Halbflottille aus Kiel nach dem Stavanger- und Sonde-Fjord, die III. Torpedoboot-Ha lb- flottille nach Ulvik und Odde. 2ln der Reise nimmt auch die I. Minensuch-Halbflottille teil, die vom 5. bis 9. den Dogne-Fjord und den Aardalfs-Fjord, vom 11. bis 15. den Aalesund besucht. Am 19. Juli werden alle Schilfe wieder in ih.e Heimathäfen zurückkehren. Rur die l. Tor- vedoboot-Holbflottille aus der Ostsee, die in Swinemünde stationiert ist, wird in Deutschland bleiben und verschiedene deutsche Rordsee- häfen besuchen, so unter anderem Bremen, Cuxhaven und Borkum. Eine größere Ausland- rei'e macht das Vermessungsschiff „Meteor", bekannt von der zweijährigen Forschungsarbeit im Süd-Atlantit. das Anfang 3uli eine mehrmonatig« Hochseevermessung in den Gewässern Den Island durchführen wird. Aus dieser Reise, die sich bis in den September hinein erstreckt, wird voraussichtlich auch Kopenhagen sowie die Hauptstadt von Island, R e i k- j a v i k, angelaufen.
Kreistag des Kreises Gießen.
Am Samstag fand im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes zu Gießen unter dem Vorsitz deS Oberregierungsrates Dr. Heß die diesjährige ordentliche Tagung des Kreistages des Kreises Gießen statt.
Dor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Kreistagsabgeordneten, Sparkassenrechner Erhard. Steinbach, einen herzlichen Rachrus. Das Andenken an den Verewigten wurde in üblicher Weise geehrt. Dann teilte der Vorsitzende mit, daß Professor Weißg erber (Soz.), Gießen, sein Kreistagsmandat niedergelegt habe. Die darauf vorgenommene Feststellung der Prüfung ergab die Anwesenheit sämtlicher 30 Kreistagsabgeord- i eten, da die Ersatzmänner für die Ausge- I hiedenen bereits zur Stelle waren. Als Rach- ; lger von Erhard trat der Landwirt Heinrich Münch VI, Harbach, als Rachfolger von Prof. Weihgerber zog der Aktuar i. R. Weitzel, Hungen in den Kreistag ein.
Anschließend wurden die Rechnung der Kreiskasse und der Derwaltungs- bericht des Kreisausschusses für das Rechnungsjahr 1926 erledigt. Die Kreiskasse- Rechnung von 1926 schließt in der Abteilung , Für den Betrieb" in Einnahme mit 1 572 809,26 Mark, in Ausgabe mit 1 515 422,83 Mk., mithin mit einem Lieberschuß von 57 386,43 Mk. ab; in ! er Abteilung „Für das Vermögen" gleicht sich . i > Rechnung mit 54 376,10 Mk. aus. Der Kreis- ausschuh erledigte im Kalenderjahr 1926 in 17 Sitzungen 305 Gegenstände, darunter 23 mit münolich kontradiktorischen und 282 ohne mündliches Verfahren.
