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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
!tr.t82 Zweites Blatt
Samstag, 4- August (928
Spiel mit dem Steuer.
Außenpolitische Umschau: ttnegsächtunqspakt und )rheinlandräumung. Mlnalonfiiki und Völkerbund.
Don Dr. Otto L»oehjch, o. Prof, der Geschichte an der UniDcrfifdt Serlin, M. d. X
ÄeÜMa^tt Zwischenfall zwischen fronzö- sischer 'latlitärht-työröc untz Ttcid>ercgicrung toe^cn Qbithcfcrung her im belebten (lebtet "Beruft eilt en pvlnllch-litautsche Spannung — DKfuflinn über bk ^ernlanbräumung überbaust: bei ftnb bic fragen beS Xuflcnbluf« unb ihre Spannungen, bk zugleich schon hinbeutrn auf bieBe rhanb- lun g c n de-Bölkerbunde- im September. Dir fbnnm an nehmen, bah biete ernst unb !rt- tttch werden, aber wir nehmen nicht an. bah Ite für den Frieden Europa« unb die Entspannung Wesenttichc- zustande bringen werden. Dazu tft .frankre.ch AU mächttg. England zu schwach unb her moralische Druck auf Europa, ben der Kellogg- raft mit sich bringen fall, noch zu sehr m den
ersten Ansätzen. .,
Un- tnärc lieber aewefen. her deutsche Außen- mtnifter hatte Hnc Form gesunden, nicht nach Pari« zur Unterzeichnung des Pakte- zu gehen. Da* war nicht leicht, gewiß. Denn Amerika liegt daran dah Deutschland dabei ist und durch ferne Anwesenheit dir "Dichtigkeit de< Pakte- bescheinet Ader e- ist für Deutschland ein grohe- 3 u g e ft d n b n i e. weil dach damit Frankreich imb wo- un* die Hauptsache ist. Frankreichs besondere Ausfassung oom 'Hakt in den Bothergninb genidt wird. Q* wird noch viel schwerer eben durch jenen Zwischenfall am Rhein. Wieher rtiun.il ist die ganze Unmöglichkeit der Situation, der "Besatzung, auf da- qrenfte beleuchtet worden. .Zehn Jahre nach dem Enke bc* Kriege*, nach DaweS-Plan- Locarno. Bölterbunds-ugehorigkeii Deutschland- unb nun auch Kelloggpatt. werben Deutsche auf deutschem TZoden bom französischen Militärgericht wegen eine- Dwnmenjungen st reich- zu schweren Zucht - hau-strafen verurteilt und wird, da sie geflüchtet frnb, ihre Auslieferung verlangt. Und bas Hchsimme. da- Unbegreifliche ist ja, dah da- nicht französische Willkür ist. sondern ausgemachte* Recht, da- sog. Recht de- Rheinlanbaokommen* des Sriebenehertrage#. das al* Buchstabenrechi noch heute gilt, obwohl e- moralisch jeden Boden verloren hat. Kann e* einen stärkeren Bewcis für Deutschland* Richtgleichberechtigung geben?
Dabei nun bk Diskussion der Rheinland-
räumung in Frantrerch! Selbst die Linkspresie rx-rlangt deutsche Gegenleistungen: die bekannte Kontrolle über da* Rheinland, da* Osllocarno vor allem, oder man verlangt deutsche Borleistungen finanzieller "Art. Da* sind für Deutschland unannehmbare Forderungen, und erfreulich ist. wie einig im groben und ganzen doch die polttrsche öffentliche Meinung Deutschlands in der Zurückweisung dieser Pläne ist. So schwer c* uns wird, im Interesse des Rheinlandes. bas? unter der Besatzung leibet, unser Interesse an bet vorzeitigen Räumung des Rhein lande* nimmt non einem Monat zum anderen abl SS ist nicht ui rechtfertigen, bah irgendwelche schwerwiegenden Gegen- und Borleistungen von deutscher Seite für eine frühere Räumung gebracht werden. 3n Gens wird tm September die Frage in den Gesprächen der Minister eine Rolle spielen, vielleicht auch in Paris, wenn man sich dort zur Unterzeichnung des Paktes trifft. Dah etwas herauskommt, glauben wir nicht. Man will in Frankreich einfach nicht! Rach der Befestigung des Franken hat man die finanziellen Leistungen nicht mehr nötig, an die Briand in Thoiry dachte und in der Qhiffaflung dessen, was der .Frieden" zwischen Frankreich und Deutschland bedeuten soll, unter welchen Voraus - feftungen. Forderungen usw. ist man sich — wie jetzt gerade wieder die französische Linkspresse zeigt. drüben ganz einig. Man will die Un» erschütterlichkeir der Friedensverlräge. bereu Revision mit friedlichen Mitteln eine Zentralforde-
rung Deutschlands ist Man will die Sicherheit in der Kontrolle der Rheinlanbzcne unb die freiwillige Garantie der deutschen Ostgrenze durch Deupchland und gar manche- mehr So ist diese Frage trotz allen Reden- von deuttOranzösischer Verständigung heute hoffnungslos feft gefroren.
