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Ziffern der Klassenstärke auf 403020 festzusctzcn und die Pslichtstundenzohl auf den Stand der Vor­kriegszeit zurückzuführen.

Das Llnwetter an der Bergstraße.

Bcjichtigimsisfahndcrhefsischcn Regierung.

WSR. Dar m st a d t. 30. April. Die Hesiiiche Amtliche Pressestelle teilt mit: Heute vormiltag unternahmen Staatspräsident Adelung, Fi- uonzimmster Kirnberger, Arbeits- und Dirt- schastSministcr Korell und Ministerialdirektor S p a m e r als Vertreter be« Innenministers in Begleitung non Ministerialdirektor Hebel und Oberlanbwirtschastsrat Bauer von der Land- wirtschaflsobteilung des Wirtschaf tsminifterimns, sowie von Oberbaurat Aeuling von der Mi- nisteriolbauableilung eine Besichtigung der durch das Unwetter am Sonntag start be­troffenen Gemeinden der Bergstraße. Sinter Führung von Oberstleutnant Schroder und Hauptmann 3 ennewein von der Schutz­polizei und Kreisdirektor Reinhardt aus Bensheim überzeugte sich die Regierung zunächst von den Verheerungen, die die Sturmflut, in Zwingenberg angerichtet hat, und besichtigte außer den Straßen- und Flurschäden zahlreiche schwer beschädigte Gehöfte der Gemeinde. Den er­schütterndsten Anblick bietet der am RordauLgang von Zwingenberg liegende Friedhof, dessen Mauern und Grabsteine von den Fluten um­gerissen wurden.

Die Teilnehmer fetzten dann ihre Besichtigung in Auerbach fort, wo u. o. im Zentrum in einigen größeren GastwirtschaftSanwesen die Keiler noch voll Wasser standen und die Gärten völlig zerstört worden sind. Die Auswirkungen der Schäden an Obstbäumen unb Wein- sterganlagen, sowie in den Gärten sind ü heraus groß und können erst durch ein­gehende Untersuchung genau sestgestellt werden. In Bensheim, der südlichen Grenze des eigentlichen Hnglücksgebiets. wurde die Regie- rung von Bürgermeister Dr. Angermeier begrüßt. Die Meinbergschäden sollen hier in den nächsten Sagen sestgestellt werden. Dann wurde die Besichtigungsfahrt über Schwanheim, in dessen Gemarkung zahlreiche entwurzelte Obst- bäume liegen, nach Hühnlein sortgesctzt. 3n der Gemarkung Hühnlein hat sowohl nach der Bergstraße zu als auch, wie berichtet wird, in der Richtung nach Gernsheim in weitem Um­kreis hauptsächlich der H a g e l s ch l a g gewütet. Die Frucht, die hier einen halben Meter hoch stand. soweit das Auge blickt, wie ab» gemäht. Die Ob st bäume sind völlig kahl. Das gleiche trostlose Bild zeigt sich in dem tiefer liegenden Teil der Gemarkung Als­bach. Hier sind Felder und Gärten wie in Zwingenberg vielfach verschlammt. 3n Äugen- b c i Ta , wo die Besichtigungsfahrt gegen 4 Ilhr ihr Ende sand, ist die nördliche Grenze der Hagel­zone. Aber auch hier haben nach den Mittei­lungen des Bürgermeisters nach der Ebene zu liegende Gärtnereien stark gelitten. Die Rotwendigkeit der Hilfe trat beim An­blick der Verwüstungen allen Beteiligten ein­dringlich vor Augen. Die Regierung wird sich alsbald schlüssig werden, welche Hilfsmaßnahmen im einzelnen zu ergreifen sind.

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Schwer ist auch die Südpsalz umi dem Un­wetter heimgesucht worden. Dort ging grobkör­niger Hagel nieder und richtete überall schwe­ren Schad en an. Die tiefgelegenen (straften in Landau waren in kurzer Zeit überschwemmt. Fast sämtliche Keller standen unter Wasser. An einigen ^Stellen der Stadt wurde eine Wasserhöhe von ' mehreren Metern festgestcllt. Die Warenvorräte ^zahlreicher Lebensmitleltzäuser sind vollständig ver­nichtet. Etwa 800 Telephonanschlüsse sind in Landau dadurch gestört worden, daß ein Telephockkabel vollständig unter Wasser gesetzt wurde. Auch sonst wurden in der Siibpfal3 die Telcphonverbindungen unterbrochen. In M a n n h e i m wurde durch den Sturm das Dach der Ausstellungshalle im Schlachthof abgedeckt.

