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Nr. 127 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Freitag, 1. Juni 1928

Am Vorabend

der Kammereröffnung.

Bon unserem L. ^.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Paris. 31. Mai 1928.

Aach den französischen Stichwahlen schien alle- klar: ®aiy wie cs die Zeitungen vorher prophe­zeit hotten, erlitten die RaDikalsozialisten eine Niederlage gewann die Rechte. Man zählte Gewinne und Verluste, man kündigte die Ver­änderungen im Kabinett und in der sranzösilchen Politik an, die die Niederlage des allen Kar­tell- zur Folge haben muhte. Groh war deshalb da- allgemeine Erstaunen, al- Poincars er­klärte. Daß er seine Regierung überhaupt nicht umzubilden beabsichtige, und dah er sich der neuen Kammer an der Teile seiner bisherigen Minifierkollegen vorstellen wolle, mit der eüuigcn Ausnahme FalltdrS. der nicht w.edergewählt ist.

Wer die Intimitäten de- französischen Par­lament- und seine Gepflogenheiten nicht kennt, war noch erstaunter, al- die alten und die neuen Deputierten, die nach Paris eilten, um die Fraktionen zu bilden, und damit an­geblich da- innerpoltttsche Gesicht Frankreich- zu formen. S- mühte doch eigentlich, je zahl­reicher sich solche Gruppen bildeten, die an­fangs »o klare politische Situation getrübt wer­den! Und wieviel Gruppen gab eS? Wieviele Mitglieder hatte jede? Kein Mensch kann eine Antwort darauf geben. Selbst alte Fraktionen wuhten nicht, auf wieviel Kollegen sie zu rech­nen hatten. Roch heute, unmittelbar vor dem Zusammentritt der Kammer, weichen die in den Zeitungen angegebenen Fraktionsstärken weit voneinander ab. Die einen rechnen mit 110 Radi- kalsozialisten, die anderen mit 120, die dritten mit 132. Bei den republikanisch-sozialistischen Gruppen, den linken Republikanern und der radikalen Linken ist es nicht ander-. --

Loaischerwei'e mühte jede Gruppe oder Frak­tion der Kammer bas Bestreben haben, die Zahl hrer Mitglieder zu vermehren und jeden Reu- ankömmling mit offenen Armen zu empfangen, denn der Einfluß muh natürlich mit der Zahl der Mitglieder wachsen. Run aber sehen wir. dah »ablreiche alte Mitglieder größerer Fraktionen «oder solcher, die sich nur selbst für bedeutend halten, wie etwa die Radikalsozialiften, die Grup­pe Loucheur oder die des Heren Marin) neue Leute nur mit großen Schwierigkeiten und nach genauester Prüfung ihrer Person, ihrer Politik und ihrer im Wahlkampf geübten Metho­den aufnehmen. Auf der anderen Seite suchen die, die wie Franklin Bouillon ihre Fraktion verlassen haben, fieberhaft neue Gruppen zu schassen, während neugewählte Abgeordnete ihrer politischen Schattierung gerade Anschluh an die ölten Fraktionen suchen.

Run ist eS aber daS Erstaunlichste, dah all diese parlamentarischen Trennungen, Schei­dungen, Wiedervereinigungen und Reubildungen fre Regierung und vor allen Dingen Poincartz n cht im geringsten IntcreHieren. Polnearö Ist 08 vollkommen gleichgültig, welche Fraktionen in der Kammer auftauchen und welche Stärke s e haben er arbeitet in größter Seelenruhe die Regierungserklärung aus, die er cm 5. 3unl verlesen will und er weiß, bah ihm an diesem Tage von einer erdrückenden Mehrhei t ein Vertrauensvotum au-ge­stellt wird Poincarä, der feit mehr als 35 Vahren Deputierter und Senator ist, weih, dah die fraktionsweise Zusammensetzung der Kammer nicht die geringste politische Be­deutung bat Die Austeilung des franko- fischen Parlaments in Gruppen und Fraktionen lat niemals irgendwelchen Einfluß auf das Schicksal des Kabinetts ober seine politische Li­nie gehabt. In keinem Parlament der Welt ist die Fraktionsbisziplln so schwach wie in der französischen Kammer. Fraktionen existieren eigentlich in ihr überhaupt nicht. In den letzten zwei Jahren haben die 31 oder 32 Radikalsozi­alisten nicht ein einziges M a l ein­heitlich gestimmt Ungeachtet aller Be­schlüsse des Fraktion-Vorstandes, ungeachtet aller AuSschlußdrohungen stimmte die Hälfte der Frak­tion unentwegt für Poincar^. ein Drittel mit Daladier an Der Spitze stimmte gegen ihn, und