Die Auseinandersetzung zwilchen Polen und Litauen nimmt in der gleichen Zeit immer bedrohlichere Folgen an. Die grobe Mehrzahl der Leser wird es. wie wir fürchten, bald aufgeben, in diesem Krieg der Roten sich einen Standpunkt zu bilden. Und die Art. wir der Böllcrbund versteht. in seinen umständlichen Erörterungen und Entschließungen eine klare Frage unklar zu machen, um damit die eigene Unfähigkeit zu verbergen. findet noch weitere Bestärkung. "Aber wir muffen einen Standpunkt nehmen unb ihn zu gewinnen ist wirklich nicht zu schwer. Man scheide alles Innenpolitische aus! Ob in Litauen ein Diktator herrscht, der schwierig zu behandeln und unangenehm in der Form der Derhandlun- gen, starr eigensinnig usw. ist, ob in Polen ein Diktator herrscht, von dem man nicht recht weih, ob er noch ganz im Vollbesitz seiner Kräfte ist. da- spielt gar keine Rolle. Oder mir in der Besorgnis. bah daran- etne weitere Verschärfung entstehen könne, die Reigung zu plötzlichen Env- schlüssen. zu vollendeten Tatsachen usw.
Wer hat Recht in diesem Streit unb wer Unrecht? Riemand kann bestreiten, dah Litauen einen Anspruch auf Wilna hätte ober hat Ob er geschichtlich und national vollberechtigt ist. kann streitig sein, lieber diese Streitigkeiten soll aber im Zeitalter des .RechtS- gebanfen*". der die Staatenbeziehungcn beherrschen soll, ein geordnete- Verfahren entscheiden, über dem steht das Selbstbestimmung-recht der Rationalitäten. Riemand kann weiter bestreiten, dah gegen diese Gedanken und Prinzipien die Wilnafrage entschieden worben ift: durch polnischen Gewalt st reich und feine Sanktion, durch die Botichafterionserenz unb den Völkerbund. Hier ist doch die schwache Stelle! Hier must mit dem Versuch einer Lösung eingesetzt werden. Dah bas nicht geschieht, man sich in Genf vielmehr um die Wilna-Frage herum- drückt, das steht ja in einem schreienden Widerspruch zu dem. was der Völkerbund zu fein behauptet. und schwächt von oomberem, wie sich gezeigt hat. die Kratt feiner Entschließungen unb Mahnungen an bic Streitenden ab.
