Ausgabe 
2.2.1928
 
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grober Aufmerksamkeit ausgenommen unv erntete reichen Beifall.

=*.*. Watzenborn-Steinberg, 1. Febr. GS waren einige recht genußreiche Stunden, die der hiesige Gesangverein .Eintracht" in dem von ihm veranstalteten Konzert in seinem Vereinslokal den Zuhörern bot. Anter der Lei­tung seines bewährten Chvrmeisters Georg Harnisch zeigte der Verein im ersten Teil deS Programms, dah er in schwereren Chören und einem Kunstchor recht anerkennenswertes leistet. 3m zweiten Teil der Vortragsfolge kam das Volkslied und das Lied im Volkston zu seinem wohlverdienten Recht. Konzertvorträge umrahmten die gesanglichen Darbietungen in wir­kungsvollster Weise. Der Verein kann seine Ver­anstaltung als einen recht schönen Erfolg buchen, was ihm der Beifall der Zuhörer schon be­stätigte. Der Erfolg des Konzerts wird dem Verein ein Ansporn zu weiterem Dorwärts- schreiten sein. 3n diesem Jahre beteiligt er sich an dem Gesangswettstreit zu L r ch. Sein 60sähriges Bestehen im nächsten Iahte gedenkt er durch einen Gesangswettstreit festlich zu be­gehen.

# DiHingen. 31. Jan. Der Schulsaal derMittelklasse entspricht schon seit Jahren nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen in bezug auf Höhe und Ausdehnung und war bei Errich­tung der 3. Schulstelle nur als Rotbehelf gedacht. Auf Drängen der Behörde hat die Gemeinde­verwaltung beschlossen, eine Dienstwohnung im Schulhause als Saal umzubauen und dafür ein Einfamilienhaus als Lehret- dienst Wohnung zu errichten. Run ist noch die Bauplahfrage zu regeln. Gegen den passend­sten Platz bestehen Bedenken, da der Stollen eines alten Bergwerks drunterher verlauft und dadurch voraussichtlich ein großer Aufwand für Fundamcntierungsarbeitcn entsteht. Es ist beab­sichtigt. die Angelegenheit so zu beschleunigen, dah im Frühjahr mit den Bauarbeiten be­gonnen werden kann. Zu der hier abgehal- "tcnen Holzversteigerung der Fürstlich Solms-Braunfelsschen Forstverwaltung hatten sich über 200 Kaufliebhaber aus den benachbarten Dörfern und der Wetterau eingefunden. Die Preise hielten sich etwa auf gleicher Höhe wie im Vorjahre. Cs kamen nahezu 500 Raummeter Hartholz, etwa 430 Raummeter Reiser und 400 Stück Fichten-Reisstangen zum Ausgebot. Für 2 Raummeter Buchenscheitholz wurden 24 bis 29 Mk. bezahlt, für die gleiche Menge Buchenprügel 14 bis 18 Mk., 1 Raummeter Eichenprügel kostete 5 bis 6 Mk., Fichtenprügel 4 bis 5 Mk., Buchenstocke 4 bis 6 Mk, Buchen­reisig 80 Pf. bis 1,50 Mk. Auch die Fichten- Reisstangen 4. und 5. Klasse erzielten die üb­lichen Preise.

# Langd, 30. 3an. Gestern fand im Saale von Ronthaler ein Familienabend statt, zu dem sich fast die ganze Bevölkerung unseres Dorfes eingefunden hatte, so daß der Saal über­füllt war. 3m Mittelpunkt des Abends stand ein Lichtbildervortrag über den Unter­gang derTitanic". Die Bilder wurden mit dem neuen Leihschen Epidiaskop, das die Schule für Zwecke des Unterrichts und zu Vorführungen im Dienste der Volksbildung angeschafft hat. gut wiedergegeben. Lehrer Müller gab zu den ein­zelnen Bildern die nötige Erklärung. Gemein­same Lieder und mehrere gut wieoergegebene Mannerchöre des Gesangvereins unter Lei­tung seines Dirigenten, Schneidermeister Appel, verschönten die in allen Teilen anregend ver­laufene Feier.

