Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesfen)
Freitag, 4. Mai (928
Nr. 105 Zweiter Blatt
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•) CBflL die Artikel in Rummcr 99, 100, 10!. 102, 103 und 104.
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Green Harbour (Spitzbergen), 28. Aprir.
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Wie wir den Nordpol überflogen
Oie Erforschung der Arktis ist noch nicht abgeschloffen.
Don Kapitän X A DUkins.
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Deutschland und die Wahlen in Frankreich.
Don unterem 1.. X.-Berichterstatter
Rachdruck. auch mit Quellenangabe, xr boten!
Pari«. l.Mai 1928
Die franzöfischen Wahlen sind zu Ende Denn man auch nach dem ersten Q'anp velleicht noch glauben konnte — die Radikals oziallsten halten 'cst daraus gebaut —. daß eine TBcdx später bei den Stichwahlen eine erhebliche Korrektur der notläufigcn Ergebnisse erfolgen und da« Gleichgewicht zugunsten der Linksparteien wieder hergestellt würde, so ist jetzt kein Zweitel mehr möglich der zweite Waylgang hat den Sieg der Mitteiparteien und die T c r n t cb - t u n g der Radikalsozialisten vollendet. Anderer'e.ts hatten die unparteiischen Beobachter des politischen LebenS in Iran!reich diesen Sieg der Mittelparteien vorausgesagt, und ich selbst habe schon lange vor den Wahlen an dieser Stelle geschrieben, dah die Konstellation der französischen Dahlen von 1928 eine Wieder- erstarkung de« rechten Flügel« der Kammer verbürge.
Dor allem ist für da« parlamentarische Leben Frankreich« die schwache Disziplin der Fraktionen bezeichnend, jene Gruppenmoral m der Kammer, die die Bildung neuer Gruppen und den Uebergang von einer Fraktion zur anderen erleichtert. Daher fonnL man sehr wohl Aendcrungen erwarten, durch die sich bei verschiedenen Gruppen und Fraktionen neue Flügel btlöcn bzw. bereits bestehende verschwinden würden. Dor allem, und das ist auch ein charakteristischer Zug für die französische Kammer und die politischen Sitten, die dort herrschen, steht zu erwarten, dah jene Aenderungen die Stellung der Sieger, d. h de« Dl« Rational, auch qualitativ bessern werden. Mit anderen Worten, dieser Dloc Rational wird die Macht die er In der neuen Kammer besitzen wird, auch zu jenen ..Wohltaten" benutzen, die nun einmal an die Macht gebunden sind: Schaffung von Sinekuren. Dergcbung von Aemtern usw. Am besten haben es der ..Quotidien" und die übrigen sozialistischen und radikalsozialistischen Organe erkannt, waS es heißt, dah die Parteien, die den ehemaligen Dloc Rational bildeten, siegreich aus der Wahlschlacht hervorgegangen sind.
3n der Tat haben die Republikanisch-Demokratische Union (Gruppe Marin) und die Republikanische Linke zusammen 80 Sitze erobert und sic allein verfügen nunmehr über 278 Sitze an Stelle von 198. die die vier Gruppen dcS Dl« Rational in der voryehenden Kammer innehatten. Mit den radikalen Dissidenten (Gruppe Franklin-Douillon-Loucheur), die sich innerpolitisch und außenpolitisch gegenwärtig in nichts von der Gruppe Marm-Maginot unterscheiden. verfügt der Dl« Rational oder besser sein gemäßigter Teil von neuem über die absolute Mehrheit, so dah er sehr aut die Radikalsozialisten (Herriot-Daladier) und die Republikanischen Sozialisten lPainlevc) entbehren kann, die sich ihm zur Verfügung stellen möchten.
Welches waren nun die Hauptursachen der Riederlage de- alten Kartell«, oder besser der Radikalsozialisten und der Republikanischen Sozialisten, die die ganze Zeche bezahlt haben, da ja die Sozialisten, wenigsten- zahlenmäßig, wenn auch nicht moralisch, ungefähr ihre Stellung behaupteten?
