(Sieben
zahlreiche
schäft.
Kreis Friedberg.
auswärtige Wehren.
<=CTr--Ä
| ich gestern heimlich auf und davon, heute hätte ich | cs nicht mehr können.'
Nachdruck verboten.
6 Fortsetzung.
getroffen, hier, der
ftützung find bis spätestens 31. Juli 928 | an die Kreditgeineinschast gemeinnütziger ocibft = httfeorganisationen Deutschlands in Berlin N 24. Montbijouplah 3, zu richten. Nur ausnahmswe.se tonnen Anträge berücksichtigt werden, die bis zum 30. September 1928 eingehen. Für die Anträge ist ein besonderes Formblatt zu benutzen, das von der Kreditgemeinschaft unentgeltlich bezogen werden kann.
Möwe im Sturm
Vornan von (Sophie Kloerß.
der Gastvereine. Die Festrede hielt #err Weber (Odenhausen).
i. Ettingshausen, 4. Juli. Wie in der ganzen Gegend, gingen auch über unserem Dorfe gestern abend schwere Gewitter nieder. Der Blitz s ch l u g i n d i e K i r ch e e i n. Außer einigem Scha den am Dach und an drin Innenverputz des Kirchenschisses richtete der Blitzschlag kein Unheil an.
ton. Weickartshain, 4. 3uli. Gestern abend zwischen 10 und 12 Uhr entluden sich hier einige schwere Gewitter. Gegen 11 ilfcr schlug der Blitz in das Transformatorhäuschen der Gewerkschaft „Louise" und zerstörte hie elektrische Lichtleitung für die Bewohner der Scenbrücke, die an das Lichtnetz angeschlossen sind. Das entstandene F e u c r in dem Häuschen wurde durch den Nachtwächter der Gewerkschaft mit Hilfe einiger Nachbarsleute gelöscht. , r
< Holzheim. 4. Juli. Nach alter Lieber- lieferung wurde heute auf dem alten Friedhof neben der Kirche das weithin betannte Holz- Heimer Missionsfest gefeiert. Begünstigt durch das klare Wetter des Nachmittags, hatte sich aus diesmal, wie in den Borjahren, aus nah und fern eine gewaltige Menschenmenge eingefunden. Die Veranstaltung bezweckt von altersher die Förderung und Vertiefung des Missionsgedantens und läßt bedeutende Persön- lichteiten auf dem Gebiete der inneren und äußeren Mission zu Worte kommen. So waren für diesmal die bekannten Redner, Pfarrer Knab. Gustavsburg, und Pfarrer Köhler. Darmstadt, gewonnen. Außerdem sprachen Mft° sionsinspektor Flicker. Barmen, und Missionar Haibach. Herborn. Der Ortsgeistliche. Psar^ rer Weber, der die Leitung des Festes hatte, sprach das Schlußgebet. Umrahmt und verschönert wurde das Ganze von Darbietungen des Holzheimer Posaunenchors und deS Gemischten Chors. 3n einer Kaffeepause bewiesen die Holzheimer ihre von altersher bekannte Gaslfreund-
Stromfpcminmg von 127 Bott auf 220 heraufzusetzen, so daß in der ganzen Provinz die Spannung die gleiche wird. Die Auswechselung der Lichtbirnen. Bügeleisen usw. erfolgt gleichfalls durch die Ueberlandzentrale. Den Stromabnehmern erwachsen dadurch keine neuen Kosten. Der Umschaltwig auf eine höhere Spannung geht eine gründliche Erneuerung der Ortsnetze voraus, wobei gleichzeitig Mängel abgestellt werden. Auch die Ortsbeleuchtungen erfahren einen zweckmäßigen Umbau. Das Einschalten auf die neue Spannung soll bezirksweise erfolgen. —^3n den tiefer gelegenen Gemarkungen unseres Tales ist die Heuernte ziemlich beendet. Durch die planmäßige Düngung der Wiesen, wie sie seit einigen 3ahrcn durchgeführt wird, ist der Ernteertrag wieder recht gut, so daß es vielfach schwer hält, den Heusegen unterzubringen. Aus diesem Grunde wird auch schon Heu abgesetzt zum Preise von 2,60 bis 2.80 Mk. Auch die neue Ernte wird den Landwirt zu gesteigerter Viehhaltung, wie sie schon allgemein eingesetzt hat. veranlassen.
