Ausgabe 
2.6.1928
 
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den Lenkern des Staatsschisfe die Möglichkeit gibt, wieder in ruhiges Fahrwasser zu steuern, oder ob sie über die Regierung hinweg zum offenen Bruch mit Italien treibt. Die Regierung scheint ernsthafte Anstrengungen zu machen, gegen die Lolksgunst zu schwimmen, weil sie die Zeit für eine erfolgreiche Ausrottung der Adriosrage noch nicht für gekommen hält. Ob es ihr gelingen wird, sich durchzusetzen, können erlt die nächsten Tage lehren Kritisch genug sieht die Lage in Belgrad aus. Und doch hängt von ihrer Entw cklung es ab, ob der Frieden an der Adria »och einmal erhalten bleiben soll, oder ob ein neuer Balkanbrand, dann der vierte im Lause eines Bierteliahrhunderts, aufflammen und mit fei­nen unabsehbaren Folgen Europas Schicksal be­stimmen wird

Oer Konflikt zwischen Rom und Belgrad.

Hoffnung auf friedlichen Ausgleich.

Wien, 1. Juni. (IlL) (Eine am Donnerstag ver­breitete Nachricht, bafj die Regierung demissio­nieren wolle, und dah auch der König den Rück­tritt des Kabinetts verlange, wird von dem Presse­bureau des Ministerpräsidiums dementiert. Die Regierung sei entschlossen, weitere Ruhestörungen auf jeden Fall zu unterdrücken, nötigeosalls

a f i e n erlangt hätten." Die Antwort darauf erteilt dec Moskauer Ko^espoudent des B. at.es in dem oben mitgeleilten Sinn.-. Kaith erdreiste: sich aTo, die deutschen Angel.a .en in 0 p io- nage verdacht zu bringen. nr.ee. sei hier an eine lirflärung des Außen^imnißariats, in der ausdrücklich hervorgehoben wurde, daß an derartigen S.n.nischungen die deutsche Regierung nicht beteiligt ist.

Arbeilslosenttawalle in Moskau.

Kowno, I.Iuni. (TU.) Wie aus Moskau ge­meldet wird, rottete sich am Freitag yne An,Ml Arbeitsloser vor dem Moskauer Arbeits- nach weis zusammen, um gegen die schlechte Be- Handlung durch die Behörden zu protestieren. Die Miliz versuchte, die Menge ohne Waffengewalt zu zerstreuen. Diese griff aber die Beamten an und fang dabei d i e Internationale. Mehrere Fensterscheiben des Arbeitsnachweises wurden zer­trümmert. Erst durch das Eingreifen des Bor- fitzenden des Moskauer Stadtrats, Wolkow, der eine beruhigende Ansprache an die Menge hielt, konnte dieRuhewiedcrhergestellt werden. Die GPU. hat die Rädelsführer vernommen. Man erwartet im Zusammenhang mit den Vorkommnissen Verhaftungen. Eine b- andere Kommission aus Vertretern der GPU., des Innenkommisiariats und des Arbeitskommissariats ist gebildet worden, um die Ardeitslosensrage zu untersuchen.

werde auch Militär herangezogen werden. Wie der Belgrader Berichterstatter derTimes" meldet, ist die am Donnerstag von den italienischen Gesandten in Belgrad überreichte neue italienische Rote, In der Genugtuung und Entschädigung für die itallenfcindlichen Kundgebungen verlangt wird, nicht ultimativ, sondern In freundlichem Tone gehalten. Die Rote gibt der Hoffnung Aus­druck, dah keine weiteren Zwischenfälle dieser Art die freundschaftlichen Beziehungen zwi­schen beiden Ländern stören möchten. Die Aniwort der jugoslawischen Regierung an Italien wird, wie der Berichterstatter weitir meldet, im Lause des heutigen Freitags aufgesetzt werden. Angesichts des verbindlichen Tones der italienischen Rote hält man es für möglich, dah den italienischen Forderungen nachgekommen werden könne, ohne den jagc- slawischen Ralionalslolz zu demütigen.

Der ita ienisch türkische Vertrag.