Stellen wir zuerst fest, dah - wie 1924 — der Kampf um die Frage f ü r oder gegen
forschten arktischen Gebiete« führen. Da- ist mehr, al« wir überflogen haben' auch dürfte diele Flugstrecke sich wahrscheinlich in bezug auf Entdeckung neuer 3nfeln ergiebiger erweisen Viel- leicht wird General R o o l l e. der Kommandeur de« italienischen Polar-Luftschifse«. bei seinem arktischen Unternehmen diese Strecke zu schaffen 'uchen. Wir hoffen, dah er e« tut und wünschen hm jeden Erfolg. Sollte er Mihgeschick haben, *o wäre das sehr au bedauern, beim eine Verzögerung würde bedeuten, dah es. wenn er zum Dorstoh bereit ist. im Hinblick auf den Sommer schon zu spät zum ertragreichen Cang- ‘tredenflufl in der Arktis sein wird.
Ter Wert arktischer Luftfahrt
Alle« in allem ist die Erforschung der Polar- weit mit Htlse der Lustsahrt nur al« Auf klä- rungSdienst zu werten. Immerhin aber sind manche Fundamente von starkem wissenschaftlichen Wert durch sie gelegt toorben. AuS den von un« gewonnenen Deobachtungen scheint hervorzu- izehen. dah gar feine Inseln im mittlercn arktischen Ozean existieren, dessen Tiefen bi« jetzt noch nicht gelotet worden sind. Da« kann auch in rationeller Weise mit Leichtigkeit oder Gründlichkeit durch da- Flugzeug nicht ge- 'chehen, ebensowenig durch da« altmodische Hun- bege'pann. Man wird andere Methoden finden uüssen. und ich glaube, wir haben sie bereits zu'. Hand. Dielleicht wird mir da- Glück zuteil vrben, sie bald anzuwenden. In den acht Jahren meiner Polarerfahrung habe ich gelernt, dah sie ohne die Düte und hochherzige Unterstützung r.clcr Freunde nicht hatte erworben werden tonnen. Um so mehr kommt mir zum Bewußtsein, dah der Wert solcher Erfahrung nicht leichtherzig vergeudet werden darf.
Viet wäre mit dem Flugzeug von Grant-Land auS zu erreichen. Wir erblickten durch die Wolken in der Räbe von Kap Solumbia Sisslächen, die einen idealen Landungsplatz abgeben würden. Ich war tatsächlich versucht, dort niederzugehen. Meine meteorologische Schulung befähigte mich mdesscn. zu erkennen, dah wir bei Spitzbergen in einen heftigen Sturm geraten würden.
erobern läßt, noch kann das Derk der Forschung ohne die unausgeietzte Hille vieler Freunde Doranaci rächt werben. SS sind viele, denen wir Dank schulden, allzuoiele, um jeden einzelnen zu erwähnen. Am t;elften aber lind wir in der Schuld der Amerikanischen Geographischen Se- 'ettschaft und der Detroit News. Denn diese beiden gaben un« da« Höchste Glauben. Selbstvertrauen und Ermutigung.
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_________ Lonayear City, den Ätz einer In Betrieb befindlichen Kohlengrube, anlaufen soll Longyear Lity ist etwa 50 Meilen von hier Entfernt. Da« Schiff dürfte un« in zehn oder mehr Tagen nach O«lo bringen. Unser Flugzeug beabsichtigen wir nach Reutzor» zu verschiffen, wir selbst werden da« freundliche Änaebvt der Norwegen Amerika-Linie. ihr: Gäste zu fein, annehmen und un« mit einem ihrer Dampfer nach Reuyork beerben.
