Zu meinem Aid im großen Hörsaal der Universität Gießen.
Don Daniel Greiner.
Anfang des Jahres hatte ich im Gefolge grvher Arbeiten einen Dildeinfall. der mir wert erschien, nicht nur festgehalten, sondern auch aus- und ausgebaut zu werden zu einem groben Wandbild. Aber woher die Wand dafür nehmen? Ich male nicht gern Tafelbilder oder auch Kartons, von denen man ja nie weih, wohin sie einmal kommen und unter welchen Lebensbe- dingungen sie irgendwo hängen werden. Der rechte Oit für jenes Dili) wäre ein grober Saal, in dem Menschen zusammentommen, die Wisfen und Wahrheit suchen und nach den Gesetzen von Sein und Leben forschen, also ein Saal einer höheren Schule oder einer Hochschule. Und ich dachte an die öden Lern- und Hörfäle meiner Iugend. an die kahlen Wände -und Wandelgänge, die höchstens mit nichtssagenden Zürstenbildern von recht zweifelhaftem künstlerischen Wert geschmückt waren. Es war ja immer mein Traum, einmal Stätten der Erziehung. wo Kindheit und Jugend noch bildsam, von tiefer Empfänglichkeit voll. Wissen und Bildung erhalten sollen. Stätten der Wissenschaft und der Forschung, zu Heimstätten ernster Kunst zu machen. Aber welche Schulen und Anstalten können heute Werke von Künstlerhand erwerben? Ja, Wände wären ocnug da, genügend für eine Schar von Künstlern und ihre schöpferischen Hande. Aber welche öffent- liche Hand hätte dafür Geld und Mittel? Soll also das Werk ungeboren bleiben? Da gibt es nur einen Hkg: Hier muh der Künstler schenken aus dem Schatz, den er selbst ge'chenkt bekommen hat als ein anvertrautes Gut, aus das die Oeffentlichkeit und die Ganzheit ein Recht hat! Also, folgerte ich weiter: Suche dir die Wand und schenle dein Bild! Ich dachte an die alma mater in Gießen, der ich soviel verdanke, ich dachte an meine Lehrer wie Siebeck. Stade, Krüger. Reischle. Höhlbaum u. a. Ich schrieb nach Giehen und fragte, ob ein Bild von mir als Geschenk für einen der Hörsäle erwünscht sei. Groh war meine Freude, als die zusagende Antwort einlief: mein Bild sei willkommen für den groben Hörsaal der Universität. Rektor
Nr. 153 Zweite; Blatt
tfm Dalmatien.
Ton unserem römischen ll-Korrespondenten. Rom. Ende Juni.
In diesen Iunitagen vor 14 Jahren wurden die Kugeln in den Revolver ge'chobcn. der das europäische Pulverfaß zur Erplosion brachte. Heuer sticht für die letzten Iulitage die Lunte von Rettuno auf dem Kalender, und prompt wird in Serbien auf die ortsübliche Weise mit dem Revolver gespielt. Serbische Kugeln haben da« so in sich. Wir sind ja nun freilich inzwischen ein Stück Weges gegangen, von Sera- jewo biS Genf, wer aber möchte leugnen, dab die Gegend hinter der Adria geblieben ist. was sie vor 1914 war: der Wetterwinkel Europas? _ r
Auf die grobe Politik der ..Machte" übertragen, findet man auch keine anderen als Ra- menSänderungen. Statt Oesterreich hecht es jetzt Jugoslawien, statt Triest Fiume, statt unerlöstem Gebiet — Dalmatien. Um Dalmatien geht «S bei der so vielbesprochenen Ratifizierung der Rettunoverträge, um nichts anderes. Es ist also ganz klar, dab es wieder zwei Anschauungsmöa- lichkeiten für den Konfliktsstoff gibt, eine serbische und eine italienische. Rach Sympathien erweitert, eine frankophile und eine italophile. Poincars oder Mussolini. Der Außenstehende hat die Wahl zwischen der absoluten und der wohlwollenden Reutralitat.
