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NrM Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (Generalanzeiger für Gberhessen)Donnerstag, 2. August 1028

Zwei Königinnen.

Maria Christine von Habsburg.: 3um 70. Geburtstag brr Muniqin-l^uucr von Lpauiru.

Di, JtoniflitunuUer ron Spanien vollendete am 21. 3ult ihr siebzigste« Lebensjahr. - Richt nur inner-all) der spanttchen Grenzen gedachte man dieses Tages Teilnahme, denn unter den fürst! chl Stauen Europa«, die daS Anrecht auf eine Ären« als «in Abzeichen, das fl« von den übrigen Sterblichen unterscheidet, noch nicht verloren haben gibt es keine zweite, die in dem Wahe der Degenband uneingeschränkter Der- «chrung und Hochachtung geworden ist wie die bewunderungswürdig« Mutter AlsonS des XIII. Doht niemand würde sich «rkübnen zu bestreiten, daß diele seltene Srau den hohen Rang. zu dem ft« durch öefmrt und Heirat bestimmt war. auch nerd-.ent hat. denn Maria Lhnfttna von Habsburg, di« im Jahre 1885 di« Regentschaft für den früh verstorbenen (Batten übernahm und hn darauf folgen den 3ahr dem jcy.gen spani­schen Herrtcher das Leben schenkte, länger al« ein halbes Jahrhundert daSDorbildeiner Königin gewesen, so war fi« noch mehr al« dies das Vorbild einer Mutter: und selb- die. die politische Gegner der Königin waren, haben der Mutter di« Anerkennung und Bewunderung niemals vertagt. Wenn Al­fons XIII., der als schwächliche« Sorgenkind ge­boren wurde, ein Mann geworden ist. der nicht nur bei jeder sich bietenden Gelegenheit Zeichen persönlichen Mutes und ungewöhnlicher Kalt­blütigkeit abgelegt hat, sondern im Sport es an Gewandcheit und Widerstandsfähigkeit mit jedem aufnimmt, mit klarem Verstand und oft be­wahrter diplomatischer Gewandtheit feine Herr- schcrpflichten ausübt und durch sein ritterliches Aus treten, verbunden mit bezwingender Li eben«- toörbidkit. sich die Herzen aller erobert, so ist dies etn Wunder von aufopfernder mütterlicher Lieb« und mit Fürsorge geleiteter Erziehung, die er feit seiner frühesten Jugend genossen bat. Vor allen Dingen aber hat diese Evz- ye^ogin auf dem fpanischen Thron das k ö - ni^liche Ansehen wieder zu Ehren gebrad)t, das «in Jahrhundert lang unter dem Übeln Bei­spiel chrer Vorgängerinnen schwer gelitten batte: der Zeitgenossin Goyas Maria Crnfa. jener an­dern Maria Shristina. der vierten Gemahlin Ferdinands VII., und deren Tochter Isabel II., so daß es nicht zuletzt die Empörung über die SittenlosigkeU des königlichen Hause« gewesen war, di« im Jahre 1868 zum Sturz der Mon­archie in Spanien geführt hatte

Königin Maria Ehnftma ist vor kurzem, bei der Rückkehr von einem Besuch, den sie in Mün­chen abgestattet hatte, auf der Durchreis« in Boris auf dem Bahnhof des Quai d'Orsay von emer andern fürstlichen Mutter begrüßt worden, der in der Verbannung lebenden Königin- witw« von Portugal, Arnalia. Manche, dir dieser Begegnung der beiden königlichen Frauen beigetrobni haben, Müttern von fast gleichaltrigen Prinzen, deren Schicksal als Herr­scher benachbarter und stammverwandter öänber, so ähnlich es hätte sein können, doch so verschie­den geworden st, erinnern sich des ersten Be­suchs der wegen ihrer Schönheit gefeierten Portu­giesin als sungv erwählter Gattin des später ermordeten Don Carlos von Braganza in Ma­drid. Das Leben schien damals der in Sevilla geborenen 2bnaka von Orkan« »uzulachen. wäh­rend sie dot der wegen de« Tode« Alfvn« XII. in tiefe Trauer gekleideten spanischen Königin empfangen wurde. Wie so aanz anders hat sich seitdem das Geben der beiden Königinnen ge­staltet Die eine must sich in der Fremde mit einem Lebensabend t&mmkdKr Erinnerungen begnügen. Der Mutter des Königs von Spa­nien aber ist beschieden gewesen, nachdem sie während ihrer Regentschaft eine Zeit schwerer Sorgen und nationaler Ungewißheit durchgemacht hat. «inc Periode wirtschaftlichen und politischen Aufstiegs m Spanien zu erleben, wie ihn damals, als sie ihrem jungen königlichen Gemahl die Hand reichte, auch die kühnste Phantasie nicht zu träumen gewagt haben würde

