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Aus der PrsvWzmlhaupistadr.

Gießen, den 3. Oktober 1928.

Prof. Dr. Rudolf Erb t-

Mit Studienvat Prof. Dr. Rudolf Erb ist em bedeutender hessischer Schulnrcmn aus dein Sieben geschieden. Der Heimgegangene war am 18. Mai 1859 als Sohn des Kulturtechnllers Ludwig Erb in Zwingenberg a. d. Berg str. ge­boren. Er besuchte das Realgymnasium zu Darm­stadt, wo er Mitte September 1879 die Reifeprü- fimg bestand. Sodann bezog er die technische Hoch­schule zu Darmstadt und später unsere Landes- universttät. Hier legt« er int Juli 1883 die Staats­prüfung ab und erwarb in den sämtlichen von ihm gewählten Studienfächern, Chemie, Physik. Mine- raloai-e, Botanik und Zoologie, die Lehrbefähigung für oie Oberstufe. Nachdem der Verstorbene den Vorbereitungsdienst für das höhere ßebranrt ab­solviert hatte, wirkte er mehrere Jahre als Assi­stent am mineralogisch-geologischen Institut der Landesuniversität unter Prof. Streng und pro­movierte während dieser Zeit mit einer chemisch- mineralogischen Arbeit. Zu Ostern 1887 trat er als provisorischer Lehrer in den Lehrkörper des Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen ein, und am 1. Juni 1889 erfolgte seine defini­tive Anstellung. 3m Jahre 1894 übernahm Pros. Erb die Leitung und Verwaltung des chemischen Instituts des Realgymnasiums und hatte diese bis zu seiner zu Ostern 1924 erfolgten Versetzung in ben Ruhestand inne.

Während dieser langen Zeit von 30 Jahren hat er in rastloser Arbeit das Institut zu einer solchen Höhe gebracht, daß seine (3inrid)iimgen noch heute als mustergültig und vorbildlich be­zeichnet werden dürfen. Richt nur durch An­legung von Schau- und Lehrsammlungen auf den Gebieten der Mineralogie und Geologie in einer Vollständigkeit und Reichhaltigkeit, wie sie auf anderen Schulen wohl kaum zu finden sind, son­dern auch durch Zusammenstellung und Selbst- anfertigung einer sehr großen Anzahl von Appa­raten für chemische Versuche nach seinen eigenen Ideen hat er in unermüdlicher Arbeit viel Wertvolles für den Chemieunterricht geleistet. Seine schöpferische Tätigkeit erstreckte sich fer­ner auf die Anlage und Pflege des Schulgar­tens, der zahlreichen Lehranstalten als Vor­bild gedient hatte, sowie des biologischen In­stituts, das er ebenso mustergültig ausbaute wie das chemische. Insgesamt 37 Jahre wirkte der Entschlafene ununterbrochen abgesehen von der Zeit, in der er als Hauptmann der Landwehr während des Weltkrieges Heeresdienst tat am Gießener Realgymnasium. In der Geschichte die­ser Lehranstalt wird das Andenken dieses her­vorragenden Lehrers und trefflichen Mannes fortleben.

Daten für Donnerstag, den 4. Oktober.

Sonnenaufgang 6.05 Uhr, Sonnenuntergang 17.32 Uhr. Mondaufgang 20.13 Uhr, Monduntergang 12.34 Uhr.

1515: der Maler Lukas Cranach d. I. in Witten­berg geboren (gestorben 1586); 1669: der Maler Rembrandt in Amsterdam gestorben (geboren 1606); 1865: der Schriftsteller Max Halbe in Güttland (Westpreuhen) geboren.

Vornotizerr.

Tageskalenber für Mittwoch. Stadttheater:Unter Geschäftsaufsicht". Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Mein Freund Harry".

Astor'a -Lichtspiele:Der größte Gauner des Jahrhunderts".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der SchwankUnter Ge­schäftsaufsicht" von Arnold und Dach, der heute abend das erste Wal in Szene geht, erlebte in Berlin 250 Aufführungen. Cs Wirten mit die Da­men Brack, Heß, Jahn, Jüngling, Koch, Scherer, und die Herren Baste, Gareis, Goll, Haeser, Knur, ßinnnann, Volck, Wesener. Regie Rudolf Goll. Die Intendanz weist nochmals aus­drücklich darauf hin, daß mit Rücksicht auf das Theaterpublirum aus werktätigen Kreisen die Vorstellungen an Wochentagen jeweils um 20 Uhr beginnen, es sei denn, daß die Vor­stellung wesentlich länger als zwei Stunden dauert,

Turnverein von 184 6. Nächsten Sams­tag abend ordentliche Hauptversammlung imPost­keller". Näheres in der heutigen Anzeige.

