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Nr. |O4 Erste? Matt

(78. Jahrgang

Donnerstag, ?. Mal 1028

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Drud nnö Derlag: vrühl'fche Uniccrntäts Bucb und Steiebruderel R. Lange tu Gießen, bchristieitnng und GeschäftrNelle: Schnlftraße 7.

.Innahme von Snjeiacn für bie lagesnummei bis jur Nachmittag vorher.

Preu tur | am höhe ttr Anzeiqen von 27 re Brette örtlich 8, auiir. rts 10 Reichspsennig. für Ne- klamean teigen von 70 n ia Breite 35 Neichspfennig, Platzoorschnst 20* mehr.

(Tbefrebakteur

Dr. Jnebt. TJilb. Lange. Derantworilich für Vohnli Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H Thgnot, für ben übrigen Teil Ernst Dlumschein, für den An- jeigented kurt Hillmann. fämllid) in (Biegen

Oer Colmarer Autonomistenprozeß.

Colmar, 2 Mai (WB.) 3n der heutigen Sitzung lebte der angettagte Abgeordnete Dr. "X i d fi n feine Aussage fwt. 6r habe gestern lagen wollen, die «lsLIfifche Dourgeoisie sei jcOt ebenso goubetnemental fran-ösilch gesinnt, wie üe vor dem Kriege gouvernemc.nal deutsch gc» lintü gewesen sei. 8r beschreibt dann ausführ­lich, wie er während des Krieges stets bei den deutschen Behörden zugunsten der Slsässer ein­getreten sei. Do führte er beispielSweif« an, vast er die Bevölkerung von KarlSbach vor Ltrastnahnahmen gefchützt habe, als sich dort ein deutscher Soldat, der Wache stand, durch einen Aevolverschub in die Hand selbst verstüm­melte und dann fälschlich behauptete, einem Attentat zum Opfer gefallen zu sein. Ricklln habe als Arzt sestgestellt, dost drr betreffende Soldat sich die Wunde selbst mit einem Re­volver beigebracht habe, und man habe den Re­volver auch gesunden. Ferner habe er die Heim- heförberung von französischen Damen in die Schweiz durchgefeht. Seine Intervention zu­gunsten von Elsässern, die auch dahin gingen, für sie Urlaub zu erwirken, seien um so aner­kennenswerter. als er als Zivilist trotz seine- DitelS als ReichstagSabgeordneter unb als Ror- fitzender des elsässischen Landtages bei dem beul» ichen Militär nur geringen Einsluh gehabt habe. Auherdem betonte Rictlin seine loyale Desin- nung. Erst alS der Reichstag chn vom Treueid entbunden habe, habe er sich für die Tren­nung deS Sl*ah von Deutschland ausgesprochen. - AlSdann wird auf Wunsch RidlinS ein De- richtsurteil gegen den Realfchullehrer und Land­tagsabgeordneten Rrogly verlesen, daS vom 16. 3uli 1925 stammt.

3n der Urteilsbegründung befindet sich ein Satz, wonach Ridlin und vrogly im Jahre 1915 bereits van der Möglichkeit ge­sprochen haben, bah Llfah-cothrinqen Frank­

reich e I n oer Ie i b I werden könnte.

