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ltr.104 Zweiter Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesien)

Donnerstag 5. Mai (928

Das Erwachen Schleswigs.

PolilischeNeifeeindrückeausSrordfchleöwig

Don unserem nach NordfchleSwig enHandten v. si.-Sonder-Vcrici terftatter.

Nachdruck, auch Quellenangabe, verboten Äpenrade. 28. April 1928.

Der NordschleSwlger aller nationalen und polt- nschen Lager stehl im offenen Verzwelf- lungStampf um feine Stistenz und wo« ihm mehr wert al- daS Leben dünkt um bie ererbte Scholle. Seine Liebe tut gefährdeten Heimat überwindet alle Ge- ßenfätze, überbrückt die künstlich vertiefte und erweiterte Äluft zwilchen Dänisch und Deutsch, erwischt die Scheidelinien der Parteien und öter die kümmerlichen Schlagworte .Made in Dtnmorf', durch die man ihn über die wahren Ursachen seiner Not hinweazutäuschen suchte. An Xe Stelle der Phrase tritt, au» den Tiefen bei Volke» heran», der Wille und gewinnt Leben.

Wer heute durch da» Grenz land reist, empfängt vor allem zwei Eindrücke: ersten» den. dah <ä sich wohl lohnt, mit verbissener Energie um diesen herrlichen, rttelgestalttaen Doden. um da» Heimat recht in diesen au» altem Wohlstand cm- Zvrgewachsenen Dörserir und Höfen zu kämpfen. -Stoeücn»; dah schon ein WobnsinnSwerk wie Versailles und völlige Dersländnt-lvfigkeit gegen­über den einfachsten, ursprünglichsten For­derungen der wirtfchastlichen Vernunft dazu ge­hörten. um den Reichtum diefe» Lan- le 6 in 2 rmu t z u verwandeln. Man Iaht sich an den Kopf und ist nicht weit davon entfernt, alle» sür einen bösen Traum zu halten.

Din alteingesessener Dauer dem die ÄriH» <bo» glatte kurze Fremdwort für ein mör­derische» Schicksal) bereit» den halben Hof ge­raubt hat la» mir die Gedanken vom Gesicht <b. wie» mit dem Peitschenstiel über die ver- schuldeten Aecker und sagte mit herber, durchaus «icht fenttmentaler Stimme: .Ja da» sieht cu» wie Gold war e» auch aber jetzt Gibt e» nur noch ein Grab her. ilnb wir sind doch nicht fauler geworden I" (Faul Iah er sicher nicht au», der Mann mit der lorgendurchsurchten Stirn und den aer arbeiteten Händen). .Ich <ing' jo immer noch wenn ich arbeite - da» ist aber auch da» einzigste, was man erir nicht nehmen kann. . Da» war in der reichsten, von der Rot am meisten verschonten Gegend an der Südost-Küste. Bei Tondern, an den Grenzen der Marsch, sah ich einen alten malerischen Hof: mächtige weihe Gebäude mit feilen Giebeln zu einem Diereck gefügt. Trotzig cu» der Zlachlandschaft herausgehoben. wie eine Vurg Heute ist da» Gut Wohl schon in der dritten oder vierten Hand (feit dem Kriege) xmb niemand kann c» halten. Da» f.nb Einzelbilder. Elnzelschicksale doch sie wie­derholen sich, wohin man auch kommt, von Marsch Bu Geest und von Geest zu Hügelland. Sie viederhwlen sich so. dah es einem zentnerschwer auf die Seele füllt, auch wenn man selbst nicht tztngehbrt.

AI» im Jahre 1920 die Abstimmung in Schleswig stattfand, verfügte Dänemark über die Resten Werbemittel, die c» barngJS gab: Über (AahrungSmittell Unb e» verstand sie au»- Aunutzen. sowohl handgreiflich, wie symbolisch.