Oberhrffen.

Landkreis ließen.

Wies eck, 30. April. Nachdem am zweiten Oslertag 34 Knaben und 34 Mädchen in unserer Kirche konfirmiert worden waren, wurden zu Beginn des neuen Schuljahres 27 Kna­ben unb 48 Mädchen in die S ch u l e auf» genommen. Die nun schon zum 10. Male gehaltene gottesdienstliche Feier der Aufnahme d e r K l e i n st e n i n d i e S ch u le sand gcflcni in einem besonderen, schlichten Rach- miltagsgotteSdienst statt unter freudiger Teil­nahme der Abcschützen und ihrer Angehö­rigen: man Hörle bei der Ansprache des Geist­lichen vom Altar aus, daß diese in einzelnen Gemeinden zur unverlierbaren Sitte geworbe­nen Feiern in Sachsen von der Kirchendehörde, wo irgend ihre Einführung angängig, empfohlen worden find; es bestehen Anzeichen dafür, daß sie auch in Hessen stärkere Verbreitung finden und so das Zusammengehen von Kirche. Schule' und HauS in der Gemeinde bezeugen. Ein Vorrat von kleinen E rz i e h u n g sb ü ch I e i n wurde beim AuSgang aus der Kirche vertrieben und zur weiteren Einführung des DeutschenKin- d e r g e s a n g b u ch S in der Kindcrlirche gern gegeben. Reizend war das Schlußbild der Feier, als die große Schar der mit Sträußchen und Kränzchen geschmückteil Kleinen Hand in Hand um den Altar zog, wo sie Fleißkärtchen als Lesezeichen unter dem Klang von geistlichen Kin­derliedern zum Andenken an diese Stunde in Empfang nahm. Gewarnt wurde, auch um der Kinder willen, vor dem Mitnehmen der Kleinen in die aus ihr Verständnis nicht zugeschnittenen Gottesdienste der Gemeinde, und statt dessen gebeten, sie zu regelmäßigem Besuch der Kin- derkirchc anzuhalten. -- Es besteht begrün­dete Aussicht, daß von einer Gießener Kinder­gärtnerin demnächst ein Kindergarten hier eröffnet wird: bei dem in der großen Gemeinde schon lange empfundenen Mangel einer Klein- finbcrfchulc Würde dieser Weg Der Älcinfin- derhilfe nur freudig begrüßt werden - Zn seiner letzten Sitzung beschloß der Schulvorstand, in diesem 3abr auf das Ougcnöfeft in der seither hier üblichen Fomr zu verzichten und die so ersparten Mittel den Heil kuren für kränk­liche Kinder zufliehen .zu lassen. Dieser Beschluß verdient sicher auch anderswo Rachahmung. Von den 75 Kindern des jüngsten Jahrgangs unterer Schule haben 27 Krankheiten überstanden.

Zum Problem der Mulwaschmig beim Müschen.

Don prof. Or. (5g. Haas, Vorstand der Medizinischen Poliklinik der Landesuniverstiai.

Rachdcm in einem großen Teil der Tagespreise Berichte über meine Arbeiten der .B l Ut­to a s ch u n g am Lebenden' erschienen sind ohne meine Kenntnis und ohne daß mir die Quelle bekannt ist, von der b:e verschiedenen Ar­tikel ihren Ausgang genommen haben, mache ich von der Aufforderung der Redaktion des .Gie­ßener Anzeigers", Authentisches über die Blut- Waschung mitzuteilen, gern Gebrauch, in der Hoffnung, dadurch die zum Teil irrtümlichen, zum Teil stark aufgebauschten Rachrichten zu korrigieren.