Großen-Linden, 1. Febr. Der hiesige GesangvereinGermania" hat in seiner Generalversammlung vom 22. 3anuar beschlossen, mit der Feier seines 50jährigen Bestehens am 9. 3uni 192 9 einen Gesangswettstreit zu verbinden.

Kreis Büdingen.

-/* Ortenber.g, 31. 3an. Einen sehr schö­nen Anterhaltungsabend bot am Sonn­tagabend der Veteranen- uni) Militär­vereinH assi a", dem verschiedene Rach- bargerneinden angeschlossen sind, seinen Mitglie­dern und Freunden. Rach einem schneidigen Er- öflnungsmarsch der hiesigen Feuevwehr- kapelle, die den musikalischen Teil des Abends bestritt, und nach einer von echt vater­ländischem Geist getragenen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Landwirt Hr. Streuber, ging das VolksstückDer Schmied von Ruhla" von Martin Pfeiffer über die Bretter, das die

Helge Lindberg zum Gedächtnis.

Der große finnische Bariton ist nicht mehr unter den Lebenden. Mitten aus dem vollsten Schaffen wurde er durch eine heimtückische Grippe hinwcggerafst, gerade, als er im Begriff war, seiner Kunst auch im südlichen Europa, in Griechenland, Auswirkung und Geltung zu ver­schaffen. Am Silvestertage erkrankte er an einer leichten Grippe, zu der infolge eines veralteten Herzleidens Herzschwäche sich hinzugesellte, und so wurde der 3. 3anuar, den er als Ausgangs­punkt neuer Pläne sich ersehen hatte, sein Todestag. Die beiden 3ahre, die dem Gedächtnis der.beiden großen Wiener Meister gelten, ließen Hetge ßin&berg an der gleichen Stätte sein Leben beenden.

Es läßt sich nicht ermessen, welche neuen An­regungen und befruchtenden Eindrücke ihm, dem Beleber klassischer Kunst, diese Fahrt gebracht hätte I Ans bleibt nur das Gedenken an das Große, das er uns in seinem Leben zu geben vermocht hatte, an all die tiefen unvergeßlichen Eindrücke. Jegliche Sensationssucht lag Helge Lindberg Zeit seines Lebens fern, ihm galt nur Das eine Ziel: der Kunst zu dienen in reinster sachlicher Art mit vollster Einsetzung der Per­sönlichkeit. Die ersten 3ahre seiner Ausbildung ,n Helsingfors toarcn dem Studium der Violine gewidmet. Als Zwanzigjähriger ging er nach München und dann nach Florenz, um die ihm von der Ratur reichlich verliehenen stimmlichen Mittel zu entwickeln und zu schulen. Stuttgart wurde für einige Zeit sein Wirkungsort, selbst auch an der Oper betätigte er sich, später war er dann in München und Wien zu treffen.

3n ihm hatte feine nordische Heimat der Gegenwart eine der stärksten Künstlernaturen geschenkt. Das mystische Einfühlungsvermögen des Rordländers einte sich bei ihm mit der ungeheuer straffen Selbstdisziplinierung des Großen im Reiche der Kunst.

Gerade das Studium des Violinspieles führte ihn an die Quelle des Gesanglichen im 3nftru- mentaten, und so kann einem die Entwicklung

bekannt« Sage von dem hartgeschmiedeten chürrn- gischen Landgrafen Ludwig dem Qklteren dar> bietet und geeignet war. die Zuschauer in jene Zeit zurückzuführen. Ausgezeichnete Darstellung, wirkungsvolle Bühnenbilder und prächtige Ko­stüme verhalfen dem Stück zu einem vollen Er­folg. Die Zuschauer, die so zahlreich erschienen waren, dah viele mit einem Stehplatz sich be­gnügen mußten, spendeten mit Recht lebhaften Beifall. Der Verein hat für den 15. 3uli das Bezirkskriegerfest übernommen, an dem sich etwa 30 Vereine beteiligen werden. An die­sem Tage soll auch die neue Vereinsfahne geweiht werden. Für das für die Gefalle­nen des Welttriegs zu errichtende Krieger­denkmal liegen bis jetzt zwei Entwürfe vor. Die Einweihung soll am 26. August er­folgen.

