Ausgabe 
6.10.1928
 
Einzelbild herunterladen

Kr.256 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (f-berheffen) Samstag, 6. Oktober M8

Achtung, Erkättungl

Don Dr. med. Mosbacher.

Das eherne Naturgesetz, demgemäß im Herbst die Erkältungskrankheiten ihren Einzug zu halten haben, bewahrheitet sich auch in diesem Jahre. Wohin man blickt:Kot? Nasen, niesende, fröstelnde Menschen, feuchte Taschentücher; wohin man hört: Husten, Hatschis und krächzende Stimmen.

11 warum dies alles? Um es gleich vorweg­zunehmen: wir sind heute trotz aller Fortschritte der Wissenschaft von der Lösung des Erkältungs­problems noch weit, weit entfernt. Selbst das Wichtigste für uns: Unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen entsteht eigentlich eine Er- kältungLkrankheck? auch diese Frage ist noch zu beantworten. Mit Abkühlung allein, d. h. mit Kälte an sich, ist's noch nicht getan; sonst mühten ja im Winter die Erkältungskrankheiten kein Ende nehmen; die Erfahrung lehrt aber, dah gerade bei eisiger Kälte die Erkältungskrankheiten keines­wegs sich häufen, sondern dah oft das Gegenteil der Fall ist. Wahrscheinlich und damit be- geben wir uns auf das Glatteis der unzähligen Erkältungstheorien muh zu dein Sinken, oder zu den Wechsel der Außentenipera- tur noch Feuchtigkeit und Wind hinzukommen, damit die Abkühlung zur Erkältung, d. h. zur Schädigung des Organismus führt. Welche Vorgänge sich dabei im Körper abspielen, ent­zieht sich gleichfalls noch unserer Kenntnis. Wir stellen die Erkältungsschäden lediglich durch die daraus folgenden Krankheitserscheinungen fest. Dah es reine Erkältungskatarrhe gibt, ist wohl nicht zu bezweifeln. Viel häufiger jedoch scheinen die Dtnge so zu liegen, daß zunächst die Abwehr­vorrichtungen des Organismus durch die Ab­kühlung geschwächt werden, und dah im Anschluß daran die stets auf den Schleimhäuten im Ruhe­zustand befindlichen Bakterien aktiv werden und Entzündungierscheinungen Hervorrufen. Hier also dürfte es sich um das Zusammenwirken von Abkühlung und Infektion handeln. Schließlich kann man aber auch lediglich durch Infektionserreger als solche zu einem Katarrh der Luftwege kommen, wenn man sich nämlich an einem Erkältungskran lenan st eckt". Wäh­rend, wie gesagt, die große Gruppe der Katarrhe an den Luftwegen Nase, Kehlkopf, Rachen, Luftröhre, Bronchien usw. vorwiegend durch die Mitwirkung von Infektionserregern zustande kommt, dürfte bei der Entstehung der zweiten großen Gruppe von Erkältungskrankheiten, bei den rheumatischen Erkrankungen, die Abkühlung als solche im Vordergründe stehen. Ob zu den Katarrhen der Niere, der Blas« und des Darmes Abkühlungen und Insek.Ionen in gleicher Weis« beitragen, ist zur Zeit noch heftig umstritten.

