Ausgabe 
4.12.1928
 
Einzelbild herunterladen

Oberhessen.

Krankenhaus-Eröffnung in Scholten.

a Schotten, 2. Dez. Untere Stadt hatte gestern einen großen Tag: Das von der Stadt neuerrichtete Krankenhaus wurde seiner De- st im mu ng übergeben. Zu der Einweihungs­feier hatte sich in der Turnhalle eine sehr große Zahl Teilnehmer eingefunden. Nach dem Do^piel eines großen Streichorchesters der Ouvertüre zu Rosamunde von Schubert hielt Bürgermeister Menge! eine wohldurchdachte Begrüßungsrede, und gab einen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte des Hauses. Der Jahr­zehnte alte Wunsch der Bürgerschaft, in unserer abgelegenen Gegend ein den modernen Anforde­rungen entsprechendes Heim für die Kranken zu besitzen, ist nach vielen Bemühungen, dank der Opferwilligkeit vieler Spender, des Gemeinderats und der ganzen Bürgerschaft endlich in Erfüllung gegangen. Allen Mithelfern an dem großen Werk wurde aufrichtiger Dank ausgesprochen. Die Rede hinterließ einen tiefen Eindruck. Der neue leitende Arzt des Krankenhauses. Dr. Koe- n i g e r. ein Sohn des lange Iahre in Schotten tätig gewesenen Kreisarztes Ober-Med.-Rat Dr. Koeniger, Offenbach, gab dann einen Rückblick auf die Entwicklung der Chirurgie aus alter Zeit bis heute unter Dorsührung der modernsten In­strumente und Apparate, die die Wissenschaft von heute geschaffen hat. Eine Reihe von Glück­wunschansprachen folgte: für das Kreisamt Schotten sprach Reg.°Rat Dr. Helm re ich. für das Kreisgesurrdheitsamt Med.-Rat Dr. Orth, zugleich auch für das Ministerium des Innern Abteilung Gesundheitspflege, Dr. Lucius für den Aerzteverein Büdingen-Schotten. Ober-Med.- Rat Dr. Koeniger. der seitherige Kreis­direktor Geh. Reg.-Rat B o e ck m a n n, Lehrer K. Link für den D. H. C., Bez.-Lehrerverein und Bogelsberger Bolksbank, K. Zeschky für das Handwerk. W. K r v m m für Handel, O. Stang für die Ortskrankenkasse: besonderen Beifall fanden die freundliche Ansprache der Frau Oberin vom Alicefrauenverein Frau von Pflugk, Darmstadt, sowie die Worte des 33er- tcetera der Stadt Ridda, Beigeordneten Rull- ntann. Rach dem Dank für alle guten Wünsche und nach einem schönen Orchesternachspiel begab man sich zum neuen Krankenhaus. Hier übergab Baurat Kessel mit trefflichen Worten die Schlüssel an den Bürgermeister, der sie mit den besten Wünschen an den neuen Arzt des Hauses weitergab. Dr. Koeniger führte durch das Haus und erklärte eingehend die einzelnen CRäume, Apparate, besonders die Röntgenein­richtung, die mit einem sehr großen Röntgen- apparat sowohl sür Durchleuchtung, wie für Be­strahlung eingerichtet ist. In außerordentlich geschmackvoller Weife sind die Krankenzimmer ausgestattet: die Besucher waren entzückt über die gesamte, bis ins einzelnste wohldurchdachte, zweckmäßige und vornehme Einrichtung. Rur eine Stimme des Lobes herrschte. Die Sage des Hauses, Südhang mit dem wundervollen Blick ins Gebirge, das tn seiner ganzen Schönheit offen vor uns liegt, ist ideal, besonders schön von den beiden Veranden, die für Licht-, Luft- und Sonnenbäder bestimmt sind. Eine völlig ab­geschlossene Wöchnerinnenstation ist eingerichtet. Das neue Haus sucht so kann ohne Rühmens gesagt werden weit und breit seinesgleichen. Die Besucherzahl, die sich das Haus am ®tn- weihungstag und auch heute, am Sonntag, ansah, war ganz außerordentlich groß. Das Lob über das von der Stadt geleistete Werk ist allgemein. Am Samstagabend sand in der überfüllten Turn­halle ein Wohltätigkeitsabend unter Mitwirkung der verschiedenen Vereine mit Ge­sang, Musik, Theater und derlei Darbietungen statt. In launigen Worten dankte der D ü r ger- meister allen Witwirkenden, vor allem auch den vielen edlen Spendern, die freudigen Herzens so bioTe Gaben für das Haus, Lebensmittel, eingemachtes Obst, Gemüse u. dgl. gebracht Rotten. Auch die Rachbargemeinden haben Rahcungs- mittel, Kartosfeln, Gemüse gern hergegeben. So ist die Stadt um ein wertvolles Gebäude be­reichert, vor allem aber ist für die leidenden Kranken unserer Stadt und Umgebung in hoch anzuerkennender Weise ein Heim geschaffen wor­den, das unserer ganzen Bevölkerung zum Segen gereichen wird.

