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Mittwoch, 4. April 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Nr. 8' Zweiter Blatt

auSstattete.

Früher pflegte man anläßlich eures Kanzler- Wechsels zu behaupten, daß Frau Dr. Str e s c- mann den Umzug in das Reichskanzlerpalais vorbereite, das größer und schöner fei und ihr,

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als die Villa des Außenministers. Man wird Viesen was den Ehrgeiz und die Willenskraft von Frau Käthe Stresemann betrifft teilweise mcht unberechtigten Scherz diesmal bestimmt unterlassen müssen, denn nichts ist im allgemeinen Wechsel und Wandel dieses Frühjahrs sicherer, als daß Dr. Stresemann auch weiterhin der Inhaber der Räume des Auswärtigen Amts bleibt, mit denen sich auch seine Gattin in­zwischen ausgesöhnt hat. Obwohl gerade der Außenminister immer wieder darauf hinwetit

machen können, wenn diese Kostbarkeiten den zu der Mission gehörenden Damen gehört hätten: das behauvleten aber die Russen auch nicht und weigerten sich trotzdem, die Koffer zu öffnen und die Wertsachen zu verzollen, was Italien fordern konnte, weil die Wahrscheinlichkeit bestand, daß die Russen die Perlen, Steine und Pelze zu Geld machen und das fürchtete man be­sonders damit in Italien Propaganda treiben wollten. Diele Tage lang lagen die Koffer auf dem Zollamt und wurden nicht ausgeliefert, die Russen beriefen sich auf ihre diplomatische Eigenschaft, die Italiener auf das Unerlaubte einer solchen Einfuhr unter diplomatischer Flagge schließlich wurde unter Protest der Russen der Komvromißweg eingeschlagen und die Hälfte der Koffer geöffnet. Dabei fand man die Perlen­kette und die wertvollen Pelze, die nun neben vielem anderem diskreten Eigentum der Russen der Oefsentlichkeit durch die Pressephotographen preisgezeben wurden. In allen anderen Fällen würde von diplomatischen Beziehungen nach einem solchen Vorfall nicht mehr die Rede sein -- aber die Russen protestieren zwar sehr laut, haben aber am Ende eine eigentümlich dicke Haut.

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oder vielmehr ihre Gattinnen in Europa gekauft haben, mit sehr hohen Zöllen.

Beim Eintritt in das Land, in das er ent- sandt worden ist, unterliegt das Gepäck, ia, das ganze Umzugsgut eines Diplomaten keiner Zoll­kontrolle. Ausnahmen gibt es immerhin. Cs war *. B. bekannt, daß die erste r u s s U ch c diploma­tische Mission, die unter der Führung des späte- ren Botschafters Worowski nach Rom tarn, in ihren Koffern wertvolle Perlen, Edelsteine und Pelze mitführte. Dagegen hätte man nichts

Hochschulnachnchten.

Der an der Universität Marburg neuerrich­tete Lehrstuhl für Prähistorie ist dem Direktors - assistenten am Römisch-Germanischen Zentral- Wuseum in Mainz und Privatdozenten an der Universität Innsbruck Dr. Gero Wer hart von Dernegg angeboten worden. Hofrat Professor Dr. Hans v.Haberer in Graz hat

Llmzug in der Wilhelmstrahe.

Reichskanzler mit großem Gepäck.-Das leichte Bündel des Junggesellen.

Gtresemanns letzte Zuflucht.Zollsorgen der Diplomaten.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

ck. Heuchelheim, 3. A-ril. Aus der hiesigen Volksschule werden in diesem Iahre 65 Kinder entlassen. Davon sind 40 Buben und 25 Mädchen. Die Konfirmation dieser Kinder findet am zweiten Osterfeiertag statt.