Vernäh dieser Mahnung vorn letzten Dezember haben Litauen und Polen miteinander verhandelt, unb Deutschland, auch Rußland, haben dahin gewirkt, bah beide sich miteinander verständigten. Die Aussichten dafür waren nicht groß. Auch wenn man die Wilnafrage zunächst einmal übersah, Litauen sträubte sich auch gegen die Einzel- verhandlungen. wie Eröffnung des Verkehrs über die Grenze. Telephon und Telegraph und dgl. mehr. Tatsächlich ist diese Grenze heute noch gesperrt, tatsächlich ist heutenochKriegs- zu st and. Hatte nicht Polen Recht, wenn es sich bereit erflärte, zunächst einmal über diese kleinen Vorfragen des Verkehr* zu verhandeln? Ratürlich hatte es Recht. Ebenso Recht hat Litauen. da* Reine, schwache Dauemvolk. ohne Freunde unb Verbündete, wenn es Bedenken trägt in solchen Verhandlungen dem Gegner den kleinen Finger zu reichen, der dann die ganze Harrd nimmt und mit Unterstützung von Freunden im Lande vielleicht mit cinemmalc die Macht in Kowno selbst an sich risse. Das muh man doch vor Augen halten: diese Ungleichheit der Machtverhältnisse in den Verhandlungen zwischen Polen unb Litauen, um zu begreifen, warum WolbemaraS so starr unb eigensinnig unb
Jilchner plaudert am Teetisch...
Don Hubert.
Nachdruck verboten. *
„Bitte Psalzburg 738 ... Ist dort Doktor Filch- ner?“
„Am Apparat ..
„Darf ich Sie ein paar Minuten in Ihrer Wohnung belästigen, vielleicht eine Viertelstunde am Tee- tisch?"
Kommen bie her
Allo Auto und hin. Dr. Filchner kommt mir bis zur Tür entgegen, die schwer verriegelt ist.
„3a, ja,"* lacht er, „hier ist alles zuacschlossen, wie im Gefängnis, ich bin wie ein alter Bar im Käfig, laufe auch den ganzen Tag auf einem Teppich hin und her, und überlege, was ich den Leuten alles er zählen soll ... Setzen Sie sich, ja, mit der viertel stunde am Teetisch tm eigenen Heim wird da» wohl nicht» werden: erstens habe ich gar keine Bleibe, sondern bin bei Freunden zu Gast, und bann trinke ich überhaupt keinen Tee. Auch keinen Kaffee und keinen Rotwein, weil ich nach diesen Getränken Fieber bekomme. Wahrscheinlich nur eine Idiosynkrasie ... Uebrigcns rede ich da so los, was wollen Sic denn eigentlich wißen?'
„Ach, bitte, erzählen Sie ruhig weiter, gerade das wollen die Leser ja wissen.'
„Na, schön, da will ich Ihnen mal sagen, was meine Leidenschaft ist. Sie raten es nicht Malen' Ich male für mein Leden gern, habe schon als Schulbub immer gemalt. Mein Onkel Knorr in München führte ein grohes Haus, und dort verkehrten Len- bad), Böcklin und Stuck. Einmal habe ich mit haften etwas gezeichnet, unb da sagte einer der drei: Per Lausbub hat Talent. Da gab mich mein Onkel zu einem Schweizer Meister in die Malschule: aber später muhte ich aufhören, weil mein Vormund wollte, daß ich etwas Ordentliches lerne. Von Stuck habe ich mal ein Bild: .Reiter am Abend' kopiert: unb ment Onkel lieh den gleichen Rahmen Herstellen, io dah ehuf nicht mehr muhte, welches Bild von ihm und welches non mir sei. In Berlin hängen qaryc ssale von meinen Bildern, und ich darf wohl be- *,aUmCn' manches gute Stück darunter ist.'
„Was waren eiaenttich die ersten .."
„Passen >^ie auf, ich muh Ihnen noch was sagen. Als «chustunge habe ich meinen Körper ständig in der größten Hitze trainiert, so dah mir heute keine Wärmegrade mehr etwas anhaben können.'
Tatsächlich sitzt Dr. Filchner in einem für die Hitze außerordentlich dicken Wollanzug am Schreibtisch
und läßt sich durch die unabgeblenbeten Fenster von der prallen Sonne, „30 Grad im Schatten', bescheinen.
„Aber auch die größte stalle kann mir nichts anhaben ... Doch, Sie wollten vorhin eine Frage an mich richten?'
„Was waren Ihre ersten Eindrücke in Deutschland?'
„fturj gesagt, ungeheures Anschwellen des Verkehrs ist mir ausgefallen, ferner die Höflichkeit der Beamten auf den Verkehrsmitteln, und bann, daß die Frauen und Mädchen viel eleganter und geschmackvoller angezogen sind als vor drei Jahren. Was mir nicht gefällt, ist, daß die teuersten Restau- rants immer voll sind, und daß anscheinend viele Menschen weit über ihre Verhältnisse leben. Auch hört man viel schlecht wiedergegebene Musik, und das stört mich sehr . .'