# Echzell, 31. 3an. Die jüngste G e - meinderatssitzung sand unter dem Vorsitz des Regierungsrats Weber vom Kreisamt Büdingen statt. Es waren außerdem erschienen Vertreter der Bergwerksdirektion Wölfersheim, der Hesrag, des Staates und des Kulturbauamtes Friedberg. Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt: Einwendungen gegen das Stauwerk auf der Teichwiese des Schwelkraftwerkes Wölfersheim. Rach eingehender Aussprache schloß die Verhandlung mit einem für beide Teile befriedigenden Ergebnis ab.

I Lißberg, 31. 3an. Gestern wurde die Arbeit im Steinbruch der Firma Scherer wieder ausgenommen. Der Steinbruch lag 5 Wochen lang aus Mangel an Aufträgen still. Die Übrigen hiesigen Steinbrüche haben bereits vor einer Woche den Betrieb wieder ausgenommen, nachdem auch sie ihre Arbeiter für mehrere Wochen hatten entlassen müssen. Einzig im Steinbruch der Firma Krebs an der Mauerstoigstraße kam die Arbeit nie zum Erliegen. Es ist sowohl im Interesse der von hier und aus den umliegenden Ortschaften stammende Belegschaften, als auch in dem der Gemeinde sehr zu begrüßen, daß die Betriebe nunmehr wieder voll beschäftigt sind.

Kreis Schotten.

V Gedern,'31. 3cm. Für die Beamten, An­gestellten und Arbeiter an der Reichsbahn der Strecke Stockheim Gedern Lauterbach veranstaltete die Reichsbahnver- waltung dieser Tage einen Lichtbildervor­trag über Hygiene des täglichen Lebens. Dr. Simon (Grebenhain) sprach an Hand von 60 eindrucksvollen Bildern vom ärztlichen Stand­punkte aus über die am häufigsten vorkommen­den Fehler in der Wohnungspflege, Kleidung, Lebensweise, Rahrung sowie einseitig sportlicher Betätigung. Der Redner wies darauf hin, wie auf leichte Art unvernünftige und den Körper schädigende Maßnahmen durch vollwertige hygie­nische zu ersetzen sind. Der Gesangverein .,L i e d e r k r a n z" (gegr. 1842) hatte für Sonn­tagabend feine Freunde und Gönner zu einem Liederabend im GasthausZum Löwen" eingeladen. Der Verein gilt als ein rühriges Glied der Vogelsberger Sängervereinigung und ist seit 3ahren bemüht, nicht nur Chöre neuerer Komponisten zu Gehör zu bringen, sondern auch unseren alten Meistern, sowie dem deutschen Volksliede die gebührende Stellung einzuräumen. So konnte es nicht wundern, daß sich eine große Zahl von Gästen einfand, die den Klängen des stimmlich gut begabten Chores unter der ziel- bewußten Leitung feines Dirigenten, Lehrer Riedel, lauschte. Das musterhaft zusammen­gestellte Programm, das außer Volksliedern nur Chöre hervorragender Komponisten, wie Schu­bert, Mozart, Mendelssohn-Bartholdy, enthielt, vermied die in den letzten 3ahren vielfach auf­gekommenen, leicht sentimental wirkenden Lieder. Reben dem Doppelquartett und einem für diesen Abend eigens zusammengestellten Gemischten Chor mit gutem Stimmaterial verdienen die auf künstlerischer Höhe stehenden Leistungen von Frau Eleonore Kuhl (Klavier) und de? Herrn H. Glitsch, Grebenhain, (Violine) besonders her­vorgehoben zu werden. Reicher Beifall wurde mit Recht sämtlichen Darbietungen gezollt.

Wingershausen, 31. Jan. Unsere im Herbst des vergangenen Jahres erbaute Wasser­leitung wurde in der abgelaufenen Woche i n Betrieb genommen. Das Wasser wird aus einem tief gelegenen Wiesengrunde mittels Elektro­motors, der selbsttätig ein- und ausgeschaltet wird, in ein nach Schotten zu gelegenes Hochbaffin ge­pumpt. Die Gesamtkoften der Anlage belaufen sich auf etwa 26 000 Mk.

des Sängers Lindberg ein typisches Beispiel sein für das Ringen um die Beherrschung des Technischen im Dienste des Gestaltens.

