Einzelbild herunterladen

Nr 55 Drittes Vlatt

Gietzrner Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Freitag, 2. März (928

Turnen, Sport und Spiel.

Reichsjugendabzeichen für Mädchen.

In feiner letzten Sitzung hat der Ausschuß für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen nun auch die Einführung des Reichsjugendabzeichens für Mädchen beschlossen. Damit wurde ein An­trag, den die Deutsche Sportbehörde für Leichtath- letik schon vor mehr als zwei Jahren gestellt hat, in die Tat umgesetzt. Entscheidend waren für die Ein­führung die wirklich guten Erfahrungen, die man mit dem Reichsjugendabzeichen für Knaben im Laufe der letzten zwei Jahre gemacht hat.

Handball O. T.

Männer-To. Gießen I T - und Spo. Marburgs: 1.

Die Doraussage hat sich als richtig erwiesen. Marburg stellte eine Mannschaft ins Feld, die wirklich zu kämvfen wußte, und die bei sehr guter Fangtechnik bis zum Schlüsse alles daran setzte, um den Ausgleich oder gar den Sieg zu er­zwingen. Der Platz war durch die voraufge- aangenen Nachtfröste nicht in guter Beschaffen­heit. Marburg als gut spielende Mannschaft des Gaues Hessen, die als einzige dem Gaumeister zwei wertvolle Punkte abzutrotzen verstand, muhte hier eine knappe, aber völlig berechtigte Diederlage einstecken. Sogar das Ehrentor, wel­ches ihnen billigerweise vom Schiedsrichter zu­gestanden wurde, war nicht vollkommen einwand­frei, denn der Spieler, der eS erzielte, stand in erwiesener Abseitsstellung und warf demzufolge kein zu zählendes Dor. Ohne das Verdienst der Gästemannschaft zu schmälern, muh bei der Gie­ßener Elf anerkannt werden, daß sie vom An­fang bis zum Schlüsse des Spieles eine leichte äleberlegenheit zeigen konnte, und dies auch zahlenmäßig in die Tat umsetzte, was der Aus­gang mit 3:1 richtig erwies. Auch die Einstellung von drei Ersatzleuten fiel im allgemeinen nicht auf, weil diese sich schnell dem Nahmen des. Gan­zen einzupassen verstanden.

Männer-Tv. Gießen II Io. Heuchelheim I 1:4.

Sn anerkennenswerter Weise sprang der Nach- barverein Heuchelheim mit seiner 1. Mannschaft für die in letzter Minute absagenden Alsfelder Spieler ein. Die 2. Elf der Männerturner spielte infolge unglücklicher Zusammenstellung eine wenig beneidenswerte Rolle und muhte sich von den eifrig spielenden Heuchelheimern eine 4^-Nieder­lage gefallen lassen. Gewonnen wurde das Spiel in der Hauptsache von dem noch jungen, aber glänzend für diesen Posten veranlagten Torhüter, der mit seiner Arbeit und seinem Können weit über den Durchschnitt hinausragte. Fast während des ganzen Spieles konnten die Gießener über­legen spielen, jedoch konnte der Sturm nicht er­folgreich fein. Die Verteidigung der Mtv.er rückte infolge der äleberlegenheit zu weit auf ein nicht zu verstehender Fehler wurde durch schnelle Durchbrüche überspielt, und der Tormann war, auf sich allein angewiesen, in diesen Fällen machtlos. Der Gegner nutzte geschickt die Lage aus und kam auf diese Weise billig, aber ver­dient zum Erfolg. Die siegende Mannschaft zeigte in letzter Zeit eine augenscheinliche Form Ver­besserung, die ihr wohl in Zukunft die Teilnahme an der Gaumeisterschaftsrunde verschaffen dürste. Männer-Turno. Gießen (Schüler To. Gr.Linden (Jugend) 0:8.

Sn völliger Verkennung der Lage stellte man in Grohen-Linden der Schü ermannfchaft des Mw. eine komplette Sugendmannschaft gegenüber. Altersunterschied und körperliche äleberlegenh.it brachten denn auch das hohe Ergebnis 0:8 für Grohen-Linden zustande.