Aus der einen Seite da» zerschlagene, gefef- |eltv. verarmte, mit dem Hunger ringende Deutschland aus der andern scheinbar ge­seigerter Wohlstand, geordnete Verhältnisse, jjttcr Kriegsgewinn. Dort ein von DolschewlS- mu» und Bürgerkrieg bedrohte», in seinen Grundfesten erschütterte» Staatswesen hier ta» der Mehrheit der Aordschleswiger blut«, snb (so dachte man) gerste-verwandte dänische Königreich Dänische Propaganda, weitgehendste Versprechungen und verlockendste Zukunftsträume. Virtschast-politische Kurzsicht und es sei ruhig angegeben - Mißgriffe der deutschen Derwal- tmg. hatten da» ihrige dazu getan, um der Abtrennung den Doden zu bereiten. 6m in Versailles erklügelte» AbstirnmungSsystem vvll- enbctc da» Werk.

Deutsche Bahnen und Hochöfen in Persien.

tSroßzügige Unternehmungen im Londe des silbernen Löwen.

Don Herbert Inland.

In zahlreichen Fällen ist es im Laufe der letzten Lahre deutschen Unternehmungen gelungen bei in­ternationalen Ausschreibungen ben Zuschlag zu er- Halten und dadurch große ausländische Aufträge Heimzubringen. Der Auftrag jedoch, den Persien vor tarier Zeit mehreren deutschen ®e|<Ufd)aften zur Bebauung einer Bahnlinie erteilt^ hat. Lnd den das persische Parlament vor einigen lagen teftätigt hat. dürste zu den großen gebaren, die fre deutsche Industrie in den letzten Jahren über- rammen hat. Handelt es sich doch um nichts weni- rr. als eine Bahnverbindung zwischen em Kaspischen Meer und dem Persi­sch en Golf herzustellen. Die geplante Bahnlinie wird ungefähr 1700 Kilometer lang werden. Um sich «ine ungefähre Dorstellung von einer foldicn Untier- rung machen zu können muß man bedenken, dah Sie Bahnlinie MemelKonstanz nur 1600 Kilometer Beträgt Die Baukosten werden auf ungefähr 3 00 Millionen Mark veranschlagt, doch können bei einem solchen Objekt Zwischenfälle eintreten, die man vorher nicht berücksichtigen kann. Um sich nun en einigermaßen klares Bild über die Kosten machen zu können, werden die beteiligten deutschen Gesellschaften demnächst damit beginnen, je 100 Kilo­meter von ben beiden Endpunkten der Bahn als Srobeftrecfe zu bauen; diese zweihundert Kilometer Bahnlinie hat die persische Regierung bereits fest ii Auftrag gegeben. Die endgültigen Arbeiten mer- len ungefähr zwei Jahre dauern. Bereits heute laben sich die deutschen Firmen mit einem ameri- Imisch , englisch ' französischen Konsortium in Der- Etnbung gesetzt, um mit diesem gemeinsam den um- fnngreichcn Auftrag ausjuführ» n

Mit dem Dau der neuen Bahnlinie scheint eine reue Epoche für Persien zu beginnen. Has bisher abseits vom Welthandel und Verkehr lag. Zwar be­fanden schon bisher drei Eisenbahnlinien in einer Oefamtlänqe von etwa 210 Kilometer, doch darf

Protektoren" bedingungslos fügen. Irn Jahre 1907 erst teilten sich Rußland und England in die Herrschaft über Persien. Nordpersien wurde ruf- sisches, Südpersien britisches Emfluhgebiet, und die unfruchtbaren wüsten Gebiete, die dazwischen lagen, überlieh man großzügig der eingeborenen Bevölke­rung. Selbstverständlich verhinderten die beiden Möchte jeden Eisenbahnbau, der ihnen irgendwie gefährlich zu werden schien, und nur allzu willig fügten sich ihnen die Vertreter der Kadscharen- Dynastie, die damals Persienregierte". Erst als die Sowjetregierung russisches Unrecht in Persien dadurch wieder gutmachte, dah sie auf ihre Vor­rechte verzichtete, bequemte sich auch England da­zu, dem persischen Volk seine politische Freiheit wiederzugeben Beide Möchte aber waren weit da­von entfernt, sich an diesem für sie so wichtigen Ge- biet zu desinteressieren; Nur die Methoden änberten sich, mit denen beide auf dasselbe Ziel hinstrebten Schon war der domal.ge Schah von Persien bereit, sich durch einen Protcktoratsvertrag wieder in die englische Slbfrängigreit zu begeben, als ihm der jetzige Schah, Rizo Khan, in den Arm siel und ihn daran hinderte. Durch seinen kühnen Marsch auf Teheran, den Riza Khan mit einer Kosaken- brigabe im Fruh,ahr 1921 vornohm, erzwang er die Umbildung des Ministeriums und seine Betrau «g mit dem Amt des Kriegsminifters. Bald schwang er sich zum Diktator auf, verjagte ben rechtmäßigen Schah, besten Thron er unter dem NamenSchah Pahlaoi" einnahm Seiner Tatkraft dürfte es ge­lingen, Persien nicht nur zum politisch selbständigen Staat zu machen, sondern es auch zu einem Faktor ru entwickeln, mit dem die Weltwirtschaft vielleicht m den nächsten Jahrzehnten schon wird rechnen muffen.

