Ausgabe 
6.9.1928
 
Einzelbild herunterladen

Vr 2(0 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffenf

Donnerstag 6. September (928

Die Lagt» im (September.

Hertftstimmung Hegt schon über Selb und Wald Äabl Iwgen bi« Stoppeln, wvücnlo» her H.mmel, kühl unb tauig bi« Dächte, unb bic HLben be» Alöveibeplommers fhegen

Kür ben Weidmann, rn dellen Hevier der edle Hirfch noch feine Fährte zieht, beginnt eine hohe öed. Heimlich »ar er seither, her starke Fmlrhirsch von dem < heißt. ..Der Feißhirfch rft ein Hachtgespenst. bah bu nur ahnß bafi bu nicht kenntz. Erne alte Weibmannsregel aber bdag:An Qlegibate tritt her Hirsch in die 'Brunft Aegidius ist her 1. September ein $ernr.u, der allerdings für unsere Gegend zu früh. Wenn aber b'.e Herbstnächte kalt wer­de: bann ballt gegen Ende des Monats her Schrei bes Bru-fch.rfi^es durch untere Wittel- gebngswälder, liebliche Musik für bai Weib« mamisohr. die bai 1Bexbtn<rin*berA höher sch.a- ge.i läßt. Der Bade Hirsch, der in der Jeist- &rA allein Uanb ober mit wenigen 'euresgleichen zusammen, -st zum Hubel getreten. Die Brunst rst nicht nur bet geeignete Qlugenblld, den starken Hirsch auf tn« Deck« zu legen, sondern sie gibt auch b'.e Möglichkeit «Stüde mit schlechter CDe- toebbiibunq auiwenexyn

Damwild. bas vchustzeit hat. ist noch In Die^Bruntt bes Rehwilbes ist vorüber. Der Bockabschuß bürste auch in der Hauptsache damit beenbet fein.

Schwarz» ld sucht gern auf den Kartoffel- selbem feine Aesuna unb macht sich dort bei 'Bauer unb Jagbpächker häufig gleich unbeliebt. Demgegeirüder :<f her Hinweis von Interesse, bob man zur Zeit in Ostdeutschland für eine fcd)nn*eit be» Schwarzkittels eintritt tveil er sich dort als einer bet wichtigsten Helfer des Menschen im Kampf gegen die waüwerwüstenben 'Raupen dzw. beten Puppen bewährt hat. bic in beu Legten Jahren ungeheuere volkswirtschaft­liche Werl« vernichtet haben.

Der Hase hat nach bet Getreideernte bte Kartossel, und Hübenäaer sowie die Wiesen auf- gesucht. Wenn nicht aller Schein trügt, stehen wir endlich wieder einmal vor einem besseren Hasensahr. Hasen in alten Grtßen werben eben vor dem Hühner suchenden Hund flüchtig

Der September ist der Hauptmonat der Huhner- jagb. Auch hier scheint soweit sich bas in ben paar 3agbtagcn bis seht überbhaen lästt. bas Jahr 1028 helfet zu werben als seine Derganacr aus der letzten Zett, die immer aufs neu wieder den Huckgang unterer Huhnerbetzänbc vor Augen führten. Tatsächlich scheint in diesem Jahr ein- nuu hie Ketten-ahl gröber zu sein, während man gleichzeitig wenig Ketten, bic noch nidü jagb- bar sind, antrifft. Hase unb Huhn führen uns damit vor Augen, wie sehr ihr Geheißen von der Witterung abhängig ist. iSin bessererHühner- beftanb bars aber nicht zum Anlaß eines ver­stärkten Abschusses genommen werden, wenn un­sere Bestrebungen, bre Hieberjagb zu heben, nicht illusorisch werben sollen. Angesichts her Ge­fahren des Winters unb der zahlreichen Feinde des Huhnes must mit stärkeren Abgängen immer noch gerechnet werden, so dast es sich empfiehlt, die Kette nicht auf weniger al« 8 Köpfe ab- zuschiesten. Bei bet Hühnerjagd ist der Hund unentbehrlich. Hier macht sich die Wahrheit des Satzes recht deutlich bemerfbar: ..Gin Jäger mit schlechtem Hund ein schlechter Jäger, ein Jäger ohne Hund überhaupt kein Jäger." (proste Werte gehen alljährlich an kranken ober nicht gefun­denen Hühnern verloren, wo der Hund fehlt ober die Hachtuchc sträflich vernachlässigt wirb, wie bas besonders bet Gesellschas tsjagden ge­schieht. Wenn der Hund aber feine Ausgaben er­füllen soll, must er frisch fein. (Jrmübung wirkt auf alle Organe auch aus die Hase. Man meide die heistesten Tagesstunden und scheue keinen Um- weg. um den Hund immer wieder an Wasser zu bringen.

