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Nr. 259 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)_______Srektag, 2. November (928

Oie ewige Jugend.

Wan ist so jung, wie man sich trainiert!" Zwar heißt es im allgemeinen:Man ist so lung, wie man sich fühlt", dock) ist der Mensch oft der Selbsttäuschung hingegeben. Wer genau wissen will wie jung er ist, der gehe auf die Aschen­bahn, laufe feine Strecke und sehe nach der Hhr. DaS Deutsche Turn- und Sportabz^ei- chen lst für jede Altersklasse nichts anderes als ein Anreiz, seine Jugendlichkeit zu prüfen und sie fich zu bewahren. In den fünf Proben, die daS Deutsche Turn- und Sportabzeichen Mann und Frau zumutet, soll die AVgemeinleistung des Körpers unter Beweis gestellt werden. Die Lei­stungen sind so abgemessen, daß sie auch m der Blütezeit des Lebens nicht ohne werteres gezeigt werden können, ja selbst berühmte Sportsleute haben trainieren und sich strecken müssen, um alle fünf Prüfungen zu bestehen. Anderseits ist das geforderte Maß wieder abgewogen genug, um auch im vorgeschrittenen Alter bewahrt wer­den zu können, wenn man sich nur die Jugend des Körpers, der Seele und des Willens erhal­ten hat.

Ein Beweis dafür ist, daß der Deutsche Reichs- auSschuh für Leibesübungen bis zur Stunde das ?oldene Turn- und Sportabzeichen 659 mal auSgeben konnte, und zwar an 1607 Männer und 52 Frauen über 40 Jahren. Ganz besonders erfreulich ist, daß gerade die letzten Jahre eine beachtliche Zunahme dieser Auszeichnung von Veteranen der Leibesübungen gebracht haben. In den beiden letzten Jahren vor dem Kriege erwarben 118 Männer das goldene Abzeichen, in den sieben Jahren von 1919 bis 1925 weitere 778, also im Durchschnitt 111 jährlich. 1926 wur­den 226, 1927 266 goldene Abzeichen cm Männer verliehen, und in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres bereits 219. Das Turn- und Sportabzeichen für Frauen wurde bekanntlich erst 1921 eingeführt. Bis 1926 erwarben das goldene Abzeichen 31 Frauen, also etwa 5 jähr­lich. 1927 waren es 8 und von Januar bis Ok­tober 1928 bereits 13.

Die volle Bedeutung der Leistungen dieser Männer und Frauen wird erst dann klar, wenn man sich die folgende Zusammenstellung, die über das Alter der Erwerber des goldenen Turn- unb Sportabzeichens in den letzten neun Vierteljahren Auskunft gibt, nachdenklich betrachtet: von den Erwerbern standen bei der Verleihung im Lebens­jahre

bis zum 45. 46.50. 51.54. 55. 57. 59. Männer 387 80 15 1 1 1

Frauen 19 1 1

Jeder, und gerade der Spvrtsmann und Turner, wird die bis ins Alter bewahrte Leistungsfähig­keit, die aus diesen Zahlen spricht, nur bewundern können. Hier zeigt sch, daß planmäßige LeibeS- übung ein Jungbrunnen ist, der Frische und Rüstigkeit bis in späte Jahre spendet.

Heute sind es noch unverhältnismäßig wenige, die ihre Rüstigkeit durch den Erwerb des gol­denen Turn- und Sportabzeichens bewiesen haben. Dies sollte anders werden. Besser als alle Reden von den Vorzügen des Sports und als alle Er- innerungSansprachen, welch vorzüglicher Turner man früher gewesen sei, wirkt die Persönlichkeit deS Menschen, der durch seine Leistungen selbst das darstellt, was er verspricht. Ein solch Junger in grauem Haar schafft mehr Rachfolger, weckt mehr Gewissensbisse, verbreitet mehr Ju­gend um sich, als ein Sportredner. Wir sollten allmählich dahin kommen, daß es zum Ehrenpimkt jedes Vereins gehört, möglichst viele Besitzer des goldenen Sportabzeich.ns unter seinen Mit­gliedern aufweisen zu können. Wert über die Vereinskreise h.naus haben sich schon Freunde der Turn- und Sportsache um dieses Abzeichen mit Erfolg beworben. 2llle Derufsklassen. vom ein- fachsten Arbeiter bis zum höchsten Beamten, sind unter den Inhabern vertreten. Dadurch entwickelt sich eine Gemeinschaft von Vorbildern, die sich

Geld W vom Himmel.