X Wiefeck, 3. April. Am Abend des Buß­tags lieh eine andächtige Gemeinde in unserer Kirche ein hohes Lied auf die Mutterliebe auf sich wirken, wie es aus den Rudolf Schäfer- schen Bildern ..Aus dem Leben der Mut- t e r in einer Reihe von Lichtbildern des Evan­gelischen Filmdienstes zu Auge und Herz spricht. Das Lied von der Heimat der Seele bildete die ^Oberleitung zur PassionsliturgieO Haupt voll Blut und Wunden" aus der Reihe Die Kunst im Dienste des Evangeliums". Echrift- iporte aus der Leidensgeschichte, gemeinsame Passionslieder und Gedichte von Konfirmandinnen begleiteten Bilder von Dürer. Holbein, Grüne­wald. Leonardo da Vinci, Rubens, Schnorr von Carolsseld und Rudolf Schäfer: dazu auch gute Wiedergaben aus dem Gebiet der Plastik von Adam Kraft und Michelangelo. Zu einigen wurden auch kurz erläuternde Dildbetrachtungen gegeben. So sind diese Abende sicherlich geeignet, neben dem Erbaulichen auch daS Dollsbildnerische ^^A^Nen-Buseck. 3. April. Aus Anlaß des Abschlusses seiner winterlichen Tätigkeit ver­anstaltete der Frauen missions - V e rein einen wohlgelungenen Unterhaltungs abend. Rach einer Ansprache des Leiters des Vereins, un- sereS Ortspfarrers Hartmann, in welcher be­sonders aus die Aufgabe und Bedeutung der Frauenmissionsvereine hingewiesen wurde, kamen einige sich in den Rahmen der Veranstaltung vortrefflich einfügende und von jüngeren Mit­gliedern des Vereins mit großem Geschick ge­gebene Theaterstücke zur Aufführung, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. Einige gemütliche Stunden bei Kaffee und Kuchen be­schlossen in üblicher Weise den schön verlaufenen Abend. w _

2g. Grotzen-Duseck, 3. April. Am Sonn­tagabend fand im Saale des Gastwirts Druck eine Schulen tlassu ngsfeier für die Kon­firmanden statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz beseht. Auch Kreisschulrat Fischer (Gießen) war anwesend. Rektor Inderthal begrüßte die Erschienenen und wies auf den Zweck der Veranstaltung hin. Im ersten Teil fangen und sprachen die Kinder von ihrem Gott- nertrauen und ihrer Liebe zur Heimat. In einer Ansprache brachte Schulrat Fischer zum Ausdruck, daß es für ihn und das Kreisamt von Wichtigkeit sei, einmal zu erfahren, was in einer solchen Veranstaltung gebracht werde. Er sei von dem Gebotenen sehr befriedigt und könne Kindern, wie Lehrern seine volle Anerkennung aussprechen. Darauf sprach er von der Bedeu­tung einer guten Schule für den Aufstieg des deutschen Volkes und von der Wichtigkeit guter

Beziehungen zwischen Elternhaus unb Schule. Der ft arte Bcluch der Feier lasse darauf schließen, daß dies in Großen-Buseck der Fall fei. Der zweite Teil handelte von der rechten Feier des Sonntags. Defonderen Anklang fand das TheaterstückSine SonntagSüberrafchung". Ob­wohl es große Anforderungen an die Kinder stellte, wurde es frifch und gefällig gespielt. Reben den Kindern gebührt der Lehrerin Fräu­lein Frei, die sich mit der Einübung große Mühe gemacht hatte. Dank und Anerlennung. In einem ©eiteren Theaterstückchen wurde von den Fortbildungsschüleriiinen gezeigt, wie wichtig für das Eheglück es ist, daß die Hausfrau daS Kochen richtig versteht. Der Posannenchor verschönte die Feier durch zwei Lieder. Der sicher erhebliche Reinertrag ist, wie der Rektor zum Schluß bekannt gab. zur Beschallung eines Sichtbildapparates bestimmt.

