Ausgabe 
31.3.1927
 
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Wg. 'Seflmann (Zentr.) erflärt, durch die falsche Sparsanckeit der Linken würden die Kosten der Marine auf die Dauer nicht vermindert, sondern vermehrt.

Titan müsse ernsthaft prüfen, ob wir nicht das Tteubaulempo verstärken unb die kostspielige 3n- dienstholiung der allen Schisse aufgeben solle.

Eine Verwaltungsreform sei auch bet der Marine dringend notwendig. Bedauerlich lei, bah in den Offiziersmessen im allgemeinen Zei­tungen gehalten würden, die nicht die Politik der Reichsregierung vertreten. Die letzte Ver­ordnung des Wehrministers erwecke den Eindruck, als ob es hinsichtlich der Ehrenstreitigkeiten bei den Anschauungen des alten Heeres bleiben solle. Angehörigen bet Wehrmacht müsse es verboten werden, sich an gesellschaftlichem Boykott von Personen zu beteiligen, die den Zweikampf ab- lohnen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Erfreulich sei. dah die Flagge der jungen deutschen Marine auch wieder im Ausland gezeigt werde.

Abg. Brüninghaus C®.Bpt.) legt einige Exemplare der ZeitschriftDer Reichswehr- soldat" auf den Tisch des Hauses nieder. Diese Zeitschrift werde in die Kasernen einge­schmuggelt. Sie zeige, in wie wüster We.se die Kommunisten gegen die staatliche Autorität wühlen. Die Besoldung der Ingenieure sei zu niedrig. Die Erhöhung des Marineetats sei nur zurückzuführen auf die Reubauten, die doch längst beschlossen feien. Diese Ausgaben seien ntdxt unproduktiv, denn jedes Volk brauche eine gewisse Rüstung, wenn es nicht zum Spiel­ball fremder Staaten werden wolle. Rund 22 000 Arbeiter sanden bet diesen Schiffsneubauten ihr Brot. (Unruhe links.) Bier Fünftel der Aus­gaben beständen aus Löhnen und Gehäl­tern. Der zehnprozentige Abstrich würde eine Herabsetzung der Armee auf vielleicht 75 000 Mann und die Stillegung aller Schiffsneubauten bedeuten, da die Verwaltungsausgaben gleichwohl bleiben würden. tBeifali bei der D Bp. >

Reichswehrminister Dr. Gehler:

Die Wahrung der Ehre ist dem Mitglied der Wehrmacht nur im Rahmen des Gesetzes möglich. Es ist ihm verboten, sein Recht zu suchen vor Ehrengerichten oder Derbänden irgend­welcher Art. Er hat sich an die vorgesetzte Dienststelle, ihren Ehrenrat oder die ordentlichen Gerichte zu wenden. Aus Boykotterklärungen haben wir keinen Einfluh. Es ist selbstverständ­lich, dah man mit jemanden, dessen Ehre nicht einwandfrei feststeht, nicht verkehrt, bis die An­gelegenheit geklärt ist.

Abg. Dr. B r e d t iWirtschaflspactei- erklärt in der lOprozentigen Streichung solle kein Mist­trauen gegen die Reichswehr liegen. Es handele sich nur um eine Sparmaßnahme infolge der schwierigen Wirtschaftslage.

Zur Abstimmung erklärt Äbg.R önneburg > (Dem.i, seine Fraktion habe dein Gesamtkabinett ihr Misttrauen bereits ausgesprv Len. Sie habe keinen Anlaß, das bei den einzelnen Ministern noch einmal zu tun. Darauf werden die M i h- trauensanträge der Sozialdemokraten und Kommunisten gegen die Stimmen der Antrag­steller abgelehnt. Gegen dieselbe Minderheit wird das Ministergehatt bewilligt. Auch der Rest des Haushalts wird nach den 'Vorschlägen des Ausschusses angenommen. Die Abstimmungen über die Entschließungen, also auch übet die demokratische Entschließung, beim Wehretat 10 Prozent einzusparen, finden, wie üblich, bei der dritten Lesung statt. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag. KriegSlastenetat, Haushalt des Fi­nanzministeriums.

