Nr.l?y Zweite; Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Mittn'och, V August (928
Aus Ser Provinzialhaupistavt.
Dich en. den 1. August 1928.
wichtiges Lustbaden.
□Denn die Lonne es vermocht Hot. uns an freien Tagen au» bc.n engen Ara» ter Stadl fcinau»^ultxf?n, so begcgren wir schon in dieser 3abrc»'.eit sehr oft braunen Gehalten ter 6portier. die im Dootr oder beim Zeit ihren freien Tag verbringen Arid ergrci t einen, wenn man die eigene milchfarbene ^aut mit ter gesunden Farbe ter anderen v . rgl eicht. und es regt sich so etwa» wie ein (!e uhl ter Zurücksetzung terch da» Schicksal, da» 'v vielen dic häufige Betätigung in ter frechen Luft nicht zu gönnen lchemt.
Ater c» gehört wirklich nicht viel te-u. um tote ein waschechter Mulatte durch den Sornmer zu spazieren, wichtig ist nur die Art ter Anschaffung d.eler Sorte Ten ge lznet-n Platz biclet jede fottlchrtttlich cmcc'ie Itr Stabt ihren De- wohncrn in dem Lultted. da» jede n Gelegenhelt gibt, vor ober nach feinem Achtstundentag oder ater in ter Mittagspause einige Stunden dem mißhandelten Körper zu leben. Tie Lage te» BateS am Walte ober am Fluh garantiert gute, bakterienarme, ftaubfrclc Luft.
Doch eHebl man. das, für viele Tc'udxr ba» ßuftbaten n.cht etwa m der Hauptsache eine Frage ter Gesundheit ist. sondern vielmehr al» eine An SchönheitSkur gehandhabt wird, bei ter e» nur darauf antomml. das dunkelste Braun zu erreichen. Hochgcbirgs- und Seebabbraun sind ter gesuchtesten Farbtöne. Zu diesem Zweck legen ,;e sich stundenlang in die Sonne und lassen sich buchstäblich braten. Die Folge davon swd Verbrennungen ter Haut mit Fieter- ericheinungen und teftigen Schmerzen, Schüttelfrost und Mattigkeit Da eben viele Menschen glauben, dast man nur in ter Hellen Sonne braun werten farm, so ist an bedeckten oder gar trüben Tagen nicht viel ..Betrieb". Zunächst dazu einmal eine Richtigstellung. Die Sonne bräunt an den Tagen mit „diffusem" Licht mindestens ebenso ft art, oft fogar noch stärker al» an klaren Tagen. 3m übrigen kommt e» aber überhaupt nicht auf btc Bräune ter Haut an, sondern vielmehr auf die Bewegung te» entblößten Körper» in der frischen Luft. Bewegung ist da» Geheimnis te» CI rf tilge» beim richtigen Luft baten Springen. Laufen. Spielen, damit die Atmung gefördert wird, die Muskeln arbeiten. Und dann zur Reinigung ter Poren von den Hautau-dünstungen hinein tn das srifche Wasser oder unter die Btaufen, die aber nicht etwa zum pantschen angelegt sind. Bei lebhafter Betätigung zeigt es sich dann ganz von leibst, dah man bc. starker Sonne im Schalten bkiben muß. um ein häufiges und bann schwächendes und recht überflüssige» Schwitzbad zu vermeiden. Die Ruhepausen in der beißen Sonne find nicht zu lange auszutehnen und besonder» dann abzutürzen. wenn sich statt ter erwarteten Srsrischung eine Ermüdung durch daS Lustbaden feststeilen läßt, öfl ist deshalb ratsam, erst mH kurzen Bädern zu beginnen und sie allmählich zu verlängern.
Die gesündesten Luftbäder sind aber immer bk. die man, aus ter Stimmung und ter Stunde geboren, an freien Tagen draußen m ter herrlichen ®otte»natirr ansetzt, sei e» nun bei einer Pad des tour ober bei ter Arbeit an dem nächtlich beherbergenden Zelt. Ballspiel, Bad und Buch kürzen tec Stunden. Wenn die Hebel über dem Fluß aufsteigen, brodelt im Kochtopf die Abenbfuppe Sin hüblche» Rachtlied läßt den Tag verklingen, ter dem Menschen wirkliche geistige und körperliche Erholung brachte.