: Beuern, 3. April. Nachdem die hiesige

daß er, in weiser Voraussicht, wie plötzlich man in der Wilhelmstrahe ..entbehrlich" werden kann, in den nun bald fünf Iahren feiner Amtsdauer als Minister feine Privatwohnung in der Tauenhienstraße immer beibehalten hat. so daß er also in der Lage ist. einem etwaigen Rach­folger sehr bald Platz zu machen. Einmal, wenn auch nicht jetzt, wird der Tag wohl kommen, an dem Dr. Stresemann wieder die Wohnung be­ziehen wird, in der er als Deichstagsabgeord­neter gehaust hat. Man wird sich fragen, ob er mit feinen Ansprüchen anGeselligkeit im kleinen Kreise" sich nicht persönlich dort wohler suhlen würde als in dem offiziellen Palais, in dem seine Gattin die ganze Saison hindurch das ziemlich turbulente Gesellschaftsleben entfaltet bat. gegen das sich der Außenminister in öffentlicher Rede gewandt hat. Sicher ist jedenfalls, daß Stresemann als Privatmann nicht die reprä­sentative Lebensführung großen Stils fortsetzen wird. denn, wozu er sich heute widerwillig unter dem Zwang des Amtes und zum Schaden seiner Vermögensverhältnisse versteht, dazu wird er. wenn er wieder einmal in die alte Privat- wohnung umzieht, laum mehr zu bewegen fein. Wahrscheinlich wird er dann überhaupt die erste Gelegenheit finden, die ihm von den Aerzten feit vier Iahren anempfohlene Reife nach Aegyp­ten auszuführen. Auch Dr. G e hier hat bei feinem Llmzug persönlich gewiß das Haupt­augenmerk auf die Rotizen zu seinen inter­essanten Memoiren gerichtet und im übrigen sofort eine Erholungsreise angetreten.

Die neuernannten Diplomaten werden m nächster Zeit auch an ihre Heberfieblung denken müssen. Herr von Baligand, der neue Ge­sandte in Lissabon, lernt m der Zwischenzeit Portugiesisch und will bei seiner Ankunft die Sprache schon beherrschen. Wenn man ihm gc- glauvi hätte, daß die ersten Meldungen über

I seine Ernennung nach Lissabon aufgelegter Schwindel seien, daß er selbst viel lieber in Berlin bleiben und Lissabon wahrscheinlich nicht unterhaltend finden würde, wie er jedem sagte, der es hören wollte, dann müßte der neue deutsche Gesandte in Portugal über den bevor­stehenden Umzug etwas unglücklich sein. Aber man kann zur Beruhigung das Gegenteil fest- ftellen und den Schluß ziehen, daß Herr von Baligand wirklich ein Diplomat ist. Vor kurzem hat der rumänische Gesandte R a n o , der jahrelang in Berlin akkreditiert war. Deutschland verlassen. Er hat bei seinem Umzug seinen kost­baren Besitz, seine Kunst- und Antiquitäten- sammlungen, die er überall auf seinen diploma­tischen Missionen zusammengebracht hat, nicht mitgenommen, sondern einem großen Berliner Auktionshaus übergeben, wo sie dieser Tage zur Versteigerung kommen. Natürlich liegt der Grund zu der Trennung von den liebgewordenen Dingen, die auch das Entzücken seiner Freunde bildeten (besonders einzelne Gobelins. Möbel, China- und Iapankunst). auf finanziellem Gebiet. Natürlich konnten auch die Gefahren und Kosten des Umzuges abschrecken, aber für Die letzten wenigstens kommt ja immer der Heimatstaat auf, und vom Zoll, der gerade für Kunstwerte über­all sehr hoch ist, ist der Diplomat durch feine Exterritorialität meist ausgenommen. Sein Hei- matftaat allerdings muh diese Exterritorialität

I die er selbst verliehen hat. nicht respektieren, und | so belegen z. D. die Amerikaner bei der Rückkehr

blau die Konturen des Eisengestänges der Brücke gemalt ist. klar wie mit Wasserfarben, wo Lehm- streifen im noch nicht ganz bewachsenen Userhang leicht aufsitzen, wo vieles leer gelassen ist, dem Aether zuliebe. Tausendmal klarer und weiter ist der Blick als in dem NebenbildchenBlick von der Butte" in das wieder die ganze Koloritpalette ein- gesttckt erscheint.Seine-Brücke" ist wirksam, aber für das gewittrige Motto zu leicht in der Technik. Heißer und stärker aufgesetztDas Haus in Arles , bas in der Jahreszeit Frühling und Sommer zu vereinigen scheint. So stark ist es im Licht unb in seinem Spiel der Farben.