Kreis Schotten. -
_L Ober-Lais, 4. Juli. Während im Jahre 1927 im ganzen nur fünf Trauungen im Kirchspiel Ober-Lais-Glashütten stattfanden, find in diesem Halbjahr bereit? e l f P a a r e getraut worden. Auffallend gering sind in beiden Gemeinden die Geburtszahlen. — Trotz Heuernte, die doch bei dem herrlichen Wetter fast alle Mann auf die Beine bringt, roeirt der Autoverkehr Nidda— Wallernhausen — Fauerbach — Schwickartshausen — Ober-Lais — Michelnau — Nidda viele Reisende auf. Allem Anschein nach hat sich das langersehnte Auto schon gut eingebürgert.
I Herchenhain, 4. Juli. Dieser Tage st a r b hier der in weiten Kreisen Oberhessens — besonders in Pfarrhäusern — bekannte Kolporteur Sebastian Appel. Er war überall ein gern gesehener Gast. ' Er hatte ein Alter von 77 Jahren erreicht.
Kreis Alsfeld.
MSN. Alsfeld, 4. Juli. (Ein Ockfc der Bierbrauerei Wallach geriet in ein Schaufenster in der Mainzer Gasse. Das Tier rannte mit aller Gewalt Hegen die große Erkerscheibe, zertrümmerte sie vollständia und konnte von dem Gespannführer nur mit Mühe von weiteren Demolierungen ab- gehalten werden.
V Grebenau, 3.3ult Am Sonntag feierten die Schulen des Gründchens (Schwarz. Grebenau, Udenhausen und 'Sieben) — zum erstenmal gemeinsam ihr diesjähriges 3u- gen h f c ft. Ein 300 Kinder zählender Festzua bewegte sich von der Schule durch den Ort und bot den zahlreichen Erwachsenen, die besonders auch von auswärts gekommen waren, ein schönes Bild! denn blumenbäränzte und -geschmückte Kinder mit freudestrahlenden Gesichtern marschierten unter den Klängen einer Musikkapelle. Der Fest- Platz war in der Schwarzenbach, wo auch die Dereinsfeste häufig staltfinden, hergerichlet, und er hätte fast nicht ausgereicht, um die viele Hunderte zählende Festgemeinde zu fassen. Die Musik leitete die Feier ein. Ein Mädchen sprach in vorzüglicher Weise einen Borspruch und dann begrüßte Lehrer Lichtenstein die Hest- gemcinhe. Die Rede ging auf drei Dinge näher ein, denen der 3ugrndtag dienen tofll: eine fröhliche Schularbeit. Zusammenarbeit non Schule und Familie und Ameit an der deutschen Botts - gemeinschaft. Danach kamen die kleinen und größeren Künstler zu Wort. Gedichte, Lieder, Bottstänze und kleinere Spiele kamen in bunter Neihenfoilge zum Bortrag und erwarben sich, da durchweg gute Leistungen geboten wurden, immer wieder den Beifall her Gäste. Der zweite Teil der Beranstaltung brachte Sport. Er konnte infolge der vorgeschrittenen Zeit nur verkürzt aus- geführt werden, aber auch hier zeigten htc Kinder, daß sie Gutes zu leisten vermögen. Eine 40X60x80X100-Meter-Stafette gewann die Schule von Schwarz, die damit den Wanderpreis- Wimpel an sich brachte. Da alles bei herrlichstem Sommerwetter vor sich gehen konnte, wurde das 3ugendfest ein voller Erfolg.
Kreis Lauterbach.
WSN. Lauterbach, 4. Juli. In der gestrigen Generalversammlung beschloß die Schneider- Zwangsinnung für den Kreis Lauterbach ihre Auflösung. Es roirh beabsichtigt, eine Freie Bereinigung der selbständigen Schneidermeister in Lauterbach zu gründen.
MSN. Friedberg. 4 3uli. Die Reichsbahn- direktion Franlsurl a. M. teilt mit: Heute morgen 6,25 ülhr verunglückte in Rodheim vorder Höhe bei Friedberg ein 1 7 j ä h r i g e s Mädchen bei dem Versuch, auf einen fahrenden Zug zu springen. Dabei geriet es unter den Zug, wobei ein Bein abgefahren wurde. Das Mädchen ist >urz nach der Einlieferung in das Krankenhaus feinen Berletzun generlegen.
