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Handwerk und Steuerpolitik.
Don K.Lubert,Präsident derHcindwerkskammer zu Äerlin.
2n der Regierungserklärung vom 3. Juli 1928 ist dieStärkung der Spartätigkeit und die Förderung der Kapitalbildung Qis ein wichtiges Ziel der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik bezeichnet worden. Hierzu ist vor allem die Linderung des auf der Wirtschaft lastenden Steuerdruckes erforderlich. Rach den kürzlich veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen der Reichsfinanzstatistik betrug der Finanz bedarf von Reich, Ländern und Gemeinden 1925/26 rund 14,5 Milliarden Mark gegen 7,25 Milliarden Mark vor dem Kriege. Wenn man Hierzu die fast 5 Milliarden Mark betragende Belastung der Wirtschaft mit sozialen Abgaben hinzurechnet, so erhält man die stattliche Summe von fast 20 Milliarden Mark f ü r die Bedürfnisse der öffent- ^ichen Hand im Jahre 1928, die aus einem jährlichen Volkseinkommen von schätzungsweise 50 Milliarden Mark aufgebracht werden müssen.
Es ist begreiflich, daß bei einem solchen Steuerdruck vielfach das Betriebsvermögen angegriffen werden muß, das; ferner mancher Steuerzahler seine Zuflucht zur Steuerhinterziehung nimmt. Dies geht aus dem Ergebnis der von den Reichsfinanzdehörden 1927 veranstalteten Buch- und Betriebsprüfungen hervor, die über 100 Millionen Mark Reichssteuern. 15 Millionen Mark Landessteuern und annähernd 5 Millionen Mark Steuerstrafen einbrachten.
Trotzdem will man jetzt die Bermögens- ft euer für 1 928 im Betrage von 40 Millionen Mark nach erheben. Die Vermögenssteuer erbrachte 1927 442 Millionen Mark, 1928 mit 520 Millionen Mark den siebenfachen Betrag des Vorkriegsauskommens. Weitere 40 Millionen würden einer Betriebskapitalabgabe von 18 Prozent gleich kommen, die nach dem Willen der Regierung gerade unterbleiben soll. Das Handwerk erwartet daher, daß von dieser Racherhebung abgesehen wird, die unseres Erachtens vielleicht nur dem Buchstaben des Gesetzes nach, bestimmt nicht nach dem Willen des Gesetzgebers erfordevlich ist. Zur Begründung dieser Forderung wird auf die ohnehin schon übermäßige Belastung der Wirtschaft m it Real steuern verwiesen und auf die von den amtlichen Stellen des Reiches fest- aestÄlle allgemeine Verschlechterung der Wirtschaftslage. Wenn man sich hierbei auf die Vorschrift des § 23 im Artikel V des Steuermtlderungsgesetzes beruft, so darf vielleicht auf den § 4a des Finanzausgleichsgesehes hingewiesen werden, der die schwere Rotlage von Handwerk und Gewerbe anerkannt und zu ihrer Abhllfe die Länder zu der Vorsorge verpflichtet hat, daß die Mehrbeträge der Lieberweisungen aus der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Llmsahsteuer, die über den Betrag von 2,4 Milliarden Mark hinausgehen, in erster Linie zur Senkung der Grund- und Gebäude st euern und Gewerbe- st eue r n unter das am 31. März 1927 gegebene Maß verwendet werden. Leider hat das Handwerk von einer auf Grund dieser Bestimmung erfolgten Herabsetzung der Realsteuerzuschläge, die eine wesentliche Erleichterung gebracht hätte, nichts gemerkt, obwohl 611 Millionen Mark zur Senkung der Realsteuern im verflossenen Haushaltsjahr zur Verfügung standen. Wie erleichternd für die Wirtschaft sich ein« Verwendung dieser Lieberweisungen in dem vorgeschriebenen Sinne ausgewirkt hätte, mag daraus hervorgehen, daß das gesamte Aufiommen an Realsteuern für 1927 (ohne Hauszinssteuer) mit rund 2 Milliarden Reichsmaä angenommen werden kann. Demnach hätten die Zuschläge zu den Realsteuern, roh gerechnet, um ein Drittel ermäßigt werden können. Die Lieberweisungen für das Rechnungsjahr 1928 sind nach dem Haushaltsplan für 1928 m t 3 217 817 000 Mark angesetzt, so daß voraussichtlich über 800 MUlionen Mark zur Senkung der Realsteuern im laufenden Haushaltsjahr zur Verfügung stehen. Zahlreiche Anfragen in den gesetzgebenden Körperschaften lassen erkennen, daß diese Ge° sehesvorschrift nicht erfüllt wurde.