Vornan von Paul Enderling.

Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.

33. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Grotteck wippte nachdenklich die Reitpeitsche in der Hand.Jeder muß sein Gesetz leben. Da ist nichts zu machen. Ich mußte erst die Kunst an mir ablaufen lassen, die mir nun mal in den Adern saß und rumorte. Glauben Sie mir, daß andre ihre Hörner bei schlechtem Gelegenheiten einrennen."

Das weiß ich. Ich verstehe von diesen Dingen auch so wenig und maße mir da kein Urteil an. Von Kunst verstehe ich verflucht wenig. Auch wenn Ihre Frau Mutter sprell, fühle ich nur, daß es schön ist, aber warum ..."

Unser Klavier ist miserabel. Es muß mal ge­stimmt werden." Er hörte nicht gern, daß das Ge­spräch auf seine Mutter kam.Lieber Papendick, Sie müssen mir Hessen und raten, als rechter Nach­bar: ich will nämlich mein eigner Inspektor werden."

Bravo. Ihr Specht ist ein ausgekochter Spitz­bube, und es ist ja auch sonst das Netteste, was es gibt. Ihre Frau Mutter ist nun mal nicht dazu geschaffen, so was zu überblicken. Da gehört ein Mann hin."

3a", fiel Grotteck schnell ein.Da gehöre ich hin. Aber ich verstehe davon ungefähr soviel wie Sie von der Kunst."

Sie können ja lernen."

Haben Sie geeignete Bücher?"

Papendick wurde verlegen. ;,(Ein Landwirt und Bücher? Nun, ein paar landwirtschaftliche Schwar­ten habe ich wohl noch aus meiner Elevenzeit her. Ich will sie raussuchen und bringen. Aber die Praxis? Wißen Sie was? Lernen Sie bei mir!

Entzückt wollte Kurt Grotteck zugreifen. Dann aber fiel ihm ein, daß diese Freundlichkeit nicht ihm aalt, sondern dem Sohn seiner Mutter. Sein Blick fiel auf die rasierte Oberlippe, und er mußte lächeln. ^Zuerst mal die Bücher, und dann will ich mir Ihren freundlichen Vorschlag durch den Kopf gehen lasten."

Aber Geld gehört auch dazu", sagte der andre ernster.Die Hypothekenzinsen und so was."

Sie sind für diesmal gestundet", wich Grotteck aus. Die Dank In Dayzig halle die fremden Scheine

Turnen, Sport und Spiel.

ihre Jugend bewahrt haben, von Vätern und Müttern, deren Kinder an ihren Eltern den Segen dauernder Jugendlichkeit verspüren, von Eltern, die ihre Jugend fort erb en auf Kinder und Klndeskinder.

Handball-Lokattreffen in Gießen.

5. Nachdem vor drei Wochen die Fußballmann­schaften der beiden führenden Gießener Sportvereine, V. f. B. und Sp. Ng. 1900, einander gegenübertraten, stehen sich am nächsten Sonntag auf dem 1900er Platz die Handballer gegenüber. Es finden Spiele der ersten aktiven Mannschaften, der ersten Ju­gend- und Schülermannschaften, statt. Seither konn­ten die 1900er beweisen, daß sie den Leuten vom Waldsportplatz ein gutes Stück voraus waren, be­sonders bei den Senioren. Inzwischen hat aber Der V. f. B. eine Junge, äußerst eifrige Mannschaft auf die Beine gebracht, die alles daran setzen wird, um sich gut aus der Affäre zu ziehen. Dazu kommt, daß die Spielvereinigungsleute auf einen so wichti­gen Posten, wie den des Mittelläufers, einen Ersatz­mann stellen müssen, was sich besonders hinsichtlich des Spielaufbaues nachteilig auswirken dürfte. Bei den Jugendmannschaften läßt sich kein Maß­stab anlegen, da die Mannschaft der Bewegungs- Ipieler bislang noch nicht an die Oeffentlichkeit ge­treten ist. Der - geringste Kräfteunterschied wird fich wohl bei den Schülern bemerkbar machen. Die oeiden Mannschaften standen sich schon einige Male in Privatspielen gegenüber und trennten sich nach hartem Kampf unentschieden bzw. mit einem Tor Unterschied.