Rom, 1. Juni. (XU.) 3n dem am 30. Mai In Rom von Italien und der Türkei unterzeich­neten Reutralitäts-, Vergleichs- und Schied." gcric. t.'ver rag verpflichten sich nach Art. I die vertragschließenden Parteien, an keiner poli­tischen und wirtschaftlichen Entente oder sonstigen politischen Kombination teilzuneh­men. die gegen den anderen vertragschlie­ßenden Teil gerichtet ist. Rach Art. 2 wird die andere Partei während der ganzen Dauer deS Konfliktes die Reutra ' ität bewahren, wenn eine der beiden vertragschließenden Parteien trotz der von ihr eingenommenen friedlichen Haltung von anderen Mächten angegriffen wird. 3m Art. 3 verpflichten sich die Parteien, Streitfragen jeder Art, deren Lösung sich auf diplomatischem Wege als unmöglich Herausstellen sollte, der Regelung durch schiedsgericht­lichen Spruch zu unterwerfen.

Innsbrucker Studenten-Kundgebung.

Innsbruck, 1. Juni. (WTB.) In einer gegen Italien gcridjteten Protestkundgebung der Deut- scheu Studentenschaft der Universität gelangten auch Telegramme der Agramer und Bel- grober Stube., tenschast und des Verbandes jugoslawischer Nationalisten zur Verlesung. In der angenommenen Entschließung erklärt die Stu­dentenschaft, daß sie ungeachtet aller diplomatischen Einflüsse den Kamps für die Brüder in Deutsch-Südtirol führen werde. Die Studen­ten gaben ferner eine Sympathteerklä- r u n g ab für die Belgrader und Agramer Studen­tenschaft, an die Dankdepeschen gerichtet wurden. Es hat sich kein Zwischenfall ereignet.

Sine neue Sprachenverordnung in Südt rol.

Innsbruck, I.Iuni. (WB.) DerTiroler An- Zeiger" meldet: Das Trienter Schulamt hat an die bisch,flichen Kurien von Trient und von Brixen Weisungen für eine ftufenroelfe sprachliche UmforrnungdesReligionsunterrichts gerichtet, nach denen vom Jahre 193031 an der Religionsunterricht in allen Klassen und in allen Orten och neiedeAusn ahmeitalienisch er­teilt werde sott.

Haltlose Verdächtigungen.

Die LowjctprcNc stellt die angeklagten Ingenieure als deutsche Spione hin.

Moskau 1. 3uni. (Privat.) 3n ihrem heuti­gen Leitartikel betont die ..P ra w da" im Rahmen der in Moskau jetzt üblichen Polemck gegen die deutsche Presse, daß für letztere ..eS sich bei dem gegenwärtigen Prozesse um den Kamps der Weltbourgvisie gegen den proletarischen Staat handele, und daß die Sabvtagemaßnahmen rine 3nterven- tton der Mächte vorbereiten sollten". AuS vollem Terzen lobt diePrawda" daS aufmerk­same Verhalten deS hie?igen Korrespondenten der ..Deutschen Allgemeinen Zeitung", der zu­gegeben habe, daß frühere Drubenbe- s l tz e r, da sie wahrsche nrich nicht selbst genügend kapitalk.ä Ng gewesen seien,a l S Vermitt­ler polnischer und «ranzösi scher Mi­litär institutionen tätig gewesen seien, in­dem sie der Schädigungsorganisation StaatS- aclter dieser Länder übergeben haben". Rach dem hier heute Dori ejenben De icht deS Korro iDonben'cn dec3fwestija", Kaith. enthalte die ..DAZ" den HinweiZ. der Moskauer Korre­spondent t«S DlatteS tjäLe Einsicht in Teile der Anklageschrift erhallen, auS denen b'.e Tat­sache, daß die Zahlung von Destechungs- geldern den militärischen 3nter- essen fremder Mächte bienen sollte, unzweideu ig hervorgehe. Kaith folgert daraus, daß die deutschen Korrespondenten von ihrem ursprünglichen Standpunkt de: kategorischen Ab­lehnung jeglicher realer Begründung deS Pro- zes es «brück n. Energisch zurückgewiesen werden muh die politische Drunnenvergistung deS . 3f- westija' -Korrespondenien, de: die Möglichkeit der Zahlung von DestechungSgeldern im Interesse fremder Mächte mit l#n angeklagten Deut­schen in Zusammenhang bringt, indem er schreibt: .Mit gemachter Raioität fragt die Zei­tung, woher deutsche Monteure so viel Geld zur Dezahlung von Sabotage-

Oie Umbildung des Kabinetts poincare.

Louchcur wird Arbcitsmiuifter. - Ein Nnterstaaiöfekrelär für Elfaft'Lotl)rinqcn.

