Rr.209 Zweite; Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
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Mittwoch, 5. September 1928
Moskauer Brief.
eü<j -esBouer^ -UnkendeArbeitsdisziplin
Bem unterem TIMUutx UZ-.tarfwttrr
Motkau. ®nbe 3ufluft
Do« 3Miitäle^fut"-h!omitet der Sowjetunion. .3iF genannt. macht <c tum Ttomen Sh re die Bauernpvlitik tut Läuft tm Zickzack. Vor rund einem Monat wurden b<e Beschlüffe ver- öffentsich: kraft deren d.e zur Smtneibuna deS Getreide« erlassenen .auherordentfichen Maß- «aHmen feierlich txrurtetll wurden, alle jerren schönen Zwang «mttel wie Beschlagnahme. Ver- Haftung ufe) , d e im Frühjahr bei den Bauern reichlich angewand! wurden, aber nur -u einer Tkrftätfung der Verlauf«fabotage und zur <$:n* fchrÄnkung der Saatfläche geführt hotten Trotz allem Gerede der Parteiführung über die Dot- wend.gkett der Restaurierung deS Großgrund- hc4.t>e« durch . ?owjetgüter" und „ftaalJd).* Morn- fabr len' . welche den kommurnstischen Kern de« Sowjetstaate« endgültig hon der wirtschaftlichen Abhang-.gkeit de« ..rndifiduaUfti^chen Bauern- tum«“ befreien sollte. hatte olfo die Sowjet- reglerung au« elementarem MachterhasiungS- triebe do« getan, wo« fi« tun muhte: fic hatte vor dem Bauer kapituliert
Die bauernfreundliche Gruppe R i k o f f « Kalinin siegt» innerhalb der Regierung über die Vabanque-Polittk Stalin« und feiner Anhänger. Aber kam d.e Wiederholung de« be- ^lhmten Rückzugmanöver«. da« Lenin 1922 er- zwang. d esma l nicht zu spät? 3ft da« un- fllr <t> stärker gewordene Mißtrauen de« Dauern gegenüber der ihm nach wie vor so wesensfremden kommun.»i'chen Macht überhaupt noch zu brechen und die so verhängnisvoll au« den Fugen geratene Getreidever'orgung der Städte wieder in Schwung zu bringen? Wie Hai diese« System r>ersagt' Zweihunderttaufend Ton« Brotgetreide wurden bereit« im Ausland gekauft. Unb da« in einem 3abr mit gut-mittlerer Ernte! Weitere Käufe müssen folgen, sofern e« nicht von heut' aus morgen gelingt, den Dauern zu einer wesentlich größeren 'Abgabe zu bewegen, al« fic im 3uli ftaitsand.
Die Zeiten haben sich eben feil Lenin« Tode geändert, zumal ein rein taktische« Mond' ?r beim zweitenmal die psvchologifche Wirkung iwrkhlt. Lenin erklärte damals, daß die Freigabe der landwirtschaftlichen Produktion und die Wieder- Julaffung de« Privathandel« „auf lange und un frnst" erfolge Kaum 2 Jahre gingen hin — und der ..Antinep" setzt« mit voller Wucht ein und zerschlug den schüchtern ausblühenden Privat- Danbel saft völl g Ferner waren die Konzes- f-ivnen. hie unter Lenin dem Dauer gewähr den — wenigsten« solange sie in Kraft blieben — umsangreicher und folgerichtiger Der scharfe Gegensatz innerhalb der gegenwärtig regierenden Gruppe wirkt sich au«; Claim selbst erklärte, bah nur von «irrer „teilweisen" Aufhebung der Gewalttnoßregeln gesprochen werden könne, was dem Wortlaut und dem Sinn« de« entsprechenden Erlasse« entschieden widersprach und von der Rikosf-Gruppe wieder al« . Sabotogever^uch" Stalin« (diese« Wort erfreut sich hier überhaupt außergewöhnlicher Beliebtheit) gebrandmarkt wurde. Dor allem aber der ruf fisch« Dauer von 1928 ist nicht mehr derselbe wi« der von anno 1921. Damals genügten klein» Erleichterungen, um bei ihm schon «in Gefühl der Dankbarkeit gegenüber den „Wohl- taten " der Regierung auftommen zu lassen; heute ist er nicht nur mißtrauischer geworden.
Gießener GtaVttheatcr.