Im Anschluß an das Ortstrefsen kämpft die zweite Mannschaft der Sp. Vg. 1900 mit der ersten Mann- chaft des D. f. L. Wetzlar um die Punkte. Daß diese »en Gästen zufallen werden, kann nicht im gerina- ten in Zweifel gezogen werden. Es interessiert also ediglich, in welcher Manier die Leute um Paulus das Spiel gewinnen werden.

Handball im T. 23.1846.

Das am vorigen Sonntag in Wetzlar erzielte 1:1 gegen den dortigen Turnverein war eine Heberraschung. Wird die 1. Mannschaft der 46er ihre gute Form erneut beweisen, oder geht Wetz­lar aus dem Rückspiel als Sieger hervor? Gießen ist auf alle Falle ein beachtenswerter Gegner, und die Wetzlarer werden am nächsten Sonntag alles daransehen müssen, um zu gewinnen.

Die 2. Mannschaft hat Heuchelheims 1. zum Gegner. Die Spielstarke beider Mannschaften lst, nach den letzten Spielen zu urtellen, ziemlich gleich.

Die Jugendmannschaft hat in der Wetzlarer Jugend einen gleichwertigen Gegner. Da beide Mannschaften dre Verbandsspiele nicht mitfpielen, wird das Spiel als Freundschaftsspiel auS- getragen.

Handbatt-Verbandsspiele

im Männeriurnverein (ö. T.)

In der Vorrunde der Mei terklast«. konnten sich die Männerturner gut durchsetzen. Am nächsten Sonntag beginnen nun die Rückspiele.

Die 1. Mannschaft hat als Gegner den Tv. 1860 Bad-Nauheim. Beide Gegner sind als aleichwertia anzusehen. Die Männerturner werden alles aus sich hcrausgeben müssen, um sich den Sieg nicht nehmen zu lassen.

Die 2. Mannschaft fährt nach Butzbach und spielt gegen die 1. Mannschaft des dortigen Turnvereins. Die Männerturner werden einen schweren Stand haben, denn die Spielweise der Butzbacher hat sich sehr gebessert. Die letzten Spiele konnte Butzbach sämtlich gewinnen. Wenn die Männerturner auf gleicher Höhe sind wie im letzten Spiel, dürfte Butz­bach der Sieg nicht so leicht fallen.

Das interessanteste Spiel des Tages wird wohl das Jugendtreffen in Friedberg um die Entscheidung in der Gaujugendklasse fein. Der Mtv. steht unge- schlagen an der Spitze der Tabelle, Friedberg folgt mit 2 Punkten Unterschied. Friedberg hat wohl den

anstandslos genommen. Man war ja dort an Geld aus aller Herren Länder gewöhnt, und dann stamm­ten sie von seinen internationalen Konzertreisen. Der alte Herr dort hatte ja auch seinerzeit bei jenem Konzert im Danziger Schützenhaussaal ge­sessen, das er als Wunderkind von elf Jahren ge­geben hatte. Nur die Prüfung der Scheine hatte einige Zeit gekostet.

3a, bann können Sie also an die Arbeit gehen." Der Gutsbesitzer begleitete ihn noch ein Stück. Beim Abschied sagte er zögernd:Grüßen Sie 3hre Frau Mutter von mir herzlich und sagen Sie ihr ..."

Was soll ich sagen?"

3ch wäre froh," stotterte Papendick,ich wäre so froh ..."

Wenn wir mal zu Ihnen kämen?" fiel Grot­teck ein.Aber gewiß. Wir werden uns ja nun oft zu sehen kriegen, vielleicht öfter, als Ihnen lieb ist. Schönen Dank."

