m. 5 Zwetter Blatt
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Freitag, 6. Januar 1928
Oie rote Hand.
2km Dr Paul Rohrbach.
3n Moskau bat her kommunistische Parier- fcmtfrtfi mit einem ooUftänhigen Siege Der .Opportunisten' geendigt Stalin ist Diktator mit einer tatsächlichen Machtfüll«. die der. dir früher Lenin besäst, nicht viel nachzugeben scheint. Der Unterschied ist nur der. hast Centn* Autorität, wenn man da* Dort hier anwenden kann, bei aller Unbedingtheit doch .moralischer" Natur war, während Stalin darum gesiegt bat. weil die grohe Mehrheit der Partei einfeht. dah dt mit ihr zu Ende ist. wenn tne Opposition ihren Dillen durchsetzt oder Duldung erzwingt. .'Zugleich vollzieht sich mnerhalb des herrschen- den Sowjetismus in Ruhland eine eigentümliche Scheidung zwilchen Rationalrussen und. wie man früher in Russland sagte. Fremd- stämmigen In der von Slatin geführten Mehrheit setzt sich neben dem internationalen immer mehr der russische Gedanke durch. Das zeigt sich auch darin, dah die Opposition meist aus Fremdstämmigen besieht
3* ist eine viel zu selten b.ieuchtete Tatsache dast Don jeher die Führung in Ruhland überwiegend in nichtrussischen Händen lag. oder doch in solchen, die teütonfe nichtrusfischer Herkunft waren Schon die Gründung des russischen Staates im 9 und 10. Jahrhundert war eine tat der 'Hermannen. Die ursprünglich normannische Dynastie der Ajuriker starb am Ende des 18. Iahrhunder s aus Unter den Roma- nvws. die ihr folgten, hebt sich die einzigartige Gestalt Peters des Drosten hervor, den man «inen genialen Barbaren oder ein barbarisches Genie nennen kann. Mil seinen Töchtern Anna und dlifabetb starb das Haus der Roman?ins aus. Don 1782 bis zur grasten russischen Revolution haben dem Blute nach Deutsche über Ruhland regiert, bas HauS Holstein-Gottorp. dessen Angehörige kaum noch einen Dropsen russischen Blute* in ihren Adern halten Regiert und verwaltet werden könnt? das .europäisierte" ^uhlanb dem Drohen mir noch mit
Hille der je weiter nach oben desto stärker mit Deutschen durchsetzten Bureaukrati? Die lei- lenden Männer in Ruhland hiesten im 18. Jahrhundert Biron. Oft ermann. Münnich. Sievers ufw.: tm 19. hichen sie Resselrode, Richelieu, dancrtn. Giers. Ditte. Dazwischen finden s ch auch russische Ramen. aber sie bedeuten nicht viel. Mit dein Aufkommen des rein russisch or en- tierten Panslawismus beginnt der russische Staat Bahnen einzuschlagen, die zum Welt- krieg unt> damit zu seinem Verderben führten. Denn man wissen will, wie innerlich unfähig die national-russische Oberschicht war. den Staa» zu führen, ja sich mit selbst im Bewußtsein ihrer Führerpflicht zu behaupten, bami lese man das Tagebuch des französischen Botschafters in Petersburg während der Kriegszeit, Paleolvgue!
Auch die bolschewistische Revolution vom Ro- uember 1917 war nicht von Russen gemacht. Lenins Gesicht braucht inan nur im Bilde an- Auf eben, um seine tatarische Herkunft zu erkennen. Die ursprünglichen Führer- des Bolschewismus empfanden auch gar nicht in erster Linie russisch-revolutionär, sondern international- revolutionär. Bon Ruhland sollte nur der Anfang der Deltrevolutton kommen. Sin Mann wie Trotzki oder Sinowjew hat trotz des angenommenen russischen Ramen* zum Ausgangs D»n kl seines Denkens nicht Ruhland, sondern k^ Delt. Das galt auch für Lenin, und es hing nicht zuletzt auch damit zusaRunen. dah diese alten Führer Jahre und Jahrzehnt? ihres Lebens im A u s l a n d e im Exil zugebracht hatten: in der Schweiz, in Paris, in Amerika. Ihre weltrevolutionäre Einstellung habm die tieberlebcnbcn von ihnen für ihre Person behauptet. aber ihr Dille ist zerbrochen an der harten Tatsache, dast es dem bolschewistischen Regime nicht gelungen ist, den landwirischast- llchen und industriellen Produktronsapparal Ruh»
Hermann Grimm.