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Gießener Stavitheaier.
Curt Götz: „Jngeborg".
Motto für das Stück:
„Wer unter die Oberfläche dringt, tut es auf eigene Gefahr."
Oscar Wilde.
Das Dreieck' Seit Goethe, seit Ibsen, feit Hauptmann, feit Eulenberg, seit den Franzosen und den Ungarn und selbst seit den Engländern immer wieder, immer wieder, zum hundertsten, K tausendsten Male — wer kann das zäh-
—, eine Fabel von unerschöpflicher Anziehungskraft für die Dichter und für die Stückeschreiber.
Worin zwischen beiden der Linterschied besteht, erläutert Götz selbst (erster Akt, Seite 29): „Die Stückeschreiber . . . können gewöhnlich nicht Dichten. Lind die Dichter können gewöhnlich keine Stücke schreiben."
Curt Götz hat ein ausgezeichnetes Stück geschrieben. Aber keine Regel ohne Ausnahme; Götz sagte selber: gewöhnlich.
Komödie? Rein. Das ist es eben: dafür ist sein Stück doch wohl zu gut geschrieben, zu glatt, zu rund, zu geistreich und zu poliert. Er hat ein Lustspiel geschrieben, und das ist etwas, was man, wie die Dinge heute liegen, dreimal rot unterstreichen sollle. (Die meisten „Komödien" sind Lustspiele, und die meisten „Lustspiele" sind Schwänke. Bei Licht besehen. Es ist ein Jammer. Aber kaum ernstlich zu bestreiten.)
Außerdem wird sich ein so gescheiter Mensch wie Götz sein Motto überlegt haben. Ein sehr bedenkliches Motto. Es schließt noch vor dem ersten Alt die Komödie aus. Aber es gibt den Ton an wie eine Stimmgabel.
So ist das Stück: nicht so hoffnungslos wie „Hedda Gabler", nicht so ernsthaft wie Eulenberg, nicht so frivol wie die Franzosen: sondern so geschliffen wie der „Dorian Gray", dem das
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, 6. Oktober 1928
Das Handwerk verlangt immer wieder einen baldigen Abbau der unerträglich hohen Realbesteuerung. Die Hauszinssteuer dürfte u. E. nur für den Wohnungsbau verwendet werden und müßte baldmöglichst als Lieberrest aus der Inflationszeit ganz verschwinden. Vor allem wird die Gewerbe steue r als drückend und ungerechte Son der st euer empfunden. Ihr Ausbau zu einer allgemeinen 'Berufssteuer muß gefordert werden, wenn ihre gänzliche Beseitigung nicht möglich sein sollte, damit unter der Herrschaft des heutigen Gemeindewahlrechts endlich wieder breiteste Volksschichten zu Trägern der Lasten werden, die ihre Vertreter in der Gemeindeverwaltung beschließen. In gleicher Richtung liegen auch die Bestrebungen des Handwerks, den Gemeinden wieder das Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer einzuräumen. Die dringend notwendige Stärkung des Verantwortungsgefühls der gemeindlichen Selbstverwaltung wird von einer Einbeziehung der zur Zeit einkommensteuerfreien Bürger zum Gemeindezuschlag erwartet. Es geht nach Ansicht des Handwerks auf die Dauer nichr an, daß der Hauptbeil der Gemeindeausgaben auf dem Gewerbe allein lastet. Ein Anfang zur Derücksichfigung der durch die Lage der Wirtschaft gebotenen Rücksichtnahme bet der