Landkreis Gießen.

u. Klein-Linden. 3. Dez. Der hiesige MannergesangvereinEintracht',der ülleste am Platze (gegründet 1865), trat heute mit einem Konzert in derDeutschen Eiche" vor die Oeffentlichkeit. Das sorgfältig zusammen­gestellte Programm brachte Chöre von Werth. Pracht, Sonnet. Schiebold, Kirchner, Brahms und Silcher. Der Chorleiter, H. Köhler (Grohen- Linden), der den Verein erst einige Monate dirigiert, hat es verstanden, den Verein in der Gesangskunst weit zu fördern. Die Chöre waren fein ausgearbeitet und zeugten von hohem künst­lerischen Empfinden des Dirigenten. Der Chor Sehnsucht nach dem Rhein" mit einem Solo, vorgetragen von Herrn L u h, war wohl die beste Leistung des Vereins. Ramentlich die im Piano gehaltenen Stellen fielen besoitders wohl­tuend auf. Auch in demAbendständchen" von Schiebold und in demWiegenlied" von Brahms zeigte der Verein eine angenehme Zartheit des Vortrages, ohne dabei an Tonreinheit und Klangfarbe zu verlieren. Erfreulicherweise fan­den im Programm das Volkslied und im Bolls- fon gehaltene Lieder besondere Berücksichtigung. Als Musikkapelle wirkten einige Mitglieder des Musikkorps des 1. Bll. 15. Inf.-Rgt. Gießen mit. Daß der Verein mit dieser Kapelle einen guten Griff getan hatte, bewies der stürmische Beifall auf jeden Musikvortrag. Alle Stücke fanden dankbare Aufnahme, die leichten Strauß- schen Walzer sowohl, wie auch die besonders gut durchgeführte Ungarische Rhapsodie Rr. 2 von Liszt. Unterfeldwebel Vogl, der die Äa- belle leitete, erntete mit seinem Diolinsolo von Beriot brausenden Beifall. Auch das Flöten- solo des Unteroffizier Meyer aus der Oper Faust" und ein Posaunensolo eines weiteren Mitglieds der Kapelle wurden beifällig aufge­nommen. Der GesangvereinEintracht" und sein Dirigent können mit dem künstlerischen Ergebnis des Konzerts zufrieden fein.

QJ Lollar, 3. Dez. Das dreiaktige Singspiel Glockentürmers Töchterlein" wurde gestern abend als zweiter öffentlicher Theaterabend hier aufgeführt. Widerum mar der SaalZum Schwanen" dicht besetzt. Die Darstellung war in allen Teilen sehr gut und fand verdientermaßen starken Beifall. Der Schlußg^sang vonFreiheit und Vaterland" mußte auf stürmisches Verlangen

wiederholl werden. Die Aufführung des Singspiels erfolgte durch Mitglieder des Turn« und Gesang­verein Lollar und deren Angehörige.

gr. Grüningen, 3.Dez. Die beiden Licht­bildervorträge des Hauptmanns a.D. M o f e r aus Darmstadt im hiesigen Kriegeroerein haben ungeteilten Beifall gefunden. Der rege Be­such, auch von auswärtigen Kriegervereinsleuten, war erfreulich. Die zahlreichen Besucher folgten zunächst dem interessantesten Vortrag des Abends Die Skagerrakschlacht von 1916". Sehr schönes Bildermaterial illustrierte die lehrreichen Worte des Vortragenden. Einleitend wies dieser auf die Un­terschiede zwischen Land- und Seeschlacht hin. Das Starkeverhältnis der deutschen und der englischen Flottenstreitkräfte betrug ungefähr 2:3, während die englischen Verluste fast doppelt so groß waren, als die der Deutschen. Der zweite Vortrag zeigte ohne größere Erläuterungen die Waffen des Welt­kriegs.