3u seinem 100. Geburtstage am 6. Januar. Don Dr. Heinrich Taschner.
Dem Lebenswerk Hermann Grimms, der der Sohn des Sprachforschers Wilhelm und der Resse des berühmten Begründers unserer Germanistik 3aiOD (Stimm war'), droht schon ein Dirrteljahi hundert nach dem Tod des Schöpfers bas Schicksal, im Grabgewölbe der Literaturgeschichte feierlich beigeseht zu werden. Schon in den letzten Lebensjahren fah sich dieser Rach'ahre GoetheS von der Zeit, die über ihn Hinwegschritt, überholt und als Rückwirkung gegen die Heber- schätzung die ihm auf der Höhe feines Lebens in so reichem Maste zuteil geworden war, in den Schatten gedrängt. Der Gegenwart aber fehlt es im Wirbel k<r hastenden, schnellebigen Zeit an Ruhe und Objektivität, der Lebensarbeit dieses Propheten Goethe* gerecht au werden, der. wie der Meister selbst, die menschliche Ideenwelt als einen Teil der Allnatur aufgefastt und in dieser Allnatur einen ewigen Emwicklungsprozest erkannt hatte. Dennoch birgt Grimms grobe* und vielseitiges Derk eine Fülle zeitlos wertvoller Gedanken und eröffnet Ausblicke in die Dell de* Schönen, die dieser Hohepriester der klassischen. griechischen und italienischen Kunst uns mi' plastischer Klarheit vor Augen und Seele gestellt hat.
Hermann Grimm ist der Tnpus des literarischen Grandseigneurs von untadliger Formen- ficherheit und Weltgewandtste it nicht nur im Sinne der Familientradition und als Erhalter des geistigen Famllienguts. nein, auch in der ausgesprochen persönlichen Darstellungsweife prägt sich in jedem Dort, in jeder kleinen Randbemerkung das feinnervige Kunstgefühl eine* Aestheten au*, dem alles Kleine und Triviale welensfremd blieb. Der weitspannende groh- zügige Dedankeninhalt seiner Werke kleidet sich in einen Stil, der von einer beilp e Lio’en Ära ft und Plastik, als volllommenfter Ausdruck der sprachlichen Hochkultur eines Virtuosen der Subjektivität. zu erkennen ist. Grimms stiliftischo Kultur, die im Geist der klastischen deutschen
•) Richt etwa .der Sohn der Brüder Grimm", wie jene gebanfenlo’c Eramensantwvrt behauptete. die in Germanischen Seminaren mit Recht schon den jüngsten Semestern als abschreckendes Beispiel mangelnder Logik vor Augen gestellt wird. — D. Red.
land* soweit wiederherzustellen, dah der Sowjet- ft aal vom Ausland unabhängig wurde. Sowjetruhland wäre in dem Augenblick verloren, wo ein internationaler Befchluh zustande käme, ihm nichts zu verkaufen und nichts von ihm zu kaufen.
Die natürliche Folge davon war. dah die weit revolutionären Theoretiker für die Mehrheit, die die gegebenen Derhältniffe begriff, immer mehr zur Gefahr wurden, weil ihr Sieg den baldigen Zufammenfchluh der übrigen Delt zum Dirtschastsbotzkott gegen Ruhland bedeuten würde. Der aber Ware die Katastrophe der Sowjets, die zwar noch von der Weitrevo- lution reden, fie aber tm stillen als Utopie erkannt haben. Daher der äußere und mehr noch der innere Rückzug auf dem nicht ein gestandenen aber doch in abgcänberter Form wieder auf gelebten russifchen Staatsgedanken. Allerdings ist der Führer, dem die stärkste persönliche Herrscherkraft innewohnt. ©tafln, bezeichnenderweise wiederum kein Rulle, sondern ein Georgier.