Es folgte nun die Beratung des Voranschlags des Kreises Gießen für das Rechnungsjahr 1 928. Der Voranschlag schließt, wie wir schon berichteten in Einnahme und Ausgabe mit 942 999 Mk. ab, davon in der Detriebsrechnung mit 720 036 Ml., in der Vermögensrechnung mit 222 963 Mk. Aus der Beratung ist folgendes $u berichten:
3m Kapitel „Polizeiwesen" wurden die für einen Baukontrolleur-Posten vorsorglich vo.gesehenen 2000 Mk. auf Antrag des Landbundes gestrichen, da bei der geringen Bautätigkeit im Kreise ein Bedürfnis für ein« solche Einrichtung nicht anzuerkennen sei. Der Beschluß wurde mit 17 gegen 13 Stimmen gefaßt. Dem Arbeiter-Samariterbund wurde nach . langer Debatte ein Beitrag von 25 Mk. bewilligt. Für diesen Beschluß stimmten 15 Abgeordnete, dagegen ebenfalls 15, den Ausschlag * zugunsten der voranschlagsmäßigen De- onttfigung des Beitrags von 25 Mk. gab der Vorsitzende, so daß also die Bewilligung mit 16 (ygen 15 Stimmen ausgesprochen wurde. Vorher war ein sozialdemokratischer Antrag, den Datrog von 25 Mk. auf 50 Mk. herauszu- sehen, mit dem gleichen Stimmenverhältnis ab- gelehnt worden. Gin deutschnationaler Antrag, die Position überhaupt zu streichen, tarn durch den olxmecwähnten Beschluß in Fortfall. Aus Antrag des Landbundes wurde auch ein Betrag von 2000 Mk., der für einen Automob i l f o n d s vorgesehen war und dazu dienen sollte, den Grundstock zur Ansammlung der Kaufsumme für ein eigenes Automobil des Kneifes zu bilden, mit großer Mehrheit abgelehnt. Es soll versucht werden, auf irgend eine Weise eine Vereinbarung mit der Provinzialverwaltung dahingehend zu treffen, daß die Provinz von ihren drei Autos im Bedarfsfälle eines der Kreisverwaltung mielweise zur Verfügung stellt. Bei der Beratung der Ausschlagssätze zur Deckung der Kreisumlagen in
Rousseaus Erdeustolpern und Himmelswallen.
3u seinem 150. Geburtstag am 2. Juli.
Don Karl ÄZolfstehl.
Rein, ihm war nichts fremd, nicht einmal, was seinem Auhenleben so gänzlich mangelt: Ordnung. Maß, Uebccsicht, Ausbau. Ein unendlich zersplittertes Dasein, ein vollkommenes umfängliches Lebenswerk. Ein völliges Auseinanderbrechen von Außen und Innen, leine Brücke, kein Zusammenhang Spätantike Wander- und Wunderphilosophen, persische gottberauschte Sufis un- term Mongolensturm und selige indische Hcils- vagabunden mögen in ähnlich buntfetzigem, Viel* verschlissenem Ecistenzgewand ihre Bahn durch- trottet, durchschlüpft, durchduckt, durchlnirscht haben: im neueren Europa steht es einzig da, dies Geben in Gott und Schlamm, in Wirkung und Derstoßensein. in Schaffen und Lumperei. Zudem im 18. Jahrhundert, als zwar der Glaube an die gottgewollten Staats- und Gesellschasts- acfttze nicht mehr vorhielt, aber die „Ordnungen" selbst noch weiter bestanden, wo zwar der geniale Abenteurer über jede Schwelle voltigierte, der geschäftstüchtige Emporkömmling bereits überall sich einschlich, gar fein Platz aber schien für den „Unbehausten". der nirgends hingebörte, bin- wollte, immer neu entwischte, sich selber vor allem, keinerlei Zwang litt, auch nicht den der Ehren, der Berühmtheit oder des Liebesglücks, und der es jeglichen Orts probierte und mit allem!
QIngefangcn mit der Konfession. Der kalvinistische Sohn der fast gottesstaatlich starren [ütenengen, lüft-, licht-, farbenlosen Stadtrepublik Gens wurde katholisch — seine Feinde zischelten^ „des Fortkommens willen", in Wahrheit weil seine Beschützerin, Gönnerin. Angebetete, die