Lastenverteilung ist bei der Gewerbesteuer allerdings durch das Anhörungsrecht der amt- lcchen Berufsvertretungen gemacht worden. Rach Ansicht des Handwerks müßte dieses Anhörungsrecht der Derufsvertretungen bei allen Realsteuern zu einem Mitwirkungsrecht der Steuerträger bei Steuerbeschlüssen ausgebaut werden. Eine solche Entwicklung würde u. E. in der Richtung einer verantwortungsfreudigen Selbstverwaltung im Steinschen Sinne liegen. Da fick) das Anhörungsrecht bisher durchaus bewährt hot, ist es um so bedauerlicher, daß auf der letzten Tagung des Reichsstädtebundes der geschäftsfüh- rende Präsident über das Steuervereinheit- lichungsgesetz u. a. erklärte,
»Daß einer reichsgesetzlichen Verpflichtung der Gemeinden zur Anhörung der Berussvertre- tungen der Wirtschaft vor der Beschlußfassung über die von den Realsteuern zu erhebenden Hundertsätze nicht zugestimmt werden könne, da darin „eine unerwünschte Beschränkung des Selbstbrstimmungsrechts und der Selbstverantwortlichkeit der Gemeinden" liege."
Das Handwerk erwartet vom Steuer vereinheitlich ungsgeseh, dessen Vorlage von der Reichsregierung in der Regierungserklärung ebenfalls in Aussicht gestellt wurde, die Einschaltung eines weitgehenden Mitbestimmungsrechtes des Handwerks als Steuerträger. Vor allem muß endlich einmal bei allen Steuern, die an Vermögenswerte anknüpfen, der wirkliche Gegenwartswert zugrunde gelegt werden und nicht mehr der veraltete Vorlriegswert. In dieser Richtung ist eine Reugestaltung des Reichsbewertungsgesetzes erforderlich.
Ferner dürfte nunmehr die Wiederaufrichtung und Beruhigung der Wirtschaft soweit fortgeschritten fein, daß die Veranlagung der Einkommen-, Ertrags- und Vermögenssteuern nach dem 3jährigen Durchschnitt wieder eingeführt werden kann. Diese Deranlagungsart unter Anrechnung der Derlustjahre mit dem Verlustbetrag entspricht mehr der Steuerfähigkeit und Gleichmäßigkeit. Auf der letzten Tagung des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages in Köln ist diese Forderung wieder erhoben worden. Auch andere Wirtschafts-Spitzenverbände hoben sie in den lebten Tagen öffentlich aufgestellt. Es wäre erfreulich, wenn der auf Wunsch des Reichstages beim Reichsfinanzministerium zur Untersuchung dieser Frage tätige Ausschuß recht bald mit brauchbaren Gesehesvorschlägen hervortreten würde.
Eine gleichmäßige Steuerbelastung aller Gewerbetreibenden erstrebt schließlich noch der Wunsch des Handwerks nach einheitlicher Reichs b e ft euerung des Wandergewerbes und der Wandertag e r. Die Grundlagen des ehrlichen Wettbewerbs werden nicht zuletzt zu Llngunsten des
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Motto entstammt, auch so paradox und so zu- gespitzt; die drei Akte bestehen eigentlich aus lauter Aphorismen, aus lauter Frechheiten und lauter Llnwahrscheinlichkeiten. Aber ihnen fehlt die hundeschnäuzige, abgebrühte und einseitige Manier der Pariser, die immer nur eine und immer die gleiche Lösung wissen.
