Nr. 4 Drittes Blatt Sietzener Anzeiger ISeneral-Anzeiger fist Gberheflen) Donnerstag, 5 janear 1928
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9er Deutsche Landkreistag und die Landkreise.
Vaa 1>t. dtQnann. ‘Serltn.
Der Deutsch« Landkreistag Ist in der £rifrntiichkeit naturgemäß deshalb weniger be- nnt weil <r viel lünger ist als lein älteren Bruder der Deutsch« Städtetag Dieser besteht schon seit 22 Jahren der Preuhriche Städtetag sogar seit 31 Jahren. während der Deutsche LandkrelNtag sich erst im 1823 aus dem tm Jahre 1916 gegründeten Preutztlchen Sand- krelstag heraus entwickelt har. Ebenso wie der Deutsche Städtetag der Spihenverband aller gröberen und mittleren deutschen Städte, ist der Vanbfrditafl die Zusammenfassung aller deutschen Kreiskommunaloerbände.
Die Aufgaben des Deutschen Landkrerstoges sind dieselben wie die der anderen kommunalen Spihenver bände Der Schwerpunkt liegt jetzt iu der Vertretung der Äommunolinler» eilen b e t den Behörden, den Parlamenten und In der vessentlichkelt. insbesondere in der Mitwirkung bei der Gesetzgebung und der Verwaltung. Insofern findet eine dauernde zunehmend« Fühlungnahme statt mit den Aeichs- und Staatsminifterien. mit den Parlamenten und den Vertretern der Wirtschaft Bei der Vorbereitung der DerwaltungSgelctze und Verordnungen kommen die Landkreise durch den Landkreistag zu Worte. Freilich gelten zu diesem Punkte bk auf dein letzten deutschen Städteta.z in Magdeburg laut erhobenen Wünsche nach gröberer Rücksichtnahme auf die Belange der kommunalen LelbftvcrwaUung natürlich auch für die Landkreise. Sine engere Befassung der Parlamente mit kommunalen Fragen soll durch interfraktionelle fonununafe Ausschüsse herbei- geführt werden.
eine weitere Ausgabe ist die Vertretung der Gesamtheit der Landkreise durch Stellung selbständiger Vertreter bei Behörden. Beiräten, öfsentlichen und privaten Organisationen die in der Verwaltung, der Wirtschaft sowie auf sonstigen öffentlichen rechtlichen Gebieten sich betätigen So ist der Landkreistag auch im Vorläufigen Reichswirtschastsrat. in der Aeicheanstalt für Arbeitslosenversicherung, in der Deutschen Girozentrale und in unzähligen anderen Einrichtungen und Organisationen tourt* schasts- oder sozialpolitischer Art osfiziell vertreten.
Der ursprüngliche Zweck der kommunalen Spitzenverbände, die Auskunsterteilung an die angeschlosicnen Verwaltungen, ihre Beratung und der Austausch von Erfahrungen, nimmt nach wie vor die Arbeit der Geschäftsstelle und der Organe deS LandkreistagS. seines Vorstände«, seiner Fachausschüsse und der Versammlungen stark tn Anspruch. Die gegenwärtige allgemeine Vorlage unseres Volke« zwingt apch die ländlichen Verwaltungen, an der Verbesserung ihrer Einrichtungen, an einer starken Rationalisierung aller ihrer Verwaltungszweige und ihrer Betriebe zu arbeiten. Der freiwillige Zusammen- schlutz in einer eigenen Organisation ist die beste und sicherste Förderung dieser Bestrebungen.
Der dlnfluh des Landkreistags beruht aus der Bedeutung der Landkreise, deren gesetzlicher Ausgabenkreis und deren frei entwickeltes Äom- munal-Etgenleben In den letzten Jahren gewaltig Angenommen haben. Diese Bewegung nahm ihren fnfana von der Ernährung-Wirtschaft deS Kriege» al« «S galt, zwischen Erzeugung»- und Be- darsS-Gemeinden einen Ausgleich betAuft eilen und die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen Diese schweren Zeiten waren eine gute Schule für die kommunale ländliche Selbstverwaltung. Sie gaben auch den letzten Anstoh zur Gründung de« Landkreistage-.