Höhe von 220 000 Mk. lag zunächst ein Antrag des Landbundes vor. der eine Aenderung der Sätze der Sondergcbaudesteucr zugunsten der Landorte und au' Kosten der Stadt Gießen vorschlug. In der Aussprache wurde von Derwaltungs'eite betont, daß eine solche Aenderung sicherlich die Zustimmung des Ministe- liums nicht finden werde, da das Ministerium die im Voranschlag beantragte Verteilung dieser Ausschlagssätze zwischen Stadt und ßanb als gerecht und billig schon gu.geheihen habe. Kreisausschußmitglied Dr. Lenz, Gießen. (Dn.) wies darauf hin, daß bereits im Voranschlag die Belastung der Stadt Gießen gegenüber dem Vor- jähre erhöht, die Belastung dec Landgemeinden aber ermäßigt worden sei. UebrigenS müsse die Stadt Gießen bei der Anwendung der vor- gesehenen Ausschlagssätze der Sondergebäudc» steuer ganz allein 28 000 Mk. für den Kreis aufbringen, während alle anderen Landgemeinden zusammen 47 000 Wk. zu (elften hätten. Rach lebhafter Debatte wurde der Antrag des Landbundes auf anderweitige Festsetzung der Sonder- gebäudesteuer-Sätze mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt, während zwei Abgeordnete Stimmenthaltung übten. Damit war der Vorschlag der Verwaltung genehmigt. Ein weiterer 2Inttag des Landbundes forderte, daß die Steuern von den selbständigen Gemarkungen in Höhe von 36300 Mk. den Landgemeinden allein zugute kommen sollten. Auch gegenüber diesem Antrag wurde von Ver« waltungsselle betont, daß hierbei auf berechtigte Interessen der Stadt Gießen Rücksicht zu nehmen sei, denn auch die Stadt Gießen hab« selbständige Gemarkungen und müsse infolgedessen zu diesen Steuern beitragen, woraus ein Recht auf Berücksichtigung der Gießener Interessen erwachse. Es handelt sich bei der ganzen Angelegenheit um einen strittigen Betrag von etwa 4800 Mk., da die übrige Summe bisher schon immer den Landgemeinden allein zufloh. Rach lebhafter Aussprache, in der von Derwallungs- seite u. a. betont wurde, daß eine solche Zweckbest immung des Steueraufkommens gesetzlich unzulässig sei, wurde der Antrag des Landbundes mit großer Mehrheit angenommen und der Kreisausschuh einstimmig ermächtigt, die erforderliche geringfügige Aenderung der Ausschlagssätze von sich aus porzunehrnen. Unter Berücksichtigung der oben erwähn.en Streichungen von je 2000 Mk. ermäßigt sich die Endsumme des Voranschlags insgesamt um 4000 Mk. Mit dieser Maßgabe wurde der Voranschlag einstimmig genehmigt.
Die Tätigkeitsberichte der Bezirksfürsorge st eile und des Kreisjugend- a m t e s sowie der Bericht des Schularztes, auf die wir noch zurückkommen werden, wurden debattelos einstimmig genehmigt.
Ebenso einstimmig und ohne Aussprache wurde dem Erlaß einer Kreissatzung zur Erhebung einer allgemeinen W e r t z u w a ch s st e u e r in den selbständigen Gemarkungen des Kreises Gießen zugestimmt.
Schließlich wurden noch von mehreren Rednern Beschwerden über b i e Kreisabdeckerei vorgebracht. Es wurde bemängelt, daß der Transport von Tierkadavern aus den Ortschaften des Kreises zur Kreisabdeckerei viel zu langsam vor sich gehe und mitunter ein gefallenes Stück Bieh sogar ein bis zwei Tage auf dem Gehöft liegen bleibe. Aus sanitären Gründen wurden Maßnahmen zur schnellsten Abbeförderung von Tierleichen in die Kreisabdeckerei gefördert.
Damit fand die Kreistagssitzung ihren Abschluß.
Kreistag des Kreises Schotten.