Das Allee-HerbstmotivLes Aliscamps ist zu karg nur auf Fläche berechnet, eine zu wollige Tech­nik' Aus Hunderten von Farbenadern besteht das St WebenRotkohl mit Zwiebeln", einheitlich m der Wirkung wie eine Novelle. Bewegungstechmsch sind die hellblau gefüllten FigurinenDer Mäher" und Der Holzhacker" interessant.

Genial gewellt, aber zu literarisch, zu philoso­phisch für den Maler sind die BilderOlivenhain' undSteinbruch". Noch ein Blick auf die stürmi­schen Blütenkerzen der KastanieBlühender Ka- stanienbaum", die Dolden des BirnbaumesBlü­hender Birnbaum". -

Und dann beginnen vomWeißen Haus an Die abstrakten umnachteten Dinge. In diesem Bild hegt schon Blut in den Fenstern, die Sonne beginnt zu kreisen, das Feuevmeer gibt den Bäumen und der Landschaft jenen wahnsinnig-großartigen Kurs.

Wie zu Faust II., weil er an Bühnenwert geringer ist als Faust I, die Interpretation und Kommen- tierung einzusetzen hat, so müßte bei diesen letzten Bildern, weil sie malerisch hinter idealischer Kraft zurückstehen, die Biographie des Wunderlebens ixmGogh als gestaltender Ersatz beginnen

abgestumpfte Farben sind in ihr eingewebt zu inne­rem Licht'. _ ...

Einsamer Pflug" erinnert in der Technik an Heimkehr". Ganz mit Lichtgrau gedrosselt: Farben zeigen einen Pflug auf weitem Ackerfeld. Durch auf­gewühlte Konturen schwarzer Pinselstnche ist: das Ackerland in starker Bewegung. Zuaoenkopse (88/dll): das eine Bild trotzig, fast van Goghsche Selbstpor- träiphysiognomie, aus einem weißen Hintergründe ausspringend, das rote Käppi so frech, daß es nicht mehr auf dem Kopf sitzt, sondern an die linke Ge- ,'ichlshäliie obgerutscht ist. Das andere Portrat m abqeschliffenen Farben ruht behäbig auf seinem Hintergrund (Mauerstreifen neben Dhoengrun). Beide Bilder ornamental in den Uniformen der Zuavenbrüste. . m .... .

Dann das grausam - wahrhaftige Porträt Der Irrenwärtersgattin". Konturenhart hebt sich der Kopf auf dem grauen Hintergrund ab, der man sieht es in der Nähe aus schmutzig weißen und ; grünen Farbenfäden besteht. Nicht so verfponnen, aber mit hochgeschlagenem Kragen und stter geöff­netem Mund, noch eine Zigarette im Mundwinkel:

Der Einäugige". Das eine Auge, das heller steht Äs zehn, in der Bildmitte ... eine wasferhelle, grüne Kugel mit einem karminroten Punkt (Augapfel). Ein toller Bursche, der Einäugige.

Drei Seldftporträts: Am geputztesten das Nr. 18 (88). Tausend Punkte blühen als Hintergrund. 'Nr. 20 (88) aufgelöster, kränker, das Rot des Bartes nicht so steche ich auf der Erdfarbe seiner Bildwand. Ohne Nummer das Selbstbildnis im yenfter. Die Punkte des Hintergrundes zu einem Regenbogen, zu einer Kolorit-Sonne geformt, von der sich der Kops abhebt. Auf das schön gemalte Gesicht sind noch einmal in haardünnen Strähnen Farben gelegt.

Le pere Tanguy", mit holländischer Bauernart fast puritanisch als Porträt zu einem phantastischen Szenenhintergrund: Wechsel japanischer Motive.

Die Frau mit dem Tambourin" ganz in franzö­sischer Art kokettiert auch schon stark mit grellem Kolorit. .

