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Ministerialdirektor Dr. 'S um!« der Sterilisierung nach

Berlin. 31. 0!t. (D.D.Z.) Der Reichstags- anS'chuh für die Strafrechtsreform setzte feine Be- catungcm über den § 62 (Entlassung aus der Sicherungsverwahrung usw.) und über den An­trag betr. Sterilisation von Verbre­chern fort. Ministerialdirektor Dr. Dumke logt dar. wie die Frage der Sterilisierung nach fron Vorschriften des Strafgesetzbuches zu beur­teilen sei. Ob eine Sterilisation mit Zustimmung des Verletzten gegen die guten Sitten verstößt oder nicht, könne nur nach den Um- ständen des Einzels alles beurteilt werden, wcchei selbstverständlich die allgemeinen wissenschaftlichen Erfahrungen über, die Wirkungen der Sterilisa­tion maßgebend berücksich igt werden müssen. 2n diese Frage greife der Antrag ein. 2hm stehe zunächst die grundsätzliche Erwägung gegenüber, daß die ganze Frage der Vererbung wrssen- schaftlich noch nicht soweit geklart sei, um jetzt schon eine reichsgesetzliche Regelung er­fahren au können. Weiter stehe entgegen, daß die Sterilisation die Gefahr, der durch die Unter­bringung entgegengewirkt werden soll, gar nicht ab wendet. Ein ganz schweres Ve- denten liege ferner darin, daß der Antrag zwar die Einwilligung des Untergebrochien voraussetze, dah aber die Einwilligung in der Hoffnung, da­durch wieder die Freiheit zu erlangen, keines­wegs als eine wirklich freiwillige angesehen werden könne.

LnnschlandS feien gegen eine Zwangssterili­sation, weit die Vererbungswiss-nschaft noch eine Reihe von Lücken au-zufüllen habe. Die frei- willige Sterilisation könne gelegentlich von 3n- teresse sein. Einen Ersatz für die 3ntermenmg bedeute die Sterilisation nicht.

Abg. Dr. Moses (Goa.) führte aus, dah der Verbrecher trotz der Sterilisation doch asozial bleibe Trotzdem wollten die Sozialdemokraten dem Anträge zustimmen, um nach außen hm den Bestrebungen der Wissmschast eine gewisse Be­rechtigung einzuräumen.

Oie Todesstrafe.

Aus der yrovmzialhaupistadi.

Dießen, den 1. Rovember 1928.

Oie Flucht ins Leichtere.

Es ist Wohl niemand, der sie nicht an sich selbst, oder an anderen schon beobachtet hat, sei es tm Alltagsleben, sei es bei besonderer Gelegenheit. Die Ausreden, unter denen sie sich vollzieht, sind so mannigfaltig, wie die Anlässe zu ihr. Wieviel Gründe finden sich z. D., um einen langweiligen Besuch, einen unangenehmen Gang aufzuschieben! Groß ist die Skala von plumper Vogelstrauß- polltik bis zur raffinierten Selbsttäuschung, die Skala der Vorwände, die nichts anderem dienen, als der Flucht in® Leichtere.

Schon die Kinder kennen sie. Was für Erfin­dungskraft wird da nicht aufgewandt, um srch beispielsweise vor dem Aufgabenmachra so lang wie nur möglich zu drücken! Mit wievielerlei Künsten wird versucht, gefürchtete Stunden zu schwänzen! Man glaube aber beileibe nicht, daß die Erwachsenen um einen Deut besser wären Seren Drückebergerei ist nur mannigfaltigerer Datur. da ihre verschiedenen Veranlagungen sich ausgesprochener geben, als die der Kinder. Da gibt es Frauen, die eher ihr ganzes Haus von eben bis unten putzen, als dah sie svch hinsetzen und einen wichtigen Brief schreiben, und um­gekehrt kann die gleichgültigste Korrespoichenz als höchstnoiwendig zur Entschuldigung dienen, um möglichste Hinauszögerung einer anderwei­tigen Verpflichtung zu motivieren.