Neue deutsch-englische Industriedesprechnngen Ligsner Drahtbericht desGießener Anzeigers".

B e r l in, 31. März. Wie heute gemeldet wurde, bögeben sich Dr. Clemens L a m m er s nach London, um dort mit dem Regierungsausschuß für Industrie und Handel Besprechungen zu pflegen, und ebenso Franz v. Mendelssohn, um über die wirt­schaftliche Lage Deutschlands einen Vortrag vor der englischen Gruppe der Internationalen Handelskam­mer äu halten. Das sind beides ganz unverfäng­liche -Aufgaben, die aber immerhin als Symptome für die steigende Lebhaftigkeit der deutsch-englischen Wirtschaftsfühlungnahme verzeichnet zu werden Der dienen.

Größere Bedeutung darf man wohl der Tatsache beimessen, daß im Laufe des kommenden Monats neuerdings deutsch-englische Induftrie- besprechungen nach dem Muster von Romsey stattfinden werden, und zwyr diesmal im Hause Dr. Duisbergs, des Vorsitzenden des Reichsverban des der Deutschen Industrie und Vorsitzenden des Direktoriums der I. G. Farbenindustrie. Diese neue Zusammenkunft, die, wie die vorige, einen durchaus privaten Charakter tragen wird, deutet darauf, daß man sich in England der Notwendigkeit einer Verständigung mit der kontinentalen Industrie ober doch zunächst wenigstens eines engeren Gedanken und Erfahrungsaustauschs beroufjt jerooröen ist. Die Konkurrenz auf den überseeischen Märkten und ins besondere die Entwicklung der deutschen Ausfuhr durfte von der britischen Industrie in mancher Be ziehung als ein Druck empfunden werden, um aus der splendid isolation herauszukommen.

Bei den vorjährigen Besprechungen in Romsey hat man sich ausschließlich mit prinzipiellen Fragen befaßt, und die Beratungsgegenstände trugen vor wiegend theoretischen Charakter. Wir glauben zu wissen, daß man sich diesmal schon an konkre t e r e Aufgaben heranwagen wird, so die Frage der nationalen Produktionsquote und die Berständigung über die Bedingungen für den Wettbewerb auf einzelnen Übersee, i f d) e n Märkten, z. B. in Dftafien und Süd­amerika. Wenn das auch bisher nirgends zugestan- ben wirb, so bürste sicherlich auch die Frage eines englischen Eintritts in die Internationale Roh st ahlgemein schäft auf dem Programm stehen, der die britische Industrie anfänglich so ab­lehnend gegenüberstand. In der Zwischenzeit hat sich diese große internationale Industriekonstruktion bewährt. Die Ergebnisse des ersten Geschäftsjahres, der Eintritt her österreichischen, ungarischen und tschechischen Stahlindustrie und der bevorstehende Eintritt Polens in das Kartell machen für Eng­land die Frage aber nachgerade ebenfalls akut. Es ist schon seit einiger Zeit darüber gespro­chen worden, daß unverbindliche Erörterungen über die England im Falle seines Eintritts zuzuteilende Quote gepflogen worden sind, wobei sich allerdings gewisse Differenzen ergeben zu haben scheinen. Man will in der internationalen Gemeinschaft angeblich 95 Millionen Tonnen zugestehen, während die bri tische Industrie 10 Millionen Tonnen fordert. Aber schließlich ist dies keine so entscheidende Differenz,

daß man nicht hoffen durfte, die erste wichtige Grundlage für eine gesamteuropäische I n - dustriegemeinschaft, wenn auch vorläufig unter Beschränkung auf einen Industriezweig, dem­nächst erstehen zu sehen. Dazu werden die wieder­holten deutsch-englischen Besprechungen dann sicher ein gutes Teil beigetragen haben.

Das englische Echo.

