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2.2.1928
 
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Nr. 28 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberheffen) Donnerstag, 2. Zebruar 1928

Keldmarschall Haig f.

Aach einer Meldung aus London ist dort 67 Jahre alt Lord Sjaig, Oberbefehlshaber der bri­tischen Armee in Frankreich während des Welt­krieges, einen, Herzschläge erlegen. Lord Haig war namentlich seiner außerordentlichen mensch­lichen Qualitäten wegen der populärste britische Feldherr des Weltkrieges, dem von allen Schich­ten des britischen Volkes eine ähnliche Verehrung gezollt wurde, wie in Deutschland unserem Hindenburg. Hierzu trug namentlich auch seine peinliche Zurückhaltung in allen politischen Streitfragen des Tages bei. So ist heute di« Trauer um den Feldmarschall in England all­gemein, und die Aachrufe der englischen Presse sind sich darin einig, daß das britische Reich einen seiner bedeutendsten Söhne verloren hat. So schreibt Lloyd George, Englands Premier­minister zu der Zeit, als Lord Haig den Ober­befehl an der Flandernfront innehatte:Er war ein großer Soldat ifnö ein großer Patriot und füllte einen Platz im Leben der Nation aus, den schwerlich irgendein anderer hätte einnehmen können.

Earl Douglas Haig, Viscount Dawick Baron Haig of Vemershde war der Sproß einer sehr alten schottischen Familie, die dem britischen Heere schon viele Offiziere gestellt hat. Aach einem Studium in Oxford wurde Douglas Haig Offizier im 7. Husarenregiment, nahm als Adju­tant des Kavallerieführers unter Lord Kitchener am Sudanfeldzug teil, und im Stabe Frenchs am Durenkriege. Dann wurde er Kommandant der 17. Lanciers und später Kavallerieinspekteur in Indien. Von 1909 bis 1912 war er Ehef des Stabes der indischen Armee und seitdem Kom­mandant des großen Truppenübungsplatzes Aldershot. 1914 zog er in den Krieg als Kom­mandeur des 1. britischen Armeekorps der Armee Frenchs. Er löste die schwierige Aufgabe, nach der schweren Aiederlage der Engländer in der Schlacht bei Mons den Rückzug der Armee zu decken. Später dankten ihm die Alliierten den Widerstand in der Vpernschlacht. Dezember 1915 trat er an die Stelle des Feldmarschalls French als Oberbefehlshaber der britischen Armee. 1917 wurde er Feldmarschall. In den entscheidenden Märztagen des Jahres 1918 war es Lord Haig. der auf einer Konferenz der Alliierten die Schaffung eines einheitlichen Ober- I ommandos vorschlug und sich bereitwillig unter den Oberbefehl des französischen Gene­rals Foch stellte. Und im September 1918, als die militärischen Autoritäten in Versailles so­wohl, wie auch die Londoner Regierung nicht mehr an einen Sieg vor dem kommenden Jahre glaubten, bevor nämlich stärkere amerikanische Truppensendungen herübergekommen wären, war es wiederum Lord Haig, der zur Fortsetzung der Offensive gegen die deutschen Stellungen er­munterte. Aach Beendigung des Krieges kehrte der Feldmarschall nach England zurück, wurde in den Peerstand erhoben, trat jedoch schon 1920 aus dem aktiven Dienst und lebte seitdem auf seinem Landsitz.

Die Operationsberichte, die dec FeldmarichallHaig mährend seines Oberbefehls über die britische Armee an der Westfront in Frankreich der britischen Re­gierung übersandt hat, sind später in Buchform er* ichienen und unter dem TitelEngland an der Westfront" (Verlag für Kulturpolitik, Berlin) von General Hoffmann auch in deutscher Sprache mit einem Vorwort des alliierten Generalissimus, des Marschall Foch, veröffentlicht worden. Sie stel­len einen der wichtigsten Beiträge zur militärischen Geschichte des Weltkrieges dar.

Oie Reichspost rationalisiert.