Was kann nicht alles Flucht ins Leichter« fein? Hingaoe an die Macht der Gewohnheit, aber auch gewaltsame Erzwingung eines Wechsels zur Beendigung unerträgli^en Zustandes. Güw kann Flucht ins Leichtere fein, ebensowohl wie Strenge, Hörte ebensowohl wie Weichheit, Offen­heit wie Verstellung.

Auch als Krankhrit sehen wir die Flucht ins Leichtere auftreten. Feine Beobachter stellen oft­mals fest, daß sie sich gerade zu Zeiten, wo ihnen die Anforderungen des Lebens an Arbcit und gesellschaftlichen Verpf ichtungen über den Kopf zu wachsen drohen, z. D. in der Trambahn an- stecken und durch eine Grippe, »die sie sonst nie bekommen hätten", acht Tage Bettruhe diktiert erhalten.

Man unterschätze die Gefahr nicht, die die fortgesetzt geübte Flucht ins Leichtere darstellt, und gebe sich Rechenschaft darüber, daß sie in letzter Steigerung auch zur freiwilligen Flucht aus dem Dasein führen kann.

Wo immer sich Wahl des Schwereren feststellen läßt, um eines Ehrgeizes, eines Werkes oder eines anderen Menschen willen, da darf man aus mehr als gewöhnliche Stoßkraft, Begeisterungs- fähigkeit ober Herzen- wärme und demgemäß auf verstärkte Erfolgsau. sichen fchliesten.

Für Pädagogen besteht hier vielleicht die auf­schlußreichste Ansatzmöglichkeit. Gewiß kann bei Kindern Flucht ins Leichtere aus äußerer und innerer Entwicklung heraus bedingte Gründe haben, die zu achten sind. Immerhin dürfte heute, wo man vielfach dazu neigt, die Konflikte der Jugend In verderblicher Weise zu verwöhnen, eine maßvolle Tendenz, die grundsätzlich auf Inangriffnahme und Bewältigung des Schwere­ren hinarbeitet, nur von Ruhen fein.

Es wird sich ja für den Einsichtigen ohnehin um nrchtS weiter als um ein ehrfurchtsvolles Belauschen von Aaturgesetzen bandeln, deren tiefste Verwurzelungen dem typgebundenen Ein­zelnen Geheimnis sind und wohl auch bleiben müssen. 2. v. D.

Daten für Freitag, 2. November 1928.

Sonnenaufgang 6.55 Uhr, Sonnenuntergang 16.32 Uhr. Mondaufgang 19.59 Uhr, Monduntergang 12.42 Uhr. _

1766: der österreichische Feldmarschall Graf Ra­detzky in Trzednitz geboren; 1827: der Orientalist Paul de Lagarde in Berlin geboren.

Notschrei aus dem Sowjetparadies.

Ein ehemaliger russischer Kriegsgefangener, der aus der deutschen Wolga-Kolonie am Schwarzen Meer stammt, hat sich feiner ehemaligen Arbeit­geber in Deutschland erinnert. Der Landwirt Ludwig Decker in Wieseck erhielt dieser Tage einen Brief, der in seinem rührenden Ber- trauen auf die Hilfe der deutschen Landsleute ein schönes Dokument ist für die guten Bezie­hungen, die während des Krieges zwischen den Kriegsge'angenen und chren deutschen Arbeit­gebern herrschte. Der Dref schildert, erschütternd in seiner knappen, wortkargen Art. die schwere wirtschaftliche Rotlage der deutschen Kolonisten im Wolgagebiet. Sie müssen Boot und Kartoffeln kaufen, ohne das nötige Geld zu haben und wissen nicht, wo sie ihr Futter für die Kühe und Pferde auftreiben sollen. Run, wo der Winter vor der Tür ist, haben sie keine Klei­dung und leiden Hunger. Der ehemalige Kriegs­gefangene erinnert sich bann mit großer Liebe des schönen Wiesecks und einer Reihe dortiger Be­kannten und bittet um HAfe für sich und seine notleidende Familie. Gewiß werden viele Wie- feder gerne Gelegenheit nehmen, sich des Jakob Bachmann in Rohrbach, Station D-resowka, Kreis Odessa, Gouvernement Cherson, in Ruß­land zu erinnern.

