Ausgabe 
1.2.1928
 
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mühte, daß die Stimmzettelkosten damit gedeckt werden können. Die Fraktions- und Partei­führer werden im Laufe dieser Woche die Ver­handlungen über diese Angelegenheiten fortsehen.

Oie Rechisangleichung

Vorbereitung des wirtschaftlichen Anschlusses Oesterreichs

Wien, 31. San. (WTD.) Der österreichische Iuftizminister Dr. Ding Hof er gewährte dem Korrespondenten derHeuen Freien Presse" eine Unterredung, in der er u. a. ausführte: natür­lich ist die Einführung eines gleichen Strafgesetzbuches in Deutschland und Oesterreich nur ein erster Schri11 auf dem Wege der Rechtsangleichung. Wir sind ent» schlossen, auf diesem Wege weiterzugehen, und die Vorbereitungen dazu sind bereits im Gange. Wir beabsichtigen insbesondere, die Anglei­chung auf dem Gebiete des Wirt­schaftsrechts zu vollziehen, und wenn ein­mal das gemeinsame Strafrecht vollendet sein wird, werden wir wohl zunächst die Aus­arbeitung eines gemeinsamen Wech­sel r e ch t s unternehmen. Auf dem Wege der Rechtsangleichung liegt ferner die Aenderung der Vestimmungen über die Staatsange­hör i g t e i t in beiden Ländern. Auch auf diesem Gebiete finden bereits vorbereitende Arbeiten statt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der A n s ch l u h g e d a n k e sich in der österreichischen Bevölkerung immer mehr vertieft. Die Frie­densverträge verbieten nur den politischen An­schluß, nicht aber den wirtschaftlichen. Cs gibt Möglichkeiten, die wirtschaftliche An­näherung zu vollziehen, ohne daß Oesterreich seine Selbständigkeit ausgibt, zu deren Aufrecht­erhaltung es slch verpflichtete. Ich kann mit aller Bestimmtheit erklären, daß niemals irgendein österreichischer Abgeordneter einer wirtschaftlichen Kombination zustimmen wird, die eine Spitze gegen Deutschland hat.

$ür eine rasche Entscheidung über das Schulgesetz.

Berlin,!. Febr. (prio.-Iel.) Die Zentrumsfrak. tion des Reichstags will, wie lautvosf. Zig." von Zentrumsseite versichert wird, die Entscheidung über das Schulgesetz so rasch wie nur irgend möglich herbeisühren. Die Fraktion des Zentrums hat ihre Forderungen für die Frage der Auf­rechterhaltung oder Beseitigung der Simultanschulen formuliert, und diese formu­lierten Anträge dem Reichskanzler zu dem Zweck übergeben, daß er sowohl im Kabinett die Angelegenheit erörtert und klärt, wie auch mit den Parteiführern der Regierungsparteien recht bald Fühlung nimmt. Diese Fühlungnahme des Reichskanzlers dürfte, wenn nicht heute, so doch spate st en s morgen erfolgen.

Wirischastsdebatte im Haushaltsausschuß.

Die Konkurrenz der Monopolbetriebe. Die Aufwertung der Berfichernngen.

Berlin, 31. Jan. Der Haushaltsausschuß des Reichstages setzte die allgemeine Aussprache über den Haushalt des Reichswirtschaftsministeriums fort. Abg. Drewitz (W. Vgg.) stimmte dem Antrag auf 100 0U0 Mk. Zuschuß für das Institut für deutsche Handwerkswirtschaft zu, fordert aber Erspar» nisse bei den Kosten für den Nachrichten- dienst der Enquete und Statistik.

Reichswirtschaftsmini st er Dr. Cur- ti u s ersuchte dringend, den Vorschlägen des Abg. Drewitz nicht zu folgen; damit werde gerade der Wirtschaft, der doch die Wirtschaftliche Vereinigung dienen wolle, kein D i e n st geleistet. Insbesondere solle man keinesfalls beim wirtschaftlichen Nachrich­tendienst Abstriche vornehmen, den sein Ministerium gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt auf das sparsam st e eingerichtet habe. Das gleiche habe zu gelten für die für das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit in Höhe von 1,2 Millionen an- geforberten Mittel. Er bedauere, daß hier der Reichswirtschastsminister nicht in der Lage sei, dem amerikanischen Beispiele folgend ganz erheblich höhere Summen zur Verfügung zu stellen. Dort gebe man viele hunderte von Millionen für diese Zwecke aus, und zwar mit Erfolg.

