Ausgabe 
5.12.1928
 
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Beschränkter Loskfnhrrverksverkehr In der Innenstadt.

Lastkraftwagen und La st fuhrwer­ken , die in den von der Rord-, West-, Ost- und Südanlage eingeschlossenen Stadttei- 1 e n weder auf- noch abladen, ist es verboten, diese Stadtteile zu befahren.

Radfahrwege nur für Radler.

Auf den als Radfahrwege bezeichneten Wegen ist jeder sonstige Fahrzeugverkehr und der Fußgängerverkehr verboten.

Das Befahren der wochenmarklplähe.

Lindenplatz, soweit er als Marktplatz be­nutzt wird. Drandplah und Kanzleiberg dürfen während der Marktzeit mit Fahr­zeugen nur zum Transport von Marktwaren für den Wochenmarkt befahren werden.

Der Aufenthalt dec Fahrzeuge auf den Plätzen darf dabei nur solange dauern, als für das Auf- und Abladen der Marktwaren erforderlich ist. Ausnahmen kann der Marktmeister ge­statten.

Der rieilverkehr.

Die einschlägigen Bestimmungen gelten sinn­gemäß für den Reitverkehr.

Der von dieser Regelung ausgenommen ist.

Die bisherigen Bestimmungen finden keine Anwendung auf Telegraphenboten bei der Be­stellung von Telegrammen und Eilbriefen, auf die Fahrzeuge der Polizei, Feuerwehr und des Kran­kentransportdienstes, sofern Gefahr im Verzüge ist.

Ferner unterliegen diesen Bestimmungen nicht die elektrische Straßenbahn, die Fahrzeuge der städ­tischen Reinigung, sofern letztere ihrer eigentlichen Bestimmung dienen, sowie Kinderwagen.

Probefahrten nur im Durchgangsverkehr.

Die Straßen innerhalb des bebauten Ortsteiles dürfen zu Probefahrten nur im Durchgangsverkehr benutzt werden.

Ungefederte Fuhrwerke nur schrillfahren.

Alle Fuhrwerke, welche nicht auf Federn ruhen und infolge ihrer Beschaffenheit ein übermäßig starkes Geräusch verursachen, haben im Schritt zu fahren.

Die Bestimmungen für Umzüge.

Marschierende Abteilungen haben sich auf der Fahrbahn zu bewegen und dürfen höchstens di« Hälfte der Fahrbahn einnehmen. Der Verkehr der elektrischen Straßen­bahn darf nicht behindert werden. Den Fahrzeugen her elektrischen Straßenbahn ist in angemessenen Abständen die Durchfahrt durch die Abteilung zu ermöglichen. Don marschierenden Abteilungen mit mehr als zwanzig Teilnehmern dürfen nicht began­gen werden die obengenannten, für jeden Fähr­verkehr gesperrten Straßen und Plätze. (Mäusburg, Marttstraße usw. usw.) Genehmigung kann auf Antrag erteilt werden.

Die Pflichten des Fußgängers.

Fußgänger Huben die Fahrbahn zu meiden, und den Bürgersteig zu benutzen. Fehlen Bürgersteige, so ist die äußerste rechte Straßenseite einzuhalten.

Das Stehenbleiben auf den Bürger- st eigen ist verboten, wenn hierdurch der Verkehr gestört wird.

Die Fahrbahn ist rechtwinklig so rasch als möglich zu überschreiten. Das Stehenblei­ben auf der Fahrbahn ist verboten.

Beschränkungen für das Rollerfahren.

Das Fahren mit Rollern, Rollschuhen und ähnlichem Spielzeug auf dem Seltersweg, dem Kreuzplatz, der Mäusburg, der Marktstraße, Bahnhofstraße bis zur Liebigstrahe und der Reuen Baue ist verboten.

Der Dürgersteiz ist keine Fahrbahn!