Die Mitteilung der Reichspost, sie wolle eine Umänderung der Uniformen ihrer Beamten vor­nehmen, hat in der Öffentlichkeit ein etwas mitleidiges Lächeln erweckt. So oft war schon von Reformen gesprochen worden, das Ergebnis der Reformberatungen, durch die Unisormänderungen sinnfällig gemacht, erschien aber doch recht dürftig. Es wurde gegen die Reichspost der Vorwurf erhoben, durch den Verzicht auf die Durchführung von Rationalisierungsmaßnahmen

Ausstellung Religiöse Kunst aus Hessen-Nassau".

Ein bereits im vorigen Jahr anläßlich des 400jährigen Jubiläums der Univer­sität Marburg bestehender Plan, t as neue Äunftinftitut durch eine große Ausstellung einzuweihen. seinerzeit infolge anderer dringender Fragen nicht verwirklichbar, hat nunmehr, wie wir erfahren, greifbare Gestalt gewonnen. In den zahlreichen schönen Räumen des Jubiläums- baues soll kurz vor Pfingsten dieses Jahres eine Ausstellung zur Eröffnung gelangen, die nach den uns vorliegenden Mitteilungen ein außer­ordentliches Ereignis nicht nur für die Provinz Hessen-Rassau, sondern auch weit darüber hin­aus zu werden verspricht. Selbst das Ausland dürste ein lebhaftes Interesse an ihr nehmen.

Die begrüßenswerte Idee verfolgt mehrfache bedeutungsvolle Zwecke. Zum ersten Male soll die religiöse Kultur H e s s e n ° R a s s a u s geschlossen vorgeführt werden. Und zwar in Werken, die auf hessischem Boden entstanden, wie auch in Arbeiten, die von außen her ins Land kamen und feit Jahrhunderten dem Kultus dienen. Die beiderseitigen Ausstrahlungen werden gebührend berücksichtigt werden. Reben den An­regungen, die der Import dem engeren Kreise selbst geboten hat, sind Wirkungen nach außen feststellbar und zu würdigen. Die Werke des ..Lettnermeister s" undKappenberg-- Meisters" in der Marburger Elisabeth- kirche und im Museum sollen beispielsweise zusammengebracht werden, gerade auch, soweit sie außerhalb genannten Gebietes liegen. Man wird bestrebt fein, Lokalmeister, wie Iuppe, Sol- dan, Thle von Frankenberg nach Möglich­keit charakteristisch vertreten zu haben. Die be­rühmten Domschätze von Fritzlar und Fulda werden in den besten Stücken figurieren und die mittelalterliche Blütezeit in ein hervor­ragendes Licht rücken. Das Kunstgewerbe bis in neuere Zeit wird in selten gezeigten Exemplaren «Teppichen, Meßgewändern, Goldschmiedearbei­ten) zu reicher Wirkung gelangen. Durch das Zusammen führen so vieler Werke, die nie bei*

werde sie ihren Betrieb nicht so leistungsfähig gestalten, wie man berechtigterweise erwarten dürste. Diese Angriffe wehrt sie ab. indem sie Zahlen veröffentlicht, nüchtern wirkende Zah­len, die eine eindringlichere Sprache reden, als langatmige Beteuerungen. Seit dem letzten Frie­densjahre ist eine ganz erhebliche Zunahme des Verkehrs und eine Erweiterung der Verkehrseinrichtungen sestzustellen. Alm 21 Pro­zent ist allein die Zahl der beförderten Sen­dungen gestiegen, der Geldverkehr bei der Post ist sogar auf mehr als das Dop­pelte angewachsen. Berücksichtigt man dann noch, daß die Post ganz neue Betriebs­zweige, wie das Kraftfahrwesen, die Luft­post und das gesamte Funkwesen übernommen hat und seht nun den Personalbestand des Unternehmens in Vergleich zu dem der Vorkriegszeit, so ergibt sich aus der Tatsache, daß nur eine ganz geringe Vermehrung statt­gefunden hat, wie umfangreich die Refor­men der Reichspost gewesen sein müssen, wenn es trotzdem gelang, die gesteigerten Aufgaben zu erfüllen.