Abg. von Raumer (D. D.) wendet sich gegen den Abg. Drewitz. Dieser gehe von Geschäften ohne Buchführung aus. Die Sta­tt st i k sei aber D i e Buchführung der Volkswirtschaft.

Abg. Sonne r (Zcntr.) ersucht, die im Reichs» wirtschastsrat verabschiedete Handwerker­novelle bald dem Reichstage zuzuleiten. Red­ner bringt den schädlichen Wettbewerb zur Sprache, den öffentliche Monopolbe­triebe und die Reichswehr dem Handwerk bereiten, nämlich den B u ch d r u ck e r e i e n. ferner den Schneidern und S ch u h m a ch e rn. Man vergleiche Erzeuger und Verbraucherkreis, vergesse aber die Zw i s ch e n st e 11 en, die Frachtspesen, die Steuern und Abgaben völlig Der Proletarisierung des Handwerks müsse ent­gegengetreten werden.

Genehmigt wird eine deutichnationale Ent­schließung, die BerufsbezeichnungBau­meister" und gleichzeitig die Berufsbezeich­nungArchitekt" für das Reich einheitlich zu regeln und zu schützen.

Abg. Dr. Rademacher (Dn.) fragt, wie es mit der Aufwertung der Versiche­rungsbeträge stehe.

Präsident des Reichsaufsichts- ? lirPrivatversicherung Käs» ' e l schildert die Schwierigkeiten, die für die Auf­wertung der Versicherung bestehen. Er werde gern dazu beitragen, die Versicherungsgesell­schaften zu schnellerer und zu nicht gar zu vorsichtiger Arbeit zu veranlassen. ®r ^gerechnet mit einer Auswertung von 12 bis 16 Proz. im Durchschnitt. Bei einzelnen Versicherungen würde es weniger sein.

Ein neuer Maulkerberlaß im besetzten Gebiet.

Speyer. 31. Ian. (WD.> Unter Bezugnahme auf einen angeblichen Zwischenfall, der fid) gelegentlich eines Vortrages des deutsch-ostafri» kanischen Truppenführers General v. Lettow- Vorbeck in Speyer ereignet haben soll wurde der Regierung in Spever vom Vochem den der Interalliierten Rheinlandkommission mit­geteilt, daß aHe "Borträge Lettow°Vor becks im besetzten Gebiete auf Grund der Ordonanz 308 Titel 6 Artikel 19. wonach alle Lichtbildervorsührungen verboten sind, u n »

tersagt werden, da sie geeignet seien, die Sicherheit und Würde der Besat­zungstruppen zu gefährden. Der an­gebliche Zwischenfall hatte bei Rachprüfung durch die hiesigen französischen Stellen diesen keinen Grund zum Einschreiten gegeben.

Oer englisch-amerikanische Oelkrieg.

Friedensfühler.

Eigene Drahtmeldung des .Gießener Anzeigers".

Berlin, 1. Febr. Die Preiskämp^e zwischen den englischen mid amerikanischen Oel- gesellschaften, die namentlich im Orient mit Hilfe des russischen Oels geführt wur­den. haben bisher für die englischen Gesell­schaften schwere Verluste im Gefolge ge­habt. Auch die Amerikaner haben viel Geld eingebüht. Man spricht von etwa 50 Mill. Mk., die die Engländer verloren haben, und von 13 Millionen, die die Amerikaner abbuchen muß­ten. Die Zuspitzung des Kampfes hat anschei­nend die englische Shell-Gruppe veranlaßt. Fr ie- densfühler nach dem amerifanifüjen Kon­tinent hin auszustrecken. Ihr Leiter. Deter --

ding, ist nach Reuyork abgereist, um dort mit Walter Teagle, dem Vorsitzenden der Standard Oil of Rew Jersey, über die Möglich­keiten eines friedlichen Wettbewerbes und der Ausschaltung verlustbringender Preisunterbietun­gen zu sprechen. Teagle hat schon im vorigen Jahre gezeigt, daß er einer Verständigung nicht abgeneigt ist. Ihm wurde aber von der Stan­dard Oil of Rew Vork, einer Tochtergesellschaft des Rew Ierseyer Unternehmens, mit den Ruß­land-Verträgen ein Strich durch die Rech­nung gemacht. England war darüber derart em­pört, daß die Europareise Teagles nicht nur ergebnislos verlief, sondern die Engländer so­gar androhten, russisches Petroleum, das von den Amerikanern verkauft wurde, als gestohle­nes beschlagnahmen zu lassen. Daraus entwickelten sich dann die heftigsten Preiskämpfe zwischen Engländern und Amerilanem, bei denen sich die amerikanischen Gruppen als die stärkeren zeigten. Ausschlaggebend für eine Einigung ist natürlich die Einstellung der Amerikaner zum russischen Oel. Halten sie an ihren Verträgen mit der Sowjetregierung fest und wollen sie weiterhin den Engländern im Orient Konkurrenz machen, dann wird der Kriegszustand so rasch kein Ende finden.