Verbandsspiele des I. Gauverbandes Main-Lahn.

Am vorigen Sonntag begannen die Derbands- fpiele um die Meisterschaft des Gauverbandes Main-Lahn. Der Hessenmeister, Turn- und Sportverein Duhbach, hatte den Meister des Rhein-Maingaues zu Gaste und muhte sich mit 5:3 Toren knapp geschlagen bekennen. Der Frankfurter .Turn- und Fechtclub'

Es zogen drei Burschen wohl über den schein ....

Roman von Erica Erupe-Lörcher.

58 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

War das alles nicht eine Vergeltung des Schick­sals? Kehrte der Schmerz, den sie vor kurzem scho­nungslos in der egoistischen Forderung ihrer neuen Liebe Dietwart bei der Trennung zugefügt, sich nun gegen sie selbst? D, wie viel vornehmer, wie viel zartfühlender war doch Dietwart in seinem Abschied gewesen, trotz seiner eigenen bitteren Enttäu­schung!

Ja, Raymond hatte recht behalten, als er damals Melusine zurief:Es wird dir kein Glück bringen, daß du Dietwart nicht dein Wort gehalten hast, und du ihn aufgibst, um dich für diesen Bohemien frei zu machen:

Ja, für diesen Bohemien! Diesen weichlichen, selbstgefälligen Mann, der mit seinem Künstlercum olles unterjochen zu können glaubte. Dieser Bohe­mien, der nie und nirgends von den Weibern loskam.

Drinnen tanzte man das hier übliche Programm ab. Man war reichlich konservativ in gesellschaft­lichen Neuigkeiten, man schaffte den neuen Tänzen, wie one Step, two Step, nicht schnell Eingang. Man bevorzugte Den Walzer und ließ dann zur Abwechs­lung eine Polka, auch eine mazurque folgen, und dann vielleicht eine rrangaise. Aber der Wilzer war doch immer der König im Ballsaal. Ger.rde stimmte die Musik von neuem einen an.

Weiche, süße Melodien ...? Melusine bog plötzlich den Kopf zurück und stöhnte ganz leise auf. Das Herz tat ihr Im Augenblick zum Zerspringen weh. Quand lamour meurt!" . . Wenn die Liebe stirbt?

D, wie manche Erinnerung klang in dieser Me­lodie in ihr auf! Die Erinnerung an den Dallabend, als sie sich nach dem ersten Kusse in Dietwarts Arm geschmiegt und er sie, trunken vor Lebensglück und Jauchzen, so sicher, so elegant durch den Saal im Tanze dahingeführt. Und dann, als er sie droben in Bezay vom Bahnhofe abaeholt und auf der Fahrt nach dsm Lazarett die deutsche Regimentskapelle diesen Walzer gespielt? Ganz deutlich sah sie hinter den gesenkten Wimpern im Geiste fein trauriges

brachte es fertig, den Vertreter des Kinziggaues mit 17:0 Toren abzufertigen.

Die Spiele, die in Vor- und Rückrunde aus- getragen werden, verschaffen den beiden ersten die Aufstiegsmöglichkeit. Rach Lage der Dinge dürste es schwer fein, dah unser Gaumeister zum Erfolge kommen könnte.

Handöatt-Hessen-Hanrrover W. S. B.

Der erste Start des Dezirksmeisters Kur - Hessen-Polizei Kassel gegen die Sie­gener Sportfreunde,^we falenmeister, ist, wie zu erwarten war, gründlich verunglückt. Mit nicht weniger als 1:7 Toren blieben die Siegener in Kassel siegreich. Man wird auch weiterhin bei der derzeit schwachen spielerischen Leistung des Hessenmeisters nicht mit Erfolgen rechnen bür;en. m. w.

Bezirk Hessen-Hannover.

Nachdem die Verbandsspiele beendet sind, setzt allenthalben ein lebha:er Priva spielbetrieb ein, von dem das Spiel des Dezirksmeisters Kur - Hessen Kassel 3:3 gegen den Sp. D. Wies­baden erwähnenswert ist.