ein Sechste! enthielt tid) . . Man Hebt der Zusammenschluß zu Frakttonen hat nicht- mit politischen Programmen zu tun. Kein Politiker und kein Deputierter vermochte mir zum Bei» ipiel den Unterschied zwilchen dem Programm der Radikalsozialisten und der republikanischen So­zialisten zu erfläten. Zwischen der radikalen Lin­ken. der republikanischen Linken, und zwilchen dieser unb der demokratischen Linken ist e- nicht ander-.

Alle diese Unterscheidmrgen verfolgen durch­aus feine politischen Zwecke und haben auch ganz andere als politisch-programmatische Ur­sachen Gerade bei dielen Wahlen sind von insgesamt 6)2 Deputierten mindestens 400 ein- zig und allein Dänin gewählt, well sie sich verpflichteten, für Poincar4 und feinen Sanierung-plan zu stimmen. Lilles übrige interessierte die Wähler überhaupt nicht. Der alte und der neugewählte Abgeordnete schreibt sich In diese oder jene Fraktionsliste nicht deshalb ein, weil sie polncariftisch ist oder nicht. Gr würde doch unter allen Um­ständen für Poincarä ft Immen, weil dies die Weisung seiner Wähler ist, und weil auf diese Weisung fein Fraktionskollege einen Einfluß auS- zuüben vermag. Auf ®ninb diese- kategorischen Imperativ- von Zweidritteln aller französischen Wähler und Deputierten kann PoincarH an der Macht bleiben, solange es ihm paßt. Mag et noch so unbeliebt bet den Deputierten sein und das ist er, weiß Gott! Die Kammer und der Senat fürchten Herrn PoincarS, wie sie einst Tlemenceau gefürchtet haben. Ja, man kann fa- aen, daß die Kammer Poincarö fraßt Trotz- oem kann Poincar4 sich Minister aus jeder Fraktion nefrmen und jeder, dem sein Ruf gilt, wird nur zu gerne folgen.

Es ist absolut falsch, wenn gewisse deutsche und auch einige französische Journalisten sagen, daß Poincarö sich und seine Meinung seit 1924 gewandelt habe. Poincars ist derselbe, der er zur Zeit des Ruhreinbruches war. Er bat nur di e Methode geändert, nicht den Zweck oder das Ziel. Richt er ist eS, der sich der Kammer gefügt hat, ober der vor dem Lande Abbitte leistete. 3m Gegenteils Die Kam­mer unb das Land sind bescheidentllch zu Herrn PoincarF zllrückgeleyrt und haben sich ihm ge­beugt Man wird Marin in seinem Kabinett sehen unb er wird nicht- tun, um etwa Gnade in den Augen der Radikalsozialisten zu finden.