Paris, 1.3unt (WB.) Wie verlautet, ist im gestrigen Kabinettsrat entschieden worden der formelle Beschluß wird nach alter Gewohn­heit erst in einem Ministerrat in Anwesenheit des Präsidenten der Republik gefaßt, die Rachfolge des zurückgetretenen Ar- beitsrntnisters Zalltöres dem Abgeord­neten Loucheur zu übertragen. Dem Arbeits­minister wird ein Llnterstaatsselretär für Hygiene­fragen beigegeben werden, und zwar der Ab­geordnete Oberkirch (Grupn. Marin) aus dem Llnterelsah, der, wie Havas vcrichtet. gleich­zeitig bei den Beratungen des Kabinetts Elsaß- Lothringen vertreten soll. Hierdurch wird die rechtsgerichtete Gruppe Marin einen zweiten Vertreter innerhalb des Kabinetts erhalten. Außerdem wurde über die Wiedererrichtung eines Unterftaat£jefretariatd für öie körper­liche Erziehung der Jugend beraten, das dem Abgeordneten Pate, der früher schon dieser Behörde als ObcriommiLar Vorstand, über­tragen werden soll. Wenn die Wiedererrichtung dieses Unterstaatssekretariats Tatsache wird, würde der Grundsatz durchbrochen werben, der bei Bildung des 5iabinctt5 Poincarö maßgebend war, nämüch keine Unterftaatdfefre- t a r i a t e zu schaffen. Sie Regierung hat jedoch, wenigstens vorläufig, daraus verzichtet, das Unterstaatssekretariat für das Luftschiff­fahrtswesen wieder zu errichten oder ein Luftfahrtministerium zu schaffen, das die ver­schiedenen Zweige der Lustschisfahrt (militärische, maritime und Handelsluftschiffahrt) zentralisieren sollte.

Tirpitz über das deutsch-französische Problem.

Keine einseitigeVerständigung".

Paris, 1. Juni. (TU.) Großadmiral v. Tiroitz hat sich dem Berliner Sonderkorrespondenten Des Exceljior" gegenüber über das Problem der deutsch-französischen Annäherungspolitik geäußert. Er betonte, daß eine Verständigung zwischen den beiden Völkern durchaus wünschens­wert sei. Man müsse jedoch bezweifeln, ob dieser Wunsch auch gegenseitig sei. Frankreich habe nach demKriege m e h r f a ch G e l e g e n h e i t gehabt, Deuts c''land die Hand zu rei- ch e n und eine Versöbnung herbeizuführen, aber es habe diese Gelegenheiten nie benützt. Deutsch- land habe niemals eine aggressive Feindseligkeit gegenüber Frankreich gehegt und alles getan, um zu einer Verständigung mit seinem ehemaligen Kriegs­gegner zu kommen. Tirpitz wies in diesem Zusam- menhang auf Locarno hin, wo Deutschland auf Elsaß-Lothrinaen verzichtete. Frankreich habe a l s Gegenleistung nicht viel getan. De For- berung nach Sicherheit fei nicht zu begreifen, da Deutschland doch völlig entwaffnet fei. Er habe den Eindruck, daß Frankreich im Grunde etwas anderes möchte, aber es soll wissen, daß wir das Rheinland niemals aufgeben können. Den Gedanken Paneuropas lehnte von Tirpitz als undurchführbar ab Bei Erwäh- nung des Völkerbundes brach Tirpitz in ein herzliches Lachen aus, um dann zu erklären:Der Völkerbund setzt eine vollkommene Gleichheit für alle und eine völlige Un Parteilichkeit voraus. Sehen Sie diese Gleichberechtigung? Der Völkerbund ist eine Liebeserklärung ohne Eheversprechen*.

Vor der Llebergabe Pekings.

Verhandlungen '»wischen Japan und der Südarmec

Peking. 2.3uni (XU.) Der Militärattache der japanischen Gesanbtscha t in Peking Hal sich in Begleitung von zwei Offizieren xum General QJ en begeben, um diesem die Vorschläge für die Besetzung Pekings zu übermitteln. Die Bc ehung der Stadt müsse demnach im Einverständ­nis mit bem japanischen Oberbefehl erfolgen.- Die am besten disziplinierten 6000 Mann der Südtruppen werden in Peking ein- quartiert. Der Rest verbleibt außerhalb der S adtgrenzen. Das Betreten deS diplomatischen Dier'eis ist verboten, lieber den Schutz der S adl wird ein besonderes Abkommen mit der japanischen Kommandantur geschlossen. Tschangtfolin beabsichtigt, SamLtag abend Peking zu verlassen.