a. Schotten, 30. Iuni. Im Rathaussaal fand gestern unter Leitung des Kreisdirektors Geh. Reg.-Rat Boeckmann der diesjährige ordentliche Kreistag statt. Di« Kreiskasse- rechnung für 1926 wurde genehmigt, der Verwaltungsbericht für 1926 entgegengenommen. Der Kreisvoranschlag 1928 wurde eingehend beraten. Der lebhafte Wunsch nach Sparsamkeit und Einfachheit kam zum Ausdruck. Der Umlagen- bedarf wurde auf 100 000 Mk. festgesetzt, der Kreisausschuß wird mit einer nochmaligen Durchprüfung auf etwa mögliche Ersparnisse hin beauftragt. Die Anstellung eines besonderen Baukontrolleurs wird abgelehnt, da diese Stelle bei dem verhältnismäßig geringen Reubav- umfang als überflüssig und zu teuer angesehen wird. Für die Rebenbahnlinie Dir- st ein — Hartmannshain werden 5000 Mk. Aktien übernommen und weitere 5000 Mk. gezeichnet, wenn die Linie über Vollartshain geführt wird. Der kleinen hilfsbedürftigen Gemeinde Schmitten wird ein kleinerer Beitrag bewilligt. Eine Kreissatzung, die die Erhebung einer Wertzuwachssteuer in den selbständigen
selber schwankende und schwärmende Madame de Warcns, auch sie Konvertitin, ihn hinüberzog, weil ihn der sinnlich-übersinnliche Glanz berückte und — weil es ein Wechsel war. Den er später wieder, in die Vaterstadt heimgekehrt für kurze Frist, zurückgewechselt hat. Und so tat einer gegenüber Gott, dessen ganzes innere Leben von Gott gelenkt war, von Gott erfüllt war, der gottgläubig war durch und durch. Freilich, und das erllärt alles, fein Gott war kein Gott des Kosmos, lein gestalteter Weltherr, kein Schöpfer der Menschengeschichte, keine Ewigleitsosfenba- rung in der Zeit. Dieser fein Gott war Ureinheit, Urgesch, Urtrieb. Göttlich, also gut. war für Rousseau die Ratur, das Menschenherz. Und dies Urgute war weggewichen Schritt für Schrill seit dem Beginn der Menschengeschichte. seit es Gesetze, Einrichtungen, Fortschritt gab, seit der „Gesettschaftsvertrag" (le contrat social) aus dem Wenschendasein ein künstliches Räderwerk gemacht hatte, seit es Herrschende gab und Unterdrückte, seit es Besitz gab und als sein notwendiges Widerspiel, Elend und Armut, seit die „Ungleichheit" die ursprüngliche Freiheit zerstört hatte und den Adelswuchs naturnahen Menschen- tums gehueft.
Rückkehr zur Raturl Dies ungeheure Losungswort, von jedem der es aufnahm nach dem eignen 'Wesen gemodelt, umgeschmolzen und dennoch jedem verständlich. Alle hinreißend, hoch und niedrig beslammend, also daß es die Herren selber drängte, sich ihrer Vorteile zu begeben, „einfach' zu lein. frei, gleich, brüderlich, und daß die Entrechteten einen Augenblick lang glaubten, fromm zugewanht dem neuen Lichte, daß die so bald von ihr selber verschlungene, in Blut und Gräueln erstickte Lenzzeit ber ©roßen Revolution, daß 1789 möglich wurde: dies ist ganz und gar Rousseaus Werl. Was auch Aus- tlärung und Ironie, was die Enzyklopädisten und Voltaire auch getan haben mochten in Rütteln und Aufräumen und Fackelanzünden — erst
Gemeinden vorsieht, wird beschlossen. Die seitherige Köftommi sion wird wiedergewählt. Die Vergütungen, die der Kreis bei Brandhilfe gewährt, wurden festgesetzt auf 1,80 Mk. pro Stunde für Fuhrwerk, 50 Pf pro Stunde bis höchstens 4 Mk. pro Tag für die Mannschaften. Ein Für- forgeausschuß in der Stärke von sechs Personen wird nach der Kreissatzung über die Fürsorgepflicht bestimmt Im „Hessischen Haus" schloß sich ein einfaches Essen an.
Ehrenliste des Beurlaubtenstandes des ehem. deutschen Heeres.
Man bittet uns um den Abdruck der nachstehenden Zeilen:
Als Ergänzung der schon erschienenen Ehren- ranglifte des ehemaligen deutschen Heeres soll, wie schon längst beabsichtigt, die Durchführung der Zusammenstellung eines ehrenden Verzeichnisses aller der Männer erfolgen, die im Offizierrange im Beurlaubtenstande dem Vaterlande in seiner schwersten Zeit treu gedient haben.
