Nr 235 Drittes Statt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch. 3. Gttober (928
Aus dem Reiche der Krau.
Oie neuen Mäntel.
Von Elsbeth Llnverricht.
Hie beschäftigen uns, sobald die Modetendenzen einigermaßen festliegen, in erster Linie. Mehr denn je haben wir uns mit unserer Toilette auf das Geben außerhalb des Hauses eingestellt: abgesehen von DerusSwegen und dem Einkauf des Vormittags spielt die Lcestunde eine immer größere Rolle und für den Abend ist die Bedeutung des Mantels überhaupt nicht zu btitulieren. Don den drei Manteltypen, dem Vormittags-, dem Rachmittags- und dem Abendmantel hat sich der Lauf mantel, der gleichzeitig für alle sportlichen Gelegenhetten, für Autotouren und Wochenendfahrten getragen wird, am wenigsten gewandelt. Interessant sind da die neuen Stosse, bei denen die original englischen Gewebe eine außerordentliche Vielseitigkeit in Farbenstusammenstellung und Webart zeigen. Diagonal gemusterte Homespuns werden von mehr oder weniger kontrastierenden Karos durchzogen, schwarzgrundige, rauhsadige Stoffe von seinen weißlichen Spiralen, andere Arten bevorzugen das ganz unauffällige Genre und verweben Braun mit Beige und schmutzigweißen Tönen, und für die sehr Farpebegeisterten sind Stoffe gemustert, die ungefähr 50 verschiedene Ruancen zeigen. Man hat also bei aller Einsach- heit über Monotonie nicht zu klagen. Die Schnitt- form der sportlichen Mäntel blieb unverändert gerade, knapp, uird läßt den direkten Verschluß vermissen. Um die Hände frei zu haben, wird der Mantel durch den Gürtel zusammen gehalten, der in der Höhe der Taille sitzt und ziemlich breit geschnitten ist. Mit dieser breiten Gürtelform, die für dieses Jahr beinahe obligatorisch ist, werden sich kurztaillige „vollschlanke" Figuren noch extra auseinanderzusehen haben, gedacht ist er nur für schlanke Frauen. Ein wenig weicher im Eindruck ist der ebenfalls schlank gearbeitete Paletot, der eine größere Stoffutle hat, die ut nach innen gehende Quetschfalten gelegt und durch „Fliegen" gehalten wird. Sonst vermeidet man für diesen Manteltyp alles, was nicht ausgesprochen zweckmäßig ist. Von diesem Gesia)cs- punkt aus ist auch der Pelzkragen gewählt. Man entschließt sich mir selten zu den weichen, nicht sehr widerstandsfähigen Imitationen, fordern nimmt strapazfähige Edelfelle, die Rässe vertragen können. Die größere Ausgabe für den ech.en Pelz wird durch die längere Lebensdauer und das gute Aussehen reichlich ausgewogen. Als Favorit der nachmittäglichen Eleganz gilt der C ape mantel. Er ist bezaubernd, unbestreitbar. Rur, wieviele können ihn tragen, dürfen ihn klugerweise tragen I Aber man weiß Äon* jeffionen zu machen; einerseits dieser sehr mondänen Schnittform, andererseits der nicht ganz dafür prädestinierten Figur. Es gibt da sehr charmante Mäntel, die ein Eapeteilchen einseitig, größtenteils links, eingearbeitet haben, das wie em Flügel bis zur Taille hinunterfällt und andere, die schmalere Stosskeile in der Mitte des Rückens eingesetzt haben, die wie breite, flatternde Bänder wirken. Diese Arrangements können sich auch Frauen gestatten, die nicht durchaus schlank sind, vorausgesetzt, daß ihr ganzes Exterieur überhaupt auf aparte Schnittform gestimmt ist. Reben Schöpfungen dieser Art zeigt man eine andere Spezies, die große Beachtung findet: den schwarzen Phantasiemantel aus schwerer glänzender Seide, der warm gefüttert wird und den Mantel aus Zibeline und Velours anglais mit Pelzbesatz. Mit R a u ch w e r f scheint man dieses Jahr, abgesehen von den großen Kragen, etwas sparsamer umgehen zu wollen, wählt es aber von besserer Qualität. Das gibt diesen Mänteln aus dem an sich schon eleganten Material eine sehr vornehme Rote, die häufig den Pelzmantel überflüssig werden läßt, zumal man auch hier außerordentlich aparte Ideen in der Anordnung des Stofies und des Pelzes entwickelt. Weiches schmiegsames Material wird in
Dust und Dame.