Wenn auch deutsche Ingenieure die persische Bahn bauen und deutsche Firmen den persischen Auftrag ausführen werden, so darf man doch kei­neswegs tiefes Land als besonders aussichtsreich für deutsche Auswanderer bezeichnen. Wohl hegt das persische Volk auherordentlich starke Sym­pathien für Deutschland, doch sollte das Schicksal derSchmude-Erpedition", die vor eini­gen Jahren nach Persien ausmanberte und dort kläglich scheiterte, vor unüberlegten Experimenten warnen. Das mörderische Klima, die Ma- la r l a und der Typhus find Gefahren, auf die

man den deutschen Auswanderer nicht genug aufmerksam machen kann, auherdem findet der deutsche Auswanderer gerade im Orient nur sehr schwer Beschäftigung. Berpfle iung, Wohnung und Schlafgelegenheit entsprechen ebenfalls nicht den Ansprüchen, die auch der bescheidenste deutsche Ar­beiter stellt, und die Löhne, die in Persien ge­zahlt werden, sind so niedrig, dah in Deutschland niemand für einen so geringen Betrag arbeiten würde. Auch mit einer Anstellung im persischen Staatswesen, auf die besonders phontasievolle Aus­wanderer Höften, ist nicht zu rechnen, denn die wich­tigsten Posten befinden sich seldstoerständlich in Hän- den von Persern, und während beispielsweise das Zollwesen früher auelch'ichlich von Belgiern ver­wüstet wurde, sind auch diese Posten heute mit per­sischen Staatsbürgern besetzt Perser, die in Berlin, London und Paris studiert haben, bilden die per­sische Gendarmerie aus. Auch die statistischen Rem­ter, die demnächst dort geschaffen werden sollen, werden fast au-schlicßlich mit Persern besetzt wer- den. Dagegen bietet sich der internationalen Automobilinduftrie ein weites Betäti- gungsfeld Hunderte von Automobilen rollen schon heute auf den Landstraßen Persiens, und noch immer scheint der Automobilhunger nicht gestillt. Nicht nur Personen und Wagen, sondern auch wich­tige Nachrichten oermittest bas Auto zwischen ben einzelnen Städten. Bereits heute kann man mit dem Automobil Persien nach allen Richtungen durchqueren. Leider hat sich die deutsche Automobil- inbuftrie nicht frühzeitig genug um bieses wichtige Absatzgebiet bemüht, so bah man auf persischen Landstraßen fast ausschließlich itolleniiche und ame­rikanische Wagen sieht. Eine gute Witterung für kommenbe Bebürfniste beweist dagegen ein Deutscher, der augenblicklich in Ispahan ein kleines Elek­trizitätswerk erbaut. Während heute noch die Petroleumlampe in allen größeren und kleineren Städten vorherrscht, da ja das Petroleum im Lande gewonnen wird, gehört die Zukunft zweifellos der Elektrizität und dem Elektromotor. Aufgabe der deutschen Industrie wird es sein, dem persischen Volk die Fortschritte der Technik nutzbar zu machen, um dadurch auch der deutschen Volkswirtschaft zu neuem Aufschwung zu verhelfen.