Rur einen verzweis eilen Versuch hat eben noch die einst so furchtbare Moskauer rote Hand, wohl nicht zufällig zufammenfallend mit dem Parteikongreh. unternommen, um die weltrevo- lutionärc Draperie des Sowjetismus nicht ganz herabfallen zu lassen. Rach den chinesischen Rach- richten, die man für glaubwürdig halten kann, hat Moskau felbst feinen Agenten in Süd- Ehina, die sich Konsuln und Handelsvertreter nennen, aber rein bolschewistisch? Vertrauensleute und Agitatoren sind, die Anweisung geg b n. d n Putsch von Äanlon zu unternehmen Er war blutig in der Ausführung, aber noch blutiger ist feine Unterdrückung geworden Man wollte der erkundeten Absicht der chinesischen Volksregierung. diplomatisch ernt Tr nnungsl'.n'e gegen Moskau zu ziehen, zuvortommen. aber die Ehi- nesen haben kurzen Prvzeh gemacht und tirhet die Freiheit noch das Leben der Sowjetagenten ge- schom
Moskau ift geschlagen und England triumphiert. Die englisch? Presse kritisiert die in der Tat schwache Rote, mit der die Sowjetregierung die chinesische Mitteilung, die Beziehungen seien abgebrochen, beantwortet hat, dthin dah sie den endgültigen Zusammenbruch der bolschewistischen Politik in Eh'.na besiegele Das möchte insofern richtig fein, als Moskau keine Machtmittel besitzt, um eine Genugtuung von den Chinesen zu erlangen. Für China und für alle, bie einen praktischen ober ideellen Anteil an den chinesischen Dingen n hm"N, wäre es zu wünschen. dah dies nun wirklich die letzte Dlutfpur wäre, die die rote Hand im Osten zurnckgelafsen hat
Aus der Provinzialhauptsiadi.
Gietzen, den 6. Januar 1928
Oas blaffe Kind.
Don Prof. Dr. Arnold Orglet, Berlin.
Blasse Kinder sind Sorgenkinder. Zwar muh nicht hinter jeder Blässe eine Krankheit stecken, denn es gibt eine ganze Reihe von Kindern, die stet* schon von ihrer Säuglingszctt an bläh gewesen sind, und deren Blässe auf der ihnen eigenen Gesichtsfarbe beruht Wem, aber ein Kind, da* bisher qutc Farben gehabt hat. bläh wird, muh man sich natürlich fragen, ob hier etwa* Krankhaftes vorliegt. Bläffe der Haut kommt bei den verschiedensten Zuständen vor, und es bedarf daher stet* einer genauen Untersuchung. um festzustel'.en. worauf fie beruht. Vor allen Dingen must darauf hingewiefen werden, dah blasse Farbe und Blutarmut nicht dasselbe sind, was noch vielfach irrtümlicherweise angenommen wird. Rur im Säuglingsalter kann Dlälle Folge einer ech en Blutarmut fein. Die Müch, von der der Säugling fast ausschliehlich das ganze erste halbe Jahr lebt, ist nämlich eine sehr eisenarme Nahrung Ihr Eisenge alt reicht
Dichter hochgezüchtet und von dem Vorbild der englischen und amerikanischen Essayisten befruchtet ift. stellt eine Macht dar, die jeden in ihren, Bann zwingt, der seinen Büchern näher tritt. BufsonS berühmtes Dort: „le style, c’est l’homme merne" trifft deshalb auch auf keinen so zu, wie auf diesen formgewandten Repräsentanten der Geistigkeit, der mit dem tiefen Wssen und der Belesencheit des Gelehrten das Auge des Malers und die fesselnde Diktion des geistvollen Plauderers zu reizvoller Einheit verbindet. Grimm hatte das Glück, aus einem HauS zu stammen, in dem die Sprache ungeheuer gepflegt wurde. Wie das Sprachgefühl, brachte er auch die romantische Welt- und Kunst- anschaming vom Vaterhaufe mit. die durch den Lebensbund mit der Tochter Achims und Bettina- von Arnim noch an Tiefe und Wurzelfestigkeit gewann.