„Was gedenken ...'
„Was ich in Zukunft zu tun gedenke Das haben mich schon hunderttausend Leute gefragt ... Zuerst muß ich mal die 3675 Briese beantworten, die ich bekommen habe: ich beantworte täglich 200^ aber jeder erhält ferne Antwort. Es sind reizende Dachen darunter, die einen direkt rühren können. Bon Arbeitern, die zwei Mark in Briefmarken beilegen, als Zuschuß zu meiner Expedition, begeisterte Briefe von unbekannten Verehrerinnen, von Hinbern und ganzen Schul klaffen .. Wenn ich damit fertig hin, dann kommen meine drei Bücher heraus, das erste heißt -Hui-Hui', auf deutsch: Mohammedaner, rin Islambuch: das zweite führt den Titel.Wetterleuchten in Asien' und idiitbert in Form eines Romans die moderne politische Geschichte dieses Erdteils: das dritte behandell meine Expedition, aber wie es heißen wird, weiß ich selber noch nicht. Uebrigens habe ich auch Bettelbriefe bekommen, denn manche glauben, ich sei als Millionär zurückgekehrt, dabei hatte ich nicht mal Geld zum Sammeln ...“
„Das sammeln Sie eigentlich?" „Briefmarken! Leidenschaslsich" .^Haben Sie denn Zeit bajir-' „Leider nein.“
„Trinken Sie Alkohol?“
„Rie! Das heißt, eine Berliner Weiße ober ein Humpen schönen leichten Weißweins wird außerhalb meiner Expeditionen nicht unbedingt abgelebt«. Und das eine noch: Denn ich meine nächste Expedition hinter mir habe, dann fetze ich mich zur Ruhe und lebe nur der Kunst und sammle Briefmarken. Sonst noch was?“
„Rein, danke?“
„Ä-s Wiedersehen ...-
mißtrauisch auftritt. Mit Recht fragt er was denn cm gutes Zureden der anderen auf Ihn wert sei. wenn er der Hilfe dieser anderen Polen gegenüber in feiner Weise sicher ist.
Run ift die Spannung aUmädlich doch etwas tu sehr gestiegen. Wan klirrt mit dem Säbel. Zwischenfälle an der Grenze, Manövervvrberei - hingen, bet denen jeder dem anderen vorwirft, er habe angefangen und führe Bedrohliche* im Schilde uff. Selbst wenn Litauen mit solchen Manövervorbereitun^eii angefangen hätte, hinter denen man schon die Mobilisierung wittert, kann sich denn Polen im Ernst burt» Litauen unb einen litauischen Angriff bedroht fühlen? Soll wirklich die Welt glauben, daß c* Polen mit solchen Besorgnissen ernst ist? Das glaubt man auch in Polen nicht. Die Gefahr ist eben, daß weniger der Marschall und die polnische Politik, als ehrgeizige jüngere Offizier*freife um den Marschall herum, die um so mehr da- Heft in der Hand haben, je frenfer der Marschall ift. glauben unb hoffen mit einem Handstreich, wie Wilna, auch Kowno nehmen und so Polen weiter ausdehnen zu können. Bestimmt wünscht das polnische Volk im ganzen keine solche Verwicklung. Wir wüßten ci-icntlid) auch keine politische Partei, die das ernftbaft wünschte. Polen würde sich selbst in die größte Gefahr stürzen, wenn cS einen solchen Streit wagte, der unabsehbare Folgen nach sich ziehen toürte. Es sind diese Krei'e. die es für richtig hielten, jetzt große Manöver bei Wilna abhalten zu lasten, zu den militärischen Kräften dort, die an sich heute schon reichlich groß sind (3 5tnfanlerie-Dtvi- sionen. eine Kavoftene^Division. eine selbständige Kavallerie-Brigade,, iwch schwere Artillerie. Flieger. Santo ulw. hingegen zu lassen. Da- ist c i n Spiel mit dem Feuer und immer wieder ein Beweis dafür, wie labil und unsicher die Verhältnisse im Osten sind, obwohl da- wirklich nicht nötig wäre
Was wäre denn nötig? Etwas mehr Besonnenheit und Mäßigung in Warschau und etwa- mehr entschlossenrn Druck nicht des Völkerbundes, der nicht- kann, sondern Frankreichs unb England- zusammen, die beide, auch Frankreich, ja nun allmählich in diesem Jahrzehnt gesehen haben müssen, daß sie selber für ihre Interessen au* diesen unsicheren Ostverhältnifsen rein gar nichts haben. Die ganze Kombination englischer Ein- slußpunkte in Riga und Reval, französischer in Warfchci,'. und wo sonst, sie sind nichts! Es ist sehr leicht, im Umsehen dort einen Krieg zum Ausbruch zu bringen. Aber daß Frankreich davon irgendetwas hätte, wird man tn Pari- bei einiger Ruhe selber bestreiten.