Die Wachtel, die mit dem Huhn zusammen gejagt wird, ist leider so -urückgegangen. bah man selten noch ihren Huf Höri ober sie bei der Hühnersuche antrifft.

Mitte des Monat- beginnt der Abschuß des Fasans. Besser ist es. Damit zu warten, bis die jungen Hähne gemausert haben. Angesicht» der Bestrebungen, ben Fasan wieder einzuführen

Verhängnisse.

Vornan von Lies-ei Vitt.

Copyright by Martin Feuchtmanger, Halle (Saale).

19. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Na', jagte Marie,nun ist sie fort. Der meine ich keine Trane nach, dem verrückten, alten Frauen- zimmer."

Obette stand am Fenster. Sie halle das Gefühl, als wenn etwas Schweres von ihr zöge, von dem man nicht muhte, * es eines Tages micbertam.

Den Brief hatte Charles noch am seiden Morgen zum Gericht gebracht. Der Staatsanmall war in der Sitzung. Der Untersuchungsrichter mar über Land gefahren. Ein Referendar nahm ihm den Brief ob unb la» ihn

Wann wurde Ihnen denn dieser Vries über­geben? fragte der junge Mann.

Dor einer halben Stundet

Herr Jacques hat mir vorhin gesagt, er habe ben Brief schon vor zwei Tagen Ihrer Frau gc- geben.

Charles wurde bunfelrot(Bereift", sagte er, meine Frau hat ihn vergessen. Ich war gerade oer- reift."

..Sv was vergißt man aber nicht, so ein wichtiges Dokument. Sie merben von uns hören, Herr Gtontarb."

Am nächsten Nachmittag bereits wurde Frau Odette Dorgelaben zu einer Vernehmung Sie stand vor ben Richtern in dem kleinen Zimmer, der Schreiber saß in seiner Ecke an dem schweren Tisch und hatte ein Aktenstück vor sich aufgeschlagen. Der Unteriuchungsrichler war neu. Der andere mar ver­setzt. Dieser mußte sich erst in die Sache hinein­arbeiten. Deshalb mürbe sie vieles gefragt, was bereits in den Akten stand unb was sie schon oft beantmcrict hatte.

Zunächst wollte man erfahren, mas sie von den Herrenbeziebungen ihrer Tante wußte.

Der Brief war in Marseille aufgegeben, das Da tum mar nur mehr undeutlich lesbar, weil der Um- schlag gerade dort aufgeriffen war, wo der Tages- stempel aufgedrückt war. Aber er war in demselben

unb unseren Jagden Damit ein schönes, dankbare» unb wirtschaftlich wichtiges Wild zu^uführen, dürfte allerdings Sclbstenstagung zunächst wün- schensweri sein, Damit das Ziel möglichst rasch erreicht wird. Leider gibt es gerade hier so viele, von Denen man sagen kann Sie säen nicht und sie ernten doch Mit der Fütterung unb der Anlage der Futterstellen ist baldigst, natür­lich nur in geringem Mast, zu beginnen, um den 3igeuiwr Folan an das Hemer zu fesseln.

Guten streichen gern auf die Stoppelfelder unb liegen tagsüber auf Teichen und Tümpeln oder Bächen mit Gebüsch oder Schilf

Wildtauben beleben tn großen Flügen die Felder und stellen ein leckeres Wild dar

Die Schnepfe ist vom 16. September ab auch in Hessen wieder frei. Sie streicht abends wie im Frühjahr. Auch kann jetzt die Bufchiersagd ausgeübt werden.