fRidlin bespricht alsdann seine gemeinsam mit Haust, dem Vater des jetzigen Angeklagten Buch drucker chaust, in 'Berlin unternommenen Schritte (1915/16) zur Verhinderung dessen, dast Elsast Loth­ringen unter Führung eines Prinzen, etwa eines bayrischen Prinzen, ein feibständigesFür- st e n t u m werde. Er erklärt, dast die Lothringer bereit gewesen feien, Infolge der Bande, die sie mit dem Saargebict verbanden, preustisch zu werden und feine Gründe als Elsässer nicht verstanden hät­ten. iRttflin verlieft alsdann eine Erklärung, die er am 23. Oktober 1918 im Reichstag im Namen der elsässischen Abgeordneten abgegeben hat, die Bezug nahm auf die Erklärung des Reichskanzlers Prinz Mar von Baden, der die freie Selbstbestimmung der Pfälzer und Eisast die Autonomie versprochen habe. Gegen diese Autonomie habe sich Ricklin ge­wandt. In Wahrheit werde alles, was von Berlin und von der neuen Regierung in Strastburg unter­nommen werde, bei dem jetzigen Stadium, in das die elsässische Frage eingetreten sei, feine wesent­liche Aendcrung der Dolksstimmung, wie sie sich im Lause des Kriege* herausgebildet habe, herbei- führen. Nach der Annahme des Wilfonfchen Frie­densprogramms sei die elsässische Frage zu einer internationalen Frage geworden. Da die elsässischen Volksvertreter annehmen, dast die elfah lothringische Bevölkerung bei Beratung der elsässi schen Frage zu einem grasten Teil ihr Recht, selbst über ihr Schicksal zu b c ft i m men, ausüben wolle, mühten die elfässilchen Volksvertreter fetzt alles vermciden, was die freie Willensänsterung beeinflussen konnte. Wenn die Mastnahmen, die jetzt angekündigt wurden, frü­her getroffen wären, hätten sie viel Unglück verhindert. Ricklin protestiert gegen die 2lnschuldi- gung, dast er bei der deutschen Regierung Elsässer denunziert habe. So feige habe er sich nicht verhalten

Er sei vor Kriegsende nach Strasburg gegan­gen, mit der sesfen Absicht, einen Staats­streich ) u versuchen und die in Stras­burg eingesetzte Regierung zu stürzen und eine elsässische Nationalversammlung und einen Lxekutloausschust einzusehen. Man habe auf feine Veranlagung beschlossen, dast Elsast-Lolhringen provisorisch die kaiserliche Regierung für abaesehl erklärt, um auch der Tätigkeit des Soldatenrates entgegenzuarbei­ten. Die französischen Beamten im Elsast hät­ten sich aber für die Erklärung des Anschluiies Llsast-Lothringens an Frankreich, die der Ra­tionalrat abzügeben gewillt gewesen fei. gar nicht interessiert, sondern andere Sachen im Kopf gehabt. Das Llsast hätte 1918 erklären sollen: wir sind nur Franzosen geworden unter der Bedingung, dast ihr unsere Sprache, unsere religiösen Institute, unsere Berroaltungscin- richtungen anb unsere wirtschaftlichen Inter­essen respektiert. Dast die Elsässer damals eine derartige Erklärung nicht abgegeben hätten, fei ein fehler gewesen, der sich heute räche und deshalb sitze er jetzt auf der Anklagebank, wenn dieser Fehler nicht gemacht worden wäre, würde es keine Autonomiebewegung ge­geben haben.

Alsdann fuhr Dr. Ridlin fort: Wir sind über- zeugte Franzosen und beiden nicht daran wieder Deutsche zu werden. Aber wir Haffen deshalb nicht das deutsche Volk, mit dem uns unter Blut und unsere Rasse Verbinder. Die ©Ifäffcr und Lothringer deutscher Sprache find germa­nischer Rasse, nicht keltischer Raffe. Wir

haben ebensowenig Grund, in dem deutschen Dolkc einen Erbfeind zu erbiiden, wie die Deut­schen veranlassen zu wollen, in dem Fraiizofen einen Erbfeind zu fehen. Wir sind im Elsast Pazifisten. Wir wosten nur die aufrichtige Wiederverföhnung der beiden Völker, die ge­meinsam nach dem Frieden und der Zivilisation der ganzen Welt streben müssen. Die Autono­miebewegung. so fuhr Ridlin fort sei die Folge der Mihstimmung im Elsast. Man habe die elsässischen Soldaten nach dem Wassenstilisiand als .Boches' bemäntelt 6r sei e- gewesen, der daraus bestanden habe, dast in dem Manifest des Heimatbundes die Formel ,3m Rahmen Frankreichs" ausgenommen werde. Es wäre nicht notwendig gewesen, dast die Autonomisten- betoegung mit fremdem (Selbe hätte unter­stützt werden müssen! denn eS wäre genug Geld sür die A u t o n o m i st e n be we- gung vorhanden gewesen. 3m übrigen halte er Deutschland nicht für so dumm, dast eS sein Geld zum Fenster hinauswerse. Ridlin wendet sich dann gegen einen lauten, markt­schreierischen Patriotismus, denn dieser könne nicht ausrichtig sein. Wie könne eine Bevölke­rung über Rächt patriotisch werden, während sie lange Jahre zu einem anderen Lande gehört habe. 3n drei Generationen werde man viel­leicht in Elsah-Lothringen eine wirklich sran- zösische Gesinnung finden. Ridlin betonte.