3n jedem parlamentarischen Lande unb ganz besonders in Frankreich ist die 3agD nach Dem Winisterportescuille unb nach der Seinekur ober anderen Wohltaten einer regierenden Partei der charakteristische Zug des Parlaments. 3n parla­mentarisch regierten Ländern konzentriert sich die Macht durchaus nicht in der Hand der Regierung. Auch die französische Kammer verfügt noch über ihren Anteil an Macht, auch fle will ihren Teil am politischen Buttemapf. Und für das politische oder finanzielle Weiterkommen de- Abgeordneten ist es von ausschlaggebender Bedeutung, daß er Mitglied irgend einer ein­flußreichen Kommission, ober Berichterstatter für eine Vorlage ober ein Budget ist. Gerade darum ist es so wichtig, einer Fraktion anzugefrören, die an der Regierung beteiligt Ist, denn bann ist cs natürlich weit leichter, für sich selbst ober für ble Wähler zu sorgen. Schließ­lich muß man leben und dazu noch mit 45 000 Franc, d. fr. 7500 Mark im 3ahre. von denen mindestens die Hälfte als Repräsentailonsaus» wand drausgehen, unb es ist nicht angenehm, sich nach der Decke strecken zu müssen. ES gibt höchst vorteilhafte Aufträge, von denen sehr viel abhängt. Das wissen die Männer der Praxis unb sie richten sich danach. Da gibt es zum Beispiel einen Ausgabenausschuß, der über alle btaatsausträge wacht. Jedes Ausschußmitglied Tann einen Auftrag ermöglichen, ober den In­dustriellen oder Kaufleuten allerlei Schwierig­keiten bereiten, wenn sie fich um Staatsaufträge bewerben. Was Wunder, daß Mitglieder ge­tollter Kommissionen, zum Beispiel oeS Petro- leumausfchusses unb des Ausgabenausschusses gleichzeitig Verwaltungsratsmitglleder verschie­denster industrieller unb finanzieller Unterneh­mungen finb, unb baß sie auf diese Weise schwere Gelder beziehen?!

Aber schließlich verfügt jede Gruppe ober Frak­tion nur über eine beschränkte Anzahl von sol­chen .schweren" Kommifsionssihen, unb die allein­

Seehunde spielen im Ostmeer.

Don Paul (kippet.

Gin roter Mond steht in voller Scheibe über dem Wasser. Knatternd treibt die Schaufel des Außenmotors unfern Kahn aus dem Bools- fchuppen. Eine Mantelmöve zieht davon unb 3eiocr streichen ab, als wir zwischen tleincn Aogelinseln daS offene Meer anpeilen.

Auslegen der Rehe ist sanft wie das Säen non Ackerkom. Mit harmonischen Bewegungen läßt der Mann -im Bug die geknüpften Schnüre in- Wasser tauchen, dieweil bas Fahrzeug einen weiten Bogen beschreibt. Die Korkschwimmer zeichnen unsere Svur in silberner Linie hinter unS. Run drosseln wir den Motor ab unb rudern mit sanften Schlägen in den verdämmern­den Abend.

Es ist still über dem Meer: erst nach ge­raume» Zeit fröre ich das vielfältige Konzert der Bogel von Den Inseln herüber Hingen; aber cs erscheint nicht als Geräusch; der ganze -etfrer schwingt, unb Die Tone werben nach ener Weile zur großen, still singenden Racht- rrufif.

CEir fahren rechtwinkligzur schwedischen Küste, fr nein in die glitzernde Mondbahn, die wie ein goldenes Spektrum auf Dem Wasser flimmert nb glänzt. Es ist eine kühl-schwüle Atmosphäre, iib obwohl wir alle drei schweigen im Boot, hebt plötzlich unser Gastfreund seine SanD: -Dicht sprechen und keine schnelle Bewegung! Vielleicht sehen wir Seehunde bei Den Klippen!"

Bon irgendwo glimmt das Licht des Leucht- iurms. Die letzte Insel bleibt hinter uns. schwarze E.chensilhouetten stehen an ihrem Strand. Unser Motor ist endgültig abgestellt; langsam treiben to-r hinaus, lauschen und suchen mit Dem scharf gestellten Glas. Die Mantelmöve frei ft wieder über dem Doot und ruft .au-gatf-gad".

Gleich einem Spiegel liegt das Meer, nur in den Hellen Silberstreifen sehen wir eilig forschende, winzige Wellen. Da ein Blick des Führers weist uns die Richtung, etwa

fünfzig Meter voraus ein dunkler Fleck. Roch einer, zwei, drci! Wilde Seehunde!

