Ausgabe 
2.2.1928
 
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Patent« zurückgeben wollte, totrb ht Kongreß- kreisen dahin gedeutet, bah die größten Schwie­rigkeiten nunmehr überwunden sind und daß di« Vorlage in der Fassung, die ihr das Re­präsentantenhaus gegeben hat, Mitte Februar dem Plenum des Senats fast unverändert vvrgelegt werden wird.

Noch keine Klarheit über das Liquidationsschadengesetz.

Gegensätze im Reichskabinett.

Berlin, 2. Febr. Auch das Liquidations- schädengeseh ist in den Strudel geraten, der noch keine Klärung über das Schulgesetz und andere wichtige Entscheidungen zutage gefördert hat. Wie man hört, steht der Reichsfinanz­mini st e r, vor allem unterstützt von dem Reichsaußenminister, im Kabinett nach wie vor auf seiner alten These fest, dah er keinesfalls über seine Entschädigungssumme, die im Endergebnis nach den bisherigen Vor­schlägen für den Haushalt 1 Milliarde macht, hinausgehen will, während die Forde­rungen der Parteien und besonders die der Regierungskoalition ja wesentlich höhere Entschädigungssätze vorsehen und gegenüber der ungefähren Entschädigung von 20 Proz. rund 40 Proz. im Endergebnis verlangen. Allem An­schein nach ist es besonders der Reichswirt- schaftsnrinister Dr. C u r t i u s, der die weiter-» gehendey Forderungen der Parteien im Kabinett unterstützt. Man gewinnt daher den Eindruck, dah man unter diesen Umständen doch wieder nur zu einem provisorischen Liquidationsschäden- gesetz kommen wird und erst später mit einem neuen Reichstag ein endgültiges Gesetz versuchen kann. Ein Kompromiß könnte etwa, wie man hört, auf der Linie liegen, dah die jetzt vorgesehene 1-Milliarden-Ausgabe des Reichshaushalts für die Liquidationsgeschädigten sich einstweilen um weitere 300 Millionen erhöht.

Die Finanzreform.

Zusammentritt des finanzpolitischen Ausschusses der Länderkonferenz.

Berlin, 2. Febr. Ein Stück soll es also nun weiter gehen, in den Beratungen nämlich, die mit der Länderkonferenz eingeleitet wor­den sind. Programmähig tritt heute der von der Länderkonferenz eingesetzte Finanzaus­schuß unter dem Vorsitz des Reichsfinanzmi­nisters zusammen. Diesem Ausschuß gehören be­kanntlich die Finanzminister Preußens, Ba­dens und Thüringens an sowie der Präses der hamburgischen Finanzdeputa­tton. Aber auch der bayerische Finanzminister ist nach Berlin abgereist, um diesen Beratungen beiwohnen zu können. Thema der Beratung heißt in der umständlichen Amtssprachei Prüfung der Maßnahmen zur Sicher st ellung spar­samster Finanzgebarung in Reich, Ländern unB Gemeinden. Eine genaue Tagesordnung steht noch nicht fest. Man will sich zunächst lediglich mit den Aeuherungen des preuhiscken unö badischen Finanzministers be­fassen, die diese in der letzten Zeit im Anschluß an die Länderkonferenz gemacht haben. Wie lange diese Beratungen dauern werden, ist auch noch nicht zu übersehen. Man wird allem An­schein nach zum Schluß eine eingehende Erklä­rung über den gesonderten Gegenstand ab- oeben. Irgendwelche weitergehende Schlüsse dürften aber wohl kaum zu erwarten sein. Zentrum und AeichsschulgeseH.

Fühlungnahme

zwischen Marx und Strefemann.