Die Aufgaben der Kreise sind weiter gewachsen durch die grundsätzliche (Heberna^mc de« ganzen groben Gebiete« der Wohlfahrtspflege, da nur durch Bereithaltung breiterer Schultern und entsprechend geschultes Personal die Massen- notstände der Vachkriegszeit sozialpolitisch wünschenswert bewältigt werden konnten. Während im Jahre 1913 die Ausgaben der Landkreise für einen Gintoobner auf dem Gebiete der Gesund- Heils- und Wohlfahrtspflege tm Durchschnitt nur 1,3 Mk. betragen haben, war dieser Betrag im
Jahre 1925 auf rund 10 Mk an gewachsen Auf dem Gebiete des Wohnungsbaues und des Sied- lunaswesen« haben sich di« Ausgaben sogar verhundertfacht
Wit der plötzlichen Zunahme des Automobil i s m u s sind die Ausgaben im ßanbftrabcn- wesen stark in den Vordergrund gerückt. Die Landkreise verwalten rund 125 OCX Kilometer an Landstraßen von dem gesamten deutschen Vanbftratlcnneo von 190 000 Kilometer Sie haben in den letzten 50 Jahren rund 50 000 Kilometer Landstraßen neu gebaut. (Die Reichsbahn hak nur ein Dchienennetz von 51 03) Kilometer.) Bei der rasch ansteigenden Verkehrsentwicklung sind e« ntben der Post die Landkreisvertoaltun- qen. denen die Aufgabe zugefallen ist. für die Srschlichung de» Lande» durch Krafriahrzeug- linlen und durch Kleinbahnen zu sorgen. Sie sind daher an diesen Unternehmungen besonders in Westdeutschland - sehr stark beteiligt. Wie vielseitig die Betätigung der Landkreise im Verkehrswesen ist. zeigt die Tatsache, tast sie sogar GrohfchiffahrtSwege gebaut haben (Kreis Teltow).
Aehnliches gilt von der Elektrizität«-. Gas - und Wasserversorgung. Zusammen mit den Städten und mit der Privatwirtschaft sowie neuerding» mit den Provinzen haben bi« Landkreise die EleltrizitätsveriorgungDeulfch- landS durchgeführt Die beherzte Einmischung der Landkreise sür ihre Geriete, sür Landw rt- schäft und Industrie, hatte den Eriolg. datz in Deutschland, im Gegensatz z. B. zu der Entwick-. lung in England, ein Eingreifen des Staates an sich nicht mehr erforderlich ist. um eine möglichst rationelle Wirtschaft zu erreichen. In dem grbhtcn Lande, in Preußen, hat der Staat eigentlich nur eine einzige gröbere Einslusrzone, die Weser entlang.
Bei der kommenden Gasfernversorgung sollen die Erfahrringen verwertet werd«, die mit der Elektrizitätswirtschaft gemacht worden sind. Dio Äommunen werden sich zum Ruhen der Abnehmer gleich von vornherein einfchaltcn müsfen. unb zwar für möglichst groste Gebiete, damit die Zersplitterung, die sich in der Elektrizitäts- Wirtschaft erst allmählich überwinden Iaht, von vornherein vermieden wird. Im Ruhrgebiet und in Westfalen sind die ersten Schritte bereits unternommen.
Ganz besonders beachtlich ist die Tätigleit der deutschen Landkreise in der Geldw . rt - schaff. Die deutschen Sparkaffen und die Kom- munalbanken werden in grostem Umfange von den Landkreisen getragen, und zwar marschieren sie an der Spitze der Einlagenbeständ . wenn man die Kreissparkassen den Sparkassen der Stadtkreise und der kreisangehörigen Gemeinden gegenüber eilt. Don d.r Gesamtheit der Sparkasseneinlagen entfallen f:it 31 Jahren, in ziemlich gleichbleibendem Verhältnis, 3? v H. auf die KreiSsparkasfen.
Aus den oben erwähn.en Gründen spielen die Landkreise auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege eine besonderr Rolle. Die Wohlfahrtsämter der Landkreise mit ihren Einrichtungen und Anstalten die Gesundheitsämter, Jugendämter, Altcrsh.im:. Waisenhäuser. Krankenhäuser. Heilanstalten. Erholungsheime. Mutter-. 'Säuglinge- und Kleinkinderfursorge- stellen. Gefch'cchtSkrankenfürforgestellen ufto. nehmen in der Fürsorge für die Gesamtbevöllerung eine hervorragende Stellung ein.