Daten für Donnerstag. 2. August.
Sonnenaufgang; 4.25 Ubr, Sonnenuntergang: 19.47 Uhr Mondaufgang. 20.46 Uhr. Monb- untevgang; 4.45 Uhr. .
1788: ter englische Bildnismalcr Thoma» Gamsborvugh rn London gestorben (geboten
Gießener Siavtiheaier.
Liegsried (Wer: „Kleine Komödie".
Kleine Komödie; seht Heine Komödie; manchmal fo klein, daß nur em großer Schwank übrig bleibt Aber recht luftig. Und beinahe ein bißchen zu fern für Somme rtheat er. Dämlich manchmal bftyt doch ein Ctüddxm echte Äomöbic auf Obgleich die Möglichkeiten dazu nicht ausgenutzt sind.
Uebrigcn». wenn wir nicht irren, hat der Verfasser, De her. berufsmäßig irgendwie mit dem Theater zu tun. Möglch. daß wir auch einen andern mehren (ben Dramaturgen von Professor du gen Robert), — aber es haßte an sich nicht übel: e» tft etwas an ter Machart die'es Theaterstücks, am Sitz dieser drei Akte, da» ist nicht von ungefähr; und weder bei echten Komödien noch bei echten Schwänken besonder» häufig zu fmten.
Da» Bestechende an dem Spiel ist, nächst der Fabel, daß e» nicht stecken bleibt. Es Läuft. E» verwickelt sich nicht im eigenen Retz SS fintel den Ausweg. Und zwar fast immer em wenig später (auf ter Bühne), als ter Zuschauer (im Parketts ihn gefunden hat oder ahnt. Da» ist schade und, mit einem Fachausdruck, „vieux jcu".
Aber e» läuft, unbestreitbar und ganz qued- Iübern. Man unterhält sich Zwei Stunden vergehen im Ru. Man amüsiert sich. Rachzudenken beginnt man, (eiter, erst auf dem Heimweg. Für cme Komödie allo mindestens eine Viertelstunde zu spät. Die Begründung dafür ist irgendwo bei ®oetbt zu finden. (Mit dem man übrigen» fast <rfle< tegrünten kann.)
SHe Fabel. Also, das ist fo: wenn ter Herr ba» Hau» verläßt, tanzen die Mäuse über Tisch und Bänke. Sehr niedliche Mäuse.
-®«nn bet Herr Baron abends ausgeht, bc- stEÜt sich ter Kammerdiener durchs Telephon euiAente^vous in ter vornehmen Wohnung, '□teßt den Smoking des Barons an, raucht seine Zigaretten, trinft seinen Schnaps. Wenn dann
$*5* -u früh zurückkommt: das ist ein &'c ehemals so beliebte Militär- boffe. (Der Leutnant und ter Bursche.,
Wenn aber ter zurückgekehrte Baron (im cinnc des Autors) Humor und Laune hat, macht er keinen Krach, sondern zieht stillschweigend die Livree seines Bedienten an. Mit diesem
Sie Unaiizwirtschasi der Provinz Sderheffen.
Darlegungen der Provinzialdirektion.
E.ne Prc'lcpolemik gibt ter Provinzial- birchion An.aß zu ausühr.rchen Darlegungen übet die Finanzwinschaft ter Provnz Oterhessen. denen wir folgende für die Oef senil ich teil interessante Witterungen entnehmen Eine eigene Stellungnahme tehai.en wir uns vor.