Bei Götz spürt man jederzeit die beruhigend erhobene Kavaliershand: nur keine Aufregung, alles halb so schlimm, alles am Ende gar nicht wahr: er schwebt immerdar zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit, zwischen Leben und Literatur.
Er hat — man sollte es allerdings nicht für möglich halten — etwas Reues vorzubringen... zu diesem Thema. Das ist doch sehr bemerkenswert. Denn darauf ist schließlich niemand gefaßt, daß die drei Glieder des Dreiecks sich bei einer Bowle um den Tisch sehen, ohne Groll und Harm, unb die Sache in aller Freundlichkeit durchsprechen. Der deutsche Akzent im internationalen, weltliterarischen Thema: das Problem wird als Problem erkannt und von allen Beteiligten unter Hinzuziehung sogar von Unbeteiligten erörtert. Diese (groteske) Sachlichkeit ist das Reue in der Gestaltung dec Fabel. Wie die Besprechung ausgeht, wie ihr Ergebnis und also die Lösung lautet, ist hiernach nicht mehr so erheblich.
Eine neue Lösung ist auch gar nicht mehr denkbar. Dazu ist vor Götz schon viel zu viel an der Dreieckskonstruktion herumgebastelt worden. Sie lautet ja doch immer wieder entweder „keiner" oder „wir beide" oder „ihr beide" oder „wir drei". Bald in Dur, bald in Moll. Lind die letzte Lösung ist so unbefriedigend (in der „Stella" wie später im „Zweiten Gesicht"), daß sie fast von vornherein ausscheidet.
Götz versucht sie und verwirft sie im letzten Augenblick vor dem letzten Vorhang.
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Bei ihm ergibt sich das Dreieck aus einer Schülerliebe, aus einer Iugcndeselei. Das heißt: den auftauchenden Andern hat die junge Frau nur in der Phantasie gesehen, nicht gekannt. In die Phantasiefigur, um sie und sich davon zu
Käufers verschoben, wenn diese Art Gewerbebetrieb, der sich mit der Entwicklung neuzeitlicher Verkehrsmittel immer mehr ausbreitet, nicht die gleichen Lasten trägt, wie das ortsansässige bodenständige Gewerbe.
Das Handwerk will gern dem Reich, dem Staat und der Gemeinde die nach den Grundsätzen steuerlicher Gerechtigkeit auf seinen Teil
entfallenden Steueraögaben entrichten. Es erwartet jedoch im Zeitalter der Rationalisierung, daß auch endlich auf diesem Gebiete klare und erträgliche Verhältnisse geschaffen werden, die den Handwerker wieder zum st a a t s - freudigen und opferbereiten Bürger werden lassen.
Stießet übet den SzeanM des „Gm? Ze-pelm".
Wetter und Kurs. — Dienst und Leben an Bord.
Vom Sonderberichterstatter des WTB.
Friedrichshafen, 5. Oktober.
Wir sitzen in Dr. Eckeners großeiü Arbeitszimmer, wie nun schon so oft in diesen Wochen. Rings an den Wänden hängen Bilder von Luft- schifsen, die alle so ganz anders aussehen, die alle werden und vergehen mußten, bis die ganze Summe von Erfahrung, von technischem Fortschritt, von äußerer Schönheit ihren Ausdruck fand in jenem wundervollen Schiff, das jetzt drüben in der Halle seiner ersten Ozeanfahrt entgegenträumt. Es hat alle Prüfungen für diese Fahrt bestanden, die süddeutschen Meßfahrten, nun die große Deutschland- und Rordeuropafahrt, die eine Triumphfahrt sondergleichen war. „Wir wußten, was das Schiff kann", sagt Dr. Eckener, „wir wußten, daß wir ihm vertrauen konnten. Es hat für mich eigentlich nur einen Augenblick einer leisen inneren Erregung gegeben, bas war, als ich vom in der Gondel stand und wir das erstemal aus der Halle herausfuhren. Lind diese Erregung war doch mehr die Freude." Run soll Dr. Eckener von der Amerika fahrt erzählen. Seine Augen werden ernst, und man fühlt, wie feine Gedaicken über den Ozean schweifen, zum „Z. R 3", zu der Fahrt vor vier Jahren. Sein Gesicht hat jetzt wieder diese friesischen Holzschnittzüge, die in so seltsamem Kontrast zu dem lachenden Dlld des württembergischen Grafen stehen, das dort, fast lebensgroß, über dem Schreibtisch hängt.
