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Nr. 105 Drittes Matt(Eigener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesteii)Zreltag, 4. Mai (928

Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck auch mit Quellenangabe, oerboten.

Köhl und die Polen.

(s) Warschau.

Wer ist Hauptmann Köhl? Zunächst nur der Dollsührer eine» .unerhörten deutschen BluffS'. wie der .Kurier Poznansti' lernen Lesern zu verkünden wühle. Das «iserstarrte Greenty Island aber, aus dem die .Bre­men" landete, muhte es sich gefallen lasten, von dem mehr gefinnungs- olü geographietüchrigen Blatt zu den Shetlondinfeln. also ganz in die Bähe Europa«, verlegt zu werden, und die Leserschaft Höhnte und frohlockte ob des grandiosen deutschen Mißerfolges. Als sich bann aber das ®egciilcU auch in Polen nicht mehr verheimlichen lieh, da wühle man auch in Krakau und in Lodz sofort, doh nicht Köhl, sondern Fitzmaurice den Erfolg errungen habe. Der Flug wäre mehr als problematisch gewesen, wenn nicht der mit den Witterung«!Verhältnissen des Atlan­tischen Ozeans so gut vertraute Irländer das Flugzeug gesteuert hätte.

Aber schliehlich gelangen doch auch auslän­dische Blätter noch Polen. Unb das war in diesem Fall sehr schmerzlich. Denn was da schwarz aus weih in Spalten und Schlagzeilen der fremden Blätter stand das hätte la nun eigentlich fatale Singcftändni'se oder resigniertes Stillfchweioen in der polnifchcn Presse zur Folge haben müssen. Aber der »Ilstr. Kurier Eodz" wars sich in die Bresche, er war auch jetzt um eine Auskunst nicht verlegen. Der Flug war keine sportlich« Tot. beileibe nichtI Sr war lediglich eine politische Mache und zwar Europa schauderel für Kaiser Wilhelm II.I Aber das zog wohl noch nicht genügend, und da man die Bremen -Flieger nun wirklich nicht mehr dis­kreditieren konnte, kam der Lodzer .Erpreß Wieczorny auf die glänzende Idee Köhl- Stammbaum zu untersuchens und siehe da. waS fand sich? Ackermann da staunstel Köhl heiht gar nicht Köhl, londern Kiel und ist Pole. Lodzer Pole! Und seinen urpolnischen Damen hat Dorvater Köhl-Kiel, als er nach Preuhen auswanderte und wie alle feine LeidenSbrüder so grimmig unter der Germanisicrungswut preu- hischer Behörden zu leiden hatte, in Köhl u m g e t a ult. Jetzt aber werde der berühmt gewordene Dachlomme sich wohl offen al« Pole zu erkennen geben, denn .er spräche auch pol­nisch und habe sich während de« Krieges in seinen Briesen offen zum Polentum bekannt". Zum Schluh macht das Blatt die sehr richtige Bemerkung, wenn der amerikanische General Pulaskt und der englische Schriftsteller Eonrad Korzeniowski Polen gewesen seien warum denn auSgerechnet gerade dieser berühmte pol­nisch« Flieger als Deutscher gefeiert werden solle -?l

Also da haben vir den Salat: Polen annektiert nicht nur deutsche Provinzen, sondern auch be­rühmt« deutsche Männer I

ttln Liebling M Klückä.

(h) Dom.

Dor einigen Tagen brachte der Briefträger Herrn Bencdettv Ferrari ein Schreiben einer bekannten Geschäfts! irma, in dem ihm die freu­dige Mitteilung gemacht wurde, er Hobe bei einem von dieser Firma veranstalteten Preisaus­schreiben 10 Flaschen Ehiontiwein gewonnen, die er sofort gegen Dorzeigung dieses Schreiben­abholen könne. Was sich Signore Dcnedettv nicht zweimal sagen lieh, denn er ist von jeder ein Freund eines guten Tropfen- gewesen. Freu­destrahlend machte er sich auf den Weg, aber dicht vor der Haustür flieh er auf einen De­peschenboten. der ihm rin Telegramm überreichte.

O»e goiöenen Berge.

ZRoman von ttlara Biestig.

