Nr. 253 Erstes Via«
178. Jahrgang
Mittwoch, 3. Gttober 1928
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Gießener Famlliendlätter Heimat im Bild
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Die Deutschlan-fahrt des „Graf Zeppelin".
Die Aenderung des Kurses.
Neber Frankfurt am Main dem Rheine zu.
Friedrichshafen. 2. Ott Wie bereits in einem Teil der gestrigen Auflage gemeldet wurde, Hot dos Luftschiff „Graf Zeppelin" auf feiner geplanten Deutschlandfahrt mit dem Ziel Berlin infolge des ungünstigen Wetters feinen Kurs gegen 10 Uhr vormittags über Bamberg ändern müssen. Es erschien kur; vor 11 Uhr über Würzburg und ganz überraschend für den größten Teil der Bevölkerung gegen 12 Uhr über Frankfurt a. M. Da hier die Zeitungen auf das wahrscheinliche Erscheinen des Lustriesen durch Extrablätter aufmerksam gemacht hatten, befand sich eine immerhin beträchtliche Menschenmenge auf Dächern und Türmen, von wo aus sie das Luftschiff mit Tücher- schwenken und lebhaften Bravorufen begrüßte. „Gras Zeppelin", der sichtlich gegen Gegenwinde anzukämpfen hatte, hielt über der Stadt ungefähr eine höhe von 400 Meter. Infolge -er widrigen winde blieb das Luftschiff ziemlich lange im Blickfeld der Bevölkerung. Es folgte dann der 2Uain- lir.ie, wurde gegen 12.40 Uhr von Mainz aus in östlicher Richtung gesehen, passierte 1255 Uhr Wiesbaden und folgte dann haarscharf dem Laufe des Rheins bei trübem Wetter über Koblenz — Andernach in Richtung Köln. Das um 3.15 Uhr in mehreren Schleifen überflogen wurde. Von drei Flugzeugen begleitet überflog das Luftschiff 3.50 Uhr bereits Düsseldorf in geringer höhe von der auf den freien Plätzen versammelten Menschenmenge lebhaft begrüßt. Uber Essen. Duisburg und Wesel ging die Fahrt in Richtung auf die hollän- difche Grenze zu.
Lieber Holland.
Um 5.50 Uhr deutsche Zeit wurde die holländische Stadt Rymwegen überflogen und von hier aus, dem Lauf des Waal folgend, Kurs nach Westen in Richtung Rotterdam genommen, wo es um 19 Uhr gesichtet wurde. Das Luftschiff flog ziemlich niedrig und war trotz der eintretenden Dunkelheit deutlich sichtbar. Die Fahrt ging dann auf die englische 6 ü st e zu.
An der englischen Küste.
Um 21.05 Ahr wurde die englische Stadt Lowestoft in geringer hohe mit mächtigen Bug- kichtern überflogen. Das riesige Luftschiff, das von vorn bis hinten erlei chtet war, bot einen fesselnden Eindruck. Das Motorengeräusch war in der ganzen Stadt vernehmbar. Hunderte beobachteten die Fortschritte des Luftschiffs, das mit größter Geschwindigkeit flog.
Der Eindruck in England.
Unangenehme Erinnerungen.
Die Friedensaufgabe des Luftschiffs.
London, 3. Ott. ($11.) Das starke Interesse, bas in England die Entwicklung der deutschen Zivilluftschiffahrt findet, hat nach der Ankündigung des Besuches eines Zeppelin eine Art Höhepunkt erreicht. Diesmal kreist das Luftschiff friedlich über englischem Boden, während der letzte Besuch eines deutschen Luftschiffes am 12. April 1918 noch in die Kriegszeit fiel. Seit der Zeit der deutschen Zeppelinangriffe auf London während des Krieges ist das Luftschiff eine Art Verkörperung des deutschen Angriffsgeistes in England geworden, und obwohl nirgends mehr eine Spur von Kriegseindrücken festzustellen ist, hat es dennoch irgendwie eine Erinnerung an die Zeppelinangriffe ausgelöst. Vierzehnmal gelang es, wie die Spätabendblätter erinnern, deutschen Zeppelinen, während des Krieges London zu erreichen und insgesamt 570 Personen fielen ihren Angriffen zum Opfer. Wieviele Zeppeline ihre deutsche Basis mit dem Ziel England verließen, ist noch unbekannt. Einige von ihnen find englischen Angriffen zum Opfer gefallen und ein Zufall will es, daß der Kommandeur des Kriegszeppelin L 14, eines der hev- abgeschossenen Luftschiffe, Kapitänleutnant Breithaupt, sich heute an Bord des ,,©_r a f Zeppelin" befindet. Die L 14 war im Frühjahr 1916 bei einem Zeppelinangriff über London abgeschossen und Kapitän Breit- Haupt später als Schiffbrüchiger ausgenommen worden.