An Gräben und in nassen Wielen liegen die Sumpfschnepfen.

Der DachS wird feist und rüstet seinen Bau durch Öintrcgen von Laub zur Dinterruhe. Das Aaudwild ist noch schlecht im Balg Der Haar­wechsel beginnt. Wer es im Winter am Luder- platz bejagen will, beginnt jetzt mit Dem An- fieren. Der Aaubvogelzug ist im Gang. Krähen treten in großen «Flügen auf. Die Krähenhütte beribridht Erfolg Aber nicht auf alles Dampf machen, was krumme Fänge hat! Die Hatur ist schon verödet genug Der Weidmann aber must auch Naturfreund unb Haturschützer fein. Sonst würdigt er das Weidwerk tum Schietzerium herunter

Bald kommt die harte Zeit für unser Wild Darum jetzt schon an die Wintersütteruna denken! Kastanien. Sicheln. Dreschmafchinenabsallsammeln und geschützt aufbewahnm Hubertus.

Die Heringe wandern...

110 Millionen Kilogramm Heringe werden jährlich in Deutschland gegessen. Ist die Tlordseeüberfischi"? Deutschlands sinkende ^angergebnisse.

Don Rudolf Bier.

Der Herbst ist die wichtigste Zett für den Herinassang Unser Wi arbeitet schildert im folgenden, welche Untwitflung dieser für dir deutsche Bolksemahrung wichtig« Wirt- fchattszweig genommen hat.

Silberne Schwärme von gewaltiger Ausdeh­nung durchziehen im Sommer und im Herbst die Meere, in nördlichen Gewässern von Walfischen und anbei en Bändern des Meeres verfolgt, in unseren Breitengraden hon Herlngsfifchem in Hetz« aetrieben, überall vernichtet, um Tieren und Menschen als Hahrung zu bienen, aber dennoch nicht aus gerottet Die gewaltig« Menge dieser Fische, die jährlich dem Meer entrissen wird, ist schuld daran, daß man den billigen Hering etwas verächtlich als minderwertigen Fisch ansieht, aber abgesehen davon, daß der Hering austerordentlich gesund und bekömmlich ist, hält man ihn auch sehr zu Unrecht für einen im Geschmack nicht veli- wertigen Fisch Bismarck, dem er von Schweninger empfohlen worden war, und der jährlich etwa 200 Heringe zu verzehren pflegt«, äußerte sich stet- feyr anerkennend über den Ge­schmack dieser Fisch« unb schimpft« barüber, dast die Heringe nicht als «del und feinschmeckend anerkannt würden, weil sie zu wenig kosten. Da Bismarck bekanntlich ein großer Sachver­ständiger in allen Fragen des Gaumens war, muh man den ersten deutschen Kanzler auch in dieser Beziehung als Autorität achten.

In den letzten Jahren haben die Herings- sänge der deutschen Fischereiflvtte zu feßr schlechten Ergebnissen geführt. Während im Durchschnitt der Jahre vor dem Ärieg auf deutschen Loggern etwa 21 Prozent des deutschen Gesamtverbrauchs an Heringen ge­fangen wurde, ist es in den letzten Jahren nur noch gelungen, etwa 12 Prozent der Wenge zu fangen, die in Deutschland verbraucht wird. Das ist natürlich noch immer eine stattliche Quantität: macht man sich doch im allgemeinen keine klare Vorstellung davon, welche gewaltige Deut« un­ser« Fischdampser Jahr für Jahr in di« Häfen bringen. 3m Jahve 1926 sind rund 177 W il- Honen Kilogramm Fische von deutschen Schissen allein in der Nordsee erbeutet worden, in erster Linie natürlich Heringe, Kabeljaus und Schellfische, aber auch, was nur wenige wissen, 637 000 Kilogramm Haifisch«. 112 000 X:a>gramm Höchen, 205 000 Kilogramm Seeteufel unb riesige Massen Sprotten, Stein» butten, Weißlinge, Seehechte, Schollen, Hot- barsche. Rotzungen unb andere Fische. Ziemlich unbekannt ist es auch, daß im gleichen Jahr über 70 Millionen Äilogtamm Austern in der Horbfee gefischt wurden - unb das ist ein Fangergebnis, das weit hinter dem bes Jahves 1913 zurücksteht, da damals über 167 Millionen Kilogramm Austern erbeutet wor­den sind. Wan sieht also, dast in b?r Seefischerei sehr grobe Werl« liegen, und wenn es einem