Lin neuer Konflikt in der Regiermgskoaötion.

Scharfe Angriffe des Zentrumsabgeordneten Lllihka gegen den Deutschnationalen von Zreytag-Lonnghoven in der außenpolitischen Debatte des Reichstags.

Berlin, 31. Jan. Die Aussprache über den Etat des Auswärtigen Amtes wird fortgesetzt. Abg. Ulitzka (Zentr.) beschäftigt sich mit der gestrigen Rede des deutschnationalen Abgeordneten o. Frey- tag-Loring Hoven und erklärt dazu: Die Kri­tik der Außenpolitik in dieser Rede ist im Ausmaß und in der Form nicht vereinbar mit der Zugehörigkeit zur Regierungskoali­tion. Welchen Eindruck muß solche Kritik auf die Staaten machen, mit denen wir Verträge abge­schlossen haben und mit denen wir zusam­men im Völkerbund sitzen. (Hört! Hört! links und in der Mitte.)

Ihr Verhallen, Herr v. Freytag-Loringhoven, ist geeignet, uns um jeden politischen Kredit im In- und 'Auslande zu bringen. (Große Be­wegung. stürmische Zustimmung links und in der Mitte.) Ls bedeutet eine glatte Des­avouierung der Politik des Außen- Ministers. (Lebhafte Zustimmung im Zen­trum. hört! hört! Rufe links.) Wie steht ange­sichts einer solchen Aeuherung eines Koalitions­mitgliedes unser Minister da vor den Staaten, vor denen er die Regierungspolitik vertritt. Vor allem aber muß ich den deutschnationalen Red­ner fragen: Wie bringen Sie Ihre Aeuherun- gen in Einklang mit den Richtlinien, aus die sich bei der Bildung des jetzigen Kabinetts Ihre Fraktion ausdrücklich verpflichtet hat? (Sehr gut! links und im Zentrum.)

Unter lauten Höxt-Hört-Rufen verlieft der Redner aus den Richtlinien die Stellen, in denen sich alle Regierungsparteien zum Fe st halten an der Locarno Politik verpflichten. Er fährt dann fort: Da Abg. v. Freytag als offizieller Ver­treter seiner Fraktion gesprochen hat, er­gibt sich für die deutschnationale Fraktion die Not­wendigkeit einer Erklärung, ob ihre Auffassung mit den Aeußerungen dieses Redners übereinstimmt. Ich kann das Befremden darüber nicht unterdrücken, daß die deutschnationale Fraktion, die Herr von Freytag doch besser kennen muß als wir (Heiter­keit ), ihn als Redner vorgeschickt hat. Er hat a u ch bei seinen Fraktionsfreunden mit seiner Rede keinen Beifall gefunden, aber das ge­nügt nicht. (Heiterkeit.) Wir müssen als Regierungs­partei von den Deutschnationalen eine Erklä­rung zu dieser Rede verlangen. Das sind wir uns selbst, dem Volke und den Staaten schuldig, mit denen mir durch Verträge verbunden sind. (Leb- haster Beifall im Zentrum und links.) Der Redner erklärt dann, unsere Verständigungspolitik wird ge­hemmt durch die Zustände, die durch die Grenz­ziehung im Osten entstanden sind. Der polnische Korridor führt zu unhaltbaren Zuständen. Die Ansprüche, die Polen an die freie Stadt Danzig stellt, sind unvereinbar mit der Stellung einer freien Stadt. Ganz besonders schädlich wirkt die A u s- einanderreißung Oberschlesiens durch eine unnatürliche Grenzziehung. Das Zentrum wunsck)e freundschaftliche Beziehungen zu dem pol­nischen Nachbarstaat, müsse aber eine Respek­tierung der deutschen Minderheits­rechte verlangen.