Die Finanzen der Provinz, die solange al» günstig anzu sprechen waren, a.j nicht die Vai en lür kne S.raßenunterha^ung auf ihre Schultern gelegt waren, erfuhren mit die,em Augenblick eine Spannung, was äußerlich dadurch zum Ausdruck kam, daß ab 1. Apr.l 1927 die Umlagen erhöht werten mußten und daß man zur Verhütung einer sonst no.wendigen ©eueren Erhöhung falt den gesamten jäh.i.chen Betriebsüberschuß aus dem Wallerwer! heranzog. Auf d.ele Welle gelang e» bi» jetz:, den (Stat im Gleichgewicht zu halten. Allerdings wird sich aber auch die Hoffnung auf einen Avbau der Umlagen solange nicht verwirklichen lassen, al» nicht die Provinzialstraßen in einen einigermaßen erträglichen Zustand gebracht (cm werden. Sine Besserung der Slraßenverhällnllse ist nur allmählich möglich, da die hierfür trotz der geschilderten Anspannung zur Verfügung stehenden Mittel nicht auSreichen, um die aus ter Kriegs- und Inflationszeit her- rührende Vernachlässigung, verstärkt durch die infolge wachsender Beanspruchung verursachten Bescteidigungen und Abnutzungen we.tzumachen. Ss muß auch bei dieser Gelegenheit betont werden, daß die Herabsetzung ter Kraftsahrzeug- fteucr im laufenden Jahr und die für die nächsten Jahre in Aussicht gestellten weiteren Ermäßigungen nicht dazu beitragen, den durch den zunehmenden allgemeinen als auch Autolinienverkehr schwer notleitenten Straßen nachhaltig aufzuhelfen Den bei weitem größten Teil te» Etats nimmt demgemäß auch die Straßen Unterhaltung in Anspruch, nämlich von den sich im Gesamten auf 5 567 270 Mk. belaufenden AuS- ?aten entfallen 4 940 000 Mk. auf die Straßen.
»'n diesem Betrag sind jedoch die Mittel au» der Kraftfahrzeugstcuer, die ter Provinz überwiesen werten, sowie die Anleihemittel enthalten. Wenn man nun aus der Höhe ter DerwaltungSkosten für di« Straßenbauverwaltung und aus ter Zahl ter hierfür notwendigen Beamten schließen würde, daß es verkehrt war, die Provinz zum Träger des Straßenwesen- zu machen, so erscheint diese Schlußfolgerung, sofern sic sich nur auf dies« beiden Momente allein stützt, nicht ausreichend begrüntet. Wenn man davon ausgeht, daß die Kreise auf die Dauer ten finanziellen Lasten, dic mit dem Umbau ter Straßen für ten heutigen Kraftfahrzeug verkehr verbunden sind, nicht gewachsen gewesen wären und daß an ihre Stäle schon im Interesse einer DeremheUllchung te» Aus- und Umbaushstem» ein größerer Verband
erörtert bleiben Wa» w^entklch ist. daß die Kosten dadurch ncht geringer geworden wären, denn die 2300 Kilome.er Ci raf.cn in Otertzesien wollen verwaltet und untetßaken km. gleichgültig. ob ter Sitz ter Bewölkung in Gießen oder in Darmstadt wäre.
Aehnlich ist ein Vorschlag zu temer.cn. die Provtnzialvr rwaltungen in Hrsien al» vollständig überflüssige Einrich.ungen auzuheben und chre Geschäfte anderen Stellen zu übertragen. Wenn ter Ausgangspunkt d.e er Betrachtungen die Erzielung von Ersparnissen fein soll, (o mühte ter Rachweis gelle ert werten, daß tatfächllch die anderen Stellen, denen die Tä..gleit und die Derwaltungsgertchivbarkett ter Provinzen übertragen werten sollten, billiger zu ar teilen in ter Lage wären.