Wenn auch der ganze Fragenkomplex der Er­kältung noch im Fluß ist, so kann doch aus den wenigen bisher sichergestellten Tatsachen aller­hand für den persönlichen Schutz ent­nommen werden. Es läuft im wesentlichen aus Sicherung gegen Abkühlung und Sicherung gegen Ansteckung hinaus. Wir werden also in dieser Jahreszeit den brüsken Hebergang von heißen, oder gar überhitzten, Räumen ins Freie ver­meiden; wir werden nicht, wenn wir erhitzt sind, die Fenster und Türen aufteihen, und werden nicht im Sprühregen draußen auf dem offenen Vorderperron der elektrischen Dahn stehen kurzum, wir werden uns vor allem scharfen, kalten Zug peinlichst hüten müssen. Wir werden uns nicht auf kalte Steine oder Danke im Freien setzen, oder an kalte Mauern anlehnen dürfen. Wir werden.auch nicht gerade jetzt damit beginnen, bei offenem Fenster gym­nastische Hebungen vorzunehmen, oder bei offenem Fenster zu schlafen. Mit derartigen Abhärtungs- Prozeduren muh in der warmen Jahreszeit an» gefangen werden, damit sich der Organismus an die allmählich immer stärker werdenden Kälte­reize gewöhnen kann. Rur wer schongewöhnt" ist, nur wessen Hautgefäße auf Temperatur­wechsel trainiert sind, nur der kann in der kühlen Jahreszeit seinen Körper unbesorgt der Luft und dem kalten Wasser aussetzen. Aehnliches gilt für die Kleidung. Die Sicherung vor der Infektion ist eher passiver Natur; in­sofern als man in dieser Jahreszeit gegenüber seinen Mitmenschen Distanz halten muh, um so mehr, wenn sie husten und niesen. Vor allem schütze man Säugling und Kleinkind vor kuhwütigen Verwandten. Andererseits ist von den Verschnupften und Hustern unbedingt zu verlangen, dah sie alles tun, um ein Der- sprühen ihrer gefährlichen Keime zu verhüten: Handrücken oder Laichentuch vorhalten, Kopf beim Sprechen, Niesen, Husten abwenden usw.

Mit verhä.t aismäßig einfachen Mitteln ist es also möglich, so manche Erkältungskrankheit von sich und von seiner Umgebung fernzuhalten.

Inserieren, noch und noch!

Don Hans Schrader, Köln.

Natürlich denken Sie solch eine Nieder­schrift ist der Zeitung ganz aus der Seele ge­sprochen; aber ich bin überzeugt, daß auch Sie mir beistimmen werden, wenn Sie sich die Sache einmal nach allen Seiten überlegen. Ihr Inter­esse und das der Zeitung liegen nämlich auf der gleichen Linie.

Warum ist es vorteilhaft, regelmäßig zu inferie'ren? Unter den vielen richtigen Ant­worten, die auf diese Frage gegeben werden könnten, sind zwei von besonderer Deweiskraft.

Die erste Antwort kennen Sie. Sie hängt mit dem Trägheitsgesetz zusammen. Die Men­schen wollen mehrmals gestoßen sein. Einmal ist keinmal.

Aber mit dieser Antwort haben wir des Pu­dels Kern noch nicht ersaht; denn die Wieder­holung allein tuts auch nicht. Auf dieselbe ülrsache reagieren verschiedene Menschen ver­schieden. Ihre Reaktion wird beeinflußt nicht nur nach Berufszugehörigkeit, Temperament, Bildung und Charakter, sondern auch von an sich nebensächlichen Zufällen des Alltags, z. B. ob einer gut oder schlecht geschlafen hat usw.

Wenn man sich alle Möglichkeiten durchdenkt, denen man solcherart machtlos gegenübersteht, dann möchte man schier verzweifeln. Und doch ist es ganz einfach, wie Ihnen ein kleines Experiment beweist, das Sie jeden Tag selbst aussühren können.

Rehmen Sie vier Anzeigen, welche für den gleichen Artikel werben und Ihrer Auffassung nach annähernd gleich gut sind. Legen Sie

Me Wasserversorgung von Klein-Linden.

Don gut unterrichteter Seite erfahren wir Wer diese bedeutsame Frage unseres südlichen Vor­ortes folgendes:

Die Erbauung einer Gemeindewasser­versorgung beschäftigte die Gemeindeverwal­tung von Klein- Linden schon in. den Jah­ren 1917/14. Es waren seinerzeit unter Leitung des Kulturbauamts Gießen Erhebungen im Gange, das erforderliche Wasser unterhalb des Ortes in der Lahnsenke durch die Anlage von Kesselbrunnen zu erschließen und durch ein Pump­werk auf die erforderliche Höhe zu heben. Ver­suchsbohrungen und Beobachtungen der Grund­wasserstände wurden ausgeführt, und auf Grund dieser Beobachtungen an einer für die Erschlie­ßung der erforderlichen Wassermenge und die Anlage des Pumpwerks günstigen Stelle nord­westlich von Klein-Linden zwei Brunnen herge­stellt. Ein mehrtägiger Probepumpbetrieb sollte ergeben, ob die vorhandene Grundwassermenge für die Versorgung der Gemeinde Klein-Linden ausreiche. Die Gemeindeverwaltung konnte sich jedoch damals nicht dazu entschließen, die für diesen Probepumpversuch erforderlichen Mittel zu bewilligen, so daß die Verwirklichung einer Wasserversorgung zunächst unterblieb und dann durch den Ausbruch des Krieges und seine Nach­wirkungen bis im Herbst 1926 ganz ruhte.

Nach Beendigung des Krieges und insbeson­dere nach dem Abschluß der Feldbereinigung setzte eine lebhafte Bautätigkeit an der Frankfurter Straße und im südwestlichen, hoch­gelegenen und neu erschlossenen Bebauungsgebiet von Klein-Linden ein. Da in diesem Gebiet unter der Humusdecke eine starke, sehr zähe und un­durchlässige Lettenschicht ansteht, ist die Anlage von Hausbrunnen sehr erschwert und der Wasser­mangel sehr fühlbar. Durch das Fehlen eines hochgelegenen Geländepunktes ist ein Hochbehäl­ter nicht ohne die Errichtung eines kostspieligen Wafserturmes anzubringen, er ist jedoch bei einem etwaigen Anschluß an das Stadtrohrneh von Gießen nicht notwendig. Da die Stadt Gießen bereit ist, Wasser an die Gemeinde Klein-Linden abzugeben und das eigene Rohr­netz bis zur Gemarkungsgrenze bzw. bis an das erste Haus von Klein-Linden auf ihre Kosten verlängern will, dürfte der Anschluß an Gießen zu empfehlen sein, zumal außerdem mit einer späteren Eingemeindung nach Gießen zu rechnen ist.

Die Versorgung der Gemeinde mit Trink- und Hausgebrauchswasser erfolgt z. Zt. aus mehre­ren Gemeinde-Zich- und Hausbrunnen, die bis zu 20 Meter tief sind. Sie sind teilweise aus Trockenmauerwerk hergestellt und infolge der vielfach bedenklichen Nähe von Miststätten und Iauchegruben Verunreinigungen jeglicher Art ausgesetzt. Eine zeitgemäße Wasserversorgung ist daher ein dringendes Bedürfnis. Die Vorarbei­ten für Wasserleitung und Kanalisation sind nun soweit gediehen, dah im Laufe des kom­menden Winters mit der Ausführung derselben gerechnet werden kann.

Die Kosten für die Wasserleitung, die jährlich für Verzinsung und Tilgung des Bau» kapitals sowie für Unterhaltung der Anlage und zur Deckung der Betriebskosten aufzWrin- gen sind, belaufen sich auf zirka 15 920 Mk., die durch Erhebung von Wassergeld gedeckt werden sollen. Die Baukosten werden auf den Kopf 48,4 Mk. betragen. Bei im Ganzen 330 Haus­anschlüssen berechnet sich das von einer Hofreite im Durchschnitt jährlich aufzubringende Wasser­geld zu 45,4 Mk. oder pro Haushalt 31,40 Mk. Bei einem Jahresverbrauch von etwa 50 300 Kubikmeter stellt sich der Preis für den Kubik­meter Wasser auf 31 Pfennig.

Die Kosten für Kanalisierung, die jähr­lich für Verzinsung und Tilgung des Baukapi­tals, sowie für Unterhaltung der Anlage, Be­dienung und Reinigung usw. aufzubringen sind, belaufen sich auf 20 200 Mk. Bei 336 Däu­

sern, die sich in unserer Gemeinde befinden, wären pro Haus 60 Mk. jährlich aufzubringen. Die Aufbringung ist jedoch in folgender Weise gedacht: a) Durch Erhebung einer Kanalgebühr von monatlich 3 Mk. pro Haus; b) der übrige Betrag wird sich durch Zinsersparnis bei An­erkennung der Ausführung des Objekts als Not­standsarbeiten und Gewährung einer verstärkten Förderung decken.