der wichtigsten Zweig« des Hochtee-Zlfch fangt, der Heringsfischerei, schlecht geht, so ist da» für die deutsche Wirtschaft (eßt bedenklich

Tatsächlich hot sich bk Zahl bet Schiffe aller deutschen Heraigsfischereum von 204 im Jahre 1912 auf 135 im Iah« 1927 vermindert berücksichtigt man nur den Tonnenintzalt der Schiffe, so ist der Rückgang freilich nicht ganz so bebciitenb er beträgt bann etwa 20 Prozent Diese 135 Schiffe sind mit 2300 Matrosen be­mannt. Man tonn sagen dast bk Betriebskosten für jeden Logger durchschnittlich etwa 40 000 Mk. betragen, nämlich für einen Segellogger etwa 28 000 kn» 34 000 Mk. für «inen TTott>dogger 40 000 bis 44 000 Mk. für einen Tom ff Logger sogar bis zu 48 000 Mk um bk Flotte der deut­schen Heringsfischer in Betrieb zu hatte», werden von dem Vermögen Der deutschen Volkswirtschaft also ständig mindestens 5.5 Millionen Mark in Anspruch Genommen. Die Gesellschaften, die dieses Kapital bet geben, haben in den letzten Jahren saft ständig Verlust« erlitten; dies liegt in erster Linie Daran, dast nicht genug Fisch« gefangen werden Deutschland must deshalb jähr- lich ungefähr 90 000 Faß Hering« aus dem Ausland laufen und dafür etwa 40 bis 50 Tlillionen Mark bezahlen.

W^ran liegt es nun, daß zu wenig Heringe gefischt teerten? Unter ben Sachverständigen herrschen darüber zwei verschiedene Ansichten: Einige Kenner der Verhältnisse sagen, baß bte T orbtcc .überfischt" sei, während anberc behaupten, das, nur Zufälle mitfpielen. Es unter­liegt feinem Zweifel, dast ein zu intensiv ge­triebener Fischfang unter Umständen selbst di« gewaltigen Bestände des Meeres erschöpfen kann; man weist, dast bestimmte Wals i scharr«» auS Gegenden, in denen sie noch vor Jahrzehnten häufig getroffen wurden, verschwunden find, und es trifft sicherlich auch zu, dast in der Ostsee zu viel Schollen gefangen werden Das muh dem SchoHenfang an der ostpreußischen der pommerschen und der mecklenburgfichen Küste auf die Dauer schaden. Die Sachverständigen, die der Ansicht sind, daß in der Horbsee ein zu inten­siver Heringsfang getrieben worden ist, be­grünte» ihren Standpunkt damit, dast der Hering aus manchen Gebieten der Rordsee ganz ver­schwunden sei. Das Ucbel liege an der sogenann­ten Trawl-Fischerei. Die sehr fiesgehende Hetze verwende und dabei auch ganz junge He­ring? vom Grund des Meeres emporhvle. Die'« Fisch« sind unverwendbar und werden in das Meer zurückgeworfen - find bann aber natürlich schon Lot. Unter den Gegnern dieser Theorie, zu denen der Hamburger Professor Ehrenbaum gehört, heb! man hervor daß der Hering ein Wanderfisch sei. so daß fein Auftreten nicht an einer bestimmten Stelle d.S Meeres durch zu intensiven Fang verbindet werden könne. Wenn die Heringe in den Herbstmonaten ihre Braut-

fahrt untreten legen fk gewaltig« Strecken zurück und es ist nur ein besonders glücklicher Zufall teenn fit einige Iah« hintereinander tn« Rordsee nur in kleineren Schwärmen auf- fuchen. Man tarn sich auch nur Ichwer vvrstellen. dast kne Heringe durch zu inten'irc Fangmethodeu ausgerottet werten könnten; kam, doch ein ein­ziges Herings Weibchen 30 000 Junge erzeu­gen. Wenn alb d « Henngsiogger di« Treib- netze verweisen, einige Jahre zu wenig gefangen haben, |o haben sie eben nicht btc richtigen Plätze ausgesucht

