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Nr.2vr Sweiler Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Montag, 5. Septemder (928

Zenseits der Großen Rauer.

Dmi Professor Dr. Waldemar Qehlte.

21* Ich tm Sommer 1924 auf einem her höchsten Wachttürme der Großen d)i n cf i 1 d)cn Mauer ftanb. an einer Stelle zwilchen

Teftnq und Äalgan, auf die mich kurz vorder der gerade durch Peking reifende Sven Hebln aufmerfiam gemacht batte und. milammen mit Qüifltlfad) er und Japanern, htnaMchoute auf die mongelilchcn Oeden. die Anfänge der Wüste Gobi. da dachte lch nicht, baß bitte* cfrttoürbigr Mauerwerk noch im 3.Jahrtaufcnb 'eine* jBc* flehen* fo etwas wie eine neue Politik und Gc- fchtchlc zu i-hen bdomntcn oder gar vielleicht an (ich ielbft erleben würde, denn, militätllch enttDertet. erichien c* mir nur al* der längste, höchste und breitest.' Sew.'is für Goethe* Weis­heit. dast alle*, wa* entstehe, wert fet bah e* zugrunde g.hc Dte*feit* d.-r Großen ME lag io alle* dgcnlltch Ehincsifche. und iogar Peking war Süden für fie und für un*. die wir dort oben standen, umbraust von paradvl aber wahr! - ®üftmtrodmem Höhenwind. ilnt> nun rollt fich die ganze chincf'fchc Frage neu auf jenfeit* der Drosten Mauer.

Born Gelben Meer bei Schanhaikwan folgt die Mauer den Bergkämmen über die Quellen bei tzoangho hinweg al* der Landncgel Drohchina» tm engeren Sinn gegen Mongolei und Man­dschure, politisch allo auch gegen 3a|>an mit Korea Tun kommen truppweise bte bvllchc- wistisch gehetzten Mongolen von Westen, die Mandschuren unter Tfchang Iso ßtn* Sohn von Horden, die Japaner von Osten und bi: ®i.iefi- fchen Nationalisten von Süden. Die grostc chi­nesische Mauer wird zum neuen Symbol de* alten »eich* der Mitte

Damal* galt un* allen noch Tfchang« man- dschunfches Reich al* der ruhende Pol der Zu­kunft in der chinesischen Srichoiyungen Flucht Wer der Deist de* toten Sun Bat Öen über­stieg von Süden her bk Mauer leichter al* bic rohe Gewalt des Marschall* von Norden, denn er umfaßte, wenn erst auch nur gedanklich. 430 Millionen al* ainfccit; und schon al* Gedanke leigte sich eine solche Einheit unwiderstehlich. Henn man nennt sie Dolk.

Die Lhincsen sind politisch noch kein Volk, wir olle wissen c*. und sie werden e* ganz noch in Jahrzehnten nicht fein. Wer dast jetzt jenfett* der 1Nauer und an ihrem Enbe. wo bi? Sow­jets drginncn Ehina al* Ganze* erwogen und umstritten tverden kann, wäre un* allen hort oben vor 4 Jahren seh. unwahrscheinlich «wesen. Um Io mehr bedarf ein solche* Jen- feil* der Klärung

Der feste allein fulttülirtc Kern jenseit* der Mauer bleibt bi* auf toei-ere* die Man­dschurei und hier siegt vor allem auch Ja­pan* einzig? Zukunsttm^lichkeit. *20* Gebirg*- lanb wie Italien ohne öifen und Kohle, ernährt Japan seine unheimlich an wachsend? Devölke- ru na nur noch durch Industrie, die. ohne die mandschurischen »ohstofse verloren ist. Nun hatte aber infolge der Bürgerkriege eine wahre chi­nesische Völkerwanderung von Süden nach Norden eingesetzt, und die Japaner willen soeben erst Ta* ich e* wiader in ihrer Presse: ein Land gehört letzten Onbe» hoch dem. der e* zahlen­mässig mit Uebermacht kolonisiert und kultiviert. Der Zahl nach firmen persönlich die Japaner, hie ba* nörbiiche Klima bet Manbschurei noch schlechter vertragen al* da* ihre* eigenen Hok- keido. mit den cintnanb.Tnben Schantung- unb Dschili Shinefen nicht Schritt holten. Ausgeben dürfen politisch weder sie. noch die chinesischen Nationalisten den chinesischen Norden jenseit* der Mauer. Die Besitz- unb Souverönit3t*frage kann dort oben wohl immer wieber vertagt, frieblid) ober nie zu End? gelöst werden unb bazu schiebt sich al* Japan* ewiger natürlicher Feind durch die Mongolei da* alte N u st l a n d in neuer fcnrm diele* Mal mit weltbrüderli-b au*- eeftredten Armen h:ran an b?n Pazi'i' Di?