Bernhard Blumc: „Treibjagd".
Mit dem Cchillerfchen Musiku« Mill:r ;u reben: der -anbei wird ernsthast. Wir stehen noch eben im Anfang vom .Hauen Mond September" — da wirft schon die Winterspielzeit ihre tragischen Schatten weit voraus Der Ernst des Leben« und der Bühne beginnt wieder die Stunde ku regieren; man gibt ein literarisches Stück. .Stück in drei Akten", welche« in Rußland spielt. 3m gegenwärtigen, revolutionären, antikapitallstifchen Rußland zwar, aber immerhin, unbestreitbar... unter (Menschen
Die« ist eine Feststellung, die verzweifelt alltäglich klingt, von der aber, wie un« scheint, die Bewertung de« Stücke- in jedem Falle au«- zugepen hat. «Da e« übrigen« ernsthafte moderne Stucke gibt, in denen nur Affen ihr Wesen treiben - Schauspieler als Affen vermummt so war schon de«wegen die Anmerkung eben vielleicht nicht ganz überflüssig.)
Menschen also. Es kommt bei keinem Drama sn erster Linie darauf an. ob e« In Rußland, rn Deutschland, in England oder Amerika sich begibt, ob e« heutzutage, zu Goethe« Zeiten, tm hellenischen Altertum oder in einem Märchen - jahrhundert der Phantasie spielt -- wichtig ist immer zuerst, daß es irgendwann in einem Menschenlande ausgewach'en ist. All« guten Stücke aller Böller und aller Zeiten wird man so prüfen können. Kostüm, Umwelt. Sprache. Handlung machen nicht da« Entscheidende au«. Auch das russische Stück eines Deutschen ist möglich Aber man muß dann die Rus en gewissermaßen' bi« aus« Hemd ausziehen können, allo daß ihr schlichter menschlicher Adam zum Dorschein kommt. Diesen Adam (ober diele Eva) muß ihan sich an leben. Dann merk: man halb Pb bcr. der ihnen den übern etnblie«. ein Dichter ist oder nicht Wir glauben, daß die Figuren in diesem Stück — ober wenigsten« einige seiner "«Figuren solche «Feuerprobe bestehen k>nnen unb für ihren Schöp'er al« für einen Dichter Mugen.
Vielleicht kann man sagen, cs war geschickt. Dinge aufzurollcn. bic von Verfolgung. Unter- suchung imb Flucht handeln: der 3nstinkt des Autors bäte das gegenwärtige 3nlcrcf e für kriminalistische Dinge, für . Fälle' aller Art gewittert unb au«gcbeutet.
Aber vielleicht kann man auch lagen: Gestalten unb Ereignis e aus Sowjetruhland anno 1919 liegen un« — u.i«. heute! — gottlob nicht eben am Herzen. Unb man wird fort fahren ist e« nicht felllam. daß man trotzdem mit allem, was geschieht — bis auf wenige Augenblicke. von tKnen zu sprechen fein wird —. mitgebt, mitlebt, mrtffiblt, ja manchmal zitternd dazwifchenfpringen möchte?
sondern, wo« mehr :n« Gewicht fällt, er wurde s,ch feiner w t r t s ch a s t l i che n Kraft bewußt, er lernte ertennen. daß alle kommu- n st.'chen Erpenmente daß die Erhaltung be« gesamten foztalisttschen Ueberbaue« lediglich auf Kotzen der breiten bäuerlichen Basis durch- geführt werden tonnte
Sollt« aber der neue .liberale" Kur« Erfolg haben, fvllte er tatfächl ch den wirtschaftlichen Ausglech zwischen Stadt und Land verbessern so müßte b* industrialisiert« Stadt dem Dorf« mehr bieten al« bisher Unb gerade hier sind die Aussichten trübe. kommt dabei nicht einmal so lehr auf die statistisch« Tatsache an. daß die in- dustr elle Produktion in den beiden letzten Monaten w eher um 10 Pro- zen t abgenommen hat. sondern vielmehr auf die ei gen hüben Ursachen dieser Abnahme. Selten einmütig und offenherzig wurde von den Sowjettoirffchast.crn höchstselbst diese Ursache sitz- gestellt: Abnahme der Arbeitsleistung, wachsende Disziplinlosigkeit und Demoralisation der Ar- be terfchast Kein geringerer al« der Vorsitzende de« Obersten WirllchaftsrateS. Knibifchefs. schrieb kürzlich in der hiesigen Torgow-Prv- mffchlennaja (ba^cta“ (3nbuftne- und Hanbe!«- ze.kung): ..9« muh unumwunden zu gegeben werden daß n? r ,m dritten C.
jähre«, also April bis 3uni) vor einer auffallenden Abnahme der Arbeitsdisziplin stehen.""
