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Nr. 105 Erster Blatt

178. Jahrgang

Sreitag, 4. Mai 1928

8rfä)ci*i täglich, autzr- Sonntag» iwb ^«ierteg»

Beilegen tBUßena ^amdtenbltoei Heimat >m Stlb Di» Scholl,

Bleeai»*BejigiFiet«; 2 91,td)smarb and 20 9irt<b»Pfennig |«r Irdge» lohn, anch bet Dufter- scheinen etnjelncrtlummeni Infolge höher,, ®<toalt Fernsprechanl chlAss»: 61, M und 112 ln|4)rifl Hh vrahrnach» richten Bnjelgerlefcee.

pol|0e<ftonto: freiffirt am Main IIBM.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Vrvck »Ad Verlag: BrtNW Uetoerfitäts-BH*- and Stetaönidcrd L Lange tn Sicken. 5christ!ett,ig SeschäftrsteZe: Zchulftratze 7.

leeegmc oon Bnjriacn für bit lagcsnummer tn» jum Nachminag vorher.

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Dr Fnedr YBilb Uonge. Tcranttporthd) für Del i h Dr Jrt Wilh (?ange fLr Feuilleton Dr h ubnnot, für den übrigen Heil Ernst »lumfchetn, für den An­zeigenteil Nur« ftiDmann, lümtltch in ®t»b,n

9er Aeichsinnenminister jur Entscheidung des Reichsgerichts, «rößic L-achfamkeit gegenüber dem Roten ^rontlämpferbund.

Berlin. 3. Wal. (XU.) ReichBitrnenmMisier Dr oon Re u b e 11 sprach In einer -ffentlichen Dersammlung der Deuifchnationaten Dolkspariet In Lbarioitenburg über politische Tagesfragen und führte u. a. aus Für bie Reichsreaieinrng gibt t* nach ber Derfaffung wenig Wbglkchteit-n, gegen milttürtsche unb revolutio­näre Bereinigungen vorzugehen. Sine biefer Möglichtelten schien bisher bas B e - pudiikschuhgesev -u geben. Diese Möglich- feit ist nach bem Spruch unseres höchsten Ge­richtes in Fortfall gekommen. Wir wollen eS begrüben, bah biefe Klarheit liebet heute als morgen cingetrelen ist. Um so gröber ist bic Derantwortung ber Cänbcr, tn erster Linie ber preußischen ötaatÄregierung gegenüber bem Treiben des Rotfrontlämpsetbunbes. Seien Sie über-eugt. baß bie weitete Sntwickelung aus diesem Gebiete, solange ich eine Verantwortung zu tragen habe, auch von mir mit höchster Auf­merksamkeit weiter beobachtet werden wirb. Die .Voss. 3tg." hat bie Behauptung ausgestellt, Ich Mite vor meinem Vorgehen mich mit bem Reichsgericht In Verbinbung gesetzt unb mich bamlt eines Stnarisses in bie richter­liche Unabhängigkeit schuldig gemacht. Es ist selbstverstünbUch, bah ich mich weder vorher bei dem Reichsgericht erkundigt habe, noch un­mittelbar oder mittelbar auf irgendeine Weise versucht habe, auch nur eine Spur der öintoirfung auf den Spruch dieses höchsten Ge­richts zu versuchen. Das ,D. T." hat die Le­gende aufgebracht, die Vorbereitung meines Schrittes, Die Bearbeitung ber Denk­schrift. sei außerhalb des Ministeriums erfolgt unb stamme von P a r t e i f r e u n be n unb bergleicben mehr Diese Legende ist frei er­funden. Die Denkschrift ist vielmehr von den zustünbigen Beamten meines Ministeriums auS- flearbeitet worden