Ein Zusammenstoß zwischen Auto und Straßenbahn ereignete sich gestern mittag gegen 1.15 Uhr in der Licher Straße. Von dec Endstation (Vollshalle) kommend bog der Straßenbahnwagen beim RestaurantStadt Lich" gerade in die Fahrstraße ein, als ein aus der Stadt kommender Lieferwagen die Gleise kreuzte. Infolge der geringen Uebersichtlichkeit an dieser Stelle war es dem Führer des Strahen- bahnwagms nicht mehr möglich, den Zusammen­stoß zu verhindern. Der bereits stark abge­bremste Wagen fuhr dem Lieferwagen doch noch in die Flanke, so daß er gegen den um Einige Meter seitwärts stehenden eisernen Stromzulei­tungsmast gedrückt wurde und sein erfrischender Inhalt (Mineralwasser) sich lellweise auf die Straße ergoß. Beide Wagen wurden beschädigt, blieben jedoch betriebsfähig, so daß die Straße nach kurzer Zeit wieder frei war.

Reue Betriebsräume in der Zi­garrenfabrik Bock. Die Firma S. Bock & Co. G. m. b. H., die zu den ältesten und be­deutendsten Zigarvenfabriken Hessens gehört, hat auf ihrem Grundstück Marburger Straße-Rord- anlage-Schottstraße umfangreiche Reu- und Um­bauten vorgenommen und in diesen Tagen den bisher in der Kaiserallee unterhaltenen Betrieb mit dem Stammbetrieb vereinigt. Auch das Kontor der Firma befindet sich künftig Schott- stratze 2/6. Wie wir erfahren, beträgt die Be­legschaft des Unternehmens gegenwärtig etwa 400 Personen, die in insgesamt fünf Fabriken beschäftigt sind. Die Firma ist auf längere Zeit mit Aufträgen versehen.

* Geschäftsjubiläum. Die Firma Gebr. Grieb, Inh. Hans und Martin Grieb, rann heute auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Im Jahre 1903 errichteten die Gebr. Grieb in Dors-Gill einen Molkereibetrieb. zwei Jahre spä­ter eine zweite Molkerei in Kirtorf, Kreis Als­feld. Nachdem die girma im Jahre 1906 die erste Verkaufsstelle in Gießen eröffnet hatte, erwarb sie 1908 die bereits feit 1884 bestehende Dampfmolkerei Gießen. Es erwies sich im Laufe der Jahre aiä zweckmäßig, die drei Molkerei­betriebe in Gießen zusammenzulegen. Die In­haber der Firma haben ihren Betrieb zu einem der angesehensten im Molkereifach entwickelt. Bei der Standardisierung der Molkereierzeugnisse zur Zurückdrängung der ausländischen Konkurrenz be­teiligte sich die Firma als eine der ersten Mol­kereien in Hessen.

* Gieße ner Ferienkurse. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, wird der

3ntenbant unseres StadtkheaHers, Dr. Prasch, am nächsten Dienstag mit einem Re zi tat io ns- abend die Darbietungen der Ferienkurse berei­chern. Am Mittwoch, 10. Oktober, findet ein Deethovenabend statt. Räheres in der Anzeige.

* D e f f e n t f t d) e Bücherhalle. Im Sep­tember wurden 958 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 612, Zeitschriften 73, Jugendschriften 71, Literaturgeschichte 7, Ge­dichte und Dramen 24, Länder- und Völkerkunde 47, Kulturgeschichte 1, Geschichte und Biographien 64, Kunstgeschichte 14, Naturwissenschaft und Tech­nologie 23, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesund- hritslehre 1, 'Religion und Philosophie 12, Staats« Wissenschaft 2, Fremdsprachliches 4 Bände. Nach auswärts kamen 16 Bände.

2 5 Jahre Meister. Am Sonntag ver­sammelten sich, wie man uns berichtet, hier in der Gastwirtschaft von Seniler, Frankfurter Straße, eine Anzahl Meister, die ihre Meister­prüfung im Jahre 1903 bestanden hatten, zur Besprechung über die Veranstaltung einer Wie- dersehmrsfeier. Insgesamt sind es 99 Meister, die vor 25 Jahren ihre Meisterprüfung vor dem Prüfungsausschuß der Provinz Oberhessen abgelegt haben. Der provisorische Vorsitz dieser Meistervereinigung wurde Schlossermeister Hein­rich Schön, Gießen, übertragen. Die Veranstal­tung einer Wiedersehens feier wurde beschlossen.

* D ie Zimmermeister ° Zwangs­innung für Stadt- und Landkreis Gießen hielt am Sonntag in Gießen eine Innungsversammlung ab. Nach Begrüßung durch Obermeister Ri n k e r (Nonnenroth) wurden eine Reihe Satzungsänderungen beraten und darüber Beschluß gefaßt. Weiter berichtete Geschäftsführer Kirchner (Gießen) über die Einrichtung einer Buchführungsstelle für Jnnungsmitglieder. Nach Erledigung weiterer geschäftlicher Angelegenheiten hielt Geschäftsführer Kirchner ein Referat über Fürsorgeeinrichtungen für kranke und erwerbs­unfähige Handwerker". Der Redner besprach zu­nächst die reichsgesetzlichen Fürsorgeeinrichtungen, soweit sie auch für Gewerbetreibende in Frage kommen (Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Hinter­bliebenenversicherung), um sich dann mit den pri» Daten Versicherungsmöglichkeiten zu beschäftigen.

