Einzelbild herunterladen

Winterobst-Ausstellung Gießen.

Der Gießener Obst- und Gartenbauverein, der Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen und die Oberhessischen Obstwerke Büdingen können die in gemeinsamer Arbeit hergerichtete Win - ter-Ob st- Ausstellung Gießen in der Turnhalle des Realgymnasiums als einen vollen und wohlverdienten Erfolg buchen. Mit besonderer Befriedigung können Gartenbauinspektor a. D. Fr. Ä e h n e l t-Gießen und Kreisobstbauinspektor Metternich- Bü­dingen, die beiden unermüdlichen und sachkun­digsten Organisatoren und technischen Schöpfer dieser vorbildlichen Ausstellung, auf das wohl- gelungene Werl zurückblicken' mit Recht hob Regierungsrat Wolf- Gießen, der Vorsitzende des Kreis-Obst- und Gartenbauvereins Gießen, am Samstagvormittag in seiner Eröffnungsrede im Ausstellungsraum die Verdienste dieser beiden Männer dankend und rühmend hervor. Wobei wir aber hinzufügen mochten, daß auch die ver­ständnisvolle und tatkräftige Mitarbeit des Vor­sitzenden, Regierungsrats Wolf, höchste An­erkennung wert ist.

Die Ausstellung gab dank der tatkräftigen Unterstützung durch die umliegenden Gemeinden und zahlreicher Obstzüchter ein glänzendes Bild von der hohen Leistungsfähig- leit des heimischen Obstbaues. Eine Fülle der schönsten Früchte, in der Hauptsache Aepfel der verschiedensten Sorten etwa 200 Aus­steller hatten rund 1000 Kollektionen ausgestellt konnte man hier schauen und ihrer Schönheit wegen bewundern. Liebersichtlich ungeordnet, mit Sortenschildern und Angaben über die Züchter versehen, boten die Auslagen zugleich wert­volle Belehrung für die großen Tesucher- scharen, die am Samstagnachmittag und ins­besondere am gestrigen Sonntag die Ausstel­lung geradezu beängstigend füllten. Sehr inter­essant waren auch die gezeigten O b st v e r - Wertungsprodukte, die von den Ober­hessischen Obstwerken in vielfältigster Form aus dem eigenen Betriebe dem Publikum sichtbar fiemacht wurden, bemerkenswert und lehrreich erner die vortrefflichen Obstkisten. Man sagt

Das Ergebnis der Preisbewertung.

(Die in Klammern beigefügte Ziffer ist die Aus- steller-Rummer.)

1. Preise ä 6 Ml. erhielten: Decker, Lud­wig IV., Ruttershausen, (63); Deppler, Lehrer, Daubringen, (41); Bepplec, Konrad, Steinheim, (43); Einhäuser, Karl, Gießen, Weserstraße 9, (131); Görr, Ludwig, Hausen; Helfenbein, Ge­schwister, Gießen, Marburger Straße (128); Kohl- heher, Gustav, Hungen, (67); Lenz, Karl II., Allendorf a. d. L., (50); Müller, Georg Friedr., Bellersheim, (61); Müller, Karl, Bettenhausen, (17); Pein, Ernst, Rieder-Bessingen; Reinmuth, Wilhelm, Reinhardshain, (49); Rinn, Jak. XXIV., Heuchelheim, (75); Rinn, Philipp I., Heuchelheim, (89); Roth, Hermann; Schmidt, Hofgärtner der Fürstl. Obst Baumschule, Lich, (108); Schmidt, Polizeiinspcktvr, Gießen, S evhanstraße 17 (135); Steil. Ernst, Bettenhausen, (13); Volkmann, Phi­lipp IV., Heuchelheim, (85).

2. Preise ä 5 Mk. erhielten: Acker, Wilhelm, Wieseck, (144); Balser, Wilhelm X., Rödgen (57); Block, Karl, Dettenhausen, (14); Döll, Jakob, Witwe. Alten-Duseck, (126); gelt. Polizeidiener, Watzenborn-Steinberg, (179); Füller, Otto. Hun­gen, (68); Gräf, Ludwig, Grotzen-Buseck (93); Häuser. Balthasar II., Watzenborn-Steinberg (30); Hofmann, Wilhelm August, Hungen, (69); Jockel, Lehrer, Hungen, (70); Keil, Dalthasar. Heuchel­heim, (176); Krämer, Lorenz. Alten-Duseck (116); Leidner, Bürgermeister, Bettenhausen. (10); Müller, Adolph, Bellersheim, (62); Müller Louis III.. Heuchelheim, (79); Münch, Reinhard, Großen-Buseck, (104); Schieferstein, Gg., Betten-" hausen, (16); Schlorb, August, Lauter; Schupps Philipp, Großen-Linden, (64); Schwalb, Karl, Grotzen-Buseck, (105); Seibert, gerb., Wieseck. (164); Vogel, Friedrich, Alten-Buseck. (119).