Auf Bürger st eigen dürfen Wagen jeder Art, Karren, Schlitten oder Fahrräder nicht gezogen oder gedrückt werden. Ausgenommen sind Kinder- oder Krankenwagen, wenn Kinder oder Kranke darin befördert werden. Das Rebeneinanderfahren von Kinder- oder Krankenwagen, das Auf und Abfahren auf derselben Strecke, das Anhalten, soweit der Fußgängerverkehr hierdurch behindert wird, ist auf Bürgersteigen verboten.

Vorsicht beim Lleberfahren des Bürgersteigs.

Das Lieberfahren des Bürgerstei­ges zwecks Ein- und Ausfahrt zu Hof­reiten und Grundstücken mit Fahrzeugen jeglicher Art darf nur langsam erfolgen. Fahrräder müssen g e d r ü <k t werden. Dabei ist dafür Sorge zu tragen, daß der Fußgängerverkehr nicht gestört wird.

Dajarr»!

Roman von 3- Echneider-Foerstl.

Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.

13. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Brunhilde Feßmann." Sie nahm das Blatt vom Stuhle auf. wohin sie es achtlos geworfen hatte, Hnb immer, immer hatte sie gedacht, es würde heißen:

Freifrau Brunhilde von Hettingen."

War sie denn wahnsinnig gewesen, hierher nach Genf zu fliehen, um dem Manne ihrer Liebe in dem kleinen Wien nicht mehr begegnen zu müssen.

Lind nun wollte sie zurück! Zurück um jeden Preis. Wenn nicht mit dem Flugzeug, dann mit dem nächsten Luxuszug. Rur heim nach Wien! Heim zu ihm!

Was würde wohl Poldl sagen? Llnd Joachim selbst,Sie haben mir weh getan, Maria!" hörte sie ihn sprechen.

Rein verrückt war sie gewesen. Direkt von Sinnen.

3m Rebenraume schrillte die Klingel des Tele­phons. Mit einem Sprung stand sie am Apparat. In zehn Minuten, Hanna! Ja! Gut! Sie können hernach in Ruhe packen und die Rech­nung begleichen. Es ist früh genug, wenn Sie morgen Mittag in Wien sind. Ich behelfe mich schon!"

Mit Wesserschärse strich die Frühluft über ihr Gesicht, als sie zwei Minuten später im offenen Wagen zum Flugplätze fuhr.

..Kein Gepäck?" frug der Herr an der Waage.

Sie verneinte und ging mit elastisch federndem Schritt zu dem Doppeldecker, der als glitzernder Silbervogel auf der sonnenbeschienenen Weite des Flugfeldes stand.

Rach Wien flog er! Heim nach Wien!

And dann ging ein Raunen durch die Riesen- Hügel dieses älntieres. Ein gewaltiges Dröhnen ging durch den ehern schlankgebauten Leib? Mit

Wo keine besonderen Lieberfahrten bestehen, sind zur Sicherung des Bürgersteiges gegen Be­schädigungen den Randsteinen jedesmaL starke Bohlen pritschen vvrzulagern, und der Bürgersteig ist durch entsprechend starken Bohlen­belag zu schützen.

was als Bürgersteig gilt.

Als Bürgersteig gilt der Teil der Straße hinter der Bordschwelle, der dem Verkehr ber Fußgänger dient.

keine Viehherden in der Innenstadt.

Das Treiben von Dieb innerhalb der von Ost- Süd-, Rord- und Westanlage ein ge­schlossen en Straßen, sowie in der Doots- hausstraße ist verboten. Ausnahmen tonnen gestattet werden.

3n den freigegebenen Straßen müssen die Tiere zusammengekoppelt fein; mehr als drei Tiere dürfen nebeneinander nicht geführt werden.

vor dem Sladllhealer und dem Gefellschostshau».

Die Anfahrt zum Stadttheater erfolgt von der Reuen-Daue (Torhäuschen) aus: Abfahrt nach der Südanlage.

Die Anfahrt zum Gesellschaftshaufe erfolgt vom Kreuzplatz aus nach drr Sonnen- straße: Abfahrt nach der SchulstraßeReuen- Bäue.

