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Auf der einsamen Insel.

Don Hans Siemsen.

Wenn Sie ein Jahr, oder zwei oder drei auf der berühmteneinsamen Insel" zubringen mühten, und Sie dürften nur ein einziges Buch mitnehmen, was für ein Buch würden Sie da wählen?

Ihr Lieblingsbuch ist vielleicht ein Buch von Hamsun oder von Jack London oder Shakespeare oder Karl May. Vielleicht lieben Sie Hölderlin sehr. Oder Goethes Faust? Oder einen Roman der Courths-Mahler? Oder Heines Briefe? Aber bedenken Sie: dos Buch soll ein ganzes Jahr vor­holten, oder vielleicht sogar drei! Selbst der dickste Courths-Mahler-Aoman ist in ein paar Tagen ausgelesen. Auf dereinsamen Insel" sogar Wohl schon eher. Und wenn Sie Goethes Faust fünfmal gelesen haben, was machen Sie dann?

Gin Freund, den ich danach fragte, hat mir geraten, ein Kursbuch mttzunehmen. Da könnte ich dann daS ganze Jahr hindurch von einer Stadt zur anderen reisen. Jeden Tag eine andere Strecke. Aber für die Reisen aus dereinsamen Insel" brauch ich kein Kursbuch.

Rein, ich weih, welches Buch ich mitnehmen würde. Das Konversationslexikon! Sechzehn oder achtzehn dicke Bändel Was man nur wissen will, steht darin. Und auch das, was man nicht wissen will. Mit was für einem Wissen käme ich von der Insel zurück! Don A bis Zytomierz lsprick: schütomiersch, russische Stadt, siehe: Shitomir) wüßte ich alles, was es aus der Welt gibt, weis­lich und gebildet zu erklären.

MitA" fängt es an. Und man kommt nicht darum herum, zu erfahren, dah das der erste Buchstabe des Alphabets ist, dah er früher Aleph" hieh, was soviel wieOchse" bedeutet, und späterAlpha", was gar nichts mehr be­deutet, dah cs einsymbolisches Zeichen" ist und in der Logikdas Ding an sich" barstellt, dah cs als Abkürzungszeichen verwandt wird und dah es in der Musik das ein-, daS zwei-, dis drei- und sogar das viergestrichene2T gibt.

DieAa" hingegen ist ein Fluh. Gin sehr vielfältiger Fluh, der nicht nur in Frankreich und Holland, sondern auch in der Schweiz, in Kurland unb sogar im OSnabrückischen flieht.

muh es privatim kaufen, und zwar in einer Wenge von mindestens zwei Litern, und die trinkt er dann daheim in seinen vier Wänden. Man glaubt auf diese Weise den Alkohol am wirksamsten zu bekämpfen, do der Dlame kein Freund desstillen Suffs" ist.

Man hat auch den Gindruck, dah augenblick­lich auf den Straßen von Antwerpen weniger französisch gesprochen wird als früher. Brüsseler erzählen nut Entrüstung, dah sie hier, wenn sie sich dieser Sprache bedienten, kürzlich von Fla- minganten auf der Straße angeyalten wurden mit der höflichen, aber bestimmten Aufforderung: In Dlaanderen Dlaamsch!" Dazu paht der Stand der französischen Theater. Das große französische Schauspielhaus ist eingegangen: nur noch die Oper besteht, während die beiden großen vlämischen Büynen, dieRederlandschr Opera" und bieRederlandsche Schouwburg" sich steigenden Zuspruches erfreuen. Auck ist eS immer mehr eine ausgesproche germanische Kunst, die hier geboten wird und Anklang findet: 3n der Oper Richard Wagner, im Schauspielhaus neben den niederländischen besonders die deutschen und nordischen Stücke. Ein künstlerisches Ereignis von großer Bedeutung Hal dieser Winter auszu- weisen: Die Erstaufführung von HebbelsRibe- lungen"; der erste Abend war am 12. Februar. Den Uebersetzer, Dr. I. 0. de Gruyter, lernte ich vor dem Kriege kennen, als er, noch ein junger Akademiker, seine treffliche Arbeit gerade voll­endet hatte. Dor fünf Jahren ist er der künst­lerische Leiter des größten vlämischen Theaters Seworden und sieht erst heute, nach dreizehn Zähren, die volle Frucht seiner langjährigen Arbeit und die Erfüllung eines Herzenswunsches. Die feinsinnige Uebersehung und sorgfältige Gin- studierung brachte Hebbels Eigenart auch in niederländischer Sprache wirksam zur Geltung, und ohne Zweifel hat ein Teil der Zuhörerschaft diese Wiederbelebung der allgemÄn-germanischen Sage mit tieferer Bewegung erfaßt, als man hier sonst Theaterereignisse aufnimmt. Anter den volksbewußten Dlamen ist der germanische My­thos ja von jeher eifrig gepflegt worden: man denke an Albrecht Rodenbach, den zu früh ver­storbenen Gründer der vlömisch-katholischen Stu­dentenschaft, und seineGudrun". Es ist seltsam, wie eng im vlämischen Katholikentum christliche und germanisH-vlämische Ueberlieferung zusam­mengewachsen ift.