Kaum handbreit tauchen Die Ruder ins Wasser, ganz langsam sieben wir den Kahn vorwärts, treiben eine Welle und sehen durch die Fern­gläser. Der vorderste muß ein alter Dulle sein; breit, schwer unb glänzend schwarz liegt er auf einem Steinblock, der knapp über den Spiegel ragt. Riedergekauert hinter der DootSwand ver­folge ich jede Dewcgung seiner Dorderflassen; aber schon muß ihn irgend etwas gestört haben Ein schnellender Sprung, lautes Aufllatschen, Der Alte ist verschwunden unb alle anderen folgen ihm.

Jetzt springt der Dooissührer hoch, wirft sich in die Riemen unb treibt mit tollen Schlägen das Doot bis zu jener Stelle, wo vorhin die dunklen Durschen sichtbar waren. .Ganz ruhig jetzt! Ich werde die Tiere locken unb eines davon abschießen, sie fressen zuviel Fische in der Ducht!"

Wir legen uns alle drei nieder; der Kahn schaukelt leise, unb mein Freunb formt die Hand zur Muschel: ein klagende- Dellen hallt lang- gezogen aus feinem Mund. .So lockt das liebes­hungrige Scehundweibchen", sagt er. »Ganz ohne Detoegung! Dort taucht schon einer hoch/

Ich sehe nichts. Richt jeder hat solche 3ägcr- augen. Roch einmal lockt die .menschliche" See­hundsklage, lang, kurz, lang. Und dann kommen sie hoch, vor dem Doot, hinter uns, links, rechts, auf allen Seiten, und die Mondstrahlen glitzern im toaifertriefenben Fell. Vier, acht, dreizehn, unb weiter Draußen nochmals vier. Roch halten sie sich in scheuer Distanz; aber immer wieder lockt Der Schrei aus meines Freun­des Mund, unb näher zieht der Ton die liebes­durstigen Robben heran. Jetzt unterscheide ich deutlich Größe und Alter. Tolle Durschen sind darunter. Auch ein Muttertier schwimmt auf uns zu, einer Schleppe gleich furcht seine Dahn das Meer, und zwei Jung: trollen mit Schon liegen sie auf ihren Klippen flach über dem Wasser. Und während xefrn Meter entfernt zwei Liebesleut» sich balgen, säugt die Mutter friedlich ihren Rachtouchs.

gesessenen Deputierten sind nicht gerade geneigt, den Rana, ble Bedeutung unb die Zahl ihrer Fraktionskollegen zu vergrößern, well sie keine Lust haben, ihre Chancen bei Der Besetzung Derartiger Plätze zu vermindern. Sie toollcn nicht noch mehr Rivalen an dieser Futterkrippe unb sie betrachten jeden Reuanwärter alS Schma­rotzer. Je größer die Stärke einer Fraktion ist, desto geringer ist die finanzielle Ausbeute jedes FraktionSmitgliede-, unb desto schlimmer ist die Gefahr der Konkurrenz. Die- unb nicht- andere- sind die Gründe für die FraktionS- bitbnerei vor der Eröffnung der Kammer und für daS ganze Drum und Dran dieser Derhand- fungen. Diese Gründe finb menschlich, alhu- menschlich, haben aber herzlich wenig mit den großen politischen Idealen zu tun. mit Denen fte sich so gern umkleiden. Frankreichs Politik personifiziert fich augenblicklich in PoincarlV AlleS andere spielt nur eine untergeorTmcie Rolle

Die Volkshochschule in ihrem Verhält­nis zum öffentlichen Vildungöwesen. Don Oberschulrat Or. August Mester, o. Prof.

der Philosophie und der Pädagogik an der Universität Gießen.

Unsere Reichsverfassung besagt in Artikel 149 Lids. 4: »DaS DolksoilbungStoesen, einschließ - lich der Volkshochschulen (von mir ge­sperrt!), soll vorn Reich, Ländern und Gemein­den gefördert werden."

Aus privater Initiative sind die Volkshoch­schulen hervorgegangen; ihre nunmehr fast zehn­jährige Geschichte zeigt, Daß sie tieswurzelnden echten unb edlen Bildungsbedürfnissen entspre­chen und baß sie zugleich Wege darstellen zu Dem frohen Ziele innerer Volksgemeinschaft.