Inzwischen haben wir reichlich Zell. die Z w i - schenfälle unsere« Polarfluge « zu überbenlen. Detrachtungen über die arktisch: Fliegerei der Zukunst anzustellen und un« die Fragen vorzulegen was wir hätten tun können und wa» wir saktisch getan haben. Da« Duch der Erforschung der Arkti« ist längst noch nicht abgeschlossen, und noch manche« Kapitel wird geschrieben werden muffen. Der Flug z. D. von der Wrangel-Inlel nach Diffvn. der ruf- tischen meteorologischen Station bei Rowaja Semlja. würde mit feiner Distanz von rund 2000 Meilen über mehr al« 1500 Meilen uncr-
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Poincare ging. Aber wahrend 1-24 r.anxnl- . ch Fragen der äuheren Politik die Haupt- roile in der Wahilchlacht Ipielten, haben sie. zumurdest nach außen hin. bei den jetzigen Wahlen ‘all gar keine Bedeutung gehabt Alle Kand.baten. sowohl die der Grnippen Marin und Maginot wie auch die der Radikal- so, allsten un1» der Republikanischen Sozialisten erklären sich al« Anhänger der Politik von Locarno unb aU treue Mitarbeiter bc« Völle rbundeo Mit Ausnahme bet et tränen Rationalisten hat Nch kein einziger Äanbtbai gegen die Forfetzung bet Driandschen PoUtik gewandt. 3« besteht jedoch ein groher Unter- schieb In der 3u«legung der Politik von Locarno zwe'chen den Angehörigen der Gruppen Marin und Maginot auf bet einen, und der Radikalsozialisten auf der anderen Seite. Dieser llntcrkbieb dürfte bald fühlbar tn Erscheinung treten, und die deutsch-franzöftsche Annäherung, von der man in den letzten drei Jahren so viel gesprochen hat, wird auf proste Schwierigkeiten st osten und bei der neuen Mehrheit wenig begeisterte Parteigänger finden. Aber, wie td> öS bereit« während der Wahilchlacht 'agte. sprach man äußerst wenig von der Außen- poliiik. und nicht außenpolitische Fragen haben den AuSgang der Wahlen entschieden.
Wa« die hauptsächliche und entscheidende Rolle in der Wahlschlacht spielte und den Sieg de« Dloc Rational bestimmte, da« war vor allen Dingen d i e Furcht vor einem neuen finanziellen Zus arnmenbruch und da« tiefe Vertrauen — ich möchte fast sagen die mhstische Treue — der gesamten französischen
rgeo'.sie zu P o i n c a r e. Diele Vergötte- rung Poincar6S als bc« einzigen und alleinigen Retter« Frankreich« vor dem Dankerott. aU einzigen Rlenschen. der fähig wäre, die sranzösl- 'chen Finanzen wieder In Ordnung zu bringen. und der bei diesbezüglichen Vertrauen« würdig sei. hat sich in den Köpfen der Franzosen derart festgesetzt, dah die Furcht. Poin- careS Mehrheit zu schwächen oder zu Detringcrn, jum wahren Schreckgespenst wurde und die französischen Wähler zwang, für die rein poincaristi- schen Kandidaten zu stimmen. Die Radikalsozialisten konnten noch so oft beteuern, dast sie nicht im entferntesten beabsichtigen. Poincare zu stürzen, man glaubte ihnen einfach n i t. Man erinnerte sich, dast sie während der letzten Session gegen Poincare gestimmt hatten, unb man zog e« daher vor, bic, Anhänger bei gemäßigten Parteien zu wählen. Me Radikalsozialisten taten Unrecht daran, zu glauben, bic Wähler würben beim zweiten Wahlgang für bic von den Radikalsozialisten empfohlenen Äanbibaten stimmen. Die französischen Wähler haben in demselben Maste gegen bic Parteibisztplin rebelliert, wie es bk Deputierten gegen den Fraktionszwang taten. Und so wie verschiedene Sozial sten Im zweiten Wahlgang sich für die Kommunisten entsch eben, stimmten Rabikale für bic Gemästigten. und d eS trotz de« dringenden Appell« der Ä»mUd«. ®inc gewisse Rolle spielte auch da« bolschewl- stische Gespenst, aber man überschätze den Einflust der kommunistischen Drohung nicht. Die Franzosen haben keine Angst vor dem Kommunismus.