Copyright bv Deutsche Derlags-Anstalt Stuttgart.

55. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Undewrglsch die Postenkette, eine starre Linie.

Unbrroeulid) die Winzer, eine finster geballte, drohende Masse.

Zehn Minuten sind kurz, und doch können sie lang fein.

Zehn Minuten 0 (Bott, jetzt sind sie vorbei! Eine Unruhe schon in der finster gebauten Masse da, «in Schrei a.is unzähligen Kehlen, und doch nur «In Schrei: ..Sie kommen!"

Aus der Tur de» Landratsanues kommen die Ab- geschickten heraus und mit ihnen die Verhastetgew«- firnen Blinzelnd, noch kaum alles Geschehenen br* wuht, treten sie in die Freiheit. Freier Platz vor Ihnen, frei« Lust und da die Brüder! Sie er» Heden die Hände, sie nicken, sie winken.

Jubelnder Zurufantwortet ihnen. Hunderte. Tau» tende reihen die Mützen, die Hüte 00m Kops. Es 1 rängt, es preßt es druckt sich näher heran die Postenkette ist au»einandergesprengt. alle» über­rannt, was im Wege steht, man will die Verhaltet- gewesenen sehen, begrüßen, die Hand ihnen drücken, sie umarmen.

.Hoch. hoch, hoch! Sie sollen leben! Hoch, hoch, hoch!* Brausende Hochruse finden kein Ende, wie Donner schallt es gegen die Berge an, hallt es über die Mosel. Jubel, so groß, so gewaltig, wie ernst noch siegreichen Schlachten Frei, lie sind tj eder frei? Tausende sreuen sich, heute glückliche Kinder: leichter ,chlagen die Herzen.

Leichter ist'» auch den 'Bemfaftelem zumute, und leichter vielleicht auch den Herren im Landrats­amt.

Gott sei Dank^ dat Ihr frei seid," sagte Kaspar Dreis. (Er hatte Simon Bremm den Arm um die Schulter gelegt. Der sah ihn dankbar an. ihm war's jetzt auch leichter: . Kommt nach Haus? Meine Anna, wat wird die so bang sein!"

Aber so rasch, wie er sich das dachte und wünschte, ging es doch nicht, Aunbcite brannten um sie her um, ein wogendes Meer von Köpfen. ..Dir kom­men nit durch.' Der ,unoe Winzer sah sich ver- gebens nach einem Durchichlupf um. Da sprang er, kurz entid)!open. aus ein Auto das vor dem Land- ratsamt hielt, und flieg auf den Sitz. So konnte man ihn sehen, und er rief mit mächtiger Lungen­kraft:

Winzer. Brüder! Jetzt: Marsch, kehrt! Dir gehen nun nach Haus. Dieder an unsere Arbeit. Wir

2» kam von einem italienischen Konsul in Meri- ko und besagte klipp und klar, daß Herr Dcne- dettv Ferrari. Privatier in Pifa. der einzige Erbe bc< von feinem lange totgejlaubtcn Bru­der hinterlassenen Vermög:ns von 220 003 Dol­lars und einer gutgehenden Veslüaelzüchterei fei. Vvr freubiaer Ueberrafchang rührte Bene- dettv beinahe der Schlag. Aber es kam noch besser es schien geradezu, al» habe da- Glück all seine Zärtlichkeiten für Ferrari für diesen einen Dormitlag 'eines an Aufregungen ziemlich armen Lebens aufgelpart denn noch hielt er tiefatmenb und tml ungläubigen Blicken das Telegramm in der Hand, als um die nächste Straßenecke ein Bekannt r von ihm mit einem wahren Freudengebrüll aa ihn Mftünrate und ihm schon von weitem zurief: »Du. wir haben beide jeder 12000 Lire in der Lotterte ge­wonnen f Das gab dem armen reichen Bene» dettv den Tieft; er fiel ohnmächtig um.

Als er sich nach einer Stunde jedoch wieder erholt halle, nahm et seinen Freund unter den Arm und holte feine zehn Flaschen Chianti ab, denn man soll niemandem etwas schenken. In ganz Pisa aber ist Benedettv. der .Gesegnete", Tagesgespräch.