Von Hanna Sitte-Hutter.
Ein Tropfen genügt — das vergessen viele Frauen und schütten mehr als gut und nötig ist, in das Taschentuch, in den Revers des Jackett- oder Mantelkragens. Oder sie betupfen endlos mit dem Glasstöpsel des Flakons Dessous und Kleider, Haar und Arme; solbst die Strümpfe müssen gehorsam die duftende Essenz aufsaugen.
Resultat: eine atembeklemmende Atmosphäre, abstoßend in ihrer Aufdringlichkeit, von dem ersehnten zarten Wohlgeruch keine Spur. Selbst wenn das Parfüm teuer ist (je teuerer, desto ausgiebiger ist es meist), genügt ein Atom, ist das Zuviel gefährlich. Das Parfümieren bietet mehr Klippen als man schlechthin für möglich hält. Erst wenn der Duft wirkt, empfindet man den Mißgriff. Besonders im Theater und Kino. Die Rachoarin in „einer Wolke von Parfüm", das auf unsere Geruchsnerven abstoßend wirkt, kann uns die schönste Arie nicht genießen lassen, kann uns im Kino an den Bildern jedes Vergnügen vergällen. Speziell die schweren mondänen Mode- paffüms sind ganz dazu angetan, das Parfüm unbeliebt zu machen.
Sich parfümieren heißt — experimentieren, denn parfümieren, richtig parfümieren, ist eine Wissenschaft. Wie vielerlei gibt es da zu beobachten: Vor allem Studium des eigenen Typs. Zum „Gretchen" paßt kein „Ambre", zur mondänen rafjtgen Frau kein Veilchen- oder Maiglöckchenduft. Man ist ja längst davon abgekommen, die Parfüms simpel nach den Blumen zu benennen, deren Duft sie täuschend ausströmen sollen. Die Parfümindustrie, die immer vielseitiger und raffinierter im Erfinden von Gerüchen wird, macht Anleihen im Orient, kramt alte bewährte Rezepte aus und entlockt ihren „Retorten" wahrlich wundersame berauschende Düfte. Ein exotischer Rame besiegelt oft das Geheimnis des Duft- wasfers und verbürgt den Erfolg am Parsummarkte. 11 nb noch eines ist zu bedenken. Es gibt heute ausgesprochene Tages- und Abendparfüms. Das erstere herb und frisch, sogar an das typische Herrenparfüm (Juchten-, Spanisch-Leder usw.) erinnernd, letzteres weich wie die fließende grande toilette, süß und bezaubernd wie die Frau am Abend: loSgelöst vom Alltag, im Schmuck des
großen Flächen weit verarbeitet, in der Weise, daß es die Linienführung der Toilette unterstreicht und ergänzt. So arbeitet man vielfach die eleganteren Mäntel mit der typischen verlängerten Seitenlinie, der einseitigen Raffung, auch verkürztem Vorderteil, das die Kleider zeigen. Eine Rolle spielen hier Raglan- und K i m o n o f o r m, eingearbeitete Passen, breite Sättel, aus gesteppte Rähte, Schweifungen jeder Art, die trotz aller scheinbaren Hnmottvierlheit doch einen gut auäba:ancierten ruhigen Stil Haren und erstklassige Sehneiderarbeit erfordern. Die Rückenpartie ist ein besonderes Kapitel der diesjährigen Mode. Man wendet ihrer Gestaltung dieselbe Aufmerksamkeit zu wie den Pelz- verbrämungen, und hat eine recht phantasievolle Art für beides gefunden. In erster Linie machen hoch hinausreichende, weichliegende Pelzkragen die
Rücken interessant und die kleinen Eapes oder Capeteilchen, die Diesenpartien und Knopfarrangements. Der Kragen geht oben so hoch, daß er den Hutrand berührt und zeigt die runde Form, die das Gesicht weich bettet, ihm Kolorit geben soll. Große Sorgfalt wird auch auf den A e r m e l verwandt. Man sieht die Pelzmanschette als kleine Tonnen wrm, auch als weilfallende Glocke, sowie als hohe Stulpe, die fast bis zum Ellenbogen reicht, und am Unterarm beginnend schräg oder gezackt etwa 15 Zentimeter hlnaufführt. Wie weit man farblich abweichend, wie weit man es gänzlich übereinstimmend mit dem Stoff wählen soll, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Zweifellos ist der Pelz in Tonverbindung mit dem Mantel eine sehr vornehme Kombination; ob dabei der Teint zu seinem Recht kommt, ist eine andere Frage.