3. Preise a 3 Mark: Dender, Wilhelm, Watzenbom-Steinberg, (31); Berger. Georg Lich; Braun, Wilhc.m, Daubringen, :3j); C re H inr., Daubringen. (40); Dietz, Ludwig, Steinheim (48); Diez, Wilhelm, Lich; Dörr, Ludwig, Queckborn,

(20); Eckhardt, Heinrich, Wieseck, (153); Engel­hardt, August, Heuchelheim (86); Euler, Wil­helm. Langewiefe-Grüningen. (3); Faber, Jo­hannes, Großen-Linden, (66); Fink Ludw. VI., Alten-Duseck, (125); Gans, Bürgermeister, Großen-Buseck, (90); Gerlitzer. Gustav, Klein- Linden, (6); Germer, Friedrich, Klein-Linden, (5); Grölz, Karl, Daubringen, (32); Haas, Maria, Wieseck, (155); Happel, Gottfried, Watzenborn- Steinberg (29); Hättche, Adam, Gießen, (137); Heller, Ludwig III., Lich; Herrnbrod, Wilhelm, Steinheim, (45); Hofmann, Adolf, Rodheim an der Horloff, (109); Hohbach, Heinrich, Großen- Linden (65); Klingelhöser, Ludwig, III., Daubringen, (38); Kneipp, Bürgermeister, Langs­dorf; Kohler, Adalbert, Langsdorf; Kreiling, Christian, Wieseck, (178); Kreiling, Jakob, VI., Heuchelheim, (88); Lamp, Heinrich, Rieder-Des­singen; Mißler, Heinrich. Ronnenroth; Müller, Heinrich, II., Alten-Duseck, (117); Müller, Leh­rer, Ronnenroth; Müller, Ludwig, I., Heuchel­heim, (78); Münch, Karl, Grotzen-Buseck (103); Oswald, Wilhelm, Wieseck, (161); Peter, Bür­germeister, Lauter, (73); Pfeifer, August, Großen- Buseck. (107); Rehnelt. Gießen. (136); Reusch- ling, Wilhelm, Heuchelheim. (87); Roth. Hein­rich. V., Rieder-Bessingen; Sack, Wilhelm, Poli­zeidiener, Heuchelheim. (80); Schäfer, Karl, Daubringen, (34); Schäfer. Philipp, XL, Anne­rod. (142); Schmandt, Heinrich. II., Watzenborn- Steinberg. (27); Schmidt, Bürgermeister, Stein­heim, (46); Schmidt, Christian, Grotzen-Buseck, (101); Schöne, Konrad, Lich; Schreiner, Karl, Wieseck, (168); Stengler, Heinrich, Lich; Stoll, Wilhelm, Rindmühle bei Inheiden, (4); Drechs­ler. Karl, Lich; Wagner, Konrad, Muschenheim, Weller, Gustav. Bäckermeister. Wieseck. (172); Zimmer, Heinrich, VIII., Lich.

Lobende Anerkennungen: Lotz, August, Wieseck; Schäfer, Heinrich, VIII.. Annerod; Wolf- Emmelius, Gießen; Verein für chemische Industrie Frankfurt-Main Vertreten durch Daniel Baum hier, für die bewährten Frostschutz-Briletls. Fir­ma I. Himmelsbach, G. m. b. H., vägewerke Ridda, für ausgestellte Muster neuzeitlicher Obst­versandkisten zur Einheitspackung von Ver­sandobst.