L Hungen, 3. Dez. Der heute hier obgehallene F e r k e l m a r k t war, unter Berücksichtigung der Jahreszeit, gut befahren. Es waren 217 Ferkel auf- getrieben. Der Preis stellte sich pro Stück auf: sechs bis sieben Wochen alle Tiere 14 bis 21 Mark, acht bis neun Wochen alte 22 bis 26 Mark, zehn bis 12 Wochen alte 27 bis 32 Mark. Der Handel war gut, es blieb wenig Ueberftanb. Bei der am 1. Dezember vorgenommenen Diehzä hlung wurden dal)ier gezähll: 130 (143) Pferde, 392 (403) Stück Rindvieh, 318 (286) Schafe, 430 (659) Schweine, 75 (90) Ziegen, 2972 (3305) Stück Federvieh und 61 (63) Bienenstöcke. Die eingeklamf erten Zahlen sind das Ergebnis der Zählung vom 1. Dezember 1927.

Kreis Friedberg.

WSN. Nieder-Florstadt, 3.Dez. Bei der am Sonntag stattgehabten Bürgermeister» wa h l wurde der sozialdemokratische Landtagsabge­ordnete Anton Lux mit 789 Stimmen zum Bür­ge r m e i ft er gewählt. Sein Gegenkandidat W. Stelz brachte es nur auf 340 Stimmen. Die Wahl­beteiligung betrug etwa 96 v. H.

Kreis Schotten.

cp Lardenbach, 3. Dez. Seit 2Vs Jahren wurde die hiesige Pfarrstelle durch Pfarrer König in Groß-Eichen mitverwaltet. Gestern nahm nun Pfarrer König Abschied von der hiesigen Gemeinde. Wir sehen ihn sehr ungern scheiden, hatte er doch durch sein freundliches, schlichtes Wesen schnell alle Herzen gewonnen. Am kommenden Sonntag übernimmt Pfarrer Beyer aus Ossenheim die Pfarrstelle. Die geplante und beschlossene elektrische Kir­chenheizung wird vorläufig noch nicht aus­geführt, da das Dauamt zunächst die Erfah­rungen anderer Gemeinden unseres Bezirks ab­warten will.