' Friedberg. 4. 3uli. Kleber die Arbeitsmarktlage in den Kreisen Friedberg und Büdingen ist zu berichten: Die Zahl her Unter- stühungsempfänger ist in der Derichtszeit. der zweiten Hälfte des 3uni, weiter gefallen. 3nsgesamt sind noch 622 Hauptunterstützwrgs- empsänger gezählt. Bon diesen sind 498 im Kreis Friedberg und 124 im Kreis B ü - dingen, außerdem 31 Krisenfürsorgeempfänger. 3nzwischen sind feit der letzten Zählung mehrere Steinbruchbetriebe stillgelegt worden. so daß eine nicht unerhebliche Zahl von Neuanmeldungen vorliegt. Don den Erwerbslosen wird voraussichtlich ein großer Teil bei den in Aussicht genommenenN ihhoregulie rung et- ar beiten beschäftigt werden können. Man rechnet damit, etwa 200 Erwerbslose vorerst bei der Regulierung, die als Notstandsarbeit durchgeführt werden sott, unterbringen zu können.
Bad-Nauheim, 4. Juli. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer gestrigen Sitzung die Errichtung eines Wohnhauses mit zwölf Zweizimmerwohnungen in der Homburger Straße aus den Mitteln, die zum verbilligten Zinsfuß für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen. Ein ähnlicher Bau mit zwölf Zweizimmerwohnungen, der im Frühjahr begonnen wurde, ist vollendet. Für Herstellung von asvhaltierten Fahr, bahnen in Teilen der Haupt-, Karl- und Kur- straße wurden 30 000 Mark bewilligt. Für dar am 4. und 5. Slugust stattfindende Neit-undFahr- t u r n i c r wurden 1000 Mark, für das vom 16. bis 19. August stattfindende Tennisturnier 200 Mark zur Anschaffung von Preisen zur Verfügung gestellt. In die Verkehrskommission, der zur Zeit nur ein Stadtverordneter angehört, wurden zwei weitere Mitglieder des Kollegiums entsandt. Beschlossen wurde, die Bad-Nauheimer Kirchweihe am 30. September und 1. Oktober zu feiern.
WSN. Wölfersheim. 4.3uti. Aus dem Nebengelände des hiesigen Kraftwerkes geriet gestern mittag der Elektro-Praktikanl Schmalz aus Hungen bei Montagearbeiten auf
„Vielleicht wäre es besser gewesen bei den Urju lincrinnen."
„Oh!" Erschrocken sah sie die Schwester an. „Ich kam doch falsch. Sage es nur. Und ich hatte mich so gefreut. Immer dachte ich, wenn es so schlimm war unterwegs: Elena, Elena. Bald bin ich bei dir."
Leidenschaftlich schlang die Schwester die Arme um sie. „Du kamst nicht salsch. Du bist wie ein hei liger Gruß aus jener Zeit, wo noch alles klar war und gut und rein. O wenn du wüßtest, was du bist, Maria!"
„Ein langes Mädchen, arm wie eine Kirck-enmaus. Nicht ein bißchen so schön wie die süße Schwester. Aber" — wie ein Bekenntnis kam es leise von den Lippen — „so viel Liebe bringe ich dir mit, Elena. Ach, so unendlich viel Liebe."
Da brach di« schöne blonde Frau in Weinen aus. In ein Weinen, das sie rüttelt« und schüttelt«, prefotc den Kopf an di« Schulter der schlanken größeren Schwester und konnte kein Wort über die Lippen bringen. Und die Jünger«, die gekommen war, hier eine'Zuflucht zu suchen nach schweren Jahren der Not und Einsamkeit, strich ihr fast mütterlich über das seidenweiche Goldhaar und redete gute weiche Worte. „Was haben sie mit dir gemacht, Elen? Sind sie so schlecht mit dir gewesen? Du bist ja ganz zerbrochen. Du bist ja ganz aus den Fugen gerissen. War Sergei nicht lieb mit dir? — Ach, ich hätte dir jo gerne geschrieben, schon lange. Im vergangenen Jahr faßte die alte Exzellenz Mierendorf, weiht du nicht, wir sagten früher immer: Tante Inno- zentias letzter Kavalier, — der sagte, und sie dachten, ich hörte es nicht: Elena lebt mit ihrem Manne als Baron und Baronin Biron in Venedig. Aber wie ich die Tante fragte nach deiner Adresse, wollte sie sie nicht wissen. Nur gut gehen sollt' es dir. Elen wenn es dir so schlimm ging, was schriebst du nicht einmal?"