Was andere Tragödien oder ernste Dühnen- toerte betrifft, so mag man bezweifeln, ob die Stadt von Rubens, Iordaens und Brouwer ihnen starken Widerhall gewährt. Ungeheuere Le­bensbejahung und Lebensfreude wogt noch immer in ihren Straßen, in ihren alten Kneipen und modernen Tanzpalästen. Dem tut die In­flation keinen Abbruch. Daß der belgische Frank tief steht, noch tiefer als der französische, ist für die Ausfuhr günstig. Industrie und Handwerk haben viel zu tun, und die Zahl der Arbeitslosen ist gering. Der Arbeiter und der Bauer stehen wirtschaftlich gut, während der alte Mittelstand schwer zu kämpfen hat.

Der Hasenverkebr ist äußerst lebhaft, und wenn auch das durch den Krieg start gewordene Delgiertum jetzt viel mehr eigene Schiffe hat als früher, so findet doch die deutsche Flagge langsam wieder Eingang, Die Zahl der zu­gewanderten Deutschen soll auf mehrere Hundert angewachsen sein. Werden sie dem Deutschtum nützen oder schaden? Werden sie, wie Tausende ihrer Landsleute, die hier vor dem Kriege ihr Geld verdienten, Französlinge" werden oder er­kennen, daß die unS so nahestehende Sprache von Dondel, Guido Gezelle, Felix Timmermans und Ren6 de Clerca durchaus nicht nur dieDienst­botensprache" ist, für die ihre Feinde sie aus- geben?

. Der belgische Staat ist noch immer die 03er* welschungsmaschine, die durch Schule, Kirche, Der- iyltung und gesellschaftliche Rötigung die Dla­men zu Tausenden dem Franzosentum einver­leibt. Der Rückzug, auf dem sich das Dlamentum seit hundert Jahren befindet, ist nicht mehr so arglos und kopflos wie früher. Die Hochburgen, die sie noch behaupten (von denen Antwerpen eine der größten ist), erscheinen uns vlämischer als früher. Aber ein Rückzug und Rückgang ist es noch immer, während das Welsche vordringt, ober, um in Lodewijk de Raet's Gedanlengang zu sprechen: Während die Dlamen sich durch Geburtenüberschuß in arithmetischer Progression

vermehren, werden sie in geometrischer durch die belgischen Einrichtungen verwelscht.

Oberbeffen.

Landkreis Gießen

XIX Lumda, 30. März. Im Saale der Gast- wirtschaft Schultheiß hielt am Samstagabend Land- wirtskyastsassessor Dr. 6 e ex e r vom Landwirt­schaftsamt Grünberg in einer sehr gut besuchten Versammlung einen Lichtbilderoortrag über Die Bekämpfung der Pflanzenkrankheiten an den Frühjahrssaaten". Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall.

t Grünberg, 29. März. Gestern vor­mittag fand die Abschlußprüfung und gestern nachmittag die Schlußfeier der Schüler der hie- fiegen Landwirtschaftlichen Winter- schule statt. Rachmitlags versammelten sich die Lehrer, Schüler und ehemaligen Schüler so­wie eine große Anzahl Angehöriger und Gaste, besonders von auswärts, zu einer Feier. Direk­tor Trautmann wies in seiner Ansprache auf die Wichtigkeit der Schule und auf die prak­tische Anwendung des Erlernten hin. Hieran schloß sich eine Verlosung von landwirtschaft­lichen Geräten.