Auch für den Sugendopfertag stellt der Meister seine Spieler zur Verfügung. Sn Kassel findet aus diesem ®runbe ein Städtespiel gegen Göttingen statt, das bei der stärksten Kasseler Mannschaftsaufstellung für die Bezirks» hauptstädter wohl eine gewoimene Sache sein dürste. Dei Kassel wird der repräsentative Ver­teidiger Weber fehlen, der am gleichen Tage in der westdeutschen Mannschaft ein Auswahl- spiel gegen den Rheinbezirk mitmachen solll Dazu kommt die Nachricht, dah der Vezirk Hessen-Hannover auch einen Olympiakandidaten im Fußball stelll. H. Weber ist dazu vom D. F. B. in Aussicht genommen worden und muß nun seine Fähigkeiten in den Kursen und Olym­piavorbereitungsspielen unter Beweis stellen.

m. w.

Lahnkreiö.

Das vorletzte rückständige Verbandsspiel zwi­schen Kirchhain und Frohnhausen um den fünften Tabellenplatz kam am Sonntag zum Austrag. Kirchhain gewann verdient mit 6:3 Toren. Beide Vereine haben sich als Liga­neulinge gut gehalten. Das letzte Spiel findet nunmehr am 11. März statt. Sn diesem trifft Kirchhain auf Herborn im Wiederholungsspiel. Herborn wird selbst im Falle eines Sieges um oen Abstieg nicht herumkommen.

Sonst steht auch der Lahnkreis am nächsten Sonntag im Zeichen des Sugendheim- opfertageS. Es handelt sich hier meift um Spiele von Gaumannfchasten oder Gauauswahl- mannschaften, deren Einnahme an den Verband zur Errichtung des westdeutschen Sugendheims in Duisburg abgeführt wird. Das Programm dieses Tages, des 4. März, umfaßt im Lahn- kreis als Hauptveranstaltung das Spiel Mar­burg gegen Gießen -Wetzlar. Gietzen- Wehlar hat seine Vertretung aus den besten Spielern der Vereine 1900 und D. f. D. zu- sammengestelll.

Sm Gau Gietzen-Wetzlar fhtben auS Anlaß des SugendopfertageS ebenfalls allein vier Veranstaltungen statt, in Heuchelheim, W etz l a r, H er b o r n urrd D i l le n b ur g. Sn Heuchelheim treffen sich Heuchelheims erste Elf gegen Ligamannschaft B des Gaues Gießen- Wehlar, von denen die B-Elf, zusammengestellt aus Spielern von 1900, V. f. D. und Butzbach, als Sieger anzusprechen ist. Sn W e tz l a r tref­fen sich ebenfalls A» und B-Mannschaften von Wetzlar und Umgegend (Aßlar, Niedergirmes, Biskirchen, Weilburg, Burgsolms). m. w.

Arbeiter-Turn- und Sportbund.

Bezirkstag.

Kommenden Sonntag findet in Krofdorf der diesjährige ordentliche Bezirkstag statt. Die De-

Fragen am sonnigen Morgen im alten Festungs­turme, als er sie fragte:Warum entgleitet mir deine Siebe, Melusine? O, ich fühle es!"

Einen Schmerz, ein Unrecht, das sie nie wieder gutmachen konnte, hatte sie Dietwart mit klarem Bewußtsein zugefügt und hatte in blinder Verliebt­heit einen Mann eingetauscht, dessen Lebenlied war: Hab ich nur ebine Liebe Die Treue brauch ich nicht!"

Ihr Herz fand nicht wieder seinen ruhigen, eben­mäßigen Schlag. Schwer hämmerte es. Das Blut rang sich im mühsamen Pulsschlag weiter. -Sie hatte das Empfinden, als stürbe jedes Glied in ihr ab. Eine bleierne Schwere senkte sich über sie. Ein Schauer glitt ihr vom Kopf bis zu den Füßen. Sie fror. Umoillkürlich wandte sie sich jetzt aus ihrer äußeren Erstarrung, um sich nach einer wär­menden Hülle, nach irgendeinem Tuche, einem Schal umzusehen. Aber als sie die Hände jetzt von der stützenden Fensterbank löste, taumeUe sie. Es war ihr ganz unmöglich, auch nur einige Schritte allein durch das Vestibül zu machen.