Vier Iochre vor Goethes Tode, am 6. Januar 1828. erblickte Hermann Grimm zu Kassel das Licht der Well. Nachdem er in Bonn und Berlin die Rechte ftubiert hatte, wandte er sich vorwiegend philosophischen und historischen Studien zu. Im Jahre 1873 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Profettor der Kunstgeschichte an der Universität Berlin, der er bis zu feinem am 16. Juni 1901 erfolgten Tode angehört hat. AlS Schriftsteller trat er, von einigen belanglosen Dramen abg?feh?n. mit einem Band Novellen hervor, einem lieben-würdigen Buch, dellen eingeftreute Gedichte im Wohllaut ihrer Verse bezeugen, welch starkes Talent auch s'ür die Lnrik unb vor allem für die B'.l'.ede dem erfolgreichen Erzähler eigen war. Diesen feind- sinnigen. zart abgetönten Novellen folgte zehn Jahre später der groh angelegte Roman .Unüberwindliche Mächt e", der eine Reihe geistvoller, lebendig gefchiuter Bilder aus ban Leben der Aristokatte und der amerikanischen Neukultur entrollt. Aber nicht in den Novellen und dem Roman, die das schöpferische Werk des Dichters darstellen, beruhen Gröhe und Bedeutung Hermann Grimms. Das Krattvolle. Leuchtende 'einer Leistung hegt jenseits seiner dichterischen Arbeit und gründet sich auf feine in acht Bänden gesammelten Essays, die an ästhetischem Reiz Dorblder der Gattung bleiben, ebenso wie dte kunstkritischen Werke, die in der Methodik der Forschung, der Kunst des Einfühlens und Nachfühlens in die zeitliche Umwelt und der geistigen Durchleuchtung und Belebung des Stoffe* ohne Vorgänger llnd und zum Besten gehören, was die neuere deu'fch? Literatur auf diesem Gebiet hervorgebrachl hat.
nicht au*, um den Bedarf des Säugling* an Ei en zu decken. Um nun den Säugling vor Auftreten der Blutarmut zu schützen ihm ein gewisser Vorrat an Eisen mit auf die Welt gegeben. der in den ersten Lebensmonaten aufgezehrt wird Wird ihm keine eifenballige Nahrung zugeführt, fo kann der Säugling an Blutarmut erkranken Aber auherdem must in der Milch noch ein Faktor enthalten fein, der auf eine noch nicht ganz aufgeklärte Weife die Blutbildung stört. In biefer Beziehung wirkt Ziegenmilch ungünstiger als Kuhmilch Kuhmilch ungültiger al* Frauenmilch Um daher da» Auftreten von Blutarmut im Säuglingsalter zu verhüten. muh man einmal mit Anfang des vierten Monats Gemüsefaft oder Obftsaft und tm Alter von fünf Monaten Gemüse dem Säugling verabreichen. Zweitens dürfen nicht mehr hie groben Mi.chmengen gegeben werden, die früher üblich waren- man kommt bei unnatu.sicher Ernährung unter Zugabe geeigneter Beikost mit 500 bl* 800 Kubikzentimeter Kuhmilch aus.
Auch im Kleinkindesalter ist die reichlich? Milchzufuhr eine der Ursachen für das Auftreten blaffe; Farbe. Bon der irrigen Auffassung ausgehend. Milch fei das beste für das Kind werden Den Kindern noch 'ehr grobe Milch nennen verabreicht. so dah sie dadurch bereit* gesättigt, wenig Gemü'e und Obst zu sich nehmen Hier genügen die Einschränkung der Milchmenge auf ein bi* höchstens zwei Becher am Tage und die Darreichung gemi'chter Kost unter Bevorzugung von GennVe und Obst, um die blaffe Farbe nach kurzer Zeil zum Verschwinden zu bringen. Schwieriger ist es bei einer zweiten Gruppe Hier han- deit es sich um kaufaule oder appetitlose Kinder, die keine festen Speisen elfen wollen und daher mit Milch und Milchbreien noch weiter ernährt werden Die oft lehr schwierige Behandlung dieser Kinder must natürlich ganz ander? Wege eiitschlagen.