Es ist ferner bemängelt worden, daß da? Wasserwerk Inheiden nur 250000 Mk. jährlich an die Provinziallalsi
Unterhaltung. Betrieb. Abschreibungc., und Rücklagen werden al» viel zu kostspielig und hoch hmgestcllt. wobei die verschiedenen Begriffe mit- etnanter in Kollision geraten Für jeden Verständigen ist es klar, daß. wenn man au» einem Betritt» ' Einnahmen erz.e.en toill, die Werksanlagen unterhalten werten mühen, daß diese Unterhaltung Geld kostet und daß daneben die Betriebs jührung ebenfalls Kosten verursacht. Es wird schließlich kritisiert, daß 6ic Strom- und Kohl en kosten des Pumpstation 116 000 Mk. betragen, obgleich sie. wenigstens wa» die ersteren angeht, ter Provrnz zu Selbstkosten zur Verfügung stehen. Jeter Äenr?r der Verhältnisse weiß, daß die Provinz (äleterfanötocrlj den elektrischen Strom einkaufen und daß sie ihn an das Wasserwerk Inhelden tociter'lcitcn muß. Daß ter eine Provinzbetrieb dem anderen nichts schenken kann, ist klar. Daß aber ter Strom zu den denkbar billigsten 2k bin jungen an das Wasserwerk geliefert wird, ist schon deshalb notwendig, weil ihn sonst das Wasserwerk nicht ab- nehmen, sondern sich dic erforderliche Kraft selbst Hersteillen würde. Ater ohne Geld ist auch keine elektrische Energie zu erhalten, selbst wenn sie „zu Selbstkosten zur Verfügung stehen sollte". Ds wird endlich gefragt, warum die Provinz ihre Einnahmen aus tem Wasserwerk nicht zur Steuererleichterung ter Landwirtschaft braucht, btc drei Viertel des enormen Umlagebedarfs ausbringen müsse. Diese Frage ist bereits dahin beantwortet, daß die Provinz ihre Einnahmen aus dem Wasserwerk bi» auf einen verschwindenden Rest zur Senfung der Umlagen verwendet. Außerdem ist es nicht richtig, daß die Landwirtschaft drei Viertel te» Umlagetedarfs bestreitet. Zum Schluß sei noch hinsichtlich ter
treten mußte, fo wäre nur ter Staat in Frag« gekommen, wollte man die Provinzen ausschaltai. Ob dies zweckmäßig gewesen wäre, mag wo
für die Dassernverlorgung bctoelhgten Mittel angeführt, daß sie nicht, wie behauptet wird, au» taufenden Mitteln entnommen werten, sondern daß ter Betrag von 48 000 Mk. durch KaprtaL- aufnahme geteert wird.
1727); — 1815. ter Dichter und Literarhistoriker Adolf Friedrich Graf v. Schack tn Schwerin geboren .gestorben 1894); — 1868: Konstantin. König von Griechenland. tn Athen geboten (gestorben 1923V
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Fürstenkind". — Astoria-Lichtspiele: „An der schönen blauen Hönau*.
ee Offiziersanwärter für die Reichswehr. Zahlreiche beim Reichswehr- Ministerium eingehende Gesuche um Einstellung als Offiziersanwärter müssen abschlägig beschie-
ten werten, well die Frist für die Meldungen abgelaufen ist. ES darf daher nochmals darauf yingewiesen werten, daß Meldungen für die Offiziers la ufbahn alljährlich nur vom 1. April bis 31. Mai erfolgen können. Wer ten diesjährigen Termin versäumt hat. kann, sofern et nicht überaltert ist, feine Meldung im nächsten Jahre bei tem selbst zu wählenden Truppenteil anbringen. Anwärter, die vor ter Reifeprüfung einer höheren Schule stehen, melden sich zweckmäßig nicht erst nach bestandener Prüfung, sondern im letzten Schuljahr zu dem sestgesetzten Termin.
•• Hessischer P o l izc ibc r i ch t. DaS Polizeiamt teilt mit: Am 25. d. M. wurde au»
Rollen tau sch beginnen die Möglichkeiten. Da» ist schon beinahe Komödie; groß ober klein — gleichviel Komödie, da» heißt, der Weg tn» Menschliche steht offen. Don ter Figurine zum Charakter, von der Puppe zum Lebewesen, vom Alltäglichen in» Immerwährende.
Mit der Umkleidung, dem uralten Mummenschanz und Verwechslungsspiel te» weltliterarischen Theater» aller Zeiten, hätte sich die Mög- sichkeit geboten. Schleier von ten Gesichtern und Hüllen von den Herzen fallen zu lassen. Verscherzte Möglichkeiten. Sehr kleine Komödie, die immer an der Oberfläche bleibt, am Spielerischen genug hat, an der Abwandlung überstürzter Situationen sich (und un») bescheiden freut.