Ein Besuch bei Franz von Stuck.

Don Dr. Werner Bock.

Schon da* Destibüc der im römischen Stil er­bauten Billa Stuck* ist ein Erlebnis Jn die marmornen Wände sind Nettes* etnge lallen, au* den Nischen blicken Bildwerke. Die Ichwcrcn Düren in ihrer edlen Linienführung, alle von Stuck llebcvvll entworfen, vervollst irtbigen den monumentalen Gesamteindruck de* frirstlichen Dorraum*. Wir steigen die Marmortreppe em­por und werden in ba* mächtige Atelier geführt Luch hier Marmor und wieder Marmor, die Decke kunstvoll gegliedert, an den Wänden nieder­ländische Gobelin* von grösttem Ausmaß. Jn langer Reihe stehen in der Mitte de* Naume* die Silber, die Stuck in der letzten Zeit ge­malt hat.

Der Meister tritt au* einer Seitentür im Hintergrund ein. Die ganze Erscheinung be* rüstigen Sechziger* in ihrer gedrungenen Krall fügt sich wie selbstverständlich dem antiken Nah­men ein. Man ist erstaunt, daß der Herr diele* Ne.che* in modernem Anzug und nicht in der Toga daherkomm!.

Jch erwähne zunächst b:e beiden Bilder Stuck*, bte in der Siebener Sammlung meine* Onfel* hängen: ..Amor triumphator" und .Glühwürm­chen". Stuck lagt ..Da* sind srühe B-ldcr. Da* zweite habe ich mehrfach gemalt, auch einmal für den Prinzregenren Luitpold." Jch erwähn daß nmne Frau unb ich uns gegenwärtig von Es s i g sorträtteren lallen, der ernst Schüler Stuck* war Der frühere Lehrer denkt lehr doch von Esi g 5er jetzt :n eine besonder* glückliche Schaslcns- Nit eingetreten fei. Seine flächige" Malwc.sc 'ei sehr schön. Stuck verspricht sich viel von Ssiig* weiterer Entwicklung. Aus meine Be­merkung. in gewisser Hinsicht verspüre man del aller Originalität Win* noch Stuck* Einfluß, meinte der Meister ..Mein Streben ging immer bah in, die eigene Entwlcktung meiner Schüler möglichst ungchindcrt sich entsallen zu lassen. Jeder 'oll die Natur durch fein Temperament sehen, am ba* vielfach zitterte Dort wieder ein­mal zu gebrauten. Jch wollte immer nur an- regen und hin deuten, ba* Wesentliche must jeder <u* sich heran* schaffen." Aus meine Frage. 16 Stuck noch Porträt* male, wie* et auf einen prachtvoll auf gefaxten Kops feiner Frau. Daran anschließend zeigte er un* die ausgestellten Bil-

manhfchurische Frage war ja für Then schon immer etwa da*, wa* die messikanllch? für Ame­rika ober dre balkanische wenn man nicht jetzt die von Wilna noch darüber stellt für Europa durch den Tod Tlchang T'o Lin* ausgevechnd in solchem Wendepunkt osta tätlicher Politik aber wird diese Frage jenfett* der Grosten Mauer zur gesährlichsten unb brennmbftm der Welt- polittk und um so schneller, je mehr man über sie schweigt und sie schweigend hinzu ziehen sucht, denn gar zuviel Geld steht ba auf dem Spiel.