Es ist sicherlich fein Zufall, dah Lindberg auch als Bildhauer recht Bedeutsames leistete; jeden­falls beftätigt sich feine künstlerische Befähigung auch von dieser Seite. Er verlor sich nicht in romantischem Genietum, das bermeint, die Welt aus den Angeln heben zu müssen und die posi­tive Leistung vermissen läßt. Gerade der Bild­hauer Lindberg hat den Kampf mit der Sprödig­keit des Stoffes, das Ringen mit dem Material kennen gelernt.

Die Entwicklung, die er als Sänger in den letzten Jahren genommen hatte, kann man schlechthin wohl als einen Weg zur Selbstbe­herrschung ansehen.

Es mögen nun nahezu 10 3ahre her sein, als ich Helge Lindberg zum ersten Male hörte. Er fang damals SchubertsWinterreise", jenen von Resignation, Schauer und Schmerz durchwühl­ten Zyklus, und tagelang schwebte mir die hagere Gestalt vor, und lange klangen die Töne des Schmerzes nach. Roch aber war er nicht Herr seiner selbst; noch stand er unter dem Eindruck des Studierten, noch halte er den Weg zur Freiheit des 3chs im Gestalten nicht ge­funden. Zwar bewunderte zu jener Zeit die Presse seine eminenten technischen Fähigkeiten, besonders seineRekordleistungen" in der Be­herrschung des Atems. Brachte ihm auch damals die Interpretation von Dach und Händel viel­seitige Anerkennung, feinen Höhepunkt hatte er noch nicht erreicht. Wenige Iahte später stand er als ein ganz anderer auf dem Podium, nun war er zum Beherrscher des Gestaltens geworden.

Wenn Helge Lindberg vor feine Hörer trat, fo war er frei von jeglicher Eitelkeit und Be­rechnung der Gebärde. Lang aufgerichtet stand er dort, fein Blick ging über das Publikum, mariant schien sein Gesicht, beherrscht, unbeweg­lich seine Maske. Ein Ricken zu seinem Begleiter .hm bei den ersten Tönen des Klaviers be­lebten sich seine Züge und nun wurde seine Geste äum Spiegel dessen, was in ihm vorging. Jeden Gedanken konnte man aus ihr ablesen, nirgend eine Verzerrung, eine vollendete Harmonie mit

(Starkenburg.

LPD. Rüsselsheim, 1. Febr. Die Opel- Werke haben mit dem Einsatz einer neuen Prvdultionsquelle mit der Einstellung grö­ßerer Arbeitermassen begonnen. Beson­ders die Städte Mainz, Frankfurt und Darmstadt haben Ruhen von diesen Arbeiteranforderungen, die sich täglich auf fast 100 Mann belaufen Innerhalb mrzer Zeit ist die ArbeitetKahl von 7000 auf 9400 gewachsen. Da noch größere Ar­beiten bevorstehen. vor allem mit den Reubauten schnell begonnen werden soll, wird die Beleg­schaft binnen kurzer Zeit noch erheblich gesteigert werden müssen. Von den Arbeitsämtern der um­liegenden Städte werden noch dauernd Arbeits­kräfte angefordert.

Rheinhessen.

LPD. Mainz, 1. Febr. Die Stadt Mainz hat sich entschlossen, zur Gewinnung von Jndustriegelände vorerst einmal im Ha­fenviertel den Floßhafen aufzuschütlen, um hierdurch Flächen für die Ansiedlung von Industrien zu schaffen. Diese rigorose Maß­nahme hat sich als notwendig erwiesen, weil die Stadt bei dem Fehlen jeglichen brauchbaren Siedlungsgeländes für die Industrie in die heikle Situation verseht war, Anternehmen, die um Geländezuweisung nachsuchten, ablehnende Ant­worten geben zu müssen. Das wenige, evtl, brauchbare Gelände wird z. T. von der Be­satzung beansprucht, ebenso macht sich die Be­schlagnahme einer Anzahl Gebäude, die für 3n- dustrieunternehmungen verwandt werden konnten, wirtschaftlich sehr schädlich bemerkbar.