Berlin, 2. Febr. (V. D. Z.) Die dem Dil- dungsausschuh angehörenden Mitglieder der Zentrumsfraktion haben dem Reichskanz­ler Dr. Marx die Forderungen des Zentrums hinsichtlich der bisher noch umstrittenen Para­graphen der Schulvorlage, insbesondere des § 20 der die Simultanschulländer be­trifft, noch einmal vorgetragen und den Reichs­kanzler gebeten, auf Grund dieser Forderungen mit den Kabinettsmitgliedern der übrigen Parteien inDerhandlungen einzutreten. Die erste Fühlungnahme hat zwischen dem Reichskanzler Dr. Marx und dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann am Dienstagabend stattgefunden. In Zentrums­kreisen wird versichert, daß, wenn mit der Deut­schen Volkspartei nicht vor der zweiten Lesung im Ausschuß eine Einigung über den § 20 erzielt wird, es voraussichtlich überhaupt nicht mehr zur zweiten Lesung kom­men werde, da das Zentrum dann kein In­teresse mehr an der Vorlage habe. Sollte eine Einigung über den § 20 zustande kommen, so sollen die Verhandlungen über die weiteren Punkte (§ 9 und § 14) während der zweiten Lesung im Ausschuß zu Ende geführt werden.

Das Schankstättengeseh.

D"li n, 1. Febr. (V. D. Z.) Im Volkswirt­schaftlichen Ausschuß des Reichstags wurde heute § I des Schankstättengesehes gegen die Stim­men der Bayrischen Volkspartei, der Demokraten, der Wirtschaftlichen Vereinigung unv e nes Teiles der Deutschnattonalcn angenommen. Rach diesem Paragraphen dars dieErlaubniszum Ausschank geistiger Getränke nur er­teilt werden, wenn ein Bedürfnis nach­te w i e s e n ist. Den Gemeinden, in denen auf ie 400 Einwohner mehr a ls eine Schank- stätte entfällt, ist das Bedürfnis für neu zu errichtende Betriebe oder zur Ausdehnung be­stehender Betriebe aus den Ausschank von Brannt» wein zu verneinen. In Gemeinden mit w»° Niger als 400 Einwohnern kann beim Vorlieaen eines besonderen Bedürfnisses Erlaubnis für ins­gesamt zwei Schankstätten mit Ausschank qciftrer Getränke erteilt werden. Anträge, die den Zlaschenb i erhandel in die Konze'sionS- pflicht einbeziehen wollien, wurden a b g e t e h n 1 ebenso ein Antrag, alkoholfreie Gaststätten von der Konzessionspslicht freizuhalten.

Sei- BegriffBafertmtb".

München, 1. Febr. lWLD.) Im Haus- haltsausschuh des bayrischen Landtages bean­tragten die K o m m u n i st e n bei Beratung des Kultusetats die Streichung des ersten Zuschuftes zur Förderung der vaterländischen Jugendpflege, wobei der Sprecher es un­begreiflich fand, daß die Sozialdemokra­tie der Forderung z u st i m m e, obwohl sie vom Kaiser seinerzeit als vaterlandslose

DasAotprogramm desReichölandbundes.

Berlin, 1. Febr. (Wolff.) Die Dertreterver« sammtung des Reichslandbundes stellte zur Behe­bung der Notlage der Landwirtschaft eine Reihe programmatischer Forderungen auf. Zu diesen gehören

aus dem Gebiete der Zok- und Handelspolitik u. a.: Kein neuer handelsoertraA mit weiterer Dreis- gäbe des landwirtschaftlichen Schutzes oder mit all­gemeiner Meistbegünstigung, keine autonome Her­absetzung landwirtschaftlicher Zollsätze, Verbot der Einfuhr solcher Agrarprodukt«, die im Inlande her- gestellt werden: Verbot der Einfuhr von lebendem Vieh, Kündigung aller die Landwirtschaft schädigen- den Handelsverträge und Neugestaltung des Zoll­tarifs.

Als finanzpolitische Maßnahmen werden gefordert: Abdrosselung der Austandkredite, beschleunigte Einleitung von Kreditmaßnahmen zur Umschuldung und Entlastung >der fanierungsfähiaen und sanierungsbedürftigen Betriebe aller Besitz- arößen, keine Einschränkung des jetzigen Personal­kreditvolumens, kein Mißbrauch der Kreditmittel und der Kreditorganisationen für politische Ziele, Unterstützung aller Selbsthilfemaßnaymen der ämd- wirtscyaft, Entlastung von allen Schulausgaben, weitere Hilfe für die durch Unwetter geschädigten Landesteile und Tarifzuschüsse für frachtungünsttg gelegene Gebiete.