Dec Reichspostministei hat in gemeinsamer Arbeit mit dem Reichssparkommissar zunächst eine ganz gründliche Der walt ungsre- f o r m vorgenommen. Heute gibt es nur noch eine Gliederung in drei Instanzen. Mit dieser Reform wurde eine Zuständigkeitsänderung vor­genommen, durch die es gelang, die Tätigkeit des Reichspostministeriums auf rein ministerielle Ausgaben zu beschränken. Jetzt liegt also der Schwerpunkt aller Verwaltungstätigkeit bei den Oberpostdirektionen, dennoch wird es noch möglich fein, ihre Zahl von 45 auf 31 zu vermindern. Die erhöhten Verkehrs­leistungen. die vermehrten Verkehrseinrichtungen hätten sich längst nicht erreichen lassen, wenn die Post nicht zu einer umfangreichen Mechani­sierung und R o rniu n g. zur Vereinfachung der Betriebs- und Geschäftsformen geschritten wäre.

Diese Entwicklung ist dabei noch keineswegs abgeschlossen. Es wird von der Reichspost ehr­lich zugegeben, daß das Verkehrsnetz noch lange nicht auf der Höhe sei. Rach Maßgabe ihrer finanziellen Kräfte wird sie in den nächsten Jahren unter Benutzung modernster Arbeits­methoden die Ausgestaltung verwirklichen. Da­bei werden die Arbeiten, die eine Vermehrung und den Ausbau der örtlichen Verkehrseinrich­tungen bezwecken, keinesfalls vernachlässigt wer­den; unter Benutzung des Kraftverkehrs wird in absehbarer Zeit bereits der Plan verwirklicht sein, auch die entlegensten Wohnstätten in den werktäglichen Zustellungsdienst einzubezichen. Die Vervollkommnung des Fernsprechverkehrs wird durch die Einführung des typisierten automa­tischen Selbstwählapparates so gefördert, daß in etwa zehn Jahren die Arbeiten abgeschlossen sind. Ein solches Reformprogramm hört man gern, noch lieber würde man es freilich hören, wenn auch Andeutungen gemacht werden könn­ten, daß in absehbarer Zeit die im Vergleich zum Frieden übersetzten Gebühren ermäßigt würden.

Um den Verwattungsraissitz der Reichsbahn.

Ein Schreiben Dr. Luthers an den preußischen Ministerpräsidenten.

Berlin, 1. Febr. (WB.) Reichskanzler a. D. Dr. Luther hat an den preußischen Minister­präsidenten Braun ein Schreiben gerichtet, in dem er sich mit der D e r t r e 1 u n g Preußens im V e rwaltungsrat der Reichsbahn- gesellschast auseinanderseht, soweit er sich persönlich durch diese Aufzeichnungen berührt fühlt. Dr. Luther erinnert daran, daß er wäh­rend der dreiviertel Jahre vom Tode des Ge­heimen Kommerzienrates Arnhold bis zum Ausscheiden Dr. Luthers aus der Reichsregie­rung den Ministerpräsidenten Braun zu toie- derholten Malen im Ramen der Deichs­regierung auf das dringend st e gebeten, ja geradezu beschworen habe, als Rachfolger für Herrn Arnhold eine Persönlichkeit vorzuschlagen, die geeignet sein würde, in den großen wirt-

samrnen waren und somit zum ersten Male zum Vergleich stehen, sind neue wissenschaftliche Resul­tate zu gewärtigen. Das kun st historische Institut unter Leitung von Professor Ha­mann hat sämtliche Vorarbeiten bereits über­nommen und bürgt für eine gewissenhafte Zu­sammenstellung und Auswertung. Besonders wichtig wird es sein, auch sämtliche kleinen Orte der Provinz zu erfassen, soweit sie Denkmäler von Wert haben. Dazu wird das gesamte Land bereist werden, um eventuell auch verborgene Stücke ans Licht zu ziehen. 2m Interesse der Sache ist daher weitestgehende Unterstützung der politischen und geistlichen Behörden aller Kon­fessionen wünschenswert.