Aber schon im Kleinkindesaller und noch mehr im Schulalter ist für das Auftreten blasser Farbe etwa* anderes von aus'ch.aggebender Bedeutung. Echte Blutarmut findet man in diesem Alter, wie schon oben erwähnt, sehr selten. Run ist für die Hautsärbung nicht nur die Zahl der roten Blutkörperchen und die Menge des Diutfarb- ftoffes von Bedeutung, sondern die Stärke der Durchblutung der Haut. Diese ist abhängig von der Weite oder Enge der Blutgefähe. Bet sehr vielen Kindern wird durch den Mangel an frischer Lust die Durchblutung her Haut ungünstig beeinflußt. Hierher gehören die Stubenhocker, die im Moment, wo es gelingt, sie zum Spielen ini Freien zu bringen, ihre blasse Farbe verlieren. Bei einer anderen Gruppe werden durch kelisch- neroöfe Momente die Gesähe in krankhafter Weise verengt und dadurch kommt eS zu einem blassen Aussehen Bei diesen Kindern beobachten wir, dast fie nur während her Schulzeit bla st sind, während sie in den Serien, ganz gleichgültig, ob Winter oder Sommer, aufblühen. Man hat diese Erscheinung fälschlicherweise der Heberbür- dung durch die Schule zugeschoben. Allerdings leben solche Kinder unter einem gewissen Druck, aber dieser wird :.ur selten durch die Menge der Schularbeiten hervo^erufen, er beruht vielmehr auf der Angst de* Kinde* vor der Schule. Di« Angst vor der Schule kommt schon beim Kleinkind« dadurch zustande, dah ihm aus Erziehungsgründen mit der Schule gedroht wird. ..Komm du erst mal in die Schule!" In anderen Fällen ift es der Ehrgeiz der Eltern, der den Kindern Angst vor der Schule macht. Bei jedem schlechten Zeugnis werden die Kinder ge'cholten und ihnen als leuchtendes Beispiel die angeblich glänzenden Zengri fe der Ettern Dorgehal'.en. Dadurch wird das Kind entmutigt. Diese drei Punkte: Angst, Sorge und Entmutigung wirken auf das kindliche Gemüt in dem Sinne ein, dast das Wohl- ge üljl des Kindes stark herabgemindert wird. Das Kind be inhet sich dauernd in einem Zustand des Grichollens?ins und der Verängstigung. Liegt nun die geschilderte Beeinflussbarkeit des Geähfystems vor. so werden sich bei diesen
Kindern die Haulgesäste viel stärker jufammen- ziehen al* es normal ift. und da* Kind wird bläh Selbstverständlich können auch zu strenge Lehrer verängstigend aut das Kind einwirken und dadurch den Sinttuh her übrigen schädigenden Momente verschärfen In all diesen Fällen kann eine pcrftänbiqc Erziehung durch Ermutigung des Kindes hae B'.ahwerden verhüten. In anderen Sailen handelt e* sich um leicht ermüdbare Kinder, um Kinder, die morgens stets gut unb srifch aussehen, dann tm Laufe de* Tage* ab- fallen Ringe unter den Augen bekommen unb blafi werden Auch gibt eS Kinder, die in den Jahren de* stärkeren Wachstums blast werden fo hast man direkt von einer Wachstumbläfst spricht
Merkwürdigerweife werden vielfach n diesen Fällen von den Eltern die Würmer als Ursache her Blässe beschuldigt. Doch spielt gerade die Wurmkranlhett hierbei die geringste Rolle. Da- aegen gibt es eine Reihe von versteckten Krankheiten, die ein blaffe* Aussehen des Kinde* her- vorrufen Daher mü.fcn Arzt. Haus und Schub verständig zufanimenarbciten. damit den blauen Kindern wirklich geholfen wird.
ftranfenreifen zum Arzt.
welche Wagenflafk können ftrunfe ntofknmltghebi t aus der Fahri zum tirjt benutzen?