nicht zuviel, wenn man behauptet, daß in dieser Ausstellung der überzeugende Beweis erbracht wurde, daß unser heimisches Obst in jeder Hin­sicht mit dem ausländischen Obst konkurrieren kann. Oeionomierat Breidenbach -Dorheim, Vorsitzender des Landwirtschaftökammer-Aus- schusses für Oberhessen, und Regierungsrat von Hahn -Darmstadt als Vertreier der Land­wirtschaftskammer, wiesen in ihren kurzen An­sprachen bei der Eröffnungsfeier denn auch nachdrücklich auf die hohe Qualität des heimi^ scheu Obstes hin und betonten, daß angesichts dieser Leistungen unsrer oberhesfischen Obst­bauer der Bezug ausländischen Obstes hier nicht mehr in Betracht kommen sollte. Daß diese An­sicht von den Besuchern in weitestem Ausmaße geteilt wurde, konnte man aus zahlreichen Aeuße- rungen der sehr befriedigten Ausstellungsinter­essenten entnehmen. Lind so dürfte diese vor­bildliche Schau Wohl auch über ihre zeitliche Dauer hinaus ein starker Erfolg für den hei­mischen Obstbau geworden sein.

Die Anzahl der verteilten Preise, die an die Bürgermeistereien geschickt und dort in Empfang genommen werden können, beträgt über hun­dert. nämlich 19 erste. 22 zweite, 54 dritte und 6 lobende Anerkennungen. Somit ist fast auf jeden zweiten Aussteller ein Preis ent­fallen, was als Beweis dafür gelten kann, daß im allgemeinen viel mehr Sorgfalt auf die Aufbewahrung des Winterobstes gelegt wird, wie früher. Ein Aussteller, Bürgermeister Müller (Bellersheim), brachte sogar einen Teller tadellos erhaltene Roter Eiserävfel aus der Ernte von 1 92 6. Lieber die Obst­produkte wird von berufener Seite noch berichtet werden, nur sei als etwas Besonderes jetzt schon der vorzügliche Apfelsaft und Wein von Wilhelm Acker aus Wieseck erwähnt.

Das rege Interesse für den heimischen Obst­bau kam durch den außerordentlich regen Be­such der Ausstellung zum Ausdruck, der allein am gestrigen Sonntag die Zahl zweitausend überschritt.

Turnen, Sport und Spiel.

Aus dem Turngau Hessen (£). T.)

Marburg, 4. gebt. Richt weniger als 83 Turnwarte und Vorturner hatten sich hier zur Bezirksvorturner stunde des I. Be­zirks im Turngau Hessen eingefunben. Liebun­gen und Organisation des Wintergeräteturnens wurden eingehend beraten. Ein wichtiger Punkt der Besprechungen war anschließend die beab­sichtigte Lostrennung des 1. und 6. Bezirks vom Turngau Hessen und ihre Zuteilung zum Gau Treysa-Hersfeld des Turnkreises VII (Oberweser). Diese Maßnahme hängt mit denDereinigungs"-- und Grenzregulierungsbestrebungen zusammen, die seit einiger Zeit in den Kreisen und zum Teil auch in den Gauen der Deutschen Turner- schaft zur Diskussion stehen. Der VII. Kreis hätte, das ist seit längerer Zeit bekannt, gerne Teile des IX. (Mittelrhein-) Kreises zu seiner Ab­rundung, und zwar handelt es sich bei seinen Forderungen um alte Kernstücke des Gaues Hessen, für die seinerzeit kleinere Austau'ch- gebiete angeboten wurden. Als die Frage erst­malig austauchte, wurden neben den althessischen Gebieten des 1. und 6. Bezirks (Marburg. Kirch­hain. Biedenkopf. Frankenberg) auch Teile des 4. Bezirks (Lauterbach) genannt. Da man sich in der D. T. von Lleberlieserung und geschicht­lich Gewordenem, von einmal geknüpften Freunb- schaltsbanden nur schwer trennen kann, dürfte die geplante Bereinigung im gesamten Gau auf Widerstand stoßen, zumal zu den genannten Turnerstäbten in allen Gaubezirken besonders freundschaftliche Beziehungen bestehen. Die erste Gegenmaßnahme zu dem Vorhaben der oberen Leitung hat unser 1. Bezirk getroffen. Die hier versammelten Turnerführer lehnten ein­mütig einen Liebertritt zum Rachbarkreis ab, nicht nur aus verkehrstechnischen Erwägungen heraus, sondern auch aus ideellen Gründen.