„Ich habe geschrieben. Zweimal habe ich geschrieben. Dann kam ein Brief von der Tante —" Wie der das Aufweinen. „Ihr wolltet nichts mehr wissen von mir, bat drin gestanden."
Mario zog sie mit sich zu einer Chaiselongue, hockte sich nnr sie auf die Erde, so hatte sie es gemocht, als sie noch ein Kind gewesen, legte die ver-
Oberhessen.
Landkreis (ließen.
... Klein-Lindem 4.3uli. Ein hiesiger Einwohner wollte mit einem Luftgewehr < noch Spatzen schießen. Sein dreijährrges Söhnchen kam unversehens an den Abzug, so daß der Bolzen herausflog und dem Vater in der rechten Hand stecken blieb. Gr mußte sich in die Klinik begeben, wo her Bolzen herausgeschnitten werden muhte.
„Ist die Baronin z» sprechen? Sagen Sie ihr, ihre Schwester wäre gekommen."
„Mario! Grundgütiger Heiland, Mario!'
„Elena! Elena!"
Der Jubel in der Stimme! Die weichen Arme, die um ihren Hals lagen, die zärtlichen Lippen, die sich auf iyre Wange preßten — und dabei dieser grauenvolle Schrecken im Herzen.
„Woher kommst du, Maria? Wie ist dies möglich —" Ganz heiser war ihre Stimme.
„Von Wien, geradeswegs von Wien. Zu dir, du mein Einziges, du mein Liebes. Endlich, endlich. Ach, Elena, du bist ja ganz blaß. Komme ich dir denn ungelegen?"
„Nein, nein, o nein." PZas sollte sie nur anfan- gen? Das Kind hier — Sie schob die Schwester ein wenig von sich und sah sie an. Ein Kind hatte sie verlassen vor neun Jahren, ein junges Weib stand vor ihr, trotz seiner blassen Haut blühend und gesund. Und die Augen waren noch die gleichen mit dem warmen Leuchten, mit der geraden Ehrlichkeit unb Reinheit in iyrem Grunde.
Sie spürte den Schlamm unter den Füßen und schauerte zusammen.
„Ich hab dich' zu sehr überrascht. Ader ich konnte ja nicht telegraphteren, ich wußte ja gar nicht deine Adresse. Erst hier habe ich sie erfragen müssen. Von der Polizei."
„Von der —"
„Darum brauchst du nickt zu erschrecken- Stephan, der ist uns treu geblieben bis zuletzt — ja, der riet es mir. Der brachte mich an die Bohn, der wußte drum, daß ich zu dir wollte."
Sie waren eingetreten in das Schlafzimmer der Baronin. Mario löste den Trauerhut unb_ atmete tief auf. „Ach. dos erzähl' ich dir alles. So nach und nach. Ja, du siehst mich jo an, die Trauer, dos ist wegen Tont« Innozentia. Sie ist vor fünf lagen eingeschlafen. Es war ihr zu gönnen Und mich rooll ten sie zu den Ursulinerinnen tun, mich, wo ick doch im Glauben meiner Mutter getauft bin — Da ging
karest. Die Leute haben Uni'ummen verdient im Krieg. Besonders die Schweinezüchter. Fleisch war teuer/
Ach, Mario, ich bin manche» Mol hart dran gemeßen, ihren Rat zu befolgen, wenn die Leute, di« zu ihr kamen, nur ein bißchen besser ausgeschaut hätten. Aber ich war so verwöhnt. Weiht du — Sergei — er Hot seine Fehler, Gott weih, er hat st« — aber doch er bleibt immer der vornehme Mann, und wenn er Karren schieben müßte. Sie hatten so dicke Hände und so kurze plumpe Finger, und wo- man auf der Straße sah von eleganten Hofherren, das tarn nicht zu der alten Bibesca."