Lpd. Worms, 1. Febr. Der 29 Jahre alte Ernst Drell er wurde an der pfälzischen Grenze wegen Kokainhandels in Untersuchungshaft genommen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

Z We tz l a r, 1. Febr. Der Obst undGar - tenbauoerein für den Kreis Wetzlar hat nach feinem Jahresbericht auch im letzten Jahre bedeuten­den Zuwachs erfahren; er zählt jetzt 786 Mitglieder. Die Rechnungsablage ergab 3395,93 Mark in Ein­nahme und 3179,78 Mark in Ausgabe, so daß ein Barbestand von 216,05 Mark verbleibt. Der gemein­same Bezug von Obstbäumen ergab 3226 Stück gegenüber 2245 Stück im vorhergehenden Jahre. Bei günstiger Obsternte ist für dieses Jahr eine Obst - ausftcllung in der Bürgermeisterei Schöffen­grund geplant. Zur Förderuna des Vogelschutzes sollen an sämtliche Schulen des Kreises je drei Stück N i st h ö h l e n unentgeltlich geliefert werden; die Kosten hierfür tragen je zur Hälfte der Verein und der Kreis. In Aussicht genommen ist ferner zur Herbeiführung eines geregelten Obstabsatzes die Gründung einer Obstverwertungsgenos- senfchaft in Gemeinschaft mit der Kreisbauern­schaft. Zwecks Aufstellung eines neuen 0 b ft Anbausortirnentes für den Kreis Wetzlar hat der Verein gemeinschaftlich mit der Kreisbauern­schaft Fragekarten an die Obstzüchter des Kreises ge­schickt, auf welchen die drei besten Apfel- und die zwei besten Birnensorten verzeichnet werden sollen.

6" Wißmar, 31. Jan. Bei der am Samstag hier stattgehabten Jagdoerpachtung blieb Fabrikant Ernst Leitz in Wetzlar mit 7400 Mk. Meistbietender und wurde ihm der Zuschlag erteilt.

Dillkreis.

bl. Dillenburg, 1. Febr. Beim Spielen mit anderen Kindern stürzte das fünfjährigeTöch. t e r ch e n des Schreiners Herzog so unglücklich zu Boden, daß cs sich eine Gehirnerschütterung zuzog, an deren Folgen das Kind nach kurzer Zeit starb.

bl. B e i I ft e i n bei Driedorf, 1. Febr. Der Schieß­meister St' o o b von Rodenroth verunglückte am Mon­tagabend im S t e i n b r u d), vermutlich durch einen zu früh losgegangenen Schuß tödlich.

bl. Uckersdorf bei Schönbach, 1. Febr. Der Spenglermeister Schnell von Herborn stürzte am Dienstagvormittag bei Dach arbeiten ab und erlitt schwere Kopf- und Beinverletzungen, die seine sofortige Ueberführung ins Krankenhaus notwendig machten.

D Roth, 31. Jan. Die Westdeutsche Basalt-Industrie beabsichttgt, ihren Be­trieb in unserer Gemarkung in vollem Um­fange wieder aufzunehmen. Das Unter­nehmen hat im vorigen Jahre eine Anlage zur Mischung von Klopfsteinen mit Teer in dem Sleinbruch eingerichtet. 3m Interesse unserer

dem, was mit dem Klang der Stimme aus dem Innern strömte. Dabei stand er äußerlich un­beweglich da; eine völlige Ueberwindung des letzten Restes körperlicher Abhängigkeit. Da konnte er lachen, da konnte er alles mit sich fort- reißen in der Aufwallung seines starken Gefühls, wie seinerzeit auch hier in Gießen bei der Arie aus demzufriedengestellten Aeolus" von Joh. Seb. Bach:Wie will ich lustig lachen". Da wurden Töne religiöser Versunkenheit mit ihrem mystischen Schauer wach, da wurde ein Dach- Arioso zur dramatischen Szene, da strahlte sich die hehre Erhabenheit aus in dem scheinbar un­endlichen melodischen Dogen von HändelsGrazie Signor". Da hingen . aller Augen an seinen Lippen, da quoll der letzte Urgrund des Musi­kalischen empor, und jeder wurde in seinen Dann geschlagen. Da wurde die Kunst des Delkanto in ihrer ursprünglichen zwingenden Gewalt wie­der wach und das, was von mißverstehender Tradition nur noch als etwas Instrumentales, Gekünsteltes angesehen wurde und in seiner Ur­tümlichkeit verschüttet worden war, zum lebendi­gen realen Erlebnis voll innerlich überzeugen­der menschlicher Gesühlskraft und Echtheit. Da rang er der Stimme das Letzte ab, da wurde Ge­sang zur Seelenoffenbarung. Lindberg war eben ein Crlebniskünstler des Wahren.