Es gilt nun, um das weitere Gedeihen der Volkshochschulen zu sichern, vor allem jener Ver­fassungsbestimmung in fteiqenöem Maße zur Ver­wirklichung zu verhelfen. Erfreulicherweise mehrt sich die Zahl von Abgeordneten, von staatlichen unb städtischen Verwaltungsbeamlen, die ihr Interesse der Volkshochschule zuwenden und ihren Bestrebungen immer mehr Verständnis und Tellnahme entgegenbringen.

Aber noch ist eS lange nicht soweit, daß die Volkshochschule im Bewußtsein der Oeffent- lichkeit als ein selbstverständliches Glied unsere- öffentlichen Bildungswesen empfunden werde.

Lehrreich ist in dieser Beziehung, was einer der Bahnbrecher und Führer des Volkshochschul- wesens, Eduard W e i t s ch, in seinem neuesten BucheCeterum censco. Zwanzig Fragen zur Volkshochschulpolitil" (Heuet Frankfurter Ver­lag 1928) schreibt:Im Statistischen Jahrbuch des Deutschen Reiches für das Jahr 1927, in dem Turn-, Schwimm- und Sportvereine nach Zahl und Mitgliederzahl säuberlich angeführt sind, sucht man in dem umfangreichen Irchaltsver- zeichnis das Wort Volkshochschule vergeblich.... Immer und immer wieder muß man eS bei Ver­handlungen mit Behörden, besonder- mit mitt­leren unb unteren Behörden erleben, daß die Oesfentlichkeit entweder nichts von der Existenz Der Volkshochschule weiß, oder nur eine dunkle Vorstellung von ihr... hat. Wenn man als Volkshvchschulmann von seiner Sache spricht, muß man mit Rechtfertigungen beginnen 1"

Wieviel Zeit und Mühe wird aber eben damit unnütz vertan! Es wäre wahrlich an der Zeit, daß derGebildete" wenigstens weiß, was Volkshochschule" ist und bedeutet!

Freilich noch weit mehr Zeit und Mühe wird dadurch vergeudet, Daß die Volkshochschule dauernd um ihre Finanzierung ringen muß. Roch fistd die Mittel, durch die man meint, jene von der Verfassung gewollteForderung" verwirklichen zu können, so außerordentlich be­scheiden, daß VolkShochlchulleiter und -Lehrer wahrhaft Franzis kus'-Raturen fein müssen. 2lber solche hat man doch nicht in beliebiger Zahl zur Verfügung! Man könnte mit einer kleinen Abänderung zwei Verse des Mainzer DialektdichterS Friedrich Lennig frier zitieren: .Dann war sich heitzedah zur Dolkshochschul' _ , versteht.

Der Hot vun selbscht 's Gelibd der Armut ab­gelebt."

DaS war me'.n schönste- Erlebnis oben am schwedischen Ostmeer. Die Seehunde tobten und tollten, bellten unb balgten sich, schnellten nach Fischen, hemmungslos vergnügt. Und mir klopfte voller Angst das Herz, alS ich nach einiger Zeit sah. wie sich ganz allmählich die Minte meines Freundes über den Dootsrand schob. Gleich wird ein Knall das Idyll zerreißen, Blut fließt, unb alle- ist vorbei!

Vorbei war zwar der ganze Seehundzauber, aber deswegen, weil der Herr dieser Gegend plötzlich mit lauter Stimme lospolterte: .Rein, das wäre eine Schweinerei! Freßt ruhig meine Fische, ich schieße euch nicht!" Er war mit fich selber ins reine gekommen, der prächtige Bengt Berg.

Aus der Heimfahrt trafen wir wieder die Mantelmöve. und Benedictus trieb seinen Scherz mit Dem Tier, indem er sehr geschickt den Ruf der Jungen nachahmte, so oft Der Vogel meer- toärts flog. Dann kam er immer wieder in scharfem Bogen zurück unb schrie , au-au-gad- gackl"

Endlich dicht bei der Küste merkt die Move den Schabernack und fliegt schimpfend davon. DaS Bootshaus steht dunkel über der gläsernen See; Enten. Gänse und Schwäne treiben träumend am Ufer, und hinter den Eichen schimmert Mitter­nacht ist kaum vorüber die Sonne des Ror- dens.