D.e Wurzel des Hebel« liegt tiefer, als die übliche kommunistische Propaganda, die noch immer im Stil de« Donez-Prozesse« von ..bürgerlichen Schädlingen" spricht, zu bekennen wagt. Die gegenwärtige Lage im Sowjetstaate laßt sich kurz auf die Formel bringen: Zerseyustg der kommunistischen Stadt. Wieder- etftarfung de« bäuerlichen Lande«. Freilich, e« wäre verfrüht, hinter vieler mit elementarer Kraft sich vollziehenden Entwicklung irgendwelche organisierten politischen Kräfte zu vermuten. Sie fehlen noch immer so gut wie ganz.__
Oberhessen.
Landkreis wtesten.
r. Rüddingshaulen. 4. Sept An den beiden letzten Sonntagen hielt der hiesige Kleinkaliber-Schützenverein sein die-jährtge« Prei«schießen ab. Die Beteiligung war gut. auch au« den Rachbarorten waren viele Schützen erschienen. 3n Erwartung de« großen Andranges hatte der 2krein etwa 30 Preise, in der Hauptsache au« Gebrauchsgegenständen bestehend, be- reitgeftellt. Die Dchußergebnisse waren sehr gut. 36 Ringe wurden von drei Herren des Verein« erschossen. 35 Ringe erreichten 8 Teilnehmer. Der erste Preis fiel Hermann Müssig zu Bei der guten Witterung der letzten Tage hat hier auch die (Brumme: er nie begonnen. Obwohl die Aussichten zu einem nur mittleren Ertrag bi« vor kurzem sehr gering waren, ist man jetzt doch angeneym überrascht über den dichten ®ra«- stand. der sich bei dem seuchtwarmen Wetter der letzten Wochen gebildet bql
is. Steinbach, 3. Sept. Wegen Reparatur unb Renovierung unserer Kirche mürben bie sonntäglichen Andachten etwa ein Dierteljahr lang in einem Saale der neuen Schule abgehalten. Gestern, am Kirchweihtag, achtzig Jahre nach der ersten Ein- weihung, konnte bie Kirche nun wieber ihrer Bestimmung übergeben werden. Die ganze Gemeinde nahm regen 'Anteil, außerdem hatten sich noch viele auswärtige Besucher cingefunben, so daß das große Gotteshaus vollbesetzt war. Der Ortsgeistliche, Pfarrer R r o c m c r , weihte die Kirche aufs neue
Wer hat da« Stück geschrieben? Der sehr jugendliche Bernhard Blume. 1901 geboren, in Stuttgart. Studierte Philolog c in Tübingen, München und Berlin. War eine Zeitlang Studienreferendar, ging dann von der Schule weg. Lebt jetzt als freier Schriftsteller in Dc;ci- loch bei Stuttgart. Sein erstes Stück »Fahrt nach der Südsce ließ die Kritik sogleich auf- horchen. Dann ein »Bonaparte", über den glänzende Urteile gesprochen wurden. Dann die .Treibjagd'. Ein Lustspiel .Feurio" ist noch nicht aufgefübrt. dn andere«. .Dicke Luft", soll nächsten Monat in Stuttgart herau-kommen.
.Treibjagd". Drei Akte Oktober 19 in Petersburg. von einem Abend bi« zum nächsten Morgen. Blume griff, fo ist der Eindruck mit beiden Händen in ein brodelndes Ehav«. in den wüsten Kampswirbel zwischen Roten und Weihen um Petersburg unb um die Macht, in den Herenkesfel zwischen Revolution und Konterrevolution hinein, riß eine Handvoll Menschen In« schwelende flackernde Halblicht einer nebligen Rächt, die erfüllt ist vom Gesang der 3nter- nationale, vom auspeitschenden Trommelwirbel und Taktschritt der roten Bataillone... eine Handvoll Menschen. Die läßt er laufen. Einen nach dem andern. Einen hinter dem andern her. Zwei, drei, vier hinter einem. Eine riesige, unsichtbare Meute hinter einem, zweien, dreien. 3hrer drei sind einqcfeffelt und werden gejagt, gehetzt, erbarmungslos, unaufhörlich mit Trommelwirbeln. mit Schüssen, mit Verdächtigungen unb Dachstellungen unb folterndem Verhör Eine atemverketzende Hetze.