Denn es handelt sich bei der Ausstellung nicht in erster Linie um eine Angelegenheit der Stadt Marburg. Vielmehr sollen sämtliche Städte nach Möglichkeit gesonderte Räumlichkeiten für ihre Schätze zur Verfügung gestellt erhalten, um so nach außen hin für die zahlreichen Besucher so­fort zur Geltung zu gelangen. Marburg ist gleichsam nur der Gastgeber, der selber bescheiden zurücktritt und den zu Gast Weilenden eine re­präsentative Stätte bereitet, nur von dem einen Wunsche erfüllt, Hessen-Rassaus religiöse Kultur einmalig wie in einem Brenn spiegel einzufangen und sichtbarlich vor alle Welt zu stellen.

Goethe-Bund.

Vortragsabend Wilhelm von Scholz.

Wilhelm von Scholz begann feinen Vor­tragsabend in der Reuen Aula mit einem um­fangreichen Prosastück, einem Kapitel aus dem BuchePerpetua". Dies ist der Roman der Schwestern Breitenschnitt, die Schicksalsgeschichte der Zwillinge Katharina und Maria, um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts. 2n Den Schwestern stehen sich, koie ein die ftoffltdpen Grundlagen entwickelnd s Einleitung k Ixtel a)il= dert, ein gutes und ein böses Prinzip gegenüber: die eine nimmt als Hexe ein schlimmes Ende, indes die andere, als Rönne Perpetua, Wunder tuend und weissagend, zu hohen Ehren gelangt.

Das Hauptstück des ersten Teiles handelte von der Entdeckung der Heiligen; Scholz entwirrte

schaftlichen und besonders wirtschaftspoli­tischen Aufgaben des Verwaltungsrats den Verstorbenen mit seinem hohen, auch im Aus­lande anerkannten Ansehen wenigstens einiger­maßen zu ersetzen. Die preußische Regierung habe trotzdem nicht das qeringfte Entgegenkommen gezeigt, sondern sei bei dem Vorschlag immer der­selben Persönlichkeit eines preu­ßischen Fachbeamten im aktiven Dienst verblieben. Die Entsendung von Fach beamten würde jedoch nicht eine Verbindung der Reichs- vahngesellschaft mit den freien wirtschaftlichen, wirtschaftspolitischen tmd eisenbahntechnischen Kräften darstetlen, auf die es nach der Ansicht der Reichsregierung ankomme, sondern einen Zu - satz zu den in der Reichsbahnhauptverwaltung tätigen fachlichen Kräften, die einer Ergän­zung nicht bedürfen.Gerade in meiner Eigen­schaft als früherer Reichskanzler," so fährt das Schreiben fort,kann ich meine Aufgabe nicht darin erblicken, durcy mein Handeln der Ent­scheidung der Reichsregierung über eine anders­artige Zusammensetzung des Verwaltungsrates vorzugreifen. Der für Die deutsche Gesamtpolitik so wichtig ist." Weiterhin bemerkt Dr. Luther zu der preußischen Aufzeichnung, daß eine j u - ristische Möglichkeit bestehe, wonach Mit­glieder des Verwaltungsrates jederzeit ihr Amt niederlegen können, erscheine ihm selb st.- verständlich. Er habe aber ausdrücklich seine Er­klärung dahin gefaßt, daß die Verwaltungsrats­mitglieder die zwar nicht juristische, aber po­litisch-moralische Pflicht hätten, das ihnen anvertraute Amt d u r ch zu s üh r e n.

parlamentarisches aus Hessen.