L o n b o n , 31. März. (W. T. B. Funkspruch.) Financial Times" sagt in einem Leit- artifel:Die Bemühungen, die jetzt im Gange sind, ein Einvernehmen zwischen britischen mid deutschen Industriellen zustandezubringen. sind von Herzen zu begrüßen. Äächste Woche werden der Präsident des deutschen nationalen Ausschusses der internattonalen Handelskammer und der Vorsitzende der deutschen wirtschaftlichen Untersuchungskommission für industrielle, kommer­zielle und landwirtschaftliche Fragen in London vor 2 bis 300 Dertretern der britischen Industrie und des britischen Handels Reden halten. Deutschland ist noch immer das wichtigste der Länder des Kontinents. Wir brau­chen viele Daren aus Deutschland, genau so, wie Deutschland viele englische Waren braucht. 3e mehr Handel wir treiben können, um so besser für alle Beteiligten.

Schutz vor Dumping-Einfuhr.

Die Regierungsparteien haben in einem ge- meinfamen Antrag den Reichstag aufgefordert, die Regierung zu ermächtigen, bei Dumping-Ein­fuhr Zollzuschläge zu erheben. Dieser An­trag wird im Auslande sicherlich einige Unruhe auslösen, richtet sich aber zunächst gegen keinen Staat, der mit uns auf gesunder Basis wirt­schaftliche Beziehungen unterhält oder mit uns im Warenaustausch steht Beabsichtigt ist wohl nur, der Reichsregierung in den verschiedenen Ver­handlungen über den Abschluß von Handelsver­trägen eine Waffe in die Hand zu drücken, u m öie heimische Industrie vor einer ge­fährlichen Einfuhr zu schützen. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dah wir | mit Milliardenabgaben belastet find, unsere De ! triebe also keineswegs so billig erzeugen können, wie ausländische, deren Waren auf unserem Markt zu günstigeren Preisen angeboten werden können als die im Land selbst hergestellten. Selbst­verständlich wendet sich der.Verbraucher stets dem vorteilhaftesten Angebot zu, auch dann, wenn das Erzeugnis aus dem Auslande kommt. Darunter leidet unsere Wirtschaft, die mehr denn je auf den heimischen Markt ange­wiesen ist. Macht ihr hier das Ausland eine Konkurrenz, die das erträgliche Maß überschreitet, und unserer Arbeiterschaft die Arbeit nimmt, dann muß dieser Einfuhr nach Möglichkeit ein Rie­gel vorgesch ob e n werden.

Das Ausland hat sich bisher mit Hoch- schuyzöllen geholfen und namentlich uns gegenüber nur zu gerne mit Anttbumping-Mah- nabmen operiert, selbst dann noch, als wir schon längst zur Goldmavk zurückgekehrt waren. Amerika geht sogar soweit, sich bei uns an Ort und Stelle über die Gestehungskosten der nach den Vereinigten Staaten zur Verschiffung kom- menben Waren zu orientieren, und das nur des­wegen, um die Einfuhr deutscher Erzeugnisse im Interesse der amerikanischen Industrie zu unter­binden, wenn der deutsche Artikel unter gün­stigeren Bedingungen erzeugt wird, als der ent» sprechende jenseits des Ozeans. Umgekehrt aber sind z. B. die Amerikaner dank ihrer ungeheuren und sehr billigen Rohstoffvorräte in der Lage, deutsche Waren sogar vomdeutschenMarkt zu verdrängen.

Einen derartigen Zustand körmen wir im In­teresse unserer Arbeiterschaft auf die Dauer nicht ertragen, wir müssen nach Abwehrmitteln uns umsehen. Insolgedessen ist der Regierungs­antrag als Schuh der deutschen Arbeit und ihrer Erzeugnisse gedacht. Wir wollen uns nicht ver­hehlen. daß die Anwendung der geforderten Ermächtigung unangenehme Erscheinungen Her­vorrufen kann. Aber schließlich sperren sich al le Rachbarstaaten gegen öie deutsche Ein­fuhr. wollen uns jedoch mit ihren Erzeugnissen überschwemmen. Richtiger wäre es entschieden, die europäischen Staaten dächten einmal daran, sich gegen das amerikanische Dum­ping zu schützen, das sie allesamt jetzt schon recht empfindlich verspüren. Bricht aber in den Vereinigten Staaten erst einmal eine Wirt­schaftskrise aus, dann wird Europa mit ame­rikanischen Erzeugnissen zu so niedrigen Preisen überflutet, daß der größte Teil der Fabriken zum Stillstand kommt, weil sie gegen das ame­rikanische Dumping beim besten Willen nicht wer­den ankämpsen können.