Nach vorstehender Berechnung würde bei Aus­führung des Baues oer Wasserleitung und Ka­nalisation, abgesehen von dem Teil, der auf den Voranschlag zu übernehmen wäre, eine Familie durchschnittlich aufzubringen haben:

a) Für Wasser.....31,40 Mk.

b) Für Kanalgebühren . . 24, w

insgesamt jährlich 55,40 Mk. oder monatlich 4,60 lieber die durch den Bau des geplanten Ob­jekts den einzelnen Bürgern entstehenden Lasten werden von unberufener Seite Berechnungen auf- gestellt, die jeder Grundlage entbehren, und von denen man ruhig sagen kann, dah sie aus der Luft gegriffen sind. Das Aufbringen der Mittel dürfte doch anderseits in keinem Verhältnis zu den durch die Ausführung der Anlage gewährten Vorteilen stehen, so dah der Gemeinderat für die Ausführung des Objekts eintreten muß, was auch von der über­wiegenden Mehrheit der Bürger unter allen Um­ständen erwartet wird.

Eine eigene Anlage mit Pumpwerk dürfte für die Gemeinde wohl zu kostspielig werden, was aus nachstehender Berechnung zu ersehen ist. Die Baukosten der eigenen Anlage, und zwar Orts­netz, Wasserturm mit Wasserbehäller, Wassersammel­anlage und Pumpwerk nebst Zubehör belaufen sich auf 158 000 Mark. Die jährlich aufzubringenden Kosten für Zinsen und Tilgung, Stromkosten, Ma­schinist und Rohrmeister, Unterhaltung der Anlage, Verrechnung und Erhebung des Wassergeldes usw. belaufen sich auf etwa 21000 Mark. Ein Kubik­meter Wasser stellt sich somit auf rund 4 0 P f. Die Kosten pro Haus im Durchschnitt auf 63 Mark.

Nach Ablauf von etwa 31 Jahren, d. i. nach Tilgung der Baukosten, stellen sich die I a h ° r e s k o st e n bei sonst gleichbleibenden Verhältnissen wie folgt:

I. Anschluß an Gießen.

a) Unterhaltung der Anlage 720 Mk.

b) Verrechnung und Erhebung des

Wassergeldes 810

c) Wassergeld an die Stadt Gießen

50 300 Kubikmeter, ä 10 Pf. 5030

Summe rund 6560 Mk. oder pro Kubikmeter Wasser rund 13 Pfennig.

II. Eigene Anlage mit Pumpwerk, a) Unterhaltung der Anlage X.o. Sj.

von 158 000 Mark 1185 Mk.

b) Abschreibung 510

c) Stromkosten 2176

d) Maschinist und Rohrmcister 800

e) Verrechnung und Erhebung des

Wassergeldes 929

Summe 5600 Mk.

oder pro Kubikmeter Wasser rund 11 Pfennig.

Es würde sich in den nächsten drei Jahr­zehnten ein Kubikmeter Wasser bei eigener Anlage 9 P f. teurer stellen, als beim An­schluß an Gießen. Wenn man bedenkt, daß erst nach 31 Jahren sich ein Kubikmeter Wasser bei eigener Anlage 2 Pf. billiger stellt, so steht heute schon aller Voraussicht nach zu erwarten, daß die Entscheidung zugunsten des An­schlusses an Gießen fällt, da dies zweifellos das Vorteilhafteste ist.

diese vier verschiedenen Anzeigen vier verschie­denen Leuten vor mit der Aufforderung, Ihnen zu sagen, welche die beste Anzeige sei. Sie werden dann die interessante Beobachtung ma­chen, daß jeder eine andere für die beste hält. Nicht nur für die beste, für die einzig rich­tige wird er die von ihm gewählte Anzeige halten, und er wird nicht unterlassen, zu be­haupten, dah die drei anderen Anzeigen ganz wirkungslos seien. So sind die Menschen.