Gbina kann warten, denn c* bat eine* für sich, an dem alle Konkurrenten etwa* ver­dienen möchten den Saum. K.inen Hohlraum sondern einen mit überreichen Rohstoffen die lebte Borratskammer der ganzen Gr de Die Zeit arbeitet für China anb gegen Jap? darum muh diese* sich bedien, jenseits de. Grosten Mauer Fuh zu fassen, eh? ihm di? K-a ingtang von Süden die Sowjet* von Westen zuvor- kommen. Der Bau der Tasnon-Tsitihar-Dahn mit japchnschem Gelbe von 1925 war sdt der Anncrion Korea* von 1910 der bebeutung*- vollste Schritt Japan* lanbeinwärl*. denn da­durch vermag e* bei Krieg*au*bruch gegen Nutz- land Tharbin unb Wlabiwostok im Osten abjn- riegeln und zu isolieren, wie c* 1901 ähnlich mit Saint) unb Port-Arthur geschah QTber die Angel- lachsen! Sin engli ch-japani'ches Bündnis beftebt nicht mehr, eher da* Gegent.'i'. und Amerika* Politik muh ebenso chinafreund.ich wie japan- feindlich bleiben, beim beide* ist vorläufig un­möglich.

So kann oder muh die Grotte chanessiche Mauer aut ihrem nördlichen Jenseit* etwa* erleben was au*fiebt wie ein neuer Ausgangspunkt d?r Weltgeschichte. 2fbrr wozu hätte di? Menschheit ' ihre Völkerbünde unb Friedenspakte I werm sie von ihnen nicht wenigsten* bei solchen Gelegenheiten Gebrauch machen wollte' Fabri­zieren und er portieren will doch jede* Boll Amerika, der Grvfwerdicner an Kriegen, die e* nicht selber führt kann am Stillen Ozcai nicht ha*telbc hetauslchlagcn toi? 1914 bis 1918 am Atlantischen, wohrend feine friedliche Aus­fuhr an der pazi'ischen Rüftc in den letzten 25 Jahren von 70 auf 517 Millionen Dollar* jährlich gestiegen ist. Aus- und Sinfuhr dem Jnhalt nach In diesem Zeitraum fich sogar zu­sammen verzehnfacht haben.

Man wird alfo wohf alledrit* bestrebt sdn. die Dinge jcnfdt* b:r ®rohen Mauer fich zu­nächst einmal erst ruhig entwickeln zu lallen, was allerdings sür die Dauer allein Shinas Borteil wäre, beim c* hat den größten Raum unb bie meisten Köpfe. S* darf dabei auch nicht übe Heben werben, dah von Amerika au* bi? Sinfuhr nach Shina zu 30. wenn nicht 40 Pro», durch japanifäx Firmen erfolgt, Japan mithin ein PidfeiHae* Jntcrcflc daran hat an keiner Stell? den Bogen zu überspannen. durch totale ilebereilung sich weltpollttfch sdtzurennen.

Jmmerhin hat di? Grotte chinrsifche Mauer eine Zukunft und jenseits von ihr wirb Mulden nicht die einzige Großstadt bleiben.

Der Kamps der Minderheiten in Frankreich.

Ton unterem ll.-Berichterstatter

'Hochdruck, auch mit Quellenangabe, verboten

Pari* Sn de August.

Die vierte Tagung de* Minberhrit n'ongrdse« in Genf beschäftigte sich mit dem lehr w chtigen Problem der zwifchenstaatlichen Be­tätigung der Minderheiten auf kul­turellem Gebiete. Latz die'? Frage be- lonber* für die Minderheiten des deutfchen Volkstum* ba* Kernproblem ist. solange bie in TcriaUIc* gelchasienen Grenzen bestehen, liegt auf ber Hand S* dürste noch in örinncrung fdn, mit welchen Mitteln bic Nutznieher be* Softem* von VeHaille*. Saint Germain* und Trianon ben Kampf gegea bie auf bem Selbst- beslimmungsrecht ber Völker basierenden For­derungen der v o l k*be u t f che n TI l n hebe i t e n führen. Tefonber* von Frankreich und feinen Trabanten ist bekanntlich die The'e verfochten worden, dah innerhalb de* Deut­fchen Reiche* selbst beute starke Minderheits­strömungen am Werke sind, bte man zu beachten habe, unb bic ebenso wesentlich für bie inter­nationale Diskus ion dr* Minberhtitenproblem* wären, wie der Komps der Volksdeutschen Min­derheiten selbst. Heber diese Anschauung kann man unter Hlnwci* auf die Tatsache, dah nach ber letzten Reich*ragswahl ganze <0 858 Stim­men für bie Listen be* Minderheiten Verbandes abgegeben worben finb, zur Tagesordnung über­gehen Die Taktik Frankreich* und feiner Tra­banten anläßlich jeden Minderheitenkongresie*. die verschwindend geringe Zahl völttscher Fremd- Drper im Deutschen Reiche in den Vorder­grund der Aussprache zu stellen, ist schließlich nicht* anderes al* der Ruf: .Haltet den Dieb". Deshalb dürste c* von besonderem Jntcreffc fein, einmal die Situation der Minderheiten im französischen Staatsgebiet fmnen zu lernen.