Die kluge alte Frau hat in ihrem langen er­fahrungsreichen Leben stets wie eine gütige Fe« neben dem Thron ihre« Sohne» gestanden, und .hr besonnener und wohlüberlegter Rat soll auch heute noch m manchen Fällen gehört und be-

' die eir:'

dem halben Jahrhundert, da« fi« in ihrer neuen Heimat verbracht hat. volllommen Spanierin ge­worden ist. dafür spricht die ungewöhnliche Be­liebtheit. deren he sich bei allen Kreisen der Be­völkerung erfreut: Angehörige aber der srüherim Doppelmonarch c die sich an die Fürstin mit irgendeinem Anliegen gewandt haben und bei ihr stets ein bercinmlltge« und gütiges Gehör finden, haben es erfahren, daß he trotzdem Oesterreichenn geblieben ist. - Jedem, der es erlebt hat. wird ein Konzert eine unvergeßliche Erinnerung geblieben fein, in dem vor zwei Jahren auf ausdrücklichen Wunsch der Königin- mutttr Eugen c

die Fledermaus-Ouvertüre dirigierte Cs war geradezu rührend zu drobachten, mit welcher sichtbaren Freude die vornehme alte Dame jene Melodien wieder hörte, bei denen sie ihrer fer­nen Wiener Jugend gedachte, und wie sie sich im Takt jener Walzer toteste und bewegte, deren Zauber nun einmal auf rede« österreichische Gemüt elektrisierend wirkt.

Emma von Waldeck.

Zum 70. UcburtGlafl der Königin-Mutter der Niederlande.

Die Körrig in/IRutter von Holland, geb. Prin­zessin Umma von Waldeck und Pyrmont. begeht am 2. August ihren 70. Geburtstag. Ganz Holland rüstet sich zu einer großartigen Huldigung Man verehrt und liebt Königin Emma nicht nur al« ehemalige Regentin, man dankt es ihr. dast sie dem Lande eine Prinzessin geboren, die sie zur klugen, tatfräftigen Regentin erzogen hat

Rach dem l(*>0 erfolgten Tode des Königs von Holland übernahm Königin Smma die Regent­schaft bis zur Großjährigkeit ihrer kömgnchen Tochter. Die gleichen Eigenschaften, die sie selbst besah. Takt, HerzenSgüte und Pflicht­treue spiegelten sich in derselben wider. Um­geben von zärtlicher Liebe, umschwärmt vom ganzen Lande, wuchs da« Prinzeßchen heran. Da es das einzigste Kind war. lud ihr die Königin-Mutter Öfter« Altersgenvssinnen zum Be­such Zweima, m der Woche wurden sogenannte Spieltage an gesetzt, an denen eS von Krnberlachen im Schlosie widerhallte. 3n das Grziehungssystem der Königin war lieben hn Verwalten eine« Be­sitzes eingeschlossen, und so erbaute man dem Töchterchen nahe von »Het Loo" (dem Sommer- sttz der königlichen Familie) ein Schweizerhäus­chen. Wilhelminchen fand s ich prächtig damit ab. Sie beteiligte sich an landwirtschaftlichen Arbeiten und freute sich, selbst geerntete Kartoffeln höchst- eigenhändig zu rösten.