)( Ruppertsburg, 3. Dez. In der vori­gen Woche fand in unserer Gemeinde eine Evangelisation statt. Der in weiten Krei-- sen bekannte und beliebte Missionar Walther aus Beuern behandelte in sieben Abendgottes­diensten, die stark, einige sogar sehr stark besucht waren, sehr zeitgemäße Themen. In anschau­licher Weise zeigte er am ersten Abend, welch wichtige Rolle die Kleinigkeiten im Leben spielen, um bann in seinem zweiten Vortrag in ernster eindringlicher Weise den Wert von fünf Minuten vor Augen zu führen. Zu einer erschütternden Bußpredigt gestaltete sich die Predigt über das SprichwortTue recht und scheue niemand!" In den drei folgenden Vorträgen, die der Er­ziehung unserer Kinder, dem wahren Glück un­serer Iugend und unseres FarnLienlebens, ge­widmet waren, zeigte er, wie gründlich er sich gerade mit diesen Fragen beschäftigt hatte und gab wichtige Ratschläge, die nicht nur in die Ohren, sondern auch m die Herzen gedrungen fern mögen, um nun in die Tat urngeseht zu werden. Die letzte Evangelisationspredigt be­antwortete in ergreifender, zu Herzen dringender Weise die Frage:Wo ist unsere und unseres Volkes Rettung?" Richt allerlei gesetzliche Maß­nahmen allein können uns retten, wenn wir nicht uns wenden zu dem wahren Seelenarzt, unserem Heiland Iesus Christus. Für die Dölksmission gingen bei den einzelnen Gottesdiensten rund 80 Mk. ein.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 3. Dez. Dieser Tage hielt der Obst- und Gartenbauverein für den Kreis Alsfeld unter dem Vorsitz von Kreis­direktor Dr. S t e m m l e r feine Mitgliederver- fammlung ab, die gut besucht war. Landesobstbau­inspektor Pfeiffer (Darmstadt) hielt einen Vor­trag überMittel- und We^e zur Steigerung der Einnahmen aus dem landwirtschaftlichen Obstbau". Er ging davon aus, daß die richtige Auswahl der Sorten die Grundbedingung des Ertrages sei, darum sei es unbedingt notwendig, bei der Auswahl Fach­leute zuzuziehen. Einen breiten Raum nahm In dem Vortrag die Obstoerwertung ein. Der Redner wies an zahlreichen Beispielen nach, daß der Zusammenschluß der Obstzüchter im Kreise zu Derkaufsgenossenschaften unbedingt not­wendig fei. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache. Den Dank der Versammlung für den interessanten und lehrreichen Vorttag sprach der Vorsitzende aus. Der hiesige Krieger- und Deteranenoerein veranstaltete am Samstag­abend im kleinen Saal desDeutschen Hauses" ein kameradschaftliches Zusammensein mit einem LichtbilderoortragEine Rheinfahrt", den Lehrer Hartmann (Alsfeld) hielt. Dieser ver­stand es, den Vortrag durch entsprechend einaelegte gemeinsame Rheinlieder in ungemein belebender Weise zu gestalten. Er ging Im Rahmen des Vor­trages besonders auf die in der Oeffentlichkeit in erster Linie genannten Orte für das vorgesehene Reichsehrenmal, die laten in jein bei Lorch am Rhein und Bad Berka in Thüringen, ein, und zeigte deren beabsichtigte Ausgestaltung an Hand von zahlreichen Lichtbildern. Die Entscheidung, wel­cher Platz für das Reichsehrenmal genommen werden solle, liege bei der Reichsregierung. Die hessischen Verbände hätten sich für die Toteninseln bei Lorch a. Rh. entschieden. Racy dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage blieben die Teilnehmer noch einige Zell im kameradschaftlichen Kreise ge­mütlich zusammen. Das Gießener Stadt- t he a t e r brachte heute abend vor einem sehr gut besetzten Hause als dritte Vorstellung der diesjähri­gen WinterspielzeitDie Ballerina des Königs" von Rudolf Presber und Walter Leo Stein und erntete bei dem sehr beifallsfreudigen Publikum leb-- hastesten Dank. Am nächsten Freitag veranstaltet die Reichszentrale für Heimatdienst, Landesabtellung Hessen, in Alsfeld eine staats­bürgerliche Bildungstagung für Stadt und Kreis Alsfeld. Oberstudiendirettor Dr. Wei­ner CDlid)elftabt) spricht über ^Weltpolitische Spannungen der Gegenwart". Studienrat Dr. Wagner (Frankfurt a. M.) wird einen Vortrag hallen überDie wirtschaftsgeographische Gliede­

rung Deutschlands und ihre Bedeutung für die Ent­wicklung zum Einheitsstaat". Als briiter Redner spricht Professor Dr. Körber von der Pädagogi­schen Akademie Frankfurt a. M. überDer deutsche Reichsgedanke in Vergangenheit und Gegenwart (Gedanken zur Reichsreform)".

Maingau.

2B69L Frankfurt a.TI., 3.Dez. Die Fas­sadenkletterer haben wieder eine ganze Reihe Wohnungen heimgesucht, wobei ihnen Bargeld und SchmuckgeAenstände in größerer Menge in die Hände fielen. So wurde vor kurzem in der Beethooenstraße eingebrochen, wobei die Einbrecher den Kassenschrankschlüssel fanden und aus dem Kassenschrank bann 1800 Mark, die zur Auszahlung von Gehältern bestimmt waren, stahlen. Am andern Tage holten sie in der Mendelssohn- stiaße einen wertvollen Brillantring und zwei Herrenmäntel. Wieder einen Tag später wurde gleich zweimal eingebrochen, und zwar m der Frei- herr-oom-Stein-Straße und in der Beethooen­straße. Bei diesen beiden Einbrüchen erbeuteten die Täter Brillantringe. Platinkolliers, Platinringe, Broschen, Armbänder und andere Schmucksachen im Werte von etwa 10 000 Mark. Der Kriminal­polizei ist es gelungen, einen der vielen Einbre­cher festzunehmen, die es hauptsächlich auf Mansarden und Dachstockwohnungen abgesehen haben, und die fast nur noch in b e f f e renHotelswohnen. Es handelt sich um einen aus Krimmitschau stammenden 21jährigen Wirt­schaftsgehilfen namen Kätsch.

Oberkonsistorialrat D. Or. Nebel f.