Wa» c» für ein Land bedeutet, nach viel- hundertjähriger Gemeinschaft willkürlich zer­rissen und durch eine unorganisch-rücksicht»- lvse Grenzziehung Ieiner natürlichen Handel»- wege. seines einzig möglichen Absatzmärkte» be­raubt zu Werder, bat man erst viel später dafür aber umso schmerzlicher erkennen mülfen. Jetzt weih man, daß Dänemark, seiner wirttchakt- sichen Einstellung und Lage nach, g a r n i_4> t fähig war, seine Versprechungen cinzulö'cn und dah die völlige bedingungslose Einglie­derung in einen auf ganz anderen Voraus­setzungen und Grundbedingungen ruhenden Slaatelörper alle» Eigenleben untergraben muhte, ohne habet neue Dege weisen zu können. Man weih e» jetzt und der Schle»wiger er­wacht Nicht um Dänemark enttäuscht und »er­bittert ben Nücken zu kehren, sondern um da» sorglose, verständniöarme Kopenhagen an die Leben»rechte NordichleSwig» zu erinnern.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang, zu leien, was ein klarblickender dänischer Ge­lehrter. Professor Karl Larsen, vor etwa drei Wochen schrieb: . Aus einer recht langen Nord- schleswig-Reise, die sowohl Dörfer wie Städte berührte und dänische wie völkisch gemischte Ge­genden umfaßte, erhielt ich den Eindruck, dah sich letzt sowohl streng reich-dänisch eingestellte Nord- schleswiger. wie dänftchlprechcnde. deutfchgesinnte .Heimdeutsche" und ferner die nach Sprack-e. wie Gesinnung beuftchen (Bewohner de» Lande» um einen Tisch zu sammeln beginnen, aus dem da» Thema Wirtschaft, Wirftchaft und abermals Wirtschaft liegt dazu noch eine gewal­tige Landkarte mit der Aufschrift .Schles­wig". . . Don Tag zu Tag wird e» deutlicher und klarer, dah da» nordlchleswiglche Problem mit der nationalen Frage noch längst nicht er­schöpft ist. . . Gelegentuch eint» Wiederverei- nigung»fefte» wurde ein hervorragender, alter dänischer Nordschleswiger der nicht zu der dänisch-nationalliberalen Phalanr gehört mit einigem Triumph gefragt, wo» er nun sage. 3a. antwortete er, ich entblöße mein Haupt vor dem Danebrog, aber der Schleswiger wird schon erwachen! . . . Der Schleswiger scheint mir jetzt erwacht zu sein."

E» ist hier nicht der Raum, ben Ausführungen de» Professor» weiter zu folgen. Sie gipfeln jedoch in der Feststellung, dah die Vewohner de» Grenzlande» auch unter dänischer Herr­schaft Schleswiger geblieben seien und das) ihre Eigenart und die Verhältnisse In Nord- schleSwig ein tiefere» Verständnis forderten, al» ihnen bisher von reich-dänischer Seite zuteil geworden sei.

Leiber gehört Karl Larsen zu den ganz wenigen Kopenhagenern, die sich überhaupt nur die Mühe machen, ernstlich über da» Gebiet nachzudenlen. für dessen Gedeihen Dänemark die Verantwor­tung übernommen hat. Man erlebt heute wieder da» nahezu grotesk wirkende Schauspiel, bah sowohl die dänische Parteipresse wie die soge­nannten »führenden Persönlichkeiten" die aus der Not und dem Rechtsgefühl bei Norb- schleSwiger entspringenden Forderungen alS Vagatellen hinzustellen und einfach ins Lächer­liche zu ziehen suchen. GS zeugt von einer Ver­ständnislosigkeit. für die eS keinen parlamentari­schen Ausdruck gibt, wenn der Direktor de» ,Hypothe'en-DarlehnSfonds" in Hadersleben, Hammerich, in einem Interview erklärt dah kein Verantwortlicher jemals die Orb e erteilen könne, die Hypothekenkasie einem NordschleSwiger Rat zu übertragen. Keiner werde ben Leuten bie Fähigkeit zutrauen. die Mittel des Fonds verwal­ten zu können. (I) Der in diesem Ausspruch lie­gende. verächtliche Hochmut gegenüber der gleichen Bevölkerung, die die dänische Vevor- munbung und Finanzwirtschaft bis an den Rand de» Verderbens geführt haben dürste Herrn Hammerich selbst nicht ganz klar zum Vewuhftein gekommen sein. Wenn er dann aber behauptet, daß nur drei Kategorien von der Not betroffen worben seien, unb zwar die Untüchtigen, die Leichtsinnigen und diejenigen, welche sich .ver­rechnet' hätten, ja bann muh man ibn fragen, ob diese drei schuldigen Kategorien nicht etwa viel eher dort zu suchen find, too die Verwaltung des Grenzlande- nach der .Wiedervereinigung" zentralisiert wurde. 3m übrigen geben d e .De-