er fei jur Feil der Deutschen Auionomist ge­wesen. und er habe damals die französische Sprache im Llsast oerteibigl und gefordert, dast sie in den Schulen unterwiesen werde, heule verteidige er die elsässischen Rechte unb Freiheiten, die ganz anders bedroht feien als früher, denn man suche jetzt die elsässische Sprache ausjurotten und dem Llsast seine be­sonderen Eigenschaften zu nehmen.

Deshalb werde er verfolgt. Man habe ihn inS Gefängnis geworfen, um es ihm unmöglich zu machen, seine Kandidatur für die Kammerwahlen aufzustellen. Trotz der Machenschaften sei er zum Abgeordneten gewählt worden.

Zu einem ernsten Zwischenfall kommt es, als der Rechtsanwalt. Abgeordneter D e r t h o n. einen während der Verhandlungen ihm zuge­gangenen Einschreibebrief öffnet und ver­

lieft. der einen Auszug aus einem Artikel vorn 18. Januar 1918 imElsässer Kurier enthält. Dieser Artikel behandelt eine Rede deS damali­gen Reserveleutnants Loen, der dem Schwur­gericht. das diesen Prozest führt. alS Bei­sitzer im Saale angehört. Der Artikel, den Ber- thon dann auszugsweise verliest, hat die Ten­denz, die Anhänglichkeit an den Kaiser zum AuSdrud zu bringen unb zu betonen, bah daS Elsast niemals zum Erbseind zurück- ko m m e n wolle. Berthon kommentiert biesen Artikel, indem er auSsühri: Ricklin hat als Arzt im deutschen Heere gedient. Unter den richter­lichen Beamten, die über diesen Prozest besinden, befinbet sich jeboch einer, ber a l S Reserve- leurnant die eben.zitier! en 21 c u ge­rungen getan hat. Hter greift der General- staatsanwalt ein, indem er ausruft: 3ch erkläre, dast Loen seit dem Wassenst instand ein guter Franzose geworden ist. und eS ift mir eine Ehre chn zu meinen Freunden zählen zu können.

Cs kam zu einer erregten Auseinandersetzung zwischen dem Verteidiger und dem GeneralstaatS- anwalt, der erklärte, er werde Berthon wegen Beamtenbelcidigung zur Rechenschaft ziehen las­sen. Die Sitzung wurde unterbrochen. Rach Wie­deraufnahme der Sitzung erklärte Ricklin. er wünsche keine Untersuchung gegen Richter Loen wegen dessen Rede, denn alleSlsässer hätten eine derartige Entwicklung durchgemacht Darauf ergreift Berthon das Wort und beschreibt noch­mals ben Zwischenfall, der entstanden fei. weil der Staatsanwalt gesagt habe: .Zwischen einem Manne wie Loen und Ricklin zögere ich nicht, meine Wahl zu treffen." 3ch lasse nicht zu, er­klärte Berthon, dast man von .einem" Ricklin spricht. Ein Angeklagter muh respektiert werden, zumal er Abgeordneter und Vertreter deS Volkes ist. Sind Sie, Herr Generalftaat«- anwalt, nicht auch der Vertreter eine- demvkra- tischen RögimeS? Der GeneralstaatSanwall ruft aus: Entschuldigen Sie sich ober entschulbigen Sie sich nicht?" Berthon antwortet. .3a, wenn ich Sie beleibigt habe" Der Staatsanwalt er- wibert: .Das ist aber daS letzte Mal, dast ich 3hre Entschuldigung annehme"

Die Sitzung wirb darauf auf morgen vertagt

Landtagshilfe für die Llntvettergeschädigten an der Bergstraße.