Auf kulturellem Gebiete haben sich deil Landkreisen grohe mod:rne Ziele eröffnet: es fei nur erinnert an die Pflege der Sortbil» dungsschulen. an die Förderung de« höheren Schulwesens, der Jugendfürsorge. des Kinowefens und aller Bestrebungen zur Pflege des Hei- matgefühls der Bevölkerung.
Diese wenigen Andeutung.n to.rden am besten erläutert durch den Umfang des Perionenlreises. der unter dec Verwaltung der Landkreise lebt: Während im Deutschen Städtetag mit seinen 281 mittleren und groben deutschen Städten etwa 25 Millionen Einwohner zusammengeschloffen
Gs zogen drei Burschen wohl über den Mein ....
Vornan von Erica Erupe-Lörcher.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sic aber schob ihren Arm nun ohne weiteres unter den feinen, zupfte das schwatzseidene Tapu chon, das ein Bukett von künstlichen Parmavcil- chen trug, noch ein wenig fester um die Haare zu lammen und sagte halblaut und aufstichelnd: „J'ai i vous dir« quelque chose, mon uni! — Mais voilä le cortägel*
llnd wirklich tarn jetzt unter Aorantritt einer ländlichen Musikkapelle der Metztizug in den Saal in einem Tempo herein, von dem man nicht wutzte, war's noch ein Marschieren, oder ein vor Fröhlich keit hüpfendes Springen.
Raymond achtete kaum auf bas kleine Inter mezzo, das Alcefte jetzt von feiner Seite wegführte Da- Bild vor sich nahm ihn ganz gefangen. Es war schon recht luftig, einige Stcaßvurgcr Bekannt«, in der Tracht von Dorfmusikanten, mit ihren Blasinstrumenten hin und wieder sich schütteln vor Lachen, und die fpalterbilöenöen Bekannten im Vorbeimarsch schnell grüfjenö herankommcn zu sehen Und bann der Mttznhüter allein hinter ihnen, das geladene Gewehr geschultert. Er war im Gegensatz zu den meisten anderen Burschen ohne Hut und trug über der feuerroten Weste, dem kur ien, runden, schwarzen Kock und schwarzem Bein- leid eine breite, meiste Schürze. Mit der Rechten 'chwang er hochcrhoben nach dem Takt der prickelnd- fröhlichen Musik einen grasten hölzernen HüdjLffel, von dem ein Sträußchen und Seidenbänder herab flatterten.
Aus das Paar unmittelbar hinter dem Mestti Hüter, richteten sich alle Blicke. Es waren auf dem Lande bi« im Zuge am meisten Gefeierten. 2fbcr auch hier konnte man der heutigen Mcgtimaid den Preis zuerkennen, an Anmut, an Grazie, an ju gevdfrifcher' Fröhlichkeit. Mancher kannte die junge Baroneste Welzin, auch von der Straste her. durch ihre graziöse Eleganz. Manche fragten unterem ander, wer sie fei. Und man begrist es, dast ihr Mesttibursch.' so getragen von Stolz und frohem Otzick neben ihr dahinschritt.
Naymond fah sich das Paar genau an, wie es nun hinter dem einsamen Mesttihüter im Takte des frohen ländlichen chopsas, an ihm tänzelnd vorbeieilte. Es dünkte ihm, er habe i^ritz Wenger noch nie in einer so günstigen Kleidung gesehen Zum Kuckuck! Was war doch der schwarze (tzcstll'chasts- frack für ein langweiliges Kleidungsstück. Fritz Wenger hat sich eine Tracht gewählt, wie sie fcte jungen Burschen in der Weißenburger Gegend bei ^och'.eitsfeiern anlegten, wenn das „Gabenreiten' um ein Geschenk der Braut begann: anstatt des üblichen runden schwarzen Rockes ein kurzer Tuch rock aus kräftigem Blau, eine lange meiste Hofe, die an den Seitennähten und die ganze Weste hinauf von einer Reihe ganz kleiner blinkender Gold" knöpfe begrenzt war, und auf dem Stopfe die trabi tioncUc und charakteristische runde Pudelmütze!
