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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr.2l0 Driites Blatt

Samstag, 3 November (928

Geschichten aus aller Welt

34. Fortsetzung.

Nachdruck verboten.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Dreistundentag in Japan.

(c) Tokio.

3n 3ojxm wurde jetzt der Dreiftundentag ein­geführt. Das klingt kaum glaubhaft: sind doch dre Japaner als ein äußerst fleißiges Doll be- kannl. Lind doch ist dem fb: die Japaner haben den Dreistundentag eingesührt. Allerdings nur für Dettler. Auch dort, im Lande der ausgehenden Sonne, halben sich nämlich die Dettler nach amerikanischem Muster organisiert, und der Dettlerreichsverband" ist bestrebt, di«materiel­len und moralischen (I) Interessen" seiner mehr als zahlreichen Mitglieder mit allen erdenklichen Mitteln zu fördern. Die Einführung des Drei­stundentages geschah zum Schuhe der materiellen Interessen. Es gibt eben zuviel Dettler in Tokio, und die Herrschaften gefährdeten sich gegenseitig die Existenz. Der Dettler vergeudet mitunter viel Zeit, da andere Kollegen die Frühauf­steher! das Feld vor ihm abgegrast hatten. Warum sich derartigen Reinfällen unnötig aus- setzen? Der Reichsverband sollte helfen, und er tat es denn auch auf geradezu vorbildliche Weis«. Run wurde Tottv in Reviere eingeteilt, und die Mitglieder der Dettlergenossenschaft dürfen nur die für sie bestimmten Bezirkebearbeiten", ganz so wie die Geschäftsreisenden. So wurde die Tageseinnahme gesichert, Arbeit und Zeit er­spart, und sogar dasmoralische Riveau" ge­wahrt. Es kann in Zukunft nicht mehr Vor­kommen, daß eine Hausfrau beim Anblick eines Bettlers verzweifell ausruft:Sie sind heute

Sie ihn am Rundfunk drüben verfolgt hatte? Er hatte sich nicht einmal von ihr verabschiedet.

Aber der Brief war so rührend, daß er den auf- steigenden Aerger niederdrückte. Sie schrieb, daß sie entlassen sei Quevedo habe jetzt eine bayrische Kapelle in Landestracht und daß sie krank sei. Aber Geld brauche ich nicht. Deswegen schreibe ich nicht. Das dürfen Sie nicht von mir denken! Kom­men Sie bald zurück?*

Natürlich noch echt weiblich eine Nachschrift, und sie enthielt das Wichtigste des ganzen Briefes:Es wäre gut, wenn Sie bald kämen! Ich glaube, es ist dringend nötig!"

Seid fällt vom Himmel

Roman von Paul Enderling.

Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.

Fahren Sie doch schneller!" schrie er den Chauf­feur an, der achselzuckend auf die Steigung und die Kurven wies.

Endlich stand er vor dem großen gelben Haus, das ihn fremd und feindlich anftarrte. Sein Atem ging stoßweise: plötzlich wußte er, daß etwas ge­schehen war.

All sein Mut verließ ihn, als er vor der Tür des Gartengitters stand. Es kostete viel Anstrengung, den Klingelknopf niederzudrücken.

Das Läuten der Gwcke war vom Innern des Hauses her deutlich in der Stille zu vernehmen. Angespannt lauschte er den Schritten, die sich end­lich endlich endlich hören ließen.

Der Diener, den er schon kannte, öffnete ein wenig die Haustür und fragte, ob eine Depesche da sei.

Nein, zum Teufel", schrie Grotteck.Erkennen Sie mich denn nicht?"

Der Diener trat heraus. Er hielt die Hand vor den Hals, und Grotteck bemerkte, daß er keinen Kragen trug. Das nahm ihm den letzten Mut, er wußte selbst nicht, warum.

Sie wünschen?" fragte der Diener mit dersel­ben Ruhe und Würde, mit der er oben in der Halle servierte.

Ist Herr Brodersen zu sprechen?"

Bedaure."