t Grünberg, 30. März. Der Hessische Landbund, Bez. Grünberg, hatte nach hier eine Versammlung etnberufen, die sehr gut besucht war. Angelegenheiten der Landwirtschaft und Steuer­fragen bildeten den Kern der Versammlung. Land- tagsabaeordnetcr Fenchel sprach über die steuer­lichen Verpflichtungen der Landwirtschaft. Die Aus- spraäxe richtete sich hauptsächlich auf die «Steuer» angelegcnheiten und die Milchverwertung.

* L i ch, 30. März. Ein umfangreiches und bedeutendes Werk Hal der hiesige Etadtvorstand in diesen Tagen zu Ende gebracht: Die sehr notwendige Erweiterung des Ortsbau­plans und die Aufstellung einer neuen Orts- satzung und einer Daupolizeiordnung, die zur Zeit zur Offenlegung gelangen. Mit dem neuen Ortsbauplan und den Satzungs-Entwurfen ist einem lange Jahre bestehenden Bedürfnis Ge­nüge geleistet worden, und man wird es dem derzeitigen Bürgermeister zu danken wissen, daß er die Stadl auf diesem Gebiete einen beträcht­lichen Schritt vorwärts gebracht hat. Hand in Hand mit diesen Projekten ging die Erwerbung und Erschließung von Bauland, so daß hiermit die Wege zu einer ersprießlichen Entwicklung und Erweiterung unserer Stadt ge­ebnet sind. Schon in diesem Jahre machen sich Anzeichen für eine lebhaftere Bautätigkeit be­merkbar, und es ist zu hoffen, dah dieser Auf­schwung auch in den kommenden Jahren arv» halten wird.

--- Lich, 30. März. Der Turnverein hielt seine 6 6. Hauptversammlung in der Turn­halle ab. Dor Erstattung des Jahresberichtes des 1. Vorsitzenden, R. Zimmer, gedachte die Versammlung in ehrender Weise des verstorbenen Mitgliedes Heinrich Zimmer, sowie des ver­storbenen Gaurechners P o st, Alsfeld, und des verstorbenen Kreisvertreters Schulrat Schmuck, Darmstadt. Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß 13 Dorstandssitzungen und eine Mitgliederversammlung stattfanden, und daß die verdienten Mitglieder L. Scherff, Hermann Dietz, L. Wacker und W. Feh mit dem Chrenbrief des Gaues Heften ausgezeichnet wor­den sind. Don einem regen Turnbetrieb wußten die Berichte des Turnwarts D l e r u f f, des FrauenturnwartS K. Ludwig und des Jugend- Wartes Lehrer Schön mitzuteilen. Die Rech­nungsablage des Kassenwartes H. Vater zeigte folgendes Bild: Baurechnung (Turnhallen­bau) 44 065,19 Mk. In Einnahme und Ausgabe; Vereinsrechnung: 3416,87 Mk. in Ein­nahme und 2986,53 Mk. in Ausgabe. Eine Satzungsänderung, die einen engeren (geschäfts­führenden) und einen weiteren (technische Mit­glieder) Vorstand vorsieht, wurde genehmigt. Rach Ausarbeitung der Satzung erfolgt in einer innerhalb der nächsten vier Wochen einzuberufen- den Generalversammlung die Reuwahl des Vor­standes. Eine längere Aussprache rief die seit einiger Zeit erörterte Frage des Tur n- gartens hervor, der neben der Turnhalle an der Gießener Straße liegt. Das Gelände wird durch den neuen Ortsbauplan zum Teil für eine neue Straße benötigt Es gehen etwa 500 his

Das alles und noch viel mehr steht allein schon auf der ersten Seite. And jeder der achtzehn Bände hat über tausend Seiten. Ich habe gut ein Jahr daran zu lesen.

Greif nur hinein ins voll« Lexikon! Und wo du's aufschlägst, ist es interessant.