Das Interesse an der jetzigen Zeppelinfahrt ist allerdings ganz anderer Art. Auch in England besteht kaum noch Zweifel über die rein friedlichen Aufgaben des 2ufh> schiffes und seit der großen Leistung Dr. Eckeners durch seinen Flug über den Ozean hat der Luft- fchisfbau in England immer stärkeres Interesse gefunden. Zwei britische Luftschiffe, die selbst die Ausmaße des „Graf Zeppelin" weit übertreffen, harren ihrer Vollendung. Nur seiner Länge nach kann sich das deutsche Luftschiff mit den englischen Rivalen messen, die auch in der Aufnahmefähigkeit von Passagieren weit überlegen sind. Hier
zeigt sich allerdings, daß die Erkenntnis der friedlichen Aufgaben des Luftschiffes einstweilen noch Theorie ist, da Deutschland in der Praxis noch starke Fesseln auserlegt sind.
Auch jetzt ist es leider selbst den Optimisten nicht immer möglich zu glauben, daß Deutschlands Leistungen zur Uebcrwindung der Luft im friedlichen Dienst der Völker als solche anerkannt werden. Schritt für Schritt ist nur ein Fortschritt möglich, bis die den breiten Massen in jahrelanger Hetzarbeit eingeimpfte Uebcrzeugung von der Gemeingefährlichkeit aller deutschen Errungenschaften — solange sie von den anderen nicht übertroffen oder wenigstens nicht erreicht sind — beseitigt ist, und die maßgebenden Persönlichkeiten sich zur Beseitigung der Hemmungen für die deutsche Zivilluftfahrt verstehen werden. Vor zwei Jahren hat die Amerikafahrt eines Zeppelin Deutschland große moralische Hilfe geleistet; es ist zu hoffen, daß das, wenn auch vermutlich in kleinerem Ausmaß, von der heutigen Englandfahrt des „Graf Zeppelin" der Fall sein wird. Die herzliche Anteil, nähme am Werdegang des Luftschiffes, die Beteili- gung von Engländern an den späteren und jetzigen großen Fahrten werden vielleicht mit dazu beitragen, daß man in England die Leistungen und Erfolge eines deutschen Luftschiffes ebenso würdigt, wie man auf deutscher Seite den Engländern stets einen vollen Erfolg für ihre beiden Riesenluftschiffe gewünscht hat.
Nachtfahrt über der Nordsee.
Das Luftschiff hat dann wieder die englische Küste verlassen und Kurs auf Deukfchland genommen. lieber der Rordsee wurde es von dem Datnpfer „Cap Ancona" gesichtet; um 12 Ahr nachts war es bereits über Borkum. Am 2.25 Ahr wurde O st - fr i e s l a n d überflogen, um 2.55 Ahr die alte hanfastadt Bremen. Bei der mondklaren Rächt war das Luftschiff, das mittels feiner Geräusche bemerkt worden war, außerordentlich gut zu fehen, schon durch seine hell erleuchteten Kabinen. Das Luftschiff nahm, nachdem es die Stadt überflogen, sofort Kurs auf Hamburg, bog jedoch nach Rordwesten ab und steuerte Schleswig-Holstein an, wo es um 4.45 Ahr S ch l e sw i g überflog. Die Fahrt ging dann über Flensburg, die Geburtsstadt Eckeners, nach Kiel, dessen Einwohnerschaft durch das Surren der Propeller aus dem Schlafe geweckt wurde. Roch ehe die meisten zur Besinnung kamen, war das Luftschiff, das an dem klaren Morgenhimmel einen prächtigen Anblick bot, nach Süden verschwunden. Am 6.45 Ahr wurde es bereits über Hamburg gesichtet. Lin Flugzeug gab ihm auf dem Fluge über die Stadl, in dec sich trotz der frühen Morgenstunde auf Dächern und in den Straßen schon ein zahlreiches Publikum angqammell Halle, das Geleit. Der „Graf Zeppelin" flog dann weiter über die mecklenburgische Stadt Ludwigslust und Wittenberge auf Berlin zu. Am 9 Ahr pünktlich traf das Luftschiff über der Reichshaupl- stadt ein.