Start, ganz undramatisch, gekonnt aus Dem fran­zösischen Naturalismus heraus, kühn wie moderne Romane, sind die Landschaftsbilder:Die Zug­brücke" in der neu gewaschenen Fruhlingsluft. Wo die Häuser ziegelrot lachen und im kecken Dunkel-

Kvchfortbildungsschule unter Leitung der Kochlehrerin Frau Schneider von Großen- Buseck das abgclauiene Schuljahr mit einer Prü­fung beschlossen hatte, fand eine Ausstellung der im Handarbeitsunterricht gefertig­ten Arbeiten im Saale der neuen Schule dahier statt. Die Arbeiten waren klassenweise geordnet und zeigten erstaunliche Fortschritte der Schüle­rinnen auf diesem wichtigen Unterrichtszweig. Schon die zierlichen Arbeiten unserer Achtjährigen zeugen von dem Interesse, das die Lehrerin Frau Sommerlad ihren Schülerinnen beizubru-«en versteht. So konnte sie mit Stolz das Ergebrn« einer Jahresarbeit der Öffentlichkeit unterbrei­ten -- Arn Samstagabend fand im hiesigen Schulfaal eine Entlassungsfeier im Rah­men eines Elternabends statt. Zur Ent­lassung gelangen in diesem Iahre sechs Knaben und sechs Mädchen. Lehrer Edelmann richtete herzliche Worte des Abschieds an die aus der Schule ausscheidenden Kinder und gab ihnen Ermahnungen mit auf ihren Leben-Weg. Einige von den Schülern vorgetragene Gedichte, sowie einige Volkslieder trugen sehr zur Verschönerung der Feier bei. Zwei ernste Stücke aus der Steinzeit, sowie ein BühnenstückDer Gliicks- geber", von den Schülern gana vorzüglich her­ausgebracht. gaben dem Abend ein besonderes Gepräge und ernteten reichen Beifall. Dem Zweck des Elternabends, innigere Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus, dürfte man ein gutes

1 Stück näher gekommen sein.

wn. W e i ck a r t s h a i n, 3. April. Dieser Tage fand unter Leitung des Lehrers Reihl im Saal des Gastwirts Hock eine Abschieds - feier der hiesigen Konfirmanden statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz beseht. Die Feier wurde verschönt durch die Aufführung von zwei wohlgelungenen Theaterstücken. Ver­schiedene schöne Lieder wurden inzwischen ge­lungen und reizende Gedichte vorgetragen. Zum Schluß hielt Lehrer Reihl noch eine Ansprache und ermahnte die Konfirmanden für ihren wei­teren Lebenslauf.

-D Lich, 3. April. Da von nicht weniger als drei Seiten gegen die am Do-m^rstag, 22. März, vorgenommene Dürgermeister- wahl Einspruch eingelegt worden war,weilte gestern Oberregierungsrat Dr. Heß vom Kreis­amt Gießen hier, um Untersuchungen in der Angelegenheit vorzunehmen. Auf Grund des fest gestellten Materials wird nun das Kreisamt Gießen zu entscheiden haben, ob die jüngste Vürgermeisterwahl als gültig oder ungültig an- zuseAn ist. _ .

T Steinheim, 3. April. Riefer Tage fand im hiesigen Gemeindewald die einzige diesjährige Brennholzversteigerung statt, zu der sich eine verhältnismäßig große Zahl Kauflieb­haber eingefunden hatte. Obwohl der größte Teil der Ortseinwohner feinen Holzbedarf in den staatlichen Waldungen gedeckt hatte, wurden gegenüber Versteigerungen in der Umgegend außerordentlich hohe Preise erzielt. Buchcnscheit- holz, teilweise etwas anbrüchig, kam je Raum­meter auf 14 bis 17 Mk.. Buchenmischreisig kamen 4 Raummeter auf 10 bis 16 Mk., Duchenknüppel (Astknüppel) 12 bis 15 Mk.. Buchenstöcke 8 bis 9 Mk. Fichtenrundscheit kam je ein Doppelraum­meter aufxl3 bis 19 ML, Fichtenknüppel 10 bis 16 Mk.. Fichtenreisig 3 bis 6 Mk., F'chten- stöcke 4 bis 11 Mk. Eichenscheitholz kostete ,e

den Rus auf den Lehrstuhl der Chirurgie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf als Nachfolger von Professor Ed. Rehn ange­nommen. _ , .