Aber es ist eine dringende Angelegenheit. Rich- ten Sie das aus." Die Ruhe des Dieners wirkte aufreizend, aber es galt, sich zusammenzunehmen. Schlafen die Herrschaften denn schon?" Die Frage war lächerlich zu dieser Stunde, aber er klammerte sich an die Möglichkeit, daß Brodersen sich nicht wohl fühle und deshalb keine Besuche empfangen wolle.

zurück""' ®rObrfen ift "och gar nicht

Zurück? Von wo?"

et < r,r -Fersen ist verreist. Mit dem gnädigen Fraulein.

Verreist? Wohin?"

"Bedaure. Das darf ich nicht sagen." Der Diener verneigte sich korrekt und ging zum Haus zurück, m?1 f*n«n schneller, als beim Servieren. Wußte dieser Mensch denn nicht, was er ihm eben gefaßt hatte? Stand ihm die Verzweiflung nicht auf dem Gesicht, das er erstarren fühlte?

(Fortsetzung folgt.)

Grotteck dachte: Wie beurteilt man mich denn setzt, wo die Kunst in die Binsen gegangen und Hausgebrauch geworden ist? Ach, ich fürchte, ich werde kein Examen mehr bestehen, sei es, was es sei.

Gott sei Dank war der Bahnhof in Sicht, und er konnte mit dem Versprechen eines baldigen Besuchs dem friedsamen Gespräch entfliehen und dem abseits gelegenen Bahnsteig der Kleinbahn zu­zustreben. Die langsame Fahrt schien kein Ende nehmen zu wollen. Er begleitete sie mit tausend Flüchen und wunderte sich am Ende, daß er über- Haupt noch in Niederstein aussteigen konnte.

Während er vor demFröhlichen Westpreußen" wieder den Braunen bestieg, zeigte ihm der Krug­wirt den russischen Maler, der bei ihm einquartiert war. Es war ein müder, welker Mann mit welt­fremden Augen und ebensolchen Manieren. Nein, der hatte keine schlimmen Absichten. Erleichtert nahm er sich vor, ihm, wenn er wicderkam, eine einer sauber aquarellierten Landschaften abzukau- en. Wenn er wiederkam ... Wann würde das ein?

Unterwegs auf der Chaussee überholte er den Landbriesträger. .Haben Sie was für mich?"

Der alte sehnige Mann mit dem Krückstock öff­nete bereitwillig die Ledertasche.Paar Drucksachen für die Mama", sagte er gemütlich. ,Ia, und ein Briefchen für Sie. Von einer Dame", setzte er schmunzelnd hinzu.

Inge! dachte Grotteck, und sein Herz schlug chm bis zum Hals.

Er drückte dem Alten ein reichliches Trinkgeld in die Hand und setzte den Braunen in Galopp, bis Pluto herangestürmt kam und das Pferd beinahe scheu machte. Erst als er in gelinderm Trab zum Herrenhaus bog, wagte er es, den Brief näher zu betrachten. Es mar eine fremde Schrift, eine un­ruhige, kleinliche, nervöse Schrift. Nie hätte Inge Brodersen so schreiben können. Aber der Stempel war aus der Stadt, die er verlassen hatte.

Er war froh, daß die Mutter im Garten be­schäftigt war und daß er nicht Rede und Antwort stehen mußte. 2Hs er sich in seinem Zimmer ein­geschlossen hOtte, riß er den Brief auf.

Enttäuscht ließ er ihn niebergleiten. Er war von Martha Rebmann. Wie kam sie dazu, ihm zu schreiben und ihn bis hierher zu verfolgen, wie