Lieber der Michshaupisiadt. Ein Geburtstagsgruß an den Reichspräsidenten.
Schon lange vorher waren die Dächer der Stadt, die reich geflaggt hat, dicht von Menschen besetzt. Das klare Wetter ermöglichte auch eine gute Sicht, so daß man das Luftschiff mit einem guten Glase schon bald nachdem es Staaken passiert hatte, sehen konnte. Eine Verkehrsfliegerstaffel von fünf Flugzeugen, sowie zahlreiche andere Flugzeuge waren dem Luftschiff entgegengeflogen und begleiteten es auf seinem Rundflug über Berlin, il e b e r dem Reichspräsidentenpalais warf das Luftschiff einen an einem Fallschirm befestigten Strauß roter Rosen ab, der sich aber an dem Dache eines Häuserblockes verfing. 3n niedriger Höhe zog das Luftschiff seine Schleifen über der Stadt, von der Menschenmenge begeistert begrüßt. Oberbürgermeister Böß hatte auf funkentelegraphischem Wege an L. Z. 127 folgenden Gruß gelangen lassen: „Den „®raf Zeppelin", seine Erbauer und seine Führer grüßt die Reichshauptstadt, ihre Bevölkerung imb ihre Verwaltung. Das neue deutsche Luftschiff möge als willkommener Gast bald bei uns einkehren, gez. Oberbürgermeister Böß."
Eckener spricht zu den Berlinern
Während der „Oraf Zeppelin" über Berlin dahinflog, versuchte Alfred Braun von der Funkstunde wiederholt sich mit dem Luftschiff in Verbindung zu sehen. Zur allgemeinen Freude gelang es ihm, während das Luftschiff über Schöneberg dahftrflog, beim dritten Versuch die Verbindung herzu st eilen. Es lag nicht etwa eine Störung des Senders vor, sondern die Luftschiffleitung brauchte ihren Llpparat, um Wetterberichte entgegenzunehmen. Alfred Braun teilte mit, daß Dr. Eckener selbst sprechen werde, übermittelte aber vorher noch den Gruß der Reichshauptstadt, den Oberbürgermeister Böß auf funkentelegraphischem Wege über
Rorddeich an den „Graf Zeppelin" hatte gelangen lassen. Darauf hörte man die klare Stimme Dr. Eckeners:
Werte Hörer und Hörerinnen! Ich danke herzlichst für den freundlichen Willkommgruß, den Sie mir dargebracht haben. Ich mochte zu Ihnen sprechen, um meinem tiefen Bedauern Ausdruck zu geben, daß wir Sie gestern schmerzlich enttäuscht h b.m. Die Wetternachrichten, die wir gestern Vormittag um 10 Ähr erhielten, waren so ungünstig, daß wir ernsthaft befürchteten, daß weder Sie uns, noch wir Sie hätten sehen können. Es ist leider unser Los, Enttäuschungen zu bereiten. Wir können nicht nach jeder Stadt kommen, die um unseren Besuch gebeten hat, und wir können auch nicht über jeder Stadt längeren Au,enthalt nehmen und müssen auch Rachtbesuche ma-
Von unserer Berliner Redaktion.
Die Ankündigung des Stahlhelms, daß er einen Vrllsentscheio anrufen wolle zur Beseitigung von Mißständen der Verfassung ist von links her — aber überraschenderweise auch vom Zentrum — ausgefaßt worden als die Einleitung eines Generalangriffs, der sich gegen die Verfassung als Ganzes richtet mit dem Ziel ihrer Rückwärtsrevidirrung und Heber» holung. Das heißt, die Dinge ganz gewiß falsch sehen, wenn auch zugegeben werden muh, daß der Stahlhelm sich in der Form schwer vergriffen und der Sache, der er dienen wollte, durch den falschen Ton der Fanfare mehr geschadet hat.