Drinnen bei der Aufstellung des Zuges im Neben sool hatte er sichund Melusine schnell noch mit den Attributen des Meßtipaares grichmückt. Jedes von ihrien trug auf der linken Brustteite «inen weihen, hölzernen Kochlöffel, der mit einem Sträustchen von Blumen und einigen bunten, flatternden schmalen Seidenbändern geschmückt war.
Dem Mehtipaare folgten in langem Zug. die anderen Herren und Darnen in der Verschiedenheit der einheimischen Trachten. Ueberall begrüstke skür Mischer Jubel, Winken, Zsuwersen irischer Blumen den herannahenden Zug. der zuerst durch den großen Aauptfaai, bann durch die Jlebenfäte sich m eber in den großen Tanzsaal zurückdewepte und mit der Spitze auf dein Podium endete. Denn hier, n>o Jonft bei den tlasfischen Ibonn ementsfonyrten der Stabt die Orchestermttgiieder faßen, hatte man vor der im proonterten Bauerrsichente einen hohen Baum errichtet, unter dessen Zwe-.gen setzt der Mesttihüter mit feinem steil aufgerichteten Gewehr den eserstchen Schuß als Eröffnung der Kirchweih abgab. Die vier Musikanten lietterten ge'chw.nd die kleine Treppe zur cholzgalerie hinauf, bte man um den Stamm des Baumes angebracht, und intonierten nun den ersten ländlichen Walzer, nach denen Mangen das Meßti paar sich im ichleücndeu Hopsa gleichalls zur Eröftnung des allgemein nun folgenden Tanzes pi drehen hatte.
Dietwart von Schätzer stand ziemlich im Hintergrund des Saales, wo ein guter Ueberbärf auf das Podium möglich war, und ’at) unverwandt mH brw=
find find durch den Deutsche« Landkreistag Wt itt CanMreifen 38 417 OCX? Anwt» KT tufaeimen- g«4aht In Preschen allein entfallen auf 418 öanbfreite 22.8 Äklllivnen Einwokmer und tn Bayern auf 164 Bezirke 4,9 *ntot*ner
Dte«e Tatsache führt Ich restlich zu einer für unter Volk lebenswicht «gen ftekihSpoIuifthen Huf- gäbe, nämlich dast Ne Verwaltungen her ländlichen Selb ftverwolrungskörper der ®ig <-na rt ihrer Einwohnerschaft ana?t>af>t. alles tun müssen, diese Bevölkerungsmaste auf dem Lande nxb Möglichkeit Irituihalten Schon beuten Zeichen Darauf hsn. hast die Landflucht, die vorübergehend zum Stillstand gekommen war oder doch stark nact getaflcn hatte, wieder zunimmt Jür unser Doli wäre ein Verhängnis, wenn die Quelle der Kraft, die auf dem Land? liegt immer mehr veriieget^ wärd Reden Reich und Staat kann nicht zuletzt auch der Landkreis hier mikheften. indem er durch die Güte feiner Verwaltung«-, Wirtschaft«- und Wohls ahriseinrich- ttmgen dafür Ir-rgt k^rst da« Landvolk land froh und heimfest bleibt. Di? ländlich? Bevölkerung must sich unter ihren Verwaltungen ebenso wohl- fühlen wie die der Städter unter der Stadtverwaltung Diele Aufgabe in kvmmunalwirtfchaft- licher und wobffahrlspvlltifcher Richtung hm können aber die Landkreise nur dann richtig er- fttllen. wenn Regi- rungen und Parlamente ihnen die finanzielle und organisatorische Bewegungsfreiheit lallen und lie möglichst in ihrem Gebietsstande erhalten 3nfof:m ist es die Aufgabe des noch jungen Landkreistag?«. mit den städtischen Spitzenverbänden in der allgemeinen Forderung der ihm angelchlvssenen. in ihrer Bedeutung wachsenden V:rwaltungen einen edlen Wettbewerb zu führen.
Wirtschaft.
Zur Lage des deutschen Geldmarktes.