„Aber dann? Dann kam Sergei und erlöste d«ck
„Ja, er fand mich heraus. Und fein Jienbnetfter kam, ein weißer Rabe war der, denn er brachte uns einen Teil der Juwelen, die wir auf ^askolna vergraben hatten, als ich flüchten mußte. Was 'ck der mir gehabt, das hatten sie mir unterwegs geftonlen. Davon konnten wir einen Teil verkaufen und hierher ziehen. Sergei hatte hier Freunde gefunden in Venedig —" Sie brach ab. _
„Und nun geht es wieder auswärts, Elena ? Das Haus sah mich erst so übel an, aber hier bet dir, hier ist alles so behaglich, fast l° etwa» rote früher daheim." „
„Ja ja. Es läßt jich ertragen. Was brauchte bic Schwester zu erfahren, daß die Teppiche noch nicht bezahlt waren, daß die Vorhänge von einem Kaufmann stammten, der mit ihnen seine Spieljchulden einlöste, daß die Schmuckiochen falsche otelne führten» —' Dabei gingen ihre Gedanken wieder zu dem Schlangenring. dem letzten Stück au» der guten Zeit. Sie seufzte.
Dann sich zusammenretßend: „O was bin ,ch für ein« schlechte Schwester! Seit gestern abend bist du qereift. unb ich lasse dick hungern und dursten. Giu- iietto, (Blulietta, wo bist du? Ah do, die hat sicher hinter der Tür gelauscht, nur gut, daß sie fein Deutsch versteht. Also höre, der Koch soll sofort ein hübsches kleine» Essen bereiten und heraufsendcn. Io, hierher, in dos kleine Zimmer nebenan. Und du bedienst die — wie nennst du dich Maria? Es tut nicht gut, mit seiner Herkunft zu prunken, rocrni man in solchem Hause wohnt."
„Ich nenne mich von Erdmannsdorf, noch dem Besitz meiner Mutter."
(Fortsetzung folgt.)
schlungenen Hände in den Schoß der Schwester und sah zärtlich zu ihr auf.
„Nichts von dir wissen? — Ah, sie hat sich's leicht gemacht. Weißt, sie war nie Sergeis Freundin. Er lag ihr nicht. Und sie wußte schon nicht, womit sie unser bißchen Leben bestreiten sollte. Wir haben nicht viel zu lachen gehabt, die Jahr« her, Elen."
„Ach, Schäfchen, meinst du, ich?"
„Die dicke Florentine und der Stephan, das war unser ganzer Hofstaat. Ich mußt' die Tank' frisieren, wenn sie ein bißchen adrett aussehen sollte, und die Knöpfe mußt ich mir selber annähen, und wie einmal die Florentine krank lag, mußt' ich sogar am Herd stehen. Es ist auch danach geworden. A Saufraß, sagte die lantc Innozentia."
„Wir wären manchmal für einen Saufraß dankbar gewesen," murmelte Elena.
„Und wie ich hergefahren bin — dir will ich es sagen, wirst nicht drüber reden — dritter Klasse bin ich gereift."
Ein hartes Auflachen. „Im Viehwagen sind wir über die russische Grenze gekommen nach Rumänien. Es hat uns mancher darum beneidet, daß wir überhaupt herauskamen."
„Du Armes, du Liebes."
„Wo Sergei war —, wirft du fragen." So fuhr nach einer kleinen Pause Elena in ihrer Erzählung fort. „Zwei Jahre lang hab' ich es nicht gewußt. Ich war da in einem Zug mit Frauen und Kindern, die noch grab herauskamen, ehe der letzte Zusammenbruch eintrat. Und ich, ihre älteste Prinzessin, hatte doch Zarin werden sollen, das sagte man ganz offen in Petersburg, das war die verheißene Belaß nung für Rumäniens Abfall vom Dreibunde — ach, wer dachte daran, als wir so elend und arm in Bukarest eintrafen. Habe noch dankbar sein müssen, daß ich endlich bei der alten Fürstin Bibesca als Gesellschafterin unterschlüpfen konnte. Vorleserin, Kammerzofe. Prügeljunge —" Plötzlich in aller Erre gung ein Auflachen: „O du hättest sie kennen müssen, Ioujou. (Eine alte Zigeunerin. Sie schnupfte. Ihr gtünfeibener Morgenrock, in dem sie den gan zen Sag hcrumschlnrftc. der war voller Flecken. Unb wenn sie nicht schnupfte, rauchte sie dicke Zigarren. Unb mir sagte sie jeden Tag: .Schaffen Sie sich einen Freund an, mein Kind. Für Ihren Rang und Ihre Herkunft gibt Ihnen kein Mensch mehr einen roten Heller. Es sind reiche Kavaliere in Bu-
£ Wi eseck, 4. Juli. Vom Blitz Der Arbeiter Karl Valentin von sich gestern Abend gegen 11 Uhr während des schweren Gewitters mit seinem Fahrrad auf dem Nachhauseweg befand, wurde kurz vor seiner elterlichen Wohnung vom Blitz getroffen und zu Boden geworfen. Ein Begleiter kam unversehrt davon. Valentin, der sofort von herbeigerufener Hilfe in die Wohnung gebracht wurde, hatte die Sprache verloren. Der sofort hinzugezogene Arzt, I)r. Schmidt, leistete die erste Hilfe. Während des heutigen Tages lag Valentin schwer darnieder, doch tonnte der Arzt heute Abend gegen 7 Ahr feststellen, daß er wieder auf Fragen reagierte und im Flüsterton antwortete. Das Augenlicht, das allem Anschein nach schwer gelitten hatte, scheint auch wieder in Ordnung zu fein.