Der durch die Emeritierung des Geh. Medi- zinalrats R. Beneke an der Universität Halle erledigte Lehrstuhl der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie ist dem Ordinarius l)r. med. Hermann Be i hke an der älniberfität Graz angeboten worden.

Der Lehrstuhl der Ehemie an derLeipziger Universität ist dem ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Zürich, Dr. Richard Kuhn angeboten worden. Der Privatdozent für deutsche Rechtsgeschichte, deutschesPrwatrechi, bürgerliches Recht, Handelsrecht und Rechtsver- gleichung an der Königsberger Universität, Dr. jur. Hans Oppikvser, hat einen Ruf als ordentlicher Professor der Rechtswissenschaften an die Handels-Hochschule Mannheim erhalten. Als Privatdozent für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten habilitierte sich in der medi­zinischen Fakultät der Universität Frankfurt a M. Dr. med. Hans Leicher, Oberarzt an ber Hals- und Nasenklinik, mit einer SchriftDie Vererbung anatomischer Varietäten der Nase, ihrer Nebenhöhlen und des Gehörorgans".

Der durch das Ableben des Prof. H. Prehsing an der Universität Köln erledigte Lehrstuhl der Ohren--, Hals- und Nasenkrankheiten ist dem ordentlichen Professor Dr. med. Alfred Güt - tid) in G r eif swald angeboten worden.

Professor Dr. Gregor Wentzel in Leipzig hat den an ihn vor einiger Zeit ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der theoretischen Physik an der Universität Halle abgelehnt.

Professor Dr. Iohann Sölch in Innsbruck hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Geograph an der Universität Heidelberß als Nach­folger des Geheimen Hofrats A. Hettner an­genommen. _

Das durch das Ableben des Professors Dr. W. Schachenmeier an der Technischen Hochschule in München erledigte Ordinariat für Statik der Baukonstruktion und Eisenbau ist dem Derzeitigen Rektor der Technischen Hochschule in G r az, Pro­fessor für Brückenbau Dr.-Ing. h. c. Georg Kapsch angeboten worden.

Der hochpolitische Akt der Reichstagsauf- | IBfung hat eine ziemlich alltägliche und sozu- I lagen private Kehrseite: in der Wilhelmstrahe und da und dort in den Ministerien werden einige Wohnungengekündigt" und müssen zu einem vorläufig noch unbestimmten Zeitpunkt von den derzeitigen Inhabern Mieter kann man I wohl nicht sagen - - geräumt werden Man weih, dah Bismarck, als er Die Wilhelmstrahe damals allerdings nicht wegen einer Reichstags­auflösung verlassen muhte, einigermaßen ge­drängt wurde, und daß schliehlich der Umzug mit einer Eile bewerkstelligt wurde. Die Den Reichskanzler, der jahrzehntelang in Der Wilhelm- ftrafk gelebt, gearbeitet und geherrscht hatte, lebhaft verstimmen muhte. Auch heute wird das Reichstanzlerpalais wieder frei. Es hat in Den letzten Iahren manchen Umzug erlebt, und Die Auguren Der Wilhelmstrahe pflegen aus Der Art und Dem Umfang des Mobiliars, das der .neue Mann" mitbringt, Schlüsse auf die mut- mähliche Dauer der Kanzlerschaft und des Kabinetts zu ziehen. Diese politische Wetter­kunde rechnet allerdings weniger mit Den Staats­männern als mit ihren Gattinnen Man erin­nert sich sehr gut. Daß seinerzeit ffrau ®r. Euno eine so vollstänDige Einrichtung ans Hamburg nach Berlin ins ReichskanzlerpalaiS mittiahm daß sie den unbedingten Eindruck desHier sind wir. und hier bleiben wir!" berDorriet Diesen Dillen zu einer mehrjährigen Kanzlerschaft Cuno trug Frau Dr. Cuno ungeachtet Der abmahnen- Den Vorsicht ihres Gatten zur Schau und man weih, daß in diesem Fall Die Auguren durch die Zeichen getäuscht worden smd. Em Junggeselle wie Dr. Wirth ist natürlich mit verhältnismäßig leichtem Gepäck eingezogen. Denn Die amtliche Einrichtung Des Reichskanzlerpalaiv ist ja vorhanDen: Der Hauptraum, DerKongreß- (aal in Dem Der Berliner Kongreß tagte, hat I heute noch dasselbe Ameublement wie m der Bismarck-Zeit, ebenso die übrigen Empfangs­räume. in denen sich unter Den Einrichtungs- acgenstänDen manches Erinnerungsstück befindet, und Der Reichskanzler selbst arbeitet am Schreib­tisch seiner Vorgänger. Der unverrückbar als Hort der Kontiunität und Der Tradition stehen bleibt. 2LÜ$ Dr. Marx zum erstenmal als Reichskanzler in Der Wilhelmstrahe einzog. hat er eine An- ordnung getroffen. Der er damals wohl nur vor­übergehende Bedeutung beimah: er hat von dem Recht Gebrauch gemacht, Bilder aus den Berliner Galerien leihweise zur Aus­schmückung Der Räume des Reichskanzlerpalais heranzuziehen, und er hat dabei gute Werke äl­terer religöser Kunst gewählt. Diese seiner be­stimmten Sinnesart entsprechende Aenderung hat er wohl dauernd im Bild Des Reichskanzler­palais eingefügt, und sie wird auch jetzt beim voraussichtlich endgültigen älmzug von Dr. Marr aus Dem Reichskanzlerpalais laum mehr verschwinden. Im iibrigen hat auch Reichs­präsident von Hindenburg beim Einzug seinem persönlichen Geschmack in Der Aus­schmückung des Präsidentenpalais Ausdruck ge­geben, indem er es mit Militär-, und Kriegs­bildern aus den Gemäldebeständen des Staates