Trommeln in der Dacht. Dom Abend bi« zum Morgen Bei blutrotem Mond und fernem Geschrei und knatternden Salven, man mußte gestern immerfort an ein anderes Revolution«- drama denken, das wir schon haben, unb da« beinahe berühmt geworden ist. nicht an da« des hessischen Vüchncr sondern an da« des bäurischen Brecht. Es ist vielleicht das beste Stück, da« diefer Brecht geschr.eben hat — lein erste«. 3edenfalls war c« ein Zeugni« der damals jungen Generation Damals das war erst vor ein paar Jahren Aber jetzt kommt eine noch jüngere Generation, und c« .ft ein gewaltiger Unterschieb zu erkennen. Die Sprache hat sich geändert in ein paar armseligen Jahren. Da« Schwebende. ilngte-Jbarc. die Stimmung unb Atmosphäre einer blutrünstigen hebemben Rervlutionsnach: hat jener Brecht mit so sicherem Gelühl erfaßt, wie biefer Blume. Ader er hat es nicht alles sagen können, wie er es empfand. Seine Sprache war hier und da zwar verblüffend echt unb beut ich. Sprache be« Alltags, bee Schützengraben«, ber Strohe . war aber in vielen Szenen doch nur gelallt, verstiegen unb einfach unverständlich Blume da- ist der mächtige Forlfchritt unb Vorsprung — hat. bis
unb hielt die Predigt. Der Gefangnerem . (Germania' leitete die Feier em mit dem (Thorr: „nerr. ich habe heb bie Stätte deine- Haufe»' Der Ge- fangoerein „(Fintro4)t' fang al» Schtußchvi ..Die Himmel rühmen be» Enngcn Chee". beide Vereine trugen in dankenswerter Weile zu ber Feier bei. Die lirbaung unserer schonen Kirche fällt in bie 3ahre 1M2 bi» IMS. Die alte Kirche wurde in 1M2 bei dem großen Brande zum Teil zerstört. Die tetziae Kirche wurde am 3. September IMS ein geweiht Außer einer äußeren größeren Reparatur im 3ahre 1897 stand sie noch non damals. (Fine notwendige innere Reparatur und Renonierung war schon lang vorgesehen. Die 3nffatton hatte aber Me hierzu bereit» angefommehen Kapitalien orrschlun- gen (fine weitere Jiinautfduebung war nicht mehr möglich, da verschiedene, Balken in ber Decke fehler- halt waren. Diese wurden nun entfernt unb da» Dachwerk be» Schiffe» unb Turme» grunbltch au»- gebelfert, so daß feine Feuchtigkeit mehr eindringt. Die Innenrenovieruim macht mit ihren ruhigen färben einen schönen Eindruck Außerdem wurde da» Gebläse für die Orgel mit elektrischem Antrieb ner- sehen. Untere drei Glocken wurden schon vor einigen Fahren durch Stahlglocken ersetzt, da da» alte Geläute durch Ablieferung während be» Kriege» zerstört wurde.