Zu den Kosten der ärttlichen Behandlung nadi § 182 9tW. geboren auch Diejenigen Aufwendunae die durch Zuziehung de» Arzte» erioröerttd) werde - Genehmigt die Kasse bk Beratung durch einen iu» wart» wohnenden Arzt fo fallen unter die zu er stattenden Kosten auch die durch die Reife zum Arzt entjteheirdkn notwendigen tluelogen (Entschndiaunn de» RBLI. ocmi 1. Juni 1920). Die Frage, ob Bei lidxrlen die ihnen durch da» Aufnichen eine« aus ©artigen Arztes erwachsenen Iritenbahnsahrkostt!! von der Krankenkafk nach den Sagen der »I er ter ober einer höheren Wagenklasse yi erstatten sind, 'ft nicht einheitlich zu entscheiden. Äastgedend ift, dast die Kosten nur insoweit zi^i erstatten find, al» sie zur o r d n n n g s m ä st t g « n Durch f ü h r u n g der erforderlichen ärztlichen Behandlung notwendig waren. Db die Auslagen für B.'u einer höheren als der vierten Wagenklafk zu »er guten lind, hängt non den Umstanden des Einzel falles ab. Dabei find die bei der Eisenbahn bsfwtzcn den Berhältnifk und der Krankheitszuftand des Mil gliebs in Betracht zu ziehen. Ist her Eifendahnzin in der vierten Sagenflalle ersaht ungoge^atz über füllt ober durch Traglasten in Anspruch genommen must aber her Kranke möglichst ungehindert in sitzen der Körperstellung fahren, dann erscheint die Be Nutzung der dritten Wagenklafse geboten. Die B <• u r t e 11 u n g mutz hiernach von Fall zu Fall erfolgen. Nach den jetzt bestehenden Berhältniffe,' ist jedenfalls die Ben u tz u n g einer höheren al« der vierten Wagenklafse nur beim Dorliegen besonderer Gründe als notwendig anzuerkennen. Auch auf dem Gebiete des Bersor gungsrechts werden die Reisekosten nicht durchweg in Höhe der dritten Wagenklasse erstattet (Entschei düng des RVA. vom 7. Januar 1927).
Bornotizen.
— lageskalender für Freitag. Stadt thcater: 7.30 Uhr. „Der Raub der Sablnerinnen“ (Ende gegen 10 Uhr). —- D. H. L.: Hotel Hovfeld, Hauptversammlung. — verein vertriebener Elsaß- Lothringer: 8 Uhr, Hotel Köhler, llahresoersamin- lung. — D. f. B . 8.15 Uhr, Berelnsheim (ffialbfport- platz), Monatsoerjammlung. — Lichtfplelhaut-, Bahn hofft raste: „Kinderseelen flogen euch an“. — Astoria-Lichtspiele: „Der Mann ohne Kopf“.
Aus hem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wer einmal von Herzen lachen will, hat im »Raub der Sabine- rinnen“ heute abend brste Gelegenheit. Der Raub der ©abtnerinnen“ hat in feiner Gattung sich geradezu den Eharakter d^r Klaffizl- tät erworben, und wird noch vielen von Earl William Büllers Gastspielen her, die da* köstliche Stück wohl über alle deutschen Bühnen getragen haben, in Erinnerung fein. Auch letzt noch
Das gilt vor allem für das .Leben Mich« l - ang elos'. das Werk über Raphael und da* aus Grimms Llniversitätsvorlefungcn hervorgegangene Buch über Goethe. Es find Lehrbücher einer ästhetischen Kultur, in denen noch fein Blatt verblasst oder periveltt erscheint. Diese ästhetische Kultur hat Grimm fein ganzes Leben in seinen Schriften unb Vorlesungen gegen die hereinbrechende Flut des Materialismus mit beharrlichem Trotz unb zäher Ausdauer ver eidigt. Er fühlte sich al* Treuhänder von Goethes geistigem Schatze, den er unversebri In die neue Zeit kultivierter Geistigke t. an die er mit unerschütterlichen Optimismus glaubte, hinüberretten wollte. Dieses unermüdliche Bemühen. Goethe wieder „in den Dienst unserer Zeit zu stellen", hat überhaupt erst den Boden ge- schaffen, auf dem die neue Goethephilologie ihre fruchtbringende 2I:b*it mit Auslicht auf Sriolg in Angriff nehmen konnte
Ist der Jlcger musikalisch?