Die scharf pointierte Schlußgruppc ist. kommentmäßig gesprochen, ein umgekehrtes Dierdorf. Gipfelpunkt ter Spielerei: Herr Baron und gnädige Frau (nicht seine, sondern die eines dritten, mit der er zarte Beziehungen soeben angeknüpft hat).. . bedienen ten Kammerdiener des Barons und dic Zofe ter gnädigen Frau beim Souper. Auf diese pikante Ruance also kam es Geyern an. Da liegt, mit Pallen berg zu sprechen, ter springende Punkt im Pfeffer. (Ober des Pudels Kern begraben. Wie es Euch gefällt.)
Zugegeben: Geyer hat — in seinem Sinne, also auf em Schau-Spiel bedacht — die Möglichkeiten ter Fabel erschöpft. (Den Weg zur wahren Komödie hat er sich selbst verbaute Er hat luftiae Einfälle gehabt und Variationen ausgeknobelt, die teils in» Lustspiel, teil» in ten Schwank gehören. Z. B. wenn jemand in» Tetern,immer gesteckt wird, sobald es klingelt und unverhoffter Besuch zu erwarten ist.
Und vor allem: er ist nicht, was ten meister, in feiner Lage passiert wäre, festgefahren und ftedenfleblieböL Er bat immer weiter gewußt. Ater eben nur weiter nicht tiefer. Seine Situationen. seine Figuren Weiten allezeit Reliefs, ohne Plastck. ohne Luft, ohne Raum. Alle» bleibt immer ein Spiel. SS wird nie ernst. (Ernst wird es in der Komödie:)
Sehr hübsch, wenn der Lakai das Kammermädchen im Kleid ter gnädigen Frau für die gnädige Frau, sie ihn im Frack te» Herrn für den Herrn hält. Die Satire hätte nahegelegen, ater Geyer ist viel zu lictenSwürdig dazu. Er ist
ein Ironiker, er schmunzelt und zwinkert nur ein bißchen und denkt sich sein Teil.
Oder toemt ter Herr wieder fortgehen muß, um den Diener mit seiner .vornehmen" Freundin nicht zu stören. Oder toemi er toicterfommt und ihm helfen muß, damit ter sich mit dem Mädel zurcchtfintet, wie ein Gentleman.
Und manches andere noch, wa» man nicht aufzählen kann und soll. Man soll hin gehen, bei ter nächsten Gelegenheit, und es sich ansehen
Spielleitung: Intendant Dr. P r a f ch Die Aufführung (wieder im Sinne deS Autor»): gepflegtes Theater. Drei Akte voll Schwung, Laune und witziger Regieeinfälle. Das läuft und klappt alle» auf» Stichwort. Für eine Komödie schon zu glatt und prompt und wohlgeölt. Außerdem mehrfach in die Karikatur abgleitend.
An zwei Spielern war das vor allem zu bemerken: Gare iS. ter aus tem eifersüchtigen Gemahl der gnädigen Frau einen tollten Mairn machte und stilmäßig au» dem Rahmen te» Stückes heraussiel; und Trute Heß. die eine versetzte Freundin de» Baron» zu spielen hatte, und deren an sich löbliches Temperament hier entschieden der leitenden, zügelnden Hand des Regisseurs bedurft hätte.
Auch Alix Krahmer (Kammermädchen), die manches kehr drollig machte, schien un» gelegentlich in ihrem Spiel zu outriert, zu ausgepulverr und absichtlich. Maria Koch, um bei ten Damen zu bleiben, hatte leider in der etwas dürftigen Rolle ter gnädigen Frau nur geringe Ehancen; hoffentlich bekommt sie bald eine so lohnende Ausgabe wie bei ihrem Rauheimer Debüt. und hofientlich in einem besseren Stück, al» jener wienerische Schmarren e» war.