^Lv.encr Wochenmarttpreisc.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 12 bis 20, Weiß­kraut 8 bis 15, Rotkraut 15 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 40, Unter Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 bis 60, Feldsalat 100 bis

Abg. Frau Weber (Z.) erklärt namens -ihrer Parteifreunde, den Antrag auf Sterilisation von Verbräm ablehnen zu müssen aus Grün­den, die die Person des Verbrechers und die Der- antwort!.chkctt des Menschen betreffen, wie aus staatsrechtlichen Gründen.

Abg. Dr. Hanemann (Dn.) bemerkt, die An­sichten auch feiner Freunde feien sehr schwankend und die Mitglieder könnten nur nach ihrem per­sönlichen Empfinden und ihren Erfahrungen sich entscheiden. Er persönlich stehe dem Gedanken des Antrages nicht von vornherein ablehnend gegen­über. Er beantrage Ueberweifung an einen Unter­ausschuß. Nach weiterer Debatte werden die An­träge mit dem Paragraphen 62 einem Unteraus- schuß überwiesen.

Nunmehr soll nach den früheren Abmachungen im Ausschuß über die Beibehaltung oder Abschaffung der Todesstrafe abgestimmt werden.

Vorsitzender Abg. Dr. Kahl (D. 23p.) hatte zur Sicherungsverwahrung noch einen Antrag eingebracht, der in die Paragraphen bezüglich der Sicherungsverwahrung folgenden Paragraphen ein- fügen wollte: ..Ein wegen Mordes zu lebens­langer Zuchthaus ft rafe Verurteilter ist im Falle einer Begnadigung In Sicherungs­verwahrung zu überführen. Das Gericht hat nach Ablauf von drei Jahren zu prüfen, ob durch Entlastung des Verwahrten die öffentliche Sicherheit qesährdet wird. Bei der Entlastung kann das Gericht bem Verurteilten einen Aufenthaltsort an- weifen, ihm besondere Pflichten auferlegen oder ihn unter Schutzaufsicht stellen.-

Vors. Abg. Dr. D. Kahl (D. V.) erklärte, daß er für die Aöschafsung der Todes­strafe stimmen werde, aber nur unter der Voraussetzung, dah später sein Antrag zur Sicherungsverwahrung ange­nommen werde. Sollte dies nicht der Fall sein, so müsse die Abstimmung über die Abschaffung der Todesstrafe wiederholt werden. Es soll sich also nur um eine vorläufige und be­dingte Abstimmung Handelm Da einige Ausschußmitglleder daran festh.elten dah jetzt unbedingt tot Behandlung des Kahlschen An­trages zur Sicherungsverwahrung erst über die Frage der Beibehaltung oder Abschaffung^ der Todesstrafe abgestimmt werden solle, so erklärten andere Ausschuhmitglieder, dah sie sich an der Abstimmung über die Todesstrafe zunächst nicht beteiligen wollten da sie geschäftsordnungömäßig gegen die augenblickliche Vornahme der Abstim­mung feien.

Bei der Abstimmung über den sozialdemokrati­schen Antrag, die Todes st rafe zu strei­chen. stimmten für den Antrag die Sozial­demokraten und die Kommunisten, von den Demokraten stimmte für den Antrag Frau Abg. Lüders und schließlich stimmte unter der bekanntgegebenen Voraussetzung für den Antrag der Vorsitzende des Ausschusses, Abg. Dr. D. Kahl (DVP.). Die übrigen Ausschuß­mitglieder beteiligten sich aus geschäftsordnungs- mähigen Gründen an der Abstimmung nicht, so daß formal der Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe mit 14 (vierzehn) Stimmen im Aus­schuß angenommen ift.