Ich für meinen Teil habe diese Beobachtung schon häufig gemacht und mir daraus eine praktische Lehre gezogen; sie lautet: Cs ist un- rncg ich, wir ungs ol e, n e at: so c bzu assen drß man mit einem Inserat alle Interessenten gleich­zeitig ersaßt. Man kann es eben nicht, allen Leuten recht machen, sondern man wird ver­suchen, heute auf den einen, morgen auf den anderen usw. stärker einzuwirken. So erreicht man im Laufe der Zeit tatsächlich und intensiv alle Käufergruppen, die man zu erreichen wünscht.

Bei diesem System derabwechslungsreichen Wiederholung" überschneiden sich die Wir.ungs- möglich.eiten. Denn einmal kommt man dadurch an sehr viele Menschen heran, die man mit der reinen Repräsentativ'.sanzeige oder der nüch­ternen Ankündigung niemals für den gewünsch­ten Artikel so erwärmen könnte, daß daraus ein Kaufentschluß entsteht (was ja immer das Ent­scheidende ist); zum anderen erreicht man viele Menschen mehrmals von verschiedenen Seiten. Dadurch wird die Wirkung viel besser erreicht, als mit der Methode desoftmals in dieselbe Kerbe hauen" (ein Ausdruck, der in der Wer­bung nur mit Vorsicht angewandt werden sollte).

Warum ist es also zweckmäßig, wiederholt zu inserieren? Weil man durch abwechslungs­reiche Wiederholung und nur dadurch dem Käufer indiviouell nahekommen kann. Sol­che Wiederholungen sind billiger; denn sie meh­ren den Erfolg.

Oie Reichsiagung des Bundes Haus und Schule"

findet, wie bereits berichtet, vom 7. bis 9. O k - tober in Gießen statt. Bedeutsame Vor­träge, die in der heutigen Zeit für weiteste Be- völlerungskreise ernster Beachtung wert sind, werden die Tagung ausfüllen. Am Sonntagabend spricht Pastor W o t t r i ch - Breslau über das Thema:OS ar um h a t das evangelische

Haus heute die entscheidende Be­deutung für unser Volk?" Der Redner berührt mit diesem Thema eine Frage, die für alle evangelischen Männer und Frauen heute und für die Zukunft von größter Wichtigkeit ist. In der gleichen Linie wird der Vortrag des llniversitätsprofessors Dr. H u p f e l d - Rostock am Montagabend über das Thema:Das evangelische Haus und die Bibel" liegen. Wer sich die zahlreichen Verfallserschei­nungen in der heutigen Sitte vergegenwärtigt und mit ernstem Streben auf eine Besserung dieser üblen Zeitverhältnisse bedacht ist, wird in dem Thema dieses Vortrages wertvolle Aus­gangspunkte für sein« persönliche Betätigung fin­den. Am dritten Tage der Reichstagung wird der Gymnasial-D-rektor Prof. Schmidt-Brün­ninghausen über:D a s Eigenrecht des evangelischen Elternhauses gegen­über der absoluten Staatsgewalt" sprechen, ferner wird der Geh. Oberkirchenrat D. Hofstaetter- Magdeburg am gleichen Tage das Thema:Dein Haus, ein Staat, eine Kirche im Kleinen" behandeln. Auch von diesen Vorträgen wird wertvoller Gewinn für die geistige und moralische Wiederaufbau­arbeit an unserem Volke zu erwarten sein. Die Tagung, die als ein Markstein des evangelischen Glaubenslebens und der bewußten evangelischen Arbeit an unserem Volke bezeichnet werden mutz, wird sicherlich das Interesse weiter evangelischer Kreise im ganzen Reiche finden. Man beachte die heutige Anzeige.

Kunst und Wissenschaft.