DaS Grammophon alö Wolsbfalle.

(f) London.

In diesem Winter geriet die kanadische Re- gierung in nicht geringe Schwierigkeiten. D.e Farmer, die ihr ohnedies viel zu schassen machen, forderten kalegorisch Maßnahmen gegen die dau­ernd zunehmende Wolssplage in einigen Ge­genden des Dominium- 3a, zu Weihnachten überreichte eine Dauerndel'gali?n in Mon­treal sogar eine Art Ultimatum, in dem bei Dichtachtung der Farmerforderungen mit Ein­stellung der Schafzucht gedroht wurde. Die Re­gierung war. wie gejagt, ratlos.

Jetzt hat sich aber plötzlich ein Detter ge­funden in der Dot. und zwar ein Zahntech­niker. Er halt» eine Grammophonplatte her- gestellt. die daS WolfSgebell täuschend ähnlich, sozusagen dreidimenfional, wiedergab. Zur Vor- führung seine- Versuchs erbat und bekam er eine Mafchinengewehrabteilung kanadischer Jä­ger. Der Apparat wurde in einer von der Wols-plage am schwersten heimgesuchten Ge­gend ausgestellt. Der Erfolg war .durch­schlagend". Dach den ersten künstlich erzeugten kläffenden Tönen erschien ein (Rubel der ge­fräßigen (Räuber In Starke von 50 bi- 60 Stück. Der betreffende M.-G.-Führer kommandierte .Feuer" und 47 Wölfe blieben am Platze.

DaS kanadische Dominium-parlament wird die erforderliche AnschafsungSfumme für die neu­artigen .WvlfSfallen" sicherlich bewilligen und der Zahntechniker wird sich wohl zur Ruhe setzen können.

Da» amerikanische Duell.

so.) Budapest.

Am Palmsonntag hat sich der in der ungari­schen Hauptstadt als sehr vermögend bekannte Effektenmakler D. vor einen Schnellzug geworden, der ihn bis zur Unkenntlichkeit zermalmte. Die Verwandten und Bekannten des Selbstmörders ftanden vor einem Rätsel, da nicht der geringste Grund für diesen tragischen LebenSadschluß zu er­kennen war. Die Vermögen-Verhältnisse V.- find in der besten Ordnung. Krankheit und Trübsinn hatte der säst 70jährige, kräftige Mann in seinem ganzen Leben kaum gekannt, unglückliche Lieb« oder gar Furcht vor irgenb.'iner Strafe kamen überhaupt nicht in Betracht. Bi- am selben Abend noch seine Haushälterin im Schreibtisch ein Paket mit Driesen auffanb, durch die da­dunkle Deheimni- enträtselt wurde.

Winzer haben zusammengehalten, unsere Brüder sind frei. Wir Winzer Haven dem Finanzamt ge­zeigt, wie man Deutsche im Deutschen Reich zu de- handeln Hal. Wir Winzer fürchten Gott, sonst aber nicht» auf der Welt. (Es lebt Deutschland! Es lebt unser Moselland!"

Er nfj den Hut vorn Kopf und schwenkte ihn.

Da fingen fie auf einmal alle an zu singen. Es fiatte keiner sührenden Stimme bedurft, es war so elbstoerftändlich, daß sie das, was sie immer san­gen, bei jedem Fest, bei jeder Lest, bei jedem Zu» fammensein, in guter Zeil und in baser Zeit, daß sie bas auch jetzt heute, hier sangen. Aus aller Herzen heraus, (schön, klangvoll tönte es über den Platz ooim Landratsamt, wie von einem g Jungen und doch von Tausenden, das alte Bernkastel horchte auf, die Landshut oben, die Mosel unten und die Brücke, die hinüber fuhrt über den Strom.