Die am Sonntag über größere Teile Hessens hereingebrochene Hagel- unb Sturmfata- st r o p b r veranlaßte am Mittwoch den hessischen Lc-nbtag, sich mit r a s ch e r H i is e für b i e Ge­schädigten zu befassen. Nachdem Präfibcnt Delp den geschädigten Bewohnern das Beileid des Parlaments ausgesprochen halle, ergriff sofort Wirtschastsminifter Morell das Wort, um ange­sichts der schweren Verheerungen in den betreffen­den Gebieten feine Vorlage auf BereitsteI - I u n n eines Kredites von 100000 Mark für die erste Hilfe zu begründen. Das Haus stimmte einmütig der sofortigen Beratung in einer Zwischen­sitzung des Finanzausschusfes zu, die glatte An­nahme des beantragten Kredites ergab.

Dann fuhr das Haus in der Beratung des Schul- ctats fort und Staatspräsident Adelung erledigte in rascher Folge die von der vorigen Woche zurück- stehenden Abstimmungen im Sinne der Stoahtions- parteicn. Man kam bann noch bis zum Etat des Arbeits- und Wirtschaftsministers. In parlamentari­schen Kreisen glaubt man, noch im Lause der Woche mit dem Etat unb einigen kleinen Vorlagen fertig zu werden. Wahrscheinlich wird das Plenum nach den Wahlen zu einer kurzen Sitzung zusammen treten, um bas Gewerbcsteuergcsetz und einige andere Gegenstände zu verabschieden.

(Sitzungsbericht.

Präsident Delp beginnt den Eintritt in bie Tagesordnung mit bem Ausdruck seiner Anteil­nahme sür bte Llnwettergefchädigten. .DaS hes­sische Volk hat mit großer Anteilnahme Kenntnis genommen von ber großen Llnwetterkataftrophr. bie am letzten Sonntag über große Telle des Hesfenlanbes hereingebrochen war. Gan; befon- bers würben bte Bergstraße unb insbeson- berc ber Ort Zwingenberg unb bellen Be­wohner mitgenommen. Die Staatsregierung hat sofort eine Besichtigung vorgenommen unb bem- gemäß eine Regierungsvorlage zur Linberung der durch bie Unwetterkatastrophe hervorgerufe­nen Rot vorgelegt. 3ch glaube in 3hrer aller Ramen zu handeln, wenn ich bie allergrößte Anteilnahme an bieler Katastrophe ins- befonbere ben Bewohnern Helfens und den Be­wohnern ber Bergstraße ausfpreche."

Auf eine kommunistische Anfrage wegen ber Kohlenpreiserhöhung ertoibertc der Arbeitsminister. Das Land Hellen ift im Reichs- kohlenrat nicht vertreten. Seine 3ntercffen wer­ben durch das Land Württemberg wahr­genommen. Das toürttembcrgifcbe Wirifchafts- miniherium ift daher von mir gebeten worben, feinen Vertreter im Reichökohlenrat anzuweifen, gegen bie Kohlenpreiserhöhung zu stimmen. Ferner ift ber Herr Reichswirifchafts- minifter für ben Fall, baß ber Reichskcchlenrat

bem Antrag dss ReichSkohlenverbandeS toiber Erwarten ftattgeben sollte, von mir gebeten wor­ben, bietem bie erforbetliebe Genehmigung zu versagen. Mehr läßt sich nach Lage ber Sache von seifen ber hessischen Regierung nicht tun.

Der Finanzminister beantwortet eine Kleine Anfrage ber Abgeordneten Frau Hattemer: 3n amtlichen Stellen ist von einer Verlegung des LandeSsinanzamts v^n Darm­stadt nach Frankfurt a. M. nichts bekannt Sollte künftig eine solche Verlegung vom Reich erwogen werden, so wird die hessische Regierung sofort die geeigneten Schritte tun. um eine solche Schädigung des Landes und ber Stabt Darmstabt zu verhindern.