Abg. v. Rheinbaben (DV.): Die Rede des Abgeordneten v. Freytag-Loringhoven sei proble­matisch gewesen. Ich kann mir nicht denken, so er- llärt der Redner, daß die Deutschnationale Volks­partei als ganze? die Thesen dieses Redners so hin­nehmen kann. Meine politischen Freunde werden abwarten, ob sich dazu noch ein anderer deutschnationaler Redner äußert. Die Zusammen­setzung der jetzigen Regierung hat keineswegs zu einer Verschlechterung der deutsch-französischen Beziehungen geführt. Es ist also eine parteipolitische Klopfsechterei, wenn behauptet wird, nur eine Re­gierung ohne deutichnationale Beteiligung könne eine deutsch-französische Verständigung erreichen. (Abg. Dr. Breitscheid (S.): Sie vertreten hier wohl die Deutschnationalen?)

Die franzöfifche Regierung will offenbar die Rheinlandräumung nur gegen fi­nanzielle Vorteile gewähren. Die Bi­lanz der bisherigen Locarnopolitik ergibt eine tiefe L n t t ä u f ch u n g. So lange die Rhein- landbesetznng fortbesteht, gibt es k e i n e Lo­carnopolitik und kann es keine Locarnopolitik geben.

In der Abrüstungsfrage müssen wir Parität ver­langen, nachdem wir selbst vollständig abgerüstet haben. Wir wollen nicht den Krieg als Mittel der Auseinandersetzung zwischen den Völkern, rücken aber weit ab von jenen Pazifisten, die mit ihrer Agitation unseren Gegnern Argu­mente liefern. Abgelehnt werden muß der im­mer wiederholte Versuch, Deutschland zu immer neuen Konzessionen unter dem Deckmantel der Sicherheiten zu zwingen. Das deutsche Volk muffe seinen Blick nach O st e n richten, dort sei eine Grenz revision nicht zu oermei- > e n. Seine Partei erstrebe diese Revision auf fried­lichem Wege. Gegenüber paneuropäischen Plänen seien fein- Freunde skeptisch. Die Umrisse des Deutschlands von morgen würden allmählich sicht­bar: im Westen Freiheit von Rhein und Saar, im jften Grenzrevision und stabile Verhältnisse zwi- 1 lchen Deutschland und Polen, später der Anschluß

Oesterreichs, dazu Deutschland in politischer und militärischer Gleichberechtigung, eingeordnet in den großen Prozeß des friedlichen Neuaufbaus Europas.

Abg. v. Li ndeyner-Wildau (Dn.) er­klärt zu den Ausführungen des Abg. TUihka: Wir müssen uns das Recht Vorbehalten, selbst zu bestimmen, was und von wem wir in der De­batte Erklärungen abgeben lassen wollen. Rur um zu verhindern, daß durch die objektiv un­richtige Kritik des Abg. lllihka ein verzerrtes Bild im In- und Auslande entsteht, will ich im Rainen meiner Fraktion dazu einige Ausfüh­rungen machen. Abg. Ulitzka hat in der Rede des Abg. v. Freytag einen Verstoß gegen die auch von uns anerkannten Regierung s richt- linien gesehen, die besagen: Verständigungs­politik auf der Basis der Gegenseitigkeit und Gleichberechtigung, Anerkennung von Locarno und loyale Mitarbeit im Völkerbund.

Blcin Parteifreund hat vor einiger Zeit ganz klar unser Bekenntnis zur Verstän­digungspolitik abgelegt Diese Feststellung soll unfern Rednern aber nicht das Recht neh­men, über die Methoden der Verständi­gungspolitik seine eigenen Anschauungen unter Umständen auch in kritischer Form zu vertreten. (Lachen links.) Abg. o. Freytag Hot ntfr die Zweifel, die der Außenminister an dem Verständigungswillen des westlichen Nachbarn äußerte, in verschärfter Form aufge­nommen, so daß feine Ausführungen eine wertvolle Ergänzung der Ausführungen des Ministers find. (Lachen links und Rufe:

Gott schütze ihn vor seinen Freunden!")

In den Richtlinien haben wir die Locarnopolitik und die Völkerbundsmitgliedschaft anerkannt Graf Westarp hat aber schon bei der Regie­rungsbildung erklärt, daß wir uns das Recht Vorbehalten, an dem, was diesen beiden Vor­gängen vorausgegangen ist, historische Kritik zu üben. Ich kann also nicht anerkennen daß die Ausführungen des Abg. v. Freytag irgendwie gegen das gemeinsame Regierungs- Programm der derzeitigen Regterungskoaliton verstoßen hätten.