Im weiten deutschen Lande, zieht mancher Strom dahin, von allen, die ich kannte, blieb einer mir im Sinn: D Moselland,^» selig Land, ihr goihnen Tfrgr, 0 Fluß im Tak, ich grüß euch von Herzen viel tausendmal!' Sie fangen es mit Begeisterung: bas ganze Lieb. Unb bann setzte sich Kolonne aus Kolonne in Marsch: Ich hott einen Kameraden, einen besjern fmbft du nit/

Gesänge zogen die Mosel entlang, Lieder, als ob alle froh wären unb alle satt. Die aus dem Cröoer Reich, bie Winzer von Dintnch unb Filzen, von Dusemond. Mühlheim unb Andel, die jo glück­lich waren. Ackerland zu besitzen, nicht nur Wein­berge, hatten sich zusammengetan: am Tage nach Bernkastel waren schon hundert Zentner flartoffdn beisammen. Die wurden verteilt...

Aus dem Grau und der Rot des Winters heraus wird brr Frühling geboren, unb der rührte sich jetzt überall. In den Weinbergen tränten die Reben, sie ichiugen ihre 2iug- n auf urC z- a ccaß Xiebri in ihnen war. Unb neues Leben schlug auch in Dorf unb Stadt feine Augen aus Hollr. c. r <-c; pre chungen für bie Zukunft. Es würde jetzt wieder besser werden, denn bie Weinsteuer, bie Deinsteuer war ja gefallen. Unb die im vergangenen Jahr ge» wähnen unb schon gekündigten Kredite wurden dem Weinbauer weiter beiaffen, unb neue Kredite noch ,ju den alten gegeben. Berkin merkte auf. Und bas Finanzamt auch: Steuerstundungen, Nachlaß der Reichssteuer für bie Winzer. Die Beamten, die rück­sichtslos vorgegangen waren, mußten jetzt schonen- der sein, keine Pfändungen mehr, bem Winzer mür»

Bor zwanzig Jahren war V. in den Vereinig­ten Staaten und geriet am Palmsonntag 19OS im Vestibül eine- Hotel- in Dcw Orleans mit einem (inhiimifchen Lehrer in Streit der ftch schliehlich fo zu'pitzte daß beide be chlosten, ihn durch ein amer kam'chas ?uc!l auszutragen Ss wurde brummt, daß der der die schwarze Äuge! ziehe, nach genau zwanzrg Jahren am Sonntag vor bem Osterfest feinem Leben ein Ende machen müf c. Beide uni .schrieben eine Ehrenerklärung in diesem Sinn«. Und das Unglück wollte, daß der Ungar bie Todeskugel zog.

Von da ab meldete sich als dunkler Mahner all­jährlich bet amer.lanische Lehrer mit einem Briefe der pünktlich am Sonntag vor Ostern in D.S Hände kam. und in dem er ihn an das Duell erinnerte, daß er wilder ein Jahr weniger zu leben habe. 3m Jahre 1)17 starb der Gegner drüben in Amerika, aber nichtsdestoweniger traf jedes Jahr auch weiterhin derMahnbrief von der Hand de- Toten ein. und der letzte, der das unheimliche Paket abfchloß. war am 31 Marz 1928 bei V. eingetroffen und ent­hielt nicht- al- den lakonischen Delehl .Dein Leben ist verwirkt! Töte bi4>r* Und V. vollzog den D.fchl eines Beworbenen.

Die Polizei Hal Nch nun der Angelegenheit angenommen Man glaubt, daß der amerikanische Lehrer feine Mahnbriefe .auf Vorrat ' geschrieben und einen Freund pebtten bat. he auch nach seinem Tode regelmäßig an feinen früheren Duell­gegner zu versenden. Um diesen Miltel-mann ausfindig zu machen, hat sich die ungarische Polizeibebörde mit der amerikanischen in Ver­bindung gesetzt.

ttin neuer Reiterrekord: 170H Meilen.

(c) Tientsin.

AuS Tokio wird gemeldet, daß drei waghalsige Reiter, und ^war ein Japaner ein Chinese und ein Mongole einen neuen Weltrekord ausgestellt haben: sie haben eine Reise au- Mantschuli über Simvnofeki (3ar*an) nach Tokio, volle 1706 Mei­len. im Sattel zurückgelegt und kamen wohl­behalten in der japanischen Hauptstadt an. Der kleine Ausflug nahm 14 Wochen in Anspruch: die unternehmungslustigen Drei wollten sich le­diglich von der Widerstandsfähigkeit des afiati- fchen Pferde- überzeugen und werden jetzt toiffen- schaftliche Vorträge über diese- neuartige Thema in Japan halten.

