nicht weniger bandelt es sich! — zu entscheiden haben wird. Von Frankreich aus wird in erster Linie der Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, genannt, dem noch zwei Sachverständige beigegeben werden sollen. Als solche werden die Financiers S a r g e n t und Parmen- t i e r, letzterer Mitglied des Transferkomitees und früher ehrenamtlicher Direktor im französischen Finanzministerium, in zweiter Linie auch der bekannte Bankdirektor Finaly genannt. Von belgischer Seite scheint die Nominierung F r a n - q u i 5 festzustehen: er ist Direktor der Sociäte G6- n^rale de Belgique, war Mitglied der ersten Daweskommission und ist noch Mitglied des Generalrats der Deutschen Reichsbank: er gilt als der eigentliche Schöpfer der belgischen Stabilisierung. Italien wird in erster Linie den Großindustriellen Alberto Pirelli nominieren, der als Präsident der Internationalen Handelskammer und Mitglied der Weltwirtschaftskonferenz wiederholt eine große Rolle gespielt hat, und auch jetzt bereits in Verhandlungen mit Poincarc. als Sprachführer für Italien zur Frage der neuen Reparationskonferenz austritt.
Von englischer Seite ist der Rarne Sir I'osich Stomps genannt worden, der England ebenfalls bereits im ersten Daweskomitce vertreten hat, als Rationalökonom und Statistiker einen großen Ramen hat und als Direktor der Robelwerke eine wirtschaftliche Rolle spielt. Daß Deutschland den Reichsbanlpräsidenten Schacht in erster Linie benennen wird, unterliegt keinem Zweifel: auch ihm werden voraussichtlich zwei Sachverständige aus Finanz- und Wirt« schaftskreisen beigegeben werden. Schließlich wird Amerika, dein durch diese Form die Teilnahme ermöglicht wird, voraussichtlich mindestens einen Beobachter entsenden, wofür Owen D. V o u n g , der ehemalige Stellvertreter und Mitarbeiter des Generals Dawes und der bekannte Bankier Morrow genannt werden.
3m ganzen wird also die Zusammensetzung der Konferenz sehr derjenigen des ersten Dawesaus- schusses ühneln und vorwiegend Persönlichkeiten umfassen, die entweder mit der Ratur der Qluf- gabe bereits seit langem vertraut sind, oder sich doch irgendwie als Mitarbeiter an den finanziellen Wiederaufbauarbeiten Europas einen Ramen gemacht haben. Dieser Rame muh Gewähr dafür bieten, daß ein Höchstmaß von -Unabhängig- feit und Selbständigkeit des Urteils für die Durchführung der großen Aufgabe mitgebracht wird.
Eine Vermittlungsaktion im Cisenkonflikt?
B e r l i n, 6. Roo. (Prio.Tel.)
Die „vofsische Zeitung" meldet aus Essen: Der Termin für die Verhandlungen über die beim Arbeitsgericht in Duisburg eingerelchte Richtig- keitsktage des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen Gruppe ist auf den 16. TI o - oembec festgesetzt worden. Die Gewerkschaften werden voraussichtlich morgen eine Entscheidung darüber fallen, ob eine Gegenklage auf Schadenerfahzahlung eingereicht werden soll. 2Han will versuchen, durch diese Klage, die beim Arbeitsgericht in Essen eingerelcht werden soll, einen früheren Termin für die Verhandlungen zu erhallen.
Die der „Bonoärfs“ aus Bochum meldet, werden allem Anschein nach die nächsten Tage des Kampfes in der Metallindustrie im Zeichen der Vorbereitung einer von dritter Seite ungebahnten vermittlungsaktion stehen. Wie verlautet, steht das Reichsarbeitsministerium sowie das Reichswirtschaftsministerium in engster Fühlung mit den Spitzen der Gewerkschaften und der llnternehmerseite. hier neben sollen offizielle Besprechungen zwischen Führern aus dem Gewerkschaftslager des Zentrums mit der Zentrumspartei nahestehenden Industriellen laufen. Auf weicher Verhandlungsbasis die zuständigen Berliner Instanzen ihre vermittlungsaktion zu führen gedenken, steht noch nicht fest.
Keine ArbeiislofenAiierstühung.
Die Entscheidung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung.