Betrachten wir daher die Dinge zunächst einmal aktenmähig kühl. Die in Rettuno von Mussolini und Antanievic unterschriebenen „Konventionen" tragen das Datum vom 20. Juli 1925. Bon italienischer Seite sofort ratifiziert, warten sie bis heute auf das Plazet der Belgrader Regierung, die den enbgültigen Abschluß aus außen- und innenpolitischen Gründen immer wieder hinausschob. Sie hat es vor allem mit der Opposition derer zu tun, die schließlich den Rücken für Rettuno herhalten müssen, für die direkten Adrianachbarn Italiens, für die Leute in der kritischen Gegend um Fiume herum und in Dalmatien, die Kroaten, die Bauern, die also dem römischen Rutenbündel näher stehen als die Herren in Belgrad. Für sie kommt natürlich das Hemd vor dem Rock, Jugoslawien als Staat muß aber weiter sehen, und Italien zumal sieht als Großmacht Über häusliche Ballanstreitigkeiten gerne hinweg. , „
Für Rom wie für Belgrad geht es, nämlich wie damals in Serajewo. nicht um einen Thronfolger oder einen Raditsch, sondern um historische Entwicklungslinien, die den europäischen'Staatskörper als wesentliche Rervenäste durchziehen. Italien und Jugoslawien wurden einander schicksalhaft durch den Zusammenbruch der Doppelmonarchie gegenübergestellt und hatten vom ersten Tage an mit den geerbten Trümmern und den Aufbauplänen zu tun. Schritt für Schritt kam man in mühsamen Berhandlungen vorwärts. Zunächst mußten die Grenzen zwischen beiden Staaten gezogen werden, was durch den Vertrag von R a v a l l o vom Rovember 1920 geschah, der Italien den kontinentalen Stützpunkt Zara und die Inseln Cherso, Lussin, Lagosta und Pela- gosa einbrachte, also schon empfindlich in das dalmatinische Küstengebiet eingriff. Fiume jedoch nicht anzutasten wagte, sondern aus der Stadt ohne Hinterland einen unmöglichen Freistaat schuf. Die dadurch auftauchenden kitzligen Fragen wurden durch die Abkommen von Santa Margherita beschwichtigt, nicht beigelegt. Als das Gestirn Mussolinis aufstieg, vernahm die Welt in seiner Rede vom 10. Februar 1923 von dem „traurigen und beklagenswerten adriatischen Drama", dem mare amaro. Er konnte nicht vergessen. daß einer der Borkämpfer des neuen Italiens und des Zaszismus, was dasselbe ist, von Italienern in Fiume bekämpft wurde: D'Annunzio. So kam es am 27. Ianuar 1924 zu den entscheidenden Verhandlungen mit Dasitsch und Rintschitsch. zu dem berühmten oder berüchtigten A d r i a p a k t. ter Italien das heißersehnte Fiume ohne den Hafen Baros und eine Grenzkorrektion cintaig, Jugoslawien den unnatürlichen Freundschaftsvertrag mit
Siebener Anzeiger lSeneral-Anzeiger für Gberhesfen)
seinem natürlichen Gegner Rom. Die Diplomatie hatte damit ein fast beispielloses Wert zustande gebracht, ein Meisterstück, aber eben nur ein diplomatisches, ein gekünsteltes. So gläsern erschien dieser ..Adriafriede", daß man nicht einmal mit Verwaltungsparagraphen daran zu tippen wagte, sondern die Ausführungsbestimniun- gen weiteren Verhandlungen überließ, die ist I Venedig und Florenz zu wahren Eiertänzen führten und schließlich mit Ach und Krach in den Klippenhafen von Rettuno gelotst wurden. Dort also wurde der Pakt von Rom in allen feinen juristifchen. wirtschaftlichen und administrativen Feinheiten paraphiert Mit welchem Erfolg, das hörten wir eben an dem Revolvergeknall in der Skuptschina.