Wer, zum Beispiel, weiß, was einAn- grissskavalier" ist? Ich nicht! Es interessiert mich auch gar nicht. Aber auf einer so einsamen Snfel würde es ejnen vielleicht interessieren, zu erfahren, was einAngriffskavalier" ist. Man kann sich so viel dabei denken. Aber daß es ein aus Erde, Faschinen und Sandsäcken her- gestelltes Bauwerk zur erhöhten Aufstellung von Schützen und Geschützen" ist, gerade das hätte man wohl am wenigsten erwartet.

Tralee, Traleyka, Tralles". Das ist nicht ettoa der Refrain eines Kinderliebes. Sondern: eine Stadt in Irland, ein Berg in Nordamerika und ein Mathematiker aus Hamburg, der das Alkoholometer" erfunden hat.

Was aber ist dasAlkoholometer"? So wird man. wenn man erst einmal anfängt, kreuz und quer durch das ganze Lexikon gejagt. Und wenn man das nötige Gedächtnis hat, weiß man am «Schluß nicht nur, was einAngriffskava­lier" und was einAlkoholometer" ist, man weiß auch, was mit Ahab, Ahagger, Ahanta Ahasja, Ahaus, Ahinomani, Ahlbeere und Ahle- feldt eigentlich los ist, dah Ahna eigentlich de Ahne und mit Vornamen Heinrich heißt und ein Violinspieler war, und daß dieAngst" eine Form von Gemütsbewegung" ist, diemit der Furcht (siehe dort!) die Gruppe der de­pressiven Erwartungsaffekte bildet" undbei Ge­sunden nur im Anschluß an die mehr oder we­niger klare Vorstellung einer unmittelbaren Ge­fährdung von Leib oder Seele ober ans Herz gewachsener, wenn auch nur erhoffter Besitz­tümer eintritt.

Ans Herz gewachsene Besitztümer? Wer hätte gedacht, daß das ÄonDerfationdledfon so poe- tifd) sein könnte. Aber wenn es sich umBe­sitztümer" handelt, werden ja die meisten Leute poetisch.

Und dies alles finden wir bloß unter dem BuchstabenA". Wa^ alles würden wir noch finden, wenn wir auf der einsamen Insel ein Jahr lang allein mit dem Konversationslexikon aubnngen müßten! Alle« würden wir wissen. Alles würden wir erklären- können. Und wie

600 Quadratmeter Turnplatz verloren, wofür die Stadt hinter der Turnhalle Ersatz bieten will, lieber die Einzelheiten deS Tausches ist man sich noch nickt einig. Beschlossen wurde, gütlich mit der Stabt zu verhandeln 30 Jahre im Vorstand ununterbrochen als Schriftführer tätig ist Kauf­mann M. Goldschmidt.

df. Langsdorf, 30. März. Dor etwa 14 Tagen berichtete derGießener Anzeiger" aus Lich. daß nun eine tzütliche Auseinandersetzung zwischen dem dortigen Stift und den Kirchen­gemeinden stattgefunden habe, welchen gegen­über es Verpflichtungen hatte. Das Stift bot der hiesigen Kirchengemeinde zur Ablösung seiner Unterhaitungspslicht des Pfarrhauses 14V, Mor­gen Land. Nachdem nun die getroffenen Ab­machungen rechtskräftig geworden sind, über­nimmt die hiesige Gemeinde, zusammen mit der Filiale Bettenhausen die Unterhaltung unseres Pfarrhauses, das einer Aus­besserung bedarf. Zu diesem Zweck besichtigten dieser Tage Kirchen- und Gemeindevertreter beider Gemeinden das z. Z. leerstehende Pfarr­haus. Dabei stellte sich zur Ueberraschung man­chen Teilnehmers heraus, daß das Haus gar nicht so schlecht ist, wie es von mancher Seite ver­schrien war, vor allem, daß es nollfommen trocken ist. Vorhandene bauliche Mißstände kön­nen und sollen nun durch Veränderungen und Ausbesserungen behoben werden. Die Arbeiten sollen bald in Angriff genommen werden. Als­dann ist das Pfarrhaus sehr Wohl eine wür­dige Wohnung, und die Stelle kann zur 'Be­werbung ausgeschrieben werden. Zur Zeit ist Langsdorf Filiale von Hungen.