Mrischast.

Tlad) der Kohlenpreiserhöhung.

Die Entscheidung in der Kohlenprei-frage ist in der Sitzung des ReichskohlenverbandeS und des Großen Ausschusses deS Reichskohlenrats gefallen. Dem Ruhrbergbau ist eine Erhöhung de- DurchfchnittSerlöfeS pro Tonne de- gesamten SyndikatsabfatzeS um 1 Mk. zugebilligt worden, und e- ist damit zu rechnen, daß der ReichS- wirtschaftSminister von seinem Vetorecht keinen Gebrauch machen wird. Gleichzeitig mit der Be­willigung der KohlenpreiSerhöhung tritt ein« neue 2 r t derPrei-festsetzung ein, die gegenüber dem bisherigen System der ZwangSbewivtschaftung al- ein Fortschritt be­zeichnet werden muh. Allerdings ist in dieser Be­ziehung ein Kompromiß zwischen den Forderun­gen des Bergbau«- und den für die Kohlen- wirtschast maßgebenden gesetzlichen Stellen ab­geschlossen worden insofern, als die in- einzeln« gehende Regelung der Preis«, die der Dergbau 1« nach Absatzlage vornehmen wird, der Geneh­migung der KohlenwirtschaftSoraane bedarf. Wie notwendig eS war, dem Stofo Len berg bau dies« Preiserhöhung zurubilligen, geht wohl auch daraus hervor, daß die Beschlüsse der Kohlen- wirtschaftSorgane einstimmig-, d. h. mit den Stim­men der Arbeitnehmer gegen nur eine Stimm«, die von einem Vertreter der Kohlen Verbraucher

ben feine paar Sachen nicht mehr gerichtlich ver­steigert werden.

Das legte bie Regierung als kleines Pflaster auf bie Wunde, bie ihr Handelsvertrag mit Spanien dem Weinbau geschlagen hatte. Wenn der Winzer nun nicht mehr so belastet war, so gehetzt von Steuer zu Steuer, wenn er jetzt zum erstenmal zinslos einen Kredit hatte, den er verbrauchen konnte für feinen Weinberg, bann konnte er mit feinem Wein auch billiger (ein. Dann konnte sein Wein mit bem Preis des Auslandsweines kontur- rieren, unb daß bann jeber lieber den Wein, ben guten Wem trinken würde, der im Vaterland wächst, als den aus fremden Reben, von fremden Händen gezogenen, daran war doch fein Zweifel Dann brauchte man auch kein Schild.Wo bleibt die Erwerb slosenuntersti'^ung für den Winzer?" bar allen Winzersloftes, hochzurecken, dann überliefe man das gern ben Armen ber großen Stabte, ber Winzer war bann roieber ein freier, ein selbstsicherer Mann. Er afe trocken Brot, aber er war zufrieden bam.t, denn er afe es in Ehren.

So hoffte man. Unb nun nur viel Sonne, viel Sonne des Himmels, bafe bas neue Leben, bie neue Hoffnung, bie sich gezeigt hatte, auch weiter gedeih, n konnte!

Unb die Sonne schien, so hell, so freudig, als schiene sie einem glorreichen Sieg. Sie schien auf ben Weinberg, bafe besten Schiefer heife prallte, sie sch.en auf bie Mosel, bafe bereu Spiegel er­glänzte, sie schien auf bas Dörflein Porten, sie schien auf bie Kreisstadt, unb ba auch auf bas letzte Haus am Enbe ber Gaste

Das Fenster in der Stube von Nettchen Schmitz stand weil offen, es liefe bie Frühlingsluft voll herein, denn da stand ein rumpliger Kinderwagen, unb hinter bem Vorhang lag ein neues Leben, bas auch eine Frühlingshoffnung war Unb ein Zu kunftsrersprcchcn

Die bucklige Näherin hatte ein Kind. Sie hatte es meinenb angesehen: fie war fo sehr schwach ge wesen, darum liefen ihr Tränen, aber jetzt fühlte Tie nur Stolz, nur Freude des Sieges. Es war durchgerungen, errungen durch höchste Dual, durch Stunden la voller Not, bafe bie, die in Nettchens Stube kamen, es nicht mehr mit anfehen konnten unb flohen. Aber Nettchcn hatte burchgehalten.