Welche« werden nun die Folgen dieser ausgesprochenen Rechtsbewegung im Hinblick auf die ösfentliche Meinung Frankreich« fein? Vor allem spricht man bereit« heute in Eingeweihten Kreisen von einer starken Umbildung de« Kabinett« Poincarö«. Sicheilich wird D r i - a n b Im neuen Kabinett ba« Portefeuille bc« AustenministerS behalten. Rur wird er, persönlich geschwächt burch ben Mistersolg seine- Ai t - lriegspaktvvrschlages sowie durch die R-Verlage der Radikalsozialisten unb der Republi- lanisch-SoziaUstischen Gruppe, der er angeh^rle. künftighin dem Kabinett und der Kammer e.nc Politik nicht mehr aufzwingen können. ®« wird ihm um so schwerer fallen, eine Politik der Annäherung an Deutschland zu treiben, al« bic Mehrheit de« Kabinett« sicherlich nicht wie jetzt den Radikalen, sondern den Parteigängern von
Hafter, zwingender Mannha'tigkelt. Alic seine iS;qen,piclct müssen dem entsagen, worin Siegfried zum Mann wird Mime fSugen D o g t). dem nur noch das triebhafte De gehren nach Macht geblieben ist. dem männliche Tackraft fehlt und der darum gezwungen ist. durch List und Tücke seinen Zielen nachzustreben, war ebenso «ffanglich charakteristisch unb plastisch tn der stimmlichen Gestaltung wie tn der scharfen Profilierung seiner Gebärde. In brr Gegenüberstellung mit Alberich, seinem Macht erheischenden Druder (Heinrich Kuhn, zeigten sich diefcbeiden Ribclungen in kralser. erbittertster Gier. Alberich in seiner Auswirkung gestützt durch die trefflich deklamierende Art seines eIngen«; Alfred Karen fand sich geschickt mit dem Fafner ab. Wotan (Johannes Dlschofs) niust sich zwar in die Rolle bc« (Sntlagcnben finden, erlebt aber MM Höhe des Glück- in dem Dcwusttscin. dast der .hn Ueberwindende seinem Dlut entsprossen ist. Wie schon in der .Walküre"- Aufführung, so auch hier erwie« er sich al« ein Wagnerfänger mit starkem Stilempsinden und seltener Gestal- tung«gabe. Er wuchs ebenso groh hinau« in der Räckelszene des ersten Aktes, wie in der Vrwar- tung Siegfrieds in der Szene mit Srda. die in Anna Jacob« eine stärkere Dcrtreterin fand als seinerzeit tn der .Rheingold"-Ausführung Rofc Merker al» Drslnhllde Ist noch au« dem dritten Akt der .Walküre" her in bester Erinnerung unb entwickelte sich auch hier wieder mit ihrer Wandlung von der erweckten Dunschmaib zur Raturhaftigkeit des in Liebe aufgehenden Weibe« zur Ekfkase des Schluhduett«. Der Stimme des Waldvogel« war Käthe Walter eine frische akzentfähige Künderin.
Ucber da« Orchester kann man nur bc« Lobes voll sein; ihm ftnb in dem symphonischen Dc- gleitungSart eine Fülle schwierigster Ausgaben gestellt, die von all ben vielen Solostimmen in allertrcfslichster Weise durchgeführt wurden. Dem Ganzen gab sicheren Zusammenhalt unb feine Differenzierung die geistige Leitung durch Mas Rudolf. Karl Löffler hatte stimmungsreiche Dühncnbilber gestellt, die in ihrer Auswirkung durch die Deleuchtung Ludwig Keim« mit bewundernswerter (Geschicklichkeit verstärkt wurden. Zu der künstlerischen Tat bet Theoterintendanz, in Gießen ben Ring zu bieten, fehlt nur noch des Schlußstein; .Die Götterdämmerung". Möge sie sich würdig tn gleicher Weise zum Ringe fügen!
Wie die Dingt gegenwärtig liegen, scheint für un« die erste Möglichkeit, in die Zivilisation zurückzukehren, in dem Schiss zu liegen, da« Mitte Mai
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sondern in der Handlung ein Gleichnis seines eigenen Lebens mit zu sehen.
Beruhte in der „Walküre" die Triebkraft zum Handeln letzten Endes auf der Liebe des Weibes, die sich wandelnd auf den Mann auswirkt, so ist „Siegfried" dazu die innerliche Ergänzung, indem hier der Mann in seinem Werden und Erwachsen zur Tatkraft gezeigt unb der im Bewußtsein seines Vermögens zum Erwecker des Weibes wird. Dem Herauswachsen des MännNchen aus der Natarkroft bat Wagner die gleichen Züge gegeben, wie sie „derselbe junge Bursche tragt, der im Märchen vor- kommt und auszieht, um das Furchten zu lernen — was ihm nie gelingen will, weil er mit kräftigem Natursinn alles fo sieht, wie es ist".