Die zum Abh0len bestimmten Fahrzeuge stehen hintereinander:

1. für die Theaterbesucher in der Südanlage, Fahrtrichtung Ostanlage. Anfang an der alten Sürgerm elfter ei;

2. für die Besucher des Gesellschaftshauses in der Sonnenstraße. Fahrtrichtung Schu straße, Anfang in der Höhe des Rebeneinganges zum Gesellschaftsbau Z.

Verpflichtungen der Hausbesitzer.

Jeder Hausbesitzer ist verpflichtet, das Anbringen der zur Verkehrsregelung erforderlichen Schilder und Warnungs­tafeln oder das Anbringen von Vorrichtungen zum Au'hängen solcher Schilder und Tafeln an seinem Hause, oder den das Haus umgebenden Einfriedigungen, oder die Erneuerung ober Wie­derherstellung solcher Schilder, Warnungstafeln und Vorrichtungen zu gestatten.

Das eigenmächtige Entfernen, das Beschädigen oder llnkenntlichmachen solcher Schilder, Warnungstafeln oder Dorrichlungen ist verboten.

Ferner ist verboten, solche Schilder und Warnungstafeln zu verdecken, oder andere Vorrichtungen so an^ubringen, daß die Sicht­barkeit dec Schilder und Warnungstafeln ver­hindert oder beeinträchtigt wird.

Die Strafbestimmungen.

Zuwiderhandlungen jjegen diese Verordnung werden mit Geld st rasen bis zu 1 50 M k. bestraft, die im Falle der Uneinbringlichkeit nach den Vorschriften des Reichsstrafgesehbuches in Haft umgewandelt werden.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 5. Dezember 1928.

Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

3n der jüngsten Hauptv:rsammlung der Ober­hessischen Gesellschaft für Rcrtur- und Heilkunde sprach Aniversitätsprofessor Dr. UI l er unter Kurze Mitteilungen" über die WellenauS- breitung nach verschiedenen elektro­dynamischen Theorien. Darauf hieltUni» versitätsprofessor Dr. Max Ziegler einen län­geren VortragEntomologenfahrt nach Rordamerika". Der Vortragende hatte int Sommer dieses Jahres als Vertreter der Uni» verfität Gießen den 4. Internationalen Gntonw- logenkongreh mitgemachl, der vom 12. bis 18. August in Ithaca im Staate Reuyork stattfand. Er wies zuerst auf die zunehmende theoretische und praktische Bedeutung der Entomologie oder Insektenkunde hin. die bei der dauernden Beein­trächtigung der menschlichen Lehens- und Wirt­schaftsführung durch Insekten heute schon einen nicht mehr auszuschallenden volkswirtschastlichen Faktor darstellt. Der praktische Zweig der In- fektenkunde. dieangewandte Entomologie", steht insbesondere in den Vereinigten Staaten mit ihren Riesenflächen und unbegrenzten Möglich­keiten in hoher Blüte. Es hatte daher auch seine innere Berechtigung, daß als Tcmungsort für diesen Kongreß eine amerikanische Stadt gewählt

einem jauchzenden Singen schoß er dahin, schraubte sich hoch, stieg in das Himmelsblau, veratmete und schwebte als zart glänzendes Wölkchen in der Llnendlichkeit des Aethers.

Maria saß neben dem Piloten und hatte die schmalen Hände im Schoße liegen. Strahlend wie der Sommertag, der über der Erde ruhte, sahen ihre Augen in die Weite.

Heim nach Wien!"

Kinderspielzeug hatten die Menschen tief unten aufgebaut. Städte und Städtchen und Schlösser und Burgen auf stellen, unzugänglichen Höhen, dazwischen glitzernde Wässerchen, blühende Gär­ten und Wiesengrün. Kaum sichtbare Pünktchen bewegten sich unten, krochen über gelbweitze Li­nien, die Straßen waren, und verschwanden in gähnenden Löchern.

Der Pilot warf einen raschen Seitenblick Nach ihr. Maria hatte gefröstelt.

Schnee!" sagte der ernste junge Mann am Steuer.

Ihre Augen wurden groß und hell.