Ott Lage in Tientsin.

Die Mächte zur Verteidigung der Konzessionen bereit.

Schanghai, I.Iuni. (Reuter.) Die natio­nalistische Rachrichtcnagentur teilt mit. dah da- diplomatische Korps in Peking beabsichtige, einen internationalen Zug von morgen ab täg­lich zwischen Peking und Tientsin lau­fen zu lassen Während der letzten Tage haben sich keine besonderen Vorkommnisse im Zusam­

menhang mit den Tientsin-Konzessionen ereignet. Ein Mitglied der japanischen Gesandtschaft teilt mit, dah alle Mächte zur Verteidigung der Konzessionen und Schaffung einer Verteidigungslinie in der Röhr der Grenze zu­sammenwirkten. Wenn jedoch ein unge­zügelter Pöbelhause auf die Konzessionen vor- rücken sollte, so würden die ausländischen Lrup- ven vielleicht weiter vorrücken müssen, um hm entgegenzutreten. Ein Mitglied der ameri- t a n i s ch e n Gesandtschaft erllä-rte. baä 15. ameri­kanische 3nfanterieregtment werde mit den ande­ren auswärtigen Truppen bei der Verteidigung der Konzessionen zusannnenwirken. Es verlautet, dah die amerikanischen Warinetruppen nur innerhalb der Riederlassung Ver­wendung finden können. Vier Sonderzüge sind gestern abend und weitere vier heute vormittag mit den Familien leitender mandschurischer Be­amten von Peking nach Mulden abgefahren. Cvdetelegramme werden der Zensur unterworfen.

Aus aller Welt.

Deutscher Voltshochschultag in Treödcn.

TU. Dresden, 1. 3uni. (Tel.) Der Reichs- verband der Deutschen Volkshochschule hält zur Zeit in Dresden seinen ersten Hochschultag ab. Bei dem BegrüßungSabsnd. den die Stadt im Festsaale des neuen Rathauses veranstaltete, wies Oberbürgermeister Dr. Blüher daraus hin. dah die Städte von jeher die Träger der grilligen Kultur gewesen seien und im Bewußtsein dieser ihrer besonderen Ausgabe die Entwicklung der Volkshochschulen dadurch gefördert hätten, daß sie diese als kommunale Anstalten inS Leben riefen und ihnen offiziösen Eha - ratter verliehen. Der Leiter der Dresdner Volkshochschule, Dr. Mockrauer, erblickt in dem Zusammenschluß der deutschen Dvlks- hochschulen im Reichsverband den sichtbaren An­fang künftiger kraftvoller Entwicklung. Minister a. D. Dr. Külz erörterte bann in program­matischer Weise das Thema ,Pflichten deS Reiches, der Länder und der Gemeinden auf dem Gebiete des Volkshochschulwesens". Er faßte seine Ausführungen über Bildung als MenschhritS- recht, Anerkennung der Volkshoch­schule als notwendiges Glied des gesamten Bildungswesens und die Schaffung der freien neutralen Volksschulen zusammen in die For­derungen: 1. 3n den Haushaltsplänen sind M i t- te l für einen gesunden Ausbau und Ausbau bereit zu stellen. 2. Bei den Regierungen sind fachmännische Landesstellen einzurich- icn. 3. Die fachmännischen Landesschulen müssen tätig werden bei Rcugründungen und Aus­bildung von Lehrkräften. 4. Das Reichs­ministerium des Innern muß Richtlinien aufstellen. Heber akademische Bildung und Volks­bildung sprach dann Hniversitätsprvfesfor Dr. F r e y e r - Leipzig. Er führte u. a. aus, die Wijfemchaft habe die Form der akademischen Bil­dung hervorgebracht als Rest Der allgemeinen humanistischen Bildung. Sie habe aber doch ein starkes inneres Gefüge. Die deutsch: Volksbildung sei davon durch eine Welt getrennt. Sie sei autonom, wolle und müsse ihre eigene Form haben. Das autonome Recht der Volksbildung müsse vielfach noch erkämp't werden.

Die Polarflieger beim Reichspräsidenten.