Aber es gibt auch noch einen dritten Grund für das Zorückgeden der deutschen Herings- fischc«i' dis ist di« durch natürliche Umstände bcrpprg.'rufen» schwierige Lage im Berhältnis äut engIIfdben Konkurrenz. Die Heimat Do* Herings ist der nördliche Atlanttfche Ozean mit der Hortsee unb das Eismeer In den Tiefen de« Meeres lebt er dort tn ungeheuren Schaven, unb wenn die Laichzeit brr arm ab*., steigt er an die Oberfläche um den flachen Gewässern der Küste zuzustreben wo er feinen Laich ab- setzt. Tic Züge find manchmal 5 b I s 6 Meilen lang und 2 bis 3 Meilen breit, zuweilen kann bas Meer durch einen solchen -Heringszug einen leuchtenden Schistuner bekommen einen Wider­schein, ben man den .Heringsblick' nennt. Dieses IcudyteiTbe Auftreten der Fischschwärme wird von deii Fischern mit größter Spannung erwartet, und wenn die Beobachlungsposten sein Heran­nahen melden, herrscht fieberhafte Aufregung und allacmeincr Jubel unter den Herings- fischcru. Die Heringslvagcr suchen diese Schwärme auf, die in großen Tiengen in Der Häbe von Island auf treten aber auch regelmäßig das bri­tische Jirselrcich umkrei'e». Die deutschen Küsten sind nur selten das Ziel der Heringszüg« im allgemeinen muffen di« deutschen Filchdampfer weit von ihrem Standort entfernt den Sang auf nehmen und dann bic gefangene Beute auf dem Schiff gleich e i n f a l z e n. Wenn die Hetz'- emporgetounten werden, stehen Me ©ezleutc häufig bis zu den Knien in der silbrig glänzenden, zappelnden Mas'«, die aus den Hehcn geschüttet wird und dann eingefallen und in Fässer verstaut werten muß.

Die Engländer haben es leichter, da die bnti- schen Fitchdampfer von ihrem Fangplatz aus schrxll bk Ku st« er«ichen können; sie smd also in der Lag«, die Fisch.- ungesalzen an Land au brngen. wo s« werterverarbeitet tDerOnt Wäy- renb ein deutscher Logger durchschnittlich vier bis sechs Wochen unterwegs sein muß. damit sich die Rück«isc lohnt, tobten bic eng lischci' Schiffe febt viel öfter an die Küftc zurück und arbeiten dadurch viel billiger. Der Schutzzoll, der bt Deutschland für jedes «in- geführte Fast Heringe drei Mark beträgt, ist kein en sprechender Ausgleich für die höheren Sang- koften. Han sind die deutschen Hcringsfifch««len von der deutschen Regierung in den letzten Jahie» häufig subventioniert worden, um eines der älteste» deutschen Gewerbe nicht kampflos ein- gehen za lassen Wie alt die Heringsfi schere ist. läßt sich nicht mit Sichorhrit sagen; doch ist durch Urkunden erwiesen, daß sie an den deutsch?» Küsten schon im elften I ahrhundert tn Blüte stand. Allerdings stellte man noch vor hundert Jah«n eigentlich nur dem Küstenhering nach, während bic Hochseefischerei neueren Da­tums ist.

Kunst and Wiffenschast.

Geheimrat Wilhelm Feußner f.