Der alte Doktor war ganz ergriffen, als er ihr fügte:Na, da Haden Sie ja nun ihr Mädel tapfer errungen unb 'n ganz strammes, man sollt es wahrhaftig nicht glauben." Sein Blick glitt oergleichenb von ber armen verwachsenen Person im Bett zu bem kräftig schreienden Kinde, um das bie Hebamme eben bie Windel schlug^

Auch bie Frau von oben, die gratulieren kam, hotte sich nicht genugtun können mit Verwundern:

abgegeben wurde, gefaßt worden ist. Infolge des abge'chlosfenen Kompromißes werden also bi« cnbgült.gcn Preis« In den nächsten Tagen nach Prüfung durch den Reichslohleiit^erband von die­sem ;m Reichsan.zeiger verö'fentlicht werden.

Bezüglich der Auswirkungen der Kob- lenpreiserböhung !ür den ciiemlob'.cn- Krgbau selbst mut zunächst se tg.'stellt werden, dost d.e Rentabil.läl des Bergbaues durch die Prerserböhung nicht wie derb«, gestellt wird W:t einer Preiserbößu.g. d..- die Derlustwr-Ilcha t beseitigt, featte der Ruhrloaienbergdau ja auch nicht gerechnet Es komi.t hinzu da > d e Preis- gür bei Ab'atz .n >?. ec tr.:tc

-

Id! des überhaupt nicht in Anwendung gebracht werden kann, so daß zunächst der Adsai in das ur.be ft ritte ne Gebiet br sich au' etwa 5j Prozent des gesamten moiat'.ichm Syndi alsadl .ye - stellt.

der Ät

mit 2 Mark pro Tonne, zu tragen hatte. Es ist bis zu diesem Momei.r noch nicht c .t- schieden, ob sich diese Belastung überhaupt durch- fübten läßt, da fie selbstverständlich zu einet erheblichen Verteuerung der Pro­duktionskosten des Eisens und auch der Preise der Fertigfabrikate führen müßte, wodurch natürlich die Wettbewerbs Lhigleit die­ser Industrien weiter perminbTt werden würde. Dun ist allerdings auf der anderen Seite eine Einschränkung des Absätze- in daS bestrittene Gebiet beabsichtigt, die zunächst nur schrittweise in Anbetracht der bestehenden Lieserungsvert aqe durchaesühri werden kann. Ein gewisser Ausgleich der Betriebsverluste bei diesen Absatzgebieten wird also eintreten, wenngleich andererseits dann Stillegungen unb 2Irbcitercntlü|- f u n g e n die Folge fein müssen.

Auf jeden Fall muß eine Erhöhung der (Sifenprelfe vermieden werden, ba biefe für bie eifenoerarbcltenbe Inbustrie in der Selbst» kostenkalkulalion eine weit größere Rolle spielen, al- bie Kohlenprelle selbst. In ben Kreisen der Eisenindustrie scheint man sich im allgemeinen der Verantwortung gegenüber ber allgemeinen Wirtschaft bewußt zu sein, so baß mit ber Ver­meidung einer GisenpreiSerhöhung wohl gerechnet werden kann, was wohl auch auf die gebesserten Ausfuhrmöglichkeiten infolge ber festen Welt­marktpreise für Eisen unb Cifenfabrilate zurück- zusühren fein bürste.

Dachbem der Ruhrbergbau somit einen ge­wissen Ausgleich ber durch den LohnschiedSspruch geschaffenen Mehrbelastung erreicht hat. liegt es letzt an ihm. durch organisatorische und Rationatt- fierungSmaßnahmen. vor allem durch Aus­schaltung der unrentablen Betriebe, $u einer PrvduktlonSbasi- zu kommen, die nicht in aufgeblähtem Verhältnis zu ben Absatzmög­lichkeiten steht. Der Weg zur Wiedergefunbung beS Ruhrbergbaus führt über bie notwendige Einschränkung ber zweifellos beftefeenben UeberprobuMion.