Papendick wandte das Pferd. Gesenkten Kopfes ritt er weiter.

In der nächsten Zeit hatte Frau Karola nicht viel von ihrem Sohn. Er saß oben auf seinem Zimmer und büffelte sich tapfer durch die Bücher durch. Er hatte keine Zeitung nachkommen lassen und wollte keine lesen. Es mußte ein Strich gemacht werden. Die Arbeit an Grotthausen würde alles rechtferti­gen: einmal würde er alles ausgleichen können. Bis dahin mußte er Ruhe haben: nicht rechts noch links sehen, wie der Mann im Märchen.

Aber die Ruhe hielt nicht an. Mitten im eifrigen Studium des Kunstdüngers und seiner Methoden überfiel ihn ein Heißhunger nach Nachrichten aus der bewegten Welt, die er verlassen hatte. Die alle Unrast überfiel ihn, und es half nichts, daß er die Finger in die Ohren steckte, wie einst als Kind, wenn er beim Lesen nicht gestört werden wollte. Die Stimmen von draußen waren lauter. Sie durchdröhnten das stille Grotchausen wie Po­saunenton.

Er mußte Zeitungen haben es half nichts. Er stürmte hinunter, ließ den Braunen satteln und ritt zum Krug in Niederstein. Denn bas Blättchen, das man zu Hause wegen der Märkte und der be­hördlichen Anordnungen hielt, brachte nur dürre Notizen. Es hatte auch die Meldung des Berliner Blattes wie eine eigene Meldung aus Bukarest gebracht, aber so verstümmelt, daß kein Mensch Daraus klug werden konnte.

Vorteil des eigene) Platzes, aber die Männerturner werden alles aufbteten, um den Sieg und Damit Die Meisterschaft mit Vach Hause zu bringen.

Handball d. Tv. 1899 Großen-Buseck.

Der Turnverein Großen-Duseck, erst vor kurzem in die D. T. eingetreten, spielt als sechster Verein in der Meisterllasse des Lahnbezirks. Zum ersten Derbaudsspiel fährt Buseck am näch­sten Sonntag zum Tv. 1860 Marburg. Normaler­weise wäre mit einem Punktgewinn der Grohen- Dusecker zu rechsnen. Aachdem jedoch die beiden Halbstürmer durch Unfa.I bzw. Operation län­gere Zeit spielustfähig wurden, wird sich Großen- Buseck sehr anstrengen müssen, um ehrenvoll zu bestehen.

Handbail in Großen-Linden.

Vergangenen Sonntag spielte die Schülermann­schaft des Tv. Großen-Linden nicht gegen die Gleiche des Mtv. Gießen, wie aus Der Dienstagnummer desGießener Anzeigers" hervorging, sondern sie war Gast der Schüler des Tv. Wetzlar-Niedergirmes und kehrte mit einem 1:0-Siege nach Haufe zurück.

Turngau Lahn-Oünsberg.

Auf dem in Wißmar abgehalteren Gauturn- tag wurden durch einstimmigen Beschluß nach­stehende Derattstaltungen für 1929 folgenden Vereinen zur Abwicklung übertragen: Geräte­wettkämpfe TM Lollar, Gauturnsest TD. Wiß­mar, Schülerwetturnen TD. Londorf und Berg»' fest TD. Hausen. Es wurde ferner ein Geräte- turnlehrkursus eingelegt, der am Samstag,! 3. Rovember, beginnt und in den Lokalitäten' des TD. Wchseck durch einen auswärtigen Turnlehrer abgehalten wird.

Fußball in Güddeutschland.

Bezirk Main-Hessen.

Am nächsten Sonntag trägt die Gruppe Main einige besonders wichtige Spiele aus. Eintracht Frankfurt will sich gegen Union Rieder­rad von der ün Vorspiel erlittenen Riederlage rehabilitieren. Bei ihrer derzeitigen Form kann ihr dies gelingen. Auch F. Sp. V. Frankfurt hat bei der erstejn Begegnung mit Rotweih Frank­furt eine knappe Riederlage hinnehmen müssen. Diesmal sollte die wesentlich stärkere Mann­schaft aus' Boacheün das bessere Ende für sich haben. Die Ottenbacher Kickers werden sich vor dem zur Zell in guter Form befindlichen F. C. 1893 Hanau inachtnehmen müssen, dagegen wird die F. Dgg. 03 Fechenheim auch auf eigenem Platze gegen Germania Bieber wenig auszurichten haben. Viktoria Aschaffenburg und Sp. Dgg. Ha­nau werden sich gegenseitig auf den letzten Ta­bellenplatz verweisen wollen.