Auch in dieser Frage, die im September in Genf sehr ernsthaft behandelt werden wird, und die die deutsche Politik mit Recht sehr ernst auffaßt und bearbeitet, wird der Völkerbund wesentliches nicht zustairde bringen. Wir glauben einfach nicht mehr an feine Kraft, eine Frage, wie die Wilnafrage von Grund auf zu lösen und beruhigen zu können. Ein Einfluß Rordamerikas darauf wird aber direkt nicht genommen. Indirekt allerdings! Der moralische Druck auö dem Kelloggpakt muß sich da allmählich wirksam machen. Und er wird fefjrr wesentlich ergänzt, ja verstärkt dadurch, daß Polen unterließt — amerikanischer Fi nanzkon- trolle. Die amerikanisch-englische Anleihe hat ermöglicht, was Polen in seiner Sanierung heute überhaupt erreicht hat. Der Berater der Bank, Polski (etwas anderes ist formal Mister Dewey ja nicht), ist tatsächlich nicht- andere- als ein polnischer Mister Gilbert. Denn will Polen völlig in Ordnung kommen, so braucht es Kapital auS Amerika, und dessen Bereitstellung hat zur Voraussetzung. daß kein Krieg tm Offen entsteht.
Amerika und England haben heute einen gewissen Glauben an Polens Konsolidation. Die Gefahr aber ift (in Chamberlains Verhalten zur litauisch-polnischen Frage ift das zur Genüge schon zum Ausdruck gekommen i, daß beide Mächte die Spannmrg im Osten schließlich durch die polnische Brille sehen. Uns scheint auch eine Aufgabe der deutschen Polittk zu sein, da die
Deutschland gewinnt den
Olympischen ^unstwettbewerb.
Der anläßlich der Olympischen Spiele zu Amsterdam veranstaltete große Internationale Olympische Kun st Wettbewerb war. wie schon kurz gemeldet wurde, für die deutschen Teilnehmer, die die meisten Preise erzielen tonnten (nämlich einen ersten, zwei zweite und fünf drifte Preise) ein großer Erfolg. Wie am Donner-ragnach- mittag im Olympischen Stadion bekannt gegeben wurde, erhielt in der ersten Abteilung (Architektur) der deutsche Baumeister Hensel den ersten Preis, und zwar in der Gruppe Stadt 7- bau für feinen Entwurf des Stadions der Stadt Rürnberg. In derfelben Gruppe erhielt M. Länger den dritten Preis für seinen Entwurf des Hamburger Stadtparke-, in der zweiten Abteilung (Literatur» war Rudolf B i n - ding zweiter Preisträger in der Gruppe der lyrischen Werfe für feine R e i t v o r l ch r i s t für eine Geliebte' geworden. In der Gruppe der epischen Werke wurde Ernst Weih für feinen ..2 oetius von Orlamünde" nut dem zwe iten Preis ausgezeichnet. In der o erten Abteilung (Ma lerer) erhielten Walter Klemm in der Gruppe der Gemälde und War Feldbauer in der Gruppe der Graphik je einen driften Preis. In der fünften Abteilung (Bildhauerei, Reliefs und Medaillen) wurde der deuftchen Bildhauerin Renee 6inten i * und dem deutschen Bildhauer E. Scharf je cm dritter Preis zu- gesprochen. Deutschland ftefct mit der Zahl bet von ihm errungenen Prelle lachtj von allen teilnehmenden siebzehn Rationen weitaus an erster Stelle.