Feinkörnige Kristalle tanzten herab und schmieg­ten sich an ihre Wangen, legten sich kühlend auf ihre brennenden Hände und standen als Tranen in den mandelförmigen Winkeln ihrer Augen.

Dicht über weiße Gletscherfelder schwebte der Vogel dahin, Menschen auf seinem Rücken tra­gend. Eisfelder lehnten in milchweißer Färbung am Gehänge, tiefschwarz gähnten Spalten und Schlünde!

Hinter ihrem Rücken öffnete sich ein Fenster. Eine Hand reichte ihr glühheißen, dunkelfarbenen Wein. Mit einem dankenden Ricken führte sie das Glas zum Munde.

Trinken Sie ganz in Ruhe," sagte der Pilot. Wir gleiten ohne jede Bewegung."

Wie In eine Vision versunken, schwebte bas Sllberschiff über den weißen Häuptern der Alpen.

Innsbruck!"

Immer näher dem geliebten Wien!----

Rachmittagsfonne lag golden über dem schönen Land Tirol. Zwei tiefschwarze Striche rannten das Silberäderchrn des Inn entlang. Darüber hinweg schoß eine winzige Schlange. Der D- Zug InnsbruckSalzburg.

wurde. Etwa 650 Entomologen aus allen Teilen der Welt tarnen dabei zusammen; Deutschland war durch zehn Gelehrte vertreten. Die Aufnahme der Deutschen von feiten Amerikas war eine nicht nur korrekte^ sondern sogar herzliche. Mag auch in weiten Kreisen der amerikanischen De° döllerung die Kriegspsychose noch nachwirken, und insbesondere die Kriegsschuld Deutschlands zu einer schwer mehr auszurottenden Fiktion ge­worden sein, unter den Gelehrten war von einer solchen Einstellung nichts zu merken. Sie fanden sich im regsten und fruchtbarsten wissenschaftlichen Gedankenaustausch, und neben den Vorträgen in den Hörsälen der Eornell-stlniversität war auch reichlich dafür gesorgt, daß die Kongreßteilnehmer die Umgemmg der Stadt kennen lernen und sich einen Lieberblick über die Insektenfauna des Ge­bietes verschaff en konnten Einige Kästen mit den markantesten Vertretern der nordamerikanischen Insellenwelt Wurden von dem Vortragenden auf­gelegt. An die eigentlichen Kongreßtage schloß sich dann noch eine Rundreise durch die wichtigsten Städte der Ostküste, die zuerst an den Riagava- fall unb dann in nächtlichen Pullmansahrten nach Pittsburg, Washington, Philadelphia, Boston und Reuyork führte alles Städte, die gerade auch für die Entomologie dank ihrer Museen, Diblio- theken. Forschungsinstitute und Laboratorien eine besondere Rolle spielen. So kehrten die deutschen Entomologen mit reichen Eindrücken und wert­vollen Beziehungen zu ben amerikanischen Fach- genossen im September in die Heimat zurück.

Der Vortrag war begleitet von einer Reihe von Lichtbildern, welche die Zuhörer die Reife über das weite Meer, die Eigenart der nord- amerikanischen Landschaft, das Wunder des Ria- garafalles und die beklemmende Wucht der Wol- keickratzer miterleben ließ. Dr. K r e k e l e r.

Daten für Donnerstag, 6. Dezember.

Sonnenaufgang 7.49 Uhr; Sonnenuntergang 15.53 Uhr. Mondaufgang 1.23 Uhr; Mondunter­gang 13.45 Uhr.

1778; der Chemiker und Physiker Louis Joseph Gay-Lussac in St. Ldonard geboren; 1864: der Schriftsteller Rudolf Stratz in Heidelberg geboren; 1869: der Südpolarforscher Otto Nordcnskjöld in Hesselby geboren; 1869: der Dichter und Roman­schriftsteller Rudolf Herzog In Barmen geboren.

Gietzencr Wochenmarktpreisc.