Dec Jahres ultimo ist am deut scheu Geldmarkt verhältnismäbig leicht überwunden worden. Die Vorbercitungen, die seitens der Wirtschaft für die Abwicklung getrofsen wurden, find vornehmlich von der Retchsbant getragen worden, und. wenn sich auch der Grldsatz vorübergehend stark erhöht hat, so hat das neu« Jahr doch eine wesentliche Erleichterung gebracht, die deswegen Beachtung verdient weil gleichzeitig mit der Aendecung in der Lage des beutfchen Geldmarktes sich auch eine Aende- runfl Le: iniernalionalen Geldmärkte vollzogen hat Obgleich die Gesamtlage deS deutschen Geldmarktes sich noch nicht übermäßig hoffnung-voll zu gestalten scheint, Io steht die gegenwärtige Situation doch unter den (.eichen von Erwartungen auf weitere internationale Diskontermästigungen, z.i denen die Herabsetzung des französischen Tislontsatzes auf 4 Prozent und de- schwedischen Diskontsatzes auf 3 5 Prozent Berech.igung geben 3n Holland, welches als Geldgeber für den deutschen Markt eine groste Rolle spielt, erwartet man eine Er> mästigung der Diskontraten. Alle diese Mast- nahmen ausländischer Kreditinstitute deuten daraus hin, dast die grundsätzlichen Aussprachen der Rotenbanlleitcr währetrd des vergangenen 3abreS jetzt zur Auswirkung kommen B.-i diesen Vefprechungen drehte «3 sich bekannt!, tz i i erster Linie um die Festsetzung von Richtlinien zur Herstellung einer elnheitl chen Gelddistontpolitik Wenn die an diese letz'.en Diskontherabsetzungen Sefnüpften Folgerungen richtig sind. Io liegt eine irmäsiigung des Diskontsatzes der Deutschen Reichsbank für die nächste Zeit durchaus Im Bereich der Möglichkeit. DieRelchS- bank wird selbstverständlich eine solche Mastnahme vor allem von der Srmästigung der Londoner Diskontrate abhängig machen. Betrachtet man die damit in ein neue# 6:aötum getretene Welt- diskontpoliük unter den'. G:s chtspunkt der Konjunktur, Io scheinen sich in allen Ländern Tendenzen zu zeigen, die auf einen Rückgang der Koajun '' ur hindeulen. mit dem gerade auch Deutschland zu rechnen hat. E,ne Derbilli- gung der Geldsätze trägt selbstverständlich dazu bei, die sich auS einem Rückgang der Konjunktur ergebenden Spannungen wesentlich zu mildern.
nenben Blicken auf das tanzende Mesttipaar dort auf dem Podium.
Was war doch das Menicheicherz für ein sonderbares, unberechenbares Dmg! 3-.il) r und Tag lang war er in der seamilie von Welzin-Hammerschlag als u r.mnb des einzigen Sohites aekommen, und hatte sich nicht um die junge Schwester des freundes viel bekümmert' Und letzt tot ihm das Her; fast weh. »der war's ein test« brennendes Geiühl von auffieigenber Eitersucht, als er sah rmt welch stcah kendem Lächeln Frist Wenger feine junge Partnerin iuhrte und sich mit ihr im Tanz drehte? Mit seinem Ähnen fühlte Dietwart sofort, öast bei der Urwüch' sigkeit und Ursprünglichkeit von Wengers aanzer Art dieses Läch.tn mehr war und tiefer satz als die tochelndc Höflichkeit des ÄaDalters ober die durchschnittliche Festesfreude des Abends!
Tin noch unklares Gefühl drängte sich in Diet wart vor, sich bald die Boroneste für heute abend sichern zu muffen. —
vielleicht schwang auch in ihr ein ähnlicher Klang Leim mit Wiidxrflidjfeit und Umsicht brachte sie es bald nach btefem Tanze fertig, von der Seite Jrtfe Wengers zu verschwinden. Alle mögiichen anderen Herren des Komitees wandten sich immer von neuem mit Anfragen an Wenger, um über das äußere Arrangement des Abend.- seine Meinung ein.zuholen Dusttc man doch, daß kaum einer von ihnen so vertraut war mit ollen Sitten und Gebrauchen, mit Steigungen und Stetigeben des el'äisiichen Volkes, als Fritz Senger es in ferner glühenden Heimat- liebe mar!