Auf steuerpolitischem Gebiet wird verlangt: Beseitigung der Rentenbank-Grund­schuldzinsen, Be^itigung der staatlichen Grundver­mögenssteuer, Senkung der kommunalen Grund­steuern, keine Nacherhebung der Vermögenssteuer für die Landwirtschaft, Wiedereinführuna eines mehrjährigen Durchschnitts bei der Einkommen­steuer, keine periodische Grunderwerbssteuer, An- Passung aller Steuersätze an die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft, schonende Behandlung gestunde­

ter und rückständiger Steuern und Vereinfachung des Kastenwesens in Reich, Ländern und Ge- meinden.

Bezüglich der Sozialpolitik

enchält das Programm folgende Forderungen: Ra- ttonalisierung der Sozialversicherung zwecks Erhal­tung leistungsfähiger, mit geringsten Kosten arbei­tender Versicherungsträger, systematischer Abbau der Wohnungszwangswirtschaft, soforttge Schaffung einer den Verhältnissen des platten Landes Rech­nung tragenden Neugestaltung der Arbeitslosenver­sicherung, Aufhebung der Ausnahmebestimmungen über die Komingentierung ausländischer landwirt­schaftlicher Saisonarbeiter. Schließlich verlangt das Programm in der Frage von Siedlung und Bodenrecht eine gesunde Siedlungspolitik zur Auffüllung der weniger volkreichen, insbesondere der national gefährdeten Reichsteile, und die Ab­wehr aller, insbesondere der im preußischen Städte- baugesetz und anderen Landesgesetzen enthaltenen Gefahren für Grund und Boden. v

Oie Bauernvereine beim Reichskanzler

Berlin, 1. Febr. (WTD.) In Vertretung des erkrankten Reichskanzlers empfing der Vizekanzler Hergt im Beisein der Reichs­minister Schiele, Curtius und Brauns und des preußischen Landwirtschaftsministers Steiger, die Vertreter der deutschen Dauern- vereinsorganisationen, in deren Ramen der Vizepräsident der Vereinigung der deutschen Bauernvereine. Hofbesitzer Stamerjohann (Schleswig-Holstein) über die maßlose Erbitte­rung der bäuerlichen Bevölkerung berichtete und eindringlich sofortige Hilfsmaßnahmen forderte. Alle anwesenden Mitglieder der Reichs­regierung sagten angesichts der Rotlage der Landwirtschaft zu, geeignete Maßnahmen un­verzüglich in die Wege zu leiten.

Gesellen bezeichnet worden feien. Von sozialdemokratischer Seite wurde hierauf er­widert, daß die sozialdemokratische Partei eine staatsbejahende Partei sei und den Be­griff des Vaterlandes keinesfalls ver­neine. Der kommunistische Antrag wurde darauf mit allen gegen die kommunistischen Sttmmen abgelehnt.

Oie Novelle

zum Mieterfchutzgeseh.

Neuregelung des Kündigungsverfahrens.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 2. Febr. Die Oppositionsparteien, die sich schon seit langem auf di« kommenden Reichstagswahlen vorbereiten und infolgedessen keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um die Reichsregierung und die hinter ihr stehenden Parteien um jeden Kredit zu bringen, haben auch die Dovelle zum Mieterschutzgesetz benutzt, um aus ihr nachzuweisen, daß die Re-- gierung bestrebt sei, den Mieterschutz zu beseiti­gen. Ratürlich ist dadurch in breitesten Schichten der Bevölkerung ein« nicht unerhebliche Unruhe entstanden. Demgegenüber erscheint es notwendig, zumal auch die Beratungen im zuständigen Reichstagsausschuh beendigt stnd. darauf hinzu­weisen. dah die alten Schutzbesttmmun- g en nach wie vor weiter bestehen. Reu ist lediglich das Recht des Hauswirtes, zur Auf­hebung des Mietsverhältnisses dem Mieter ein formularmähiges Kündigungsschreiben senden zu dürfen, allerdings immer nur unter den Voraussetzungen, die das Mieterschuhgeseh für Kündigungen zulähl. Das Kündigungsschrei­ben wird dem Mieter vom zuständigen Amts­gericht mit dem Hinweis auf das Recht, binnen zwei Wochen Widerspruch erheben zu dürfen, zugeleitet. Erfolgt kein Einspruch, dann tritt automatisch ein Räumungsbefehl in Kraft. Es handelt sich also lediglich um eine Verein­fachung des Kündigungs- und Räumungs­vorganges, wobei aber wiederum zum Schutze der Mieter und das ist für ihn außerordent­lich wichftg die Sicherung eines be­fristeten Einfpruchrechtes eingeschoben ist. Von einer Benachteiligung der Mieterschaft zugunsten der Vermieter kann also unter keinen tlmständen gesprochen werden.