„Dir werden 50 bis 80 Stunden brauchen, bis wir drüben sind",
beginnt Dr. Eckener nach ein:r Pause, während der er bedächtig die unvermeidliche Seemannspfeife in Brand gesetzt hat. „Es tanrmt ganz auf Blind und Wetter an. Denn Luftsch., fnavigation ist meteorologische Ravigation. Man muß sich nach den gegebenen meteorologischen Situationen richten und sie ausnutzen. Davon hängt die Route ab, die wir einschlagen werden. Ratürlich nehme ich am liebsten den kürzesten Weg über den Ozean, dafür würde ich über dem Festland sogar sehr- schlechtes Wetter in Kauf nehmen. Das ist die nördliche Route, der sogenannte „größte Kugel - kreis". Wir würden dann über Holland, Mittel- england und Rordirland fahren, dann im nördlichen Dogen über den Atlantik bis Reufundland, die Küste entlang über Boston nach Reuhork. Aber leider liegt auf dieser Linie meist böses Wetter, so daß diese idealste Strecke auch am seltensten möglich ist. Dann muh man sich einen anderen Weg suchen, entweder noch nördlicher oder — und das ist meist der Fall — tiefer nach Süden. So bogen wir ja auch damals mit dem „Z. R. 3“ nach Süden ab, über die Azoren. Wenn das Wetter es gestattet, kann man immer noch versuchen, auf den kürzesten Weg zu kommen. Betrachtet man die Fahrtdauer, so muß man sich übrigens vor Augen halten, daß wir zunächst einmal neun Stunden bis zur Küste brauchen, die eigentliche Lieberfahrt, die sich vielleicht mit den Dampfern vergleichen läßt, dauert etwa 45 bis 70 Stunden.
Zurück gehl es sehr viel schneller. Da Hal man meist Rückenwind, so daß der „Graf Zeppelin" es wohl in zwei Tagen schaffen kann.
Dieser Vorteil wirkt sich natürlich auf der Hinfahrt entgegengesetzt aus. Man muß sich nur einmal die riesigen Flächen des Schiffes ansehen, dann versteht man, daß der Wind bei ihm eine erhebliche Rolle spielt. Rehmen wir einen durchschnittlichen Gegenwind von acht Sekundenmetern an — beim „Z. R. 3" hatten wir eine ganze Reihe von Stunden sogar 14 Sekundenmeter
gegen uns —, so bedeutet das, daß die Geschwindigkeit des Schiffes sich um etwa 30 Kilometer vermindert, also bei einer Marschgeschwm- bigfeit von 120 Kilometer auf 90 Kilomctter sinkt. Auf dem Rückweg erhöht sie sich dann entsprechend. Gewöhnlich wirden wir über dem Ozean in einer Höhe von 300 bis 350 Meter fahren. Bei Rückenwind geht man höher, bei Gegenwind tiefer, weil der Wind sich nach oben verstärkt.
Einen besonderen Wetterdienst haben wir nicht eingerichtet. Er ist uns angeooten worden, aber uns genügt der normale Dienst, der für die Dampfer gemacht wird. Jrn ersten Teil der Fahrt stützen wir unsere Raviga ion auf Rord- deich und Königswusterhausen, später auf die amerikanischen Küstenstationen, die den internationalen Verkehr bedienen, und besonders auf die große Wetterwarte bei Washington. Wir selbst sieben wahrscheinlich nur von Zeit zu Zeit kurze Standorlmeldungen an die Werst."