Wahlkundgebung derdeuischenAeformationsparkei

Berlin, 2. Mai. (XXL) 3m groben Saal deS RrikgervereinShaufeS sprach Hosprebiger D. Dt>f bring über baS Thema: .Was ber evan- gellsche Wähler wissen mub Seine Ausfüh­rungen wandten sich in erster Linie gegen bie Stellungnahme des Evangelischen Bundes der bekanntlich In scharfer Form vor der Zersplitterung deS Bürgertums durch Grün­dung neuer Zwergparteien gewarnt hatte Wer wahrhaft am evangelifchen Glauben hange, der dürfe eS nicht mehr länger mit ansehen, wie seine Belange von den sogenannten groben Parteien in eine Shene mit allen politischen unb wirtschaft­lichen Fragen gestellt würben unb bann auS irgendwelchen Rücksichten womöglich hinter diesen zurück stehen mühten. Tie Deutsch­nationalen hätten von vornherein in der letzten Koalition den KonkordatSfordcrungen deS Zentrum« ein klares .niemals" entgegensetzen müssen, bann hätte sich baS Zentrum auch tn ben Sinzclfragen des Schulgesetzes nachgiebiger gezeigt. Bei der Stellung der Deutschnationalen Volkspartei aber hätten die Katholiken kein son­derliches Interesse an einem Gesetz haben können, da« ihren Wünschen nicht genug entgegenkomme, da sie ja bei einem Konkordat viel besser fahren» würden. Die Deutsche Dolkspartei be­tone immer ihre konfesfionelle Neutralität; für einen rechten Protestanten gäbe eS aber In reli­giösen Fragen keine Reutralität, sondern nur eine ganz positive Stellungnahme. Die übrigen Parteien betonten entweder ganz einseitig wirtfchafUiche Interessen oder stünden dem Glau­ben feindlich gegenüber. So sei nicht« anderes übrig geblieben, al« aus ben alten Parteien auS- Autreten unb einen neuen Weg zu suchen indem man sich mit den Kreisen verbündete, bic auch der Meinung feien. Vast ber prolestan ifchc Glaube die Cr.iobläge eine, jeden LI deraufbauS unsere« Vaterlandes sei unb deshalb vor alle wirtschaftlichen u d fonstigenFragen gestellt werden müsse. Diele Kreise feien die Konservativen und die Völkischen, mit denen man sich zum Völkisch-Rationalen 2)1 o d zusammengefchlossen habe.

Reichswahlvorschlag der Volksrecht-Partei.

Berlin. 3. Mai. (XXL) Auf bem Re ich s- wahlvorfchlag ber Bollsrccht^urtci <Reichspartei für Bolisrecht und Aufwertung» stehen an der Spttze u. a.: Oberlandgerichtsprä ident Dr. Best. Darmstadt, W. b. R.; Graf von P o s a b o w - ski, Staatssekretär a.D. in Raumburg; bic bisherigen Reichs.agLabgeordneten ©eiffert unb Dr. Roh; ber Rentnerführer von So­lo m b in Kassel; Kinzebach . Frankfurt a. M.. Vertreter der Re:ch-;banlg;äubigrr; ©:natspräfi- bent am Reichsgericht Dr. Lobe m Leipzig: Amtsr chter Schneider Dor'irender des Rentnerbundes in Rurnberg: Oberbürgermeister a. D. 6 ; c g r i ft in Karlsruhe; Landger.chtsrat Dr. Schmidt als Vertreter der inflations- geschädigten HauSd:''i"er.

Cfre etnann in Heidelberg.

Berlin, 4. Mai. (Priv.-Tel.) Reichcminister Dr. ©trefemann ist am Donnerstagabend nach Heidelberg gefahren, um am Samstag in einer