Der Schul unterricht begann für .ons Wllhel- mtnje, wie der Bolls mund sie normte, im Alter von sieben 3obren. Der Rektor der Haager Demeindeschule wurde mit dem Slcmcnfanmter- richt betraut. Die Han darbet tsstunde leitete die Königin-Mutter selbst, ibn der Bevölkerung Ge­legenheit zu geben, die zukünftige Königin von Angesicht kennenzulernen, wurden in jedem Jahr Besuche in den Provinzen gemacht. Richt selten gab es dabei Tränen: dem kleinen Mädchen ge­hrt manches, was es zu sehen bekam, keineswegs. Aber Königin Emma zwang ihr Kind zu fiten gern Gehorsam. Für 3ntognitorcifen, wie cs Königin Emma liebte, zeigte die tönigllche Tochter weniger Reigung, und eine AeuherungWilhelminjes" wurde viel belacht. AIS sie einmal auf einen Zug auf dem Bahnhof zu warten hatte, was für ihr lebhafte« Temperament eine Geduldsprobe war, wandte sie sich mit den Worten an ihre Mutter: »Ra. wenn das Znkognitoreisen ist, dann danke ich recht schon dafür!"

Die ungeniert sich die Fürstinnen unter der Bevölkerung bewegten, illustriert ein kleiner Vor­fall. 3n Friesland machte das könialiche Töchter­chen ihre Mutter auf ein friesisches Fahrzeug aufmerksam und sprach den Wunsch aus. dasselbe

au besteigen. Als ftr sich hcneingesetzt hatte tnc Beine Ärnigm war leicht gekle-.de: wMidte ftd) eine alte Sridin an di« Qtegcnt.n mit den Dorten: . Frauchen. Sie musien 3br Kind wärmer anziehen sonst erkältet es sich." Die Königin lächelte ihr sekundlich zu. und di« Raivität gmg von Mund zu Mund - 3m BrabMitichen bot man der kleinen Königin ein Nationalgericht eine Art Graupen zum Kosten an Duhelmine brach in Tränen aus und sträubte sich dagegen Aber ihre königliche Mutter zwang sie, keinen Refus zu geben Ucber Königin Emmas päda- gogttches Talent ward im Lande mit gröfter An­erkennung gesprochen Man erzählte lich. dast Königin (hnma den Lehrern der Königin Wii- bdnurv geboten, das Kind während der Lehr­stunde bis zu ihrem dreizehnten Jahre mit .du" und keinesfalls nnl .Majestät" anzusprechen

3m September 1896 wohnte die junge Äbnigin zum ersten Male der Eröffnung der Kammer bei. Ss war ein inhaltsvoller Moment, als her Zerc- nwnienmeister im Ratssaal verkündigte: .3hre Majestäten!" Die Regentin, wie immer schwarz gekleidet, die Königin im weihen Atlas und Hut mit weihen Federn 2U« Königin hatte sie vor der Mutter den Vortritt. Alles erhob sich und bejubelte die Fürstinnen Es war ein holdseliger Anblick, in jungfräulicher Schüchternheit die junge Äönigw auf den Thron zuschreiten zu sehen An der Schwelle blieb sie stehen und ihr fragender Vlick flog zur Mutter: .Soll ich?" Die Regentin antwortete mit den Augen, und die junge Königin nahm zum erlten Male öffentlich den ersten Platz ein Die Regentin hielt die Thronrede, und bald darauf erscholl. .Es lebe die Königins"

A unmehr stand die königliche 3ungkau voll­ständig ui der Mitte aller Interessen Man 'achte und fand Eigenschaften, welche beide Eltern in sich vereinten, in Wsidc'.nr.ne wieder So zeigte sie ! ten tis gaiu lange Kön gin jene absolute Seshständigkeit. die man an Königin Emma bc- wändert batte. Ohne eine Spur von Frömmelei ist sie stark ,:n Glaub.ni und brfanbei ihre echte, wahre Religiosität dadurch, dast sie ihre Landes- ftnbcr ohne Untrrsib.ed der Konfessionen liebte und nach ihrer Befähigung rangierte Altes was fte tat. nahm ihr Ro!k gern aas. und als sie starke Somvathten für rVutschland bekundete, ze gte das Land der Rlvnhers em gar ix ränder­te« Bild Deutsche Künstler, die nach Holland kamen, wurden überaus freundlich auf genommen, deutsche Industrie und Mode verdrängte tnc französische Als Wilhelmine den Thron bestieg, war es. «Äs wünsche das Volk selbst eine deutsche Verschmelzung, denn so oft eine Verlobuiigs-Ber- mutung auf tauchte, war es ein deutscher Prinz, der genannt wurde, bis das Ereignis zur Tat geworden