Krcis Friedberg.

c Bad-Nauheim, 30. März. Der hiesige Turnverein 1860 erzielte mit der Darbie­tung des FilmsKampf und Spiel" einen starken Erfolg. Es handelt sich in der Tat um eins der schönsten Jllmwerke über die Leibes­übungen. Abteilungen des Turnvereins boten zwischen den einzelnen Akten unter Leitung von Turnlehrer Sinnwe11 eindrucksvolle turnerische Darbietungen. Die Turnhalle war überfüllt, und allseits wurde der Wunsch nach Wiederholung der Deranstallung laut.

4 Bad-Nauheim, 30. März. Die Tages­ordnung der jüngsten Sitzung der Stadt­verordneten wies zehn Punkte auf. Be­achtenswert ist der Beschluß, daß nach längerer Aussprache die Summe von 110 000 Mark be­willigt wurde, zu der schon jetzt Baubar- lehn s Verpflichtungen zu Lasten des Rech­nungsjahres 1927 aufgenommen werden dürfen. Eine erste Rate in Hohe von 100 000 Mark ist, wie wir seinerzeit berichteten, schon vor einigen Wochen bereitgestellt worden. Der Freiwilli­gen Feuerwehr, die ihre Schlagfertigkeit dem besonderen Entgegenkommen der Stadtver­waltung und den Stadtverordneten verdankt, wur­den 4500 Mark bewilligt, die für Beschaffung von Ausrüstungsgegenstande nottoenbig sind. Als dringend notwendig wird der Ausbau eines Stückes Waldweg, der einen Teil der großen Rundfahrt bildet, erachtet. 7000 Mark wurden dafür bewilligt. In der nichtöffentlichen Sitzung erfolgte die Gewährung von zwei Baubeihilfe­darlehen.

?? Gambach, 30. März. Dieser Tage sprach hier der bekannte Durcnkomman- dant Koos Joost e. Sein Thema lautete: Quer durch Südafrika". Mit Hilfe von Lichtbildern durchwanderte man die Südspitze von Afrika vom Indischen Meer bis zum At­lantischen Ozean. Herr Iovste gab die notwen­digen Erklärungen dazu und erzählte in seinem Burendeutsch in äußerst interessanten Ausfüh­rungen über seine Reisen, die er teils zu Pferd, teils per Rad oder zu Fuß durch Südafrika unternommen hat. Der Vortrag wurde von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen. Der GesangvereinHarmonie' trug unter Lei­tung seines Chormeisters Sames Holzheim drei Chöre vor, die ebenfalls reichen Beifall erzielten.

OO Riede rflor st adi, 30. März. In seiner letzten Sitzung beschloß der Gemeinderat, die Pflasterung der Gossen in den neuen Straßen wegen Mangel an flüssigen Mitteln noch zurückzustellen. Der Schulsaal in der Kirchgasse soll in diesem Jahre neu hergericktet werden. Die Vergütung für Reinigung der Schul- würden wir dastehen, wenn wir bann wieder unter Menschen kämen?

Unausstehlich I So unausstehlich, wie nur ein Alles-Wisser, ein Alles-Desser-Wisser sein kann. Sounausstehlich wie ein Mensch, der auf den ersten Anhieb gleich erklären kann, was ein Angriffskavalier", was eineAhlbeere" und fogar wasAngst" ist, so unausstehlich, wie wie so ein Mensch eben sein muh.

Alnb ich weiß nicht, ob wir nicht doch lieber einen Roman der Courths-Maler mitnehmen sollen? Dann wissen wir jedenfalls zum Schluß nicht mehr als andere Leute auch. Und nur was Langeweile" ist, das werden wir dann gründ­lich wissen. Aber das wissen die meisten Leute, ohne erst im Konversationslexikon nachschlagen zu müssen. _________

Hessisches Landestheater.