Denn Gau- und Mittelrheinkreisführer sind den Turnern Althessens so ans Herz gewachsen, daß ihnen eine Trennung unerträglich wäre. In einem einstimmig angenommenen Antrag, der auf dem Gauturntag des Gaues Hessen am 11. März in Gießen vorgelegt werden soll, wird die Stellungnahme des Bezirks zur Frage der Lostrennung vom Gau Hessen eingehend begründet und der Liebertritt zum Weser-Fulda- kreis abgelehnt. (Man kann die Haltung der Marburger Turner, die sich eng verwachsen fühlen mit dem Gau Hessen und mit ihren hessischen Stammesbrüdern nach wie vor die turnerische Gaueinheit bilden möchten, durchaus verstehen, um so mehr als uns bekannt ist. baß in Fulda schon lange Bestrebungen im Gange sind, vom VII. Kreis loszukommen und zum leistungsfähigen Turngau Hessen überzutreten. Wie wir hören, bestehen auch gar keine Aus­sichten für Durchführung des Vorhabens. D. Red.)

Gchwünmerergnis in Berlin.

Das Internationale Berliner Schwimmfest nahm am Samstag tm Wellenbad Lunapark einen präch­tigen Anfang. Das Hauptereignis des Abends, der Wasserball - L änderkampf Deuts 6) - land - Belgien, wurde von der deubs.hen Wasserball-Sieben mit 3:2 gewonnen. Besonders in der ersten Spielhälfte zeigten die deutschen Reprä- sentativen ein glänzendes Spiel und lagen bis zum Wechsel mit 2:0 in Führung.

In den Schwimmwettbewerben sir gte Arne Borg im 1500-Meter-Freistiljchwimmen natürlich, wie er wollte, in genau 21 Minuten. N e i tz e I - Magdeburg 96 verbesserte hinter ihm mit 22,02.2 den deutschen Rekord, der aber wegen der Kürze d:r Bades keine Anerkennung finden kann.

Im 4 0 0 - Meter - Brustschwimmen für Damen stellte Frl. Hilde Schrader (Magde­burg) mit 7.01.8 eine deutsche Höchstleistung auf.

Alle Holländer" undjunge Franzosen".

Lebhafter Aufschwung im deutschen Kunsthandel.

Von Dr. Walther Hötting.

Kürzlich wurden zwei berühmte Bilder, ..Christus und die Samariterin" von Rem­brandt undDie Heilige Familie" von 5)üre r, aus deutschem Besitz an Aus­länder verlaust. Diese Tatsache, die in der gesamten Kunstwelt großes, berechtigtes Aufsehen hervoraerufen hat, lenkt die all­gemeine Aufmerksam.e t auf die Organisa­tion des deutschen Kunsthandels, der in letzter Zeit eine völlige Umgestaltung er­fahren hat.

Der deutsche Kunsthandel erlebt jetzt einen Aufschwung, den man noch vor wenigen Jahren nicht einmal ahnen konnte; er spielt heute auf dem internationalen Markt eine weit bedeuten­dere Rolle als vor dem Krieg. Aeutzerlich zeigt sich das schon dadurch, daß Berlin fast mit einem Schlage eine Art vonGalerien- viertel" erhalten hat, also eine Art Zentrum des Kunsthandels, wie man es sonst nur im Stadtbild von Paris, Rom ober Amsterbam kannte. Allerbings bleibt Amsterdam der wichtigste Kunsthandelsplah für die Werke der älteren Malerei; denn die rasche Entwicklung des deutschen Kunsthandels umfaßt in erster Linie das Gebiet der neuen Kunst, und die Galerien und Kunstsalons, die im Westen Berlins aber nicht am Kurfürstendamm, sondern zum größten Teil im alten Tiergartenviertel fast aus dem Boden geschossen sind, wenden ihre Aufmerksam­keit ganz allgemein der Moderne zu. Daneben machten sich freilich auch Sammlerneigung und Kauflust für alte Kunst bemerkbar; besonders er­freuen sich die alten holländischen M e i - ft er einer großen Beliebtheit aber was davon in Berlin in freiem Besitz, also nicht Eigentum staatlicher Sammlungen und Museen ist. das ist nicht sehr viel und nicht sehr bedeutend. Immer­hin werden geradealte Holländer" von den kleineren und manchmal auch von den weniger seriösen Kunsthändlern viel ..gehandelt", und aus diesem Gebiet betätigen sich auch die Laien.