Abg. Dr. Hanemann (Sn.) sieht in dem Antrag Kahl eine Abschwächung gegenüber den früheren Erklärungen des Abg. Dr. Kahl, denn damals habe er dauernde Sicherungsverwah­rung solcher Verbrecher gefordert. Seine Freunde könnten deshalb dem Anträge nicht zu st im»

120. Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 biS 15, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 40 bis 70. Kartoffeln 5 bis 6. Aep.el 20 bis 40, Birnen 10 bis 30, junge Hähne 90 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 90 bis 120, Russe 60 bis 100, Hagebutten 15 Pf. das Pfund! Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 10 bis 20, Endivien 10 bis 30, Ober Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 15 Pf.; Weißkraut der Zentner 6 bis 7 Mk., Wirsing 10 bis 12, Rotkraut 15, Kartoffeln 5, Aepfel 20 bis 35, Birnen 10 bis 20 Mk.

Borrwtjzcn.

Taaeskakender für Donnerstag. Vortrags-Vereinigung: Experimentaloortrag, 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität. Gießener Ruderaefellschaft 1877 e. V.: Generalversammlung, 8.30 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Heilige und ihr Narr". Astoria-Lichtspiele:Der Löwe des Hafenviertels".

Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt­theaterbureau wird uns geschrieben: Die morgen stattfindende Aufführung von Shakespeares Richard UL* beginnt um 19.30 Uhr. Spielleitung hat der Intendant. Am Sonntag, 4. November, findet als Sonntu^gaftfpiel des Frankfurter Neuen Operettentheaters zu ermäßigten Preisen die in Frankfurt mit großem Erfolg uraufaesührte Operette Liebe und Trompetenblasen* nach Hans Sturms und Hans Lachwitz' bekanntem gleichnamigem Lust­spiel statt. Diese Operette war einer der durchschla- ge..dften Saisonerfolge des Frankfurter Neuen Ope­rettentheaters.

Hefsifch-DaterländifcherBlock. Am nächsten Sonntagnachmittag spricht auf der.Liebigs- höhe* Freifrau von Hadeln überDie sittliche Verantwortung der Jugend". Anschließend sollen zwei bemerkenswerte Filme gezeigt werden. Näheres in der heutigen Anzeige.

PrufungS-Konzert der Kla­vierschule von Marie Körner. DaS Programm des am Sonntag, 4. Rovember, vor­mittags 11 üfjr im Saale der Schule, West­anlage 48, ftattfinbenben Prüfungs-Konzertes bringt Werke von Händel, Mozart, Schubert, Bellini, Schumann, Kirchner, Weber, Wind­sperger und Kompositionen für die Jugend. Das Konzert findet zum Besten der Schwesternhäuser statt.

Der Mandolinen- und Gitarren­vereinReapolita" Gießen wird am Sonntag 11. Rovember, nachmittags 4,30 älj>r, in der Reuen Aula der älniversität sein diesjäh­riges Herbstkonzert abhalten. Das Konzert ge­winnt eine besondere Rote dadurch, daß es dem Verein gelungen ist, dir Mcrndolinmvereine von Fraickfurt-Bockenheim, Hanau und Wieseck zu einem Massenchor zu vereinen. Unter der Lei­tung von Hans Sonntag (Gießen) werden Werke von Mozart, Th. Ritter, Liprandi, Gar­ton u. a. zum Vortrag kommen. Es werden hier erstmalig in Gießen Massenchöre auf Saiten» inftrumenten zu Gehör gebracht. Man beachte die heutige Anzeige.