Der Herr Reichspräsident empfing die Polarflicger, Kapitän Wilkins und Leutnant E i e l s o n. An dem Empfang nahm der amerika­nische Botschafter S h u r m a n und, da der Flieger Wilkins britischer Staatsangehöriger ift, der bri­tische Geschäftsträger, Venken. sowie Staats­sekretär Dr. Meißner, teil. Der Herr Reichs­präsident beglückwünschte die Flieger zu ihrem großen Erfolg und ihrer bewunderungswürdigen Leistung und ließ sich an Hand von Karten über die Einzelheiten des Fluges und das Er gebn i s desselben für die geographische und meteorologische Forschung eingehend berichten. Am Schluß der etwa he bstundigen Unterhaltung sprach der Herr Reichspräsident den beiden Flie­gern den Wunsch und die Hoffnung auS, daß lhnen noch weitere er>olgrriche Flugleistungen und Forschungen beschießen sein mögen.

Die erste Dozentin für Strafrecht in Deutschland.

Von der juristischen Fakultät der Universität Roftock ist Fräulein Dr. jur. Else Koffka, Tochter des Berliner Landgerichtsdirektors Koffka, ' ein Lehrauftrag für Strafrecht erteilt' worden. Bemerkenswert ist, daß Frl. Dr. Koffka, ; die drei Jahre Assistentin der juristischen Fakultät an der Universitäl Berlin war, erst vorgestern ihr Assessorexamen gemacht hat. Sie ist die erste Frau, die einen juristischen Lehrauftrag von einer deutschen Universität ohne vorherige habilst tation erhalten hat.

Ein inleressanlcr Spionagefall.

Der 5. Strafsenat des Reichsgerichts verurtettte die frühere Stenotypistin Berta König aus Berlin wegen Verrats militärischer Geheimnisse unter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 14 Monaten Untersuchungshaft sowie zu 3 Jahren Ehrverlust und Verfall von 1600 Mark Spionage- gelber. Die Angeklagte war vor dem Krieg als Privatsekretärin bei den bekannten Militärs Gras v. d. Goltz und Graf Port von Wartenburg tätig und in den Jahren 1914 bis 1920 in der Geheimkanzlei des Kriegsmini st eriums und in der Depotab­teilung des Seercchtsabteilungsamtes angestellt. Von dem französischen Spion Reynols wurde die Angeklagte gegen ein monatliches Entgelt als feste Agentin verpflichtet und leistete den Franzosen in den Jahren 1925 bis 1927 Spionage­dienste durch Beschaffung zweckdienlichen Materials, durch einschlägige L teratur, Beförderung geheimer Briefschaften, Ausspähung von Angehör gen der Reichswehr und versuchte Zuführung von Agenten zu Spionagezwecken.

Flucht aus der Fremdenlegion.

Bei den DockS von Singapore kam es au einer aufvegrndnt Szene, als vier deut­sche Soldaten der französischen Fremden­legion den Versuch machten, von dem fran3difc£en Dampfer Athos II zu entkommen, indem sie bei der Abfahrt drs Schiffes über Bord sprangen. Drei der Soldaten erreichten das Ufer, wo sie unverzüglich verhaftet wurden. Der vierte aber ging unter und ertrank, obwohl zwei Europäer heldTnmütige Versuche unternah­men, ihn zu retten. Die Leiche ist noch nicht ge­borgen worden. Der genannte Dampfer h'ibrtc eine Abteilung von mehreren hundert Fremden- Icgioftärcn an Bord die von Saigon nach Marseille unterwegs find Eine große 2n» zahl Legionäre hatte vormittag- Landurlaub er­halten, 70 Legionäre deutscher Staatsange»

I Hörigkeit aber, zu denen die vier Flüchtlinge ge­hörten, waren an Bord behalten wo.den. Die drei Deutschm sind von der Polizei, die sie zunächst verha.tct hatte, freigelassen wor­ben. Wie verlautet, trifft der deutsche General­konsul Maßnahmen, um sie nach Deutschland zurückzuser.den.