Frau Dr. Bäumer (Dem.) erklärt: Die Opposition sei in der eigentümlichen Lage ein aufrichtigerer Anhänger der Richtlinien zu sein, als ein Teil der Regierungsmehrheil. Es könne nicht geleugnet werde.:, daß nicht nur bei uns, sondern bei allen aufrichtigen Vertretern der Dölkerbundsidee eine tiefe Entrüstung über bie Entwicklung der letzten Jahre herrsche be» sonders hinsichtlich der Abrüstung. Der nach­drücklichen Betonung der Anomalie zwischen Rheinlandbesehung und Locarnovertrag durch den Außenminister schließen sich die Demokraten durchaus an. Wenn Briand neulich die Frage der Rheinlandräumung nicht als aktuell bezeich­net habe, so müsse betont werden, daß sie für uns keinen Augenblick aufhöre, ak° tne 11 zu sein. Auch die Minderheitenfrage gehöre in das Gebiet der geistigen Abrüstung. Kulturpolitik solle nicht Train, sondern Vorstoß- trupp in der Außenpolitik sein.

Der Zwischenfall beigelegt.

. Berlin, 1. Febr. (Priv.°Tel.) Zu der gestern im Reichstag ausgetretenen Kontroverse zwischen dem deutschnationalen Abg. Freiherrn v. Frey­tag-Loringhoven und dem Zentrumsabg. Lllitzka erklärt die , K r e u z»Z e i t u n g", daß die Form, in Der Alihka von Dem deutschnationalen Koali­tionspartnerErklärungen" verlangte, allgemein als bewußte Brüskierung Der Deutsch- nationalen habe empfunden werden müssen. Das Blatt sagt zum Schluß: Wir können uns Dem ©mDrud nicht mehr verschließen, als ob das Zentrum hinsichtlich Der zur Zeit bestehenDen Koalitionsverhältnisse nicht mehr guten Wille ns ist. Auch für Die Deutschnationalen beginnt sich Damit selbstverstänDlich Das Ver­hältnis zur Koalition zu verschieben. Schon die Rücksicht auf ihre Anhänger im Lande macht e£ erforderlich, so oder so eine Reinigung Der Atmosphäre herbeizuführen. Eine ruhigere Auffassung kommt in DerDeutschen Tageszeitung" zum Ausdruck, die zwar an Den Ausführungen Ulihkas sowohl was Die Form als auch Die Sache anbetrifft, Kritik übt, jeDoch nicht Derartige Folgerungen Sieht wie dieKreuz-Zeitung". - Die Tägliche Rundschau" bezeichnet zwar einen Derartigen Konflikt innerhalb der Koa- litionsparieien als zur Zeit außerordentlich unerwünscht, spricht aber davon, daß man Den Zwischenfall als beige legt betrachten könne. Ob aber Gras Darüber wachsen wird, so schreibt das Blatt weiter, ist bei dem gegen­wärtigen Zustand Der Koalition doch wohl etwas zweifelhaft. Auch dieGermania" er­klärt Den Zwischenfall für erlcDigt, fügt jeDoch hinzu: Es wäre besser gewesen, wenn die Deutsch- nationalen einen anderen Redner borge» schickt und Damit das unerquickliche Zwischen­spiel überhaupt vermieDen hätten. Der Bor- i stand Der Zentrumsfraktion sieht Diesen Zwischen- 1

fall ebenfalls als erledigt an, nachdem in Der Rede des Abg. v. Lindeiner-Wildau (Dn.), Die nach den Bemängelungen Des Abg. Ulitzka (Zentr.) gehalten tourDc. Die Deutschnationalen erklärt haben. da.ß sie an Den Drei wichtigsten Punkten Der Außenpolitik, Mitarbeit am Völker­bund, Locarnopolitik und insbesondere Verstän­digung mit dem westlichen Rachbar sestzu- halten gewillt sind.

Aus aller Welt.

Trauerfeier für Richard Weber.