Der .Wandervogel Höhenflug", Gießen, behördlich anertannler Verein für Ju­gendpflege, veranstattet am Sonntag, 4. Roo., nachm. 3Vg älhr, im Restaurant .Postkeller'' ein Werbe Konzert, bestehend aus Strich- und Zupf- mufit Das Konzert soll der wandernden und musikliebenden Jugend Gelegenheit geben, sich mit den Bestrebungen der Jugendpflege befannt- zumachrn. Siehe heutige Anzeige.

* Provinzialausschuß Oder Hessen. Am Samstag, 3. Rovember, vormittags 8.30 älhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regie­rungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Ober­hessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Ludwig W e h r u rn, Architekt, Gießen, gegen die Stadt Gießen wegen Heranziehung zu den Straßenbaukosten des Leihgesterner Weges. 2. Klage des Bezirksftirsorgeverbandes Wieden­brück gegen den Dezirkssürsorgeverband Fried­berg wegen Erstattung der entstandenen und noch entstehenden Kranlenhauspflegekosten für Georg Schutt. 3. Klage des Dezirkssürsorgeverbandes Frankfurt a. M. gegen den Dezirksfürsorgever- band Friedberg auf Erstattung von Unter- stützungskosten für Paul Schellenberger.

** Gesperrt-« Vieheinfuhr. Der hessi­sche Minister deS Innern hat dir Regierungsbe­zirke Hannover, Oberbayern, Schwabm und den Donaukveis bis auf weiteres als stark verseucht bezeichnet. Alles aus diesen Gebietsteilen nach tessen einaesührte Zucht- und Ruhvieh (Rinder, chafe, Schweine, Ziegen) unterliegt demnach dec fünftägigen Absonderung nach Maßgabe der ge­gebenen seuch.npolizeilichen Vorschriften.

' Straßensperre. Wegen Walzarbeiten ist der Hohl Eichweg von der Rodheimer Straße ab auf eine Länge von etwa 500 Meter bis auf weiteres für allen Fährverkehr poli­zeilich gesperrt.

Personalien. Ernannt wurden durch Entschließung des Ministeriums für Ka.tus und Bildungswesen die ©tub ".enref erenbare Ot.i.ie Weber und Alice Ackermann in Gießen zu Studienassessoren.

** Rücktritt der Oberschwester Marg. H a st e r. Für die Frauenklinik und die Medizinische Klinik hat der heutige 1. November seine besondere Bedeutung. In der Frauenklinik verlaßt heute die seitherige Oberschwester Margarete H,ast er ihre leitende Stellung, um sich im Aller von über 74 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zurückzu- ziehen. 35 Jahre lang war sie an der Frauenklinik in musterhafter, vorbildlicher Weise tätig. Ihre gro­ßen, unvergeßlichen Verdienste um diese Anstalt hat deren Direktor, Professor Dr. v. Iaschke, kürzlich

bei einer internen Feier mit herzlichen Dorten der Anerkennung und des Danke» hervorgehoben. Ober­schwester Margarete Ha st er wird ihren Lebens­abend im Mutterhause des Alice-Frauenoereins vom Roten Kreuz in Darmstadt zubrinaen.

* Feuerbestattung. Än den fünf im Freistaat Hessen bestehenden Krematorien fanden im dritten Quartal im ganzen 201 Ginä'cherungen statt (gegen 167 im gleich:n Zeitraum 1927). Es entfallen davon auf Darmstadt 25 (22), Fried­berg 12 (9), Gießen 25 (15), Mainz 71 (57), Offenbach 68 (64).