Hochschulnachrichien.

Der durch die Berufung des Prof. D. Geyer nach Bonn erledigte Lehrstuhl der Dogmatik in der katholisch-theologischen Fakullät der Unrver- fität Breslau erledigte Lehrstuhl der Dog­matik ist dem ordentlichen Prof. Dr. theoL Bern­hard Poschmann an der Akademie )u Draunsberg angeboten worden.

Professor Dr. Gerhardt Katsch in Frank­furt a.2K fra t einen Rus auf den Lehrstuhl der inneren Medizin der Universität Greifs -

Und doch braucht die Volkshochschule zum mlu- besten a'.S Leiter einen .ganzen" Mann nicht bloß im nächstliegenden Sinn dieses Worte-, sondern auch in Dem, daß er fich ganz feinet Arbeit widmen kann und zwar feiner päda­gogischen Arbeit Tatsächlich aber muß er freute noch fein .eine Kreuzung von Diplomat unb Pädagoge", der seine Hauptnervenkraft damit verbraucht Daß er nach vbenfrin aufflärenb wirken unb immer wieder vorstellig werden unb petitionieren muß.

Mit Recht bemerkt Weitsch: .Vergleicht man die Situation eines VolkShochschulleiters etwa mit Der des Direktor- eines Gymnasium-, der von keiner Sorge um seinen Etat beschwert au fein braucht.... so wird man erlernten, wie sehr Der VolkShochlchulleiter gezwungen ist. seine eigentlichen, seine pädagogischen Ausgaben, mit Der linken Hand zu erledigen."

Sine Derbellerung der Finanzierung würde es auch ermöglichen, von Der kaufmännischen zur DäDagogifdxen Kalkulation überzugehen. Heute kann ein Kurs gewöhnlich nur Dann abgehalten werden, wenn die Hörergelder Die Kosten Decken. Dabei toürDc Der Lehrer wahrscheinlich mehr verDienen, wenn er einem Sextaner Privat­unterricht gäbe.

Demnach erscheint eine Erhöhung Der öffent­lichen Zuschüsse DringenD geboten. Erst Dann konnte so etwas wie eine Lehrerau-lese stattfinden; erst bann könnte dem hauptamtlichen Leiter eine Vergütung geboten werben, die we­nigstens etwas vlnauögingc über Den Lohn eine- ungelernten Arbeiter-!

Oberheffen.

Sant' 's Gictzen.

Heuchelheim, 31. Mai. Der frühere Vieh, Händler Simon Stein konnte dieser Tage feinen 8 0. Geburtstag feiern. Ihm zu Ehren brachte der ©cfanguereinGermania", dessen ältestes Ehren« mitglieD unb Mitgründer der Jubilar ist, ein Ständchen.