ES ist wohl cm nahezu einzig dastehender Fall in der Gefchichte der Oper, daß die Handlung zweier voller Akte nur von Männern bestritten wird, ihn so mehr muffte der Schaffende bedacht fein. Kontrastwirkungen herauStreten zu lallen, die einzelnen Gestalten in ihrer Gcgenfätzlichkert in der Handlung zur Einheit zu »erbinben.
Mit der Ausschaltung der Perfon des Weibes muhte ein Ausgleich gefunden werden für den Träger des GcfühlSmahigen im Musikalischen. Dem im Tatendrang dahinstürmenden Manne ziemt es nicht, sich in weichen Kantilcncn zu ergeben; sein Handeln ist von wuchtigen Akzenten erfüllt, die sich in dem Erfassen und in der Stellungnahme zur Handlung erweifen. Seine stimmliche Aeuherung bedeutet Kraft unb lieber- legenheitsgefühl. Liegesgeist, der straff die Worte akzentuiert, ihnen rhythmifche, sprechen artige Energien zu verleihen vermag und die begrifftiche Drüike schlägt einmal zum szenischen Geschehen, zum andern aber zu dem. wie sich die Handlung im Musikalischen ausstrahlt. Denn zum Träger des Eigentlich-Mufikalischcn wird jetzt da« 3n- ftrumcnialc. das Orchester. In chm kommt das weibliche Element des Musikalischen zwar zur Geltung, wird aber dennoch stark beeinflußt vom ‘Banne der männlichen Kraft des Rhythmus, der besonders im ersten Akte zu großen Steigerungen sich entwickell und unter dessen Wacht sich die Leitmotive als motorische Impulse erweisen.
Und dertnoch. die deutsche Wännlichkell ist nicht denkbar ohne das deutsche Gemüt. Richt Weichlichkeit. nicht Sentimentalität im welschen Sinne, sondern ein Gefühl der Hingegebenheit, oer Sinnigkeit im DechSltni« zur Ratur. Mag Earl Maria von Weber in seinem .Freischütz" den deutschen Wall» den deutschen Iägergcist bc-
Gießener Siadttheaier.
(Gastspiel deö Hejsijchcn Landcsthcakcr«: Richard Wagners „Siegfried".
Ucber dem Schaffen des „S i e g f r i c b" lag ein Verhängnis wic über keinem Werke des Nibelungen-Ringes. Noch im Jahre der Vollendung der Partitur der „Walküre^ (1856) beginnt der Meister bk Komposition des „Siegfried". Wie sehr die arbeit ihn fesselte, dafür zeugt seine 2Ieufjerung cn Liszt. „Sonderbar! Erst beim Komponieren geht mir das eigentliche Wesen meiner Dichtung auf, überall entdecken sich mir Geheimnisse, bic mir selbst bi» dahin noch verborgen blieben. So wird mich alles viel heftiger und drängender." Wenn auch gesundheitliche Storungen die Schaffenskraft zeitweilig beeinflussen, so kann er doch im Mai des fol- genben Jahres die Vollendung des ersten Aktes melden als „wohl geraten unb schöner gelungen al- alles. Ich war selbst erftaunt dah ich das alles habe zustande bringen können." Noch im gleichen Monat nimmt der Meister den zweiten Akt in Angriff, da erfährt sein Schaffen eine jähe Unterbrechung. Verhandlungen mit dem Derlagshaus Breitkopi & Härtel zerschlagen sich, weil der Verlag an der Auftührdarkcit des Ringes zweifelte unb ihm die Honorarforderung Wagners zu hoch erscheink Da aber der Verlag bereit ist, eine „einfache" Oper zu übernehmen, so wendet sich Wagner dem Tristanstoft zu und bricht schweren Herzen» die begonnene Arbeit ab. ,Zch habe meinen jungen Sieg trieb noch in bic schöne Waldeinsamkeit geleitet, bon habe ich ihn unter der Linde gelassen und mit her; liehen tränen von ihm Abschied genommen — er ist dort besser dran al» anderswo " Erst acht Jahre später vermag Wagner sich wieder an das Werk begeben, und im Jahre 1869 kann er seinem Freunde Pusine 11 i aus der Sphäre des Irieb- ichener Liebesglückes mitteilen: „An dem Tage, an dem mir Ueberglückllchen ein schöner Sohn geboren wurde (Siegfried Wagner) vollendete ich die Komposition des „Siegfried". Ein unerhörter Fall! Keiner hat geglaubt, daß ich dazu noch kommen würde. Und nun mutzt du diesen letzten Akt hören, die Erweckung der Brünnhilde! Mein Schönste»!" Mögen bic äußeren Verhältnisse bei der Unterbrechung mitgesprochen haben, nicht zu übersehen sind aber die Hemmnisse und die fehlenden (Erfahrungen, die ihn erst reif machen mutzten, das Hand- Inngsgeschehcn nicht nur als Dorgang zu erleben.