Hier kommt Dr. Eckcner nun auf einen Punkt zu sprechen, der von besonderer Bedeutung ist.
„Es kann sehr leicht vorlommen," sagt er, „daß man einmal längere Zeil überhaupl keine Rach- richt von uns hört. Beim Z. R. 3 war es auch so. Das fing abends an und dauerte neun oder zehn Stunden, und später wurde mir erzählt, daß man sich in der ganzen Dell aufgeregt und schon geglaubt habe, uns sei ein Unglück passiert.
Der Grrrnd liegt einfach darin, daß man in die Rähe des Golfstromgebietes kommt, in eine Atmosphäre, die starke elektrische Aufladung hat, ohne daß es gleich Gewitter zu sein brauchen, immerhin stark genug, daß man nicht gut durch- konnnt. Dieser Zeitpunkt wird etwa nach gut 40 Strfnden eintreten. Aber wenn dann wieder nichts von uns gehört wird, soll man sich nicht gleich aufregen. Das Schiff ist auf Sicherheit gebaut, und es ist auch noch größer und stärker als der „Z. R. 3". Wir haben fünf Maschinen, es täte uns nicht einmal etwas, wenn sogar zwei Motore ausfallen würden. Auch wenn an der Steuerung etwas nicht in Ordnung wäre, hätten wir immer noch die Reservesteuerung. Lind das eigentliche Schiss hat gewissermaßen Schotten wie ein Dampfer. Wenn von diesen Zellen — was noch nie bei einem Zeppelin passiert ist — drei auslaufen, fahren wir immer noch."
In allem, was Dr. Eckener sagt, kommt dieses unbedingte Vertrauen zum Ausdruck. Dann geht die Rede noch einmal auf die Route zurück. Wenn der südliche Kurs gewählt werden muh, so würde der „Graf Zeppelin" auch über Frankreich fahren. Eine besondere Erlaubnis dafür ist nicht nötig, weil Frankreich zu den Staaten gehört, mit denen wir im Luftfahrt abkommen stehen.
Das Leben an Bord wird sich ähnlich wie auf einem Dampfer abspielen.
Bordpolizei und Polizeistunde haben wir aller- bings nicht, sagt Dr. Eckener lächelnd. Die Besatzung löst sich alle zwei Stunden ab. Wir fahren mit dreifacher Besetzung — dreimal 13 —, so daß immer vier Stunden Ruhe zwischen der Wache liegen. Während dieser Zeit hält sich die Besatzung in ihren eigenen Räumen auf, die etwa im Mittelschiff liegen, Fenster haben wie die Gondeln und zum Schlafen Hängematten. 3m übrigen bekommt die Crew dieselbe Verpflegung wie die Fahrgäste." Dr. Eckener lacht: „Im Schiff sind wir der demokratischste Betrieb, den Sie sich denken können!"
Zum Schluß noch ein Wort über die Wirtschaftlichkeit des Ozeanluftverkehrs, die das Schiff
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erlösen, verwandelte sich später ihr Gemahl: er schwindelte ihr vor: eben jener Unbekannte, vom Backfischheldenideal Llmflossene sei er selbst gewesen. Lind muß es zurücknehmen, als dann der Richtige erscheint.
Der lUbt Jngeborg sogleich. Hat aber Hemmungen, „es" zu tun, well er den Gemahl nicht betrügen und betrüben möchte. Lind weil der ihn „geknebelt" hat mit dem Auftrag, seiner Frau, zur Probe, den Hof zu machen. Soviel Anständigkeit kann man nicht hintergehen. Also gibt er endlich den „Austrag" zurück. Lind so kommt es, daß Jngeborg zwisAn Ottokar, dem Wann, und Peter, dem andern, von beiden aufgefordert, wählen soll.