Die „Ehrenrangliste des Deurlaubtenstandes" wird alle Offiziere. Sanitätsoffiziere und Veterinäroffiziere der Reserve und Landwehr, die im ehemaligen deutschen Heere beim Kriegsbeginn vorhanden waren oder in und nach dem Kriege neu dazu befördert worden sind und die während des Krieges in mllitärischen Stellen wiederverwendeten Reserve- und Landwehroffiziere usw. a. D., ferner alle für Kriegsdauer eingestellten Aerzte, die nicht Sanitätsoffiziere des Deurlaubtenstandes waren, enthalten. Außerdem die früheren Feldwebelleutnante — jetzigen Landwehroffiziere a. D. — sowie alle Militär- und Zivilbeamte der Heeresverwaltung, die Offizierrang besaßen, soweit sie nicht schon im ersten Teil der Ehrenrangliste nachgcwie'en sind; schließlich alle andern im Kriege als Beamte im Osfizierrang verwendeten Persönlichkeiten.
Alles in allem handelt es sich um über 400 000 Personen. Der Umfang zwingt zu einer Teilung in eine Anzahl Bänd«.
Di« große Schwierigkeit, die Unterlagen für einen lückenlosen Inh all der Bände zu erhalten, muß bei der durch das Kriegsende hervor- gerufenen Unvollkommenheit der amtlichen Verzeichnisse durch die Mithilfe aller Beteiligten, auch der Angehörigen und Bekannten der nicht mehr Lebenden, besonders der Gefallenen, überwunden werden.
Die Militärverbände wie Offizierbünde, Kriegervereine, Arbeitsgemeinschaslen der Regiments- und Militärvereine ufto. werden sich dadurch in den Dienst der Sache stellen, daß bei den Vorsitzenden dieser Vereine Fragebogen un
verbindlich angefordert werden können, die atrf- gefüllt möglichst bald wieder an die Stellen zu- rüagcgeben werden, wo sie empfangen worden sind.
Das Rachschlagewerk wird der großen Allgemeinheit sehr willkommen fein. Cs wird Aufschluß geben über manchen Freund und Bekannten, mit dem Leid und Freud geteilt und vielleicht schwerste Stunden verlebt wurden, von denen man aber nicht weiß, wo die Betreffenden nach dem Krieg« geblieben sind. Die Ehren- rangliste wird dadurch auch zu einem Sinnbild der Volksgemeinschaft.
Fristablaus für Entschädigungen auf U. S. A.-patente.
Auf Grund des amerikanischen Freigabege- sctzcs vom 10. März d. 3. können diejenigen deutschen Patentbesitzer, deren Patentrechte und Erfindungen von der amerikanischen Regierung gebraucht oder gekauft worden sind, eine Entschädigung bei dem dafür errichteten Schied», richteramt in Washington beanspruchen. Die zur Wahrnehmung der hieraus sich ergebenben Rechte im Einverständnis mit dem Auswärtigen Amt errichtete „Interessenvertretung für Ansprüche deutscher Patentinhaber", Derlln RW7. Reue Wilhelmstrahe 12—14, weist nachdrücklich darauf hin. daß die Frist für die Anmeldung solcher Entschädigungsansprüche am 2. August d. I. abläuft, d. h, daß derartige Anträge bis zu diesem Zage in Washington eingereicht fein müssen. Im Hinblick darauf, daß die Vorbereitung der formgerechten Anmeldungen sowohl hier, wie drüben eine gewisse Zeitspanne erfordert, und unter Berücksichtigung der Laufzeit des Ueberseeschriftwechsels wird denjenigen Besitzern ton während des Krieges in den Steinigten Staaten beschlagnahmten deutschen Patenten, die sich noch nicht mit der genannten Interessenvertretung in Verbindung gesetzt haben, dringend empfohlen, dies unverzüglich zu hm, da damit gerechnet werden muh, daß Ansprüche, die seitens der Interessenvertretung nicht bis 12. Iuli an ihr amerikanisches Bureau abgesandt worden finb, Gefahr laufen, nicht mehr berücksichtigt werden zu können. Es sei erneut daraus hingewiesen, daß die Entschädigungs- Pflicht der amerikanischen Regierung sich nur auf Anträge erstreckt, die bis zum 2. August d. 3. in Washington eingereicht sind. Es handelt sich dabei um eine seitens des amerikanischen Kongresses gesetzlich feftgelegte Frist, deren Verlängerung im Verwaltungswege infolgedessen unmöglich ist.