Herbsttagung

des Verbandes deutscher Geschichtslehrer.

Unter dem Vorsitz von Oberstudiendirektor Reimann - Berlin hielt der V e r b a n d Deutscher Geschichtslehrer in diesen Tagen in Heppenheim eine Sitzung ab, bei der die Rheinprobleme zur Aussprache stehen. Der Vorsitzende betonte in seiner Eröffnungs­ansprache am Donnerstag, daß man nicht be­absichtigte, Politik zu treiben, sondern reine Wissenschaft. Er wies auf die Schicksalsverbun­denheit zwischen besetztem und unbesetztem Ge­biet hin und sprach die Hoffnung aus, daß diese Zusammengehörigkeit ihren lebendigen Aus­druck in den Schulstuben finden möge. Professor Dr. Rühlm ann betonte im Anschluß an diese

Einführungsrede, daß bei allem Bemühen, hier feine Politik zu treiben, man an dem Besät- zungsproblem nicht werde vorübergehen können. Cs sei der Wunsch des Ministers, daß die heutige Jugend bald den Tag erleben möge, an dem der Rhein wieder frei sei. Zur Tages­ordnung sprach als Erster Professor Dr. Schlü- t e r-Halle überDas Rheingebiet als geogra­phische Stellung". Die Vorstellung vom Rhein als geographische Grenze, so führte er aus, ist veraltet und trüge dem Wesen der an ihm liegenden Länder keine Rechnung. Als nächster Redner sprach Professor P l a tz h o f f-Fran!ftirt überFrankreich und der Rhein". Der Vor­tragende ging aus von dem SahDeutsch­land braucht den Rhein, um zu leben, Frank­reich. um zu herrschen". Es ist nicht richtig, so betonte der Redner, daß in Deutschland der Mili­tarismus beheimatet sei, die Zeit, in der Frank­reich in Europa vorherrschend gewesen sei, wäre eine Zeit ununterbrochener Kriege gewesen. Don der französischen Politik könne man sagen, daß sie die Fortführung des Krieges mit andern: Mitteln sei. Die rheinisch» Frage sei eine euro­päische, eine Tatsache, in der für uns eine Ge­fahr, aber auch eine Hoffnung liege. Dann sprach Dr. Amann aus Aarau über das The­maDie Entwicklung der deutsch-französischen Sprachgrenze". Ministerialdirektor 11 r st a d t hieß die Tagungsteilnehmer im Namen der hessischen Regierung herzlich willkommen. Bür­germeister Schiffer s-> Heppenheim wünschte der Tagung einen guten Verlauf.

Wirischafi.

Weitere Verminderung der proÄon.