Die Annahme der tschechischen Wehrvorlage.

Die Zustimmung der deutschen Regierungsparteien.

Prag. 30. März. (WB.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses gab der Abg. Zierhut (Bund der Landwirte) namens der im Deut scheu Verband vereinigten Par­teien zu den in Verhandlung stehenden Wehr- Vorlagen eine Erklärung ab, in der es u. a. beißt: Die deutschen Regierungsparteien sind be­reit, dem Staate das zu geben, was dieser zu seiner ruhigen, friedlichen Fortentwicklung bedarf. Auch die derzeit in Verhandlung stehenden Wehr­vorlagen sollen diesem Zweck bienen. Die auf Grund dieser Wehrv erlagen gebildete Wehr­macht kann lediglich zur Verteidigung des Landes selbst bestimmt sein. Daß durch diese Wehrvorlagen das freundschast.iche Verhältnis zu unseren Rachbarn unb besonders zu unserem natürlichen Freunde, dem Deut­schen Reich, in keiner Weise berührt ober beeinträchtigt werden darf, ist für uns selbst­verständliche Voraussetzung. Der Bei­behaltung der ISmonatigen Dienstzeit kann schon deshalb zugestimmt werden, weil sie nur für kurze Zeit bestimmt wird.

Die deutschen Regierungsparteien erachten es für selbstverständlich, daß bei der Durchführung des sogenannten Unterofsiziersvettorgungsgesetzes der nationale Devökerungsschlüssel in vollem Maße zur Anwendung kommt. Daß das Wahlrecht der in aktiver Dienstleistung ste­henden Militärperfonen und der Gendarmerie ruht, entspricht den Anforderungen, die an ein unpolitisches, seinen Aufgaben bewußtes Heer gestellt werden mußten. Damit wird auch einem Mißbrauch gesteuert der zur Beeinflussung der Gemeinbewahlen im deutschen Gebiet angewendet worden ist Die deutschen

Regierungsparteien fordern schließlich, dah die auS bet Revolutionszeit stammenden D i en st - Vorschriften und die Dienstbefehle für die Armee einer Ueberprüfung in der.Rich­tung unterzogen werden, daß alle gehässigen unb bas nationale Gefühl der Völker des Staa­tes verletzenden Bestimmungen und Ausführun­gen schnellstens beseitigt werden. Die beut- schenRegierungsparteien werden für die in Ver­handlung st ehern) en Vorlagen ftirnmen.

Das Abgeordnetenhaus hat dann die Wehr­vorlage m erster und dann in abgekürztem, be­schleunigten Verfahren auch in -weiter Lesung angenommen.

Citauen.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers'.

Berlin, 30. März. Dah es Heinen Län­dern nicht immer sehr leicht fällt, sich an die völkerrechtlichen Formen zu gewöhnen, ist eine Tatsache, mit der man sich wohl ab finden muß. Es geht aber nicht an, dah derartige Länder, deren Hauptaufgabe vielleicht darin beft.hen dürfte, ihre Beziehungen zu den sie umgebenden Grohstaaten wenigstens insoweit zu regeln, daß ein einigermaßen erträg liches Verhält­nis sich anbahnen kann, sich Hebergriffc er­lauben, die sich mit den völkerrechtlichen Ge­flogen heilen in keiner Weise verein­baren lassen. Zu solchen Ländern scheint auch Litauen zu gehören, das auf Grund des Me­mel-Statuts cm sogenanntes Protektorat über das Memelland hat, was von ihm aber dahingebend verstanden wird, dah das Me- melland durchaus zu Litauen gehöre. Dazu kommt noch, daß es für Litauen keine natio­nalen Minderheiten gibt, wenigstens in­soweit es Deutsche betrifft, und dah man sch deshalb für berechtigt hält, mit allen nur er­denklichen Mitteln gegen die Deutschen vvrzu- gehen. Rebenbei spricht man allerdings, sogar in Ministerpräsidenten reden, von einer Verständi­gungspolitik und von dem Wunsch gute Be­ziehungen zu Deutschland zu Pflegen. Das schei­nen aber leereWortezu sein, denn den Taten nach geurteilt, emittiert in Litauen überhaupt nicht so etwas wie ein Derständigungswille.