^Fch ging zunächst von b:r allgemein gültigen Beobachtung aus. daß beim schwer nierenkranken Patienten im Stadium her Riercninsuffizienz. in dem die harnfähigcn Stosswech'elendproduktr. wie z. D. Harnstoff. Harnsäure, Indikan, Phenol- Krcsol'chwefclsaurc uftp. usw. nur mangelhaft durch die CP. i er en ausgrschieben werden, wodurch eine Anhäufung dieser Stoffe im Dlut und in den Geweben und somit eine Selbstvergiftung des Organismus auftritt, der Aderlaß aber, das biSh-.r übliche Mittel yir Entlastung des Blutes und der Gewebe, ein: nur sehr bescheidene Wir­kung besitzt. 3ch kam deshalb auf den Gedanken, ob nicht durch Dialyse des Blutes eine viel weitcrgrhende Entlastung der Blutflüssigkeit von Schlackenstofsen möglidi sei. Bekanntlich be­steht das Prinzip der Dialyse in folgendem:

Bringt man in Wasser gelöste Stosse von kristal» loidrr Beschaffenheit in eine Zelle, deren Wan­dung::! aus einer Membran bestehen, die für die Stoffe durchlässig ist, so wandern diese, wenn die Wembran von außen mit reinem Wasser umspült ist, so lange ans dem Zinnern der Zelle durch die Membran hindurch in die Außen- fiüffigicit, bis die Konzentrationen von diesen Stoffen im 3miern der Zelle und in der Außen» slüssigkeit die gleichen sind. Wird die Außen­flüssigkeit immer wieder erneuert, so muß ständig (in Abstrom der im Innern ber Zelle gelösten Substanzen nach außen stattfinden. Wird dieses Prinziv auf das mit Schlacken stoffen des Stoff­wechsels angehäufte Blut übertragen, so muß es gelingen, wenn man die Blutflüssigkeit durch ein Röhrensystem mit durchlässigen Membran- Wandungen leitet, die von außen mit Wasser umgeben sind, das Dlut von seinen Schlack'-n- ftoffen zu befreien, dadurch, daß letztere in die Außenflüssigkeit übertreten. 3m Gegensatz zum Aderlaß, der stets einen mehr oder minder großen Verlust von roten Blutkörperchen und Eiweißstoffen je nach der Größe d?r Blut­entnahme mit sich bringt, bleiben die für die Atmung so notwendigen roten Blutkörperchen und alle Bluteiweißkörper bei d:m Verfahren der Blutreinigung mit Hilfe der Dialyse dem Patienten erhalten, da weder die roten Blut­körperchen noch die Eiweihstoffe durch die Mem­bran hindurchirrten tönncn. Gerade darin liegt ja die Unzulänglichkeit des Aderlasses, daß, wenn man durch ihn soviel von den angehäuften Giftstoffen beseitige.! wollte, als notwendig wäre, der damit verknüpste Verlust an roten Blut­körperchen den Tod des Individuums bedingen würde. Bei dem Versahren der physi­kalischen Dlutwaschung gebt praktisch lein einziges rotes Blutkörperchen verloren, ein Umftanb, der um so höher beim schwer Nieren­kranken anzuschlagen ist, als derselbe stets in­folge seines Leidens eine ausgesprochene Verrin­gerung der Zcchl der roten Blutkörperchen und des Blutfarbstoffes ausweist. Um das Blut nicht in feinem lebenswichtigen Bestand an Mineral- stoffen, für die die Dialysiermembranen durch­lässig sind, verarmen zu lassen, besteht bic Außcnflüssigkeit anstatt aus Wasser, aus einer Salzlösung, die biefclbon Salze in derselben Kon­zentration enthält wie das Blut. Auf diese Weise ist c5 theoretisch möglich, die gesamte Blutflüssigleit von den krankhafterweise beige­mengten Stoffen, die normalerweise durch die RIcren vollständig zur Ausscheidung gelangen sollten, zu befreien.

Der praktischen Durchführbarkeit des Verfahrens, der ich schon lange viel Zeit und Arbeit widmete, stellten sich Schwierigkeiten über Schwierigkeiten in den' Weg. Zuerst die Herstellung der notwendigen Membranen von möglichst guter dialysatorischer Leistung: wie konnte man denselben die gewünschte röhren-