rufen en" der Bevölkerung den Rat. zu arbeiten und zu sparen (!). anstatt .unsinnige' Forde- nmgen aus zustellen Die man sieht - und die SchleSwiger leben e*. ist Kopenhagen unb sein parlechositftcher Anhang bestrebt, möglichst keinen Schritt von der erprobten Taktik der .Ausflüchte" abzuwecchen. Gbenfowenig ist man aber in Horb-

mütigen Redensarten und e bensolchen Ratlchlä- gen abspeilen zu lallen. Gin Volk, da» seinem Temperament nach fo ruhig, bedächtig und wohl­überlegt ist. Iaht sich durch Phrasen nicht auf­halten. stolpert nicht über Schulmeisterstecken und nennt Seifenblasen eben Seifenblasen

Doch da» Saboratorium der dänischen Politik enthält noch ein zweites Qllittd--zur Neu­

tralisierung nordfchleswigschee .Säuren", ilnb diese» Mittel wirb jetzt in kräftigen Solen unter da» Volk gebracht, die SammlungSbewegung ist .d e u t f ch e M a ch c" fo steht in der dänischen Parteipresle zu lesen und so heiht c» in den Reden der vereinsamten Führer. Da» bedeutet dagegen, dah daS Programm die Fortdauer der staatsrechtlichen Verbindung mit Dänemark fett hervorhebt, dah gewichtige nationaldänisdhe

Männer in den vordersten Rechen der Veve- gung sichen dah unter 60 Namensunterfchristen etwa 50 dauilch und 10 deutsch findl

Am 5. Mai soll eine große Versammlung der sogenannten Tingleft-Leute stattfinden, auf der die .rechten Manner" (wie der Volks- mund die Parlamentarier. Parteisekretäre utw. benennt, bu Mehrheit»bevölkerung wieder vom 3rrpfadc der übernationalen und nberpartci- sichen Sammlung fort- und auf den blumigen Weg der reich-frommen Loyalität zurückführen wollen. Loyal lein, heiht aber s chweigen sich bedingungslos lügen und sich vor jeder Derud- rung mit dem bösen Deutschen hüten .Nationaler Ausgleich" ein hähliche» V>ort in Kopen- bagencr Obren, denn hinter ihm (leben nicht mehr willfährige Dänen und machtlose Deutsche, son­dern die SchleSwiger. Unb was diese .undankbaren' SchleSwiger Städter wie Vavern. Kapitalisten wie Arbeiter sordem. ist einsach da» Recht, ihre Heimat au» gemein­samem Willen unb au» eigener Kraft vor dem völligen Zulammenbruch zu bewahren. Sin Wille und ein Rpcht. an denen sie sesthalten werden so bitter entschlossen, wie die Rot sie gemacht hat.

Der Gießener ßnushaiisvoranMag für 1928'29

Die Denlschrist der Stadtverwaltung.

Mit dem Haushaltsvoranschlag her Stobt Gießen für 1928 29 hat bie Stabtoerwaltung ben Stabtoerorbncten und ber Presse eine Denkschrift über­reicht, die wir nachstehend im Wortlaut zum Abdruck bringen. Eine Besprechung des neuen Voranschlags werden wir noch folgen lasten. D. Red.

Der Voranschlag der Stadt Giehen für daS Rechnungsjahr 1928 schließt in der

Betriebsrechnung

ab mit 5103 260 Mk.. gegen 5 007 561 Mk im Jahre 1927; daS bedeutet gegen 1927 eine Stei­gerung der Auswendungen um nur 95 699 Mk.