Dagegen treibt man mit der neuerlichen Verschiebung derWahlenzum memel- ländischen Landtag durch den litauischen Gouverneur des Memelgebiets einen Rechts- bruch, der sich durch nichts rechtfertigen läßt. Es verlautet allerdings, daß unter der Hand noch weitere Verhandlungen um eine Einigung in der Frage der memellänbischen Wahlen stattfinden würden. Daß man aber auf derartige Verhand­lungen kein besonderes Vertrauen haben kann, liegt in den zahlreichen Enttäuschungen begründet, die wir durch Litauen erleben muhten. So wurde gestern gemeldet, daß dem Leiter des Schulwesens Heydekrug vom Memelländischen Direktorium der Dienst zum 1. Mai gekündigt worden sei, well er angeblich unwahre, das Ansehen der Regie­rung herabsetzende Behauptungen aufgestellt habe. Diese Maßnahme dürfte also ebenfalls in der Richtung liegen, mit aller Gewalt für Litauen unbequeme Pers onen z u beseitigen. Wie lange die deutsche Regierung ein solches Verhalten noch mit ansehen kann, dürfte lehr fraglich sein. Cs wird allerhöchste Zeit, daß in Litauen die Verhältnisse endlich ciimal gründlich revidiert und rechtliche Zustände wiederher- gestellt werden. Man kann Litauen nur raten, ferne Willkürmaßnahmen schnellstens einzustellen: im Rotfalle mühte sich sonst der Völlerbund damit beschäftigen.

Aus dem Femeuntersuchungs- ausschutz des Reichstages.

Berlin, 30. März. Der Femeunter- suchungsausschuß des Reichstages begann am Mittwoch mit der Untersuchung der- Vorkomm­nisse in der Schwarzen Reichswehr. Be­richterstatter Dr. Levi (Soz.) schilderte zunächst die Vorgänge in den oberschlesischen Kamerad­schaften. bei denen einK a m e r a d e n g e r i ch t" im Iahre 1923 einen Leutnant Krüger wegen Meuterei zum Tode verurteilte. Das Ur­teil wurde nicht vollstreckt. Die ordentlichen Ge­richte haben später ein Einschreiten abgelehnt, weil die Kameradengerichte unter dem Kr iegszustand ye bildet waren und ihre Mitglieder unter die Amnestie fielen. In der Schwarzen Reichswehr gab es später ähnliche Vorkommnisse. Bei den Prozessen toegen dieser Angelegenheiten, namentlich bei dem Prozeß Roß­bach, erklärten die Mitglieder stets, sie hätten im Einverständnis mit amtlichen Stellen gehandelt. Der Berichterstatter er­örtert dann Einzelheiten des Verfahrens gegen Roßbach unb Genossen unter Verlesung von Stellen aus ben Akten, insbesonbere von Aus­sagen Rohbachs über seine Unterredungen mit dem Reichskanzler Cuno, bet denen Roßbach die völlischen Turnerschaften unb anbere Verbände zum Kampf gegen innere unb äußere Feinde dem Reichskanzler zur Verfügung stellte. Der Be­richterstatter erneuert seinen Antrag, zunächst Kainer, von Bock und Schleich darüber zu ver­nehmen, ob Akten über die Schwarze Reichs­wehr vorhanden wären.

Das Reichsbewerlungsgesetz.