Ein Gefühl von Hilflosigkeit stteg neben der blei­ernen Schwere auf. Was sollte sie tun? Um Hilfe rufen? Dann würde man sie brinnen hören, es würde eine große Sache geben, die Musik in ihrem Spiel abbrechen, die tanzenden Paare würden sich lösen und herauseilen und sie umbrängen mit Fra­gen, mit neugierigen Blicken. Man würde beginnen, einen Zusammenhang zu ahnen zwischen ihrem Ohnmachtsanfall und dem plötzlichen Verschwinden Bvuoiers.

D, nur das alles nicht in ihrem Gefühl schmerz­lichster Zerrissenheit! Da ging in der Nähe eine Tür. Sie hob den tiefgesenkten Kopf. Eine Männergestalt trat heraus. Einer der Tänzer, der frische Luft schöpfen wollte?

FritzI" rief sie im nächsten Moment, sich vor Freude mühsam wieder aufraffenb. Wenger kam so­fort auf sie zu. Denn während der ganzen kurzen Auseinandersetzung mit Bouoier hatte er sie durch die beiden gegeneinander Angewandten Spiegel be­obachtet. Ganz genau hatte er den Fortgang Bou° viers verfolgt. Und jetzt trieb ihn die Unruhe, die Teilnahme um Melusine, nach ihr zu sehen, da sie nicht in die Salons zurückkam.

Ich hatte dich gesucht, Metusme da brach er ab. Ihre vollständig erblaßten Lippen entsetzten ihn. Sie machte einen unsicheren Schritt ihm entgegen.

legierten aller Sparten treffen sich hier, um die Be- richte über das abgelaufene Geschäftsjahr entgegen­zunehmen und notwendige organisatorische Aende- rungen zu beschließen. Weiter soll die Tagung vor- beredende Arbeit für die in Kürze stattfindenden Kreistage leisten. Vorausgehend findet am Sams­tagabend der Spartentag der Turnsparte statt. Hier werden die Delegierten der Turnvereine über die Geschicke der Turnsparte beraten und be­schließen. Neben organisatorischen Fragen werden auch die technischen Belange besprochen werden.

Fußball.

Naunheim fährt nach S ch i c r ft e i n a. Rh., um fein letztes Spiel der Vorrunde um die Kreis­meisterschaft auszutragen. Nimmt es die Erfahrun- gen aus den oorangegangenen Spielen zunutze, so kann es ihm gelingen, auch hier als Sieger den Platz zu verlaßen, mindestens aber ein Unentschie­den herauszuholen.

Lollar hat Wiesecks Erste zu Gast. Ob es gelingt, Wieseck mit der vorausgesagten 6 0-Nieder- lage nach Hause zu schicken, wird man nach der am Sonntag gezeigten Spielweise bezweifeln müssen.

Wieseck II hat Gießen II zu Gast. Tritt Gießen ohne Verstärkung aus der 1b an, so wird es wohl eine Niederlage hinnehmen müssen.

Süddeutsche Fußballmeisterschaft.

Sn der Runde der Meister sind nun­mehr die Spiele der Vorrunde beendet. Den be­teiligten Vereinen steht ein Ruhetag bevor. Nur das eine, seinerzeit ausgefallene Trrsien zwischen F. D. Saarbrücken und Sp. D. Waldhof wird nachgeholt. Es handelt sich hier um die beiden Tabellenletzten, von denen man bei Saar­brücken wenigstens den guten Willen stets an­erkennen konnte, während Waldhof manche Er­wartungen unerfüllt lieh, trotzdem aber als der stärkere von beiden Vereinen zu betrachten ist und auch am Sonntag vermutlich gewinnen wird.