ift «uk weitere Angelegenheit, di« der regsten f <_.r. städtischen Stellen bedarf: um in dieser Hrnsicht nur «in Beispiel zu nennen, fei auf Die wiederholt angekündigte, bisher aber immer noch nicht durchgeführte Um- und Reu- gestmtung der Westanlage verwiesen. Zur Er- wagung geben wir ferner anheim, am Ausgang SeUersweges in der Richtung nach der Srantsurter Straße zu und an dem Straßen- kveuz Dahnhosstraße-Westanlage je einen Park- platj für Automobile zu schaffen, da über bi« letzigen Verbote des Parkens der Kraft- Wagen an diesen stark frequentierten Straßen- teilen lebhaft und Wohl nicht mit Unrecht ge- nagt toirb. Wär« es nicht möglich, z. B. die ohnehin nicht bedeutenden Anlagenzipfel beider­seits der Seltersweg-Torhäuser in Parkplätze für ^lvtos umzugestalten? Das Stadtbild würde wohl durch die Kassierung dieser turnen Grasslächen niq>t allzuviel verlieren, anderseits aber hätte man doch die Möglichkeit geschaffen, die Last­wagen an dieser lebhaften Verkehrsstelle parken zu lasten, ohne dadurch die Flüssigkeit des Ver- kehrs in den Skraßenzügen selbst zu behindern. Erwünscht wär« es für den Fahroerk.hr Wei er, toemi am Standort der jetzigen Richtungsschilder ns den Anlagen und in Den Ausfallstraßen für Dte Abend- und Nachtstunden beleuchtete W « g w « i s e r aufgestellt würden. Wiederholt haben toir die Wahrnehmung machen müssen, daß Kraftfahrer in den Abendstunden ratlos halten mußten, weil für sie nicht erkennbar war, m welcher Richtung sie ihre Wegstrecke durch die Stadt zu nehmen hatten. Wegweiser in Form von Glaskästen, ähnlich den Licht-Transparenten des Elektrizitätswerks, ausgestallet mit starkem G.as, entsprechender elektrischer Beleuchtung von innen her und mit deutlicher Beschriftung, toür* t>en von den Interessenten des Fährverkehrs llcherlich begrüßt werden. Zum Schuhe gegen Zerstörungen durch mutwillige Elemente könnte vielleicht ein Ueberzug der Kästen mit dünnem Maschendraht erfolgen. Bei der Aufbringung der Kosten für eine solch« Einrichtung dürften viel­leicht-di« am Verkehrswesen interessierten Or­ganisationen mit sich redien lassen. Auch bei diesem Wunschzettel an die Stadt haben wir heute nur einige besonders dringlich erscheinende Punkte verzeichnet. Wir sind sicher, daß deren Derwirllichung allgemeine Genugtuung auslösen wird.

mal ist, empfiehlt sie, eine Verbesserung der Be- leuchtung evtl, durch die Stadt Gießen herbeizu­führen, und zwar durch Wiederanbringung der an der Endstation der Straßenbahn früher befindlichen Lampen. Wir sehen allerdings keinen Grund da­für, daß die Stadt Gießen eine Verpflichtung auf sich nehmen soll, die von Rechts wegen nur der Reichsbahn als Grundeigentümerin obliegt. Jeden­falls wird man auch in dieser Hinsicht an den guten Willen der Reichsbahn erst bann glauben können, wenn man sieht, daß von ihr wenigstens die drin- genbftcn Notwendigkeiten im Interesse des Publi­kums erfüllt werden. Neben diesen beiden Taaesfor- derungen an die Reichsbahn stehen natürlich noch die weiterreichenden Forderungen, die eine U m - g e ft a 11 u n g unserer gesamten Dahn - hossverhältnisse von Grund auf zum Ziele hoben. Daß Die heutigen vielfachen Unzu­länglichkeiten in unserem Dahnhof, Die u. a. auch Darin zum Ausdruck kommen, Daß beinahe jeden Tag irgendwo im Dahnhof ein Wagen ent­gleist oder eine Karambolage erfolgt, in abseh­barer Zeit schon beseitigt werden, wagen wir einstweilen nicht zu hoffen. Die Reichsbahn muß sich aber darüber klar sein, daß Di« nach groß­zügigen Gesichtspunkten vorzunehmende Umge­staltung unserer gesamten Bahnho'sanlagen eine Forderung ist, di« seitens Der Gießener Bevölke­rung immer energischer erhoben werden wird, je länger Die Reichsbohnverwaltung Die Erfül­lung Dieser Aufgabe hinausschiebt. Für heute wollen wir auf Diese Seite Des Wunschzettels an Di« Reichsbahn aber nicht näher eingehen in der Erwartung, daß in ganz kurzer Zeit wenig­stens Die beiden obengenannten dringlichsten Tageserfordernisse ihre Erledigung finden.