Es kosteten auf dem gestrigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 12 bis 20, Weißkraut 8 bis 15, Rotkraut 15 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 20, tote Rüben 10 bis 20, Spinat 25 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10. Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 bis 60, Feld­salat 100 bis 120, Tomaten 30 bis 40. Zwiebeln 12 bis 20, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5, Aepsel 20 bis 40. Dirnen 10 bis 30, Dörrobst 35 bis 40 Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110 Suppen­hühner 100 bis 120, Gänse 90 bis 120. Äüsse 60 bis 80; das Stück: Eier 17 bis 18, Blumen­kohl 60 bis 120, Salat 10 bis 20, Endivien 10 bis 20. Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pf.; der Zentner: Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 12 bis 15, Aepsel 20 bis 35, Birnen 10 his 20, Kartoffeln 3,80 bis 4.50 Mark.

Aus dem Gießener Standesamts­register. Es verstarben in der Zell vom 15. bis 30. Rovember: Dr. Ernst Leutert, Untoerfi» tätsprofessor a. D.. 65 Jahre alt, Oftanlage 25. Marianne Reuschling, 11 Jahre alt, Leihgester- nertoeg 42. Wilhelmine Lauder, geb. Kleinfel­der, 65 Jahre alt, Steinstraße 47. Margarete Wagner, geb. Erb, Witwe, 80 Jahre alt, Gar- tenstrahe 3. Elisabethe Göbel, geb. Meckel. 74 Jahre alt, Ebelstrahe 11a. Karl Balser, Packer, 71 Jahre all, Karl-Dogt-Straße 17. Katharine Hofmann, geb. Dietzler, Witwe, 54 Jahre alt, Walllorstrahe 39. Marie Gertrude Reuter, geb. Vesper, 77 Jahre alt, Ludwigsplatz 4. Werner Röder, Schüler, 9 Jahre alt, Kirchstrahe 13. Christiane Ramge, geb. Duchardt. Witwe, 77 Lahre alt, Löber^tratze 19. Luise Rosenbaum, geb. Schäfer, 62 Jahre alt. Kleine Mühlgasse 10. Eduard Konrad Georg Weisel, Kaufmann, 44 Jahre alt Schottstrahe 10. Horst August Ludwig Karl Ihle, 9 Monate alt, Licher Straße 151. Johannes Jakob, ohne Beruf, 78 Jahre all. Sonnenstraße 1. Helene Jung, geb. Schwieder, Witwe, 56 Jahre alt, Gartenstraße 20. Karoline Schwinn, geb. Lenz, Witwe, 80 Jahre alt, Mar­burger Straße 7. Karl Bresien, Professor, 78 Jahre alt, Licher Straße 74.

Seen lagen in dämmernden Gründen. Türme reckten sich hoch? Im Rebelgischt stürzten laut­lose Wasser zu Tal.

Mit vorgestrecktem Finger zeigte der Pilot nach einer Richtung. Marias Augen wurden groß unb scharf, suchten durch Dunst und Wolken- schawn und flammten in zitternder Freude auf.

Wien?"

Bunt durcheinander gewürfelt die große Spiel­zeugschachtel der Menschen! Rur der Stephans- turm reckte sich trotzig hoch, und das Riesenrad dräute als stählerner Ring in der Abendsonne.

Flugmude glitt der Vogel zu den Erden­gründen hinab. Auf lautlos leichten Schwingen glitt er immer tiefer, bis seine Sohle den Boden berührte.

Zu Hause!"

Maria stand im Traum, sah, wie Menschen sich in die Arme fielen und im llebetmafj der Wcedersehensfreude auf Mund und Wangen küßten. War es nicht jedem gegönnt, daß er heil und gesund aus den Lüften herab zur Erde kam?

Ohne Gepäck war sie die erste am Ausgang. Sie stieg in einen der Kraftwagen, deren ein halbes Dutzend auf der staubbedeckten Straße stand, und lehnte wohlig erschöpft den Kopf in die Lederpolster.

Was würde Leopold sagen?"