Me HaMrüMikmOeiien md ihre Srmeidung
Von Or. med. Edith von Lölhöffel.
Der Hausfrauenberus ist wahrhaffig nicht ungesund. Gerade die Dreifältige stets wechselnde körperliche Arbeit, die auch im modernen Stadt- Haushalt trotz des Staubsaugers noch übrig bleibt, ist für den Frauenkörper ja viel gesünder als die fitzende Lebensweise der meisten anderen Frauenberufe. Die Hausarbeit braucht auch keine Kraftproben zu fordern, denen die Körperkraft der Frau nicht gewachsen ist. denn immer gleich- bleibende Armritssormen und Arbeitsnormen giät es hier nicht. Jede einzelne Hausfrau hat vollkommene Freiheit, die Qlrbeit selbständig nach ihrem eigenen körperlichen Zustande einzurichten. Hausarbeit ist auch keine täglich gleichlaufende Tretmühle, wie irgendeine unpersönliche Bureauoder Fabrikarbeit. Ihr Arbeitsrhythmus läßt sich dem Lebensrhythmus der Frau individuell an- gleichen.
Und doch gibt es Krankheiten bei den Hausfrauen. die offenbar in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehen. Sind sie wirkliche Berufskrankheiten oder kann man sie vielleicht durch die Erkenntnis falscher Arbeits- und Lebensweise ganz vermeiden?
Das Hin* und Herlausen zwischen warmen Zimmern und kalten Fluren — auf dem Lande der Wechsel zwischen glühender Herdhitze und naßkaltem Keller — bringt leicht Erkältungskrankheiten und Rheumatismus. Deshalb sollte jede Hausfrau. die nicht richtig abgehärtet ist, lieber warme luftdurchlässige Unterwäsche tragen. Besser noch ist es aber, wenn sie gleich im nächsten Sommer versucht, ihre Haut durch Lust- und Sonnenbäder langsam an Temperaturschwankungen zu gewöhnen. Tägliche Abreibungen des ganzen Körpers zuerst mit warmem, später mit kaltem Wasser müssen ihr zur Gewohnheit werden, ebenso tüchtiges Rachfrottieren oder, Selbstmassage. Dann wird nicht nur die Haut frisch und straff, sondern der ganze Körper widerstandsfähig gegen Krankheit.
Viele Krankheitsfälle sind auch auf Verletzungen bei der Arbeit zurückzuführen. Wieviel Brand-. Riß- und Schnittwunden gibt es im Haushalt! Die Hausfrau muh taffächlich immer für einen Unfall mit Verbandszeug gerüstet fein. Die modernen Schuhverbände kann man sich sogar schnell selbst machen. Das Auslutschen der Wunden ist verboten, ebenso das Entfernen von Splittern mit Sicherheits- oder Broschennadeln. Viel schneller und gefahrloser faßt man den Splitter mit einer feinen in Spiritus oder Kölnisch Wasser desinfizierten Pinzette. Jede größere Verletzung aber nmß in ärztliche Behandlung kommen.