Die besten und rundesten Leistungen des Abend» boten Basts und Tannert; Baste konnte al» Kammerdiener und falscher Baron feine schauspielerische Eigenart und Beweglichkeit famos entfalten: Tannert machte ein aparte» Kabinen stück aus feiner Verwandlung vom Baron zum Lakaien: das war mit Humor und PH «intakte und Gemüt gespielt. (Er sollte einmal den Ion Rand spielen. In einer großen Komödie. einer echten Komödie. Von Gerhart Hauptmann. ।
•
Der Betuch war hochfommerftch dünn. Dennoch tourte e» ein schöner Ettolg. 3uleßi mußte ter Intendant unter ten Semen erscheinen, Dr. Th.
einem Garten an der Hüttentergschen Bleiche ein Herrenfahrrad. Marke Presto-öaalburg. Fahr.k-Ar. 342 312, und am 27. d. M. au» tem Hose ter Ortskrankenka'fe in ter Ludwigstraßc ein fast neues Damenfahrrad. Warle D.amant, Fahr-Ar. 517 S60. m.t schwarzen mit grünen Streifen ver'ehenen Felgen entwende!. Am 2c-. d. M. wurde einem Suchenden in einer hie- ' ten Wirtschaft eine forme Taschenuhr mit 0'v.drand. an welcher ter Scluntenze ger fehlt, e-.itoentet. — Am 10. d M würd' m Watzenborn ein Damenfahrrad. Fabr »Ar. t-!2 647. durch e ;x Dienstmädchen grstoh.e" D e Täterin verkaufte da» Rad für 23 Mk. an eine Xlanm • verfon. vermutlich Allbändler. welcher einen Drückkarren mit Altmetall bei sich fübre. auf der Straß? zw.schen D'.eßen und K ein-r.indem Die öim.itlungen nach dem Käufer sind in die Wege geleitet. - Am 19. d M wurde zum Rach: ll des Mar.neverein» Gießen ein in der Lahn beim Bootshaus an der Margarethenhiitte besest gie» Boot im Werte von 4H) Mk. be'ä»ädigt. — In ter Rächt zum 28 d M. wurde da> Heverdenk- mai tn ter FriedhosSanlage in der Licker Siraße durch Abheben ter Büste be'chädigt. Personen, die über die Täterschaft Wahrnehmungen gemacht haben, werten gebeten, die Krirninalposizet in geeigneter Weise zu verständigen
•• Aufklärung von Diebstählen in den Badeanstalten. Am Samstag. 28. d. DL. wurde ein löjähriger ehemaliger Handelsschüler von auswärts, der sich vorübergehend in Gießen aufhielt, wegen D ebslahl» in ter DlüHer- schen Badeanstalt festgenommen Eine In feiner Wohnung vorgenommene Durchsuchung war von Erfolg. Vier Diebstähle konnten dem Beschuldigten nachgcwiesen werten. Am Sonntag. 29. d. DL. tourte ebenfalls in ter Müllerfchen Badeanstalt ein hiesiger. 13jädriger Schüler beim Diebstahl eines Portemonnaie» erwischt.
•• Dom Briefgeheimnis. Unbe ugte» Oefsnon eine» Briese» wird mit Geldbuße oder Gefängnis bestraft. Zur Befchlagnahme von Briefen ist nur der Richter, in manchen Fällen auch ter Staatsanwalt berechtigt. Post- und relegraphenanstalten find ater verpflichtet (auf Anordnung te» KonkursgeeichlS). die für ten Gemeinfchuldner eingehenden Sendungen. Bri? e und Telegramme, tem Konkursverwalter zur Oeffnung au»Aubänblgen.
•• D i e Pfänd ungSgrenze ist feit einiger Zeit erhöht. Für ten Angestellten find 195 Mark monatlich, für ten Arbeiter 45 Dtarf wöchentlich, für ten Taglöhner 7,50 Mark täglich jeder Pfändtma entzogen. Soweit dtefer Dettag durch daS tatsächliche Gehalt oder den Lohn Übertritten wird, ist ter Mehrbettag bis zu einem Drittel unpfändbar. Hat ter Schuldner Angehörigen Unterhalt zu geben und verdient nickst lnehr als 100 Mark wöchentlich, dann erhöht sich ter unpsändbare Teil te» Mehrbettages für jeden Unterhalt-berechtigten um ein Sechstel. lröchslenS ater auf insgesamt zwei Drittel te» Mehrbeträge».
• Persona 1 ie. Aus dem hesstfchen Schuldienst wurde am 24. Juli der Lehrer an der Volksschule zu Trohe, Kreis Gießen, Dr. Heinrich Kraushaar auf fein Nachsuchen entlassen.