In der Gt-uppe Hessen sicht der D.D. Wiesbaden mit dem F. C. 03 Langen relativ punktgleich. Gin kleines Plus mag man den Wiesbadenern für den kommenden Sonntag ein­räumen. Worfnatia Worms wird in Reu-Jsen- burg gegen den D. f. L. einen schweren Stand haben, aber schließlich doch gewinnen. Wesentllch leichter sollte es Alemannia Worms auf eigenem Platze gegen Hassia Bingen haben. Für die Sp. Dgg. Arhellgen ist gegen den F. Sp. D. 05 Mainz keine Aussicht herauszurechnen.

Bezirk Dahern.

Die Gruppe Rordbahern wird Franken Nürnberg gfgen den 1. F. C. Rürnberg, den 1. F. C. DayLuth gegen die Sp. Dgg. Fürth und Bayern Hof gegen den A. S. D. Rürnberg ver­lieren sehen, trotzdem die mutmaßlichen Sieger sämtlich auf fremden Plätzen anzutreten haben. Rur das Tressen D. f. R. Fürth gegen den F. V. 04 Würzburg hat ungewissen Ausgang. Beide Vereine haben in letzter Zeit Gutes gezeigt, sind auch bis jetzt punktgleich in der Tabelle.

Die Gruppe Südbayern hat ihr wich­tigstes Spich in dem Treffen D. S. D. München

gegen Schwaben Augsburg. Die Münchener könn­ten hier allenfalls den Vorteil des eigenen! Platzes ausnühen, sonst spricht alles für die Augsburger. S. D. 1860 München wird den Himer Schwaben nicht zu den ersten Punkten verhchsen wollen, dagegen bleibt bei Jahn Regens­burg und Teutonia München das Kampfende ab- zuwarten.

V. f. B.

Am kommenden Sonntag fährt die Liga- Mannschaft nach Burg, um gegen dessen Liga zum fälligen Devbandsspiel anzutreten. Die dortigen Plahverhältniffe sind für die heimiche Mannschaft ein außerordentlicher Vorteil, wäh­rend sie jeder derartig kleine Ausmaße unge­wohnten Elf schwer zu schaffen machen können. D.f.D. sollte sein Spiel von vornherein entspre­chend einstellen. Wan darf Gießen aber doch einige Chancen auf einen knappen Sieg zu­sprechen, zumal sein Sturm aller Voraussicht nach durch Völliger wieder verstärkt fein wird. Immerhin wird es alles aus sich herausgeben müssen, wenn es seine Spitzenstellung behaupten will. Der Plahverein gehört in diesem Jahre zum erstenmal der Kreisliga an und hat sich in dieser durch fein b^her verhältnismäßig gün­stiges Abschnciden einen guten Romen gemacht. Die Mann.cha.ft versteht es, das ihr mangelnde technische gönnen durch Wucht und Energie zu ersehen, und sie ist besonders auf eigenem Platz ein schwer zu schlagender Gegner.

Bei den Ligareservemannschaften ist das Kräfteverhältnis ein wesentlich anderes. Hier darf man mit ziemlicher Sicherheit der V.f.B- Elf einen klaren Sieg Voraussagen.

Die 3. und 4. Mannschaft sind spielfrei.