Berlin, 30. März. (DDZ.) Der Steuer- a u s s ch u ß des Reichstages beschäftigte sich heute mit einer Verordnung, nach der von einer Neube­wertung des landwirtfchafllichen und sonstigen Grundvermögens für 1927 Abstand genommen wer­den soll, ferner einem Gesetzentwurf, der den Reichs­finanzminister ermächtigt, die Bindung ein- Seiner Länder an d i e Einheitswerte des Reichsbewertungsgesetzes für ein weiteres Jahr hinaus zu schieben und schließ­lich mit einer Denkschrift der Regierung, in welcher dem Ausschuß die Ergebnisse einer Umfrage über die Erfahrungen mit den Grundwertausschükfen unter­breitet wurden. Darin wird das Vorhandensein von Steuers ab otage in 13 Landesfinanzämtern mitgeteilt.

Abg. Dr. Herz (Soz.) vermißte Handlungen der Regierung auf strafprozessualem oder disziplinari­schem Wege geben diejenigen Mitglieder der Grund- bewertungsausichüsse oder diejenigen landwirtschaft­lichen Organisationen, die sich strafbare Handlungen haben zuschulden kommen lassen.

Ministettaldirektor Dr. (Torben wies darauf hin. daß eine neue Bewertung des land­wirtschaftlichen Vermögens und des Grundvermögens im Hinblick auf die Belastung der Finanzämter ausgeschk-ossen sei. Gegen Ver­stöße, die von einzelnen Bewertungsausschußmitglie- oern ober von dritter Seite vorgenommen seien.

werde im Einzelsall mit Strenge oorgegangen. Die Ermittlungen hierüber seien noch nicht abgeschlos­sen. Nach längerer Aussprache wurde die Verord­nung gebilligt und der Gesetzentwurf angenommen. Außerdem wurde eine Entschließung der Regie­rungsparteien angenommen, die die Reichsregierung aufforbert, gegen Steuersabotage auch mit den Mit teln des Strafrechts vorzugehen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Ausschmückungsausschuh des Reichstags be­schäftigte sich mit dem Plan der Aufstellung der Düsten der Reichspräsidenten Ebert und o. Hindenburg im Reichstag. Es be- stand Einigkeit darüber, daß die beiden Düsten in ber Wandelhalle des Reichstags zur Aufstellung ge­langen sollen.

Der Preußische Landtag entschied sich bei ber namentlichen Abstimmung über die pädago­gische Akademie in Frankfurt a. M. mit 198 gegen 160 Stimmen für die Aufrechterhaltung der Akademie.

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Nach einer Meldung derTägl. Rundschau" aus Bozen wurden in Tirol sämtliche b tjj tfAen Advokaten, nachdem sie vor einer Kommission den Nachweis der Kenntnis der italienischen Sprache erbracht hatten, zur Verteidigung zuge­lassen.

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Zum Oberstkommandierenden der btttischen Armee im Rheinland ist General Th waites ernannt worden. Der bisherige Oberstkommandierende, Gene­ral D u c a n e , übernimmt den Gouverneurposten in Malta.

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Der jetzige niederländische Gesandte in fionbon. van Sroinben, soll als Nachfolger van Karnebeeks als Minister des Auswärtigen in Aussicht genommen (ein. Es ist jedoch nicht sicher, ob der Gesandte sich zur Uebernahme des Postens bereit erklären wird.

Aus aller Welt.

Pfarrer Schnoor vom Amte iuspenblert

Der Pfarrer Schnoor in Königsberg, ber wegen eines auf ihm ruhenben Mordverdachts von ber Berliner Kttminalpolizei vernommen worben war, ist von seinem Amte suspendiert worben. Die Suspenbierung bes Pfarrer-, bei gemeinsam mit dem Amtsvvrsteher Friese ben Generalsuperintendenten D. Dibe- lius falsch informiert haben soll, erfolgte wegen ber bei dem Ermittlungsverfahren ans Licht gekommenen sittlichen Bersehlun- g e n, Die ihn als evangelischen Pfarrer unmög­lich gemckcht haben. Gegen Schnorr ist ein Diszipli­narverfahren eröffnet worden. Er wirb Don­nerstag erstmalig vom Konsistottum vernommen werben.

Blitzschlag in eine Kirche.