Soweit die aktenmähig belegbaren Tatsachen, das Weitere ist mehr Sache des Gefühls. In den Rettunoverträgen steht nichts, was nicht auch, hält jeder Partner an dem Buchstaben fest, ratifiziert werden könnte. Die erste Gruppe der Abmachungen betrifft nurliche Fragen ohne weltpolitische Bedeutung, die dritte bekräftigt sich hauptsächlich mit den städtischen Angelegenheiten Fiumes. Gemeinde zut und öffentlicher Schuld. Wasser- und Eleklrizitätslieserung. mit Flußregulierungen. Archivsragen, mit dem Friedhof und anderen friedlichen Dingen, die vierte Gruppe regelt den Verkehr auf dem Bahn- Hof in Fiume, die Eisenbahnermähigungen. die Hafenvrobleme. den Grenzverkehr und so weiter. Die zweite Gruppe aber hat es in sich: M in - derheitenschuh. Optantentum, Enteignungen. Agrarreform. — Gebiete, auf denen man mit Paragraphen nur schlecht vorwärtskommt. Schon die Durchführung der von Belgrad geplanten Agrarreform vor der Ratisizierung der Rettunoverträge würde in Rom als deren Aushöhlung empfunden werden, lind damit legen wir den Finger auf die eigentliche Wunde.
Die Wunde Dalmatien schwärt und schmerzt in Belgrad, in Rom und in — Dalmatien. Jugoslawien fürchtet, was in den Rettunoverträgen nicht steht und nie in einem Vertrag stehen kann: das Vordringen Italiens an der anderen Adriaküste, den gänzlichen Abschluß des Marc nostrum, den römischen Aufmarsch auf dem Balkan, den es mit dem „Protektorat" Italiens über Albanien untrüglich ein- geleitet glaubt. Belgrad will daher nach Möglichkeit Dämme auf werfen, es steht — die Skuptschinastreitigleiten können darüber nicht hin- wegtäuschen — im Grunde auf der Seite der Kroaten, die ihr Land gegen den fremden Eindringling verteidigen zu müssen glauben, es will die in Dalmatien bereits nkbergclaffenen Italiener hinausmanövrieren, durch Riederlassungsund Cigentumsverbot.
Rom erblickt darin einen unfreundlichen Akt, Rom meldet zunächst ein moralisches Recht auf Dalmatien an. es sieht in dem Küstenstrich ein unerlöstes Gebiet. Wir haben es bereits mehrfach erlebt, wie in Rom bei den alljährlichen Studentendemonstrationen plötzlich die Fahne Dalmatiens auftauchte und nicht weniger patriotisch umjubelt wurde als seinerzeit das Symbol „Trento e Trieste". Außer Den ererbten und gefühls- oder rassenmähigen Rechten macht Italien gerne historische, und zwar zeithistorische geltend. Serben, Kroaten, Slowenen, und wie die anderen Völler des jugoslawischen Staatsgebildes alle heißen, müßten be- ?reifen — so kann man jeden Tag in der ita- ienischen Presse lesen — daß nach der unerhörten Generosität, mit der Italien auf die Durchführungen des Vertrages von London verzichtete. das Mindeste, was es verlangen kann, die loyale Anwendung der Vertrüge von Ret- tunv ist.
Oder, um Mussolini das Wort zu geben: „Eine Politik. die eine gewaltsame Unterdrückung der Italianität in Dalmatien anstrebt, könnte von der faszistischen Regierung nicht geduldet werden."
Der Pakt von LondonI Hier liegt des Pudels Kem. 2m Gefühl seiner Versailler Schuld hat England bisher immer Italien die Stange gehalten, es will daher mit dem Geld, das man in Belgrad dringend braucht, mir unter der Bedingung Der Ratifizierung der Ret
tunoverträge herausrücken. Aber wer jemals auf Der mes'erlcharfen Grenze in Fiume gestanden ist, der weih, daß die dalmatische Frage weder mit Gold noch mit Paragraphen gelöst werden kann. Ob mit Revolvern?
Werkspionage.
Don unserer Berliner Redaktion
Auf unsere Anfrage teilt uns ein Berliner Anwaltsbureau mit Die Werkspionage ist erneut in den Mittelpunkt des öffentlichen In- lereffed gerückt. Erst in der jüngsten Zeit haben wir es erleben können, daß sie Gegenstand eines großen, we.te Ärei'c ziehenden Prozeifes war. Angesichts dieser Sachlage erscheint die Feststellung wertvoll, was eigentlich unter diesem zum Schlagwort gewordenen Begriff Werkspionage zu verstehen rft.