Die Fraktion des Bauernbundes hat folgenden Antrag im Landtag eingebracht: Die R o t der Landwirtschaft wird mit jedem Tag großer. Es müssen alle Maßnahmen ergriffen werden. Die eine Besserung der Wirticpasts- und Einkom­mensverhältnisse in der Landwirtschaft ermög­lichen. Besonders schwierig ist die Lage auch im Vogelsberg. Die klimatischen Verhält­nisse und die eigenartige Parzellenwirtschaft in diesem Gebirge erschweren eine notwendige Um­stellung der bäuerlichen Betriebe und Die Herbei­führung einer zur Zeit vollständig fehlenden Rentabilität derselben. Die Erhaltung des Bauernstandes im Vogelsberg ist nicht nur er­forderlich im Hinblick auf die Bauern selbst, sondern steht ebenso im wohlverstandenen Inter­esse des gesamten Landes. Eine Hilfe auf steuerlichem Gebiet allein kann hier so notwendig sie erscheint keine dauernde Besserung herbeiführen. Es dreht sich vor allem darum, die Einnahmen aus der bäuerlichen Wirtschaft im Vogelsberg durch Aenderun- gen Der Wirtschaftsweise zu heben. Die Möglichkeit dazu ist bei entsprechender Mitwir­kung des Staates vorhanden. Wir beantragen daher, der Landtag wolle beschließen, die Re­gierung zu ersuchen, sobald als möglich die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um den Fortbestand der Landwirtschaft im Vogelsberg zu sichern.

Der volksparteiliche Abg. Dr. Riepoth be­antragt. Dem Artikel 96 l des Gesetzes über die Wahlen für Gemeinden und Gemeindeverbände folgende Bestimmung hinzuzufügen: Bürger - meister von Landgemeinden, deren Wahl in der Zeit vom 1. April 1925 bis zum Inkraft­treten des Gesetzes stattgefunden hat oder ein­geleitet war. gelten als auf 9 Jahre gewählt, falls es sich um eine Wiederwahl handelt.

AnsredlungSmöglichkeiien in Kärnten.

In letzter Zeit sind wiederholt in verschiedenen Zeitungen Berichte aus dem österreichischen Bun- deslände Kärnten erschienen, die sich sehr günstig über Die klimatischen unD wirtschaftlichen Verhält­nisse Dieses landschaftlich schonen unD anziehenden LanDstrichs aussprechen und ihn a l s Sied- lungsland für auswanDerungs- lustige Deutsche den unbedingten Vorzug vor überseeischen Gebieten geben. Wer Die Ver­hältnisse aus eigener Anschauung kennt, kann diesen Rachrichten nur zustimmen. Tatsache ist

und gliederte in sehr klarer und gelassener Dik­tion die überaus kunstvoll gefügten Perioden der Erzählung von dec seltsamen Errettung Der StaDt Augsburg durch das Wunder Der Per­petua vor einer schon dicht vor den Toren drohen­den Pestseuche. Das Ganze klang manchmal wie aus einem alten Chronikbuche vorgelesen; doch dafür war alles und jedes zu fein erzählt, zu bewußt und von künstlerischem Willen in­einander verflochten und komponiert, zu plastisch, fast schauspielerisch gerundet in der Wiedergabe; Scholzens Vortrag wirkte oft so nachdenklich, immer und überall so sehr vergeistigt, daß man zuweilen den Eindruck einer intuitiv be­herrschten, schöpferischen Reugestaltung des Stosses gewann. Dieses eine, in jedem Satz stark und überzeugend wirkende Kapitel gliedert sich wie Der ganze Roman mit Der visionären For­mung und Deutung jenseitiger Vorgänge durch­aus harmonisch in das Weltbild, in Umkreis und Ausmaß der geistigen Bemühungen ein, wie sie das gesamte Werk des Dichters Wilhelm von Scholz charaktergebend und abgrenzend aus- zeichnen.