Al* kürzlich durch bi? grobe Presse bi? Nach­richt verbreitet würbe, bah in Chateau Line bic vretonif che n Autonomisten eine Par­teitagung abqebalten haben, war e* wohl nur wenigen Politikern klar, welche Bedeutung einer solchen Tagung zukommt. b*nn man finde' heule sehr häufig bie Anschauung vertreten, bah es in

Frankreich keine Minderhdtenbeweaung gäbe die belonbcret Beachtung wert sei. Unter den 38 Millionen CInwohnern der Republik desinben sich aber 3/ Milli onen Angehörige von sprachlichen Minderheiten. Das linb etwa 10 Proz. Menschen nichtsranzosilcher Abstammung. Vergleicht man dies? Zahlen mit denen in Deutschland, so kommt man zu dem Ergebnis, dah die .grande Nation" eine Mind er Helten bevölkerung auf weist, bie viermal so stark ist. wie bie in Deutsch! anb. Sine geschickte Regie ber Pa­riser Regierung hat e* bi* 1914 sehr gut ver­standen. dieses Problem für bie internationale Politik einfach zu verbergen.

Srst nach bem Kriege, mit ber Erwerbung von Slfah-Lothringen. trat hier ebt langsamer Wanbel ein. ber e* auch statistisch ermöglich:? sich eine ülebersicht über bic fremben Dvlk*teilc im stanzösischen Staate zu machen. Sieht man vo ben Q3olf*teüen ab. bie bis auf ihren Dialekt ein selbständiges völkische* Leben aufge­geben Haden, die alfo nicht mehr unter den Be­griffnationale Minderheiten" fallen, so sind es drei große Minderheiten die heute im Kamps gegen den Pariser Zentralismus stehen: die Els a ß - L v t h r i ng c r. bie Bre­tonen unb die Korsen. Dazu kommen auch die im französischen Staatsgebiet wohnenden Flamen die jedoch aus degrdslichen Gründen in enger Fühlungnahme mit ihren Volksgenossen im belgischen Staatsgebiete stehen. Der Kolmarer Prozeß gegen die elsässischen Autvnvmistenführer hat die Lage diese* alemannischen DvlkSttun« grell beleuchtet. Der Kamps der Heimatbewegung und ihre Ziele sind durch die ProzeßauSsagen RicklinS und Ros * zur Genüge bekannt Unklarheit besteht jedoch nr>- über bic "Scheutung beS bretonischen unb des bdifdben DolkSteiles

Durch ben Weltkrieg unb seine Folgen ist in der Bretagne eine Volksbewegung entstanden, bic ungesähr 1.2 Millionen Menschen ersaßt hat. BefonberS die akabemische Jugend ist für die Jdee gewonnen worden, da* bretonische Nationalgclühl mit Stolz und Werbung zu ver­treten. Was dieser Kampf bedeutet, geht au*