Nachdem erst dieser Tage in den September­berichten der Preußischen Industrie- und Han­delskammern ein deutlich erkennbarer Rück­gang der Konjunktur festgestellt worden ist und auch die Berichte der Landesarbeits­ämter die rückläufige Tendenz des Arbeitsmarktes mit wenigen saisonbedingten Ausnahmen erkennen ließen, kommt jetzt auch das Institut für Kon­junkturforschung zu der Feststellung, dah sich die Produktionstätigkeit in der letzten Zeit, wenn auch teilweise nur zögernd, weiterhin vermin­dert hat. Dor allem ist in den Produltionsmittel- industrien von Juli auf August ein weiterer Rückgang eingetreten. Die Kohlen- und Koksproduition ist allerdings gegenwärtig leicht gestiegen, was, wie die Beobachtung der Vorjahre erkennen läßt, auf saisonmäßige Ein­flüsse zurückzuführen ist. Dagegen ist sowohl die Roheisen-, wie die Walzwer er.TCuguiyi von Juli auf August gelaufen. Dabei ist freilich bemer­kenswert, dah namentlich in der Roheisen- Produktion das Tempo der Abwärtsbewe­gung in den letzten Monaten gegenüber dem Frühjahr nachgelassen hat. In der Zeit von Februar, dem Monat der höchsten Roheisen­erzeugung, bis Mai ergab sich eine Verminderung um 12,9 Prozent; in den folgenden Monaten (Mai bis August) betrug dagegen der Rückgang nur 1,2 Prozent, wobei von Mai bis Juni sogar eine leichte Zunahme eingetreten war. Bei der Produktion von Walzwerkerzeug­nissen war der Rückgang in den letzten Mo­naten nur verhälttiismähig gering. 2m Ma­schinenbau ist vom Juli auf August der Auftragseingang im Inlandgeschäft wieder zu- rüdgegangen. Dabei hat der Eingang von In- landaufträgen aus den Poduktionsmillelii.da- strien neuerdings bedeutend stärker nachgelassen, als der aus den Derbrauchsgüterindustrien. Dies ist insofern beachtlich, als sich das Inlandgeschäft in Maschinen für die Ver­brauchsgüterindustrien (gemessen am 2Iuftrag:ein­gang) seit dem Frühjahr wesentllch verschlech­tert hatte, während sich das Inlandgeschäft in Maschinen für die Produktionsmittelindustrien leit Beginn des Jahres unter Schwankungen auf annähernd gleicher Höhe hielt. Der Auftrags­eingang im Auslandgeschäft hat seine Aufwärtsbewegung fortgesetzt, ohne jedoch den Rückgang im Inlandgeschäft voll auszugleichen. Die T e x t i l p r o d u k t i o n ist in den letzten Monaten nicht mehr in dem Maße zurückge­gangen, wie im Frühjahr. Von Juni auf Juki hat sie nur um 1,7 Prozent abgenommen (gegen einen Rückgang von 2,9 Prozent im Durch­schnitt der Monate Februar bis Mai); von Juli auf August ist sie sogar wieder leicht ge­stiegen.

Oie Gründe der Kalihausse.

Die Aufwärtsbewegung am Markt der Kali- werte hat, wie aus dem Bericht der Gebr. Dam- mann Bank hervorgeht, in dieser Woche weitere Fortschritte gemacht. Westeregeln,Salz- v e t f u r t h und Aschersleben überschrit­ten zeitweilig die 500 bzw. die 300 Prozent- Grenze, ohne allerdings ihren Höchststand be­haupten zu fönnen. Wie verlautet, soll inner­halb der Verwaltung über die Durchführung der in Aussicht genommenen Kapitals-Transaktionen noch kein Einvernehmen erzielt sein. Eine Aus­gabe von Gratis-Aktien scheint indes keines­falls in Frage zu kommen. Viel beachtet wur­den Meldungen, wonach die Salzdetfurth- Gruppe hinter ben großen Käufen stehen solle, die schon seit längerer Zeit in Krüg ers - Hall - Akt i en vorgenommen werden. Diesq Version scheint indes völlig abwegig, da die Krügershall-Majorität im Bür­bach-Konzern fest gebunden ist, und auch nur die diesem Konzern nahestehenden Kreise in der Hauptsache als Träger der großen Käufe in Betracht kommen. Die größere Wahrschein­lichkeit spricht dafür, daß diese Käufe in Ver­bindung stehen mit den ihrer Verwirllichung entgegenreifenden Plänen, sämtliche Werke des Burbach-Gumpelkonzerns unter Benutzung der Aktienform von Krügershall in einer gro­ßen Aktiengesellschaft zusammeirzuschließen. Del endgültige September-Absatz hat mit 1 408 478 Dz. Reinkali das Ergebnis des vorjährigen Parallelmonats um 223 C00 Dz. über­troffen. Damit stellt sich der Gesamtabsatz für die ersten neun Monate dieses Jahres auf rund '1 1 551 000 Dz. gegen 10068000.®3. in der gleichen Zeit des Vorjahres. Es sind also bislang 1 483 000 Dz. im Nettowert von ungefähr 23 Millionen Reichs mark mehr abgelicfert worden. Die Monate Oktober und November werden die übliche saisonmäßig bedingte Abschwächung bringen; immerhin geht die vorläufige Äbsatzschätzung der Syndi- katsleitung für den laufenden Monat mit