Auch in der Runde der Zweiten und Dritten hat die Gruppe N o r d w e st nur zwei Spiele auszutragen. Sn Frankfurt hat der F.Sp.V. Frankfurt in Saar 05 Saar­brücken einen der schwächsten Vereine der Gruppe zu Gaste, unter dessen seitherigen Leistun­gen nur sein 1:1 gegen Rotweih Frankfurt und sein 3:1 gegen den D. f. L. Neu-Ssenburg hervor- stachen. Das sind allerdings gerade die beiden Vereine, die dem F. Sp. D. je einen Punkt abzu­nehmen vermochten. Darin liegt also die beach­tenswerte Warnung für die Frankfurter, die im übrigen an einem ganz glatten Siege nicht zu hindern sein sollten. Sn Ludwigshafen fällt zwi­schen der F.G. 190 3 Ludwigshafen und dem F.Sp.V. 1905 Mainz die Entscheidung, wer von beiden vorläufig dem Tabellenführer, dem F. Sp. D. Frankfurt,, am dichtesten auf den Fersen bleiben soll. Relativ liegen die Mainzer nur 1. die Ludwigshafener nur 2 Punkte hinter den Frankfurtern, gegen die beide Mannschaften nur mit einem Tore unterlagen. Als Plahbesitzer genießt wohl Ludwigshafen in dem bevorstehen­den Kampfe einen gewissen Vorzug, doch werden sich die Mainzer der Wichtigkeit des Spieles entsprechend schlagen. Man mutz da schon den Ausgang des Spieles abwarten. Die Gruppe Südost führt Wacker München und Phö­nix Karlsruhe zusammen, wobei an einem hohen Wackerfiege nicht zu zweifeln ist. Union Bückingen und F. Sp. V. 1860 München treten bereits zum Rückspiel an. Die erste Be­gegnung gewann seinerzeit München mit 1:0 sehr knapp. Ein ähnliches Resultat sollten die Bayern auch diesmal wieder herausholen. Bei dem Treffen D. f. R. Fürth gegen Sp. Cl. Freiburg sprechen die seitherigen Leistungen llar und deutlich für Freiburg, das auch schon bei der ersten Begegnung mit 3:2 Toren siegreich blieb. Man darf sogar diesmal mit einem deut­licheren Torunterschied rechnen.

Da zog er sie fest in seine Arme. Ihr Kopf ruhte an seinem Herzen.

Sie schloß die Augen. Sie fühtte seinen festen, starken Herzschlag. Es war ihr, als fei hier am Her­zen dieses Mannes jetzt ihre einzige Zuflucht, das einzige Verstehen, die einzige warme Heimat!

Die Großmutter drinnen bis zum letzten Atem­zuge einseitig eingeschworen auf den Glauben un ihr heimatliches Frankreich. Ihre eigene Mutter, jung gebrochen in ihrer inneren Lebenskraft durch den frühen Tod des geliebten Gatten, sich selbst seit Jahr und Tag in tatenloser Haltung zu einer passi- oen Zuschauerin verdammend, der einzige Bruder der Schwester zürnend aus der Heimat gegangen. O, wer rings in der weiten Welt ahnte mehr, wie es der gepeinigten jungen Baronesse Melusine ums Herz war, als Fritz Wenger, dieser treue Jugend­freund?

Sonderbar, feit Jahrzehnten kannte sie ihn, seit Jahr und Tag ging sie neben ihm dahin, ... und in dieser Stunde jetzt wußte sie zum ersten Male, wie köstlich es sich in feiner warmen Fürsorge, in seinem diskreten Verstehen, in seiner unbedingten Zuverlässigkeit und Gediegenheit ruhen ließ!

,Sch habe Douvier eben den Laufpaß geben müssen, Fritz. Was alles gegen ihn vorliegt, sage ich dir ein anderes Mal ..