ber. S:n Dlanzstück ist bic . Straußcnjagd". eine Reminiszenz au* Aegypten. Zwei Fabelwesen jagen auf gelbem Sand vor tiefblauem Himmel einen Strauß Stuck spricht von her unenblich tiefen Bläue be* ägyptischen Himmel*, ber bis in den Horizont hinein von gleicher dunkler Farbe sei. Wie ander* habe .pn dagegen der H.mmel del)Ion* angemutet. wo ein ewiger Wusserdunst säst ununterbrochen alle* einhüllc und alle Ding?, sogar bie Gegenstände im Hause, beseuchle Außer der erotischen Landschaft ver­dankt Stuck der bayrischen Landschaft viel. Nord- und M. ttcldcullchland kenne er wenig. Gefalle ihn auf feinen Wanderungen ein Naturcindruck. fo mache er ganz feilen eine Skizze. Sr präge sich lediglich das Gesehene fcharl ein und fei bann in ber Lage, tm Atelier alle* haargenau au* der Erinnerung wiedevzugeben. Jch äußerte. SluckS Werk fei ohne Jtalien wohl nicht denkbar. Stuck ..Merkwürd g. daß ich bei meinem edlen Beluch Jtalien* immer ba* Gefühl hatte, al* fei mir alles schon bekannt.- Ich:Sine Persönlich' feit, bie wie Sie die Antike als ihr eigene» Element empfindet, kann ich mir nicht anders erklären als eine Diedergeburl langst vergangenen römischer (9c- schlechter, bie vor Jahrtausenden in diesem Mrenjlanö einmal gewohnt haben mögen.* Stuck erzählte^darous lächelnd, in seinem Heimatdors sei feine Familie inmitten einer blonden Bevölkerung bie einzig schwarzhaarige gewesen, unb scheint damit meine Vermutung nicht abzulehnen. Ich frage Stuck, ob er auch in seiner Lektüre bie Antike bevorzuge. Er be­lobt. Gegenwärtig Ide er bie treffliche Schroderfche Uebertragunfl Homers. Heber D o ß sei ober doch seither niemand hinausgekommen. Voß fei eben Homer wesen-verwandt, beide naive Naturen. EHt beim Lesen einer modernen Homer-Uebedetzung'sehe man, wieviel man Voß schulde

Stuck suhrt uns nun von Bild zu Bild. Alle Werke machen den Eindruck ungeschwächler vollen bder Meisterschaft. Zwei cturmbilber, in benen bte menschliche Gestalt gleich ben Bäumen vom Setter gezaust wirb. Minotaurus vor dem Labyrinth Zwei Marchengestalten im Salb. Akt mit rotem ludi Der Genchtsengel, ein bämoniidxr Jüngling mit unlagbar grausigem Gesichtsausdruck Ich Iprach mehr zu mir selbst-Nicht jeder Maler ist auch ein solcher Dichter" Stuck mit einem feinen Lächeln: ,L>as ist auch nicht nötig!*

Am Schluß seiner Führung zeigt uns Stuck in einer Ecke ein Iugendbildnis, das sein Freund Sam- h e r g e r von ihm gemalt habe, als er noch jung unb schmächtig war camberger nennt erden

Porträtisten Mit ihm, Zügel unb Haber- mann verbinde ihn alte treue Kameradschaft

Befragt, ob er eben Bilder abgebe, antwortete Stuck verneinend. Erst müßten die Berhällnisse wie­der stabiler werben. Ihn reue jebes Bild, das er noch vor wenigen Jahrenverschenkt* habe. Jetzt sei eine schwer beschädigte alte lemperaftubic aus feiner {5ruhe:t bei Helbing mit 51 Millionen') ver­steigert worden. Danach müsse er urteilen, wie er wirklich fertige Bilder von heute bewerten könne

Wir fprachen fchsicßlich noch über die mir perfon sich bekannten Maler Unger (Dresden) und Tanger (Kassel), bic Stuck beide in ihrer Art schätzt. Ich hielt die Zeit für gekommen, Abschied zu nehmen und wurde mit meiner Frau ebenfalls fo freundlich entlassen wie vorher begrüßt.

Höchstleistungen der Menschenkrast.

Bei ben olympischen Spiden biete* Jahre* kommen nun bald bie Tage, in benen wir Ge­legenheit haben werben, höchste sportliche Sinzel- Icrstangen zu sehen. Diele Wc.tkämpfc werben sich unter gespannter Antdlnahme ber ganzen Welt vollziehen, wie ja die Menschen, bte mit besonderer Muskelkraft ausgestattet und zu Höchst, ldstungen befähigt waren, zu allen Zeiten unb bei allen Böllern die Bewunderung erregt haben Von Herkules, der m feinen zehn ..Arbeiten" ganz außergewöhnliche Kraftproben ablegte unb besten Tarne allen Kraftmenschen in ber Folge- zett beigelegt wurde, weist die Geschichte durch bie Jahrhunderte eine Reihe von Männern au', deren Tarnen unb Können der ganzen Mitwelt bekannt und auch der Nachwelt überliefert wurde. Dr Alfred Lehmann zählt in derLeipziger JUufinetten Zeitung" etr.c Anzahl solcher Kraft- menschen bi* zu den heutigen Artisten au:. So hob ber Römer Nustieelius, der sich bereit* ben Künstlernamen Herkules beilegte. sein eigenes Maultier hoch unb trug es davon Ein anderer Römer. Fusins Salviu*. nahm ein Gewicht von zwei Zentner in jede Hand bängte sich eben fo­hl e! an die Füße und kletterte damit auf eine Letter. Einen bleiernen Hannfch von 500 Pfund Gewicht und ebenso schwere Kothurne schleppte Athanotos über die Bühne 2km andern Män­nern be* Altertums wird erzählt, baß sie sieben ober acht Knaben auf entern Arm trugen. Auch tm Mittelalter waren bie Vorführungen 'olcher Kraftteistungen beliebt. Erwähnt wirb babei das