eum

Es ist bekannt, bah sich der Kunstbesitz nicht mehr in so festen Händen befindet wie früher. Viele Generationen befand sich früher ein gutes, altes Bild im Besitz einer Familie. Oft wußte man den Namen des Maler nicht, ober es pflanzte sich von Mund zu Mund die vage Kunde fort, das Werk stamme von Frans Hals oder von Vermer oder gar von Rembrandt. 2n den meisten Fällen waren das sehr un­gewiße Angaben; aber es waren Familienstücke, die von einer Tradition umgeben waren und ans Verkaufen dachte niemand. Die Inflation hat darin gründlich Wandel geschaffen. Der alte Kunstbesitz geriet in Bewegung, Bilder wurden zur Kapitalanlage. Laien, die durch Erb­schaft, Tausch ober Kauf in den Besitz alter Ge­mälde gekommen waren, überschwemmten den Markt mit Bildern, von denen jedes, mit und ohne Attest oder Gutachten, ein Rembrandt ober van Dyck sein sollte. Die Flut hat heute kaum nachgelassen: wer einmal die Direktion des Berliner Kaiier-Friedrich-Mufeums aufsucht, also die kompetente Stelle für die ältere Malerei, der erführt, daß dort stets eine Menge alter Bilder zusammenströmen; aus ganz Preußen, aus Süd- deutschland, ja aus dem Ausland werden wohl­verpackte und verschnürte Gemälde eingesandt, für die ein Gutachten verlangt wird, daß es ein Rembrandt ober ein Rubens ober ein Terborch und natürlich einige hunberttausenb Mark wert sei. Wenn bieSpitzenklöpplerin" bes Ver­meer van Delft, die lange im Kaiser-Friedrich- Museum gehangen hat, für einige Hundert- tausende ins Ausland verkauft wird, dann kom­men wochenlang Leute mit so vielenVer­meers", wie es nie gegeben hat. Stets ver­langen sie ein Gutachten von Wilhelm von Bode; sie wissen, daß ein Wort Bodes im Kunsthandel Gold wert ist. Meist werden dem Museum - zur Begutachtung oder sogar zum Kauf Kopien angeboten; in seltneren Fällen sind es Werke guter, aber wenig bekannter Maler, die dann einen theoretischen Wert von 1000 oder 2000 Mark haben. Das ist für die Besitzer gewöhnlich eine große Enttäuschung wenn sie nicht doch hartnäckig an ihrem Glau­ben festhalten. In Berlin erzählt man sich eine Geschichte von einem neureichen, der eine Kopie von RembrandtsMann mit dem Gold­helm" feierlich in seinem Salon aufbewahrt. Das Original hängt freilich im Kaiser-Friedrich- Museum; aber Wilhelm von Bode hatte dem

Besitzer der Kopie begütigend gesagt, daß ja auch manche Bilder in den Museen Rachahmungen seien und seither läßt sich der Mann durch nichts mehr in dem Glauben irremachcn, baß et- ben echtenMann mit bem Goldhelm" habe. Aber man kann auch Glück haben: der be­merkenswerteste Fall dieser Art ist der neu- entdeckte und durch Friedländer anerkannte Dürer (ein Bildnis eines Jünglings). Eine Berliner Galerie hat dieses Bild kürzlich für 750 000 Mark erworben ur* jetzt für eine Million nach Reuyork verkauft; die große Gewinnsumme verdankt sie sicher in erster Linie dem Ansehen des Gutachters.

Seinen eigentlichen Aufschwung hat der deut­sche Kunsthandel aber eigentlich aus dem Gebiet der modernen Malerei erlebt und zwar, so erstaunlich es ist, mit französischen Bil­dern des 19. Jahrhunderts. Man kann darüber Klage führen, aber man kann nicht bestreiten, daß für deutsche Künstler hohe und höchste Preise auch für bie Mobernen zahlt man heute Hunderttausende nur mit Werken Leibls und vielleicht auch Trübners erzielt werden. Paris zeigt ein recht geringes Inter­esse für Liebermann, der ebenso wie Co­rinth nur in Deutschland ein gutzahlendes Publikum hat. Zweifellos wird Corinth eines Tages Bedeutung für den internationalen Kunst - handel erlangen; heute aber zögert sogar die Rationalgalerie, die einzelne Aquarelle aus seinem Nachlaß gern erwerben möchte, dafür die geforderten 2000 bis 3000 Mark anzulegen. Corinths Rachlaß ist nämlich nicht verschleu­dert worden; er gehört zu einem großen Teil seinen Erben, die ihn nicht preisgeben mußten und glücklicher als die Witwe eines französi­schen Malers sind; denn diese Dame sah sich kürzlich bei einer Versteigerung des Rachlasses einer richtigen Verschwörung der Händler gegen­über, die ihr die Bilder ihres Mannes zu lächer­lichen Preisen abjagten, aber schon in wenigen Wochen beim Wiederverkauf enorme Gewinne erzielten.