Aber er unterbrach sie und sagte sehr lerfe unb mit Selbstbeherrschung, weil er vieles darum ge­geben hätte, sie in diesem Augenblick über ihr liebes, feines Köpfchen streicheln zu dürfen, das vor feinen Augen an seiner Schulter ruhte:D, laß das Mriu- sine! Ich weiß es auch! Weiß wahrscheinlich noch mehr als du! Denke nicht mehr an ihn! Jcy bitte dich: lösche fein Bild in dir aus, ... für ewig!"

Aber die Schwäche übermannte sie zu stark.Ge­leite mich hinauf, Fritz, in mein Zimmer, ich bitte dich!"

Sie schritt, von ihm gestützt, der breiten Marmor­treppe zum ersten Stockwerk zu. Schon bei den ersten Stufen sah er, wie mühsam ihre Füße ge­horchten. Da kam eine Riesenkraft über ihn. Schnell hob er sie in feinen Armen empor! Sie fchnnegte sich an ihn. O, er fühlte es: es war das Vertrauen. Es nxir nicht das Bedürfnis in körperlicher Schwäche nach einem Halt.

Mehr als einmal hatte Wenger das Schicksal von Melusine mit dem ihres heimatlichen Elsaß ver­glichen, dank -dem Schicksal, das ihn selbst mm diese Stunde miterleben ließ, in der sich Melusine von diesem Welschen losgerissen hatte!

pelhers Niederlage in Aeuyork.

Der deutsche Meisterläuser Dr. Otto P e l h e r beteiligte sich am Mittwochabend wie gestern schon kurz gemeldet in Neuyork an dem Hallen­portfest der »Knights of Columbus' in Madison ©quarre Garden. Er startete über eine Melle (1609 Meter) und traf in diesem Wettbewerb auf die beiden besten amerikanischen Hallenspezialisten Lloyd Rahn und Ray Songer. Dieser Laus erregte in der amerikanischen Oessentlichkeit seit Tagen das größte Snteresse und wurde von der amerikanischen Presse alsder Meilenlauf des Jahrhunderts" bezeichnet. Der Veranstaltung wohnten etwa 20 000 Zuschauer bei, eine bisher bei amerikanischen Hallensport esten nicht erreichte Zahl. Lloyd Hahn führte vom Start bis zum Ziel und legte die Strecke in 4:13, zurück, womit die von Paovo Nurmi und Ray Songer aufgestellten Rekordzeiten nicht erreicht wurden. Der Rekord Nurmis beträgt 4:10,4. Rah Conger belegte den zweiten Platz 25 Parbs hinter dem Sieger. P e l h e r wurde dritter, blieb 50 Parbs hinter Songer zurück und passierte nahezu erschöpft das Ziel. Das Ergebnis dieses Meilenlaufs bestätigt die gemachten Voraussagen, in denen man Peltzer in diesem Wettbewerb von vornherein keine allzugrohen Siegeschancen ge­geben hatte, da ihm weder der Start in der Halle, noch die Länge der Strecke liegt.

Zu dem Start Dr. Pelhers erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Als beim Aufruf der Teilnehmer Pelhers Name genannt wurde und die Musik das Deutschlandlied anstimmte, erhoben sich sämtliche Zuschauer von den Plätzen. Bürgermeister Walker gab den Startschuß ab. Lloyd Hahn übernahm sofort die Führung. Songer siel nach der ersten Runde auf den zweiten und Peltzer auf den dritten Platz. Sn dieser Reihenfolge umrundeten die Läufer sechs­mal mit geringen Abständen die Bahn. Sn der 7. Runde konnte Hahn seinen Vorsprung vor Songer vergrößern. Sn den letzten der elf Run­den setzte Hahn zu einem gewaltigen Endspurt ein und konnte als --unbestrittener Sieger das Ziel passieren. Der Veranstaltung wohnten der deutsche Dotscha-ter v. Prittwih mit seiner Gattin, sowie Vertreter des Generalkonsulats bei. Peltzer erklärte, daß er sich in Shikago eine Mus­kelzerrung zugezogen habe, die ihn gegen Ende des Rennens in seiner Leistung stark beein­trächtigte. Snbessen trete seine Niederlage hinter die bei seinem Start in Neuyork gesammelten wer wollen Erfahrungen zurück.