Auch bei der Stadtverwaltung wären einige Wün'che vorzubringen. Zunächst mochten wir ein« beschleunigte Durchführung des ge­samten Ve r b e s se r u ng s p r o g r a m m s für unser« Straßenbeleuchtung emp­fehlen. Es kann nicht damit getan sein, daß nur einige Hauptstraßen beschleunigt eine umfangrei­chere Beleuchtung erfahren, es muh vielmehr mit allem Nachdruck auch Darauf hingewirkt wer­den, daß in den anderen Straßen und vor allem in den Außenbezirken Di« Straßenbeleuchtung so schnell wie nur irgend möglich erweitert wird. Die Neuherrichtung unserer Straßen durch umfassende Erweiterung und beschleunigte Durchführung des Strahenerneucrungsprogramms

schon Der Dritte!" Und sollte es ein Geizhals doch wagen, den organisierten Bettler so un­freundlich zu empfangen, wird er bestimmt zu Höven bekommen:Entschudigen Sie gefälligst, das kann nicht stimmen. Ich bin von meiner Ortsgruppe her geschickt worden, und bin der erste!"

Clara Bows Baler hal's nicht leicht.

(a) Neuhork.

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein da­gegen sehr. Die Wahrheit des Buschschen Sinn­spruches bekam vor kurzem der Herr Papa von Elara Bow au fühlen. Papa Dow besitzt ein kleines, bescheidenes Wirtshaus in der Provinz, dellen Geschäftsgang viel zu wünschen übrig ließ. Da kam der alte Herr als waschechter Ameri­kaner auf die Ide«, die Volkstümlichkeit seiner Tochter, der neuentdeckten roten Schönheit der Paramount-Gesellschaft, auszunützen. Er taufte allo seine Wirtschaft, Die bis dahinZum fröhlichen QJanfee" oder so ähnlich hieß, in »Clara Bows Steak House um. Die Reklame verfehlt« ihre Wirkung nicht, und Der alte Dow toar froh, eine soanziehende" Tochter zu haben. Deine Freude Dauerte aber nicht lange: der Rechtsbeistand der Paramount-Gesellschast teilte ihm mit, daß er «in« Derartige Reklame nicht anwenden dürst«, und überdies schadenersah- pstichttg gemacht werden würde. Da halfen die Argumente des alten Dow, Der beteuerte, Daß Die schön« Elara nachweisbar an die zwanzig Jahr« in dem Hause ihreSteaks" «innahm, nicht viel, es wurde ihm ein für allemal unter-

fagt, seine eigene Tochter zu Rellam«zwecken zu verwenden. In Anbetracht der mildernden Um­stände erließ man chm hingegen die Zahlung der Schadenersatzsumme: Die amerikanischen Richter fmD eben großzügig und sehen es ein, daß «s einmildernder" Umstand ist, der Vater von Clara Dow zu fein. ...

Churchill ist kitt vollwertiger Maurer.

(0 London.