Baroneste Melunne pirschte sich vom Podium auf einem kleinen Umweg in den großen Tanzjaal ber unter und sttich durch di« Zuschauer hindurch, die am Bande Spalier für die tanzenden Paare bildeten. Erst muttert.' sie einige der Borübertanzenden und 'ah mit stiller Genugtuung, dast DielwaN von Schäl zer nicht unter ihnen w fein schien. Aber wie schwer würde es tein, ihn nun unter diesen 5>un- berten von Mewchen wiederzufinden, die jetzt nicht nur den Tanzsaal. ''andern auch alte Kebensöle füllten?
Plötzlich stand er neben ihr. Sie erschreck zuerst fast ein wenig, weis ihre Gedanken chn so gebucht hatten. ..Ich hadc sie eben vom Podium herab,teigen 'chen uttd behielt Sie tm Luge, B-oronefie! Ader bei >em Gedränge im Saal war es mir erst jetzt möglich, Sie einyitiolen!* —
Oie He.chsbank Gnöt Januar
Rach dem Ausweis btt A« tchsbank vom 31. Dezember 1927 hat btt gesamte Kapitalanlage ber Bant in Wechseln und Scheck* V.-xnbarM und Offeften um 74«? Äiil. aut 3 300.4 IHüL Mk tugerammen. $>ic Zu- napme enriallt mit 711.8 Mill Mk. aut h:c Bestände an Wechseln und Scheck» die auf 3128 7 Mill. Mk. angewach'e« sind. Dte Vom- bardbestände haben sich um 34.2 Mill, auf 76.3 MUl. Mk. erpöht mabrenb bic Anlage m 91- ‘eften mit 93 4 Mtll IRL annäfcetnb unverändert geblieben ist.
An Reichsbanknvten und Renten- bankfcheinen zusammen sind 524 I M.U. Mk in den Verkehr abgeftoffen; Im einzelnen erhöhte sich der Umkiu( an Rcichsbanknvten um 5177 M.U. auf 4564.0 Mill. Mk. dersenige an Rentenbanllcheinen um 6.4 Mill, auf 716.2 Mill. Mark Dementsprechend sind bte Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 23.6 Mill Man zurückgegangen. Der gesamte Zah- lunasmittelumlauf stellt« sich unter Einbeziehung von co. 830 Will. Mk. Scheidemünzen und co. 190 Mill. Mk. Privatbanknoten auf rund 6300 Will. Mk gegen rund 5830 M»ll. Mk Ende 1926. Die fremden Gelder zeigen mit 779,1 Mill. Mk. einen Zuwachs um 211,7 Will Mk
Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen msgefamt stiegen um 6.6 Will, auf 2146 6 Mtll. Mk.. enb zwar der Bestand an Gold um 4.1 Will, auf 1864.6 MM. Mark. Die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 2.5 Mill, auf 282,0 Mlll. Mk. Die Deckung der Roten durch Gold allein betrug 40.9 Prozent gegen 46.0 Prozent in der Vorwoche und 49.0 Prozent Ende 1926. die durch Go'.d und bcdungi . r
zent gegen 52.9 Prozent tn der Vorwoche imb 62,9 Prozent Ende 1926.
Um die Erhöhung der Eisenpreise.
Der Stahlwerksverband beschäftigt sich gegenwärtig mit der Frage einer Etlen- preiserhöhung. Verhandlungen über diese haben allerdings noch nicht stattgefunden, jedoch scheint man m Äreifen des Stahltoerksverbandes der Ansicht zu fein, dast die durch bk Reuregelung der Arbeitszeit xtpb die Lohnerhöhungen eingelrefeiwn Lasten nur durch eine Heraufsetzung der Vechßusspveife ausg>?gllchen werden fbrmen. In diese zweifellos demnächst einfetzen- ben Verhandlungen spielt natürlich auch der Streit im westdeutschen Eisenhandel hinein, insofern. als hier ein vertrag-loser Zustand durch die Aufhebung des gesamten Kartelloertrag.S eingelreten ist. Die Preise sind augenblicklich für den Handel, wie für den Verbraucher einheitlich festgesetzt. ®4 besteht also an sich Die Möglichkeit, bah der freie Handei in verstärktem Matze ausländische« Eisen einführt, das in Anbetracht der medrigen Weltmarttpreis« trotz Fracht und Eifenzoll zu einem billigeren Preis, als da- deutsche Eilen kostet, etngefuhrt werden farm. Die Spanne zwischen Weltmarfteisen und deutschem Inlandeifeir ist mithin so grotz, dah sie vom Handel vorteilhaft ausgenutzt werden kann. Von der Bereinigung der Verhältnisse Im westdeutschen Eilenhandel hängt daher in erheblichem Matze auch die Gntkchcidung in der Frage einer Eisenpreiserhöhung ab.