Kem HerkuleS'Bergrennen 1928.

Wie der Automobil-Club Kurhessen mitteilt. hat der Club beschlossen, das wie in den Vor­jahren im Mai geplante sechste Herkulesberg­rennen in Kassel-Wilhelmshöhe in diesem Sahre ausfallen zu lassen, weil die Oberste National« Sportkommission in Berlin für den Monat Mai dem Club keinen Termin bewilligt hat und der von der O. N. E. als Termin genehmigte 22. April viel zu früh erscheint, da bei dem ungünstigen Aprilwetter die Fahrstraße durch den Wilhelms- Höher Echloßvark zu dieser frühen Jahreszeit noch sehr schlüpfrig, und daher für automobilistische Veranstaltungen ungeeignet ist.

Kunst und Wissenschaft.

Neue Mitglieder der Preußischen Akademie.

Die Genossenschaft der Mitglieder der Preußischen Akademie der Künste hat, einer Berliner Meldung zufolge, in ihre Sektion für Musik zwei neue Mitglieder gewählt: Igor Feodorowitsch Strawinski in Paris und Professor Richard W e tz in Erfurt.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschlossen.

Und es war ihm, als trüge er mit der Geliebten sein eigenes, fein heißgeliebtes Heimatland zur Höhe in feinen kraftvollen Armen empor!

A u s k la n g.

Es war das letzte Fest gewesen, das die greife Baronin Hammerjchlaa draußen in ihrem Schlosse erlebte. Vier Monate später waren die Wände des großen Saales mit schwarzen Draperien verhängt. Kerzen flackerten auf hohen silbernen Leuchtern über das stille vornehme Gesicht der Toten. Ein feines, fast glückliches Lächeln lag in den Zügen versenkt. Vielleicht durfte Raymond das Recht bean- jpruchen, daß er es mit feinem Kommen gewesen, der die Greisin mit diesem stillen Lächeln aus dem Leben scheiden ließ.

| Keinen Augenblick hatte er gezögert, als ihn die Nachricht in die Heimat rief: den letzten Wunsch der Sterbenden durch fein Kommen zu erfüllen. Sein Groll gatt nicht ihr, galt vielmehr den neuen Ver­hältnissen, der gesinnungslosen Clique unter seinen eigenen Landsleuten.

Am andern Tage nach der Beisetzung fuhr er mit Melusine im Auto aus Straßburg hinaus. Nicht gleich wieder über die Nheingrenze hinüber, son­dern südwärts, den Vogesen zu. Köstlich dehnte sich ihm die Heimat jetzt im Maienglanz entgegen! Und immer näher lösten sich die Linien der einzelnen Vogesenhöhen aus dem zartblauen Dunstkreise der Ferne.

Sie beide fpradjen noch über die Zote. Es war ein Leben, das sich voll ausgelebt, über das sich im Spätsonnenschein des ©reifenaIlers noch der ver­söhnende Hauck der Geschehnisse gelegt Doppelt gütig war vielleicht die Hand des Schicksals gewe­sen, weil es ihr jetzt die Augen für immer geschlos­sen- 3e^t, und nicht einige Jahre später! Sie war nun noch im Glauben ba^ingegangen, es sei das­selbe Frankreich, das hier nun das Elsaß zurück- gewonnen, das sie seit ihrer Kindheit in der Cham­pagne geliebt. Daß es dasselbe Frankreich sei, das ihr, verklärt durch den jahrhundertelangen Hofdienst ihrer Vorfahren, unter dem stolzen Grandseigneur- tum der Bourbonensiirsten, als Urbild von Ritterlich- kett von Kunst und Kultur, von Vornehmheit er­schienen. Ms dasjenige Frankreich, bas Fürsten im Reiche der Kunst und der Dichtkunst im Sonnen­schein feiner herrlichen Gefilde getragen und einen Racine, einen Moliöre, einen Rousseau, einen Watteau geboren hatte.

* (Schluß folgt)