Ser Iungdeutsche Orden hat einen sehr viel besseren politischen Blick bewiesen, indem er Hemmungen, die aus dem Vorgehen des Stahlhelms entstehen muhten, wieder beseitigen will. Er stellt sich, wie er in fernem Schreiben an den Reichspräsidenten betont, auf den Boden des Staates. „Der Botschaft des Hasses, fetzen wir", so heißt es in diesem Brief, „unser jungdeutsches Bekenntnis des Dienstes am Volke entgegen." Der Iungdeutsche Orden unterstreicht in diesem Zusammenhang, daß gerade Reichspräsident v. Hindenburg in dieser Beziehung das beste Vorbild staatsbürgerlicher Pflichterfüllung ohne jede Rücksicht auf bie jeweils herrschende Parterrichtung abgäbe. Seine Forderung schließt deshalb mit dem Motto: Hinein in den Staat, um für die Fortentwicklung der deutschen Republik zum V o l k s st a a t e zu kämpfen.
Diesem Ziel entsprechen auch die Forderungen, die das Hochkapitel des Iungdeutschen Ordens jetzt ausgestellt hat. Einmal wendet sich der Iungdeutsche Orden scharf gegen jedes Spiel mit der Wiederherstellung der Dynastien auf dem Boden des Legitimismus, verlangt dann in Verfolg ferner bisherigen Einstellung die politische Gleichheit aller Staatsbürger, verwahrt sich gegen plutokratische Einflüsse auf die Volksvertreter und verlangt schließlich das Koalitions- recht aller Stände und Berufe für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer. Gewiß ist dieses Programm nicht einheitlich, zum Teil auch unklar und an manchen Stellen sogar den tatsächlichen Rotwendigkeiten nicht entsprechend, trotzdem läßt die Gesamthaltung des Iungdeutschen Ordens den Willen erkennen, den derzeitigen Zustand evolutiv fortzuentwickeln.
Worauf es ankommt, ist dies, daß ein sehr starkes Mißfallen über die politische Komödie besteht, die im Reichstag aus falsch verstandenem Parlamentarismus heraus ausge.ührt wird, daß deshalb, wahrscheinlich bei der Mehrheit aller Wähler der Wunsch besteht, ein System zu ändern, das zu solchen Auswüchsen führen konnte und es den Bedürfnissen deutschen Wesens an^upasfen. Wie das im einzelnen geschehen soll, darüber werden nermut- lich die Meinungen auseinandergehen. Der Weg aber, der zur Gesundung führt, kann nur an einem Umbau des Reiches und eine vernünftige Umgestaltung des Par lamen - t a r i s m u s gehen, wobei vielleicht der Hebel am besten beim Wahlrecht anzusetzen hat, durch Wiedereinführung einer Ordnung, die engere Beziehungen zwischen dem Abgeordneten und seinem Wahlkreis schafft und dadurch Persönlichkeitskandidaturen an bie Stelle der Parteikandidaturen stellt.
Damit aber sind die Parteimaschinen nicht einverstanden, die sich unter dem herrschenden Verfahren geradezu als allmächtig fühlen. Hier sind daher Widerstände zu erwarten, die nicht immer nach außen in die Erscheinung treten werden — aus Angst vor Unpopularität —, die aber jede Aenderung des Systems auf dem normalen gesetzlichen Wege hintertreiben. Abhilfe kann also nur geschaffen werden durch die in der Verfassung vorgesehene Form gegen das Parlament, also durch Volksbegehren und Volksentscheid. Dazu ist die Hälfte aller Stimmberechtigten erforderlich, die auch zu bekommen fein wird, wenn es gelingt, über die Parteirahmen hinweg alle diejenigen zufammenzufaffen, die bessern und helfen wollen. Voraussetzung dafür aber ist, daß eine solche Aktion von jedem extrem en Ueberschwang sich
chen. So mußten wir um 3 Uhr nachts Bremen passieren, aber auch um die Zeit hatte man uns entdeckt, denn wir erhielten um 4 Uhr früh ein Radiotelegramm von einer Gesellschaft, die noch in einem Lokal in Bremen versammelt war, und ihrer Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß wir über Bremen geflogen find. Ich glaube aber, daß wir Ihnen ein um so schöneres Bild geboten haben, nachdem wir ihnen den „Graf Zeppelln" in schönster Beleuchtung £c>:n konnten. Wir haben inzmischan einige Uebun- gen über der Rordfee veranstaltet und waren vor genau 12 Stunden über L'aj englischen Stadt Barmouth. Wir kehren jetzt nach Friedrichshafen zurück, wo wir vor Eintritt der Dunkelheit anzukommen gedenken. Damit möchte ich mich von Ihnen verabschieden."
frei halt. Das ist der schwere Fehler, den der Stahlhelm beging, der Hunderttausende miß-, iranisch gemacht hat, die er zur Erreichung seines Zieles nicht entbehren kann. Roch ist es Zeit, daß der Stahlhelm von seinen Haßgesä..gen — die ihm bereits den Bruch mit der Deutschen Dollspartei eingetragen haben — abrückt und zu einer Linie zurückfindet, etwa wie sie der Iungdeutsche Orden vorgezeichnet hat.