T Li ch 3 Sept Der btcltge Kriegerver- ein einer ber rührigsten be« Bezirk« Lich ber Kriegerkameradschaft Haf'ia Petanftaltck gestern auf seinem Schützeirstand auf ber Harbt sein diesjährige« Preisschießen. <3« wurden von jebem Schützen je vier Schuß auf bie 24-Ring- scheibe nut dem Gewehrrnodell 1871 abgegeben Am Abend vereinigten sich bie Mitglieder und ihre Familien zu einem geselligen Abend in Stein« Saalbau. wo ber erste Vorsitzende. Stadtrechner Louis Häuser eine der Bedeutung de« Tages entsprechende Ansprache hi It Die Preis- Verteilung hatte nachstehend. S öracbni«: 1. Preis m;t 88 Dingen Kaufmann Fritz Ztmmer. 2. mit 88 Dingeir Buchhalter Karl Peter. 3 mit 87 Ringen Dachbeckermeister Ehristian Vater 4. mit 84 Ringen Wachtmeister Heinrich Kemps. 5. mit 83 Ringen Meygermeister Christian Ran. 6. mit 83 Ringen Lubwtg Volz I. 7. mit 82 Rin- gen Gisenbahnvorsteher Berk, 8. mit 82 Ringen Stabtrechner Louis Häuser. 9. mit 79 Ringen Heinrich Müller. 10 mit 79 Ringen K H. Heller. 11. mit 79 Ringen S. D. Erbprinz Hermann Otto von Solms-Hohensolms-Lich. 12. nrit 77 Ringelt Kaufmann Willi Hahn. 3n«gesanrt würben 21 Preise verteilt, die Haffia-Shrenscheibe schoß Küsermcister Gustav Ohle muh. Zu derselben hatte Spenglermeister HeinrichW g l z einen Preis gestiftet. Zwei weitere Sbrensch ioen wurden von Schuhmachermeister Heinrich Findt und Ludwig Volz III. geschoben. Gtn sehr schöner Lichtbilberoortrag machte bie Zuhörer mit dem Leben unb Treiben in unserer ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostasrika bekannt. Der Vonragende war ber einstige GouvernementSsekretär Ludwig Dietz aus Darmstadt der längere Zett tn ber Kolonie Deutsch-Ostasrika tätig gewesen war.
* Bel le r«heim. 4. Sept. Da« von der Herrschaft Solms-Draunsel« in ber hiesigen Gemarkung abgegebene viedlungs- gelände ist den 'e.chengen Pächtern zum K a u s an geboten worden. Wie man hört, ist von diesen beschlossen worden, zunächst mit dem Staatlichen Siedlungsamt in Verbindung zu treten. um sich über alle S nzelheiten. die bei einem solchen Besitzwechsel in Betracht kommen, zu unterrichten.
KreiS Friedberg.
pb. Butzbach. 4. Sept. Dieser Tage fanb bie Einweihung be« neuen 3ahnplatze«
auf ein paar Ausnahmen, auch sagen können, was er empsanb. er hat klare, gute, unmihver- stänbliche Worte in natürlichen einfachen Sätzen bafür gesunden So schnell vergeht die Zeit: ber ExpressioniSmu« — da« war ,damals", um 1920. Heute hat schon die neue Sachlichkeit da« Wort Unb sie scheint auf ber Buhne mehr Aussichten zu haben al« auf den Bildern.
Man kann tr.e Handlung kaum erzählen; e« wäre zu umständlich und ist nicht wichtig genug. Wesent.-cher erscheint, au« einer mit erstaunlicher Vehemenz abrollerrden. gedrungenen und geballten Szenenfolge e.nige« herauszu'chälen.
Zwei Gegenspieler ber Revolution hinter einem Tisch ;m Cafe. Gedrückt, gehetzt, umstellt, verdächtig. belauert, auf bcr Flucht. Außer ihnen e.n einziger Mensch im nächtlich leeren Raum, aegenüber am Tisch: das Haupt ber Zentrale, der rote Polrzeichef, der feiner Beute schon sicher ist. Der eine bcr Weißen verliert die Derven, bricht aus. flieht, wird erschossen ... der andere, nut kaltem Blut unb in allen Sätteln gerecht, mmnü den Kamps auf.
Etwa« andere«: tue ein Mensch am Fenster steht, auf d:e nächtliche Straße schaut, ein paar Männer au« einem Auto steigen sieht — und fast zufammenbricht vor Angst bei diesem An- bllck. der im Grunde ganz alltäglich ist.
Gin drttte«: wie da« Fieber des Äeffeltreihen« schon in die Mcure selbst sich einfrißt. Sin roter Offizier in der' Dacht vor der Schlacht, halb betrunlen, aufgewühll. gierig, hungr g nach allem Leben greifend, das chm noch bleiben kann vor dem ungcw.h bänunernben Morgen, wo es mar- sch eren heißt ... wie der brüllt, um sich zu betäuben, wie er einen dröhnenden Kolakentanz dampft mit klirrenden Sporen zu einem grellen Grammophon, selber en gehetztes armseliges Wild, das bald dran glauben muß .. da bewährt sich die Probe, von der wir lorachen: wenn man dem be Uniform abzieb: bleibt ein Häufchen 6lenb und ein Stück Mensch, außer aller Zett, ganz einfach unb ganz natürlich
Tann noch zwei ungewölmlich starke Szene» da» Verhör al« letzte Kraftprobe zwilchen dem roten und we ben Gegen'p.eler. Hrb die Flucht des De hen. der feine ebenfalls bedrohte beliebte mitreißen möchte, indes bet Verfolger Ichon an der Tür rüttelt.