Während bc« Fiuge» teilte ich da« Leutnant Shelfon mit Ich schrieb ihm auf einen Zettel: .Zwei Richtungen stehen un« offen. Wir find letzt oberhalb bc« Sturme«. Dort unten können wir landen unb ab wart en. bi« er vorüber ist. Könnten wir bann aber wieder auf steigen? Fliegen wir weiter, bann werden wir auf den Sturm treffen unb vielleicht niemals wieder einen Landungsplatz finden. Wollen Sie allo jetzt landen?" Eyellon mit feinet stollchen Ruhe überlegte, auf feinem Sin hin- unb berrückend. Ich konnte feine Schultern ein paar Zoll über den Od- tonf« lich bewegen sehen. In weniger als einer Minute schrie er durch ba« Sprachrohr zurück^ .Ich bin bereit, weiter zu fliegen und e« zu versuchen' Das war auch mein Wunsch
Dir w.'.rcn fchoic dreizehn Stunbcn in der Lust, lange genug, um müde unb steif zu werden. Der eigentliche Forschung-teil untere« Fluges war vorüber Das Wetter vor uns verbot stärkeren DctriebSstofsverbrauch. al« von bomberein festgesetzt. Meilen offenen Wallers waren am Ende unserer Flugreise noch zu überqueren. Au» der anderen Seite lag unter un« ein schöner Landung-Platz. Ta« nördliche Grant- Lond ist ein wahres Iägcrparadie«. Wir hätten dort unschwer leben fßnnen, unb wenn un« der Ausstieg nicht mehr geglückt wäre, fo hätten r einen vergleichsweise bequemen Marsch na<-. Rordwesten an treten können. Die berittene Polizeistation auf der Dachc-Halb- infel liegt gegenüber Stah. Don dort hätten toir notfalls mit dem Doot zurücklehren können. Aber ein wahrer Flieger hängt — wie der Seemann an seinem Schiff — an feiner Maschine. Wit zukünftige Nordpolslüge auHgeführt werden müssen.
Ich bin jetzt sicher, datz erfahrene Männer den Flug von Grant-Land nach dem Rorch- pol au«fuhren könnten, indem sie ihn unter- weg« unterbrechen unb Lotungen vornehmen. Sic könnten bann von ©rant-Öanb nach Darrow auf dem Luftwege zurücüehren. abermals 500 Meiler vor Darrow unterbrechen unb loten unb sodann ohne allzu grafte« Risiko die Fahrt beenden. Aus diele Weise hätte man eine allgemeine Dorstelluirg von den Umrissen de« arktischen Ozeans gewonnen. Warum wir in diesem Jahre ben Flug nicht unterbrochen unb Lotungen vorgenommen haben, glaube ich klargelegt zu haben.