Kein Einspruch

des ^eichswirtschaftsministers.

Köln, 3. Mai. Wie bie .Kölnische Zig." Höri, wird der Reichswirlschaslsminister gegen den Beschluß des Reichskohlenoerbandes unb ors großen Ausschusses des Reichskohlenrotes, wonach das Rheinisch-Westfälische Kohlensynbikat bie Koh­lenpreise ab 1. Mai burchschnittlich um 1 Markte Tonne des gesamten Synbikatadsatzes erhöhen bars, keinen Einspruch erheben.

Deutsche Effekten- unb Dech- selbank, Frankfurt a. M. Die General­versammlung genehmigte bebattelo- ben bekann­ten Abschluß mit toieber 8 Prozent Dioi>enbe auf 7L Mitt. Mark alle unb 4 Prozent auf 2,5 Mill. Mark junge Aktien. Ferner würben einige Satzung Säuberungen Dorgenommcn, nach denen ba« Aktienkapital nur noch In Aktien

So 'n gesund Kind na, Nettche, unb wat für 'n schön Kind! Dot hält ich Euch wahrhaftig nit jugetraut"

Unb keinen Buckel, nit wahr?" flüsterte Nett- chen garu leise(Es is boch nit schies?" Aengstl.ch fragend sahen ihre Augen bie Hebamme an.

Es is ganz normal."

Da stieß bte Schwache einen erlösten Seufzer aus, ihr Stopf fank beruhigt ins Kissen. Sie verlor sich in Träumen. Joseph Joseph so halte er geheißen Josephine sollte das Kind getauft werden. Unb e i n Gedanke war ihn noch gekommen, aber sie konnte ihn nicht klar zu Ende mehr denken: ob Maria Bremm jetzt auch em Kind hatte, und ob bie sich freute?

Auch Maria Bremm hatte bas Kind, bas sie nicht mit so viel Freuden erwartet hatte wie ihre Frcun- bin Nettchen, aber etwas wie Freude war doch in ihr, wenn sie den Knaben an ihre Brust kegle. W.« er trank unb wie er kräftig war! Nun war er schon über sechs Wochen alt.

Es war gegen Ende Avril, die Obstbäume standen in voller Llütenpracht Moria ging täglich m I ihrem Later zur Arbest in den Weinberg, denn sie war kräftig genug dazu. Die Mutter follle s.ch fdpr.en, über die war zu viel gekommen in letzter Zeit. Maria hätte es nicht gedacht, daß ihr die Arbeit im Berg einmal lieb fein könnte, sie hatte sich früher davor gegraut: freibch, da war fie noch unbedacht gewesen, hatte gemeint, nur bas fei Leben, was man ohne Mühe und mit Lachen genießt, was man ralch trinkt in durstigen Zügen aus einem Krug, der nie leer zu werden scheint. Jetzt lachte fie auch wie- der, aber es war ein anderes Lach n

Bremm mußte oftmals wohlgefällig nach fei- ner Tochter sehen, wenn sie so dastand, den Rock knapp um die kräftigen Lenden, die Brust voll, die gebräunten Wangen schier rosenrot, wc n sie die Hacke mit hohem Schwung ins Unkraut sch'ug, daß das nur so aus dem Schiefer flog, unb der Boden um bie Stöcke halb blank und rein war. Jetzt war er wieder stolz auf seine Maria: die war doch r ch die Sch mste rundum und vielleicht auch die Bräofte, trotzdem sie das Kind hatte, von dem man nicht wußte, wer besten Vater war. Niemand wußte bas; seine Frau war oftmals vergeblich in Maria ge­drungen, die war immer nur traurig geworden, gesagt hatte fie's richt. Sollte man ihr deswegen Vorwürfe machen? Wenn sie es denn durchaus n chk sagen wollte, war es bester, man schickte sich ohne weiteres darein. Maria war eine Kraft, bie der Toter schätzte, sie war ihm wert wie sein bester Sohn.Ruh dich aus, Tater, sagte sie manches­mal; sie selber schien nicht müde zu werden.

(Schluß folgt)