Wahrerrd ber We ste durch die geglückte Flucht der Treilqagd ein Ziel fetzt, entzieht sich dte Zurückgebliebene bcr Meute durch den Tod. Die Tänzerin Dalbanowa nimmt Gift, ehe bcr Polizei kvmmisfar Ogan sie verhalten laf<en kann Hier mühte ber Vorhang fallen: bie 3aab ist au«. Aber es soll noch ein Halali geblafen werden. Unb c« gescheht ein Rückfall in den . Ton von .damals Blume batte nicht mehr den Atem, um da« Stück auf seine Delle in I
mit dem von ber Stab' gefetteten 3ahnreliel Rott. Om großer Zackelzug des Turnveretns sowie Abordnungen brr Schiller der Weidtg-Oberreal- schule und der ^tadlichu'e kvwegte frch nach dem
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lang genommen halte Aach einem cinleitenben Mufckstück sowie einem von dem Lhor ber Stadtschule dargebrachten L».ed unb einem 2si»rspruch be« Turn wart» Bönig breit der erste Sprecher be« Turnverein« Schnelder. die Sedächtnis- rebe aut Tumnater 3ahn. und enthüllte bas nahm ba» önnnerungen*. ■’ an 3ahn in städttlche Obhut unb ermähnte die 3ugeird getreu dem Vorbild de» 3ahn« zu wrrlen D»e Diebe klang au« m da» Deutschlandlied Hierauf fand im großen Saale be» .Hessischen Hole«' < ne Doch- feier statt W.ebergalxm aus dem «Festspiel des Gauturnfeste», turnenlcbc Darbietungen Gesänge und Konzertstücke verschönten Me Feier
Mrcio Büdingen.
Vpb Büdingen. <. eepf Da» Büdinger IN a t h i I b e n • n o f p i t a I blickt in diesen Tagen auf fein 60|ä b r । g r » B e ft, h e n zurück. ?lu» Anlaß birfe» Jubiläum» findet am kommenden Sonntag in der Stadtkirche ein siestpotte»dienst statt, dessen Predigt durch einen Geistlichen de» Elisa bethenftifte» zu Darmstadt übernommen wird. Weiterhin wird für den 3ubi(äum»abenb ein Künstler
den Krankenhaufe» Berwenduna finden wird
♦ Didda. 3. Sept. Bei herrlichstem Wetter fanb heute ber Diddacr Herb st markt, verbunden mit ber Ktrchweihe statt. Aus letzterem Anlaß entwickelte sich schon <im Sonnlaa- nachmittag auf dem Marktplätze, ber Gänswetde. em lebhatte«. fröhliche« Treiben 3n bet Turnhalle fanb Tanz statt Der Markt brrtie beute Sgen fnther einen ganz aufierorbentl»4) flut-m lluch unb Auftrieb von 47 Bullen. 180 Kühen unb Rindern, 818 Schweinen unb 74 Ziegenböcken und Ziegen aufzuwelleit. Der Handel war im allgemeinen mäßig. Für gute Mtlch!ul>e würben 550 Mark gefordert Kalbinnen kosteten 400 Mark. «ge Rinder <*3 bi« 120 Dll. ältere bi« arf. Von den bei der Lanbwrrt- lchaft«kammer zum "Verkauf angemelbden 58 Dullen des hessischen Fleckvtehe« ISimmentaler) waren 47 ausgestellt, ferner zwei Vogelsberger Bullen. Bei der Bersletgerung dieser Ziert zeigten sich nur geringe Gelwte. und bie meisten Käufe würben von ben Besitzern nicht genehmigt. Den höchsten Preis erzielte der Züchter tfbriftlan Äeipp aus Angersdach für e^nen 18 Monate alten Bullen mit 960 ^arf; sonst bewegten sich bie Steiggebote für ein Stück zwischen 500 bi« 800 Marsi Die Schweinepreise hielten sich auf bcr seitherigen Höhe Für H Woch-n alte Ferkel wurden durchschnittlich 12 DIark. für 9 Wochen albe 18 Mark und für Smlegcr 35 Mark pro Kopf bezahlt. Der Schweinezucht- verein Lang-Göns hatte 5 3ber be« deutschen Gbelschwcincs unb der gleiche Verein von &bm- genrob emen Ober des veredelten Landschwems au«gestellt. außerdem waren noch einige