Wie steht es nun mit den typischen Frauenkrankheiten. die in der Hausarbeit so viel Beschwerden machen können. Darf man noch von gesunder Arbeit sprechen, wenn Krampfadern, Senkfuß. Hängeleib und Unterleibssenkung ent
stehen? Wenn abends der Rücken schmerzt und die geschwollenen Füße schwer w.e Blei sind? —
Fast immer ist falsche Arbeitsweise daran schuld. Soviele Qlrb.i en. z. B. Abwaschen. Wäsche waschen. Plätten, kann man in einer seiner Körpergröße entsprechenden Höhe ausführen, ohne stundenlang gebückt stehen zu müfien. Viele Küchenarbeiten. ja sogar das Plätten, kann man im Sitzen erledigen. Man soll sich seine Arbeit immer so leicht machen, toie nur irgend möglich. Das ist keine Faulheit, sondern beste Sparsamkeit!
Ueberanstrengung rächt sich immer. Mit schlaffen Bauchmuskeln und beginnender Senkung, ganz besonders vor und nach den Entbindungen, darf man eben nicht schwv heben oder sich aus- recken. Man Eann ja eine große Last auch in mehreren kleinen Teilen sorffchafsen und statt hoch hinaufzulangen, auf eine Fußbank steigen. Die großen Wäschekörbe müßten für Hausfrauen und Hausmädchen, die ihre Wäsche allein besorgen. eigentlich verboten werden, denn das Schleppen solcher schweren Last auf dem Leib ist selbst für den geschulten Körper eine recht ungesunde Arbeit, für schlaffe Muskeln aber geradezu gefährlich Aber wo sieht man einmal im Haushalt zwei Henkeltörbe für den Wäschetransport? Man kann Kraft sparen, wenn man den Wasser- eimcr durch einen Gummischlauch füllt, anstatt ihn zum Wasserhahn hochzuheben. Auch das Kohlentragen läßt sich in einer großen Wohnung durch einen kleinen fahrbaren Kohlenkasten zweckmäßig vermeiden. Und jede schwere Arbeit wird dem schwächlichen Körper durch gutsitzende Leibbinden erleichtert, besonders während der Schwangerschaft. i
Man kann sich aber zu den körperlichen An- forberungen der Hausarbeit auch durch Hebung genau so in feiner Leistungskraft steigern wie beim Spork. Die Hausfrauen müssen nur ihren Körper wirklich beherrschen lernen, ihre Muskeln richtig gebrauchen und ein lebendiges Körpergefühl wiedergewinnen. Wer mit gespanntem Fußgewölbe und straffen Beinmuskeln geht und geht, bekommt weder Senkfuß noch Krampfadern. Aber per äußere Fußrand muh fest aufgesetzt und bei der Arbeit dürfen niemals schief getretene Sonntagsschuhe verbraucht werden. Das ist eine schlechte Sparsamkeit, die körperliche Schäden einbringt.
Es gibt so viele schöne, kraftvolle Bewegungen in der täglichen Hausarbeit, die für den Körper im besten Sinne „Körperschule" fein könnten. Aber man muß nicht nur hauswirtschaftlich richtig. d. h. schnell und sauber, sondern auch gymnastisch richttg arbeiten. Man muh aus der Schulter heraus tragen beim Markteinkauf. Man muß seine Betten tüchtig mit Oberarmkraft durchschütteln, mit gespannten Beinmuskeln und federnden Gelenken seine vielfältigen Laufereien
besorgen. Beim Bücken müssen die Kniegelenke, die bei älteren Frauen so leicht versteifen wirklich gebraucht werden. Die Hausfrau sollte mit ihren Kindern im Park lausen und springen und mit den Kleinen in der tiefen Hocke am Boden spielen. Das gibt prachtvolle Hebungen für die Bein- und Bauchmuskeln und hält den Körper geschmeidig und leistungsfähig. Denn ein ge- schulter Akensch kann sich ohne Gefahr hoch auf* strecken, kann von den Fußspitzen bis zu den Fingern die Streckung durch den Körper laufen lassen und hat seine Freude an dieser Hebung. Wieviel Gelegenheit gibt es dazu beim ©taub* wischen auf hohen Möbeln, beim Wäschehängen!