Der Schahkanzler Englands gehört bekanntlich zu Den vielseitigsten Menschen Des Jahrhunderts: zumindest weiß die englische Presse von Zeit zu Zeit von immer überraschenderen »Neben­beschästigungen" des Herrn Churchill zu be­richten. Daß Winston Churchill ein erfolgreicher Schriftsteller und ernstzunehinender Kunstmaler ist, sind allgemein bekannte Tatsachen: neuerdings stellte es sich aber heraus, daß er nicht nur mit Den Musen kokettiert, sondern auch weniger ideelle Arbeiten mit Vorliebe verrichtet. So soll der Schahkanzler an jeder Bauarbeit, Die auf seinem Gut« getätigt toirb, als aktiver Maurer teil* nehmen. Kaum veröffentlichten die Journale diese Sensation, meldete sich Der Generalsekretär Der englischen Maurergenofsenschast bei Churchill, und forderte diesen mit Hinweis auf Die Zeitungs­berichte in aller Form auf, Der Derufsvereini- gung als orDentliches MitglieD beizutreten. Churchill fanD Dies ganz in Ordnung, reichte fein Aufnahmegesuch ein und toartete Dann (wohl nicht übermäßig ungeduldig) auf Den Beschluß Der Aufnahmekommission. Die Maurermeister teilten sodann dem Schatzkanzler brieflich mit, daß seiner Aufnahme nichts im Wege stünde. Zwar ist Der Gesuchsteller," so hieß es wörtlich im Denkwürdigen Schreiben Der Genossenschaft, heute noch kein vollwertiger Maurer, und ge­wiß außerstanDe, jede Facharbeit einwandfrei auszuführen. Man könnte aber annehmen, Daß sich feine Leistungsfähigkeit im Laufe der Zeit vervollkommnen toirbI Warum auch nich.! Einem genialen Finanzmann, Strategen, Schriftsteller und Maler Dürfte es sich nicht allzu schtoer fallen, auch Den Anforderungen Der Maurergenossen- fchaft gerecht zu werden.

Ter gcschäftsuntüchtige Beamte.

(r) Wien.

Ein bekannter ungarischer Schriftsteller gab un­längst im Budapester Iournalistenklub fol­gende Variante einer alten Anekdote zum besten:

Kommt Da ein ungarisches Bäuerlein an Den Fahrkartenschalter einer kleinen Eisenbahnstation.

Wieviel macht's Dritter Klasse nach Debre- czin?"

»Zehn Pengö sechzig" lautet Die Antwort.

Hm, Herr Beamter, ich habe aber nur vier Pengö!"

Aergerlich knurrt Der Beamte, Der offenbar feine Leutchen kennt, zurück:

Bei uns wird nicht gehandelt!"

llnd wirft Den Schalter zu.

Das Bäuerlein geht zur Seite und seht sich fünf Minuten tieffinnierenD auf eine Dank. Dann klopft er wieder an den Schalter:

Run Denn, um Des lieben Friedens willen, ich gebe freiwillig sechs Pengö!"

Der Beamte würdigt ihn überhaupt keiner Ant­wort. Di« Abfahrtzeit rückt immer näher, und schließlich scheint Der Bauersmann einen heroi­schen Entschluß gefaßt zu haben. Er erscheint wieber am Schalter und schiebt acht silberne Pengö zu Dem Beamten hin.

.Hi«r sind acht Pengö für einmal Dritter nach Debreczin!"

Wütend wirst Der Beamte Das Geld zurück und verbittet sich weitere Alfanzereien. In diesem Augenblick läuft der Zug in Die Station, nimmt einen einsamen Passagier mit unD Donnert weiter. Der Dahnhof liegt verlassen wie vorher, und nur Das Däuerlein steht mit triumphierenDem Gesicht wieder vor Dem Schalter und höhnt den Beamten:

So, DashabenSienunDavon! Was haben Sie nun für ein Geschäft ge­mach t?"

Bier Frauen und viermal Pech.

(V) Budapest.

Ganz Ungarn spricht heute von dem unglück­lichen Stephan Takacs, einem Landwirt aus

Die Logik des Blattes hatte etwas für sich Die aber, wenn es eine höhere Logik gab, aus einer andern Perspektive heraus? Hatte der Wille zur Vernichtung je nach Logik gefragt?

Er sah nach der Uhr. Es war Zeit, zum Bahn­hof zu eilen, wenn er heute noch heimlommen zollte. Er riß die Seiten aus, die die gefährlichen ^°chrichten gebracht hatten und stopfte sich damit di« Manteltaschen voll wie damals die Scheine, er. Und die dunkle Ersühlung eines rätsel­haften Zusammenhangs jagte ihn hinaus, daß er auL &er ~rcPPe immer zwei Stufen auf einmal nahm und keuchend in die Trambahn stieg.

Onnnen begrüßte ihn nach einigem Zaudern ein $Lrr: wenn ich nicht irre?