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förmige Gestalt geben, wie sie anfert gen. daß sie nicht die flcinftcn Löcher cuftt>:ifcn. durch die das Blut durchtreten könnte, daß sie fest genug sind, um bei der Durchströmuna des Blutes nicht zu platzen, daß sie sicher sterilisiert werden können, daß ihre Anfertigung jederzeit ohne allzuviel Auswand an Mühe geschehen kann? Das waren alles Fragen, die gelöst werden muß­ten. Die größte Schwierigkeit jedoch, die sich der praktischen Durchführbarkeit des Problems ent- gegcnftcltte. war die Frage der Aushebung der Blutgerinnung. Wenn Blut außer­halb des Körpers mit benetzbaren Gegenständen, wie Glasröhren, Dialhüermembrar.en. in Be­rührung kommt, dann gerinnt es bekanntlich. Diese Gerinnung mußte natürlich vermied?'! wer­den. Die zahlreichen Versuche mit Mitteln und Stessen, die die Blutgerinnbarkeit ausheben, scheiterten alle daran, daß diese Substanzen ent­weder außer der Aufhebung der Blutgerinnung unerwünschte Rcdenwir'ungen auf den Organis­mus in mvhr ober minder hohen! Grade aus- lösten, oder daß sie noch mit Verstossen oerleben waren, die auf den Körper ungünstig einwirkten. Wollte Man diese Deistosse chemisch trennen, so ging auch bei vorsichtigstem Arbeiten durch diese Prozedur die die Blutgerinnung hemmende Wir­kung verloren. Aus dieser Schwierigkeit hat mir die Entdeckung des Amerikaners Howell ge­holfen, der in der Leber eine Substanz sand, die die Blutgerinnung aushebt. Die nach den An­gaben Howells gereinigte Lebersubstanz habe ich in ihrer Wirkung auf den lebenden Organismus studiert und gesunden, daß sie neben der Aus­hebung der Blulgerinnbarkeit keinerlei Reben- Wirkungen äußert, so daß der unter der Ein­wirkung drr Lebersubstanz stehende Organismus außer der aufgehobenen (Blutgerinnung als völlig normal bezeichnet werden kann. Rach zahlreichen gelungenen Tierversuchen konnte somit die Blut- Waschung am schwer Rierenkranken mit Harn­vergiftung. d. h. Urämie, durchgeführt werden. Der Erfolg war ein befriedigender insofern, als die Symptome dieser bedauernswerten Kranken mit ihrem hartnäckigen Erbrechen, der ständigen Appetitlosigkeit, den Kopfschmerzen, der Schwäche, der "Zlpathic und de» dennoch nicht Schlaf- und Ruhefindenkönnens für eine Reihe von Tagen zum graften Teil behoben werden konnten. Selbst­verständlich wird durch das geschilderte Dcr- fobren das der Harnvergiftung zu Grunde lie­gende Leiden, die S ch r u m P s n i e r e, nicht be­seitigt: jedoch bedeutet es nach meiner Aicher» zeugung einen Fortschritt, wenn wenigstens zeit­weise dadurch, daß die Blutwaschung mehrmals vorgenommen wird, der Patient von diesen qua* lenden Symptomen befreit wird. Ratürlich be­darf die Technik der Blutwaschung noch weiterer Vervollkommnung und Ausbauung. Sie ist be­reits so weit gediehen, daß sie im Vergleich zu den Krankheitsbeschwerden keine nennenswerte Belästigung für den Patienten mehr darstellt. Das Blut wird aus der Bene in Einzelportionen entnommen, dieselben werden abseits vom Patien­ten gereinigt und sodann wieder in die Vene zurüctgegeben, was ohne Schmerzen für den Patienten geschieht. Beim Urämifer kommt es nun für die Zukunft vor allem daraus an, die Waschung möglichst ausgiebig zu gestalten, da eS nicht mir genügt, das gesamte Blut von den angehäuften Stoffwechselprobukten zu befreien, sondern ebenso müssen die Gewebe entlasset wer­den, die in nicht geringerer Menge diese Schlackenstoffe bergen. Wie weit das Dialysier­verfahren deS Blutes angezeigt ist bei Erkran­kungen, die nichts mit den Vieren zu tun haben, wo es aber darauf ankommt, den Organismus möglichst rasch von schädlichen Stoffen zu -be­freien und ihm über ein lebdnbedrohendes kri­tisches Stadium lünwegzuhelfen, kann ich augen­blicklich wegen mangelnder Erfahrung noch nicht sagen.

Das Problem der Dlutwaschung ist, wie gesagt, noch in den ersten Anfängen der prak­tischen Durchführbarkeit: es ist meiner Ansicht nach noch verfrüht, wenn die TageS- presse schon zu ihm Stellung nimmt und wenn sie, wie es teilweise geschehen ist, durch Auf­bauschung der Erfolge bei manchen Patienten Hoffnungen erweckt, die nicht erfüllt werden können.