Die I uig e n d- und Schülerabteilung ist wieder mi|: fünf Mannschaften auf dem Plan. Die erste 3ug«nd trägt auf eigenem Platz gegen die gleiche des V. f. B. Butzbach ein Vflichtspiel aus und sollte, wenn sie sich anstrengt, gewinnen können. Sehr hoch wird der Sieg allerdings nicht werden, da Butzbach von jeher immer eine recht spielstarke Jugend stellt. Die 2.3ugend ist in Steinberg Psiicht- spielgegnejr Der Dortigen 1.3ugendrnann, .jaft und hat etwas weniger Aussicht auf Erfolg. Wenn sie die Leistungen des Vorsonntags wiederhott, kann sie immerhin ein Unentschieden herausholen. Die 3.3u- gend hat ip einem Gesellschaftsspiel Die 1.3ugend von iHermannstein zu Gast. lieber Den Ausgang dieses Irenens kann nichts vorausgesagt werden, da Hermannstein zum erstenmal gegen eine V. f. B.- Mannschaft antritt, und über seine Spielstärke nichts bekannt ist, Dasselbe gilt von dem Spiel Der 2. Schü- lermannschpst gegen Die 1. Schüler Hermannstein. Für die 1. Schülermannschaft ist eine Iugendelf Des Turn- unh Sportvereins Lollar als Gegner ver­pflichtet worden. Es will scheinen, daß hier den kleinen D.^s. B.ern etwas zuviel zugemutet worden ifL

Spiirlvereinigung 1900 Gießen.

ö. Am nächsten Sonntag find alle Seniorenmann­schaften spielfrei.

Die Jugend tritt bereits in die Rückserie Der Pflicht­spiele. Sv muß 1900s 1. Jugend zur 1. Fugend von ©rünberg. Die 2. Jugend empfängt auf eigenem Platz Lechgesterns 1. Jugend. Die 3. Jugend trägt in MarbUrä gegen D. f. B. Kurhessen 4. 3ugenD ein Ge­sellschaftsspiel aus, während die 1. Schülerelf Die Schüler in Steinberg besucht. Auf Grund der Mann- schast^ufstcllungen könnten Die Blauweißen mit allen Mannschaften erfolgreich sein.

Kußball in Heuchelheim.

Im Derbandssplel tritt am kommenden Sonn­tag Dvubringens Erste gegen die Erste vom Sportverein Heuchelheim an. Obwohl Daubrin- gen bis jetzt noch kein Spiel gewonnen hat, ist die Mannschaft doch von Spiel zu Spiel bester geworden. Wenn die Heuchelheimer keine Heber» rcstchung erleben wollen, dürfen sie den Gegner nicht zu leicht nehmen.

man;Um imTiiarMnob

Der Krugwirt begrüßte den jungen Herrn von Grotthausen freudig.Rare Gäste sind Die liebsten Gäste, Herr Baron!"

Auch hierBaron"! Wie leicht hätte er es als Hochstapler haben können!Und wenn Sie mich. Fürst unD Durchlaucht nennen, ich trinke Doch bloß ein Lagerbier."

Macht nichts. Einmal muß man anfangen. Eins nach Dem anDern, sagte Der Fuchs, als er in Den Hühnerstall stieg."

Die Danziger Zeitungen Des Krugs waren zer­fetzt, beschmutzt, voller Bier- und Kaffeeflecke. Ein­zelne Seiten fehlten, bei anderen hatte man Stücke herausgeschnitten. Er gab es bald auf, hier nach Neuigkeiten zu suchen.

Aber eine Notiz peitschte ihn auf. Auch in Stock­holm war man groß angelegten Fälschungen auf Die Spur gekommen. Diesmal waren es schweize­rische Franken und Scheine der Bank von Eng­land gewesen, Die in meisterhafter Nachahmung ins Publikum geworfen waren. Einige Leute hatte man verhaftet, bald aber als harmlos entlassen. Nur zwei Russen hatte man einstweilen zurückbehalten, weil ihre Pässe nicht in Ordnung waren.

Der Titel hieß:Rußland im Spiel?" Grotteck sah er wußte nicht, warum sofort Blinsky vor sich. Und Daneben BroDersen, Dessen Name sich ja auf jenem Zeitungsausschnitt abgepreßt hatte. Warum Dachte er immer an BroDersen? Er war ja blind, also ein willenloses Werkzeug in Der Hand seines Prioatsekretärs. Unsinn Brodersens Wille war stark wie Diamant. Um so schlimmer war aber Dann alles. Er ertrug es nicht in Der kleinen gemütlichen, verräucherten Wirtsstube mit Den OelDrucken an den Wänden und Der vergolde­ten Germania aus Gips.