Oer Colmarer Auionomistenprozeß

Colmar, 3.Mai. (WB.) Del ben heutigen Verhandlungen im Autvnomistertprvzeh erklärte R i d 11 n aus eine Frage des Vorsitzenden, dah er bei ber zweiten Gründungsversammlung deS HeimatbundeS dasür gesorgt habe, dah bie Worte .im Rahmen Frankreichs" In baS Mani­fest aufgenommen wurden. Auf die Frage de« Vorsitzenden, was baS SNah wolle, antwortete Ridlin: .Die Verwaltung-- unb gesetz­geberische Autonomie." Dann läßt Der Vorsitzende einige Briese verlesen, bie Ridlin im Marz unb Mat 1926 an einen gewissen Rihe geschrieben hat. 3n einem dieser Briese befindet sich jene in ber Presse oft zitierte Stelle, dah man ben AuSdrud .im Rahmen Frankreichs" ja eine« Tage« fallen lassen könne. Der zweite Dries, batiert vom 3. Mai 1926. enthält eine Begründung. weShalb in dem Heimatbunb- manifest da« Wort .Im Rahmen Frankreich«" aufrecht erhalten werden müsse. Der AuSdrud müsse deshalb aufrecht erhalten werben, weil man sonst, da der Heimatbund kelne politischc Partei sei, dem Staatsanwalt bic Möglichkeit an bie Hand gebe, gegen bie Heimatbundbewe­gung wegen Hochverrats vorzugehen unb außerdem deshalb, weil nur in diesem Falle b i e Beamten sich der Helmatbundbewegung an- schliehen könnten. Ridlin ertlärte zu bem ersten Brief, bie Gedanken RiheS seien ihm gefährlich erschienen und um Rihe zu beruhigen, habe er cS für richtig gehalten. sozutun.alSober seine Gedanken völlig teile, um ihn in vernünftige Dahnen leiten zu können und ihn allmählich wieder zur Vernunft zu bringen. Sr habe nie daran gedacht, bie Beamten etwa deshalb für den Heimatbund zu werben, um sozusagen d l Staatsmaichine z u zerstören, wie e« eine Frage deS Vorsitzenden gewlfsermahcn unter­stelle. Der Vorsitzende fragte: .Sie waren sich Darüber klar, dah Sie sich Verfolgungen auSfetzten, wenn Sie bie Worte .Im Rahmen Frankreich«" möglichen? Ridlin antwortete mit 3a. Ridlin tritt bann Den Beweis bafür an. bah die Formel .im Rahmen Frankreichs" sei­ner bisherigen Ansicht entsprochen habe. Zum Bewcife läht er einen Bries an Rihe vom 17. Mai 1926 verlesen, in dem es heißt:

Wir erblicken die Rettung in ber politischen Autonomie, damit wir uns seibsl regieren können, aber der politische Zusam­menhang bleibt. Zu diesem Zweck muh Frankreich In seiner Verfassung 11 en Gerungen vornehmen.

Ferner verweist er auf einen von ihm im Ok­tober 1919 in deutscher Sprache an Willerand ge­richteten Brief, der beginnt: ..3ch erkenne mich mit der rückhaltlosen Einverleibung des Elsaß in den französischen Staat alS vollendete Tatsache einverstanden." Zum Schluh ruft Ricklln au«: ..Ich bin ein guter Franzose, aber ich bin ein Pazifist."

Zu Beginn ber RachmittagSsitzung erklärt« Rechtsanwalt 3 a e g e l e . e« hanbele sich doch hier um einen Propst wegen Komplottes bzw. einer Vorbereitung zum Komplott Man müsse also zur Sache kommen unb beispielsweise den Ange'chuldigten Schall fragen, wieviel Mitglieder bie Autonom!stenpartei zählt. Denn wenn die Witgliebschaft zu dieser Partei, die etwa 500 Mitglieder gezählt habe, ein straf­bares Verbrechen fei. bann mühten alle jene 500 auf ber Anklagebank sitzen, nicht aber nur Ridlin. Aus bie Frage eines An­wälte«: ..WaS hätten &ie gemacht, wenn Sie geglaubt hätten, bah bcutschcS ober frem­de- Geld bic Bewegung unterstützte?" ant­wortet Ridlin:

Denn ich geglaubt hätte, veutfchland zu dienen, würde ich für die autonomistifche Sache keinen Schritt unternommen haben. 3d) er kläre darüber hinan», dah, wenn die Deutschen oder andere Ausländer Gelder In die Bewe­gung hincingesleckt hätten, dieses Geld zum

Fenster hinau»geworfen gewesen wäre."

Ricklin präzisiert zum Schlüsse seiner Aussage, er habe |eit dem Kriege nicht einmal mit Irgend einer ihm bekannten deutschen politischen Persönlichkeit Fühlung genommen, (fr habe nicht einmal seinem Freunde Dr. W i r t h, der doch cm Pazifist sei, auch nur einen einzigen Brief geschrieben.