Berlin, 5. Rov. (WTD.) Tlnbeschadet einer Entscheidung im Spruchverfahren hat der Borstand der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- si cherung eingehend die Frage geprüft, ob Arbeitnehmer, die von der Massenentlassung in der nordwestdeutschen Eisenindustrie betroffen sind, Arbeitslosenunterstützung erhalten können. Er muß jedoch diese Frage verneinen. Er betrachtet die Massenentlassung als eine Aussperrung. Arbeitslose, die ausgesperrt sind, dürfen aber nach § 94 des Ar- beitslosenverficherungsgesetzes während der Dauer der Aussperrung keine Arbeitslosenunterstützung erhalten. Dabei ist es nach dem Gesetz unerheblich, ob die Aussperrung unter Tarifbruch erfolgt ist oder nicht. Es ist der Reichsanstalt nach der Fassung und Entstehungsgeschichte verwehrt, die Gründe und Ziele einer Kampfmaßnahme nachzuprüfen und davon die Gewährung oder Derweigerung der Arbeitslosenunterstützung abhängig zu machen. Der Ausschluß des unmittelbaren Kampfrisikos von der Versicherung sollte zugleich die eigene Der- antwortung der Kampfparteien für ihre schwerwiegenden Entschlüsse ungeschwächt lassen.
Die weitere Frage, in welchen Fällen Arbeitnehmer, die durch die Aussperrung mittelbar arbeitslos geworden sind, unterstützt werden dürfen, weil die "Verweigerung der Arbeitslosen
unterstützung eine unbillige Härte war, wird bei dem Umfang des Kampfes eine besondere Bedeutung gewinnen. Da sich die Aussperrung über den Bezirk eines Landesarbeitsamtes hinaus erstreckt, ist der Vorstand selbst, durch zwei unpartei sche Sachverständige verstärkt, für die Entscheidung der einzelnen Fälle zuständig. Soweit durch die Aussperrung mittelbar Kurzarbeit verursacht wird, findet § 94 des Arbeitslosenver icherungsgesctzes nach Ansicht des Vorstandes keine Anwendung. Es darf also vorbehaltlich der Entscheidung im Rechtswege beim Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen Kurzarbeiterunter st ützung gewährt werden.
Die wirischafiüchen Folgen der Aussperrung.
Essen. 5. Rov. (IDIB.) Die Auswirkungen der Aussperrung in der Metallindustrie werden sich beim Bergbau bald zunehmend bemerkbar machen, da 25 bis 35 Prozent der Produktion der Zechen von der Eisenindustrie verbraucht werden. Ans den Zechen der vereinigten Stahlwerke sind bereits Feierschichten eingelegt worden. unb auch im übrigen Bergbau dürsten diese bald folgen. In führenden Kreisen hofft man, mit 1 bis 2 Feierschichten pro Woche auszukommcn.
lieber die Folgen der Aussperrung auf die Roh - ftoffoerforgurfg der verarbeitenden Gewerbe läßt sich vorerst ein sicherer lieberblick nicht ermöglichen. Die vielfach austauchenden Meldungen über eine bereits bestehende Materialknappheit in der verarbeitenden Industrie sind jedoch übertrieben. Es kommen allerdings im allgemeinen, soweit das Aussperrungsgebiet in Betracht zu ziehen ist. für die Dauer des Streikes nur Lieferungen aus Vorräten insoweit in Frage, als sie dem Lagerhandel entstammen. Sollte der Konflikt auch auf die fog. Randgebiete übergreifen und die dortige eigenschaffende Industrie zum (Erliegen bringen, so dürfte allerdings die Frage der Rohstossbelieserung für die verarbeitende Industrie eine solche von erheblicher Bedeutung werden.
Das Ziel der Arbeitgeber.
Erhaltung des Preisniveaus.
Düsseldorf, 5. Rov. (Täl.) Die „Deutsche Dergwcrlszeitung"' bringt in i)rer Diens agaus- gabe ein bemerkenswertes Interview mit dem bekannten Führer der westdeutschen Ci eninöustrie, Direktor Dr. Helmuth Poensgen. Aus die Frage, um welches Ziel die nordwestdeutsche Eisenindustrie kämpfe, antwortete Dr. Poensgen: Wir kämpfen im vollen Bewußtsein un erer Verantwortung gegenüber dec deutschen Wirtschaft für die Aufrechterhaltung des de u t- schen Preisniveaus, für die Rentabilität der Wirtschaft und damit für die gesicherte Weiterführung unfe: er Betriebe. Linser Ziel vst somit ein rein wirtschaftliches und zugleich ein soziales. Derrn nur eine auf ge
sicherter Grundlage rentabel arbeitende Wirtschaft ist in der Lage, den Arbeitern ein angemessenes Auskommen zu gewährleisten. Es handelt sich nicht um irgendein Vorgehen gegen die Staatsautorität oder den Grundgedanken des Schlichtungswesens.