I' Mainzlar, 4. ^luli. Bei der hiesigen letzten Heugras -V4r st eigeru ng waren trotz starker Beteiligung die Preise sehr ■ niedrig. Zum größten Teil handelte es sich auch um saure«, auf sumpfigen Wiesen gewachsenes Gras, das nur zu Streuzwecken verwendet werden kann. Gs tarnen durchschnittlich der Morgen auif 2 bis 3 Mk. Die Heuernte ist dank der guten Witterung nunmehr saft vollständig beendet. Der Ertrag steht fast um ein Drittel hinter dem vorjährigen zurück, ha infolge der kalten Witterung deS Frühjahres die Untergräser mel- fad) fehlten. — Auf dem hiesigen Werk von Scheidhauer & G iehing verunglückte ein verheirateteter Arbeiten aus Daubrrngen sschwer. Er wurde von einem vottbeladenen Vollwagen gegen einen Steinstoß gedrückt, so daß er mehrere Nippenbrüche unh innere Verletzungen davontrug.
0 Climbach, 4. Juli. Am Sonntag sand hierin Verbindung mit dem .">. Stiftungsfest des hie sigen Gesangvereins Lieder kränz" das W e r t u n g s s i n g e n des L u m d a t a l Sängerbundes statt. Nach einer Gedenkfeier für die Gefallenen am Sonntagmorgen eröffnete der Bundes- vorsitzende, Lehrer Ziegler (Kesselbach), um 10 Uhr mit Worten der Begrüßung bas Singen. Die Leistungen der Vereine standen nach Aussagen des Wertungsrichters, Reallehrer und Chormeister Blaß' (Gießen), durchweg auf beachtenswerter Höhe und zeigten, gemessen an denen der Vorjahre, gewaltige Fortschritte. Der Nachmittag brachte im Anschluß an den Fcstzug und die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Backhaus das pingen
hem Leitungsmast mit dem Kopf in die Drähte. Da der Strom aus bisher noch nicht geflä ter Ursache nicht abgestellt war. fiel der junge Mann demselben zum Opfer. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos.
Kreis Büdingen.
t. Nidda. 4.3uli. Am Freitag sand in dem Schulsaal, in dem Lehrer Domm jahrzehntelang unterrichtet hatte, eine einfache, schlichte Feier statt, wie sie Lehrer Do mm bei seinem Scheiden aus 45j ä fori gern Schuldienst gewünscht hatte. Der Schulsaal war mit Laubund Xanncngrün und Blumen geschmückt. Zur Feier hatten sich eingefunden der Stadtvorstand, der Schulvorstand, das Lehrerkollegium und Freunde des scheidenden Leyrers. Die beiden oberen Klassen der Voltsschule grüßten ihren langjährigen Lehrer mit dem Liede ..Bis hierher hat mich Gott gebracht, durch seine große Güte", sowie durch zwei zur Feier passende Gedichte. Nektor G a tz e r t. als langjähriger Freund und Mitarbeiter von Lehrer Domm. würdigte in eindrucksvollen Worten die Verdienste seines 'Freundes um die Schule, Beigeordneter Hu 11- m a n n sprach im Namen der Stadt dem Scheidenden den Dank aus für die treue und gewissenhafte Arbeit an den Kindern. Tiefbewegt dankte Lehrer Domm allen, die zu dieser Feier beigetragen hatten. Man merkte auch ihm an, wie hart das Gesetz über die Altersgrenze hie Beamten, Lehrer usw. trifft, die noch rüstig sind und gerne noch mehrere 3ahre arbeiten könnten. Mit einem Liede der Schüler schloß die Feier. — Am Montag hielt der Krankenpflege- verein, der nun schon 32 Jahre in unserer Stadt segensreich gewirkt hat, seine Generalversammlung ab. Nach Begrüßung der erschienenen Mitglieder trug der Vorsitzende, Nektor Daher t. den 3ahresbericht von 1922 vor und betonte besonders, daß die Tätigkeit einer zweiten Schwester, die zugleich auch Dekanatsschwester ist, dem Verein sehr dienlich gewesen ist. daß aber auch ihre B^ahlung durch den Verein mit fast 550 Ml. von den Mitgliedern des Vereins mehr tatkräftige Unterstützung erfordere. Schuhmachermeister L a m p a s trug das Ergebnis der Nechnung für 1927 vor. Die Gesamteinnahme betrug 2448,29 Ml., die Gesamtausgabe 2401,09 Mk. Es verbleibt somit für 1928 ein Nest mit 47,20 Mk.