*) Der Besuch fand im Jahre 1923 statt.

ber Tatsache hcrrit daß ber Parteitag in (RMtroulm, liä) cntschlollen bat. bei ben näch­sten Dohlen als lelhständtge Partei out- utretm. Man lorbrrt tn aller lIef'cntllchseit für bie Bretagne Me Autonomie Wie stark biete Bewegung in Paris auf die Nerven gr­ollen ist kann man u a. daraus ersehen, Nrfj die Berich cdlattcr ber grvttcn Panier Presie haben, ül'ev bie politischen xorherungni d.-r Bretonen sacksiich zu beruhten man Hal vielmehr veduchl. den Leser mit e.ncr oMolul sinbllchen Belustigung über bu? Schikanen zu unterhalten, mit denen bic Behörden gegen bic bretonischen Autonomi- sten porgingcn. S'ic Verweigerung bes Rat­hauses als Tagungslokal, b-.e Entsernung der He.matfahnen und d'.e iSinquartierung her Äon- grehdelegienen ausgerechnet bei ben Gendarmen, sind dir beliebtesten Themen gewesen

Die der Rationalität nach italienischen Äorfcn forhem cbvr'all# di? Autonomie Auch ihr politisches Leben wird von dnem jungen Nationalismus bestimmt, der seine Impulse au* der Geschichte diese* Volk*stamme* erhält. Die Wiberstände gegen Frankreich, die ber junge Bonaparte, al* er von der Mllitärakabemte tn seine Heimat zurückkehrte, vvdand. finb heul? wieder In Korsika wach unb lehenbig. Aus dem Kongreß in Ehälcaulin waren ebensall* Der- iretcr der korsischen Autonom lebewcgung an- wesend, wodurch 6er Wille zu kultureller Zu­sammenarbeit stark betont wurde.

Der Kamps der sranzösischen Minderheiten um ihre elementarsten Forderungen ist noch unent- Ichieden Wenn man sich ein Bild von ben Zu- änthm machen will, so muß man sich vor Augen ballen, daß die Pariser Regierung z. B. den (31- -Lothringern tm Jahre 1919 sage unb schreibe drei Wochenstunden deutschen Unterrichte* zu- gestanden hat Darüber bin au* gibt e* Im Schul­unterricht nichts, was an heimatliche Trabitton anknüpft. Dieses Zuaestänbnt* an bic ..wieder- befreite Provinz" gilt aber nicht für bie übrigen Mlnberhctten.

Der Rcgionali*mu* in Frankreich weift Zwei Abzwdgungen aus: eine innerfronzösischc Heimatbeweaung. die den Schwerpunkt ihrer Tätigkeü auf di? Pflege be* Heimatgefühl*, de* Land- und Kleinstablleben* legt, unb bic autonom! st Ische Bewegung Der TI in - derhe iten Beibe stehen im Kampf gegen bie Grohftabt. beite lehnen ben übedpannten Zentra­lismus enttchieben <w. doch in ben letzten Konsc- aucnzen besteht ein we'ent.ichcr Untcrfchieb. der Aktivismu* ber M i nber Helten macht nicht halt vor den Grenzen dc* Staa­tes! llnd hier liegt für das Schicksal Frans- icichs di? Gefahr. Während in ben von ber west- sichcii Zivllifation ergriJenen Großstädten jede* wahrhafte Bollsleben erstickt unb erstirbt, find an ben Grenzen be* Staate* Willensstärke Kräfte am Werk, um ben mit rigorosesten Methoden geschallenen Zentralismus au beseitigen. Frank­reich wirb seine Schicksalsstunde erleben, wenn Geburtendefizit und Mioderheitenbewegung Me Oberhand gewinnen.