Oie Rückkehr der Weimarer Koalition in Hessen.

Eine letzte Besprechung mit derBolkspartei.

D a r m st a d 1, 2. Febr. Wie die Landes­geschäftsstelle der Deutschen Volkspartei mitteilt, fand am Mittwoch ein« Zusammenkunft der Fraktionen der Deutschen Dolkspartei, der Demo­kratischen Partei und der Sozialdemokraten im Landtagsgebäude statt. Dor Eintritt in die sach­lichen Verhandlungen wünschten die Vertreter der Deutschen Volkspartei mit Rücksicht auf die tor- angegangenen Pressemeldungen eine Erklärung der Sozialdemokraten, ob die heutige Verhand­lung die Grundlage für die endgültige Entscheidung der sozialdemokrati­schen Fraktion bilden werde, oder ob dies« Entscheidung bereits im Sinne der Wei» marcr Koalition gefallen sei. Da di« sozialdemokratische Landtags,raktion eine klare Erklärung im ersteren Sinne nicht ab» geben konnte, brachen die Vertreter der Deut­schen Volkspartei die Verhandlungen ab, da sach­liche Erörterungen irgendwe.cher Einzelfragen in diesem Kreise für die Deutsche Dolkspartei kein Interesse hatten. Aehnliche Erklärungen wie die­jenigen des Vertreters der Deutschen Volkspartei wurden, wenn auch aus anderen Erwägungen heraus, von den Vertretern der d e m o k r a t i - leben Fraktion abgegeben. Damit sind die Ver­handlungen mit der Sozialdemokrattschen Partei endgültig gescheitert. Der Vorsitzende der sozial­demokratischen Landtagsfraktion versicherte vor Eintritt in die Verhandlungen noch einmal, im Gegensatz zu veftchie.enen Vresscäußerungen und Gerüchten mit großem Rachdruck, daß die Sozial­demokratie diese Verhandlungen mit der Deut­schen Volkspartei von Anfang an in der ernten Absicht einer Re.ieeungsoildung aus dreier Grundlage geführt habe und keineswegs zu dem xjtoed, öie eine Partei gegen die andere auszuspielen. In einer späie- ren Besprechung der Mitgl.eder der Sozialdemo- trattschen Fraktion des Landtags wurde end- gulirg beschlossen, die Regierung auf der Grund­lage der Weimarer Koalition zu bilden.

Aus aller Welt.

Gemeinsamer Bolkstrauertag mit Oesterreich.

Unter Führung des österreichischen Schwar­zen Kreuzes in Wien, der Schwesterorganisa­tion des Bolksbundes Deutscher Kriegs­gräberfürsorge wird auch in diesem Jahre in Oesterreich der Volkstrauertag an demselben Tage, am 4. März nämlich, und in ähnlicher Weise wie in Deutschland begangen werden. Dem österreichischen. Volke gebührt herzlicher Dank dafür, daß es brü­derlich mit uns diesen einen Tag im Jahre dem Gedenken an unsere Gefallenen im Weltkrieg wid­met. Dort wie hier schweigen an diesem Tage alle religiösen, politischen und sozialen Gegensätze. Einig reichen sich über den Gräbern unserer teueren Toten die Ueberlebenden die Hände mit dem Willen, ihnen an diesem Tage in Liebe und Dankbarkeit nahe- zusein, und aller Welt zu zeigen, daß wir trotz alles Schweren, das auf uns lastet, unsere gefal­lenen Brüder nicht vergessen haben. Der Tag wird keinen Zweifel darüber lassen, daß der Gedanke des Dolkstrauertages tief in den beiden Völkern wurzelt. Wuchtig und einbeutig werden sie zu er­kennen geben, daß sie diesen einen allein dem Gedenken unserer Toten aus dem Weltkriege gewid­meten Tag verlangen.

Der Bergmann-Tkandal.