** Der Katholische Gesellenverein feierte, wie man uns berichtet, am Sonntag sein 31. Stiftungsfest. Die religiöse Feier fand unter sehr reger Teilnahme der Gesellen statt. Am Abend ver­einigte eine kleine Veranstaltung die Gemeinde im Katholischen Vereinshaus. Musikvorträge und Reden wechselten ab. Hochwürden Dr. H e m m e s warnte in zündenden Worten vor der falschen Freiheit, und mahnte, festzustehen im Glauben. Das Ereignis des Abends war die dramatische Wiedergabe des Theophilu s", eines mittelalterlichen Festspiels in zwei Teilen. Die große Tragödie der Menschheit: Verstrickung in die Fallstricke des Bösen und Be­freiung aus der dadurch entstandenen Not wird in diesem Faust des Mittelalters, der auch Goethe vor­lag, ergreifend vor Augen geführt. Die 2lrt der Lichteffekte und Darstellung, die unter der Spiel­leitung des Hochwürdigen Kaplan G r e m m dem Publikum geboten wurde, ragte vielfach weit über den Durchschnitt hinaus, so daß man versucht ist, den Maßstab einer ernsten .Kunstkrittk anzulegen. Die Rolle des Satans entfaltete ein hoch dramati­sches Talent. Ihre Schwierigkeit liegt darin, daß der Darsteller immer llnterweltliches bieten muß, ohne durch Einförmigkeit zu ermüden. Aber nicht bloß das starke Pathos, auch die Ruhe, die Pause wir­ken zuweilen unheimlich, nicht bloß die hoch aufge­richtete drohende Geste, auch die gekauerte, die am

Wenn Ihre Empfehlungs-Anzeige

in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige und gut wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens am Donnerstag in der Geschäftsstelle auf!

Boden kriechende Art der Schlange sind Teufele- künste. Die Madonna zeigte viel Anmut und Gra- zie. Am schönsten war ihr Flehen zum Kinde. Jede Geste ist genau cinzustudi-eren, so daß z. B. das mit langsam ausgebreiteten Armen huldvolle Herab- neigen der Himmelskönigin zu dem am Boden lie­genden Theophilus unter leicht anschwellender Mu sik, wie z. B. Humperdinck zu Vollmöllers Mirakel geschrieben hat, von hinreißender Wirkung sein muß. Vielleicht darf man an den Spielleiter, Kaplan G r e mm, die Bitte richten, das, was er Sonntag abend geboten hat, mit einigen unschwer zu er­zielenden Hinzufügungen zu wiederholen und einem breiteren Publikum darzubieten.

DieDriefpost für den Sch uIkre u - KtBarlin". Die Äachsendung der Briefpost für den SchullreuzerBerlin" sindet tm Monat Oktober vom Marinepostbureau Berlin C 2 aus an folgenden Tagen statt: Rach Sabang am 3. Oktober, nach Colombo (Ceylon) am 9.. 10., 15.. 16., IT. und 18. Oktober und nach Karachc (Brittsch-Indien) am 23., 24., 30. und 31. Ok­tober.

* Zucht v ieh Versteigerung. Die letzte große Zuchtviehversteigecung des Landwirtschafts­kammer-Ausschusses für Oberhessen. dieses Jahr findet am Mittwoch, 10. Oktober, tmrrnlt- tags 11 Uhr, in Lauterbach statt. Ange- melöet sind rund 90 Bullen der hessischen Fleck- Viehrasse, die vorwiegend aus den bekannten Hochzuchtgebieten der Kreise Lauterbach und Als­feld stammen. Bei 24 Dullen stehen die Mutter unter Milchleistungskontrolle. Die Zuchtviehver­steigerung ist eigene Veranstaltung des Land­wirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen.

Geschäftliches.

Die Frau als Verwalterin des HauSwefenS handelt nach den Regeln der Svarsamkett. Zett tst auch bei ihr Geld. Darum verwendet sie in der Küche Maggt's Fleischbrühwürfel. Mit ktetnstenr Aufwand an Heiästoff und Stocbaeit stellt man auS ihnen eine irlnffertine und reinschmeckende tfleifcb- brühe der. Diese etnnet sich auch zur Zubereitung von Soßen. Ragouts, Slllzen, Gemülen usw. sowie zum Verlängern und Verbessern vorhandener Supve.

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In Amerika gibt es nur wenige Standard-Marken? diese sind aber so preiswert und gut im Geschmack, daß sie von allen Bevölkeriangsschiichten ausnahms­los, oh arm ob reich, geraucht werden. Dreiling Typ S ist in wenigen Wochen zur deutschen Standardmarke geworden» l>urch ihre mit der größten Sorgfalt aus- gewählten und gemischten Tabake hat diese Zigarette nach kurzer Zeit bei Millionen von Rauchern Begeisterung* hervorgerufen. Be- sonders gerühmt wird an ihr der wundervoll milde Geschmack und das gesetzt, geseh. Edelweiß-Miindstück. Es ist erstaunlich«, wie günstig dieses Mundstück den Geschmack beeinflußt. Meine Zigarettenfabrik in ganz Deutschland kann diese Zigarette nachahmen.