Ileberraschende Aufklärung von Bcanbftifhingen

Seit geraumer Zeit trieben in der Lausig besonders nördlich der Straße DautzenGörlitz, geheimnisvolle Brandstifter ihr Un- wesen. 3nuner und immer wieder wurde die Bevölkerung durch nächtliche Brände, denen wie­derholt ganze Gehöfte zum Opfer fielen, beunruhigt. Trotz aufgesetzter yoher Belobnungen blieben alle Bemühungen ergebnislos, vis jetzt die überraschende Verhaftung von zwölf Personen Aufklärung brachte. Fast alle Ver­hafteten waren Mitglieder von Orts- feuerwehren und gestanden bereits 21 von 36 Brandstiftungen ein. Verschiedentlich sind die Schuldigen von ®runbftüctteigentÜTmrn. die sich in den Be'itz der Versicherungssumme setzen wori- ten, zur Abbrennu ng erneuerungbbebür - tiger Gebäude regelrecht engagiert worden. Aus den gleichen Motiven herauswrben auch log. Gefalligkeitsbrände angelegt Die von zuständis.er Stelle mitgeteiü wird. Dauern die Ermittlungen bereits seit einem Vierteljahr an. Die Angelegenheit ist aber erst jeöt genügend geklärt, um die A^.geschuldigten überführen zu können. Die Brandiegungen er­folgten teilweise, um den Brandstiftern persön­lich wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen, teils handelt es sich um GefäUigkeitsakte gegenüber Freunden und Bekannten, denen solche Vorteile zugewendet werden so Iten. Erschwerend fällt ins Gewicht, daß die Feftgenommenen fast ohne Ausnahme selbst den OrtS- seuerwehren angeboren. Der Feuer- wehrhauptmann Gude aus Aathe hat 'o- gar eine besonders große Rolle go- spielt. Richt nur hat er selbst Brände ge­stiftet, sondern war auch zumeist über die von anderer Seite geplanten Brandstistungen unter­richtet. Dis jetzt liegen Geständnisse über fünfzehn Brandstiftun^ei vor. Fünfzehn weitere böswillige Brandstiftungen bedürfen noch der Aufklärung. Die Zustände in dem in Frage kommenden Bezirk hacken zur Fol .e, daß borl Feuerversicherungen nur schwer und nur gegen größere Prämien abgeschlos- sen werden konnten.

Tornado und Erdbeben In Guatemala.

Der Bezirk von Peten wurde von einem Tornado heimgesucht. Bei Santo Tomas hat ein Fluß infolge schwerer Rcgensälle große äleberschwemmungen verursacht. Außer­dem ist die ganze Grgrnd von einem schw.ren Erdstoß erschüttert worden, der eine Pa­nik unter der Bevölkerung auslöste. Die Pslan- zungsunternehmer, die im Bezirk von Pcten Gummipflan^ungskonzefsionen haben, befürchten schwere 'Verluste.

Konflikt zwischen Berliner Magistrat und Hotel »Falserhof.

Zu dem Frühstück im Hotel .Koiserhos", das der Reichs innenminifter zu Ehren der beiden P o l a r f l i e a e r gegeben hotte, waren als Vertre­ter der Stadt Berlin Oberbürgermeister Böß. Bür­germeister Scholz und Etadtbaurat Dr. Adler geladen worden, hatten jedoch der Einladung nichtFolge geleistet. Diese Haltung der städ­tischen Behörden beruht auf dem immer noch an­dauernden Konflikt, der zwischen der Stadt Berlin und dem HotelKaiserhof in der Flaggen­frage entstanden war. Die städtischen Behörden wollen bekanntlich den ,Kaiserhof" so lange meiden, bis Ne Leitung dieses Hotels die in der seinerzeit entstandenen Polemik ab: ene Erklärung zur ck- nimmt, wonach es ihr chst oleichgult g sei, wo der Berliner Oberbürgermeister feine Mahl­zeiten einnehme.

Oie Wetterlage.

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ti?c.iciuuiaueiage.

Hoher Luftdruck von Westen h^ hat sich nach dem Kontinent auSgrinrritzt. Urner seinem Ein­fluß gestaltet sich zunächst b:c Wetterlage ruh.ger und ireu.idlichrr. Gleichzeitig werden vie Tem­peraturen zunächst. b.'sonh?r- tagsüber. Infolge Einstrahlung wieber ftär er anft rigen.

Voraussage ^ür Sonntag Meist heiter, fortschreitende Erwarmung, trocken.

Voraussage für Montag: Weiterer Tem­peraturanstieg und aufheiterndes trockenes Wetter.

Lufttemperaturen am 1. Juni: mittag« 15 Grad Telsius, abends 11 Grad Celsius, am 2 Juni: mor­gens 9,3 Grad Celsius. Maximum 15,8 Grad Celsius, Minimum 2,2 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 1. Juni: abends 20,3 Grad Telfius: am 2. Juni: morgens 14,6 Grad Celsius. Sonnenschemdauer 6 Stunden.