WSR. Darmstadt, 2. Dez. Im Alter von 71 Iah-en ist gestern der Oberko.isistorialpräsident D. theol., Dr.-Ing. h. c. Karl Ludwig Re­bel, Exz., an einem Herzleiden gestorben. Er entstammte einer alten hessischen Familie, deren beurkundete Stammreihe in den Anfang des 17. Iahrhunderts und nach L i ch führt, und die dem Hessenlande eine lange Reihe von Pfarrern und Beamten geliefert hat. Geboren wurde Karl Ludwig Rebel am 17. Februar 1857 in Dreieichenhain als Sohn des Pfarrers Wil­helm Cgid Rebel, des späteren Geheimen Kir­chenrats in Groß-Gerau. Rach absolviertem Stu­dium war er 188486 Regierungsassessor in Schotten und Gießen, vom 1. Oktober 1886 Kreisamtmann in Friedberg und vorn 1. Mai 1888 in der gleichen Stelle in Gießen, von wo er am 1. Iuli 1893 als juristisches Mitglied in das Oberkonsistorium berufen wurde. Hier rückte er am 1. Ok ober 1895 zum Oberkonsisto- rialrat, am 25. Rovernber 1905 zum Geheimen Oberkonsistorialrat und schließlich am 1. April 1907, nach dem Abgang von Exzellenz Buchner, zum Präsidenten auf, als welcher er am 14. März 1917 den Chrrak er als Wirklicher Ge­heime Rat mit dem Titel Exzellenz erhielt. Auch sonst hat es ihm an anerkenneirden Ehrungen nicht gefehlt. Bei der Calvin-Feier des Iahres 1909 verlieh ihm die Theologische Fakultät in Gießen die Würde eines Doktors der Theologie, die Technische Hochschule in Darmstadt zelchnets ihn im Iahre 1922 durch die Verleihung des Dr.- Ina. h. c. aus. Was Exz. Rebel in der Ver­waltung der Evangelischen Landeskirche und ins­besondere als Präsident des Oberkonsistoriums geleistet hat, wurde bei seinem durch die neuen Derhäl.nisse veranlaßten Rücktritt am 1. Au­gust 1922 allgemein und insbesondere in dem Landeskirchentag anerkannt. Eine -ganze Reihe von Kirchengesetzen ist unter seiner Leitung oder Mitwirkung zustande gekommen, und seine kon­ziliante Art trug dazu bei, den Frieden in der Kirche und unter den verschiedenen Richtungen zu wahren. Hatte Exz. Rebel während des Wcl k.ieges im stellvertretenden Vorsitz des Hessi­schen Roten Kreuzes seine vaterländische Pflicht erfüllt, so durste er sich später mehr den von ihm immer gepflegten historischen Interessen zu­wenden, die ihm vom Großvater und Vater her im Blute lagen. Der Historische Verein für Hessen, dessen Ausschussmitglied er schon lange war, wählte ihn zu Beginn des Iahres 1922 nach dem Tode von Ed. Anthes zu seinem Vorsitzendem Exz. Rebel war verheiratet mll einer Tochter des Landgerichtspräsidenten Dr. Ludwig Knorr, Exz., mit der zwei Söhne und eine Tochter den Tod des Gatten und DaterS betrauern.

Landes Ausschußsihung der hessischen Demokraten.

* Mainz, 2. Dez. Heute tagte hier der L a n de s a u s schu tz der Deutschen De­mokratischen Partei Hessens, der einen außerrrdenllich starken Besuch aufzuweisen hatte. Zunächst gedachte der Landesvvrsihende, 21hg. Schreiber, des Todes des Ehrenvor­sitzenden der Partei. Finanzminister Dr. h. c Henrich, und des 10jährigen Bestehens der Partei. Er gedachte auch der Tatsache, daß hcrtte vor 10 Iähren die ersten französischen Truppen in Mainz eingerückt sind. Im Anschluß an seine Ausführungen fand eine Entschließung zur Räumung des Rheinlandes ein­stimmig Annahme. An d e beiden Vorträge .Reue Probleme in der Deutschen Demokratischen Par­tei" von H. Roos, Wiesbaden, und «Was erwartet die Wirtschaft von der. Politik?" von Dipl.-Ing. Weniger. Bad-Rauheim, knüpfte sich eine rege Aussprache, in drr auch die Stel­lung der Reichstagsfrccktton zur Panzerkreuzer­frage eingehend behandelt wurde, und ihre be­sondere Rote durch die Anwesenheit von Frau Abg. Dr. Gertrud Bäumer, als Vertreterin der Reichstagssraktton. erhielt. Zum Schluß wurde zur Frage des Einheitsstaates ein Antrag der Herren Schreiber. Dr. May und Gilmer angenommen, die Landtagsfraktion zu ersuchen, folgenden Antrag einzubringen:Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, in sofortige Verhand­lungen mit der Reichsregierung und den zur Derreichlichung bereiten Ländern wegen lieber- nahme der Iustizhoheit und Iustiz- verwaltung einzutreten."