andere Züchter mit reingkzogvnen Lbern ettchienen. Für ein Stück wurden 200 bis 250 Mark bezahlt Auch 47 Ziegenböcke und 20 .Hegen standen zrun Ber- kauf. Die Preise für junge Böcke waren sehr schwatcketid und bewegten sich zwischen 40 bl« 103 Mark für ein Stück. Die meisten wurden abgesetzt. Dagegen blieben die Ziegen unverkauft. Unter den meistenteils guten unb sehr guten Bullen, Kühen. Rindern und Ziegen wählte bie PrämiierungSlommisfwn lange unb for.ifältig bie Prämtterungst.ere aus. ®« wurden 10 Simmcn- taler unb 2 Vogelsberger Bullen, 18 Kühe beider
seinem Stll zu runden und zu beschließen, (iin Mensch erscheint, sein Gesicht ist fahl beleuchtet in der dunklen Szene, und spricht den ciprcflio- nistisch verworrenen Epilog öinc literarische, unwesenhaste. spukhafte Gestalt, in ben grandiosen Mittelakt schon tote aus Wedekind« Be- zirken verschlagen, spricht dunkle Worte vom Weg in bic Zukunft Vielleicht wollte Blume, es sollte zuletzt versöhnlich ein Licht leuchten in ber Finsternis. Aber er verbarb sich nur den AuSklang eine« starken unb menschlich burch- bluteten Dramas
3ntenbant Dr. Prasch führte selbst Regie. Tine großenteils ausgezeichr.ctc Aufführung, an der mit Pieler Sorgfalt und 5)tn^bung gearbeitet worden ist: ba« war beutlich zu spüren Die beiben ersten Akte rollten mit einer prach'vollen Gebrungenheit unb szenischen Geschlossenheit vor- über. Da war Stimmung. 'Tempo. Farbe. Spannung. sedernder. Dortrcibenber Dialo.) Die Szenen be« roten Offiziers unb des Verhörs waren glänzenb gespielt unb könnten sich an jeder großen Bühne sehen lassen. Die sicher gegebenen Bühnenbilder Löffler« unterstützten die Wirkung des Ganzen vortrefflich
Der drille Akt fiel, trotz der furiosen Fluchtizene, die leider zu früh liegt, merklich ab. Die Auftritte nach dem Tod« der Tänzerin sind hem Zuschauer nicht mehr wichtig. Und der stilifllsch ou»brechende Epilog war weder gestrichen, noch gebämpft, sondern vom Scheinwerfer gespenstisch belcuchtet, ohne da- durch sinnvoller zu werden. Die einzige schwache Stelle auch in ber Regie.
Der beste Mann in einer durchweg guten unb feinhörig abgetönten Besetzung war A r z d o r f, der hier die reifste Leistung bot, die wie bisher r-on ihm geieben haben. Er war der spionierende „Ge noste Gogolin; mit Energie vollgepackt, wendig, gerissen unh verbissen, brutal, egoistisch, eine ganz scharf profilierte Gestalt, ein leibhaftiges Wesen — tm Gegensatz etwa zu dem literarischen Schatten- nß Lankin, an den Han- Haeser viel Mühe verschwendete. -- Dann aber der primitive Sol- batrnfuhrcr Smigal. von Otto «nur mit sprühendem Temperament zu einer überaus wirklichkeitsnahen Gestalt entfallet.
Ferner Desener, diesmal recht belebt, als der ehemalige Offizier, dem Angst, Verzweiflung und .noffnungslofigkell auch die letzte Fluchtstraße verrennen. — Trude Heß: eine kleine, blasse, von ihrer „7chee" besessene Prophetin, sehr fein gespielt. — ®areis, ber Kommissar Ogan: fanatischer Spur- Hund, Mann ber Gewalt mit allen Mitteln. — Life lolle Fuhrmann (Balbonowa): aut in ben zu- fommengerafften, gedämpften Sprech!',;»nen; eine Enttäuschung in den großen Ausbrüchen, die merkwürdig theattalisch und verkrampft wirkten. —
Regisseur und Spieler konnten sich zuletzt mehrfach zeigen Dr. Th.