,,3a, Herr Professor." Er war sein Mathematik- lehrer gewesen, damals, als er auf der Schulbank des Gymnasiums in der Weidengasse sich mit Loga­rithmentafeln und Wurzelziehen abgequält hatte, »ic alt der Professor geworden war war das !chon so lange her?

»Wie geht es? Was macht die Kunst?"

Die Kunst geht nach Brot, Herr Professor. Ich ö letzt vor auf meinem Gut zu bleiben und ^hl und Ruben zu bauen." Wie ich lügen kann 7V dachte er, wie sollte ich nun die Ruhe Inden?

-Bleibe im Lande und nähre dich redlich" !ch«rzte der alle Herr.Denken Sie noch manch- mal an ihre Schulzeit? Sie war doch gar Glicht so übel, wi«? Was Sie auch damals geschimvlt toben mögen."

Sie war herrlich, Herr Profesior, trotz aller Prü- lunasarbeiten. Es war meine friedlichste Zeit." ..'Atze Abituriurn hing an einem seidenen Faden, Men Sie das noch?'"

^Ja, und die Seide war noch schlecht. Wenn Sie » T Zugedrückt hätten ..."

»Gr A"dcn, mein lieber Herr Grotteck. Einen Estler muß man anders beurteilen, haben Olt beschlossen."

Gießener Verkehrsnoiwendigkeiien.

lieber die Dringlichkeit einer regen Derkehrswer- bung besteht auch in unserer Stadt bei dem größten Teile der Bürgerschaft keine Meinungsverschiedenheit. Das ist eben eine Aufgabe des kräftig vorwärts- ftrebenben kommunalen Schaffenswillens, über die man vom grundsätzlichen Gesichtspunkt aus heute nicht mehr zu debattieren braucht. Notwendig ist aber noch bei Gelegenheit eine Erörterung der Frage, ob es nicht möglich wäre, die bisher für diese Aufgabe bcreitgefteUten Mittel der Stadt zu erhöhen, um den Anforderungen im Städtewettbewerb noch besser als bisher gerecht werden zu können. Davon soll aber heute nicht die Rede sein. Wir wollen vielmehr die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf Notwen, digkeiten hinlenken, denen von der Reichsbahn und der Stadt zum Nutzen für die Gießener Verkehrsbelange baldigst entsprochen werden sollte.