Stets war die Situation der Ausgangspunkt des stark bewegten dramatischen Rachschaffens. Da wurde die Dallade wieder lebendig mit ihrem elementaren kraftvollen Erschauern. Und wenn sich der Meister des Gestaltens auch hier und da über die Aufzeichnung des Komponisten hinwegsehte, es galt nur dem einen Ziele, das Kunstwerk in voller Gröhe durchleben zu lassen. Cr konnte anpacken, was er wollte, war nur das Kunstwerk echt ursprünglich geschaffen wor­den, fo wurde es stets zum fruchtbaren Erlebnis für die Hörenden.

Selbst die Gesänge aus Mozarts Opern, die er in letzter Zeit gern in seiner Vortragssolge brachte, fesselten trotz der Loslösung von der Szene durch die intensive Kraft der geistigen Einstellung. Da wuchs die Gestalt Leporellos zu einer Größe heran, die weit über die übliche Dühnenverkörperung hinausging, so daß ein

Arbeiterschaft ist die Wiederaufnahme dieses Be­triebes zu begrüßen.

Kreis Biedenkopf.

Gladenbach,!. Febr. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde der vor- gelegte Vertrag mit dem Kreise Bieden­kopf über die Gewährung eines Bauzuschusses von jährlich 600 Mark zu den Kosten der Kraft- postlinie Gladenbach Nieder-Eisen- Hausen genehmigt. Wenn auch die übrigen Ge­meinden, die an dieser Linie liegen, den Vertrag an­erkennen, ist damit zu rechnen, daß der Wag'en ab 15. Februar d. I. in Betrieb genommen wer­den kann. Am nächsten Freitagnachmittag findet die Nutz - und Brennholzversteigerung statt.

K Hartenrod, 31. 3an. Das Schöffengericht in Marburg verurteilte gestern einen vielfach vorbestraften Händler, der erst die Gastfreundschaft seines Schwagers in Hartenrod genossen und diesen dann auf der Landstraße überfallen und ausgeraubt hatte, wegen dieser Sache und einigen anderen Straftaten zu 5 Jahren und 7 Monaten Zuchtha u*8.

UnLerlahttLreis.

WSR. Reckenroth, 1. Febr. Auf der Straße zwischen Reckenroth und Michelbach geriet der Vergaser eines viersitzigen Per­sonenautos in Brand. Der Benzintank explodierte und flog haushoch in die Luft. Rur unter größter Lebensgefahr gelang es den vier Insassen, sich aus dem in Hellen Flammen stehenden Auto zu retten.

Obcrwestcrwal-krcis.

WSR. Langenhahn. 1. Febr. Gestern nach­mittag brach in der Scheune des Stellhalter­meisters Groschen hier ein Brand aus. Im Ru griffen die Flammen um sich, fo daß bald auch das Wohnhaus und die W e r I ft a 11 in Flammen standen. Die Ortsfeuerwehr und vier Rachbarwehren konnten es trotz größter An­strengungen nicht verhindern, dah das ganze Anwesen bis auf den Grund nieder- brannte.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M., 1. Febr. Die Ge­rüchte, daß der frühere Direktor der Städt. Bühnen, Müller-Wieland, sich nach dem Ausland gewandt hat, wollen nicht verstummen. Man ist erstaunt darüber, daß die städtischen Behörden seine Abreise nicht verhindert haben, zumal es ihnen nicht un­bekannt geblieben sein dürfte, dah Müller-Wie- land inzwischen fein HauS verkauft hatte. Man wird vielleicht behaupten wollen, eS fei sonderbar, dah nicht die Staatsanwalt­schaft in die Sache eingegriffen und einen Steckbrief gegen den Flüchtling erlassen hat. Hierzu erfahren wir aber, daß dieser Behörde kein Vorwurf zu machen ist, da sie erst auf Grund des ihr vom Magistrat übergebenen Materials einschreiten kann, und dieses Material ist bis heute noch nicht vollständig im Besitz der Staatsanwaltschaft. In der Rächt zum 29. v. M. wurde in der Rheinstrahe ein schwerer WohnungSeinbruch ausgeführt. Die Diebe erbeuteten einen großen Hutkarton mit Auto­lackleder, 11 Stilkleider, seidene Damenleibwäsche und Strümpfe. Der Gesamtschaden beträgt 4000 bis 5000 Mk. Silber- und Wertgegenstände ließen die Diebe unberührt. Am gleichen Tage mürben aus einer Wohnung in der Friedberger Anlage zwei Vulkanfibrekofser mit einem Anzug, Stiefel, verschiedener Herrenwäsche und Papieren nebst Pah gestohlen. Mit dem Ruf:Jetzt stirbt ein Mens ch!" brachte sich gestern abend in einer Wirtschaft der Darmstädter Landstraße ein 22jähriger Arbeiter aus Bürgel bei Offenbach einen Schuß in die rechte Schläfe bei. Die Rettungswache verbrachte ihn in das Städtische Krankenhaus, wo er bald nach seiner Einlieferung verstarb.