Die letzten Aufführungen des Hessischen Landestheaters standen unter dem Zeichen Beethovens. Zum ersten Male in Darmstadt wurde das sehr selten aufgeführtc Iugendwerk des MeistersDie Geschöpfe deS Prometheus" gegeben; das Tanzspiel verdient, gelegentlich m den Spielplan einer größeren Bühne ausgenom­men zu werden An Prometheus, den Himmels­stürmer, der an einen Felsen tm Kaukasus ge­schmiedet wurde, darf man freilich hier nicht denken, sondern Schilderungen von einem gol­denen Zeitalter, von Liebe und Versöhnung finb die Grundstimmungen, und demzufolge ist der Gesamtcharakter des Werkes, von dem Prvme- theusthema der Einleitung abgesehen, eine im klassischen Gewände sich gebende, heitere mufifa- lisch-dramatische Dichtung. Dieses Prometheus- thema hat Beethoven, gewaltig gesteigert und vertieft, in die 3. Symphonie, die Eroica, über­nommen, die man hier in einem ausgezeichneten Konzert des Landestheaters hören konnte. Auch Beethovens Klavierkonzert in 0-Dur kam darin glänzend, mit dem Frankfurter Pianisten Alfred Hohn als Solisten, zum Vortrag. Das Or­chester deS Landestheaters hatte unter der vor­trefflichen Leitung des Generalmusikdirektors R o s e n st o ck noch Gelegenheit, sich in der Wie­dergabe der Pastoral-Symphonie, der Coriolan- Ouvertüre und der Leonoren-Ouvertüre zu be­währen. Im Mittelpunkte der sich auf drei Der- anftaltimgen verteilenden Beethovenfeiern stand eine Ausführung desFidelio": sie ist in

säle wurde von acht aus zehn Mark für der Monat erhöht.

Kreis Büdingen.

.T* Nidda. 30. März. Mit dem Eingang des neuen Holzes aus der Winterfällung hat das H i m m e l S b a ch'sche Sägewerk, das. gemessen an der Arbeiterzahl, das größte In­dustrieunternehmen der Umgebung ist, bie Kurz­arbeit eingestellt und den Vollbetrieb wie­der aufgenommen. Etwa 60 im Vorjahre auf Zeit eingestellte Arbeiter, die zu Anfang des Jahres zur Entlassung kamen, tonnten nicht wieder eingestellt werden. Ein Teil davon ift bereits in der zur Zeit stark beschäftigten Ba- faltinbuftrie untergekommen.

Kreis Schotten.

X Laubach, 30. März. Der hiesige Gustav-Adolf-Frauenverein veran­staltete einen Vortragsabend, bei welchem Hof Prediger W i d m a n n ° Gedern unter Vorfüh- rung von Lichtbildern aus der Arbeit dce Gustav-Adolf-Dereins über das Thema sprach Allermeist an des Glaubens Genossen". Dekan V o l p sprach Begrüßungs- und Schlußwort.

x Gedern, 30. März. 3m 6t:ebciir.g|d):, Saale fand die alljährliche Schlußf-e lxj des Gustav-Adolf-Frauenvercins und des Iungfrauenvereins statt. Sie stand unter dem Leitgedanken: Winters Ende Frühlings Einzug. Alle Darbietungen: gemein- fame Lieder, Cyorgesänge des Iung'rauenvercins. Deklamationen und Klaviervorträgc gaben dem in finniger Weise Ausdruck. Nach dem Schluß wort des Ortsgeistlichen blieben die Teilneh merinnen noch einige gemütliche Stunden be< Kaffee und Kuchen beisammen. Die in der Woche vorher slattgehabtc Verlosung des Gustav-Adolf-Frauen-Vcreins er­brachte einen Reingewinn von 300 Mark.

Kreis -llsselv.

H Alsfeld, 30. März. Eine inter­essante Entdeckung machte man bei den zur Zeit hier im Gang befindlichen Kanalisations­arbeiten, als ein Rohrstrang über den Markt­platz verlegt wurde. Aus der nordwestlichen Seite des Marktplatzes stieß man in etwa 21/* Meter Tiefe auf starke Fundamentmauern, bk von einem Gebäude her rühren, das also in frühe­rer Zeit auf dem jetzigen Marktplatz gestanden hat. Das Mauerwerk ist noch sehr gut erhalten Man fand auch mehrere Platten, darunter eim noch vollständig erhaltene, stark abgetretene Platte vom Fußbodenbelag des Gebäudes. Ferner ent- deckte man an dieser Stelle mehrere kleine Stücke von verbranntem Eichenholz. Da der Marktplatz in seiner jetzigen, durch feine wundervolle ®c staltung berühmt gewordenen Form urkundlich zwischen 15101530 angelegt worden ist, muß er also früher ein ganz anderes Aussehen gehabi haben, wenn dort ein Gebäude darauf gestanden hat, das jedenfalls schon vor 1510 wieder ver­schwunden sein muh. Es taucht die Bermutuna auf. daß man es bei dem entdeckten Mauerwen vielleicht mit den Resten des ganz allen Rathauses zu tun hat, daS urkundlich bereits auf dem Marktplatz stand, aber mit allen Akten vollständig nieberbrannte. An dessen Stelle wurde dann 1512 das jetzige Rathaus auf dem Markt erbaut. Es ist beabsichtigt, einen Teil des auf- gefundenen Mauerwerks freizulegen, um dadurch vielleicht noch nähere Aufschlüsse über das Ge­bäude zu bekommen.