: G r oßen -Bu s eck, 30. April. Die in der Mitte des Dorfes über die Wieseck führende Schmiedbrücke war schon seit einiger Zeit baufällig und muß nun befeitigt werden. Eine neuzeitliche Brücke soll an Stelle der alten treten. Vorige Woche wurde mit dem Abbruch begonnen. Die Arbeiten am Reubau werden durch Maurermeister Harbach ausgeführt. Der Verkehr von und nach Gießen wird am Bahnhof vorbrigelcitct.

H- Birklar, 30. April Einen gesunden Men- schenschlag kann unser Dörfchen aufweisen. Unter den 4 7 5 Einwohnern befinden sich nicht weniger als zehn Personen im Alter von 80 bis 9 0 Jahren. Darunter find drei Gebrüder Weisel, die zusammen nicht weniger als 243 Jahre zählen, und von denen noch zwei selbständig Landwirtschaft betreiben.

df. Langsdorf, 30. April. Die erste Wahl­rede wurde gestern hier unter freiem .Himmel gehalten, und zwar redete Abg. DingeIben durch eine (Grammophon platte mit elektrischen Lautsprechern zu den in kurzer Zeit durch die Grammopbonmufit zusammengelaufenen Zuhörern eine Art, die hier bisher nicht bekannt war. Gestern fand hier eine Au o st e 11 u n g der iin letzten Schuljahr in der Schule und Fortbildung-schicke unter Leitung von Frl. Fritz, Langsdorf, unb Frl. Becker, Ribda, verfertigten Handarbeiten statt. Die Ausstellung war sehr gut besucht und sand allgemeine Anerkennung.

AuS dem Horlvsstal. 29. April. Rach tropischer Hitze am heutigen Mittag es wurden im öefcatten 26 Grad Celsius gemessen gingen zwischen 17 und 18 Mlrr mehrere Gewi tter über unsere Gegend nieder, die von außer­gewöhnlich heftigem Sturm begleitet waren. Große Regenmassen. die teils mit Hagel ver­mischt waren, richteten an den blühenden Zwetschen- und Mirabellenbäumen einigen Schade n an. ES muß angenommen werden, daß die Steinobsternte, entgegen den ursprünglichen Aussichten gering aussällt. da der Regen den Blütenstaub abgespült hat. Die starken elektrischen Entladunaen schlugen mehrfach in die Fernleitungen, so das» das elektrische Licht auSschte. Fast täg­lich durchleben eben Zi geunerbandcn

unsere Dörfer. Die fahrenden Gesellen halten sich an den drei aufeinanderstotzcnden KreiLgrenzen Gießen, Friedberg und Büdingen auf und wech­seln geschickt herüber und hinüber. Am Tage, wenn die männliche Bevölkerung auf dem Felde ist werden sie bettelnd und wahrsagend eine Plage für die im Hause zurückgebliebenen alteren Familienglieder.

r. 21 us dem südlichen Kreise Gießen, 30. April. Durch das gute Wetter der letzten Woche siind die landwirtschastlichcn Arbeiten stark gefördert worden. Das mühevolle Legen der Dickwurzkerne ist säst überall beendet. Das Kartoffelsetzen hat, wenn auch zögernd, be­gonnen. Durch die Erfahrungen der naßkalten Früh­jahre der letzten Zeit gewitzigt, geht man wieder mehr nach der elfen Bauernregel:Legst du mich im April, komm ich, mann ich will, aber im Mai, komm ich glei(ch)." Die Kartoffel ist ein Sommervogel. In der Hauptsache pflanzen die Landwirte immer noch I ndiistri e" und a s s i a". Mit anderen Sorten werden hier und da Versuche gemacht. Die K 1 e c = äcker Ijabcn durch die Wärme ungemein gewonnen. Auch die Frucht schießt in die Höhe. Das Gewitter, das am Sonntagabend niederging, brachte den er­sehnten Regen. Die Wintersrucht steht a u t Der Schaden, der an einigen Plätzen von Mäusen verursacht wurde, ist nicht besonders groß. Die D b st- bäume zeigen nun auch ihre Bluten. Dom Stein- o b ft und von den Birnen kann man eine gute Ernte erwarten, während die Scpfclbäumc weniger angesetzt haben.

Kreitz Friedberg.