Arbeitsminister Korell

erklärt daraus zur llnwetter.'atastro' he: lieber bie Bergstraße, das Rieb und einen Teil Rhein­hellens ift am letzten Sonntag eine schwere Ra- turlarasllo he ber?: igebrod) Sturm. Regen, Wolkenbruch und ,agcl ha.tn ungeheuren Schaden an Slia^n, Bck-men, Obstbaumen. Weinbergen und Saaten angerichtet. Eine blü­hende Landschaft ist in einer Stunde in ein Trümmerfeld, eine vielversprechende Baum­blüte in winterliche Kahlheit, und Getreide und Kartossel'elber in Schlamm unb Sumps verwan- belt worben, ©cbäube von Staat unb Bürgern wurden schwer beschädigt. Die Bevölkerung der heimgesuchten Gebiete ist tief bedrückt, in Zwin­ge n b e r g um so mehr, als der Orkan auf dem Friedhof ber Ruhestätte Verstorbener, greulich gewütet hat. Dec hessische StaatSpräsi- ben! hat in Begleitung ber Minister am letzten Montag bie Verwüstungen in Augenschein ge­nommen Trotz auSführl ch vorhanbener Mel- bungen waren wir alle betroffen von der Größe deS Unglücks, bas größer ist. als wir ahnten. Der wirkliche Schaben wird erst in einiger Zeit übersehbar sein. Cr wird sorg­fältig festgestellt unb bie Frage ber finan­ziellen Hilfe rasch unb gründlich erwogen wer­den. Der Minister übermittelte fobann dem Haufe eine Regierungsvorlage welche einen f o - fertigen Ärebit von 1 00 000 Mk. be­reitstem. um Gemeinden unb Landwirten Vor­schüsse für die Herstellung von Wegen die Be­schaffung von Saatgut unb evtl, von Futtermit­teln zu ermöglichen. 3m Zusammenwirken mit bet LanbwirtschaftSkammer werben das Ministe­rium für Arbeit und Wirtschaft und die chm unterstellten Behörden alles tun. um die Rot zu lindem und ben Schaben an den Kulturen auszugleichen.

Das Haus fetzte dann bie L^cssprache zum Staatsvoranschlag fort Bei Besprechung bes Kapitels 53

.Landesamt für das Bildungswesen*

erklärt Adg. Keller (D. D.ft Das Probleui der höheren Schule werbe noch bei ber endgültigen ßaflenoericilung eingehend behandelt werden. Von dem Gutachten des Reichssvarkommisiars erwarte er, daß in ihm keine Beschlüsse gefordert wür­ben. die geeignet seien, den hohen Stanb ber hessfichen Schule herabzubrücken Seine Partei habe bei ben früheren Beratungen bes Bil- bungswesens stets Bedeillen wegen der Per- sonalpolitik zum Ausbruck gebracht. Heuie wolle er bies« Bedenken zuruckftellen unb bie Tätigkeit des neuen Ministers ab warten.

Abg. Dr. Werner (Dn.) wendet sich gegen das Verhalten des ehemaligen Präsidenten des Bildungsamtes. Dr. Strecker, und erklärt, d>>ß sich Dr. Strecker selbst zu unrecht htssifcher Rui- l u 6 in i n 1 ft e r nenne. Der Redner fordert von dem Abgeordneten Schreiber den Nachweis, daß iigenbroo an einer hefsischen Schule >:< Jugend gegen den hessischen Staat ausaeputscht wird. 'Bet Schulfeiern mußten auch die Gefühle Andersden­kender berücksichtigt werden. Auch die Sozial­demokraten hätten eingesehen, daß mit dem ewigen Sturmlauf gegen die höhere Schule als Standesschule nicht vorwärtsziikommen fei Der Redner wendet sich gegen die falschen Ziffern der Kommunisten über die Schulaucgaben. Die Sloften für den Aufbauschüler seien bald achtmal so hoch wie die für Schülerinnen an den Höheren Schulen. Der Redner fordert dann noch stärkere Heilig- Haltung des Sonntags.