6teintoi)lent)erfl6i1iflunfl im a«6r«ei>itL
Die Gesellschaft für Teerverwertung G. tn. b. H in Duisburg-Meiderich baut, tote WrB.-Han- delSdienst meldet, zur Zeit auf ihrem Gelände eine Fabrik für Steinkohlenoerflüsfigung nach dem Bergin-Dersahren und schafft damit das gleiche für die Steinkohle, wie die I.-G- (Sarbeninbuftrie in Leuna für die Braunkohlen. (?« handelt sich um die erste Stetnkohlenver- flüssigungsanlage in Deutschland. Wenn der Erfolg der Versuche rentabel ist. sollen auch in anderen Dellen des Ruhrgebietes derartige Fabriken errichtet toeroen. Die Anlage, die etwa vier bis fünf Millionen Mark kostet, wird Ende des Jahre« in Betrieb genommen werden
• Zusammenschluß auf dem Gebiete der Bleifarben. Die Th. Goldschmidt A.-G.
Ti« sah ihm in die leuchtenden Augen. Damals, als er ihr bewußtlos nach dem Unfall Beim Schlitt- schuh fahren auf den Steinfliden des großmütterlichen Schlosst, zu Mützen gelegen, waren diese Augen fest geichj^ssen gewefen. Wie anders heute der Ausdruck dieses Geftchtes durch biete bläuen Aug.'n, die mit ihren leuchtenden Strahlen feinem Gesichte immer den Ausdruck verliehen, als blickte er in kni- e ter Sonnenlanb!
Ihre junge Eitelkeit fühlte sich geschmeichelt, als sie aus feinen Worten heraushorte, dast er sie bereits gesucht. Schnell nahm sie feinen dargebotenen 2frm und lenfte chn aus dem (tzewirr des Tanz- faates heraus, „ftommen Sie, Herr van Schätzer! Es ist mir hier im Saale zu eng. Zum Tanzen vor- läufig b:ret< ungemütlich. Wohin wollen nur? Lasten Sie uns ein wenig plaudern!* Sie warf einen Wick über ihre Umgebung. Es war im Augenblick weder Alcefte, nach Fritz Wenger -u sehen. Aber bei ledern Schritt konnte sie dem Vetter begegnen, urto dann awr es mit dem ungezwungenen Bei farnmentein mit Schöfzer vorbei!
„Wie wär's Baronesse, wenn wir oben von der Empore aus uns das i^eft eine Zeittang arttehen mürben?“
„Sie fand den Vorschlag ausgezeichnet. Nach wen, gen Schritten hatten f:e eine der kleineren Seitentreppen erreicht, die zu der oberen Galerie hin ruf- sichnen. Auch hier immer auf und ab flutende Paare 'JÄeiufme empfand zum ersten Male die Anrvetenhe!t io vieler Menschen als lästig. Nirgends schien em ruhiges Plätzchen zu fein! Ueberall Menschen. Lachen, slleckereien in Zivil und Markierung Lärm der Tanzmusik, das Schwirren der lebhaften Unterhaltung. Gott, wie sehnte fit sich nach einem netten Wmkelchen!
Mi: zälter, weiblicher Ausdauer hielt sie im stillen unter hie {em ihr irr. Grunde noch selbst nicht ^>nz klaren Wunsche Umschau, auch, als sie, neben Diet war: 'ich über die rotsamtne Brüstung der Empore lehnte, in das farbenprächtige Bild des saales her> abiah. Er machte fie auf allerlei aufmerksam, was man drunten im Gewühl nicht io gut überfah. Sie lochten 3ufammen heiler über dieses und jenes. Und doch wünschten fie beide — unausgesprochen — d-is- ielbe nur irgendwo efn stilles Winkelchen Haden, um sich unbeobachtet, ungezwungen ausploubern — und 'ich em wenig näher kennenlernen zu fönnenl (TZorttegung folgt.,