(Bel Qhifftellung des Voranschlag- für 1928 ging die Stadtverwaltung von dem Grundsatz auS, dah im 3nteref1e ordnungsmäßiger Finanzwirtschast ein Fehlbetrag unter allen 11 mstän- ben vermieden werben müsse Da der vorjährige Voranschlag einen Fehlbetrag von 750 000 Mk. auswie» unb in ber Zwischenzeit eingetretene zwangSläuslge Ausgabesteigerungen und Ginnahmeminderungen zu berücksichtigen waren, so muhten

für einen Gesamtbetrag von 845 000 Mark (ö. h. 750 000 Mk. Fehlbetrag plus 95 000 Mk.

Mehraufwendungen) neue veckungsmittel gefunden werden. Diese auherordentlich schwie­rige Ausgabe de» Au-gleich» der Einnahmen und der Ausgaben ist in dem vorliegenden Vor­anschlag mit vieler Mühe von der Stadwer- waltung gelöst worden. Selbstverständlich bleibt der Stadtverordnetenversammlung das Recht ge­wahrt. andere Deckung-mittel zu wählen, als die von der Verwaltung vorgeschlagenen. Die Stadt­verordnetenversammlung muh dabei jedoch zwei Umstände berücksichttgen» zunächst die unbedingte Notwendigkeit vollen Ausgleichs de- Voranschlag-, sodann den Umstand, dah die bereit» in den letzten 3ahren stark beschränkten, im gegenwärtiaen Vor­anschlag vielfach noch weiter getonten Ausgaben ohne Gefährdung der städtischen Aus­gaben, die zu mindestens 85 Proz. zwangsläufig sind, schwerlich noch weiter herabgesetzt werden können. (Bei den

Ausgaben

konnte der Zuschuh zur Wohlfahrtspflege (Titel 33) um rund 100 000 Mk. gekürzt werden. Die -Wohlfahrtspflege beanspruchte. dank der (Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage im Rechnungsjahre 1926 statt der im Voranschlag vorgesehenen 945 000 Mk. nur 853 000 Mk.; auch im Rechnungsjahr 1927 wird sie statt der vor­gesehenen 999 000 Mk. mit dem im Rechnungs­

jahr 1926 tatsächlich benötigten Zuschub au»- kommen. Da inzwischen die Wirtschaftslage sich weiterhin gebessert bat, erscheint der im neuen Voranschlag veranschlagte Zuschuss von 899 000 Mark vollkommen ausreichend.

Sine Sntlastung auf der AuSgabeseite tritt ferner dadurch ein. bah der Reservefonds (Titel 59) um rund 100 000 Mk. gekürzt ist. Diese wenig ersreuliche Mahnahme war zur Aus­gleichung de» Voranschlag- notwendig Der al» Reservesonb» vorgeseheneBetrag von 69 700 Mark ist angesichts ber Gesamtabschluhzlsser de» Voranschlags mit 5103 260 Mk. und bei dem Umfange der städtischen Aufgaben an sich zu niedrig und nur durch die gegebene Zwangslage zu rechtfertigen.

Die beiden vorerwähnten AuSgabeerspamlsse werden zum Teil wieder aufgezehrt durch die Mehrausgaben, die fich für Schuldentil­gung (Titel 48) notwendigerweise ergeben. Die Kapitalschulden der Stadt betrugen Mi' c April dieses 3ahres 7,9 Millionen Mark, davon 3.6 Millionen langfristig und 4,3 Millionen kurz­fristig.

Dir Crinnahmdeik

des gegenwärtigen Voranschlag» wird äuherst stark dadurch beeinsluht. dah der zur Aus­gleichung des Voranschlag» 1927 au» Verinö - gcnSmitteln entnommene und In ber De- triebSrechnung (Titel 63) in Einnahme gestellte (Betrag von 750 000 Mk. Wegs üllt unb burch neue laufe nde Deckung-mittel erfetzt werben muh. Die Stadtverwaltung lehnt, wie eingangs bereit» erwähnt, im 3ntereflc gesunder Finanzwirtschast bie Ausgleichung de» orbent* Heben Haushalts aus Mitteln der Vermögens­rechnung für bie Zukunst ab, so unangenehm bie Folgen hiervon sink» unb so schwer die Qlufgabe ist, für ben auSfaNenben Betrag Deckung zu finden.