Sicherlich werden viele Frauen eine Anleitung brauchen, um ihren Körper wieder in ihre Gewalt zu bekommen. Ließe sich nicht das Kaffeekränzchen in einen Turnzirkel umwandeln? Wir müssen es doch erreichen, daß her gesundeste und schönste Frauenberuf auch der Frau die Körperschönheit am vollkommensten erhalt.
Die Hausfrau muß aber auch an die Schonung ihrer Rervenkraft denlen. Denn nirgends wirkt suh Rervofität so verhängnisvoll aus wie im eigenen Hause. Die Hausfrau kann eben ihre Verstimmung nicht mit dem Dureaustaub abschütteln oder in den Dienstschreibllch einschlle- ßen. Ihre gereizten har.en Wolle bieiben an ben Wänden hangen, die ih.e Welt umschließen und können sich immer wieder ins Gedächtnis einschleichen. Rur Ruhepausen in her Arbeit bewahren vor Rervofität. Eine halbe Stunde völlige Ruhe in entsprechender Rückenlage gibt wieder neue Arbeitskraft. Auch ein Hausfrauenurlaub einmal im Jahr wäre den überanstrengten Müttern zu wünschen.
Rechte Kraft- und Zeiteinteilung sind die Grundpfeiler unserer Arbeit. Und nur eine gesunde, frische, lebenskräftige Hausfrau kann ihrer Familie wirklich ein Heim voll Glück und zukunftsfrohem Leben schaffen.
Äss Schlafengehen des Kindes.
Von Frau Or. Maria Zahr, Freiburg.
Ost hört man Eltern sagen: „Unfer Kind will gar nicht recht schlafen. Es ist unruhig, schlaft schlecht ein und wacht des Rachts oft auf. Cs ist schon ganz nervös geworden." — Woher mag das temmen? Könnt ihr Eltern den Schlaf eurer Kinder günftig beeinflussen? Gewiß, — indem ihr alles fernhaltet, was störend auf den Schlaf des Kindes wirken kann, und alles tut. dem Kinde zu einem guten, ruhigen und gesunden Schlaf zu verhelfen. ,
Das gesunde Kind im Alter von 2 bis 10 Jahren braucht eine Rachtruhe von wenigstens 12 Stunden. Auch Rachmittags läßt man es vorteilhaft noch 1 bis 2 Stunden ruhen.
Es ist aber durchaus nicht einerlei, in welche Zeit wir die Rachtruhe des Kindes legen.
Erste Bedingung für schnelles Einschlafen und einen guten, gesunden Schlaf ist, daß man ein für allemal eine bestimmte Zeit innehäll, und zwar am besten von abends 7 bis morgens 7 Ahr. Ost sieht ■ man spät abends noch solche Heinen Geschöpfe übermüdet außer Bett, und die Mutter glaubt besonders wenn es ihr gerade so paßt, es sei gleichgültig, ob das Kind um 7 oder 9 Hhr zu Bett komme, wenn es dann entsprechend später aufstehe und so die nötige Stundenzahl Schlaf habe. Das ist eine ganz falsche Annahme. Richt nur die Schlaf zeit, sondern auch die Stunde des Schlafengehens muß mit absoluter Regelmäßigkeit cingebalten werden, wenn das Kind gut und ruhig schlafen soll.
Leider gibt es soviele „Gründe", die uns immer wieder verleiten, unser Kind unpünktlich zu Bett zu bringen.
Z. B.: Man ist gerade so nett mit Bekannten zusammen und mochte sich noch nicht trennen, obwohl das Kind schon längst fein Köpfchen müde in Mutters Schoß gelegt hat.