An zweiter Stelle folgt Ho lland mit vier Preisen (zwei ersten, einem zweiten und einem dritten Preis), dann Frankreich mit einem ersten, zwei zweiten und einem dritten, hierauf England mit einem ersten und einem zwetten und Dänemark mit einem -wetten und zwei dritten Preisen. Von den übrigen teilnehmenden Rationen haben Oesterreich, die Schweiz. Ungarn, Luremburg Italien und Polen nur einen oder zwei zweite oder brüte Preise erringen können.
Die Bekanntgabe der Ergebnisse des Kunstwettbewerbes, die in Form der Olympischen Stegevehrung im Beisein von etwa 25 000 Zu
ri ch t i g e Beleuchtung zu schaffen Wir gehen gar nicht durch dick und dünn mit Litauen und haben untere erheblichen Betchwerden gegen es. Aber es ift cm wesentliche- Interesse für Deutschland, daß Litauen in feiner Unabhängigkeit erhalten bleibt und in Ruhe an eine wirkliche Ordnung seiner Verhältnisse gehen kann. 3n Deutschland hat niemand einen Zweifel daran, bah ein Polerr, das Kowno in der Hand bat. dann au ch auf Oft preußen losgehen wird. Aber die anderen draußen, denen diele verzwickte Karte unbequem oder gleichgültig ift. die willen da- nicht! So hat die deutsche Pollttk (was sie tut und weiterhin tun soll», nicht nur in Kowno zu drücken, daß man dort Ruhe und Besonnenheit behält und in die Bahn verständiger Verhandlung lenkt, nicht nur bat sie zufqprmen mit Rußland dafür zu arbeiten, sondern sie soll auch alles tun. um auf der anderen Seite zunächst einmal die Vorauvsetzuirgen einer Bearbeitung des Konflikte- zu fchasien. von denen au- allein eine wirkliche Beruhigung denkbar ist. Schon daran fehlt eS in Genf. weil, wie getagt, die allermeisten dort die .Frage au-fchlteßlich durch die polnische Brille anfeben*
Der Danziger Siudenientag.
Der großdeutsche Gedanke ist mehr al- cm« Idee. In Danzi a, im außer re ich*deutschen ..Siaalsgedilde" fand soeben der Cmbentcntag der m der Deutschen Studentenschaft zu- sainmengefaßten Iungakadennker aller deutschen Hochschulen im deutschen Sprachgebiet statt Seit 1919 in Würzburg Fronfftudenten diesen nicht nur organisatorischen und formalen, sondern blul- vollen und lebendigen akademischen Staat deuf- fcher Jugend schufen, ist diese Sinhettsorgm'llation Jahre hindurch Trägerin deutschen Emheits- bewustlseins und jugendlichen Tatwlllen- für Hochschule. Volk und Staat tm Reich, in Deutschösterreich, in Sudetenland und in Danzig gewesen. Tragende Grundlage war einmal d c au* dem Krieg erwachsene Wille, alle Kräfte für dia lebendige Geltendmachung der deutschen Hochschule und ihres Rachwuchses für den Reu bau deutschen Volkes und Staate* zur Verfügung zu stellen: die societas acadcmica al« kleines, aber starkes Beispiol volksgemeinschaftlicher Tat. Zum andern war, schon äußerlich kermtlich in der Zusammenfassung der Kräste, der g r o ß - deutsche Gedanke Richtschnur, der noch nie so lebendig und echt in einer ganzen Schicht eines fast zerbrochenerr Volkes zutage trat: das Bewußtsein vom Grenz- und Auslanddeulschtum, die Erkenntnis von der Rotwendigkeit de- Wach- werdenS deutscher Art weit über das Reich hinaus.