Kirche und Schule.

nd. Ridda. 3. Dez. Die gestrige Einwei­hung unserer wiedertzergestelllen Kirche gestaltete sich zu einer eindrucksvo Un Feier, ichett für das ganze Kirchspiel. D.r vor- mit ags abgeha Lene Wc ihe go t te s d ie n st war so stark beiucht, daß das geräumige Gottes­haus völlig von Andächtigen g.'füllt war. Wäh­rend des Einzugs des Kirchenvorstan'res mit bzn Vertretern des Landeskirchmantts und des Hoch­bauamtes Büdingen spie.te die Feuerwehrkapelle

Ridda unter Leitung des PostsekretärS Bäcker .Wir irrten zum "Selen ?. Dann folgte ein sinn­voller Dorspruch, ver.aßt von Ge.> Iustizrat R ö m he l d hier, vorgetragen von Fräulein Erna 11hl von Kohden. Der Kirchenchor sang hierauf unter Leitung des Musi l hrers Ackermann dahierHoch tut euch auf, i.jr Tore der Welt!" Rach dem Lied der Grm.inde: »Wunderbarer K nig nahm der Super'nte.rdent von Ooerhesien, Oberkirchenrat Wagner aus Ci.'hen, die Wei <» Handlung vor und legte dec Gemeinde die Deien-- hing des Gotteshauses aus. Zum Schlüsse des Weihes. c3 ertönte G ockengeiäute, während stillen Gebets der Gemeinde. Dekan S c r i b a brachte darauf die Grüße und G ückwünsche des Dekanats zum Ausdruck. Die Festpredigt hielt Pfarrer Laut. Er führte aus. was das Gottes­haus der Gemeinde bisher war und zukünftig sein soll. Frärllttn Haubach von her sang alsdann die Arie aus Elias:Höre Israel" von Menbettsohn-Dartho d'. Mit den Ge-ncinde- gesangRun danket alle Gott", schloß der Weihe­gottesdienst. Rach einem gemeinsamen E sen in derTraube", woran die Kirchen- und Gemeinde- Vertreter des Kirchspiels und mehrere auswär.ige Gäste teilnahmen, begann um 3 älhr nachmittags eine wieder außerordentlich stark besuchte Ge­meindeversammlung. die von Pfarrer L a n t herzlich begrüßt wurde. Die Männer- ges.ngvercine von änt r Schmitten un ct Lei.ung von Lehrer Wolf, und dec Arbrttergesang- veveinCinirachi"-Ridda bracher mehrere CH re in wirkungsvoller Weise zu Geh^r. Eine Urkunde über die WiederherstellangsaroettSn der Kirch« wurde verlesen und Gedichte von Schülern und Gliedern der Mädchenv:r.i.i.;ung Ridda vorge- tragen. Großes Interes. e bot by: Dort rag deS Prälaten D. Dr. Diehl aus Darmstadt rtter Geschicht iches über den Kirchenbau zu Ridda". Der oft mit Humor gewürzte tiefgründige Dortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Mit einem liturgischen Festgottesdienst wurden abends die Feierlichkeiten geschloßen. Auch hierbei wirkten die Gesangvereine von Ridda und die Mädchenver-inigunZ durch ® Junge mit Die renovierte Kirche bietet außen und innen einen erhebenden Eindruck. Die weihen Außen­wände sind von rotgestrichenen Quadern eingefaßt. Innen sind die Ho'zt ile in dunklem Ton: gehalten und die Felder der Emporen enthaiten in öilber» schrift die Ra men der 81 Opfer des Welttriegss aus dem Kirchspie'. Die Querempore ziert ein großesEisernes Kreuz". Die S uckarbJten der kunstvollen Decke mit Wappen der Grafen von Ridda sind prächtig erne.ett. Die Baute tang lag in den Händen von Oberöaurat Frey in Bü­dingen. Die Ma erarbeit hat Wa ermeister Kienzle aus Gierstädt bei Darmstadt, die übrigen Bauarbeiter ha^en Handwerker aus dem K.rchspiel musterhaft auZgesühtt. De ond re An­erkennung verdienen die zahlreichen öliflungen zur K rchcn rneuerung von aesrarts wohnenden Riddaern, die u. a. in batem Gelbe über 3000 Mk. bestehen.