Eine Erhöhung der Einnahmen ist in dem Voranschlag dadurch herbeigeführt, dah die StrahenreinigungS- unb Müll - abf uhrgebühren derart erhöht worden sind, bah die Detriebskosten voll gedeckt und die in den Vorjahren entstandenen Zuschüsse vermieden wer­den. Sine Erhöhung der Einnahmen ergibt sich ferner dadurch, dah bie Im vorigen Voranschlag nicht veranschlagte V l e r ft e u e r unb F i Hal­ste u e r im bie»tübrigen Voranschlag mit 50 000 bzw. 7000 Mk. eingestellt sink). An dem steigen­den Erträgnis ber RelchSeinkon. men- unb Körperschaft-st euer nimmt d e E.adt nach Maßgabe de» geltenden Reichs- und Lante.'- sinanzau^lcich» dadurch teil, dah ihr 75 000 Mark meor wie im Vorjahre überwiesen werden, auch bei ber Grunderwerbssteuer. Ver- gnügungSfteu et und Wertzuwachs-

man an diese Linien keinen europäischen Mahftab legen. Die Hauptlinie ist die von B j u l f a nach Täbris, die ungefähr 120 Kilometer lang ist und während des Krieges und der Besetzung Nordper­siens von ben Russen erbaut wurde. Nicht weniger als zwei Tage braucht der Reisende, um diese 120 Kilometer lange Strecke zudurcheilens denn der Oberbau ber Strecke ist In so schlechtem Zustanb, bah nur ganz leichte Heine Lokomotiven verwendet werben können. Die geringe Bedeutung dieser Linie erkennt man daran, dah im Dezember 1926 nur un­gefähr tausend Personen unb bOOO Zentner Daren auf ihr bcj.rbert wurden, und b e E > nahmen btdes Monats betrugen nur wenig mehr als 170 000 Mk. Auherdem besteht noch eine völlig bedeutungslose Bahnlinie im Südosten des Lande-, bie von B e - l u b f d) i ft a n nach Dosbab führt, unb bie bie persische Regierung ankousen wollte. Der geplante Kauf unterblieb jeboch, unb auch die Heine Lokal­bahn, die von Teheran nach Schohab- dulalim führt und von einer belgischen Gesell­schaft betrieben wird, dürfte für die persische Regie­rung wenig Inleresie haben. Aber nicht nur Eisen- bahnstrecken werden bie Deutschen in Persien bauen, auch Hochöfen sollen dort errichtet wer­den, um das Bahnmaterial herzustellen. Ursprüng­lich hatte zwar Persien beabsichtigt, die Eisenbahn- bauten selbst auszuführen, doch kam man später zu der Einsicht, dah man die deutsche Hilfe nicht entbehren könne. Die Finanzierung des Bahn- baues, dessen Bezahlung in ungefähr 10 Jahren er­folgen soll, wird zunächst durch bie' deutschen Fir­men unb ein amerikanisch englisch französisches Konsortium oorgenommen werben , die persische Re­gierung anfl bann ihre Schuld aus ben Erträgnissen ihres Zucker- unb Teemonopols bezahlen, das jähr- sich ungefähr 24 Millionen Mark einbringt Edenfo sollen in kurzer Zett großzügige Straßen- bauarbeiten in Angriff genommen werden, bie ebenfalls bedeutende Mittel erfordern werden. Auch diese Arbeiten sind dringend notwendig, denn die persischen Straßen sind augenbllcklich nicht ge­rade muftergültig zu nennen.

Schon lange vor dem Wettkrieg wurde der Plan eines großzügigen Elsenbohnbaues in Persien leb­haft erörtert. Da aber dieses Land in den letzten Jahrzehnten keine polittsche Selbständigkeit besaß, mußte es sich den Vorschriften seiner polttischen