Bei einem schweren Gewitter schlug Mittwoch nachmittag der Blitz in die Kirche von Königshosen bei Aschaffenburg. Der Turm stürzte vollständig ein, wobei eine historische Glocke sowie die nach byn Kriege neu angeschafsten Glocken zertrümmert wurden.

Schwerer Unfall beim Scharfschießen.

Aus dem polnischen Truppenübungsplatz von Wlodzimierz-Wolnnsk platzte beim Scharfschießen der Artillerie-Fäynrichschule aue bisher noch un bekannter Ursache ein Geschützrohr und zerriß zwei Fähnriche. Mehrere andere wurden leicht verletzt.

Neapelparis ohne Zwischenlandung.

Ein Verkeyrsslugzeug mit drei Fluggästen an Bord ist Mittwoch vormittag 7 Uhr, i n Reapel ausge st legen und um 6 Uhr nach­mittags trotz hesttgen Sturmes ohne Zwischen- lanbung in Le Bourget gelandet. Es ist dies das erstemal. bah ein einfaches Verkehrs­flugzeug elf Stunden ununterbrochen geflogen ist.

Schweres Vergwerksunglllck In Pennsylvania.

5600 Bergarbeiter wurden bei einer Crplosion in den Ehrfeldbergwerken der Pennsylvania Cgal- coke-Cornpany verschüttet. Die verschütteten Bergarbeiter wurden mit Ausnahme von zehn ge­rettet. Die Leichen der zehn tödlich Verunglückten sind geborgen worden.

Autounfall Henry Fords.

Henry Ford, der am letzten Sonntag einen kleinen Autounsall erlitt, besinbet sich im Ford- Hospital, wo er sich infolge seiner Verletzungen einerleicht en Operationunterziehen muß. Ford, der sich in seinem kleinen Auto befand, wurde von einem hinter ihm fahrenden größeren Kraftwagen gegen den Straßenrandge­drückt, wobei der Wagen eine fünf Meter hohe Böschung hinunterstnrzte

Schwerer llnglücksfall aus einer Schweizer Seilbahn.

Am Mtttwochabend riß bas Kabel bet für bie Durchführung ber Bauten zum ElektrizitätS- wert am Avansvn Zwischen Ber unb G ry on errichteten Seilbahn. Gti betabmer Wa­gen, aus dem sich vier Mann beianben, fuhr mit außerordentlicher Gefchwinbigkeit zu Tal unb stürzte in eine Schlucht. Zwei Arbeiter, welche unterwegs abgesprungen waren, erlitten schwere Verletzungen, währenb bie beiben anbertn auf ber Stelle t o t waren.

Seehundsjagd tat Finnischen Meerbusen.

Scharen von Seehunben werben seit einigen Wochen auf bem Eise zwischen den kleinen In­seln bei Reval, wo bie See teilweise offen ist, von Leuchtturrnwüchtern unb Fischern beob­achtet. Die Tiere treten immer imFamilien­kreise" auf und sind ziemlich dreist. Die Fischer unternehmen nun die Iagd auf bie Tiere. Es finb immer bie besten Schützen, bie sich am Seehundsfang beteiligen, denn bie Tiere werden durch Büchsenschüsse aus ziemlicher Entfernung getötet. Mit Brecheisen und ähnlichen Geräten ihnen anS Leben zu wollen, wie es von uner­fahrenen Deehundsfängern betrieben wirb, ist nicht anzuraten, well bie verwundeten Tiere sich zur Wehr setzen, abgesehen davon, dah es eine grausame Tierquälerei bedeutet. In den letzten beiden Iahren waren Deutschland, Eng­land und Schweden bie besten Abnahmegebiete für Seehundsfelle. Fett unb Fleisch würbe im eigenen Lande verbraucht.

Löettcrvoraussagc

Unbeständig, wechselnd bewöllt, etwa- kühler und vereinzelt Riederschläge.

Gestrige TageSteinperctturem entartmum 10 Grad Celsius. Minimum 6,7 Grad TelsiuS. Rie­derschläge 3.6 Millimeter. Heutige Morgentempe­ratur 4.2 Grad Cellius.