Alsdann beginnt die Vernehmung bes Angeklag­ten Schall, 29 Jahre alt, ehemaliger Redakteur bei der ZeitschriftDie Zukunft". Schall gibt über die Gründung dieses Blattes Aufschluh. Gr er­klärt, da), Programm der .Zukunft" sei gewesen, sich auf den Boden de» Versailler Ver­trag e» zu stellen, aber oon den Heimatsrech­ten Elsaß.Lothringens zu wahren, was zu wahren fei. Das Erstrebenswerteste sei gcroefen, daß das Elfaß das wieder erlange, was es vor dem Kriege gehabt Hube, nämlich die provinzielle Autonomie. Als Grundungskapital habe er, Schall, 80- bis 90 000 Franken für notwendig ge­halten Aber man habe fich mit der Summe oon ca. 30 000 Franken begnügen müssen. Sie hatte aber auch genügt, da für die Geltendmachung der Heimatsrechte im Elsaß Stimmung gewesen sei. Diese» Geld sei einwandfreier Herkunft, e» flamme oon fünf bl» sechs Personen aus dem Elsaß. Alsdann verliest Schall eine lange Reihe oon Artikeln der .Lukunst", die die Tendenz des Blat­tes bezeugen sollen, so aus dem ersten Satze der ersten Nummer:Wir lehnen jede Befreiung durch Deutschland ausdrücklich ab." Alle Antworten auf deutsche Aeußerungen bekannten, daß das Elsaß nur innerhalb des französischen Staates seine Heimatsrechte geltend zu machen bestrebt sei. Die weitere Verhandlung wurde auf Freitag ver- tagt.

Festsitzung der Heidelberger Univer- J i t ä t gleichzeitig mit dem amerikanischen Bot­schafter S h u r m a n das Diplom der Ernen­nung zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät aus den Händen des Rektors entgegen- xunebnun. Der Außenminister wird lautDAZ." bei dieser Gelegenheit eine bedeutsame politische Rede halten.

Die Äeugfiederung des Reichs.

Tas Programm Höpkcr--lsLoffs.

Mannheim. 2. Mai. (XXI.) 3n einer demo­kratischen Wablrersammlung sprach am Mitt­wochabend der preußische Finanzrnini- ster Dr. Höpker-Aschofs über die poli ische Lage, wobei er besonders auf die Frage der Neugliederung de - Reiches einjing. Die bisherige Entwicklung habe gezeigt, dah der bundesstaatlich« Aufbau des Reiches überlebt fei. Bei einer starken Reichsgewalt sei bic Son- derpolitik Ta em« z. D. in den Nachkriegs- jähren nicht möglich ce^fen. Die ä lein- staaferei mit ihren Zwergparla­menten schädige den Gedanken de« Parlamen­tarismus außerordentlich. Die den.okra.ische An­sicht vom Neuaufbau des Reiche- bestrebe eine starke Reichsgcwalt. einen Reichsrat au- Bertre.ern der Reichsprovinzen.einen Reich-tag und im übrigen die Ginteilung des Reich-gebieles in gleichmäßige Ver­waltungsbezirke etwa in der Größe der jetzt abgegrenzten Landecarbeitsämter. Für Süd- Westdeutschland sei vielleicht eine Zusammen­legung der Pfalz, Badens und Würt­temberg- zu einer Provinz möglich. Diesen Provinzen müßten erweiterte Rechte, besonders auf dem Gebiete der höhern Schulen gegeben werden und im übrigen die Verwaltung nach den Grundsätzen der Selbst- vcrwaltung erfolgen. Das parlamentari- s ch e System sei nur für das Reich brauch­bar. Der Gedanke des Ginheiisstaa'.es gewinne immer mehr an Boden, und zwar aus wirt­schaftlichen und politischen Beweggründen. Er sei einer der demokratischen Grundgedanken der inneren Po'.ilik. Aus dem Geb.ele der Außen­politik oeriolge die Partei eine Verständi­gungspolitik. um vor allem das Repara- tionsvroblem zu einem günstigen Ende zu übten. Eine demokra is -e Handels olitik werde die Be­seitigung de Zollmauern anstr ben und die ^e nokratische Kultur oiitik die innere Freiheit des Menschen zum Ziele haben.

Oie Verwaliungereform.

Zusammentritt des AueschusscS ber Länderkonsercnz.