Nidda, 4. 3uli. Gestern wurde hier unter sehr starker Beteiligung der Landwirt Karl Reinhardt zur letzten Ruhe bestattet. Er hat sich um das allgemeine Wohl seiner Mitbürger sehr verdient gemacht. Er war 44 3ahre lang Mitglied des Kriegervereins und viele 3ahre im Vorstand eifrig auf das Wohl des Vereins bedacht. Weiter war er 25 3ahre lang Kommandant her Freiwilligen Feuerwehr und fast ebenso lang Kommandant der Pflichtfeuerwehr. Die vielfachen Verdienste des Verewigten wurden durch Ansprachen am Grabe in gebührender Weise gewürdigt. — Der heute hier abgehaltene Somme r m a r k t war mit Ferkeln und Einleger schtoeinen gut befahren. Der Auftrieb betrug etwa 400 Stück, war dagegen an Pferden unbedeutend. Bei der großen Zahl von Kauflustigen, unter denen sich nicht nut Landwirte, sondern auch viele Arbeiter, Handwerker und Geschäftsleute befanden, die sich für ihre Hausschlachtungen im kommenden Winter ihren Bedarf an Ferkeln zur Weiterfütterung und Mast jetzt zu Beginn der Frühkartoffelernte anlegen, blieben die Preise fest auf dem seitherigen Stand und & sogar einen kleinen Aufstieg. Sechs alte Ferkel kosteten durchschnittlich 40 Mark, acht bis neun Wochen alte 50 Mark und zwölf Wochen alte 60 Mk. das Paar. Die Händler brachten ihre Ferkel zum Teil mit Vieh- transportautvs zu Marke, eine bisher hier noch kaum beobachtete Neuerung. Nachmittags sand auf dem Marktplatz der Stadt em mäßig besuchter Krämermarkt statt. Die hiesige Bruderschast des 3ungdeutschen Ordens hatte hier einen Vortragsabend über Löns Werke veranstaltet, der sich eines guten Besuches erfreute. Die Künstlerin, Frau Traute Fuld- n e r, Mitglied der Gesellschaft für Volksbildung in Berlin, trug in erhebender Weise Abschnitte aus den bedeutendsten Werken von Löns und einigen anderen deutschen Geistes Helden vor, die reichen Beifall fanden.
: Nidda. 4. 3uli. Das II e 6 e r t a n h toe r I Wölfersheim geht jetzt dazu über, die vor hem Kriege angelegten Ortsleitungen mit einer
• Heuchelheim, 4. 3uli. Unsere Freiwillige Feuerwehr kann in diesem 3ahre auf ihr 50jähr iges Bestehen zurückblicken. Gegründet mit dem Grundsatz der Pfttcht- ersüllung und Nächstenliebe, hat sie diese schönen Tugenden in den fünf Jahrzehnten stets geübt. 3n Organisation und Ausrüstung ist sie der Zeit und den Erfordernissen unsrer Gemeinde gefolgt, so daß sie jederzeit wohlausgerustet dasteht. Die Anteilnahme der Einwohnerschaft an hem Fest, das aus diesem Anlaß am nächsten Samstag, Sonntag und Montag auf dem Fest- platz „Geiersberg" gefeiert wird, ist allgemein, sie findet ihren besonderen Ausdruck in her Stiftung eines Banners durch die Frauen und Jungfrauen unseres Ortes. Sämtliche Ortsvereine haben ihre Mitwirkung bei her Feier zugefagt. Da mit hem Fest her Kreisfeuerwehrtag des K r eises verbunden ist. erscheinen hier auch