Daten für Mittwoch, 5. Dezember.

Sonnenaufgang 7.47 Uhr: Sonnenuntergang 15.53 Uhr. Mondaufgang 12.11 Uhr: Mond­untergang 13.31 Uhr.

1585: Der französische Staatsmann Herzog von Richelieu in Paris geboren; 1791: Wolfgang Amadeus Mozart In Wien gestorben: 1825: die Schriftstellerin Eugenie Äohn-Marlitt In Arn­stadt geboren; 1835: der Dichter Graf August von Platen in Syrakus gestorben.

Kunst und Wissenschaft.

Ein großer Erfolg Rudolf Alexander Schröders.

In den Kammerspielen des Bremer St aöt- 1 heaters hatte Rudolf Alexander Schröder mit einer anmutreichen und frisch lebenden Liebertragung von MoliöresSchule der Frauen" vor einem erlesenen Zuschauerkreisr einen sehr lebhaften, ehrlich verdienten Erfolg. Der Deutsche hat dem Franzosen nicht nur auf den Mund gesehen, sondern ins innerste Herz, und so ist eine Liebertragung von schöpferischer Prägung entstanden, die die unmittelbare Blut- warme eines Originals ausströmt und die Hörer sofort aufs lebhafteste fesselte. Schröder hat das Vermaß des Urtextes beibehalten, und es erwies sich, daß die gereimten Alexandriner durchaus nicht ermüdend wirkten, wie eine starrköpfige Schulpolllik immer wieder behauptet, sondern daS lustige Spiel von dem betrogenen Hagestolz so­gar fröhlich beflügelte und ihm den besonderen Reiz eines harmlosen Gelegenhettsspiels gibt Dementsprechend hatte Adolf Rampelmann am Ende des Saales ein paar stusenarttge Auf­bauten angebracht, auf denen er unter Verzicht auf jegliche Dekorationen feine Darsteller bewegte. Göldene Wandschirme und ein paar _ Lorbeer­bäume waren die einzigen Dersehstücke. Die Sousleuse sah im Kostüm der Zeit an einem goldenen Tischchen und hatte in einem artigen Vorspruch ansagen lassen, daß sie ihres Amtes zur Zufriedenheit eines verehrlichen Publikums walten werde. Don den Darstellern zeichneten sich vor allem PHUiPP O r lemann, Trude Borchardt und Erik Frey aus. Zum Schluß muhte Rudolf Alexander Schröder in ihrem Kreise auf der Bühne erscheinen, um einen herz­lichen und andauernden Beifall entgegen zu nehmen. K. N.

Vollendung eine» großen Uebersclzungswerkes.

Die im Jahre 1918 von dem bedeutenden Orien­talisten Enno Litt mann im Auftrage des Insel- Verlags. Leipzig, begonnene Uebertragung der E r -- zählungen aus den 1001 Nächten nach dem arabischen Urtext der Ealcuttaer Ausgabe von 1839 liegt mit dem 6. Bande nunmehr abge- chloffen vor. Mit dieser Ausgabe ist ein lieber« etzerwerk entstanden, das den Meisterleiftungen deut« cher Uebersetzungskunst an die Seite gestellt werden darf. Die Erzählungen aus den 1001 Nächten ge­hören zu denen, die man, mit Stendhal zu reden, immer wieder vergessen sollte, um sie mit erneuter Lust immer wieder zu lesen. Wir wissen nicht, wer diese Märchen ersann, die seit Hunderten und Hun­derten von Jahren von Mund zu Munde gehen, und denen man stets begierig lauscht. Das Verlangen nach der in tausend Farben spielenden Wunderwell des Morgenlandes, die sich in diesen Erzählungen vor uns auftut, die Liebe zu einem Werke, das mit feinen bunten Abenteuern über unserer Kindhell glänzte, ist so aroß, daß diese neue Ausgabe der berühmtesten Märchensammlung des Orients von vielen willkommen geheißen werden wird. _____

Sprechstunde» der Redaktion

12 bis t Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.