Den tiefsten Eindruck des Abends hinterließ unferm Gefühl nach die im Anschluß an das Prosastück gesprochene Lyrik: wenige, sprachlich vollendete Gedichte, denen ihre gedankliche Schwere nichts von Der MeloDik, Der BilDkrast unD Dem hauchzarten Aroma Des spezifisch lyri­schen Kunstwerkes raubte. Wir erinnern uns insbesonDere an Die impressionistisch lockere unD gleichwohl geschlossene Stimmung imHeim­weg", Der in zwei MonDliedern moDulierten Gegensätze und der im Frühlingsregen" eingc» fangenen Magie des Zeitgefühles. Rach Diesen Versen eine Handvoll Lkphorismen: anschaulich, geschliffen im Stil, ohnegeistreich" zu sein; eine Art Philosophie in der Ruß.

2m zweiten Teil kehrte Der Dichter abermals mit einem Kapitel zum RomanPerpetua" zurück, schilDerte in kraftvoller Prosa Die Begegnung Der inzwischen zur Aebtissin aufgerückten Per­petua mit Dem Kaiser Maximilian zu Augsburg im Jahre 1518; im politischen Gespräch, Das alsbald über das weltliche Thema ins Zeitlose und Imaginäre sich erhebt, wurde wiederum

ferner, daß Kärnten sich im Jahre 1927 eines erhöhten Zuzugs seitens Reichsdeutscher. Die Dort Land zu verhältnismäßig günstigen Preisen gekauft oder gepachtet haben, zu er­freuen gehabt hat. Rach Aussage eines dieser Neusiedler, der zur Zeit besuchsweise in Deutsch­land weilt und nur die brieflichen Berichte anderer Deutscher bestätigt, fühlen sich diese reichsdeutschen Siedler in Dem kernDeutschen Lande mit seiner liebenswürdigen, frohsinnigen und sangeslustigen Bevölkerung, Die die Reu- cintoanbcrnDen nicht als Fremdlinge, sondern als wertvollen Zuwachs betrachten, durch­weg wohl und kommen wirtschaftlich gut vor­wärts. Die Reichsdeutschen werden auch wegen ihrer fortschrittlicheren und intensiveren Wirt­schaftsweise, namentlich gegenüber den östlich Klagenfurt um Völkermarkt und Bleiburg herum- sitzenden windischen (slowenischen) Bauern gern gesehen. Wenn die Wiesen durchschnittlich jähr­lich vier Schnitte ergeben und der Acker zum großen Teil eine zweimalige Ernte gestattet, so spricht dies schon an sich für die Güte des Klimas. Die Absatzverhältnisse sind wegen Der günstigen Verbindungen nach Städten wie Klagenfurt und Villach und des jährlich zu­nehmenden Fremdenverkehrs gut.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

Ruttershausen, 1. Febr. Unser Ge­sangverein hielt dieser Tage in Der Wirt­schaft von Otto Sch ö n seine diesjährige Ge­neralversammlung ab. Die Ver^ins- tätigfeit im verflossenen Jahre war recht zu- friedenstellenD. Es wurde beschlossen, auch in diesem Jahre wieder einen Gesangwett- streit zu besuchen und im Spätherbst ein Kon­zert zu veranstalten. Der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt, mit Ausnahme des zwei­ten Vorsitzenden, für den ein anderes Mitglied in den Vorstand geschickt wurde. Dem Verein, der unter Leitung von R. Rico 1 ai - Grohen- Duseck steht, gehören gegenwärtig 81 Mitglie­der an.

: Oppenrod, 1. Febr. Die durch Den Weg­gang .des Lehrers Schlaudrass freigetoot- benc Lehrer st eile an unserer einklassigen Schule wurde vergangenen Herbst zur Wieder- befetjung ausgeschrieben. Es fand sich jedoch nur ein Bewerber, und zwar 'in Dem hier am­tierenden Schulverwalter Crößmann. All­gemein war man erstaunt, daß Die Stelle so wenig umworben war. Vor einigen Tagen wurde nun Dem Schulverwalter Crößmann die Stelle definitiv übertragen.