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Lind das Verblüffende ist: sie liebt sie alle beide, Ottokar und Peter. Beide sind ihr gleich liebe Männer. Lind die haben schon vorher, allerdings in zunehmender Beschwipstheit. sich mehrfach und heftig aufrichtiger, wechselseitiger Sympathien versichert. Die drei Kindlein lieben sich sozusagen untereinander. Eine furchtbare Situation. QIber unseres Wissens noch nicht dagewesen.
So ist die Lage gegen Ende des dritten Aktes. Bei Rächt. Mit Lampions im Park. Lind die Bowle ist schon stark gelichtet. Lind gleich wird es elf Lihr schlagen. Lind die „Morgenstimmung" aus „Peer Ghnt" von irgendwoher gespielt werden. (Hier waren es, wenn wir recht gehört haben, ein paar Takte des Menuetts aus „Don Juan".) Lind dann — was dann noch kommt, das wollen wir nicht erzählen. Man muß auch in einer Besprechung nicht immer alles sagen. Man soll hingehen und selbst sehn. Es kommt gar nicht mehr viel.
Dor einer vornehmen und stimmungsvollen neuen Dekoration (Bühnenbild: Karl Löffler) wurde anmutig gespielt. Tannert dirigierte Lind es ergab sich eine kleine, schwebende, von Geist und Witz beschwingte Lustspielmelodie, sanft ausgehalten durch drei Akte hindurch, in den besten Augeirblicken mit einem ganz leisen Unterton von Kammermusik, der sich aber immer wie
der verlor, und auf den es wohl Götz nicht einmal abgesehen hatte.
„Jngeborg" war Jngeborg (Scherer): ihr standen die drei Arte so gut wie die drei Toiletten, grün, weiß und blau; selbst unwahrscheinliche Dinge klangen glaubwürdig aus ihrem Munde: und obwohl manches, was sie vorzubringen hatte, unbefangener und argloser daher- plätscherte. als es vielleicht gemeint war: wir halten dafür, daß auch Götzens spöttischer Blick nicht vhire Wohlgefallen auf ihr geruht haben würde, wenn er dabei gewesen wäre.
Don Peter heißt es bei Götz: „Obendrein fitzt um, feine Mundwinkel ein Teufel, in seinem Lächeln ein Weib." Das ist ja nun ein bißchen viel verlangt, und Männert hatte unserem Gefühl nach weder das eine noch das andere. Aber es ging herrlich, auch ohne das. Er hielt sich mühelos an die fernere Anweisung, „jung, schlank und geschmackvoll" zu sein. Das liegt ihm, besonders das Bubenhaft-Linbeschwerte, das kann er, das macht er reizend.
Bei Haeser, der den rechtmäßigen Ottokar spielte, hatten wir den Eindruck, daß er sich nicht ganz wohl dabei fühlte, und daß Götz ihn sich anders vorgestellt hat: er nahm das Ganze zu ernsthaft, zu wichtig, im dritten Akt auch, in der Dowlensitzung, nicht locker genug, zu betont in der aufsteigenden „Stimmung".
Auch die sehr spassige Tante Ottllie dürfte, wie sie von Luise Jüngling gespielt wurde, nicht ganz im Sinne Götzens gewesen fein. Aber sie hatte soviel Impertinenzen ins Gespräch zu streuen, daß man ihr mit Vergnügen zuhörte.
Der Diener, Herr Konjunktiv, ist „ein älterer Herr und eigentlich gar nicht vorhanden": Baste unterzog sich mit Anstand dieser träumerischen Rolle. Schließlich wirkt noch ehr Laubfrosch mit, namens Hadrian; wer den spielte, vermögen wir nicht anzugeben: im Personenverzeichnis begleiteten ihn die drei Sterne, mit welchen sonst nun die berühmtesten Leute ausgezeichnet werden. —
Es war ein vergnügter Abend und ein hübscher, runder Erfolg. Dr. Th.