Staatspräsident Adelung

erklärte bann, im Stampf um Weltanschauungv und religiöse Fragen müsse befonders der Gei st der Toleranz und der Duldsamkeit Platz haben, es müsse Verständnis Herrschen für die see­lische Einstellung und den Eigenwert des anderen. Die Erziehung der Fugend zur Dolksgemeinschast, zur Nation, zum republikanischem Staat müsie un­beirrbare Richtlinie (ein. Hier stehe die Schule und Hochschule vor besonders schweren Aufgaben. Der Staatspräsident gibt der lleberzeugung Ausdiuck, daß sie diese Aufgabe meistern wird und daß die republikanische Staatsform allmählich nicht nur die Stopfe, sondern auch die Herzen erobern werde 'Bei der Erteiluna des staatsbürgerlichen Un­terrichts sei allerdings noch mancherlei abanbe- rungsbebürftig. Die Lehrerschaft habe erkannt, baß

1 m demokrattsch-rez

die Erziehung zum republikanischen Staatsgebanken absolutes Erforbernis sei In der Presse unb in Lehrerkreisen sei wiederholt zum Ausdruck gclom- men, die Simultanschule in Hessen sei gefähr­det, weil das Zentrum an ber Koalitionsregierung beteiligt und auch im Kultusministerium vertreten ist. Der Staatspräsident erklärt: Ich stehe auf dem Boden der Gemeinschaftsschule, weil ich ber Mei­nung bin, daß durch die gemeinsame Er­ziehung r o n f c f | i o n e II e Berit 0 in b e ft c n gewahrt bleiben und die gemeinsame Schulbank sehr viel ZUM g e q c n | i t i g e n Verständnis und zu r gegenseiti­gen Achtung beiträgt. Aber cs ift ja kein Geheimnis, daß das Zentrum grundsätzlich die Kon- sossionsschule erstrebt und der Aufsassung ist, durch bie konfessionelle Trennung könne bas|elbc Ziel besser erreicht werden, jedenfalls muß aber doch anerkannt werden, baß bie Herren des Zentrums unbeachtet ihrer grundsätzlichen Stellungnahme stets loyal dem S multanschulgedanken Rechnung ge­tragen und sich niemals ber Durchführung dec ge­setzlichen Willen- widersetzt haben. Der tommuni- stllche Abg. von der Schm'tt hat von dem reichlichen Material gesprochen, das ihm zur Verfügung stehe. Wie kann man von Militarismus sprechen, weil die Bänke hintereinander stehen oder beim Turnen in Reihen angetreten wird Wenn von dem f a p i ti: fi 11 gm n Charakter der Schule ge­sprochen wurde, weil in ihnen zum Sparen aufge- fordert wirb, so darf ich doch darauf hinroei|en, daß auch bie Slommunift'n Sparkassen in Anspruch nehmen. Dr. Werner hat bem früheren Präsi­denten des hesfi chen Landesbildungsamtes be polt« tllchen Hochstapelei oerdächtgt, weil er sich >ls Kultusminister a D. bezeichnet. Das ift formell gewiß nicht richtig aber zur Bezeichnii! g ber Funktion eines Leiter eines selbständigen Res­sorts nicht abwegig Durch Wendungeil, wie sie Dr. Werner gebracht hat, wird oer polst sche Kampf un­nötig vergiftet. Der Staatspräsident gibt daraus eine Darstellung über

die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche,

nach ber bie Abg. Art unb Hammann gefragt hatten. Rach Art. 138 ber Rrichsversallung werben bie auf Gesetz. Vertrag ober besonder en Rechts titeln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften burch bie Lan- desgefetzgcbunq abgelöst. Dir Grunbfähe hier­für stellt oaS Reich auf. Die LanbeSge'etzgcbung kann daher noch nicht eingreifen. Dagegen schwe­ben Verhandlungen zur Feststellung der Grundlagen ber Staatszu'chüfse an bie Kirchen insbesondere darüber inwieweit bie Leistungen auf Rechtsverpslichtungen beruhen ober inwieweit sie freiwillig ge­geben werben. Die juristische Fakultät ber Lan- oesuniveriität ist um ein Gutachten hierüber ersucht worden, bas Gutachten steht aber noch aus. Auch im Finanzministerium wirb ein Gutachten über diele Frage ausgearbeitet, ton bem ein größerer Teil bereits vorliegt unb dem Landeskirchen amt zur Stellungnahme über»