/l Bad-Rauheim. 30. April. Das U n - Wetter am Soimtagnacbmittag richtete an den Baumen großen Schaden an. 3m Park und in den Anlagen wurden große Baume ihrer Acste beraubt, oder ganz entwurzelt. Sachschaden wurde dabei zum Glück nicht angerichtck. Soweit die Opser des Sturmes sich über die Straßen vor der Stadt gelegt hatten, wurden sie baldigst entfernt, fo daß auch eine Verk^rSbehinberung kaum cintrai. Au- der We11erau wird ge­meldet, daß zahlreiche Obstbäume zu Fall gekommen sind. Richt gering dürfte der Schaden sein, den Sturm und Hagä an den bl üben­den Obstbäumen ar.gerichtet haben. Die

Blüteubläticr wurden vom Srurn nff fe»rl- getragen und gingen in den Bandstraßen 6« Stadt als ein wahrer Blütenschnee nieder Der Wirbelwind bat natürlich auch an den Häu­sern bin und wieder Schaden angerichtet Vielfach wurden Dachziegel abgehoben, auch Fenster wurden in der Altstadt hier und da zer­schlagen. 3m Wintersteingebiet wurden Hunderte von Ausslüglcrn von dem Llnwetter über­rascht und konnten erst in später Stunde heim- kehren. Zum Gluck sind ^Inglücksfälle nicht be­kannt geworden. Die Auto- hatten in den Abend­stunden vollauf zu tun. um die an den AuH- flugSstätten der Umgebung weilenden Spazier­gänger nach Hause zu bringen.

Mv:*2 Biidiugcu.

R i dd a. 30. April. Die Himmelt» bachsche Holzindustrie konnte infolge §uter HolHufuhr nicht nut die volle Belegschaft wieder einstellen. fonbern darüber hinaus Reu­einstellungen vornehmen. Das Werk ar­beitet in zwe: Schichten. Reben der Herstellung von Cifenbahnschwellen. Parkett- und Schn-rihvlz hat cS in letzter Zeit auch die Äiftcnfabri- lation aufgenommen. DaZ in Gichel-dvrf gelegene Teil werk liegt nach wie vor still Die bert lagernden Hotvorräte wurden, weggffchaf'tt. Was aus diesem Betrieb, der gle chsall- neu- ödtLd) eingerichtet ist, werden ioll, steht noch nicht fest, d* ist nicht ausgeschlossen, daß er an eine für die Holzindustrie günstiger gcieg.we Stelle überführt wird.

Za Nidda, 22 April. Bei dem heute nachmittag hier herrschenden s ch w e r c n « c ro i 11 c r mit mal, kenbriichartigem Regen und Sturm wurde besonder» an Bäumen viel Schaden angerichtet, nicht nur durch das Abbrechen von Arsten, sondern auch durch die Entwurzelung von Obst, Zier- unb Watdbäumcn. Im Parkzu Bad Salzhausen wurden aus einer Gruppe von sieben Kiefern zwei R i c 1 e n b ä u in « umgerissen und fielen dicht hinter dem Kurhaus, zum Gluck ohne da» Gebäude zu beschädigen, ebenso fiel ein sehr dicker Ko­st o n i e n b a u m im Schulhof zu R i d d a glück­licherweise zwischen die beiden Schulhäuser. Auch hier ging cs ohne Schaden ab. In der Umgegend sind mehrere Straßenbäume -em Sturm zum Opfer gefallen.

# 8 l o f c l b, 30. April. Zimmermeister Johannes Äoburgcr und Frau Marie geb. Schulz feierten geftern das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Jubilarc erfreuen sich einer verhältnismäßig guten körperlichen und geistigen Rüstigkeit.

Kreitz Schotten.