Gießen im Herbstlustverfehr 1928.

Dom 1. September ab tft bd ber Deutschen ß u f t h o n f a der Herbftflugplan in Kraft getreten Wie bereit» berichtet, wird aus einigen Linien, insbesondere der Zubringer- unb Bäder- strecken, ber Betrib eingestellt werden.

Gießen, als Durchgangshafen,, wird wie bis­her regelmäßig täglich ongeflogen, nur mit bem Unterschiebe der Zciiänderung '21b 3. September wirb sich also ber Flugplan wie folgt gestalten:

Hannover ab 10.05 Uhr, Kaiscl an 11.05, Kassel ab 11.15, Gießen an 12 05, Gießen ab 1215. Frankfurt a. M. an 12.45 Uhr Frankfurt a. M ob 12.20 Uhr, Gießen an 12.50. Gießen ab 13.00, Kassd an 132)0, Kastel ab 14.00, Hannover an 15.00 Uhr.

Nicht nur bic Ikrbinbungcn nach KassdHanno­ver bzw. Frankfurt o. M. find wie bisher geblieben.

Zerreißen von Ketten, von einer Anzahl Karten­spiele, wozu eine besondere Fingerfertigkeit ge­hört, das Zerbrechen von GeDflücken und ähn- liche Leistungen. Em Kupferstich von 1718 zeigt die Kunststücke Joharm <tadl von Ecken berg* au« Harzgerode: Er steh' auf einem leiterähn­lichen Gerüst und hebt ehr Pferd mit zwei Rdtcrn oder ein Kanonenrohr: zwei P'erde sind nicht imstande, ihn forlzuziehen. er kgt sich zwischen zwei Stühle unb trägt ein halbes Dutzend Männer au' fernem Leib, oder eS wird ihm ein Amboß auf den ßeib gelegt unb man schlägt mit Hämmern darauf. Ein Kanonenrohr von 1300 K:lo Gewicht soll er wie ein Wickelkind im Arm gehätschelt haben. Auch starke Krast- ldftungcn mit den Z ihn en formte er aussührcri Eckenberg hatte viele Tochlolgcr, alle Wander­truppen mußten nach ihm dnen ..Herkules für ihr? Schaustellunaen hoben Bis yeute Hal c* aber noch nxemanb versucht, c* Karl Rappo. der 1854 starb, gic chzuiun. der in einer Hand sech* fünfpfündig? Kanonenkugekn jonglierte Um die Mille des vorigen Jahrhundert* kam dergde- chisch-römischc Ringkampi" auf. bd'en Houpt- helden Emtt Naucke unb Karl Ab* heute noch vielen In Erinnerung fdn werben Ab* konnte ein Pferd Heden, während er an emem Gerüst hing Da* Heben bdonder* schwerer Gegenstände wird mdft durch ein , Geschirr", einem Hüll- oder Schultergürtel vollzogen, um da* Gewicht cu» den ganzen Körper aj verkeilen. Jn den letzten Jahren ist auch ein früher sehr beliebter Trick wieder autgekommen. das Auf fangen einer ab- gelchosicnen ÄOTtrmenfugel; zuerft halte de* vor 60 Jahren der Hader*lebencr John Holtum in England auSgeführt. bem ber erste Vcduch aller- binfl« einen Finger bet linken Hand gekostet hatte. Konkurrenz machte ibm bann bis..Äanonen- fönigin W tt Dictorina, bie auch mit den Arm- muefdn Ketten zersprengte De Kraftleiltimgen ber heutigen Artisten, bu auch im Bilde gezeigt werden, zeichnen sich dadurch au*, daß schwere Gewicht? in die ßu)t geworfen und von oben au' den Toden sollen gelassen werden ober baß alledchwerste Gegenstände rotierend balancieren. Aedarn läßt aus seinem Kopse eine Stange freiten, bic Zwei besetzte Flugzeuge trägt Ein anderer Krofrmcisich hält zwei startende Flugzeuge fest. Karr e Sandwina. die stärkste Frau bet Well. Me Tochter des .bayeri'che-. Hcrlule*" Tawa Drumbach hebt gleichzeirig drei Männer hoch, zerreißt Ketten bi« zu 7 Millimet<r Stärke und läßt fich al« Amboß verwenden.