In den Vernehmungen im Bergmann-Skandal machten die beiden Zeugen, Direktor Rösch von der Treuhand-Gesellschaft für Handel, Industrie und Gewerbe, und Major a. D. Hintze Aus­sagen. die nicht nur Staatsanwalt Iakoby, sondern auch die Beamt en. des für das Berg- mannsche Unternehmen zuständigen Polizei­reviers belasteten. Beide Zeugen gaben an, daß das Polizeirevier auf Anfrage der Treu­hand-Gesellschaft erklärt habe, dah Bergmann und sein Llnternehmen sich des besten Ru­fes erfreuten. Darauf habe die Treuhand- Gesellschaft dem Lombardhaus für über 2 0 0 000 Mk. Einlagen vermittelt. Als bei Auftreten von Zweifeln an der Solidität des Unternehmens Major Hintze den ihn be­freundeten Staatsanwalt Iakoby befragt habe, wie die Anzeige gegen Bergmann einzubrin­gen sei, habe Iakoby ausdrücklich erklärt, daß ein solcher Schritt der Treuhand-Gesellschaft und ihren Kunden sehr gefährlich werden könnt«, und daß man von Schritten bei der Staatsanwaltschaft lieber absehen sollte. Auf eine spätere er­neute Anfrage Hintzes, ob die Staatsanwaltschaft nicht endlich einzuschreiten gedenke, da Bergmann damals bereits zwei Millionen Mark fremder Gelder ausgenommen hätte, habe Staatsanwalt Iakoby geantwor'.et. daß es Aufgabe des Staates wäre, sich um derartige Dinge zu kümmern, nicht aber die Aufgabe von Privatleuten.

8ur~ die Konkursmasse kommt zunächst nur der persönliche Besitz Bergmanns in Frage, seine Liegenschaften In Friedrichshagen und Gar» misch-Partenkirchen, die drei Autos, der Schmuck seiner Frau, das Geschäftskonto bei der Mittel­deutschen Creditbank und das aufgefundene Ge­heimkonto bei einer Privatbank. Voraussichtlich wird es noch mehrere Wochen dauern, bis der Konkursverwalter die Aktiven und Passiven fest- gestellt hat, da die Bücher bis zum Jahre 1924 zurück revidiert werden müssen.

Der neue Präsident des candkreistages.

Als Rachsolger für den verstorbenen Landrat a. D. Constantin ist durch einstimmigen Be- schluß des Vorstandes der Landrat Baron von Stempel zum Präsidenten deS Deutschen und Preußischen Landkreistages gewählt wor­den. Landrat von Stempel steht im 46. Lebens­jahre. Rach einem juristischen Studium in Genf. München, Leipzig und Königsberg bestand er 1909 das Gerichtsassessor-Examen. Während des Krieges betätigte er sich im Dienste der frei­willigen Krankenpflege . e der Milüärverwal.ung für Kurland als Derwaltungsreserent und 1916 in der Rachrichten-Aoteilung des Auswärtigen Amts und der Reichskanzlei. Herr von Stempel war Landrat der Kreise Wirsitz und Kolberg. Seit längeren Jahren Mitglied des Vorstandes des Lanotreistages, ist er auf dem Gebiet der kommunalpolitiscyen Literatur sowohl in der Fach- wie auch Tagespresse iein Unuetannter.

DieGroßherzogin Elisabeth" in pernambuco.

Das Schul.ch.fi d.s Deuts.,en S^ruftchiffvercins ..Großherzogin Elisabeth" ist am 31. Januar wohlbehalten in Pernambuco angekommen. Es wird am 2. Februar die Heimreise nach der Weser antreten.

Warnung für Revolverhelden.

In dem Prozeß gegen die Berliner Revolver­helden Scharfe und S ch l a b b a ch, die bei einer Schießerei am Teutoburger Platz den Schuh- machermeister Reumann und den Bezirksvor­steher Schulze erf chossen und zwei andere Personen durch Schüsse schwer verwundet haben, wurde das Urteil gefällt. Das Schwur­gericht nahm in allen vier Fällen Totschlag und versuchten Tottchlag an bzw. erschwerten Tot­schlag und erschwerten Totschlagsversuch unb verurteilte Otto Scharfe zu einer Gesamtstrafe von 12 Jahren Zuchthaus und fünf Jah­ren Ehrverlust. Der Angeklagte Joseph Schlab- bach wurde wegen versuchten Totschlages unter Zubilligung mildernder ^Imstande zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Zuchthaus für Räuber.