:: Beuern, 1. Febr. Sonntag fand im Holländischen Hof" dahier ein Vortrags­abend des hiesigen Volksbildungs - Vereins bei gut besetztem Saale statt. Vor­tragender war Lehrer Dr. Balser-Daubrin- gen, der an Hand von Lichtbildern über das ThemaBei deutschen Kolonisten in Brasilien" sprach. Der Redner, Der selbst einige Jahre in Ioinville in Brasilien als Lehrer tätig war und Land und Verhältnisse aus eigener An­schauung kennengelernt hat, schilderte in aus­gezeichneter Weise Land und Leute, Tier- und Pflanzenwelt in diesem wunderbaren Lande, das infolge seines feuchtwarmen Klimas das Land des Wachstums genannt wird. Dieses Land in seiner ungeheuren Größe, ist es doch 18 mal so groß wie unser deutsches Vaterland und nur mit 31 Millionen Einwohnern bevölkert, bietet für die Zukunft große Siedlungsmöglichkeiten für unser übervölkertes Land. Jeder Deutsche, der jedoch hier einigermaßen Lebensmöglichkeit hat, sollte es sich reiflich überlegen, diese gegen eine ungewisse Zukunft in fremdem, unkultiviertem Lande mit anderen ungewohnten Verhältnissen und Klimas einzutauschen. Denn groß sind nach den Schilderungen des Redners Die Schwierig­keiten, Die Die SieDler Dort zu überwinDen haben. Eiserne Arbeit, zähe Energie und Ausdauer einerseits, Entbehrung jeglichen Genusses und Abgewöhnung jedweder kulturellen Einrichtung anderseits sind erforderlich, um dort im Laufe Der Zeit eine Existenz zu erringen. Der Vor­trag wurde von Den zahlreichen Zuhörern mit

die beseelte Form und Oie ins Innere der Dinge dringende Vergeistigung Der Gestalten und Er­eignisse DeS Romans auf das Glücklichste be­währt.

Cs war ein anregender unD wertvoller Abend, der allen, die an ihm teilhatten, etwas gegeben haben und vielen lange Zeit unvergessen bleiben wird. - y

Ein Vorläufer des Schneiders von Alm.

Der durch den Roman von Max Eyth bekannte Schneider von Ulm war keineswegs Der erste. Der das Problem des Gleitflugs praktisch zu lösen versuchte. Derartige Ideen liegen gleichsam in der Lust, und sicher haben sich Hunderte mit ihnen befaßt, von denen mangels Publizität keine Kunde auf uns gekommen ist. In einer alten Schrift berichtete Gilles Regrier de la Croche- ardiöre von einem solchen Erfinderschicksal: der Schlosser Besnier in Sable (im heutigen Dep. Garthe) versuchte mit Erfolg Flügel zu kon­struieren, Erst von einem niedrigen Fenster, Dann vom Dache herab erprobte er die Tragfähigkeit einer Maschine; schließlich fliegt er vom Schloß- türm herab, über das Sableflüßchen und landet, vom Sturz bewußtlos, aber sonst unbeschädigt, auf einer Wiese. Bei bewegter Luft gelang es ihm sogar, zu steuern und den Landungsplatz zu wählen. Rachdem er aber einmal bei plötzlich eintretender Windstille gestürzt war und ein Bein gebrochen hatte, verlor er Die Lust an weiteren Versuchen. Bemerkenswert ist, daß weder Aberglaube noch Spottlust sein Unternehmen be­hinderten, das freilich auch keinerlei tatkräftige Förderung sand. Allerdings achtete das ange­sehene Journal des Savants seine Versuche hoch genug, um sie einer Besprechung zu würdigen: leider ist diese technisch ganz unzulänglich, wohl kaum von einem Augenzeugen versaht; auch die beigegebenen Abbildungen können unmöglich der Wirklichkeit entsprechen, da Die Dargestellten Tragflächen viel zu klein sind. Besnier ist in der gesunden Hoffnung auf künftige glücklichere Ver­suche 1690 in seiner Heimatstadt gestorben.