Was die Ätmxgtn von Holland wahrend der Krtegsjahre für i\'ut1<bianh gewesen, wird un» auslöschbar in der Wettgesa-'chte bleiben, and toenn tnc Holländer den Geburtstag der .Kömgin Emma in Dankbarkeit sciern. dast he ihnen eine Herrscherin erlogen, die der Stolz der Rittton ist. so möchte wohl auch unter Land der königlichen Frau Huldigungsgrüste in Eherbietung bart)rin­gen. Vlöge sie den, Lande noch virt« 3abrr er­halten bleiben I

IX. Olympische Spiele in Amsterdam.

Vierter Tag. Williams gewinnt auch -ic 200 Meter! Oie deutschen Diskuswerfer enttäuschen.

Waren higher die leichtathletischen olympischen Wettkämpfe vom Regen verschont geblieben, so hatte der Himmel am Mittwoch, dem nierten Tage der Olympiade, kein Einsehen. Dom Beginn bis zum Schluß der Kampfe regnete es ohne Unterlaß, und dast tröst der Ungunft der Witterung noch so hervorragende Leistungen geboten wur­den, zeigt erst die glänzende Verfassung aller Wett­kämpfer, die Wind und Wetter trotzen. Vier Olympiasieg er konnten am Mittwoch feftgestellt werden.

Der rOOMeterLndlaus, ju dem von deutschen Läufern Romig und Schüller starte (en. wurde von dem Kanadier Williams gewonnen, der nach dem 1(M^ Bieter-Sieg damit seinen zweiten grohen Erfolg io 21,8 Sekunden er­rang. Körnig belegte Im toten Bennen mit dem Amerikaner Scholz den dritten Plast. Hinter ihnen fam erst Schüller ein. Zweiter wurde B a nfleleq (England).

Eine trostlose Angelegenheit war für die deutschen Farben das Diskuswerfen. Weder Paulus. Hoffmeister, noch Hän­chen kamen im Dorkampf mit dem ungewohnten Gerät über 40 Meier. Man weih zur Stunde noch nicht, wem di« Schuld 'an dem Versagen unserer Leute zuzuschieben ist. Olympiasieger wurde H o u f e r - Amerika mit 47.32 Meter. Die Silberne Medaille fiel an Klvi - Finnland mit 47L3 Meter, während Amerika durch Torfon mit 47,10 noch den dritten Platz belegte.

3m Stabhochsprung kamen vier Ameri­kaner in die Entscheidung und drei belegten die ersten Plätze. Dor Weltrekordmann Sahin San wurde mit der OI ym pifchcn Rekord­leistung von 420 Meter Erster vor feinen Landsleuten Droegemü ller 4,10 Meter und Mac G i n n i S 3L5 Meter. Wie im Stabhoch­sprung. so hatte auch Deutschland mit dem AuS- gang de« 1 10-Meter-Hürdenlaufen« nicht» zu tun. Es gab hier eine überaus knappe Ankunft und nur die Zielrichter konnten das Sr- gebni« erkennen. Erster Atkinson - Südafrika. Zweiter Anders on- Amerika. Dritter Lol­li e r - Amerika: Zeit dos Siegers 14,8 Sek. Dei ghtrnan-Gmith. der am Vortage noch Weltrekord lief, wurde heute nur Fünfter.

3n den 800-Meter-Endlauf der Frauen kommen drei Deutsche. Mari« Dollinger gewann ihren Vorlauf in 2 22.4 in Weltrekordzeit. Elisabeth Oe ft reich- 3ena wurde hier nur Fünfte und schied damit aus. Den zweiten Lauf gewaim Frau Lina R a d t k e - BreSlau in 2.26 wahrend tm dritten Elfriede Wewer-Lennep sich durch einen dritten Platz qualisizierte.