Das Schöffengericht B ü h o w hat die Arbeiter Haufe, Sukau und Berndt wegen Raubes und Körperverletzung zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt. In der Rächt zum 23. Rovember v. 2. hatten die Angeklagten den schlafenden Hofbesitzer Schmidt in seiner Wohnung in Warnow mit einem Knüppel nieder­geschlagen und versucht, ihn zu berauben. Der achtzehnmal vorbestrafte Verbrecher Sukau wurde zu fünf 2ahren Zuchthaus und wegen Mundraubes zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Bei Haufe erkannte das Gericht auf fünf 2ahre und fünf Monate Zuchthaus. Berndt erhielt vier 2ahre Gefängnis.

Tragische Folgen einer Unsitte.

Die Familie des Chauffeurs Friedrich Hart­mann in Walsheim (Saargebret) wurde von einem schweren Unglüd betroffen. Die Frau benutzte Petroleum zum Feueran- machen. Die Flamme schlug plötzlich aus dem Ofen zurück und setzte die Kleider der Frau in Brand. Auf die Hilferufe der lichterloh brennen­den Frau eilte der Mann herbei und versuchte die Flammen zu ersticken. Leider kam seine Hilfe zu spät. Rach der Einlieferung ins Krankenhaus starb die grau. Der Mann selbst erlitt bei seinem Rettungsversuch lebensge­fährliche Brandwunden.

90 000 Mark unterschlagen.

Der bei der Reichst,anknebenstelle B r i e g be­schäftigt gewesene Reichsbankpraktikant Haselbach verschaffte sich im Sommer vorigen Jahres einen Girooordruck und erwirkte mit Hilfe dieses Vordruckes im Juni die Auszahlung von 90 000 Mark bei der Reichsbank in Beuthen an einen Freund feiner Frau. Dieser Freund ist als Mittäter bereits verhaftet worden. Haselbach selbst, gegen den ebenfalls ein Haftbefehl erlassen wurde, ist vorläufig, da er wegen Krankheit nicht haftfähig ist. auf freien Fuß belassen worden.

Zwei Todesopfer eines Aulounfalls.

Ein Auto der Firma Kreske aus Sonneberg (Thüringen) erlitt in der Aähe von Mönchröden einen Reifenbruch und überschlug sich. Die beiden Insassen, ein Spielwarenfabrikant aus Reustadt bei Koburg und ein Kreisamtssekretär aus Sonneberg, waren sofort t o t. Der Chauf­feur kam mit einer nicht lebensgefährlichen Kopf­verletzung davon.

Oie Wetterlage.

Mittwoch,den 1 Februar 192&

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Wettervoraussage.

Die mit der Ostwärtsweiterbewegung des nörd­lichen Tiefs verbundene Verlagerung seiner Warmluftwelle ließ im östlichen Deutschland die Temperaturen ansteigen. In Westdeutschland da­gegen haben die folgenden kühleren ozeanischen Luftmassen bereits wieder zu Temperaturrück­gang geführt. Don Spanien her breitet sich bis über Frankreich hoher Luftdruck aus. der. wenn auch nur vorübergehend, zur Beruhigung der Wetterlage führen wird. Eine neue Storung rückt gleichzeitig von Westen heran.

Wettervoraussage für Freitag: Reblig-wolttg, auch vielfach aufheiternd, Tempe­raturen nachts um Rull und auch darunter, meist trocken.

W i t t e r u n g s a u s f i ch t e n für Sams­tag: Woltiges Wetter, etwas milder, Reigung zu Riederschlägen.

Lufttemperaturen am 1. Februar: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 3,2 Grad Celsius; am 2. Fe­bruar: morgens 2,6 Grad Celsius. Maximum 3,8 Grad Celsius, Minimum 0,5 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 1. Februar: abends 0,2 Grad Celsius; am 2. Februar: morgens 0,2 Grad Celsius. Niederschläge 3,2 Millimeter.

Wintersport im Vogelsberg (hoherodskopf):

Nordwind; Wetter: neblig; Temperaturen:1 Grad Celsius; Schneehöhe: 20 Zentimeter; Pulver­schnee; Sportmöglichkeit: ziemlich gut.