(Eigene Drahtmeldung des .Gießener Anzeigers".

Berlin, 4 Mai. Der von der Länderkon- f e r e n 8 eingesetzte Ausschuß für die Der- sassungs- undDerwaltungsresorm ist zu einer kurzen Tagung zusammengetreten. Seine Aufgabe besteht darin, wie schon aus seinem Nomen hervorgeht sich mit Derfassungs- und Ber- waltungsfragen zu beschäftigen und Vorschläge auszuarbeiten, die die Landerkonferenz als Unter­lage für die von Ihr zu leistenden Arbeiten benutzen kann. Angesichts der Kürze der Ausschußberatungen dürfen Ueberraschungen kaum erwartet werden. Man wird sich v-eimehr zunächst eingehend mit den Fragen der Geschäftsordnung befafien. hier­bei handelt cs sich vor allem um die Frage, welches Gewicht die Stimme des Reichskanzlers als des Ausschußvorsitzenden bei der Abst mmung haben soll. Da den neun Stimmen der Reichsrcgie- rung neun St mmcn der Länder gegenüberftehen, kommt einem Stimmrecht des Kanzlers besondere Bedeutung zu. Deiche Entscheidung getroffen wer­den wird, läßt sich noch nicht übersehen. Nach der lägt Rundschau" wird man wohl in Fragen der Geschäftsordnung dem Reichskanzler das ausschlaggebende Stimmrecht übertragen In sachlicher Beziehung wird in der heutigen Sitzung in der Hauptsache das A r b e i t s Programm feftgclegt, bestimmte Arbeitsgebiete abgegrenzt und in Verbindung i amit die Refe­rate vertritt werden. Vermutlich wird man sich im übrigen damit begnügen, alle Dcrsafsungsfragen beiseite zu stellen oder nur so weit auszurollen, als Meinungsverschiedenheiten von vornherein ausge­schlossen sind. Am wichtigsten ist dagegen die V e r roaltungsreform, die schon seit Jahren im Brennpunkt öffentlicher (Erörterungen steht und deren Rotwend oleit nicht bestritten werden kann Das dos deutsche Volk verlangt, ist ein reidungs- loses Funktionieren der BcrroaUung im Reich, in den Ländern und in den Gemeinden, ferner rin flottes und sicheres Arbeitstempo unter Vermeidung oon überflüssiger Bureauarbeit.

General Aobiies Aordpolfiug.

Dieglalta" über Lchwcdcn und Kinnland

Berlin, « Mai (DTB) Nach dem Bericht einer hiesigen Koresvondcnz au» otolp hatte (Gene­ral Nobile bei seiner Abfahrt von, Luftschiff- Hafen Seddin mit den Funkstationen In Stülp und im Luftschisshafen vereinbart, daß er möglichst in jeder Stunde seinen gegenwärti­gen Standort anaeben werde, so daß er für den Fall, daß er im Nebel oder schlechte» Detter feratc, durch eigene Peilung und durch Peilung rember Stationen stets in der Cope sein könne, festzusleUen, wo er sich mit dem Sch ff befinde Dicfe Absicht habe General Nobile jedoch nicht ver- wirklichen können. Die Italia" sei oon so vielen Selten angerufen worden, daß die Funkstation an Bord des Luftschiffe» zunächst über­haupt nicht dazu gekommen sei, die notqpentngftcn Arbeiten vornehmen zu können Alle möglichen Stationen, sogar amerikanische Groß- fta Honen, hatten versucht, mit dem Lustlch sf in Verbindung zu treten, ohne selbst die Möglichkeit zu haben, Nachrichten oon ihm auszufang i'ie letzten Meldungen, die nach der Ueberflicgung Stockholm» oon den deutschen Stationen ausaesan- gen werden konnten, lauteten dahin, daß an Bord alle» wohl sei, unb baß die .Italia" bei ver­hältnismäßig schwachen Gegenwinben auf nörd­lichem Kur» gute Fahrt mache. Am frühen Nach­mittag sei noch ein Telegramm Nobiles an seine Gattin in Stolp eingetroffen, in dem er kurz mel­det, baß an Borb olles wohl fei unb in bem er Grüße für bie italienischen Rameraben unb auch für bie beufschen Mannschaften In Stolp sendet.