In Kassel fand die Trauerfeier für den am Freitag verstorbenen Herausgeber derK a s fe­ier P o st", Richard Weber statt. Anwesend wa­ren u. a. außer den Angehörigen Oberpräfibent Dr. Schwander, Landeshauptmann v. Gehren, Oberbürgermeister Dr. Stadler, Bürgermeister Dr. Lahmeyer, Vertreter der Stadtverordneten- Dcrjammlung, des Hauptvorstandes des Zeitungs­oerlegeroereins, sowie der Kreisring Mitteldeutsch­land, weiter Vertreter der verschiedenelz Organisa­tionen des Zeitungsgewerbes und eine zahlreiche Trauergemeinde. Pfarrer Stein hielt die Gedächt­nisrede. Nach der offiziellen Feier versammelten sich alle mit dem Beruf mit Richard Weber ver­knüpften Leidtragende in der Kapelle zu einer Weihestunde. Herr von Zweck (Dessau) widmete dem Verstorbenen namens des Zeitungsverlegeroer­eins einen Nachruf. Schriftleiter Walter von der Kasseler Post" sprach dann von der engen Ge­meinschaft Webers mit seinen sämtlichen Mit­arbeitern.

Bürgermeister Petersen.

Der Herr Reichspräsident hat dem Bür­germeister und Präsidenten des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Peter­sen, zu seinem heutigen 6 0. Geburtstage telegraphisch seine Glückwünsche ausgesprochen.

Der Bergmannsche Lombardschwindel.

Unter dem Verdachte, an den Schwindelmanövern des Lombardhauses in der Passage beteiligt zu fein, wurde die Gattin des Geschäftsinhabers, Frau Charlotte Bergmann in Berlin, verhaftet. Sie war zur Zeit der Verhaftung ihres Mannes zusam­men mit dem 31 Jahre alten Kaufmann Willi Kraatz, der ebenfalls in den Bergmannschen Ge­schäften tätig gewesen ist, in d e r Villa Berg­mann in Garmisch-Partenkirchen. 2luf die telegraphische Nachricht von der Verhaftung ihres Mannes hin war sie nach Berlin abgereift und hatte in einem Hotel in der Mittelstraße, das ihrer Mutter gehört, Wohnung genommen. Kraatz, der ebenfalls verhaftet werden sollte, war mit dem Bergmannschen Auto mit unbekannter B e - st i m m u n g von Partenkirchen abgereift. Unter­wegs ist es ihm gelungen, sich einen anderen Wagen zu beschaffen, mit dem er in Berlin ankam, wo er in der Nähe seiner Wohnung bann von Beamten erkannt wurde. Da Der Ver­haftungsbefehl vom Untersuchungsrichter ausgegan­gen war, hat man Kraatz in das Untersuchungsge­fängnis zu Moabit eingeliefert.

Skandal bei der Zugfpihbahn.

Auf Grund einer Anzeige des gegenwärtigen Gemeinderates von R e u t t e verfügte die Staatsanwaltschaft die Verhaftung des Präsidenten der Zugspitzbahn A.»G. Dr. Stern, des Altbürgermeisters von Reutte, Dr. Sichret-- te r, und des Schwagers des Dr. Stern. Hilde» bert Knittel. Dr. Schretter und Knittel sind in Llntersuchungshaft genommen, während man den Aufenthaltsort Dr. Sterns nicht kennt.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das neue kräftige Tiefdruckgebiet ist im raschen Vorwärtsbewegen nach Skandinavien hin begriffen. Heute morgen lag sein Kerngebiet schon über dem Nordmeer mit einen Barometerstand von unter 720 Millimeter. Der Einfluß seiner Vorderseite hat bei uns bereits zu Temperaturanstieg und Nieder­schlägen geführt. Die rasch folgenden kühleren ozea­nischen Luftmassen an der Rückseite gestalten den Witterungscharakter unbeständig und lassen es wei­terhin noch zu vereinzelten Niederschlägen kommen. Die Temperaturen gehen wieder zurück.

Wettervoraussage für Donnerstag: Veränderliches Wetter mit zeitweisen Niederschlägen, später wieder Temperaturrückgang, lebhafte, um West drehende Winde.

Wettervora ussagefür Freitag: Wech­selnd bewölkt und strichweise Neigung zu Nieder­schlägen.

Lufttemperaturen am 31. Januar: mittags 2,5 Grad Eelsius, abends 0,4 Grad Celsius: am 1. Fe­bruar: morgens 1,1 Grad Celsius. Maximum 3,3 Grad Celsius, Minimum0,3 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 31. Ja­nuar: abends 0,3 Grad Celsius; am 1 Februar: morgens 0,2 Grad Celsius. Niederschläge 1,2 Millimeter. Sonnenscheindauer eine Viertelstunde.