Richthosen lehnte am Fenster seines Kontors. Er sah ein fremdes Auto in den Hof biegen, dem seine Schwester entstieg, die dann sofort ins Haus eilte.

Ehe er sich noch ganz klar war, ob er wache oder träume, fühlte er schon zwei Hände um sich gelegt unb ein weiches Lippenpaar auf feinem Munde.Poldi!"

Er machte sich los und hielt die schlanke Figur der Schwester vor sich hin.

Bist auS der Luft gfalln, Mizzerl?"

Ja! Buchstäblich! ... Feßmann hat sich ver­heiratet," sagte sie und suchte dem lachenden Blick seiner Augen zu entrinnen.

-Das hab ich schon die vorige Dochn gwußt." gab er ruhig zurück.Wann ich glneint hätt, daß

ee Im L ich tspielh au-Bahnhofstraße findet man zur Zeit ein umfängliches und ab­wechslungsreiches Programm. Das LustspielDie tolle Lola" ist weniger um der filmischen Leistung willen als der Hauptbesehung wegen bemerkenswert: die reifende ßrlian HarweY, ein bubenschlankes, rassiges und temperament­volles Persönchen, ist in der Dvppelhauptrolle. abwechselnd schwarz und blond, ein vergnüglicher Anblick. AcherdemDer brave Soldat Schwejk" im Fiün: eine ziemlich harmlose, stellenweise sogar langweilige Angelegenheit, mit einem einzigen guten Witz als der Schluhpointe mehrerer Alle im Stil der allen Dorkriegsmilitär- Posse. Endlich auf der Bühne ein Kunstrad-' sahrerduett; für unfern Geschmack etwas zu aus­führlich; arttstisch saubere Arbeit mll muftkall- schen und komischen Oluancen.

Weihnachtsfeier im G. D. A. Man berichtet uns: Die Ortsgruppe Gießen des Ge­werkschaftsbundes der Angestellten (G.D.A.) hielt am Samstagabend im Kath. Vereinshaus ihre diesjährige Weihnachtsfeier. Gegen 600 Personen darunter Gäste aus Wetzlar, Lollar und Lich, waren erschienen, so daß sich der Raum fast als zu klein erwies. Das wohlgelungene Fest um­rahmte ein reichhaltiges Programm. Dem Er­öffnungsmarschAlte Kameraden" folgte ein Prolog von Frl. Schupp bom G.D.A Hier­auf hielt der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe. Herr Zecher, die Begrüßungsansprache. In warm empfundenen Worten zeichnete er die Weihestunde unseres deutschen WeihnachtsfesteS. Besonders begrüßte er die erschienenen Herren D u e s und Dr. Kohler vom Arbellsamt Gießen als Gäste des Abends. Dann folgte die Ehrung von 7 Mitgliedern des G.D.A Gießen für deren treue Mitarbeit in der G.D.A-Bewe- gung, denen er zugleich Geschenke der Bundes- Leitung überreichen konnte. Die Anwesenden schlossen sich dieser Ehrung an mit dem gemein­samen LiedeStille Rächt ..Den Kleinen verteilte Knecht Rupprecht süße Gaben. Der Geschäftsführer des G.D.A im Bezirk Ober­hessen, Herr Mack, wies dann auf den Ernst der Zeit hin, der uns dennoch den WeihnachtS- zauber mit seinem Weih nach tssrieden und Weih­nachtshoffnung empfinden lasse. Beiden Red­nern bezeugte starker Beifall die innere Ver­bundenheit der Mitglieder. Die Ortsgruppe dankte Herrn Zecher und Herrn Vogt für ihre selbstlose, treue Mitarbeit, wie auch den übrigen Mitwirkenden des Abends. Run folgte nach einem kleinen Musikstück eine besondere Auszeichnung des bekannten Gießener Turners und Mitglieds des G.D.A, Herrn Karl Reu­ter, dem Sieger beim Kölner Turnfest. Herr Mack feierte ihn als Beispiel der Ertüchtigung unserer Jugend und überreichte ihm im Ramen des Bundesvorstandes des G.D.A in Berlin eine gravierte Brieftasche, Herr Karl Zecher überbrachte als Geschenk der Ortsgruppe eine große lederne Sporttasche mit Widmung. Tief gerührt nahm der Gefeierte diese Anerkennung entgegen. Herr Dues vom Arbeitsamt gab seiner Freude über die innere Verbundenhell und Anteilnahme der Mitglieder Ausdruck, die ihm den Abend so genußreich werden lasse. Ein flott gespielter Schwank tief wahre Lachsalven her­vor. In dieser Stimmung fand die Verlosung der mit wertvollen Geschenken auSgestatteten Tombola regen Zuspruch. Jeder konnte einen Gewinn nach Hause tragen! Gin Glanzstück des Abends bildete hierauf das Kunstradfahren der Herren v 0 n - E i ff und Pfund vom Rad» clubGermania", die ihr hohes todsportlicheS Können zeigten und daher mit Recht reichen Beifall ernteten. Der Abend war für alle eine rechte Erholung, auf den die Ortsgruppe des G.D.A Gießen stolz sein darf.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