Stirnen, Sport und Spiel.
Wumfefl (D.T.) in Vuhbach.
-o- Das 55. Gauturnfest des Hessengaues nahm gestern bei prächtigem Wetter einen glänzenden Verlauf, sowohl in seinem turnerischem Teil, als auch ganz besonders durch die innige Anteilnahme der gesamten Bürgerschaft der alten Turnerstadt. Rachstehend geben wir einen ersten Auszug aus der Siegerliste.
An den Meisterschaftskämpfen beteiligten sich 19 Turner aus den Vereinen zu Gießen (Tv. 1846 und Mtv.), Marburg (2um- und Spv.), Bad-Rauheim (Tv. 1860), Butzbach, Großen-Linden, Ridda, Dorn-Assenheim und Krofdorf. Meister am R e ck wurde Willi Sinn- well, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 111 P., am Barren Adolf Fink, Turn- und Sportv. Marburg, 112 P., am Pferd Gotthard Kühn, Turn- und Sportv. Marburg, 115 P.
Turner-Oberstufe, Zwölfkampf, 18 Bewerber, 15 Sieger. Ehrensieg Heinrich Keller, Tv. Burgsolms, 201 P. 1. Sieger W. Deaupain, T.- und Spv. Marburg, 196 P.: 2. Peter Boltz, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 195 P.: 3. Martin Weitz, Tv. Dorn-Assenheim, 192 P.
Turner-Oberstufe, Zehnkampf, 10 Bewerber. 8 Sieger. — 1. Sieger Richard Seth. Tv. Großen-Linden, 185 P. — 2. A. Ahrens, Tgmde. Marburg, 168 P. — 3. Franz Reuch- ling, Tv. Heuchelheim, 161 P.
Altersturner (über 45 Jahre). 1. Sieger Georg Thierolf, Tgmde. Friedberg, 155 P. — (35 bis 45 Iahre) Ehrensieg Hans Thöt, Tv. Alsfeld, 163 P. — 1. Sieg R Burkholdt, T » u. Sp.-B. Marburg, 144 P.
Turner-Mittelstufe, Zwölfkampf, 38 Bewerber, 38 Sieger. — 1 Sieg A. Eberspächer, Tgmde. Marburg, 210 P. — 2. A. Burkhard,
Rousseaus übergewaltige, widerspruchslose, tiesst- kindliche und heilig-prophetische Hingabe an die eigne Idee hat die Flammen gen Himmel lohen lassen, in denen mehr als ein Jahrhundert unterging, ja die heute noch wärmen und vernichten.
Mögen alle seine Voraussetzungen irrig sein, seine Ablehnung des Gewordenen, des Weiter- schreitsns in Gott ein säst blasphemischer Verzicht auf das Größte der Menschengüter sein, auf das strebende Bemühen: sein, diesem allem entraten- des Drängen auf die Urquellen des Seins, seine Demut vor jedem wahren Gefühl, seine unbezwingliche Gewißheit vom Urglück, von dec Urschönheit unb der Urreinheit haben aus ihm nicht nur den gewaltigsten Sprecher seiner Zeit gemacht, sondern eine Stimm«, deren Kraft und Lieblichkeit immer bar dauert. Wie vieles von seinen 'Werken auch verschollen ig den Bibliotheken dämmert — nicht nur die großen Streit-, Mahn- und Leitschriften gegen Widersinn und Lüge von Zivilisation. Sittenzerfall und Gesell- schastssäulnis, vor diesen noch sein Evangelium der Menschenbildung. der Erziehungsroman „Emile“ das Hochlied naturhaft freier, ganz und gar Gemüt. Herz. Seligkeit gewordener Liebe, die „Rouvelle Heloise", dies mächtige, tief ins Frauengeheimnis rührende Gegenstück unseres „Werthec", und dann die großartigste, schonungsloseste. wahrhaftigste aller Beichten vor Gott und Welt, die „Bekenntnisse", das sind und bleiben unvergängliche Borne der Erquickung wie der Erkenntnis.