3m 1500-Meter-Lausen der Herren plazierten sich ebenfalls drei unserer Mittel­streckenläufer für d e Entscheidung. Wichmann siegte in 4:03. B ö che r in 3:59,6. während Krause Zweiter hinter El l i s - England in 4 01,8 wurde. Sinnig P e l tzer siel im 5 Vorlauf, in dem er nur Vierter werden konnte, aus.

Weltrekord beim 110'Mir.Hürdenlauf

Bei den im l lOMeter-Hürdettlaufen auOgr- icagenen Zwticherüäufen gelang es dem Suhr afnfaner Weigthman-Smith mit 14,6 einen neuen Weltrekord aufouftrften. Der deutsche Vertreter Steinho rbt wurde in feinem Zwischenlauf nur Fünfter Sieger Hieb hier Gaby iffiniglaub'

Deutschland im S 000'Meier Laus ausgeschieden.

'Bei der Austragung der 5000-Meter- Dvrläuf« schieden beide deutschen Vertreter au« dem Rennen 3m zweiten Vorkauf wurde Volhe sHamburg) nur Sie­benter. tm dritten Vorlauf der 'Berliner Kohn Fünfter hinter R u r rn i (Finnland) Sieger der einzelnen Dorläufe waren Lcrmond (ilSOfj, im zweiten Vorlauf Scklöf (Schweden) und im dritten Lauf Smith (USA).

Deutschlands Florettfechter im Sndtamps.

Am Mittwoch wurden dre Dorkämpfe tm Damen-Florett-Fechten ausget ragen. Don den deutschen Der trete rinnen kommen Frau Del ter«. Frau Sondheim und Frl. M e v e r in die Zwischenrunde. 3m Einzels lorett- fechten sür Herren wurden am Mittwoch in acht Gruppen die Teilnehmer für die Zwi­schenrunde sestgestellt. 3n dtese kommen von

Hymne auf Waiklki.

Don Sofie von Lthde.

WaLti. bu Hauer Traum in der Südsee, patmenumraufcht. meerumspült, von Liedern klin­gend etn Lied du selbst aus einem göttlichen Saftensptet, warum hat bi« Erinnerung an dich auch mit ein« so gewaltig Überfällen? 3ft es toetl vor meinen Fenster ein Heiner Bogel fang, die Kchle schwer von Frühttngsfreude. tft es weil frei und glücklich wie ein schöner Gedanke, frei über den lickten Hmnnel eine weihe Wolke flog, frei und glücklich wie ein schöner Gedanke, frei und glücklich wie deine Küste. Daikiki?

Unh nun wandere ich verloren durch den tosenden Berkehr Berlins, renne gegen eilige Bäuch». laufe in fluchende Dierradbreotien. ziehe mir die Mißachtung aller Berkehrsschupvs zu: und das alles, weil das Verlangen nach Nm Hauch deiner salzigen Winde mir die Sorte auf- wühlt Wackcksi du Schöne, du unerreichbar Herne!

Es war em leuchtend Nauer Tag. als ich au« Nr Hitze des eleganten, lebenslustigen Hono­lulu zum erstenmal an die kühlere Küste floh, ins Seebad von Warkiki. Dieter mondäne Aus- druck mag heute stimmen, denn ir den letzten 3ahren (ntben die Ameritiiner Waikiki entdeckt, unb nun mögen wohl enuge recht neu^itliche Hotetpaläste dort stehen. Äer al« ich e« sah, träumte sein Strand noch im brausenden Frieden der See Lotz des Clcinen. weißen Hotels und trotz bet paar Fremden, die dort badeten. Roch gehörte birte Küftc den Kanälen, diesem wunder- tollen Dolle, das in schönen, tapieven trtegen- jpt Körpern, eine Seele trägt dis allen Der- Mrungen der Musik und des Tanzes bingegeben und da« sich und den Fremden gerne mit «umen schmückt Em Volt, öas von ewiger 3u- 9°^* überftromt. wie die freie, ewig junge Bran­dung ferner Küste.