D ä s Hotel Hindenburg im SelterS- weg eröffnet heute feine neu hergerichteten Re- staurationsräume. Rach etwa vierteljähriger 11m* bauarbeit entsprechend einem Entwürfe und unter der Bauleitung des Architekten Daurai Metzer kann der Bauherr, Hotelier G l g e S. seine Gäste nun in einem Lokal empfangen, daS sich in vorteilhafter Weise präsentiert. Durch «v- heblichen Srmenumbau wurde ein räumlich grö­ßerer und lichter Restaurationssaal geschaffen, dem sich seitwärts ein kleiner Saal für Veran­staltungen interner Art anschließt. Beide Ro­staurat wnsräume haben durch die Verwendung von Holzverkleidung in heller Eiche bis zu etwa Wanneshöhe und durch lichte Farbengebung der Wände eine angenehme Rote erhalten. Die Be­leuchtung entspricht großstädtischen Maßstäben. Gleichzeittg mit der inneren Umgestaltung des Hauses wurde der Eingang zu den Gasträumen modernisiert und an der Frontseite des HauseS eine Reuherrichtung öor genommen, die daS Unternehmen auch nach außen hin in würdiger Weise in Erscheinung treten läßt.

an 11 dem Motorrad verunglückt ist gestern nachmittag gegen V22 Ahr in der Räbe des Forstgartens im Stadtwald ein Motorrad­fahrer aus Gießen. Der bedauerndtoette Mann hat dabei erhebliche, .anscheinend innere Ver­letzungen davongetragen. Die Arbeitersamariter- Kolonne leistete die erste Hilfe und verbrachte ihn mit dem städtischen Sanitätsauto nach seiner Wohnung. Das Motorrad wurde zertrümmert. Lieber die Ursache fr?ä llnglücksfalles ist bis jetzt noch nichts Bestimmtes bekannt geworden.

* Richtigstellung. 2n dem De>richt über die Padd-er-Gilde Gießen (Gieß. Anz. v«m vori­gen Freitag) muß es richtig heißen, dah die von dem einzelnen ausübenden Paddler zurück­gelegte durchschnittliche Paddelstrecke sich auf 300 bis 400 Kilometer beläuft, nicht -000 bis 5000 Kilometer.

Mangelnde Auiobusverbindung Klein-Linden Gießen.

Aus Klein-Linden wird uns geschrieben: älnsere gegenwärtige AutobuSverbtn- dung mit Gießen ist völlig unzurei­chend. Ramentlich an den Gießener Markttagen, Dienstag, Donnerstag und Samstag, ist der Autobus von Hochelheim und Lützellinden her so ft aal besetzt, daß er oft, ohne in unserem 2000 Seelen zähleirden Dorfe haltzumachen, direkt nach Gießen durchfährt. Erst wenn der Hauptwagen dort ankommt, wird von Gießen aus ein zweiter Wagen nach Klein-Linden, viel­leicht sogar erst nach Lützellinden geschickt, um die dort wartenden Personen abzuholen. Ratür* lich kommen die Fahrgäste ohne ihr Verschulden zu spät an ihre Gießener Arbeitsstätte, bzw. die Kinder, die nach Gießen In die höheren Lehr­anstalten gehen, zu spät zum Unterricht. Dah unter diesen Umftän&en viele Leute unser ein­ziges Verkehrssahrzeug, den AutobuS, überhaupt nicht benutzen können, liegt auf der Hand, denn ein Verkehrsmittel, das seine Fahrgäste mW halbstündiger Verspätung an die Arbeitsstelle bringt, wird von vielen abgelehnt und darf nicht darauf rechnen, von der Allgemeinheit be­nutzt zu werden. Die abendlichen Fahrten ab Gießen sind direkt mit Gefahren verbunden, da in das Auto, das nur etwa 30 Personen saßt, dutoeilen 60 Personen hineingepfropft werden. 3m Führersitz sitzen und stehen zuweilen biS zu 6 Personen, so daß sich der Führer selbst kaum bewegen kann. Man muß sich wirtlich Wun­dern, daß bis jetzt die Fahrten immer so glatt ab gelaufen sind.