So verhängnisvoll die Wirkungen des Kampfes sein mögen, noch verhängnisvoller wäre es. wollte die deutsche Tlnternehmerschaft trotz klarer Erkenntnis der wirtschaftlichen Zwangsläufigkeiten ihre Hand bieten zu einem weiteren allgemeinen volkswirtschaftlich nicht gerechtfertigten Herauffchrauben der Löhne und Preise. Leider hat die Regierung durch die wider Erwarten erfolgte Verbindlichkeit serk.ärung des Schiedsspruches sich selbst die Möglichkeit zu einem Ausgleich zwischen den Parteien erschwert. Wir Arbeitgeber sind nach wie vor zu jeder Stunde bereit, im Wege unmittelbarer Verhandlungen einen Weg zu einer dauernden Verständigung auf wirtschaftlich tragbarer Grundlage zu suchen.
Eine Entschließung der Evangelischen Arbeitervereine.
Dortmund, 5. Rov. (WD.) Der Verband evangelischer Arbeitervereine von Rheinland und Westfalen hat zum Konflikt in der westdeutschen Eisenindustrie durch folgende Entschließung Stellung genommen: Rach- dem der angesichts der Rotlage dec Me'allarbci- ter gefällte Schiedsspruch für verbindlich erklärt worden ist, muh die Durchführung der Aussperrung von mehr als 200 000 Arbeitern als ein Vorgang angesehen werden, der geltendes Recht und die Staatsautorität zu untergraben geeignet ist. Wie wir bisher jeden unberechtigten Streik verurteilt haben, so erwarten wir von allen gerecht denkenden Menschen, daß sie diese unberechtigte Aussperrung verurteilen. Von dec Reichsregierung erwarten wir, daß sie für Recht und Gerechtigkeit mit aller Entschiedenheit eintritt, damit die dem rhnuisch-westfälischen Industriegebiet und darüber hinaus der Voltsgesamtheit drohenden Gefahren vermieden werden. An die Arbeitgeber richten wir den Appell, daß sie die Volksgemeinschaft nicht stören, sondern auibauen Helsen, älnsere Vereinsmitglieder bitten wir, daß sie in diesem Kampfe die notwendige Ruhe bewahren und mit besonnener Tatkraft für den Sieg des Rechte-s sich einsetzen.
Eine Sympathieerklärung des Deutschnationalen Arbeiierbundes. Berlin, 6. Rov. (Priv.-Tel.) Am Sonntag fand, dem „Iungdeutschen" zu olge, im Preußischen Landtag eine Tagung des Deutschnationalen Arbeiterbundes statt, in der eine Entschließung einstimmig angenommen wurde, in der es heißt: „Die Tagung des Deutschnationalen Arbeiterbundes für Berlin, Brandenburg, Grenzmark spricht den ausgesperrten Metallarbeitern Westdeutschlands ihre volle Sympathie aus und verurteilt das Vorgehen der dortigen Schwereisenindustriellen. Die wahllose Aussperrung von einer Diertelmillion arbeitswilliger Menschen, unter denen sich Zehntausende von Mitgliedern
versucht, indem er schon vorher Herriot einige Konzessionen bei der Zulassung der Missionsorden machte, vornehmlich in der Richtung, daß die Zulassung nicht, wie ursprünglich vorgesehen war, durch Regierungsverordnung, sondern nur im Gesetzeswege erfolgen kann. Den Grundgedanken oiescs Kompromisses hat Herriot auch auf dem Parteitag verteidigt. Er konnte es aber doch nicht verhindern, daß im Ausschuß eine Entschließung mit knapper Mehrheit angenommen wurde, die den sofortigen Rücktritt der vier radikal-sozialistischen Minister aus dem Kabinett Poincars forderte. Der Parteitag selbst hat diese Entschließung nicht angenommen.
Das Kabinett Poincarch das dadurch eigentlich schon in der Luft hing, ist durch die Schwenkung erst einmal wieder geleimt worden. Aber wer weiß, füx wie lange. Denn als Ergänzung dazu hat der Parteiführer Daladier den S o z i a l i st e n ausdrücklich ein Bündnisangebot für die Regierungsbildung gemacht. Richt zum ersten Male. Bisher haben die Sozialisten regelmäßig abgelehnt, und nur dadurch hat sich Poincars bisher gehalten: aber die Stimmung der radikal-sozial:stisä)en Partei läßt doch zum mindesten erkennen, daß Poincars stark an Boden verloren hat, daß das Kabinett der nationalen Einheit nur noch ein Notbehelf ist, der bei der ersten besten Gelegenheit über Bord geworfen wird, sobald die Voraussetzung für die Bildung einer andern Mehrheit gegeben ist.
MjOerheiWmdliche Schulpolitik in SiidslMien. Der neue Bolksschulgcsetzentwurf.