Volkspariei und Stahlhelm.
Austritt der volksparteilichen Parlamentarier aus dem Stahlhelm. Berlin. 3. Oft (Prio.-Tel.) Die RalionaMbc- ralc Korrespondenz, der parteiamtliche Presfediensk der Deutschen Bolkspartei. meldet:
Der Vorstand der Reichstagsfraftion der Deutschen Volkspartei hat sich in Anwesenheit von Mitgliedern der Fraktion, die auch dem Stahlhelm angehören, eingehend mit den letzten Vorgängen im Stahlhelm und insbesondere seinen letzten Kundgebungen beschäftigt Die Anwesenden sind einstimmig zu folgender Auffassung gelangt: Die Deutsche Volkspartei hat seither die überparteilichen Bestrebungen des Stahlhelms mit Sympathie verfolgt und es begrüßt, daß auch ihre Mitglieder sich an diesen Bestrebungen beteiligten. Mit den neuerlichen Vorgängen hat sich der Stahlhelm indef, auf dos Gebiet einer von seiner früheren Zielsetzung abweichenden politischen Betätigung begeben. Mit Rücksicht auf die sich hieraus mit Notwendigkeit ergebenden Konflikte zwischen Partei- und Stahlhelmzugehörigkeit hält es der Vorstand für politisch nicht mehr möglich, daß Mitglieder der Fraktion weiterhin dem Stahlhelm angehören.
Aus den Kreisen der Fraktion der Deutschen Volkspartei des Preußischen Landtags wird geschrieben: Bei dem heute erfolgten Zusammentritt des Preußischen Landtags haben die zum Stahlhelm gehörenden Mitglieder der Fraktion dec Deutschen Volkspartei diese erste Gelegenheit benutzt, um in einer eingehenden Aussprache das Verhältnis zum Stahlhelm zu klären. Bereits kurz nach der Wahl hat die Vundesleikung des Stahlhelm für die als Parlamentarier tätigen Mitglieder des Bundes Bindungen beschloßen und veröffentlicht, die von den volksparteilichen Mitgliedern sofort zurnckgewiesen wurden. Daraufhin ist auch von der Bundesleitung eine einschränkende Erklärung abgegeben worden. Durch die verschiedenen Botschaften und Verlautbarungen des Stahlhelms werden für die Abgeordneten, die zugleich Mitglieder des Stahlhelms find, Konflikte heraufbeschworen, die vermieden worden wären, wenn der Stahlhelm seine ursprüngliche, von den Abgeordneten der Deutschen Volkspartei stets begrüßte überparteiliche Einstellung beibehalten hätte. Solange eine Abkehr von dieser neuen Richtung im Stahlhelm nicht erfolgt, sind die 2(6- gcordneken der Landtagsfraktion der Deutschen votkspartei zu ihrem Bedauern nicht mehr in derLage, imStahlhelm mitzuarbeiten, und werden deshalb ihren Austritt aus dem Stahlhelm erklären.
Die Antwort -es Stahlhelms.
Berlin, 3. Okt. ((£H.) Zu brr Stellungnahme brr Reichstags- und Landtagsftakllon der Deutschen Vollspartei gegenüber bem Stahlhelm erklärt bie Reichspressestell e bes Stahlhelm s. baß bi feCntrickll'nz voraus- gesehen worben sei. Rachbrm sich ber Stahlhelm vor zwei Jahren als politische Bewegung erllärt habe, bie politische Ziele mit politischen Mitteln betreibe, habe er notwendig in Grenzstreitigkeiten mit ben älteren politischen Bewegungen geraten müssen, bie ihren Monopolan- fpruch nicht aufgeben wollten. Die gegenwärtige Stellungnahme ber Deutschen Dolkspartei fei lediglich baraus zu erklären, daß bie Deutsche Dolkspartei ben ® in tritt in bie sog.
Bünde und Reichsreform.