ck. W e 11 s a g s e n , 30. März. Bei einer hkc durchs Ortsgericht abgehaltenen Grund st ückS- verpacktung wurde für den Morgen 25 bis 30 Mark bezahlt. Diese Preise sind den vor­jährigen gegenüber entschieden niedriger. Die hiesige Gemeinde ift in letzter Zeit sehr daraus aus, ihre vernachlässigten Wege wieder einmal einigermaßen in Ordnung zu bringen Gegenwärttg ist man an der Bergstraße bc schastigt.

Starkenburg.

WEN. Darmstadt. 30. März. Gestern und heute haben hier nicht weniger als drei Per­sonen auf den Schienen den Tod ge- sucht und gefunden. In der Nähe des Südbahn - Hofs lieh sich ein 20 Jahre alter Arbeitsloser uom Zuge überfahren. Er war sofort tot. 2km sogenannten Gräfenhäuser Weg bei Arheilgen wurde der Lokomotivführer ßennert aus Ar-

dieser Spielzeit schon mehrfach wiederholt worden und gehört mit zu den besten Gesamtleistungen der Oper des Landestheaters. Träger des Er­folges waren insbesondere Frau Massen- burg (Fidelio). Gotthelf Pistor (Florestan) und der Dirigent, Generalmusikdirektor Rosen- st o ck. Im Kleinen Hause des Landestheaters gastierte Käte Dorsch, die in Darmstadt von ihrem Mainzer Engagement her bekannt ist, in Hans Müllers SchauspielFlamm e. Das Stück selbst ist ein elender Schmarren, aber die Künstlerin stand wett über ihrer Rolle und ge­staltete sie zu einem Kabinettstück tiefschürfender und erschütternder Eharakteristik. Der Erfolg war so durchschlagend, daß die Generaldirektion deS Landestheaters sogleich mit der Künstlerin Der- Handlungen wegen eines neuen Gastspiels an- geknüpft hat. E. B.

Frankfurter Theater.

Gerhart Hauptmanns Drama aus der bewegtesten, zerrissensten unb deshalb für unsere Zeit beziehungsvollsten Epoche der deutschen Ge­schichte,Florian Geher", wurde nach langer Pause im Schauspielhaus durch Intendant Weichert neu inszeniert. Dieses blutvoll dra­matische Spiel, in welchem die haßerfüllten, fana­tischen Kämpfe der Bauernkriege die Handlung bewegen, erstand in mitreißendem Schwung auf der Bühne. Richard Weichert ließ die bunte, inhaltsvolle Szenenreihe in starken Akkorden auf- klingen, die das ganze Werk zur machtvoll stür menden Symphonie zufammenschloften. So ftei- gertc sich der Abend von Bild zu Bild und ward in feiner starken Eindringlichkeit zum reinen künstlerischen Genüsse. Die Darstellung -- sie erfordert ein großes Menschenspiel vereinigte fast sämtliche Mitglieder des Schauspielensembks auf der Bühne, wurde durch den lon^entrierten Regiewillen Weicherts zu prachtvoll gestrafften Leistungen zusammengeballt. In Ernst Satt­ler fand das Drama einen kraftvoll männlichen Vertreter des Helden, der, wenn auch nicht aus­nahmslos, so doch im allgemeinen sich mit dem Florian Geher des Dichters unb unserer Vor­stellung des historischen Kämpfers deckte. So wurde diese Aufführung, getragen von ihrer künstlerischen Geschlossenheit und dramatischen Wucht, ein großer Erfolg für Hauptmann, Wei­chert und sämtliche Darsteller. L. W.