(Die Bewohner Klein-Lindens konnten sich fetzt eine ausreichende und regelmäßige K ra f t o rn n i b u s ve rb i n d u n g mit Gie­ßen schaffen, wenn sie sich in weitblickender Weise an der Autolinie beteiligen würden, die schon in allernächster Zeit von der Stadt Gießen ein­gerichtet werden dürste und nach den bisheri­gen Dispositionen vom Stadtzentrum aus bis an die südliche Stadtgrenze versehren soll, sehr wohl aber auch bis nach Klein-Linden fahren konnte. D. Red.)

Berliner Börse.

Berlin,!. Nov. (WTD. Funkspruch.) Auch heute ist wieder vollkommene Zurückhallung bei den Ban­ken zu beobachten. Man scheint weiter zur Schwäche zu neigen, da anregende Momente nicht vorliegen, und die Aussperrung in der nordwestdeutschen Eisen­industrie, schwache Auslandbörsen usw., zur Zurück­haltung mahnen. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt hort man: Paris 124,11, das Pfund 484,88, den Dollar 4,197750, Madrid 30,08. __

DteAubmNch gevkmr imMrgen des Säug, lings zu groben Klumpen, die viel schwerer zu ver- bauen sind alS die feinen Flocken, die sich auS der Muttermilch b.lben. Denn Sie der Kuhmilch einen Zusah vonKufeke" geben, so tritt auch bei dieser eine feinsiockige Gerinnung dn, gleichzeitig wird der Nährwert der Milch erhöht, und Ihr Kind bleibt vor Derdauungsbeschwerden bewahrt.

Dein Kaffeekränzchen kommt zu Gast, Weit heut'an Dip die Runde, Das Backen wird Dip nicht zur Last-

WennOetker mit im Bunde.

Dr Oetkers

Backpulver wodwi

Ans Dr. Oetker* Rezeptbuch F. Überall für 15 Pfennig erhältlich, wenn vergriffen, gegen Einsendung von Marken von mir direkt.

Zubereitung: Zu erat bereitet man den Teig. Die Butter röhrt man zu Sahne, fügt Zucker, El. da» mit dem Backrti gemischte und gesiebte Mehl, Milch und eine Prise Salz hinzu. Diesen Teig rollt man auf dem Blech der gefetteten Springform reichlich H Zenti­meter dick aus. Die Butter zum Belag laßt man schmelzen, fügt den Zucker, VanllHn-Zucker, die gemahlenen Mandeln und 2 EB-

Idffel Milch hinzu, läßt alles noch einmal gut durch kochen, streicht die Masse auf den Teig und backt den Kuchen bei Mittelhltze reichlich *4 Stunde.

Zur Füllung bereitet man eine Buttercreme, indem man I Päckchen Dr. Oetkers Vanille-Soßenpulver mit */io Liter MUch und 60 g Zucker unter ständigem Umrühren zum Kochen bringt und dann die Creme bis zum Erkalten rührt. Man läßt 20 g Kokosfett über schwachem Feuer zergehen, rührt dieses bis zur butterweichen Beschaffenheit, gibt nach und nach die Butter hinzu und rührt löffelweise die Creme darunter. Den erkalteten Kuchen schneidet man in 2 Scheiben, streicht die Buttercreme dazwischen und letzt sie aufeinander. Es empfiehlt sich, den Kuchen erat am Tage des Gebrauche» zu backen.

Dr. August Oetker, Bielefeld.

Zutaten zum Telgr 100 g Butter, 1 Ei, 100 g Zucker, % Pfund Mehl, y, Päckchen Dr. Oetkers Backin-Backpulver, 3 Eßlöffel Milch, etwas Salz.

Zutaten zum Belag: 100 g Butter, 100 g Zucker, 60 g Mandeln, y, Päckchen Dr. Oetkers Vanillin-Zucker.

Zutaten zur Füllung: l Päckchen Dr. Oetker e Vanille-So ßen- Ei'.ver,/* Liter Milch, 60 g Zucker, 20 g Kokosfett, 100 g utter.