San Gogh-Ausstellung in Frankfurt.

Diese Biwsammlung (der Galerie M. Gold­schmidt & Co.) ist mit knapp fünfzig Gemälden ganz privat und salonarttg. Zn nur drei Räumen hat sie eine äußerst intime Kraft. Sie bedeutet deshalb em (Ereignis für Süddeutjchland

Der Beschauer wird nicht eklektisch vorgehen und wie in efner großen Raumausstellung nur einzelne Werke beurteilen. Der Querschnitt des gesamten Schäftens Dinzent van Goghs ist in solch imponie­render Art gezeigt, daß man weder das brennende Bild des Olivenhains noch das metaphysische des Steinbruchs oder eines der Seldstporttats bevor- zugen Darf. Denn es sind ja noch da die unaus- spLchlich schöne Landschaft, oder die Gärten mit der arbiqen Punkttechnik, oder gar das Meisterstück I , Haus in Arles" mit dem Preußischblau eines feen­haften Himmels. Man suche keinen Mittelpunkt.

Pro Tag eins, oft zwei Bilder, ergeben für die Jahre 1888/89/90 (seine letzten Iahre) weit über Tausend. Neun Jahre nur hat van Gogh im Gan yn gemalt, und mm dies Kammers Piel vo.t fünfzig Bildern.

Aus Der Borzeit klassischer Tönung (niebcrlän di sch) ein paar Exemplare (1885/86), bei Denen im Stilleben mit Bibel" Die ersten Kolorite auffallen. Schwer, klotzig, leuchtend durch öldicke Farbslecke Der Stuhl von Gauguin". Ein Requistt von un­heimlicher Monumentalität, ganz die Apotheose sei- iies Besitzers. Ein Teppich mit farbigem Geblume. zieht fast ohne Perspekttoe bis zur Bildmitte, wo fein Rand abschneidet gegen eine dunkelgrün ge­fleckte Wand, ßints oben in der Biwecke eine offene Gasflamme, deren Licht m einem Scheibenkreis ein = gesperrt ist fonnengelb wie Das eine Der Bücher, die auf dem Stichlsch liegen.

Zu Eck hängt ein konträres Gegenstück seines Schaffens: .Heimkehr". Zartblauer Ton, fast zeich­nerische Malerei, selbstverständliche Perspekttoe ge­statten Das Motto vornehm wie in einem Gobelin. (Heimkehr eines Daueruehepaares. Die Frau reitet auf einem Esel.) Die emsige Strichtechnik der Piusel- sührung ist aufgegangen in Der Landschaft. So viel