Und fragen wollen wir nicht, dürfen wir nicht, warum diese Reihe hervorbrach aus einem Dasein aus Zufall. Abfall. Zersall. aus Armut und oft aus Schmutz warum feine äußeren Umstände sich in tausendfältiger Wirrnis befanden, sein eignes Herz so vielen Augenblickslockungen erlag, fein eigener Charakter eitel und schamlos, unverträglich und verzerrt war. Erinnern wollen wir uns bei diesem Zwiespalt an Rembrandts
Tv. 1846 Gießen, 207 P. — 3. W. Loh. To. 1846 Gießen, 195 P.
Turner-Unterstufe, Zwölfkampf, 305 Bewerber, 237 Sieger. — 1. Sieg Ehr. Dönges. Tv. Wallau, 219 P. — 2. Karl Strauch. Tv. Homberg a. d. Ohm, 216 P. — 3. G. Mölcher, Tv. Freienfeen, 212 P.
ft4.Bezirkssest des Arbeiier- Turn- und Gpori-Bundes.
Unter den günstigsten Vorbedingungen nahm diese Veranstaltung am Samstagnachmittag tn Steinbach bei Gießen ihren Anfang Bereits gegen 4.30 Uhr traten di« Sportler zum Dreikampf (Weitsprung, Kugelstoßen und lOO-QHeter-ßauf) an. Rach dessen Beendigung folgten di« Vorkämpfe zu den Einzel- kämpfen. Um 7 Uhr wurden die Wettkämpfe abgebrochen, die Kampfrichter trafen sich zur allgemeinen Kampfrichtersihung. Rach deren Beendigung folgte ein in Sternbach noch nie gezeigtes Bild. Ein Fackelzug, der nicht enden wollte, setzte sich unter Vorantritt des Bezirkstrommlerkorps und einer Musikkapelle nach dem Festplatz in Bewegung. Auf dem Festplatz folgten nunmehr die Begrüßungen durch den Verein, Bezirk und Kreis. Rach einem Liedervortrag des Gesangvereins „Germania", Steinbach, folgte die Weihe des Banners des Ortsvereins Steinbach durch Kreisjugendleiter G a b l e n z. Dieser hob besonders die Bedeutung deS Banners für einen Verein hervor. Er ermahnte besonders die Jugend, sich frei zu machen vom Alten und ihren Körper durch Leibesübungen zu stählen und zu kräftigen. Rach abermaligem Liedervortrag des Gesangvereins „Eintracht" folgten in bunter Reihen
letzte Selbstbildnisse, in denen das ermüdete, verquollen«, aftersschlasse, ja zersetzte Gesicht die dennoch letzte Heiligkeit erfahren hat, die der Wiedergeburt im Geist.
Trinkgeld.
Don Hans Ttiebau.
Dobach hatte von jeher seinen Stolz gehabt. Und als er — der nur ein paar Brocken englisch sprach — einmal in London war. hat er sich »urchtbar geärgert.
Der Hotelportier muhte ihm Karten für ein Duildhallkonzert besorgen, eine Karte für ihn und eine Karte für feine Frau. Aber wie das so kommt, Frau Bobach wurde mit der Toilette auch nicht im entferntesten fertig, und Bobach ging wütend zur Konzertkafse. Dort standen mehr als hundert Menschen: denn der Saal ist auS- r erkauft.
Dobach bietet einem der Enttäuschten feine Karten an. Der greift erfreut zu, zahlt Ihm den richtigen Preis und gibt noch Drei Schilling zu. Bobach weist das Trinkgeld entrüftet zurück. Aber der andere rersteht ihn nicht, glaubt, er habe zu wenig gegeben, gibt ihm 5 Schilling. Bobach wird wütend, bekommt einen roten Kops, wirst mit Schimpfworten um sich. Der Engländer ist ängstlich, gibt ihm 8 Schilling, 10 Schilling, 12 Schilling . .
Wie gesagt, Dobach hat sich furchtbar geärgert.
„Und wie bist du den Kerl losgewvrden?" fragt ihn, als er zurück war, feine Frau.
Run", sagt Bobach, „zuletzt gab er mix 18 Schilling: unb 18 Schilling, nicht wahr. daL ist doch schließlich kein Trinkgeld mehr? —"