Die Werkspionage besteht in der Erforschung von Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen und der Verwertung der durch sie gewonnenen Erkenntnis z u m Rach - teil des Betriebs durch einen Angestellten. Arbeiter oder Lehrling. Sie bedeutet eine Verletzung des zum Geheimn.»recht gewordenen Per- sönlichkeftsrcchts eines Unternehmens, die im § 17 des unlauteren Wettbewerbgese:.eZ unter Strafe gestellt ist, denn das Geschäftsgeheimnis ist ein wirtschaftliches Gut. ein werterhöhender Bestandteil eines gewerblichen Unternehmens. Zur Erfassung des Charakters der Werkspionage wird man daher zweckmäßig auf die Frage zurückgehen, was eigentlich ein Betriebs- bzw. Geschäftsgeheimnis ist, denn nur die Erforschung und Offenbarung solcher Geheimnisse ist Werkspionage in unserem Sinne. — Eine formal juristische und zugleich erschöpfende Definition dieses Begriffes dürste sich kaum finden lassen.
Schon die Unterscheidung von Be trieb s- und Geschäftsgeheimnis bereitet Schwie- rigkerten. Geht man bet ihrer Auslegung von dem allgemeinen, aus dem Wortlaut des § 17 unlauteres Wettbewerbsgefeh und dem Sprachgebrauch sich ergebenden Sinne der Worte aus, so ergibt sich folgendes: „Betr leb" eines Ge- schäfts ist die gesamte Tätigkeit, welche zur Ausübung des gewerblichen Unternehmens aufge- wendet wird. Er umfaßt sämtliche Arten dieser Tätigkeit, die industriellen wie die kaufmännischen, so daß alle Geheimnisse eines Erwerbs Betriebs- Geheimnisse genannt werden müßten. Auf der anderen Seite bezeichnet der Sprachgebrauch mit dem Worte „Ge schuf t" alles, was mit der Tätigkeit eines Unternehmens zusammenhängt. Reben Geschäftsgeheimnissen kann es also Betriebsgeheimnisse nicht geben. Die Worte Geschäfts- und Detr iebsgeheimnisse erscheinen bei dieser Betrachtungsweise synonym: trotzdem hat der Gesetzgeber, wie die Entstehungsgeschichte des unlauteren Wettbewerbgesehes zeigt, zwischen beiden unterschieden. Er hat die industriellen Geheimnisse als Betriebs-, die kaufmännischen als Geschäftsgeheimnisse bezeichnet wissen wollen. Wird sich in manchen Fällen eine genaue Abgrenzung auch nicht finden lassen, so wird man sich bis zu einer gesetzlichen Abänderung dieser Bestimmungen an jene Unterscheidung halten müssen.
Bei der Werkspionage handelt es sich jeden- salls bald um den Verrat von Geschäfts-, bald von Betriebsgeheimnissen, also um Geheimnisse eines Geschäftsbetriebs. Geheimnis in diesem Sinne ist eine Tatsache, die im Zusammenhänge mit einem Geschäftsbetriebe steht, nicht offenkundig ist und nach dem Willen des Unternehmers geheim gehalten werden soll. Im einzelnen ist hierzu zu bemerken, daß, vermöge des Dienstverhältnisses erlangte Erfahrungen und Fähigkeiten niemals Gegenstand eines Geheimnisses sind, doch darf der Kreis der Tatsachen nicht allzu eng gezogen werden. Schon ein vereinzeltes Geschästsvorkvmmnis, die Anwendung eines an sich bekannten Verfahrens oder ein geschäftlicher Plan können unter Umständen Geheimnis fein. Dabei ist außerdem stets erforderlich, daß sie vermöge des Dienstverhältnisses anvertraut
Montag, 2. Juli 1928
oder sonst 3 u g ä n q l i d' geworden sind. Besondere Beachtung verdient hier der Fall, daß es sich um durch Die Tätigkeit deS Angestellten geschaffene Geheimnisse handelt, insbesondere E r s i n d u n g e n, an Denen nicht schon vereinbarungsgemäß Dem Ee'chäftS- inhober ein Ansschlußrecht zusteh'. Hier wird die Er inhung des Angestellten immer dann zum ®.'- heimnis des Geschäftsbetriebes und ein AuS- schlußiccht des Unternehmers begründet, wenn die Erfindung in Den Rahmen deS Geschäfts und der den Angestellten vertraglich, obliegenden Dienstleistungen fällt, oder in Erfüllung einer besonderen Anweisung erfolgt ist.