Oder: Man möchte doch, daß der Vater, der den ganzen Tag nicht zu Haufe war, wenigstens
Abendkleides in gehobener Stimmung, angeregt von heiterer Gesellschaft, Musik und Tanz. Ein Milieu, in welchem der zarte Duft eines zugestanden schweren Parfüms nicht fehlen darf.
Richt zuletzt muß ein Unfug gegeißelt werden: das schnelle Parfümieren vor dem Weggehen. Wohl wechselt man je nach Stimmung und Jahweszeit ab und zu das Parfüm, etwa in drei oder vier Qllonaten. Im allgemeinen aber ist die Dame konservativ, was ihr Parfüm anbetrifft. Alle Kleider werden planmäßig gleichstark parfümiert, desgleichen die Wäsche. Bei Hellen, heillen Abendkleidern näht man in den Rocksaum ein Parfümsäckchrn, nicht größer als ein Geldstück ein. Das Parfüm ist dann bereits eingezogen, wenn die Dame das Kleid anzieht, richttg verteilt und fast — ein Stück der Frau selbst. Wie sie ihr Schatten begleitet, so begleitet sie stets der gleiche, kaum spürbare und doch angenehm empfundene unaufdringliche Duft.
Viele, speziell Sport ausübende, und berufstätige Frauen haben einen goldenen akzeptablen Mittelweg geschaffen. Sie benutzen tagsüber nur Kölnisch-Wasser. das in verschiedenen Gerüchen (reines Kölnisch, Lavendel, Farnkraut, Chypre, Klee oder uralt Lavendel usw.) erhältlich ist. Dieses erfrischende Toilettewasser belebt, ist dezent und angenehm im Geruch und stellt sich durchschnittlich billiger als Parfüm, das erst am Abend ungeschmälert in seine Rechte tritt. Da allerdings ist es ein Attribut mehr zur Vervollkommnung der schönen, gepflegten Frau, wenn es, mit Vorsicht klug gewählt, sie in einen Hauch von Wohlgeruch hüllt, ein Sttmulans- mittel, das von den Herren der Schöpfung nicht unterschätzt werden darf: dezent wie die vornehme, zärtlich umschmeichelnd wie die liebenbe und berückend wie — viele Frauen.
Das Haushaltsgeld.
Von Henny pleimeö.
Ich mochte gleich mit einer schlimmen Ketzerei beginnen. Ich halte nämlich das durch Tradition geheiligte Haushaltsgeld, das wöchentlich oder monatlich in b e st i m m t e r Summe an die Hausfrau vom Hausherrn ausgehändigte Wirtschaftsgeld für eine unzeitgemäße und un- wirtschaftliche Einrichtung. Vielleicht gibt
diese Meinung hie und da Anlaß zu einer häuslichen Revolution. Darum soll sie nicht mißverstanden und — horribile dictu — als Frauen- rechte lei auf gefaxt werden. Aber was früher richtig war. ist beute vielfach falsch. And Hausfrauen, die nicht den Mut auf bringen, sich veränderten Verhältnissen anzupassen, werden die schwere Zeit schwer meistern.
Das feste Wirtschaftsgeld paßte in eine Zeit, in der sich mit allgemeiner Wohlhabenheit eine öteHgfeit der Preise und der Dedürfniffe verband. Da konnte man nach bewährtem Schema bestimmte Summen von den Einnahmen für bestimmte Zwecke fest legen. Heute sind die Antell- sätze für die einzelnen Lebensbedürfnisse schwankend und durchweg höher im Verhältnis zu dem Einkommen als früher. Vor allem fordern Ernährung und Kleidung einen weitaus höheren Anteil am Einkommen als früher.
Das fordert schärferes Rechnen, sorgsames Abwägen der notwendigen Ausgaben und Aus- nutzen aller Möglichkeiten zu prakttschem Einkäufen. Das wöchentliche Wirtschaftsgeld aber zwingt die Hausfrau, von der Hand in den Mund zu leben, kleinlich einzukaufen und viel Zeit zu verlausen. Es führt zu kurzsichtiger Wirtschaftsführung und zu der Hnmöglichkeit, rechtzeittg einen Ausgleich zu schaffen für in Aussicht stehende große Ausgaben: Familienfeste, Anschaffungen, Reparaturen, ober auch Lebensmittel in größeren Mengen einzukausen, einzulegen oder einzumachen.