P Lollar, 31. Mai. Eine öffentliche S i t - jung des Gemeinberates mit umfang­reicher Tagesordnung fand gestern abend statt. Eine längere Aussprache entwickelte sich bei De- franblung des 1. Punktes Der Tagesordnung betr. Die vorl. GrunDsteuer der Gemeinden. Kreise und Provinzen Der Rj. 1925 bis 1927. Die Buderusschen Eisenwerke hier hatten seinerzeit um Erlaß Der GewerbeertragSsteuer au- Den Jahren 1925 bi- 1927 nachgesucht, da kein Ertrag vorhanden sei, was der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 27. Oktober 1927 abgelefrnt hat. Auf eine Diesbezügliche Eingabe Der Firma beim Kreisamt Gießen gegen Den ablehnenden Bescheid hat Das Kreisamt die Stellungnahme der Ge­meinde bestätigt, woraus sich die Buderusschen Eisenwerke an den hessischen Minister Der Fi­nanzen gewanDt hatten. Dieser hat zugunsten Der Antragstellerin entschieDen und von Der Gemeinde bzw. deren Vertretung eine fristgemäße, im Wort­laut vorgeschriebene Erklärung gefordert, des In­haltes, Daß die rückständigen unb gestundeten Gewerbesteuerbeträge für Die Rj. 1925 bi- 1927 im Sinne Der Weisung des Lande-finanzamte- Darmstadt auf Veranlassung des Herrn Finanz- ministers erlassen werden. Des weiteren hat der Finanzminister seine Genehmigung dazu in Aus­sicht gestellt, im Wege eines Rachtrages für 1928 Den entstehenden Ausfall durch eine all­gemeine Umlage wieder einzubringen. Der Ge­meinderat nahm mit Entrüstung von dieser Stel­lungnahme Kenntnis und faßte den einstimmi­gen Beschluß, Die geforderte diktatorische Erklä­rung abflulcfrnen unter Hervorhebung, daß bet Dem Geschäftsgang Des frieiigen Werkes, der noch nie so gut gewe'en sei tote in Den letzten Jahren, ein Erlaß nicht in Frage kommen kann, eS an­dererseits eine große Ungerechtigkeit wäre, Den anderen Gewerbetreibenden diesen Steuerbetrag noch auszuerlegen. Cs handelt sich um einen Betrag von rund 20 000 Mk. Ein Gesuch der Kohlenunion, G. m. b. H.. Frankfurt a. M. um Zulassung einer Tankanlage für Kauf­mann H. F. Geißler fand Genehmigung unter der Voraussetzung, Daß die Anlage hinter Der Baufluchtlinie verbleibt. Die Zeichnung sah die Errichtung der Anlage vor dem Hause vor.

Der Wirtschaftsplan für die Wal­dungen 1929 findet Genehmigung. Danach

Wald als Rachsolger von Prof. H. Straub er­halten. Der durch die Emeritierung des Ge­heimrat- A. Kneser an Der Universität Bres­lau erledigte Lehrstuhl der Mathematik ist Dem ordentlichen Professor Dr. Johann Radon in Erlangen anptbolen worden. Das Wissen­schaftliche Mitglied des Kaiser-Wilhelm-Inftitut- für Biologie in Berlin-Dahlem, Honorar­professor an der Berliner Universität Dr. Wae Hartmann hat einen Ruf als Ordinarius der Zoologie an Die Universität Wien erhalten. Der Durch Die Berufung des Prof. Eduard Fränkel nach Göttingen an Der Universität Kiel erledigte Lehrstuhl der klassischen Phllologie ist dem ordentlichen Professor Dr. Kurt Latte in Basel angeboten worden. Der Lehrstuhl Der Pharmakologie an Der Universität Königs­berg i.Pr. ist Dr. Fritz Sichholtz in Elber­feld angeboten worden. Zur Wiederbesetzung des durch das Ableben von Prof. A. Korff- Peterlen an Der Universität Kiel erledigten Lehrstuhls der Hygiene ist ein Auf an Professor Dr. mcd. Hermann Dold, Regierungsrat im Reichsgesundheitsamt unb Privatdozent an Der Universität Berlin ergangen. Drei neue Privatdozenten habilitierten sich rn der medi- Unischen Fakultät der Universität Frankfurt: für die Fächer Der Syphilidologie und Derma­tologie die Assistenten an der Klinik für Haut- unb Geschlechtskrankheiten Dr. med. Friedrich Schmidt-La Baume und Dr. med. Franz Herrmann, ferner für das Fach der Physio- loaie der Assistent am Institut für animalische Physiologie Dr. med. Ernst Fischer.

..Der a. o. Professor Dr. Kurt Mü11er von der Universität Göttingen ist beauftragt worden, in Der philosophischen Fakultät der Universität Bonn im Sommersemester 1928 Die Archäologie in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten. Dem a. o. Professor für Alte Geschichte an der Marburger Universität, Oberstudienrat Dr. Wilhelm Enßlin, ist ein Lehrauftrag zur Ver­tretung der Geschichte der späten römischen Kaiserzeit mit besonderer Berücksichtigung der Kultur und Wirtschaft erteilt worden.