Lim die Förderung des deutschen Kunsthandels hat sich besonders der Schriftsteller Julius Meier-Graefe verdient gemacht. Er hat dazu geholfen, daß der deutsche Kunsthandel sich eine der ersten Positionen aus dem inter­nationalen Markt schassen konnte. Die Galerien, die diese Stellung gerade mit der französischen Malerei eroberten, haben damit so paradox

In der 3 mal 100 Meter Freistilstaf­fel siegte Borussia - Silesia (Breslau) in 3.15 vor Poseidon (Leipzig).

In der Großen Bruststaffel 10 mal 50 Meter siegte Hellas (Magdeburg) in 14.26 und in der 4 mal 100-Meter-Lagenstaffel Hellas (Magde­burg) in 5.01.

Guten Sport brachten am Sonntag wiederum die beiden Wasserballspiele. Die deutsch« Olympia- Sieben siegte über die tschechische Länder­mannschaft mit 4:1. Im zweiten Wasserballspiel zwischen den Städtemannschaften von Brüssel und Berlin führte Brüssel in der ersten Hälfte 2:1 und blieb zmn Schluß nur knapp mit 3:2 sieg­reich.

In den Schwimmwettbewerben des zweiten Ta­ges ragen besonders die Siege des schwedischen Schwimmwunders Arne Borg hervor. Arne Borg war sowohl über 100 wie 400 Meter nicht zu schlagen. Das 200-Meter-Brustschwimmen brachte den erwarteten Kampf, aber nicht zwischen Rade­macher und Wisnell, sondern zwischen dem Magdeburger und dem Kölner B u d i g. Der Schwede Wisnell war eine große Enttäuschung und endete unplaziert.

Schwimmtrainer Behrens gestorben.

In der Rächt zum Sonntag verschied an einem Schlaganfall der Trainer der deutschen Schwimm­mannschaft für die Amsterdamer Olympiade, der Magdeburger Kurt E. Behrens, im Alter von 42 Jahren. Der Verstorbene war einer der bedeutendsten Kopfe im europäischen Schwimm­sport. Als Leiter der Magdeburger Hellasmann- schast jDoIjnte Behrens am Samstagabend den internationalen Schwimmwettkämpfen in Berlin bei, wo er infolge ungeheurer Aufregung einen Schlaganfall erlitt, dem er dann in der Sonntag­nacht erlegen ist.

Süddeutsche Fußballmeisterschaft.

In der R u n ö e der Mei st er blieben dies­mal größere Lieberraschungen aus. Das wichtigste Treffen fand in München zwischen Bayern M ü nchen und der Spielvereinigung Fürth statt, das torlos 0:0 endete. In Frank­furt sicherte sich Eintracht gegen den Fuß­ballverein Saarbrücken durch ein ver­dientes 5: 1 weitere 2 Punkte. Eintrachts Sturm war sehr schuhfreudig. Wormatia Worms teilte mit dem Sportverein Waldhof die Punkte. Das sehr harte Treffen endete 2:2. nach­dem anfangs Mannheim-Waldho" in Führung gelegen hatte. Stuttgarter Kickers ver­loren dank ihrer schlechten Deckungsarbeit ver­dient gegen den in bester Form befindlichen Karlsruher F u ß b a 11D e r e i n 2:4.