3^ lag im Stmbe und sah ihnen zu. wie sie, ichtaTnen braunen Meeresgöttern vergleichbar.

tühnm Dasierspiele trieben, voll einer wil- rein wie die Morgen- Drtt 3hve herrlichen Glieder, vorn Weißen Gischt umsPütt und niedergezwungen, teil­

ten kämpfend brausende Wogen, ihre gefleckten Körper flogen Dögeln gleich, vor der anftünnen- ben Mauer der Brandung her. auf den besonnten Strand. Unb wieder hinein in ihre blaue, rau­schende Wiege!

3ch lernte ihre verwegenen Wassersptele. ich kämpfte mit der rauhen Liebkosung der Brandung und lag nah unb glücklich im heißen Sand, unter den wehenden Palmen. Und des Abends, toenn die kurze, flammende Dämmerung der Tropen verglüht toar. lauschte ich, am Strande ruhend, den kanaki<chcii Liedern.

Oh, diese Rächte voll fremder Klänge unter den fremden Sternen! Der ganze binrrthende Zauber einer erotischen Ferne wehte mich an tm gedämpften Rauschen Nr See. dieser Südsee. von der die Seefahrttsehnsucht aller Zeiten singt! Europa toar fern . Aus dem toarmen blüten­duftenden Atem dieser zauberhaften Rächte hob sich eine andere Wellt, heidnifch-froh unf» voll keuschi-r Truickenheit. fchön tote das Glück der Arrtcke. Die braunen Meeresgötter fangen.

Oh diese fremden, süß aufwühlenden Lieder, einfach, wie Uttlänac und voll einer hinreißend Aarten Kraft der Melodie! Sie schwebten durch die Rächt, wie au« dem tiefsten Schoße knrtes feltiam-schönen Landes geboren: waS toar Klang her iLtuefen unb was Wehen der Palmen, toas Rauschen der See? Es toar alles ein Lied göttlich heiter und von unsäglicher 3ugenb unb Süße. Ach Waitill. WaitiL. waren es Tage, oder waren e« 3abre, die ich an beinern Herzen lag? Glück ist jertiertS von Zett und Raum.

3ch frürzte mich von dort Hals über Kopf in das brausend« Leben Amerika«, ich machte der ZivisifatiOT und der Technik meine Reterenz. Aber etn Stück meinet selbst blieb unlöslich mit WaiLki verbunden, mit feinem besonnten Strand und den wilden Spielen in seiner singenden Bran­dung. nnt dem zärtlichen seiner Pchmen und mit der berauschenden Musik feiner zaubervollen Rächte.

Hab so muß ich denn zuweLen. wenn ein ver­lorener Hauch feinet Schönheit mich streisi. traum­verloren durch den tosenden Bertehr Bersins wandern, ein Aergerms allen Schupo« und allen eiligen Menschen.

Was ein g'rechter Seuschreck ifl...

Berlin, Ende Juli.

Was ein g'rechter Heuschreck ist, sitzt im Sommer auf Nr Wies", singt eine alle Volksweise, unb sie hot recht damit. Auf der Wiese hat er auch zu sitzen, der Heufchreck, aber nicht in der Potsdamer Straße, im Wirbel geschäftigen Treibens, zwischen Autoqetute und Ltroßenbahngedimmel auf dem grünen Loden­mantel eines Herrn, der selbsioergessen an einem Schausenfter stand unb nichts davon ahnte, daß der seltsame Gast auf seinem Rücken Sensation machie.

Gewiß an und für sich ist solch ein Gras­hüpfer kein Phänomen, aber auf einem Lodenmantel in der Potsdamer Straße ist er em Phänomen und wurde dementsprechend gewürdigt.

gestatten Sie, mein Herr, Eie haben do etwas Wunderhübsches auf Ihrem Mantel mitgebracht", sagte ich und zeigte ihm den Springinsfrtb, der auf­geregt in meiner Hand zappelte.

Er war sehr verdutzt, der Herr.Aber mein Hirn- rnel, wo ist mir der angesprungen "

Eie waren wohl draußen un Freien?'