Rach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist der Hausrau die sogenannte Schlüsselgewalt ge- jeben und damit das Recht, die eigentlichen Ge- chäfte des Haushaltes selbständig für den Mann mit zu erledigen. Dieses Recht schließt nach dem Gesetz den Anspruch auf „angemessenes Wirtschaftsgeld" ein. Die Frau kann in einem Streitfälle über das Wirtschaftsgeld den Klageweg beschreiten, während der Mann nach dem Gesetz das Recht hat, von der Frau Auskunft über hie Verwendung des Wirtschaftsgeldes und Rechnungsablage zu verlangen. Wo aber schon ein Streit um diese Dinge eintritt, ober wo Haushaltsgeld und Dechnungsablage „gefordert" werden, ist ein Zustand eingetreten, der keineswegs dem Sinn der Ehe, der von ihr bedingten Lebensgemeinschaft entspricht.
Die Hausfrau von heute, die zumeist vor der Ehe eigene Einnahmen zu verwalten hatte, will Lebenskameradin des Mannes sein, auch in den äußeren Dingen des Lebens. Daraus ergibt.sich ein ungeschriebenes Recht auf das Wissen um die Gesamteinnahmen und auf gemeinsame Ver- fügung über diese Einnahmen. Ist doch die Frau durch chre Arbeit, durch ihre Sorge für Rahrung. Kleidung und Wohnung, durch Geschicklichkeit und Sparsamkeit ebenso sehr werbendes Glied der Lebensgemeinschaft wie der Mann, vorausgesetzt natürlich, daß die Frau selbständig. erfahren, tüchtig und praktisch ist. Es soll ja auch Frauen geben, die deshalb das feste Haushaltsgeld ohne Buchführung schätzen, well es die Mog- ttchkeit gibt zu Ausgaben, von denen der Mann nichts wißen soll.
Hm der Hausfrauenarbeit hie lange versagte Anerkennung als Beruf zu sichern, sind in der letzten Zeit vielfach Forderungen aufgetaucht, der Mann habe über das Wirtschaftsgeld hinaus seine Frau für die im Hau^alt geleistete Arbeit zu besolden. Dann könne 'sie als „Angestellte" Angestelltenrechte in Anspruch nehmen und bedürfe nicht der Einwilligung des Mannes für Anschaffungen, Vergnügen, Reisen im eigenen Interesse. Solche Lllfffassnng aber entspricht keineswegs dem Ideal, einer Lebensgemeinschaft auf Gedeih und Verderb, wie es auch die moderne Ehe sein soll. Die Frau als bezahlte Kraft ihres Mannes — das ist wahrlich keine Freiheit. Das ist Llbhängigkeit. die der Frauenwürde und der Bedeutung der Hausfrauenarbeit ebensowenig angemessen ist wie die Abfindung mit regelmäßigem Haushalts- und Garderobegeld.
Die Ehe. wirtschaftlich betrachtet, sei, um ein Bild aus dem kaufmännischen Leben zu nehmen, etoie Firma, in der beide Teilhaber gleichbevech- tbgt zeichnen, mit dem gleichen Interesse am reibungslosen Aufstieg dieses Staates im Stieb* nen, wie es jedes Familie>lleben darstellt, mit dem gleichen Recht, über Erworbenes und Erspartes zu Rutz und Frommen der Gemeinschaft zu verfugen. Klingt das nach Fvauenrechtelei? — Gemewll ist's nicht so, vielmehr als ein Weg zu vertiefter und verantwortungsbewußter Auffassung der heute so schweren Hausfrauenarbeit, zu freudiger Bejahung aller damit verbundenen! Sorgen imb Mühen.