2n der Runde der Zweiten und Dritten gab es namentlich in der Gruppe Rord w e st sehr torreiche Treffen mit Ergeb­nissen, die nicht ganz den Erwartungen ent­sprachen. V. f. L. Reu-Isenburg konnte dank großen Eifers dem Frankfurter F.Sp.V. ein unentschiedenes 3:3 abtrohen. Einen sehr guten Eindruck hinterlieh der F. Sp. V. 05 Mainz in seinem Gastspiel gegen V. f. L. Reckarau in Mannheim. Die Mainzer waren in bester Verfassung und gewannen trotz der vier Gegentore, die ihr Ersatztorwächter passieren lassen muhte, mit 6:4 Toren vollkommen ver­dient. Auf sehr schlechtem Boden und bei nicht allzu fairem Spiele erkämpfte sich der zweite grauliurter Verein, Sportklub Ro 1 weiß, mit einem verdienten 4:3 gegen Borussia Reunkireden den zweiten Tabellenplatz, nach vier Llnentschieden endlich den ersten Sieg feiernd. Auch die zweite Mannschaft aus dem Saargebiet, Saar 05 Saarbrücken, verlor, wie er­wartet, gegen die F. G. 1 903 Ludwigs- b a f e n trotz guter Verteidigung mit 2:4 Toren, bleibt also mit dem anderen Saarverein zu­sammen am Ende der Tabelle.

In der Gruppe S ü b o ft der Runde der Zweiten und Dritten standen diesmal nur zwei Begegnungen auf dem Programm. Der 1. F. C. N ü r n'b e r g ge­wann zwar gegen den V. f. R. Fürth mit 2:1 Toren, aber der Sieg wurde ihm durchaus nicht leicht gemacht. In einwandfreier Weise triumphierte in Karlsruhe die flüssige Kombination des Frei' b arger Sportklubs über die schlecht dispo­nierte Phönix-Mannschaft mit 2:0 Toren. Sp. El. Freiburg gelangte somit auf den zweiten Tabellenplatz.

MB UUUJOTJ- mjli i- mumm

es klingt den gangbarsten Weg eingeschlagen, auch den großen Deutschen internationale Gel­tung zu schaffen. Der deutsche Handel, der nun ein gewichtiges Wort auf dem Marit der an­erkannten Franzosen miispricht, wird sich jetzt auf den französischen Märkten viel erfolgreicher für Corinth, Liebermann und Slevogt einseZen können. Darum ist die Reihe der Reiwir-, Monet-, Manet- und van Gogh-Ausstellungen durchaus nicht beängstigend, selbst wenn von bei großen Objekten in der Monet-Ausstellui'.g werden faum Werke unter einem Wert von hunderttausend Marl zu sehen sein eine ganze Anzahl in Deutschland gelaust werden sollten. Damit rechnen n.aturiich die Händler, denn ohne diese Aussicht würde niemand allein als Der- sicherungsprämi: für eine der genannten Aus­stellungen die runde Summe von 60000 Mk. aus­geben. Lim auch nur diesen Teil der Llnrosten das sind bet weitem nicht alle hereinzubrin­gen, sind mindestens drei bis vier gute Ver­käufe notwendig.

Man klagt viel über denSnobismus" des Publikums, der sich in erster Linie der fran­zösischen Malerei zuwcndet. Es gibt aber auch unter denen, die deutsche Künstler fördern, tau­fen und verkaufen, vieleSnobs". Es gibt heute wenig kaufkräftige, individuelle Sammler mehr: R a e b e r in Lugano, der feine berühmten Zeich­nungen zu seinem Schaden gegen Picasso ein* getauscht hat. oder Reinhart in Winterthur. Natürlich gibt sich der Kunsthandel auch um diese einzelnen Liebhaber alben Stils große Mühe, wenn sie in Berlin erscheinen; aber die großen Sensationen machen heu e die Cliquen, die Ga­lerien mit eigener Zeitschrift, literarischer Re­klame, gesellschaftlichem Anhang. Hier findet der Künstler die Chance,lanciert" zu werden, mit Ausstellungen, Porträtaufträgen. Käufern. Der Erfolg hängt viel von gesellschaftlichen Beziehun­gen ab. Wenige sind so naiv und schlau zu­gleich jene Mischung, die die glücklichsten Ge­schäftsleute ergibt wie der zu seiner Zeit ziem- lich bekannte Italiener Rosso, der von Paris nach Berlin kam und sich von Geheimrat Arn- hold seine berühmte Sammlung zeigen ließ. Gewiß," sagte er, indem er alle die großen Ra­inen gebührend bewunderte,das ist alles vor­trefflich aber Ihnen fehlt ein Rosso." Arnhold hat diesen fehlenden Rosso gelaust. Die italienischen Künstler 'waren von jeher ihre eigenen Manager ....