WSR. Hanau, 1. Febr. Am 2. Februar jährt sich zum 6 2 5. Male der Tag, an dem Kaiser Albrecht I., der älteste Sohn von Rudolf von Habsburg, Hanau zur Stadt erhob, indem er den Bewohnern dieselben 5reibetten, Rechte, Gewohnheiten und Vergünstigungen zu- sicherte, deren sich die Bürger in Frankfurt er­freuten, und ihnen insbesondere einen Wochen­markt bewilligte, an dem alles Beliebige ver­kauft werden durfte. Ruhig verläuft in diesem 3ahr der denkwürdige Tag und läßt die Ge­danken zurückschweifen zu jenem glanzvoll ver­laufenen 2. Februar 1903, an dem das 600. Ju­biläum mit rauschenden Festen begangen wurde.

leises Bedauern wach wurde, daß man diesen Künstler nicht auch einmal auf der Bühne sehen konnte.

Törichterweise hat ihm Voreingenommenheit zum Vorwurf machen wollen, daß er die ver­schiedenartigsten fremdsprachlichen Gesänge in seinem Programm brachte. Bewies er sich aber ge­rade mit dieser Tatsache nicht als der vollendetste Gestalter, der stets den Weg zum innersten Kem des Kunstwerkes fand? Änd selbst dem. der diese Sprachen nicht beherrscht, wurde doch daS gebundene Grunderlebnis völlig klar und an­schaulich durch die über den Rattonalitäten ste­hende Kraft des Künstlers.

Meist legte sich Lindberg nicht auf längere Zeit hin für ein bestimmtes Programm fest. Änv nur selten trug er allen Wünsc^n der ihn ver­pflichtenden Instanzen in bezug auf die Dor- tragssolge Rechnung. Er konnte keine Fesseln für feine künstlerische Individualität dulden, weil ihm die Wahrhaftigkeit des Oeftaltend, die innere Verbundenheit mit dem Volk, als oberstes Gesetz galt. Fast mochte man an Schaljapin, den großen russischen Sänger, denken, der in Berlin das Podium betrat und aus seinen auf dem Flügel aufgestapelten Rotenschähen das aus­wählte, was im jeweiligen Moment feiner inneren Stimmung am meisten entsprach.

Hotte Helge Lindberg den Kontakt mit dem Publikum gefunden, und das war wohl stets der Fall, so war er willig im Geben, Zugabe folgte auf Zugabe, ilnb das war für ihn oft die Gelegenheit, Werke, die et für spätere Programme ausgewählt hatte, auf ihre Aus­wirkung auf die Hörer zu erproben. Ein feiner Zug der Selbstkritik bei diesem Großen.

Wir alle, die wir diesen trefflichen Künstler des öfteren gehört haben, die wir uns an feinem Geben begeistert haben, können nunmehr nur noch aus der Erinnerung zehren. Seine junge blühende Kraft ist dahin, und wir hätten kaum einen, den wir ihm im Augenblick würdig zur Seite stellen können; ihm, der rein in seiner Kunst aufging, ein berufener Hüter am heiligen Gral. Dr. H.