Don Darrow au« führten wir eine für 2600 Meilen au« reichen de Last mit, also eine verdreifachte Rormallast. Um jenen Zeitpunkt. al« unsere Delastung nur noch die Hälfte der normalen ausmachtc, hatten wir ein Gebiet passiert, tn dem Lotungen besonder« wünschenswert ftnb. Dei den erwähnten künftigen Flügen wird es notwendig sein, für nicht mehr als 1300 Mellen Brennstoff mitzuführen. Dann würden sich Landungen nur mit der Hallte jener Last zu vollziehen brauchen. Wir haben bewiesen, haft niedrige Temperaturen nicht notwendig bic Flugzeugsübrung stören müssen unb dast Maschinen sehr wohl in ben arktischen Verhältnissen ohne autzergewöhnllche Erleichterungen sich bewegen können, wenn sie nur nicht bi« zur äuftetften Grenze ihrer DelastungS- fähigkeit in Anspruch genommen finb.
Es darf noch gesagt werden, daft wir drei Jahre brauchten, um die notwendigen Erfahrungen zur Ausführung unseres jetzigen Fluge« zu sammeln Trotchew möge man nicht glauben, daft untere Ausrüstung nicht schon im Jahre 1926 alle« enthielt, was wir jetzt für nötig befanden In diesem Jahre waren auch bic Wetterverhältnille mindesten« die gleichen, wenn nicht sogar schlimmere Aber die Arktis ist eine Herrin, die sich nicht mit leeren Gesten
1825-1925.
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Auhllug tnülammnacbb« 5°« (Sicht, btt ftunnifttm fstun tlbmarld) ooret: 8 Uhr vüntiliib oe ecfaüuenbfln«. *
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Jungen haben: dieses stille Raunen, diese«. Lauschen auf den Pulsschlag Im Wald, dieses Offenhalten von Auge. Ohr und Herz gegenüber dem Weben In der Waldeseinsamk.'it. das hat Wagner im zweiten Akte bc« .Siegfried" erschlossen.
Devbachtung der Ratur und H'.ngegcbcnheit an sie führt Siegfried auf die Frage nach seinem Woler. unb bei den Däumcn im Walde richtet sich fein Denken wieder auf Vater und Mutter. Unb nach der Vollbringung größter Taten im Vollgefühl der Kraft, da ift eS die Stimme der Ratur. die ihm ben Weg weist, zunächst im gefühlsmähigen Ahnen, ber Zug »um Weibe. Unb die Raturkraft der Liebe läßt chn jedes Hindernis überwinden, konventionelle GÄundenheiten werden )crld)lcgen wie der Speer Wotans, das Symbol der Verträge. Die wabernde Lohe wird durchschritten, denn im dunkeln Raturdrange, im unermeßlichen Sehnen kennt der Held keine Einschränkung. Und doch, es ist kein sinnlicher Trieb, sondern etwa« Heiliges, was chn bewegt. Und wie er der ..Wun'chmaid gegen übersteht, da ergreift ihn ein weihevolles Schauern, ein Gefühl, da- et in seiner dah in stürmen den Tatenkraft nicht kannte, fein Ahnen wird zur Gewißheit, er steht vor ber höchsten Erkenntnis feines Ich«, feiner Männlichkeit. Er hat ..bas Fürchten" gelernt, das innere Erbeben' nicht aus Kleinmütigkeit heraus, fonbetn auf der Höhe des menschlichen Daseins- aefüHls. Da wird er zum Löstet für Drünn- Hilde sie gibt ihre Gottheit auf und folgt mit ihm dem Rufe bet Ratur und wird zum Träger der höchsten Aufgabe der Ratur: zum
Sv bcbcutet bic Darstellung der Titelrolle eine ungemein schwierige Aufgabe für ben Sänger, tiefstes Erleben ber Gründe des Mensch- unb Mannnleins. das nie durch schauspielerische Pofe und die raffinierteste Technik zu erfchliehen sein wird, sondern nur durch Hingabe der vollen Perfönlichkeit an das Werk. Der Stimmriefe, mag er technisch noch so geschult fein, wird nur ein Spieler bleiben, der feine Rolle durchsü^t, solange er nicht auch innerlich gestaltet, Harry Schürmann (vom Stadtthcatcr in Mainz, vermochte als Siegfried völlig zu überzeugen. Zu wuchtigsten, stärksten Akzenten In ben Schm'.edeliedrm fähig, war er im Waldweben des zweiten Aktes voller lyrischer Hingabe unb Weichheit unb erwuchs im letzten Akte zu fieg-
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