Nehmen wir zunächst den Wunschzettel an die Reichsbahn vor. Auf ihm finden wir leider immer noch eine ganze Reche von Forderungen, die selbst unter den gegenwärtigen Verhältnissen schon längst hätten erfüllt sein können. Wir denken hier vor allem an die dringend notwendige U m g e st a l tun^j der Halle im Bahnhofsgebäude. Für den stark gestiegenen Publikumsverkehr ist diese Halle schon seit Jahren zu klein. Das macht sich ganz besonders in den Stunden des Arbeiter-Nahverkehrs bemerkbar. Durch die Verlegung der Gepäckabferti­gung aus der Bahnhofshalle in seitliche Räume nach dem sog. Fürstenpavillon zu könnte verhältnismäßig leicht Abhilfe geschaffen werden. Auch die Bahnsteig­sperre inmitten der Halle und die dadurch bedingte zlbriegeluna eines beträchtlichen Teils des Hallen- raumes und der Wartesäle vom freien Verkehr ist durchaus unhaltbar. Die Bahnsteigsperren könnten mit Leichtigkeit an die jetzigen Ausgänge der Halle zu den Bahnsteigen verlegt werden. Wohin sie auch schon aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen gehören! Durch die Beseitigung dieser beiden Verkehrshinder­nisse in der Halle wird cs möglich sein, den berechtig­ten Ansprüchen des Publikums auf mehr Raum in der Bahnhofshalle und auf ungehinderten Zugang zu den Wartesälen gerecht zu wer- den. Die Reichsbahndirektion Frankfurt hat sich bis­her trotz zahlreicher Vorstellungen immer wieder ge­weigert, diese Forderung, über deren Berechtigung gar kein Zweifel bestehen kann, zu erfüllen. Mit gar nicht zu hohem Geldaufwand könnte sie dem Verlan­gen des Publikums genügen. Aber die Reichsbahn- Direktion erklärt, sie habe kein Geld. Gegenüber dieser Einwendung muß darauf hingewiesen werden, daß Die Frankfurter Direktion für den Frankfurter Bahn- Hof bisher immer Geld bereit hatte, auch für recht kostspielige Bauten. An anderen Stellen, darunter auch im Bahnhof Gießen, will man aber selbst den Dringendsten und gar nicht allzu kostspieligen Erfor- Dernissen nicht gerecht werden können. Man darf sich angesichts dieser eigenartigen Haltung bei der Direk­tion in Frankfurt nicht wundem, wenn hier in weiten Deoölkerungskreisen der Eindmck entsteht, daß es bei Der Bahnleitung in Frankfurt wohl vor allem am rechten und ernstlichen Willen zur Abhilfe fehle. Wenn die Reichsbahndirektion diesen Eindruck bei Der Gießener Bevölkerung verwischen will, so möge sie den schon lange bestehenden, heute erneut hier ausgesprochenen Wünschen auf Umänderung der Verhältnisse im Gießener Bahnhofsgebäude endlich Rechnung tragen. Sie täte damit durchaus nicht etwa was Besonderes, sondern sie würde ganz ein* fach einer sehr dringlichen Notwendigkeit gerecht. Weiterhin könnte die Reichsbahn auch dafür sorgen, daß die Beleuchtung des Bahnhofs­platzes, für die sie als Eigentümerin des Ge- löndes ja zuständig ist, endlich besser und zeitge- mäßer wird. Schon wiederholt sind die zuständigen Stellen der Reichsbahn vom Verkehrsverein auf die mangelhafte Beleuchtung des Bahnhofsplatzes hin- aeroiefen und um Verbesserung ersucht worden. Als Antwort wurde aber nur der lakonische Bescheid erteilt, daß die Beleuchtung des Bahnhofsvorplatzes nach diesseitigem Dafürhalten vollständig aus­reichend" fei. Die zuständige Gießener Reichsbahn- stelle kann doch im Ernst nicht glauben, daß die Beleuchtung des Bahnhofsplatzes in der jetzigen Art den berechtigten Erfordernissen des Verkehrs genügt. Aber geschäftstüchtig, wie die Reichsbahn nun ein-

3n derselben Nacht fuhr Kurt Grotteck fort. Don seiner Mutter hatte er sich mit ein paar Zeilen verabschie­det, die er auf ihren Nachttisch gelegt. Es wäre zu schwer gewesen, in ihre fragenden Augen zu sehen. Er würde ihr alles schreiben, wenn es so wett war, und sie würde ihm verzeihen, wie sie alles ver­ziehen hatte.

Er drängt« alle Gedanken fort, um den Kopf frei ZU halten für das, was da unten auf ihn wartete. 3nge! Warum hatte sie nicht geschrieben? Auch daran durste er jetzt nicht denken.

Aber er konnte es nicht verhindern, daß der rol­lende Rhychmus der Räder immerfort fanq:Inge Brodersen ... Inge ..."

Es war ein glücklicher Zufall, daß er in Berlin einen Platz im Flugzeug bekam, weil ein angemel­deter Passagier wegen Krankheit abgesagt hatte. Es eme stürmische Fahrt, die keinen Raum zum Grübeln ließ. Ueber dem Thüringer Wald erhoben sich Böen, die das Flugzeug um Hunderte von Meter niederdruckten, um es dann ebenso hoch em­porzuwirbeln. Der Pilot mußte große Umwege machen, die Grotteck, der mit einer aufsteigenden Uebelfeit zu kämpfen hatte, verwünschte. Man sprach schon von Notlandung. Aber es ging ohne das ab.

Regen fiel nieder, als sie auf dem Flugplatz lan­deten. Bei Beginn der Dämmerung brachte sie das Auto in die Stadt. Grotteck sprang auf dem Schloß- Platz ab und fuhr gleich auf die Höhe, zur Ruckert- straße. Eine unsinnige Sehnsucht nach Inge erschlug alle andern Gedanken. All die zurückgedrängte Angst um sie flatterte auf wie ein losgebundener Vogel.

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