Aus dem Gesamten ist ersichtlich, daß eine genaue generelle Festlegung, was Geheimnis eines Geschäftsbetriebes bedeutet, nicht mög.ich ist. Es wird vielmehr immer auf Den einzelnen Fall enfommen. Die Merkmale find überwiegend wirtkcha tlicher Ratur. Drei Erfordernisse müssen jedenfalls stets erfüllt fein; 1. Innerer Zusammenhang mit dem Geschäftsbetrieb muß bestehen. 2. Die Tatsachen Dürfen nicht offenkundig sein. 3. Der Geschäftsinhaber muß den Geheimhaltungswillen äußerlich erkennbar gemacht haben. Die Mitteilung eines solchen Geheimnisses eines Geschäftsbetriebes an andere ist aber nicht ohne wei'.eies Werkspionage. Hinzu- lommen muß nämlich, daß während Der Geltungsdauer des Dienstverhältnisses der Verrat unbefugter Weife erfolgt, Dabei muß Der Mitteilens des Mangels der 'Befugnis zur Offenbarung bewußt fein und i n der Ab- ficht des Wettbewerbs oder der Schädigung des Geschäftsbetriebes handeln. Diese fubief- tiven Momente müssen hinzutreten, um die Mitteilung eines Geheimnisses des Geschäftsbetriebes durch einen-Angestellten, Arbeiter oder Lehrling zur Werkspionage zu steinpeln.
Der Schutz. Der Dem Geschäftsbetrieb durch die Strafbarkeit Der Werkspionage gewährt wird, ist IciDcr noch nicht ausreichend Angesichts Der großen Bedeutung, Die Die Wahrung seiner Geheimnisse für jeden Geschäftsbetrieb und überhaupt volkswirtschaftlich hat, erscheint Die. gesetzte Etraihöchstgrenze von einem Iahr Gefängnis bzw. 3000 Mk. Geldstrafe viel zu niedrig bemessen. Insbesondere fehlt eine wei.ergehend? Schutzmaßnahme gegen das Ausland und eine die Strafbarkeit des Versuchs begründende Rechtsnorm. Leider haben Die von industrieller Seite wiederholt geäußerten Bedenlen und Anregungen zu einer Ergänzung der gesetzlichen Vorschrift noch nicht geführt. Auch an dieser Stelle soll daher nachdrücklichst Darauf hinge- toiefen werden, daß Der Schuh des GeheimniS- reck)ts der Geschäftsbetriebe verstärkt werden, der Kamps gegen Werkspionage und Die sie veranlassende Bestechung mit schärfsten Mitteln geführt werden muh.
Die Rordlandreise der deutschen Flotte.
Am Samstag dieser Woche versammelt sich die deutsche Flotte in der Kieler Föhr de, um von dort aus am 1. Juli die dreiwöchige Aus- b i l d u n g s r e i s e in die norwegischen Gewässer anzutreten. Die Flotte unter Dem Kommando des Flottenchefs. Vizeadmiral O l d e k o p p . fährt von Kiel aus durch die Belte, den Katte- gatt und Skagerrak in die nördliche Rordsee, wo der Flottenchef die Flotte zu Verbandsübungen zusammenfassen will. Diese Hebungen dauern einige Tage. Dann geht die Reise nach Rorwegen. Dort werden von den verschiedenen Schiften mehrere Häfen Süd-Ror- wegens angelaufen. Die Torpedoboote gehen ziemlich tief in die Fjorde hinein. „Schleswig- Holstein". „Hessen" und der Flottentender „Heia" mit Dem Flottenkommando besuchen vom 5. bis 8. Iuli D r o n t h e i m , und vom 10. bis 16. Balholm« n. Linienschiff „Schlesien" und Kreuzer „Amazone" vom 4. bis 8. Molde und vom 9. bis 16. Merok, Kreuzer „Rymphe" und Linienschiff „Elsaß" vom 4. bis 8. Bergen, vom 9. bis 16. Ulvik. Die Torpedoboote verteilen sich auf die Fjorde, und zwar die II. Torpedoboot-
Rosenberg tarn selbst, sah den Entwurf: alles Rötige wurde besprochen. Die Arbeit konnte nach Herrichtung der QBanD für Keimsche Mineral- Künfllerfarben in Angriff genommen werden. Kurz vor Beginn des neuen Semesters stand das Bill) auf Der Wand.