Rein ich komme direkt aus dem Bureau."

Darf ich ihn mitnehmen ober legen Sie Wett barauf? Der Herr lächelte zuoorkommenb.Bitte, bitte, ich habe boch kein Lerfügungsrecht barüber."

Die herumftehenben Leute verliefen sich lachend, und ich ging mit meinem Grashüpfer von bannen.

Seien Sie boch nicht so nervös, mein Lieber," redete ich Nm Aufgeregten in meiner Hand be­gütigend zu,Eie erhalten ja Ihre Freihett atieber, nur mochte ich Sie vorher etwas fragen."

Unb bas wäre?" zirpte Nr Heufchreck.

Wie kommen Eie m bie Potsbamer Straße?"

Son (Brunau burch bie Luft sicher nicht, das tonnte Ihnen eigentlich ihr Verstand sagen."

Das habe ich mir allerdings schon gedacht, aber weiter komme ich nicht mit meinen Kombinationen."

Der Grüne tat sehr geringschätzig und fragte etwas oberlehrerhaft:Können Sie es sich oorfteilen, daß es unartige Knaben gibt? Ja? Run gut! Können Sie es sich auch oorftellen, daß solche Knaben mit leeren Zigarrenkisten zum Beispiel nach (Brunau kommen?"

Ich bestätigte mein Verständnis durch Kopfnicken unb setzte seine Rebe fort;Damit wollen 6te gQo

sagen, baß ein unartiger Knabe Sie fing unb in einer Zigarrenkiste mit nach Berlin brachte."

Sie haben eine außerorbentlich rasche Auffas­sungsgabe", sagte ber Grashüpfer ironischUnd dos weitere können Sie sich eigentlich auch denken, daß ich klug genug war, im gegebenen Augenblick durch ein offene? Fenster hinauszuspringen."

Spornstreichs aus b,e Potsdamer Strafte?*

Natürlich weil dos offene Fenster auf die Potsdamer Straße führte. Oder landen Sie auf Nm Spittelmarkt, wenn Sie aus Ihrer Haustür treten, die auf den LüNowplatz mündet?"

Ich oerbeugte mich vor soviel Logik.Aber wie gelangten Sie ausgerechnet auf den Lodenmantek?" fragte ich, noch immer nicht befriedigt

Der (Brüne bewegte feine Fühler, hob Nn Kopf mit Nn klugen Augen unb fah mich resigniert an.

..Mein Gott, cs war bas einzige bißchen (Brün, bas ich weit unb breit entNrfen konnte."

Ich war nerblüfft Wahrhastig' Eine solche An- passungsfähigkest batte ich ein-m Grashupfer nicht zugetraut.

Sie haben Sich uberrolchend schnell in Bersin affJtmabfiert' , sagte ich anerfennenb.

Wieso?"

Weil ieber echte Berliner es genau jo macht. Do» kleinste Grassteckchen nennt er eine Wiese, unb ein paar armselige Bäume bedeuten chm einen Wald."

Bebaute bas verstehe ich nicht, ba ich nicht zu Nn Bescheidenen gehöre", erwiderte der Heuschreck. Als ich auf Nm Lodenmantel landete, erkannte ich sehr bald, daß ich mich gründlich geirrt hotte Aber vielleicht habe Ihrer Wißbegierde nun Genüge getan, und Sie haben die Freundlichkeit, mich nicht auf eine BerlinerWiefe" oder in einen Berliner Wald" zu fetzen, fonNrn mich noch (Brunau zurück- zubringen, wo es wirklich noch so etwas wie Natur gibt"

Alle Wetter! Was sollte ich ba machen? Ich hatte ihn eigentiid) in meinenPark" setzen wollen, aber nach Nm Boraufgegangenen wagte ich das nicht mehr, er hätte ihn mit «Bei Kreuz unb Quer- (prüngen durchmessen So fuhr ich noch am gleichen Nachmittag nach (Brunau unb setzte ihn mitten h> eine Diese, bie wirklich eine Wiese war, unb m# einem freunblichenDante oerbinblichst" kehrte bet Heuschreck zurück zur Ratiir. E. A.