3m Aller von 86 3obren verschied an, Mitt­woch früh der ordentliche Honorarprotelsor an der Marburger Philosophfichen Fakultät l)r. phil. Wilhelm Seufincr. Der Verstorbene, der am 25. Februar 1843 in Hanau geboren wurde promovierte in Marburg 1867 und habilitierte sich ebenfalls bortlelbft. Im April 1830 ward.' er zam außerordentlichen Prosefior ernannt. Für fein« hervorragenden wisfen!chattlichen Arbeiten auf dem Gebiete der Physik wurde ihm der Kronenorden 3. und 4 Klasse verliehen 3m 3ab« 1908 erfolgte feine Ernennung zum ordent­lichen Honorarprofessor an der philosophischen Fakultät Der Universität Marburg 3m Jahre 1917 wurde ihm der Eharakter eines Geheimen

Jahr aufgegeben worben, in dem bk Longevillc er­mordet worden war.

Die Marseiller Bank, nut her Frau Longcoille in Verbindung gestanden horte, ein« kleine, bescheidene Winkelbank, war inzwilchen in andere .ßände ge­kommen. Der Bankier hatte Frau Longevillc nie fu­schen, aber dcr Prokurist erinnerte sich, sie einmal in Begleitung eines starken Herrn mit einem schwarzen Äncbelbart im Geschäft gesehen zu haben.

Natt, der Beschreibung mußte es derselbe sein, der dem Dicnstmann den eingeschriebenen Bries am Bahnhof übergeben hatte. Wer der Herr war, (ei­nen Namen oder in welcher Beziehung er zu Frau Longeville gestanden hatte, wußte der Prokurist nicht. Sie batte ein Konto auf dieser Bank gehabt, und hatte Aktien gekauft und wieder verkauft, die fonderdorsten Papisre, ganz ausgefallene Aktien, die sonst kaum jemand kaufte, (fr hatte den Ein druck, daß der Herr fie zu diesen Käufen oer aniahte.

Aber als er sie damals auf die Unsicherheit dieser junaen Unternehmen aufmerksam machte, batte der große Herr ibn barsch unterbrochen und gemeint, dos müsse er beurteilen können, was die Fabriken wert seien oder nicht.

Frau Longevillc war immer imFaijan", einem deinen Hotel in der Rue de Nice, abgestiegen und hatte dort, wie der Patron aussagte, öfters Herren- besuche empfangen. Dem Patron schien aber, als ob das Händler gewesen feien.

Wußten Sie, daß Frau Longeville öfters Wert- gegenstände verkaufte?" fragte der Richter Odette.

Doch." Ihre Tante hatte ost davon gesprochen, daß sie bares Geld braucbe und ihre Aktien nicht losmerben könnte.Sie bezog ja keine Pension."

Odette bestätigte, daß das Silber, das ihre Tante befesie» hatte, tatsächlich alles verschwunden war. Es war olles mit einem lateinische» ,.L" pczeich- net. Unb von ihrem Schmuck mären nur noch ein paar bünne Ketten und ein roter Ko rollen schmuck da. Den Herrn mit dem fchrnarzen Mnebclbart hatte der Patron auch einmal gesehen. Er beschrieb ihn robust, mit breiten Schultern, ein Herkules. Er hotte ihn ziemlich grob abgefeNigt. als er ihn auf der Treppe gefragt hatte, mas er in feinem House wolle.

,Hch besuche jemand da oben", sagte der Unbe- kannte. Er hatte ein Paket unter dem firme und

einen hellen Uebcrzieher an unb hatte es sehr eilig. Seine Frau hatte dann einen ziemlich lebhaft» Disput im Zimmer der Longeville gehört. Noch einer halben Stunde waren beide heruntergekom­men, scheinbar hn besten Einvernehmen, und gin­gen zur Stadt. Netter mußte er nichts. Den Herrn hatte er nk mehr miedecgesehen

Die Sour würbe weiter verfolgt. In dem Ver­brecheralbum fand sich kein Bild, das auf die Beschreibung dieses Herrn gepaßt hätte, unb der neue Untersuchungsrichter schien auch nicht über- zeugt, daß dieser Unbekannte unbedingt mit dem verbrechen in Verbindung stand. Er verhörte Frau Odette scharf und unermüdlich. Er halte ihr den Borwurf gemacht, daß sie den Brief nicht sofort abgegeben hatte.

.3d) hielt Ibn nicht für so wichtig", sagte sie.