Dies kurz die Geschichte des Bildes, lieber seine künstlerische Haltung und Gestaltung will ich nicht reden. Das Werk mag selber sprechen. Aber zu Dem gedanklichen Stoff Des Bildes, dessen Inhalt leicht mißdeutet werden könnte, möchte ich folgendes sagen: Die Bildidee ist eine Dreiheit von sitzenden 5iguten, die Dem Gespräch Der Sitzenden mehr ooer weniger teilnehmend zuhören: es ist also eine „conversatione", eine Figurenkomposition. eingeotimet in ein Dreieck oder in einen Kegel, dessen Basis von dem Halbrund Der sitzenden Figuren gebildet wird. JesuS, Buddha und Sokrates, als Vertreter der drei bedeutendsten Weltanschauungen.
In der Mitte sitzt nach orientalischer Art erhöht Buddha, Der Erleuchtete, ganz versuicken in tiefes Denken, in seine eigene Welt. Seine Augen sind geschloffen. Man weih nicht, ob er viel hört von Dem. was links neben ihm Der Razarener in lebhaftem Gesten- und Gebärdenspiel an Weisheit und Wahrheit kündet. Während Buddhas Hände in seinem Schoh verschränkt sind, zeigt Der Razarener in steiler Geste hinaus in die Unendlichkeit über Der Welt des schönen Scheins: Auge und rechte Hand wenden sich fast beschwörend zu Sokrates. Dem großen Athener, Der kühl und kritisch prüfend fein skeptisches „Ich weih, dah ich nichts weih" dem jugendlichen Feuer und stürmenden Temperament des Razareners entgegenzufetzen scheint. Das ist der kritische Geist des Griechentums, der an alle und jede Wahrheit seine unerbittlichen Fragen nach Dem zu- und ausreichenden Grunde richtet.
Hinter und über Sokrates steht vornehm-lässig em breitbrüstiger Iüngling, den Dlntenkranz im schwär»lockigenHaar: verwundert und sinnend schaut er auf Iesus, wohl ein wenig ergriffen von dem fremdartigen Zauder feines Feuerblicks, aber doch ohne Verständnis für diese ihm ganz fremde Welt des Razareners. Fast umnerklich streichelt seine KünfUerhand die golden glanzenDen Saiten seiner Leier: er zeigt die andere, traumhaft dunlle Seite des griechischen Geistes: Eros-Di- onysos: der Geist, welcher der Welt den Schönheitstraum der klassischen Kunst geschenkt hat.
Ihm gegenüber, hinter Iesus, steht, in jeder Hinsicht fein voller Gegensatz, der große Dichter Dante. Ernst und ganz hingerissen vom göttlichen Strom Der Reden des Razareners, träumerisch ins Weite schauend, düster und streng, er ist ganz Ohr und das Gehörte gestaltet sich in seiner Dichterseele zum großen Werk, das er in Händen hält, dem unsterblichen Buch .Comedia divina“. Er ist für mich der reinste und edelste Vertreter katholischen, weltabgewandten Christentums.