Die .3talia überflog um 10.25 Xlbr Hors- sjärden. wo augenblicklich die Panzer­schiffe der Küstenslotte vor Anker liegen. Die Besatzungen traten an und brachten ein Hoch auf die ,31 a I i a aus Da« Luftschiff fetzte, von fchwedifch'n Marineflug­zeugen begleitet, seine Reise fort. Stockholm wurde um 11 XIhr erreicht. Wahrend des Fluge« Über Ttodholm wurde da« Luftschiff von fünf schwedischen Flugzeugen begleitet GS flog In ge­ringer Höhe, so daß man von der Slraf.ie au« alle Einzelheiten unterscheiden konnte. Der Kurs ging über Schloß und Gtadthalle. X« die .3talia" Stockholm passierte, sandte der Ehes der schwedischen Flugwasse, General Amundsen, ein Glückwunschtelegramm an General Robile. Durch eine Zeitung in Vorland sandte General Robile ein Telegramm an da« schwedische Volk, worin er seinen Dank für dessen 3ntereffe auSsprach. Roch am Don­nerstagabend hatte die Rabi^station der Stadt Härnösand eine gute Derftändigung mit der .3talia", die den ganzen Rachmittag über dem Meer dicht an der schwedischen Küste entlang geflogen ist. Run nach sechs Xlhr abendS wurde da« Luftschiff drei Distcmzmi- nuten östlich Holrnö-Gadd bei Xlmla gesichtet. Der Kurs war nördlich.

DaS ßuftf<hiff hat bann um 10 Xlhr abenb« die Gegend von Garnla Karlebl) passiert und ist in nördlicher Richtung weiterge'logen. (Die Stadt Garnla karleby liegt auf ber finni­schen Se.te deS Bott.nfchen Meerbusen«, in der Rahe des 61. ParallelkreiseS.)

Rachdem d:e .3talia den Bottnischen Meer­busen passiert hatte, nahm sie ü o er den Wäidern und Hügeln Finnlanc« Kurs auf Vardö. Die Funkstatio, Dardo er­reichte Freitag,rüh Derbindu ig mit bet3ta!ia \ Von Bord des Lustschif e« wurde berichtet, oaß die Ankunst m Vardö gegen 8.30 Xlhr vor­mittag« criolgen dürfte. G« herrscht ruhige« schöne« Wetter.

Oie Japaner in Ehina.

Schwere Zusammenstöße mit Truppen der L« darmee

Schanghai, 3.Mat. (ftabdblenff der III.) 3n 111 n a n f u st es ju einem ernsten Zusnm- menstoß zwischen japanischen unb subchincsiichrn Truppen getommeo. E» entwickelte sich ein re.il- rechte» Gri chl. bei dem es auf beiben Seiten bc- trüchtt che Verluste gab. Die Ursache dicsc» neuen Zw.schensalles ist noch nicht bekannt Von japani­scher Se te wirb behauptet, baß die Süblrnppen n Isinanfu japanische Laden geplündert hätten: die Lhinesen dagegen erklären, die japani­schen Truppen hätten bie gewaltsame Be­setzung der Bahnhöfe versucht. Die Lage l'k sehr ernst, doch wird hier überwiegend der Mei­nung Ausdruck gegeben, dah eine Beilegung des Zwischenfalls möglich fein wird. BUerbing» macht sich in gan) Sübchina eine starke Bewegung für eine gewaltsame Vertreibung der japanischen Trup­pen aus dem Schantunggebiel bemerkbar.

Reuter berichtet, daß die Japaner einen Kor­don oon etwa zwölf Me.ten mit etwa 2000 Mann um Tsingtau herum errichtet haben. 20CO Mann undisziplinierter Rordtruppen, die eine vicr- lefmiUien Dollar forderten unb droh en, die Stabt zu plündern, wenn Ihnen nicht das Geld ausge­händigt werde, seien entwaffnet und nach Rordchina verschifft worden. Ls heiße, daß die Ja­paner die Uebernahme der Kontrolle über Tsingtau für einen Zeitraum von drei Monaten beabsichtigen, bi» bie Lage normaler werde.