Madame, das Gericht sucht seit Jahren noch einer Spur, und nun bringt man Ihnen diesen be lastenden Brief ins Haus, und Sie hatten es nicht einmal für nötig, ihn Ihrem Manne zu zeigen' Das ist mehr als sonderbar?"

,/terr Richter", sagt« Odette,mein Mann ist derartig herunter mit feinen Nerven, daß er von dem Prozeß unb allem, was damit zusammen- hangt, nichts mehr hören kann. Ich habe es des- halb nicht gleich gesagt von dem Brief, um ihn zu schonen."

Es ist aber trotzdem merk würdig, denn dreier Brief kann uns doch auf die richtige Spur führen. Und alle», was Licht in diese 'Angelegenheit bringt, ist für Eie doch nur entlastend", sagte der Richter ernst. Er sah Odette an unb bemerkte, daß fie sich bei diesen letzten Dorten verfärbte. Ei' ichmieg, in­dem sie die Hand in die Falten ihres Kleides trumpfte.

Mir ist es gleich, mas man in diefer Sache bt* schließt", sagte sie tonlos. ,Zch kann nicht mehr aussagen, als ich weih."

Die Polizei hotte einen Antiquar nm Hafen non Marseille entdeckt, .u dem Frau Longeville öfters in ben Laden gekommen mar, um Silber zu verkaufen. Er batte auch diesen Herrn bei ihr g? sehen, ben sie öfters mitbrachte und der die Händel abschloß.

..Ich habe mich über diesen Kerl schmor; geär­gert", sagte der Anttguar,metl er immer mehr haben wollte, als man für die alten Sachen geben

konnte, und grob mürbe, roeim man die Preise, die er verlangte, nicht befahlen malltc." Dcr Alte hatte den Eindruck, baß die beiden in nahen B<- Meldungen zueinander standen. Er hatte sie erst für ein Ehepaar gehalten, ober bann einmal gesehen, daß Frau Longeville dem Unbekannten vor her Tür Geld einhondigte. und daraus geschlossen, daß sie Geschäftc miteinander machten.

Mehr hatte diese» Berhor nicht ergeben.

Die Akten mürben beiseite gelegt und die Kri­minalpolizei anfleroiekn, bas Hafenviertel von Mar- feilte fcharf zu bewachen

B. lag im Winterschlaf versunken in bet feuch­ten Ebene, zwischen abgeernteten, kohlen Wein, gärten unb leeren Aeckern. Der Regen trommelte vom frühen Morgen bis in bte finkende Rocht auf die Dächer der Stadt, die grotesken Wofferspieler der Kathedrale sprudelten das Regcnmafser aus weit geöffneten Mäulern und Brüsten auf die naffen verödeten Gassen.

Es kamen keine Fremden mehr an, und bte Omnibusse des .Afion d'or" unb bes Arc aber" fuh­ren leer zum Bahnhof und kamen leer zuruck.

Die meisten Heute gingen, um Licht zu sparen, früh schlafen, und die (stelchäsie schlossen früh ihre Läden. Don» lag bte Stabt schon um acht Uhr ver­losten unb totenstill ba, mit ihren triften, engen Gasten, in denen sich nichts regte, und der leere Marktplatz, mo von allen Dächern und aus allen Dachrinnen das Regenwosser triefte, sah verlosten und troftlos aus.

Nichts unterbrach die Eintönigkeit der Winter- tage. Es gab in B. fein Theater, feine Konzerte, noch auch sonst irgendwelche Zerstreuung. Es gab eine klein« Leihbibliothek oin Markte in einem Po piergeschäst, mit alten, zerleknen Romanen. Dbettr hatte einmal eine lebende Wanze in einem solchen Buche gesunden. Es gab ein kleines Kino mit ichiechten Bildern und elender Musik, in das abends die Eolbaten ftrömten. Zuweilen fanb eine Gefell schäft statt. Dann rollten die Wogen zur Abend stunde über den Markt. Die Ostiziers^men in B. batten ihrenJour* und besuchte» sich zur Tee- stunde. unb mer kernen Jour auf seinen Visiten­karten hotte, gehörte nicht zur Gesellschaft in B.

(Fortsetzung folgt)