Zwischen ihnen überragt Goeche. der große Seher. Kaum nimmt er teil. Er war versunken im Anschauen des kleinen Wunders der großen Ratur, der Pflanze, die er in Händen hält. Es ist der große Forscher. Der mit allen Poren seines weiten Seins die Welt der sinnlichen Erscheinungen in sich aufnahm und zu einem Ganzen zu einen strebte sein Leben lang; heimisch in der Welt des Kleinen und des Großen: seherisch ist sein Blick über Die Philosophen hinweg ins Weite gerichtet, denn feine Seele spürt die Hand der großen Mutter Ratur, die hinter ihm. alles überragend, in den Wolken stehend, unhörbare Worte zu raunen scheint. Er horcht auf und folgt. Es ist der Dichter des Men'chheitsdramas „Faust", es ist der tiefschürfende Forscher und große Entdecker tiefer Naturgesetze. dellen letzte Weisheit war: das Erforschliche erforscht zu haben und das Ilnerforschliche in Demut zu verehren. Das Ilnerforschliche. dessen gewaltiges Sinnbild hinter all den suchenden Geistern steht in der geheimnisvollen, rätselhaften Ratur. In ihren Armen umfängt sie zärtlich das Kind, aber über die Schulter, aus dem wollenhaften Haar, blickt die Schlange. Die Ratur. die Mutter unD die Medusa.
Das Ilnerforschliche webt und west auch in der Landschaft, die sich hinter und über den Figuren aufbaut; links aus Wiesen und Wäldern tagende Berge, türmende Felsen, bis hinauf zu den Kristallriefen der ewigen Firne, rechts aus Dem ewig wogenden Meer, dessen Wefte sich verliert in dem Dunst der Wollen, aus dem wie drohendes Unheil der rauchende Dullan hervorbricht.
Das Bild ist gedacht als Tell einer Trilogie, einer Dreiheit von Bildern, deren Inhalt Darstellung dec vier Fakultäten fein soll. Dieses Wandbild wäre somit Darstellung der theo
logischen und philosopischen Fakultäten. Links davon ist geplant eine Darstellung der juristischen Fakultät, die im Entwurf schon vorhanden ist, rechts die der Naturwissenschaften.
Soviel, was den stofflichen Inhalt des Wandbildes betrifft. Der farbige Aufbau des Bilde- erhebt sich auf Den Drei Grundfarben: ein tönendes Blau (Iesus), ein kühles, lichthafteS Gelb (Buddha), ein verhalten glutendes Rot (Sokrates). Aus diesem Dreiklang entwickelt sich die weitere Koloristik des Bildes und die Koloratur der Landschaft, lieber einer rosigen Abcnd- wolle als tiefer Akkord die blauschwarze Finsternis des unergründlichen, uns wohl ewig Der*
Run noch ein Wort für die klugen Leser, die bedeutsam blickend sagen werden: Bilde Künstler, rede nicht. Es gibt ja immer noch Leute, die da glauben, jedes Werk bildender Kunst, das auch gedankliche Inhalte künstlerisch gestaltet mit der Phrase „literarische Kunst" ab tun zu dürfen. Für diese klugen Leute hat Goeche oben angeführtes Wort gewiß nicht gesagt. Er selbst äußert einmal in einem bedeutsamen Gespräch über Stoff und Form zu Eckermann, daß er bei aller Achtung der künstlerischen Form, wenn er noch einmal jung wäre. Werke schaffen würde, die so gewaltig im Stoff fein mühten, dah alle Welt auf» horchen mühte. Das hat er ja auch in seinen großen Dichtungen zur Genüge bewiesen. Ich könnte noch auf andere große Künstler Hinweisen wie etwa Dürer und Grünewald, auf Dürer, dessen Weltgeltung nicht zum geringen Teil auf Der Tiefe seiner gestalteten Gedankenwelt beruht. auf Grünewald, dessen Isenheimer Altar voll tiefsinniger Theologie steckt. Aber dies ist mir weder maß- noch richtunggebend; schließlich muh jeder das schaffen, was er ist. Es gibt keine feststehenden Kunstgesehe. Für jeden schaffenden Menschen und insbesondere für den schöpferischen Künstler gibt es nur ein Gesetz: >u fein was er ist und zu gestalten was in ihm liegt, unbekümmert um Meinungen von Vorfahren und Zeit- genossen, die es besser wissen wollen als er, was er zu tun und zu schäften hat. Ich bin Der ich bin und schäfte meine Kunst. Es gibt ja genug Künstler, die so schäften, wie es die Zeit* genossen verlangen. Ich habe auch dieses Wand« bild geschaften nach meinem Gesetz.