Um es gleich vorwegzunehmen: mit bv Klängen der Jazzband hat die Negermusik nicht das mindeste zu tun. Jazz ist eine Summe y. chickt tombinierier Einfälle, auf dem Broadway, in der Untergrundbahn Chicagos oder bestenfalls auf Euba von amerttanischen Mifchnegern erfunden und von geschickten Machern für die Halls international er Hotels zurecht rifiert: ohne den entferntesten ZusammenHang mit Afrika. Rein. Negermufck, w.rlliche zenirala rikanilche Regermusik ist etwas ganz anderes' Sie beruht auf den'eiben Gesetzen wie un'er Musiki sie i*t mufifcl; ch Urform. Sehr wahrscheinlich, dah ihre «in . chen. aber für unser curopä.fches Ohr durchaus schönen Melismen und die ’ef'dnben rhythmischen Ideen für unsere Mulik eine ähnliche Bedeutung gewinnen werden wie die Neger- Plastik für die Kunst. Wenn man Musizier- freudigkeit m.t Musikalllät gleichstellt fo steht der bodenständige Bantuneger an erster Stelle auf der Erde Kein Weg. den et nicht durch das Spielen auf der Klimper verkürzt, keine Arbeit, deren Handgriffe er nicht durch den Rhythmus eines Liedes belebt. Undenkbar, dah bei den abendlichen Zusammenkünften vor den Hütten nur einen Augenblick die „Ngoma" schweigt. Glauben nnr doch nicht, so warnt Wollgang Weber im Januarheft von Velhagen & Klasings Monatsheften dah Neger- muftf au* dem elften chen Tohuwabohu ausgelassener Festlichkeiten besteht. Wir finden Lieder in unserem Sinne, kleine versonnene Wiegen
lieder oder zierliche Lpoltlieder. die meistens improvisiert und auch musikalisch mit immer neuen Cin'ällen erfüllt werden. Denn die mythen- bilbenbe Kraft dieser Völker ist noch ungebrochen. Die Lage des Keuchhustengespenstes wanderte von Dori zu Dorf, die erste Begegnung mit einer Taschenuhr fand ihren Ausdruck in einem Lied. daS ihr Ticken mit den Schlägen de* menschlichen Herzens vergleicht. Die Schreibmaschine galt al* Musikinstrument, nach deren Klappern man tanzt«, um sich bei dem Klingelzeichen am Ende in einem gewaltigen ßuft- sprung zu versuchen.
Hochschulnacknchten.
Der orden'liche Prv'ettor an der Göttin- ger Universität Gey. Äonflftorialrat Dr. Alfred Bertholet hat einen Ruf auf den Lehrstuhl des Alien Testament* an der llntoeriität Be r- I i n alS Nachfolger H. Grehmanns erhaliew — Zur Wiederbefetzung de* Lehrstuhl* her Soziologie an der Göttinger llniDerfttai al* Nachfolger von A Daliyer ist ein Ruf an den Ordinarius her Nattonalökonornie Dr. Carl Brinkmann in Heidelberg e gangen. — Der Lehrstuhl her Gebur Shilfe und Gynäkologie an her Medizinischen Akademie in Düss e l - dorf (an Stelle von Prof. O Pankow- ist dem auherordenilichen Prvfe'for und Oberarzt an der Frauenklinik her Universität Bonn Dr HanS Reinhard Schmidt angeboten worden. — Zur Wiederbefetzung des durch die ileberfieh- lung des Pros. Rehn nach Bo7m an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf erledigten Lehrstuhls der Ehirurgie ist ein Ruf an den ordentlichen Profe'for Hofrat Dr. Hans Haber er an der Universität Graz ergangen.
Ter ordentliche Professor der Geodäsie an her Technischen Hochschule in Danzig Wilhelm Lührs. hat einen Rus an die Berliner Technische Hochschule erhalten. — Der Privatdozent für Physik an der Marburger Universität, Tr. Rudolf T o m a f ch e k, ist zum nichtbeamteten auherordenilichen Prozessor ebenda ernannt worden. — Der orhenti. Prozessor der Experimentalphysik an der Universität Halle. Dr. Gustav Hertz, hat einen Ruf in gleicher Eigenschaft an die Technische Hochschule in Berlin als Nachfolger F. Kurlbaums erhalten und zum 1. April 1928 angenommen. Pro> Hertz erhielt 1926 zusammen mit ®ro?. Franck (Göttingen- den Nobelpreis für Pyysik.