Er stellte Den Braunen ein und fuhr mit Der nächsten Kleinbahn nach Danzig. Auf Dem Bahn­hof kaufte er Die neuesten Blätter, aber das ge­nügte nicht. Er muhte wissen, was in Dieser Zwi­schenzeit geschehen war, wo er Davon geträumt hatte, Grotthausen aufzubauen, um Dann merbenD vor 3nge zu treten.

Die alten Straßen, Die gleich an Dem moDer- nen Bahnhof begannen, unb die er so gut von Der Schulzeit her kannte, durchschritt er eilends, um zu Den Zeitungen selber zu gehen. 3n Der Breit­gasse, Die auf bas Wahrzeichen Danzigs, bas Kran­tor, mündete, in Der Ketterhagergasse, der Hunde- gaffe mein Gott, gab es Diese Namen noch immer?* am Epenbhaus, überall kaufte er Die

Zeillinüsnummem der letzten Zeit zusammen. Der Schweiß rann ihm nieder, als er mit seinem Riesen- pak« in ein Kellerlokal am Langenmarkt nieder- flieg. Einen Augenblick zögerte er auf Den ersten Stufen, als Das Glockenspiel vom Ratsturm ' zu spielen begann:Nun Danket alle Gott ..

2!Jb®.- gleich Danach lief er Die Stufen abwärts, stolpernd unD ausglejtenb: Der Friede, der aus dem alten, frommen Lied strömte, war nicht in ihm.

Er bestellte Porter wie alle ringsum und blät- tertp d e Zeitungen auseinander. Jetzt fühlte er erst, wie zeitlos er auf Grotthausen gelebt hatte: alarmierende Nachrichen schrien überall in Sperr- drück aus Den Spalten.

Wie Raketen am AbenDhimmel schossen sie auf« Auch in Prag waren Fälschungen entdeckt worden. 3n Brüssel. 3n Mailand. 3n London. 3n Smyrna. 3n Kopenhagen. 3n Hamburg. Unb immer waren es 'Scheine verschiedener Länder gewesen, meisterhaft nachgeahmt und nur dem Eingeweihten als Fäl- fttyjiig kenntlich. Hier und Da hatte man Leute verhaftet. Die sie in Umlauf gesetzt hatten, aber sie hchtvn nur wenige Falsifikate neben zweifellos echten bei sich gehabt. Sie galten als reingefaüene Bt.tvogene.

Eine Zeitung warnte vor Senfationsftimmung u»d Nervosität unb fuhr fort: Es liegt nahe, an eüie Zentrale zu denken, von Der aus diese Fäl- fdpungen geleitet werben. Aber es ist nicht einzu- schen, was diese Zentrale damit bezwecken sollte. Der Gedanke an Rußland, der ja hier und da cmfaetaucht ist, muß wohl fallengelassen werden, seitdem auch russische Papiere gefälscht aufgefunden wurden. Man kann der Räteregierung alles möa« liche zutrauen, nur nicht, daß sie ihre eigne Wäh- mng entwertet in einem Augenblick, wo sie auslän­dische Kredite mit allem Eifer erstrebt. Wahrschein­lich liegt hier der Fall vor, wo ein gelungenes Ver­brechen ansteckend wirkt, wo DieSerie31 beginnt Die geringen Erfolge, Die man bisher bei der Ver- flplgung und Befragung Der Ertappten gehabt hat, 6r$yn in der Tat die Befürchtung nahe, daß Der Anreiz eines bequemen, wenn auch nicht ungefähr­lichen Gelderwerbs noch einigeTalente" zur Nach- eInnung verlocken wird. Auf alle Fälle werden die Banken unb Regierungen aut tun, bie Augen offen zu holten, wenn nicht tatsächlich Der Geldmarkt in Werroirrung gebracht und jenes Vertrauen erschüt­tert werden soll, ohne daß ein internationaler wirt- jchaftlicher Verkehr unmöglich ist.

(Fortsetzung folgt.)