• • Da» 7Abonnement»konzert auf der Liebigshöhe findet morgen, Donnerstag, abends 8.15 Uhr, unter Leitung von DbermufKmeifter Cöbcr statt.
• • Gesellschaft für Volksbildung Die im Jahre 1871 gegrünbetc Gesellschaft für volksdil- bung zu Berlin NW 40, Lüneburger Straße 21, veröffentlicht ihren Jahresbericht für 1927, dem wir folgende interessanten Zahlen entnehmen: 3m Jahre 1927 gab die Gesellschaft 193 707 Bücher ab, verlieh 775 Wanderbüchereien mit 29110 Banden, verabfolgte unentgeltlich an 662 Büchereien 17 599 Bücher im Wette von 34 647 Mark, verlieh 2681 Glac- bilderreihen (180 000 bis 220 000 Bilder) und 366 Bildwerfer. Die Ausgaben der Gesellschaft betrugen 1927: 784 306,29 Mark. Der Gesellschaft gehören zur Zeit 5202 Vereine und Verbände im ganzen Deut-
Hochschulnachnchten.
Das Ordinariat ter llassifchen Archäologie an ter Universität Leipzig (an Stelle von Geh. Rat J. Studniczka) ist dem o. Professor Dr. Herbert Köchin Jena entgehoten worden. Koch ist ein geborener Schlesier (geb. 1880 zu Reichenbach). Er studierte m Leipzig, München und Bettrn Archävlogre, besonders bei Furtwaengler. Studniczka und R. Delbrueck sowie Germanistik bei Paul und promovierte mit einer Arbeit „ lieber das Verhältnis von Drama und Geschichte bei Friedttch Hebbel". — Zur Rentesetzung von Lehrstühlen an ter Technischen Hochschule in Dresden sind Ruse ergangen an Prof. Dr.-Ing. Winds rieb Otto Schumann an ter Technischen Hochschule tn München (Elektrotechnik). Professor Dr. Johannes Kühn an der Universität Leipz ig (Ge chichte). Professor Wilhelm Jost an ter Dechnsichen Hochschule in Stuttgart (Bausormen lehre, und Dr.-Ing. Weber. Lehrer an ten Staatlichen Derernigsen Matchinenbaulchulen in Dortmund (Technische Dlcdjand). — Der bekannte Vertreter der neueren Geschichte an der Leipziger Universität Gey. Rat Dr Erich Brandenburg beging am 31. Juli feinen 6 0Deburt»tag. Pros. Brandenburg. ter im Studienjahr 1919 20 da» Ret- toramt ter Sächsischen Landes Universität brsieidete. ist 1866 zu Stralsund geboren Seine Lehre« waren Dlax Lenz. Reinhold K o s e r und Paul Scheffer-Boichorft. 1890 promovierte er in Berlin und begann bann in verschiedenen Archiven Studien zur Gelchichte ter Deformation»- zeit. 1894 habilitterte sich Brantenburg in Leipzig. wurde dort a. o Professor und 1904 alS ^lacholger von Erich M a r ck s Ordinarius ebenda. Brantenburg schätzt die Bedeutung der Persönlichkeit für die historische Erttwicklung höher ein al» den Einfluß von DTaHcninftinften oder metaphysischen Gesetzen; die pvlittfche Geschichts güt ihm das eigentliche Knochengerüst der Ve- fckstchte, ohnedelsen Kenntnis die K'.Iruraefchicht« unverständlich bleibt AIS DZeiftertoer! deutscher Ge^chichtSsvrlchuiw. mit tem Brandenburg (einen Höhepunkt erreichte das 1916 in zwei Bänden ersthienenc Wett .Die Reichsgründung" hervorzuheben. Bon fernen inerteren Wetten nennen wir: .Der (Eintritt ter süddeutschen Staaten in ten Dorddeutschen Bund", .Die deutsche Revolution 1848", .Marlin Luther als Vottämpsel te» deutschen Geistes". .Don Brsmarck zum Weltkriege", .Die teuttchc Posirll in den Jahrzehnten vor tem Kriege", und »Die Ursachen teH Weltkriege»", . x v , , „ „ y .^ , , ,