O Laubach, 30. April. Obcrreallehrer Lud­wig Gerhard tritt, an der Altersgrenze stehend, aus Gesundheitsrücksichten am 1. Mai in Ruhestand. Geboren zu Lich im 3ahre 1863 besuchte er zuerst die dortig« Präparanden- anstalt, sodann daS Lehrerseminar in Friedberg. Seine erste Verwendung fand er 1883 in Betten- Hausen bei Hungen, dann als Verwalter der ersten Schulstellc in AUendors a. d. Lda Bon 1885 bis 1898 wirkte er al- erster Lehrer in Geilshausen. 1898 wurde er vom verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms-Laubach auf die erste Lehrerstelle in Laubach träfen Hort. 1925 wurde er an das Gymnasium Frideric ianum versetzt, wo er in Deutsch, Rechnen. Geographie, Musik und Zeichnen bis zum 1. 3anuar d. 3., unterrichtete. Hierauf nahm er aus Gesundheits­rücksichten Al rlaub auf ein Vierteljahr. Während seiner 45jährigen Lebrtättgkcit veffah er da« 2lmt eines Organisten in allen feinen amtlich»» Stellen. Außerdem war er Dirigent vom Kirchen- chvr, von Männerqeiangvereinen und gemischten Chören während der Dauer von drei 3ahr- zehnten. 20 3ahre war er Schriftführer unb Rechner des Evangelischen Bundes. Er gehört zur Zeit noch dem Kirchenvvrstand unb dem Gemeinöerat an. Einen schweren Schicksalsschlag erlitt er durch den Tod seines einzigen SohneA. der fich im Weltkrieg auszeichnete unb tm Herbst 1918 fiel. Möge der Gedanke an die treue Pflichterfüllung deS Verblichenen den Schmerz des Vaters lindern, möge dem verdienten Be­amten noch ein glücklicher Lebensabend als Lsha seiner arbeitsreichen Wirksamkeit befchieden fein' Die Vorbereitungen zum Laubacher Ra­tion alfest. dem sog. ,AuS schuß", der in, bet zweiten Woche vor 3ohanni ftaltfinbet. sind in lebhaftem Gange. Vorgestern fand die erste Sitzung deS Vorstandes der _Ausschuß"-Gesell- schäft im Gasthaus ,Zum Wetwrtal" ibeiHögtz) unter dem Vorsitz des ^Ausschuß-Hauptmanns', Stotz und unter Mitwirkung der 13 .Haupt- sührer" statt. Der WirtschastSbctrieb wurde an Gasthalier Deich (Gasthof3ur Traube"), an Mehgermeister Friedrich Weisel und an Gast- wirt Fel dhaus l.Schützenhos") übertragen. Mit dem Ausschuß fest foN diese« 3ahr wieder ein Prämien markt verbunden werden Gestern abend tobte gegen 6 Ahr ein heftige« Gewitter mit starkem Sturm und Ha­gel über unserer Stadt. Der begleitende reich- "che Regen war eine Wohltat für die FeDer die infolge der anhaltenden heiteren Witterung sehr trocken waren. Heute Haden wir wieder daS schönste Wetter. tz

Eiche lSdor f. 30. April. Es ist eine auffällige Erscheinung, daß die Dörfer unsere« Tale« an dcn Sonn tagen von Bett­lern, Straßensängern und anderen Psen- nigjägem geradezu überlaufen werden. Man geht wohl nicht fehl, in diesen Leute zu sehen, die in der Woche beschäftigt sind und den freien Sonntag benutzen, einer jedenfalls einträglichen- Beschäftigung nachzugeben Die hiesige Gen­darmerie schob geftem einige dieser Bettler über die südliche Kreisgrenze ab. Auch zwei Därentreibem widerfuhr dasselbe Schicksal.

EichclSborf. 30. April. Heute begingen im Kreise ihrer Kinder. Enkel und llrcnlcl Schäfer Henrich Link und Frau Christine, geb Langlitz. im Alter hon 80 bzw. 70 3ahren da« Fest der goldenen Hochzeit. Link. Veteran von 1870 71. kam kurz nach diesem Kriege hierher unb ist j<Zt noch, trotz seiner 80 3aßre. täglich b.-t, den Schafen. Da Frau Link schon längere kränklich ist. erfolgte die Einsegnung de« 3übel* paare« b^rrch Pfarrer Müller im Haufe. Anläßlich der Wieder,»gebraucht!ahme der in brr Donner Fahnensadrik aufgefrischten Verein«* fahne veranstaltete unser Gesangverein .Eintracht" einen gut besuchten Familien- abend. Die Begrichungsansprache de« Präsi­denten Theodor Schäfer unb die Weiherede des Sprechers Rudolf Repp waren umrahmt von ÖicbcrDorträgm des Vereins und musika­lischen Darbietungen des hiesigen Mufikveeein«. die. wi^hlvcrdient. reichen Beifall sande». Der Gesangverein .Eintracht" besteht nunmefrr 52 3ahre und ist unter seinem tüchtigen Dirigenten Adolf Ran enter der rührigsten CBerdne he«