Anfechtungen und Kämpfe find auch der Studentenschaft nicht erspart geblieben. Mancher Studententag. und nicht zum wenigsten auch dec letzte in Danzig, weiß zu erzählen von den« ernsten Ringen um den Sinn der Studentenschaft, ihr Beltes, den ihr noch immer innewohnenden urburschenschaftlichen Gedanken von Freiheit, Ehre und Vaterland, für das größere Deutschland nutzbar zu machen. DaS Verhältnis von Professoren und Studenten, die Beziehungen und die Wechsellonckirngen zwischen Hochschule und Staat, Probleme, die man etwa tn den Begriff der Hochschulreform einschließen kann, der Gedanke der Leibesübungen und ihrer praktischeir Ausdeutung für eine vaterländische Erziehungsarbeit, die Fragen der voll»- unb ftaatobürger- lichen Erziehung sind Arbeitsgebiete auS dem ®ef am trab men der Studentenschaft. Ein weiter Raum rft der Auslandarbett Vorbehalten, der Wiederanknüpfung und dem Ausbau der "Verbindung cn zu den ausländischen Hochschulen und Kommilitonen. AuSlandarbeit als solche im besten Sinne des Wortes, ein Stück außenpolitischer Arbeit unter dem Gesichtspunkt größerer Ver- antwortllchkeit. wie sie schon so manches Mal in ben letzten Jahren Bresche geschlagen hat in die Mauer, die Dersallles um Deutschland gezogen. Reichsdeutsche Studenten sind unermüdlich in bic
schauem im Stadion durch das Hochziehen der betreffenden Landesfarben an den Olympischen Fahnenmasten und da* gleichzeitige Abspielen der betreffenden Rationachymne erfolgte, gestattete sich zu einer eindrucksvollen Zeremonie.
Oorfsommernotizen.
Don Max Sungnirfel.
Von meinen Büchern zerrte mich der Sommer und jagte mich in ein Nest mit flatternden Windeln im Winde und braunbemoosten Häusern von roter, flammender Blütenflut umschmeichelt. Bei jedem Glockenschlage beben diese Häuser wie alte, oer- runzelte Brautjungfern, die auf bas Hochzeitsläuten warten. Der Srirdjturm guckt wie rin großmäuliger, prahlender Veteran über die Schindeldächer. Im oer- rußten Dorsschmiedesenster liegt ganz bleich der Mond. Die trübe, trübe Muhle steht fern am Horizont.
Aus dem Gafthausgiebelsenfter hänge ich und luge in das Fenster gegenüber. Da sehe ich ein keckes, spitzbärtiges Gesicht bei flackernder Lampe. Ein Maler ist es, rin ganz fideler Malerkerl. Das Skiz- Zenbuch hält er in der H.ind unb strichelt und schmim- zell und deklamiert Serie, lauter regenfrische, blumen- durchflattertt Verse, die der alle Trojan aus dem Lermel schüttelte, als er mit Pflanzenpresie und Schmetterlingsnetz durch Sommerflurrn kroch.
Dor dem Malerkerl aber steht ein kleines, splitternacktes Dorftnädchen. Ganz goldig blond die Locken. Wie ein Engel, der den Himmelskranz abwars, sein Gefieder abstreifte unb hernieberhuschte in eine rumpelige Bauernstube. Unb schüchtern, so schüchtern ift bas Dorsengelchen! Manchmal steckt es beibe Hänbe -w'schen bie Beine, macht einen Buckel und lacht, daß ihr bie Ringellocken bis über die Augen fallen.
Traumhell unb nicht nachtwächterdurchbummell liegt das Dorf. Meine Lampe lösche ich aus. Wie das Bett knarrt! Rach Aepfeln riechen bie schreiend rot- karierten Ueberzüge.
Doch ich habe meinen Eichendorfs, meinen Eichen- dorff oergeffen. Noch einmal springe ich aus dem Nest und suche den schimmernden Erbenburichkn zwischen Zeitungen und Feldblumen unb Notenblättern. Dann lege ich ihn unter bas Kopfkissen. Meine Hände liegen ganz still im Mondschein Unb nun rinnen durch meine Träume die Quellen, murmeln die Bäche, rauschen bie Wälder, und mein alter Dan« berftab fängt an zu blühen.