*0* Gtoßen-Linden, 5. Dejs. Die unter dem Ehrenschutz des Allbürgermeisters Leun stehende Ausstellung des hiesigen Ge­flügel- und Kaninchenzuchtvereins D 0 l k s w 0 h l" hat rund 430 Meldungen zu verzeichnen, so daß der Züchter sowohl wie der Liebhaber der Kleintierzucht eine nahezu um­fassende Tleberschau über die Mannigfaltigkeit der bevorzugten Rassen und ihre züchterische Höhe gewinnen kann. Zur Einführung in die Gedawwnwell nach der ideellen und materiellen (Seite der Ausstellung, die in der geräumigen Turnhalle unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Philipp Zimmermann übersichtlich aufgebaut ist, wird ein Vortrag eines fachkundigen Züch-

dich das so interessiert, hätt ich dir's schon früher sagen können."

Du gehörst glattweg geköpft, Poldl! Und ich habe gemeint, der Joachim Hettingen nimmt diese diese Schwester Brunhilde!"

Ah, geh das glaubst ja selber netl

Dann hält ich gar nicht fortzufadren^ ge­braucht," stieß sie aufgeregt heraus,und"

AichthofenS Lachen unterbrach ihr die Rede. Ja, bist du deswegn ausgerissn, Mizzerl? Siehst, so geht's, wann man lügt. Zu mir hast gsagt, 's Klima tät dir aus einmal nimmer passn in Wien, und der Wind ging dir zu stark in dem Rest, und die Leut wärn dir soviel zuwider und ..."

Sie legte ihm ärgerlich die Hand über den Mund. ..Hast du ihn öfter gesehen?"

Den Feßmann?"

Ach geh!"

Also, den Joachim meinst! Ja, dem bin ich ab und zu schon amal begegnet. -* Aber er ist das nimmer wie früher. Ganz still ist er und kaum mehr zum Lachen z' bringen, und wie ich gsagt hab, daß du fort bist, hat er sich umdreht und is gangen.

Gr stand ratlos verblüfft, denn der schlanke Körper der Schwester hatte sich ihm mit einem schüttelnden Weinen an die Brust geworfen. Beide Arme um seinen Hals geflammert, preßte sie das Gesicht an seine breite Schuller.

Mizzerl, sei gscheit!" beschwichttgte er und be­mühte sich, ihren gesenkten Kopf zu sich empor* zuheben. ..So arg iS ihm gwesn, dem Joachim, daß d' nicht kommen bist, damals. Zweimal hat er mich gfragt, warum ich dich nicht mit* bracht hab. Aber du hast ja nicht mögn. Ganz störrisch bist wordn, tote ich in dich brungen hab. Da hab ich mir hall gsagt, du möchft am End deine Ruh vor ihm habn, und hab's bleibn lassn."

Poldl!"

3a, Kinder!l"

..Wenn er nun wirklich einmal komm! und um mich anhält, waS sagst du ihm bann?"

(Fortsetzung folgt) . -