Belgrad, 5. Rov. (WD.) Heute wurde in der Skup'schtina der Wortlaut der Gesetzesvorlage über das Volksschulwesen unter die 2lb- aeordneten »erteilt. Der Entwurf rief unter den Minderheiten große älnzufriedenheit hervor, weil durch das Gesetz die Bestimmungen der diesbezüglich bestehenden Verordnungen, die im Widerspruch mit den Minder- beitspestimmungen der Friedons-
berträge stehen, legalisiert werden. Rach der Vorlage wird es auf dem Gebiete Jugoslawiens überhaupt keine Volksschulen mit der Minderheitssprache als Unterrichtssprache geben. Für die Kinder der Minderheiten werden lediglich Parallelklassen in den Schulen mit slawischer iln- terrichtssprache eingerichtet werden, aber nur in den unteren frier Klassen, da von der fünften Klasse auswärts die älnterrichts- spräche nur die slawische sein darf. 3n den Parallelklassen dxr Minderheiten ist die Unter» richtssprache in Geschichte und Geogra - phie die slawische. Das Gesetz bestimmt ferner, daß Kinder mit slawis chen Ramen nur die slawischen Staaisschulen bzw. -klassen besuchen dürfen. Die Errichtung von Privatschulen wird an besondere Bedingungen gecnüpft.
Die rumänische Krisis.
Tie Bauernpartei fordert Neuwahlen.
Bukarest, 5. Rov. ($11.) Die Nachricht von der Demission des Kabinetts Bratianu hat bei der Bevölkerung großen Jubel ausgelöst. Aus allen Teilen des Landes, besonders aus Siebenbürgen und aus den V.zirken in der Umgebung von Bukarest lausen Meldungen ein, daß in Hunderten von Dörfern Versammlungen stattfinden, die eine Regierung Ollaniu fordern. In zahlreichen Orten wurden die Gebäude der liberalen Partei zerstört.
Bratianu, Averescu, Jorgs und Lupu suchen auf die Regentschaft.in dem Sinne einer Äon» zentrationscegierung einzuwirken. Bratianu will, daß die künftige Regierung wenigstens eine Zeitlang mit dem gegenwärtigen Parlament arbeite, was von Manin glatt abgelehnt wird. Maniu ist bereit, in einer Konzentrationsregierung mitzuarbeiten, wenn sofort Reuwahlen angrseht werden. Die Rationale Bauernpartei, so erklärte er, habe bei allen öffentlichen Kundgebungen und bei den letzten Ergänzungswahlen ihre Popularität bewiesen. Sie fei die einzige "Bartei, die in der
Regierung dem Lande die notwendige politische Entspannung verschaffen und die finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Gegenwart lösen könnte. Eine Konzentrationsregierung würde die politische Lage noch un* übersichtlicher gestalten und infolgedessen nicht mehr Garantien für die Lösung der finanziellen Fragen bieten als die bisherige Regierung. Der Beschluß des Regentschaftsrates über die Kabinettsbildung dürfte nicht vor der für Mittwoch erwarteten Ankunft Titulescus erfolgen.
Dietrichs Agrarprogramm.
Ter Reichsernährungsminister in Stuttgart.
Stuttgart, 5. Rov. (WD.) Dei einem Empfang von Persönlichkeiten der toürttembcrgi* scheu Landwirtschaft machte Reichsernahrungs- minifter Dietrich u. a. folgende Ausführungen: Das Ministerium befindet sich jetzt an einem Wendepunkt. Den Anstoß dazu hat das Rotprogramm des vorigen Jahres gegeben. Dis Ende dieses Jahres werden diese Mittel aufgebraucht sein. Zum großen Teil liegen die Dinge so, daß Maßnahmen besonders auf dem Gebiete der Absatzförderung eingeleitet worden sind, deren Ausbau und zielbewußte Durchführung nach Lage der Dinge noch mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Wir stehen jetzt vor der RotwendiglÄt, eine Reihe von Arbeiten des bisherigen Rotprograrnms auf das „Programm zur Forderung der Produltion und des Absatzes" aus lange Sicht umzu st eilen. Die gegenwärtige Rcichsregierung wird infolgedessen erstmalig im Etat 1929 trotz der gespannten Finanzlage für dieses Programm 20 Millionen Reichsmark zur Verfügung stellen, wobei sie sich bewußt ist, daß diese Summe damit für 5 Jahre feftgetegt wird. Insofern bedeutet der Etat des Jahres 1929 einen völligen Wendepunkt in den Arbeiten des Ministeriums, dessen Tätigkeit sich nunmehr aus lange Sicht und mit beträchtlichen, wenn auch immer noch nicht ausreichenden Mitteln auf den wichtigsten Gebieten der Landwirtschaftsförderung ausdehnen wird.


